Leuchttürme und Lehranstalten: Was bringt die Exzellenzinitiative?
"Eine überfällige Justierung"
Von Bernd HuberDas deutsche Wissenschaftssystem hat nachhaltig von der Exzellenzinitiative profitiert. Mit diesem Wettbewerb, mit dem bislang fast 2 Milliarden Euro für die Wissenschaft bereitgestellt wurden, wird universitäre Spitzenforschung in Deutschland gezielt gefördert, um sie damit wieder in der Weltspitze zu verankern. Das führt unweigerlich zu mehr Differenzierung innerhalb unserer Hochschullandschaft: Ich gehe davon aus, dass in Deutschland mittelfristig eine Gruppe von Universitäten mit den weltweit besten Universitäten konkurrieren kann - das ist auch die hohe Messlatte, an der sich die LMU orientieren will. Im Mittelfeld wird es eine Gruppe von Universitäten geben, die einzelne herausragende „Leuchtturm-Projekte“ haben. In der dritten Gruppe werden vor allem die Universitäten zu finden sein, die ihren Schwerpunkt insbesondere in der Lehre haben. Dabei handelt es sich - wie ich finde - um eine längst überfällige Justierung unserer Hochschullandschaft, die im Übrigen auch vor dem Jahr 2006 keinesfalls so egalitär-homogen war, wie einige das heute im Rückblick gerne darstellen.
Bernd Huber ist Professor für Finanzwirtschaft und Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
"Verlierer droht Abwärtsspirale"
Von Michael HartmannDie Exzellenzinitiative hat entgegen der offiziellen Sprachregelung nicht nur Gewinner und Nicht-Gewinner, sondern auch Verlierer zur Folge. Die enorme Konzentration der Exzellenzgelder – die vier erfolgreichsten Universitäten konnten allein ein Drittel der Mittel für sich einstreichen - führt aufgrund der Tatsache, dass auch die Zuweisung der öffentlichen Mittel immer stärker von den Drittmitteln abhängig ist, auf Dauer zu einem realen Minus bei vielen im Wettbewerb nicht erfolgreichen Universitäten. Von aktiver Profilbildung kann bei den Verlierern daher immer weniger die Rede sein. Sie müssen, wie das britische Vorbild der Exzellenzinitiative, die RAE, zeigt mit einer Abwärtsspirale rechnen. Sinkende Forschungsmittel verringern die Chancen auf die Einwerbung neuer Forschungsmittel und so weiter und so fort. Was für sie bleibt, ist in zunehmendem Maße nur noch die Massenausbildung in Bachelor-Studiengängen. Ob die deutsche Wissenschaft als ganze von dieser enormen Konzentration der Forschungskapazitäten profitieren wird, ist mehr als fraglich.“
Michael Hartmann ist Professor für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt.



