Hochschule, öffne dich
Deutsche Hochschulen entdecken Diversity Management. Sie wollen sich für benachteiligte und unterrepräsentierte Gruppen öffnen und daraus Potenzial schöpfen
Politisch gewollte Vielfalt
Dieser Ansatz von Diversity Management ist in der deutschen Hochschullandschaft noch wenig verbreitet. In den USA und anderen europäischen Ländern sei man da schon weiter, berichtet Frau Klammer. Das mag daran liegen, dass Staaten wie die USA und England sich schon früher als Deutschland als Einwanderungsländer verstanden und Bildungspolitik als Teil der Sozialpolitik betreiben. Auch Affirmative-Action-Programme in öffentlichen Organisationen dürften Diversity Management dort befördert haben. Deutsche Hochschulen sind erst in jüngster Zeit auf das Thema Diversity gestoßen. Ute Zimmermann, Abteilungsleiterin für Chancengleichheit, Familie und Vielfalt an der TU Dortmund stellt heraus, dass gerade die Vorgaben der Exzellenzinitiative einige Universitäten dazu bewogen habe, „über die bislang ausdifferenzierte Gleichstellungspraxis hinaus weitere Organisationseinheiten zu schaffen, deren Aufgabe die Förderung von Chancengleichheit und Diversity sind.“
Kulturelles Kapital der Studierenden und der Hochschule
Politische Anreize dieser Art spielten an der Universität Regensburg weniger eine Rolle, als dort das jüngst das „Secondos-Programm“ ins Leben gerufen wurde. Es richtet sich speziell an Studierende, deren Eltern oder Großeltern aus Ost- und Südosteuropa nach Deutschland kamen (Secondos = Die zweite Generation Zugewanderter). Die Teilnehmer des Programms studieren an zwei Hochschulen, machen Abschlüsse in zwei Ländern und pflegen so die Sprache und Kultur ihrer Eltern. Ihr bikultureller Hintergrund soll als Potenzial begriffen werden. „Wir haben dafür das Rad nicht neu erfunden, sondern leiten dieses Diversity-Programm aus unserem Gründungs- und Forschungsauftrag ab“, erklärt Lisa Unger-Fischer, die Secondos betreut. Die Universität Regensburg, am Rande der Bundesrepublik gelegen, ist traditionell dem Austausch mit Ost- und Südosteuropa verpflichtet. Daraus will die Universität Regensburg nun eine Stärke machen. Mit ihrem Diversity-Ansatz hat sie einen Weg gefunden, ein unverwechselbares Profil zu entwickeln.
Stefanie Groll ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet bei der Heinrich-Böll-Stiftung.



