Die Campustour in Sachsen
Mittweida
17. Juni 2009
Kathrin Bastet.
Von Kathrin Bastet

Die Geschichte der Fachhochschule im mittelsächsischen Mittweida reicht über 130 Jahre zurück. Gegründet als private Einrichtung zur Ausbildung von Maschinenbauingenieuren entwickelte sich der Standort zur international ausgerichteten "Hochschule Mittweida (FH) University of Applied Sciences". Neben dem Schwerpunkt auf technischen und naturwissenschaftlichen Fächern finden auch die Fachbereiche Soziale Arbeit und Medien regen Anspruch.
 
Weiterdenken, die Heinrich Böll Stiftung in Sachsen, hat am 6. Mai in Mittweida die Campustour in Sachsen eröffnet und war mit verschiedenen Angeboten auf dem Campus präsent. Über den Tag hinweg informierten StipendiatInnen und MitarbeiterInnen des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung über die Stipendienförderung für Studierende und Promovierende. Vor allem waren die Informationen zu Promotionsstipendien gefragt. Für die StipendiatInnen ist das Stipendium eine große Hilfe - finanziell aber genauso auch ideell. Diese positiven Erfahrungen gaben die Stipendiatinnen an diesem Tag auch an die Studierenden in Mittweida weiter.

Am Nachmittag war Sven Giegold, Europakandidat für Bündnis 90/Die Grünen und Mitbegründer der globalisierungskritischen Initiative „Attac“, zu Gast in Mittweida. Zusammen mit Professor Dr. Michael Wüst (Volkswirtschaft FH Mittweida) diskutierte er die Ideen des „Green New Deals“ - ein wirtschaftspolitisches Konzept, das Klima- und Wirtschaftskrise gemeinsam angeht. Die Moderatorin Annekatrin Giegengack, Mitglied bei Weiterdenken und Grüne Stadträtin in Chemnitz, stellte am Ende fest: „ Ich bin sehr froh, dass so viele Studierende Interesse an dieser Diskussion hatten - das Thema scheint einen Nerv zu treffen.“

Die letzte Veranstaltung am Abend stand unter dem Titel “Rechtsextremismus in Mittweida und die Rolle der Hochschule“. Das Problem manifester rechter Strukturen in Mittweida ist bekannt, die Region gilt als Brennpunkt rechtsextremer Gewalt in Sachsen. Die Podiumsdiskussion brachte versierte Experten aus der Fachhochschule, dem Bündnis für Menschenwürde in Mittweida, der RAA Sachsen und der Universität Chemnitz ins Gespräch und bot fundierte Analysen und neue Perspektiven. Der Hochschultag wurde von Radio Mittweida angekündigt und www.medien-mittweida.de berichtete ausführlich zu allen Veranstaltungen.

Dresden
Weiterdenken, die Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen, machte mit der Campustour am 27. Mai in Dresden Station. Über den Tag hinweg hatten Studierende die Möglichkeit, sich aus „erster Hand“ über Fördermöglichkeiten des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung zu informieren: StipendiatInnen aus Dresden berichteten an einem Info-Stand über die Formalien einer Bewerbung und über ihren eigenen Erfahrungen.

Am Nachmittag stand das Thema „Bildung - reine Männersache?“ auf dem Programm. Die Grüne Alternative Hochschulgruppe bot eine Vorlesung an, in der sie die „Bilungsschere“ zwischen Männern und Frauen und ihre Ursachen problematisierten. Denn die bekannte „gläserne Decke“ ist nach wie vor auch im Wissenschaftsbetrieb zu finden. Nachweislich nehmen Frauen nur sehr selten Spitzenpositionen an den Universitäten ein, die allermeisten Professuren sind nach wie vor fest in Männerhand.

Als letzter Programmpunkt wurde am Abend zum Thema „Ethik in den Wirtschaftswissenschaften - was lernt die Lehre aus der Krise?“ diskutiert. Aus aktuellem Anlass der Finanzkrise wurde der Frage nachgegangen, welche Rolle Ethik in der derzeitigen Ausbildung in den Wirtschaftswissenschaften spielt oder spielen sollte.
Dr. Olaf Schumann stellte unter anderem ein entsprechendes Lehrprogramm vor, das von der Goethe Universität in Frankfurt eingerichtet wurde und in Deutschland eine Vorreiterrolle einnimmt. Mit Prof. Dr. Lehmann-Waffenschmidt diskutierte er die Möglichkeiten, mehr Ethik in die Lehrpläne der Wirtschaftswissenschaften einzubringen, um zusätzlich zu den bisherigen Inhalten auch die große Schnittmenge zwischen Wirtschaftshandeln und ethischen Fragen zu behandeln.

Leipzig
Die Universität Leipzig (Alma mater lipsiensis) ist die zweitälteste Universität Deutschlands und begeht 2009 ihr 600. Jubiläumsjahr. Weiterdenken, die Heinrich-Böll-Stiftung in Sachen, war am 13. Mai mit der Campustour vor Ort. Auf einem „grünen Marktplatz“ konnten sich die Studierenden über verschiedene Hochschulinitiativen und das Studienwerk der Böll-Stiftung informieren und deren Arbeit kennenlernen.
 
Mittags stand im „Wissenschaftssalon“ die Frage nach den prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen vieler, speziell der jungen AkademikerInnen im Mittelpunkt: unbezahlte Überstunden, wenig Anerkennung, geringe Aufstiegschancen und kaum unbefristete Arbeitsstellen prägen den beruflichen Werdegang vieler WissenschaftlerInnen. Zusammen mit Tobias Peter, Parlamentarischer Berater für Wissenschaft und Hochschule der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, problematisierten die TeilnehmerInnen die aktuelle Situation an der Uni Leipzig und diskutierten politische Lösungswege.

Am Abend fanden zwei weitere Veranstaltungen statt. Eine Podiumsdiskussion stellte die Gegenwart und Zukunft der Vermittlung von DDR-Geschichte an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen zur Debatte. Es diskutierten dabei Dr. Jens Hüttmann von der Stiftung Aufarbeitung, Leonard Schmieding (Fachdidaktik Geschichte), Kathrin Franke (Politikwissenschaft) sowie Studierende, die ein Seminarprojekt zur Vermittlung von DDR-Geschichte in außerschulischen Bildungseinrichtungen vorstellten. Hier wurden die herausgehobene Rolle der Universitäten als Wissensproduzentinnen und die sehr unterschiedlichen Herangehensweisen und Schwerpunktlegungen bei der Vermittlung im Bildungsbereich deutlich.

In einer weiteren Veranstaltung unter dem Titel „Rülpsende Kühe und das Klima“ stand das Problem der industriellen Landwirtschaft als eine der Hauptursachen für die Emission klimaschädlicher Treibhausgase im Mittelpunkt. Christiane Schuler (Agraringenieurin, Attac Agrarnetz) stellte in ihrem Vortrag dar, wie z.B. übermäßige Düngung und Massentierhaltung zu diesem Effekt beitragen und wie Lebensmittelproduktion klimaschonend funktionieren kann.

Ihr Warenkorb

 

Lieferbedingungen
Allgemeine Geschäftsbedingungen der Heinrich-Böll-Stiftung (AGB hbs)
Hier finden Sie Informationen rund um die Bestellung: Porto-Kosten, Hinweise zum Datenschutz, Ausnahmeregelungen oder die Nummer der telefonischen Beratung. mehr»
Hilfe
So bestellen Sie auf boell.de
Der Bestellvorgang auf boell.de Schritt für Schritt erklärt: Hier erfahren Sie ausführlich, wie Publikationen auf boell.de bestellt werden. mehr»
Der Clip zur Campustour
Vorlesungsreihe Gender Studies Revisited FAQ - Exzellenzinitiative hochschule@zukunft Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung