Audio

Gottes Werk und Googles Beitrag - Zeitungsverlage und die Herausforderungen der Link-Ökonomie

V.l.n.r: Dr. Till Jaeger, Christoph Keese, Matthias Spielkamp, Malte Spitz, Dr. Eva-Maria Schnurr.

20. Januar 2010
Die Medienwelt befindet sich durch die Folgewirkungen der Digitalisierung in einem epochalen Umbruch. Die Zeitungen, einstmals stolze Träger der "vierten Gewalt", fürchten um ihr klassisches Geschäftsmodell einer anzeigen- und abofinanzierten Bündelung journalistischer Inhalte. Denn der Wegfall der Distributionskosten und die Verweisstrukturen im Internet haben machtvolle Konkurrenz erwachsen lassen. Aggregationstechnologien, soziale Netzwerke und Blogs bieten Leser_innen vielfältige Möglichkeiten, viel gezielter nach Themen zu suchen und Beiträge im Netz mit eigenen Kommentaren und Faktenchecks anzureichern. Die Zeitungsverlage müssen auf dieses veränderte Konsumverhalten reagieren, doch bislang hat sich kein funktionierendes Modell für bezahlten Online-Journalismus herausgebildet.

Im Gegenteil: Aktuelle Nachrichten sind heute in der Regel kostenlos über das Internet oder mobile Applikationen zu beziehen. Von den damit verbundenen Werbeerlösen profitiert vor allem ein Unternehmen wie Google, das mit 85 Prozent den Markt der Suchmaschinen dominiert. Nun möchten auch deutsche Zeitungsverlage an dessen Erlösquellen beteiligt werden. Die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern müsse auch im digitalen Raum ihren Preis haben, fordert die Zeitungsbranche. Ein eigenes "Leistungsschutzrecht", fest im schwarz-gelben Koalitionsvertrag verankert, soll ihnen dafür eine gesetzliche Grundlage geben. Wie begründen sich die Ansprüche der Verlage? Welchen Wert messen wir professionellem Journalismus heute zu?


Auf dem Podium:

Moderation: Matthias Spielkamp (Freier Journalist, Projektleiter iRights.info, Berlin)

Reaktionen (4)

1_ Konrad
23. Januar 2010, 22:55 Uhr

Natürlich weicht Christoph Keese einer präzisen Definition aus, anhand welches Kriteriums bei Weiterverwertung zwischen Urheber- und Leistungsschutzrecht abgegrenzt werden soll, denn eine genauere Betrachtung der Frage würde noch deutlicher den Umstand hervortreten lassen, daß die Verlage in einer Onlinewelt eigentlich gar nicht mehr gebraucht werden. Früher bestand ihre Leistung darin, die Verbreitung des Inhalts technisch und logistisch zu organisieren. Den ganzen Prozeß der Vorbereitung, der Aufbereitung, des Druckens, des Vertriebs usw. Im Internet kann sich jeder selbst verlegen. Und gerade Google hat sich von Anfang an durch das absolut minimalistische Portal hervorgetan. Es gibt keine Zusammenstellung vorselektierter Inhalte oder käufliche Suchergebnisse, die Plattform ist im wesentlichen total neutral. Das ist das ursprüngliche Erfolgsgeheimnis. Das heißt, jeder Benutzer bzw. Konsument kann auf sehr direktem Wege genau die Inhalte finden, die ihn interessieren, selbst wenn sie nur irgendein unbekannter Amateur veröffentlicht hat. Die Verläßlichkeit der Information ist leicht einzuschätzen, indem man andere Quellen hinzuzieht, die auf dem selben Wege sehr einfach erreichbar sind. Die Struktur der alten Medien ist im Grunde bereits überflüssig, sie existiert nur noch wegen der relativen Trägheit solch großer Wandlungen. Und Qualitätsjournalismus ist auf diese Strukturen gar nicht angewiesen, entgegen dem Eindruck, der immer gern verbreitet wird. Wie Frau Schnurr sagt: Die großen Presseverlage wollen selbst nicht angemessen dafür zahlen. Sie spielen sich nur als Garant für diesen Wert auf, um ihre Forderungen als Interessen der Allgemeinheit erscheinen zu lassen. Journalisten können die Verlage einfach in der Verwertungskette einsparen, so können sie den Wert ihres Tuns viel effizienter wirtschaftlich ausschöpfen, sie können zudem freier arbeiten und die Publikation ihres Werks besser kontrollieren.
2_ Lars Schönfeld
25. Januar 2010, 07:47 Uhr

Kein Vertreter aus der SEM-Welt? Nur Lobbyisten und Politiker, aber dann nicht mal ein Pirat? Das kann ja nur in die Hose gehen! Und nicht vergessen: auch der Springer-Verlag verdient Geld mit Online-Werbung und Clicks auf aeinen Websites.
3_ Daniel Schultz
2. Juli 2010, 10:41 Uhr

Falls jemand folgendes Zitat von Christoph Keese sucht:

"Das Leistungsschutzrecht ist ein kleiner Bestandteil, vielleicht und hoffentlich, aber bei weitem nicht hinreichend die Lösung des Finanzierungsproblems."

am Minute 86:24

4_ "Gottes Werk"
27. März 2011, 17:29 Uhr

"Gott" wären hier also die deutschen Verleger, entsprechend nehmen sie auch Einfluss auf die Politik, die dem nur schlecht informiert gegenüber steht:

"Aktuelle Nachrichten sind heute in der Regel kostenlos über das Internet oder mobile Applikationen zu beziehen. Von den damit verbundenen Werbeerlösen profitiert vor allem ein Unternehmen wie Google, das mit 85 Prozent den Markt der Suchmaschinen dominiert."

Ich bin gewiss kein Google-Fan, aber wo stellt Google kostenlos News zur Verfügung, die sich die Verlage unter Mühen abgerungen haben? Tatsächlich sind auf Google News nur die Titel und kurze Anrisse der News-Texte zu finden, die direkt auf den jeweiligen Urheber verlinken. Dieser kleine aber wesentliche Unterschied scheint an den Politikern oft vorbeizugehen. Zudem ist Google News werbefrei, was das oben zitierte Argument noch einmal entkräftet. Schließlich sind es ja die Verlage selbst, die ihre News häufig kostenlos online zur Verfügung stellt.

Kommentar schreiben




 Bitte Zahlenkombination eingeben und anschließend auf den grünen Pfeil klicken.
Ihr Warenkorb

 

Lieferbedingungen
Allgemeine Geschäftsbedingungen der Heinrich-Böll-Stiftung (AGB hbs)
Hier finden Sie Informationen rund um die Bestellung: Porto-Kosten, Hinweise zum Datenschutz, Ausnahmeregelungen oder die Nummer der telefonischen Beratung. mehr»
Hilfe
So bestellen Sie auf boell.de
Der Bestellvorgang auf boell.de Schritt für Schritt erklärt: Hier erfahren Sie ausführlich, wie Publikationen auf boell.de bestellt werden. mehr»
Veranstaltungsreihe
Die Stiftung in Social Networks
Icon Facebook, CC-BY-SA jwloh01 at gmail dot com Facebook Icon Twitter, CC-BY-SA jwloh01 at gmail dot com Twitter
Icon YouTube, CC-BY-SA jwloh01 at gmail dot com YouTube Icon Flickr, CC-BY-SA jwloh01 at gmail dot com Flickr
Icon SoundCloud SoundCloud Icon RSS-Feed Feeds
Banner Campuszeitung April 2013