Klimagerecht in die Zukunft!
Für „Climate justice now!“ protestierte ein breites Bündnis von AktivistInnen während des Kopenhagener Klimagipfels. Weder in der offiziösen Klimapolitik noch im öffentlichen Diskurs ist das Prinzip bisher jedoch angekommen. Auch aus der Wissenschaft ist kaum etwas davon zu hören, in den Hochschulen ist wenig davon zu sehen. Bei klimagerechter Praxis geht es um mehr als die Einführung von Recyclingpapier, Bioessen oder Ökostrom. Wichtig ist, auch Forschung und Lehre am Leitbild der Klimagerechtigkeit auszurichten. Im Netzwerk Klimagerechte Hochschule (www.klimagerechte-hochschule.de) sind engagierte Menschen zusammengekommen, um Erfahrungen, Ideen und Visionen auszutauschen und die vielen Facetten von Klimagerechtigkeit an Hochschulen Wirklichkeit werden zu lassen
Als studentische Projektwerkstatt geht „BLUE Engineer“ an der TU Berlin mit gutem Beispiel voran, ein Projekt, in dem Studierende selbst Lehrinhalte gestalten. „Unser Ziel ist es, ökologische und soziale Verantwortung in das Ingenieursstudium zu integrieren. Entstehen soll ein Modul, dassim Studium anerkannt wird und einen Blick auf die sozialen Folgen von technologischen Entwicklungen vermittelt.“, so Heike Bursch, Umweltreferentin des ASTA an der TU Berlin. Dies zeigt, was entstehen kann, wenn Hochschulen studentisches Engagement aktiv unterstützen.
Weitergabe von Wissen und Technologie
Letztendlich müssen die Hochschulen selbst umgestaltet werden. Studiengänge müssen den Studierenden die Kompetenzen und das nötige Wissen vermitteln, um die gesellschaftliche Herausforderung Klimawandel und die damit verbundene Transformation zu bewältigen. Dazu gehören auch interdisziplinäre Projekte sowie die Wahlmöglichkeit, sich in diesem Thema zu vertiefen. Neue ökologische Studiengänge müssen weiter gestärkt werden.
Gleiches gilt für ökologische Forschungsbereiche und interdisziplinäre Forschung zum Thema Klimagerechtigkeit. Wichtig ist, dass solche gesellschaftlich relevante Forschung direkt aus Steuern finanziert wird, um Abhängigkeiten von Drittmittelgebern zu vermeiden. Schließlich sollten alle Forschungsergebnisse über sogenannten „Open Access“ öffentlich zugänglich gemacht werden. Denn nur so ist sichergestellt, dass weltweit die besten vorhandenen Techniken und Methoden zum Einsatz kommen können, etwa, wenn es um die Verminderung des CO2-Ausstoßes geht. Es sind eben auch diese Technologie- und Wissenstransfers, die besonders die Länder des globalen Südens brauchen, um Armut und Klimawandel begegnen zu können.
Hochschulen haben eine Vorbildfunktion und Wissenschaft hat hohen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen. Darum muss gerade hier im Sinne von Klimagerechtigkeit gedacht und gehandelt werden.
Susanne Ott studiert an der FU Berlin und ist aktiv im Netzwerk Klimagerechte Hochschule.



