Hochschule, öffne dich

Deutsche Hochschulen entdecken Diversity Management. Sie wollen sich für benachteiligte und unterrepräsentierte Gruppen öffnen und daraus Potenzial schöpfen

29. März 2010
Von Stefanie Groll
Ute Klammer ist die Erste ihrer Art. Vor zwei Jahren wurde die 46jährige Professorin der Politikwissenschaft erste Prorektorin für Diversity Management an einer deutschen Hochschule. Die Einrichtung der neuen Stelle war für die Universität Duisburg-Essen ein logischer Schritt, möchte sie doch zur „Modellhochschule für Integration in der Wissenschaft“ werden. Das bedeutet für sie mehr als ausländisches Spitzenpersonal zu rekrutieren und beim Personal die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Ihr Leitbild ist umfassender: „Wir wollen die universitäre Monokultur aufbrechen und im universitären Bildungssysteme unterrepräsentierte Gruppen fördern. Besonders die Vielfalt der Studierendenschaft ist für uns Qualitätsmerkmal und Potenzial zugleich“, erklärt Frau Klammer. Gerade im „Pott“ gehe es darum, Menschen mit Migrationshintergrund und vom Strukturwandel betroffenen Erwerbstätigen eine akademische Ausbildung zu ermöglichen. Für diese sogenannten nicht-traditionellen Studierenden sollen Sprachkurse, Mentoringprogramme sowie Teilzeitstudiengänge angeboten werden. Zum Diversity Management gehöre auch, die Lehrenden für die neue Vielfalt zu sensibilisieren und entsprechende Forschung anzureizen.

Politisch gewollte Vielfalt

Dieser Ansatz von Diversity Management ist in der deutschen Hochschullandschaft noch wenig verbreitet. In den USA und anderen europäischen Ländern sei man da schon weiter, berichtet Frau Klammer. Das mag daran liegen, dass Staaten wie die USA und England sich schon früher als Deutschland als Einwanderungsländer verstanden und Bildungspolitik als Teil der Sozialpolitik betreiben. Auch Affirmative-Action-Programme in öffentlichen Organisationen dürften Diversity Management dort befördert haben. Deutsche Hochschulen sind erst in jüngster Zeit auf das Thema Diversity gestoßen. Ute Zimmermann, Abteilungsleiterin für Chancengleichheit, Familie und Vielfalt an der TU Dortmund stellt heraus, dass gerade die Vorgaben der Exzellenzinitiative einige Universitäten dazu bewogen habe, „über die bislang ausdifferenzierte Gleichstellungspraxis hinaus weitere Organisationseinheiten zu schaffen, deren Aufgabe die Förderung von Chancengleichheit und Diversity sind.“

Kulturelles Kapital der Studierenden und der Hochschule

Politische Anreize dieser Art spielten an der Universität Regensburg weniger eine Rolle, als dort das jüngst das „Secondos-Programm“ ins Leben gerufen wurde. Es richtet sich speziell an Studierende, deren Eltern oder Großeltern aus Ost- und Südosteuropa nach Deutschland kamen (Secondos = Die zweite Generation Zugewanderter). Die Teilnehmer des Programms studieren an zwei Hochschulen, machen Abschlüsse in zwei Ländern und pflegen so die Sprache und Kultur ihrer Eltern. Ihr bikultureller Hintergrund soll als Potenzial begriffen werden. „Wir haben dafür das Rad nicht neu erfunden, sondern leiten dieses Diversity-Programm aus unserem Gründungs- und Forschungsauftrag ab“, erklärt Lisa Unger-Fischer, die Secondos betreut. Die Universität Regensburg, am Rande der Bundesrepublik gelegen, ist traditionell dem Austausch mit Ost- und Südosteuropa verpflichtet. Daraus will die Universität Regensburg nun eine Stärke machen. Mit ihrem Diversity-Ansatz hat sie einen Weg gefunden, ein unverwechselbares Profil zu entwickeln.


Stefanie Groll ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

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