Viel zu viele ungenutzte Potenziale bestehen noch an deutschen Hochschulen, wenn es darum geht, Forschung und Lehre mit gesellschaftlichen Diskussionen und Entwicklungen zu verknüpfen oder politische Debatten und praktisches Handeln auf dem Campus zu verbinden. Dies erwies sich als die wichtigste Erkenntnis der Veranstaltungen an der Kieler Christian-Albrechts-Universität im Rahmen der Campustour 2009.
Wir wollten wissen, wie die Hochschule zur Abwendung der Klimakrise beitragen kann, denn allein im praktischen Alltag an der Uni eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, angefangen bei einem ökologisch bewussten Einkaufen in Verwaltung und Mensen, über den sparsameren Einsatz von Ressourcen in allen Campusbereichen bis hin zu klimabewusstem Bauen und energetischem Sanieren.
In der Gesprächsrunde mit Fachleuten zeigte sich deutlich, dass der Denkmalschutz, der für Teile der Kieler Universität gilt, dem Klimaschutz nicht grundsätzlich im Wege steht. Ein anderes Ergebnis des Gespräch war, dass der Denkmalschutz für die Studierenden an der Uni Kiel ein Sinnbild für Stillstand angesichts der herbeigesehnten Modernisierung ihrer Hochschule bedeutet. Hier gibt es weiterhin einen großen Gesprächsbedarf, denn bei aller Notwendigkeit der Sicherung von Kulturgütern kann ein umfassendes klimabewusstes Handeln auf dem Campus nur gelingen, wenn sich alle Akteure mit ihrem akademischen Lebens- und Arbeitsumfeld identifizieren.
Eine weitere Diskussionsrunde befasste sich mit der Forderung, die globalen Auswirkungen der Klimakatastrophe sowie die möglichen Gegenstrategien in Forschung und Lehre aller wissenschaftlichen Disziplinen stärker zu verankern. Einigkeit herrschte darüber, dass die Dimension der akut drohenden Klimaveränderungen derart gravierend ist, dass ein Teil der Lösungsstrategien auch die besondere Verantwortung der Hochschulen ist.
Um sehr grundsätzliche Hochschulpolitik ging es dagegen im ersten Grünen Wissenschaftssalon, zu dem die Heinrich-Böll-Stiftung und die Grüne Hochschulgruppe geladen hatten. In dessen Zentrum stand eine sehr engagierte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Bolognaprozesses und damit der Einführung von Bachelor und Master.
Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein wird diese gelungene Diskussion fortsetzen und plant weitere Veranstaltungen an der Kieler Universität.



