Rückblick
Peak-Oil-Veranstaltung an der TU Berlin
Am 02. Juni 2010 kamen rund 100 Zuschauer/innen in den Hörsaal 001 der Technischen Universität Berlin. Sie kamen um den Dokumentarfilm „Bis zum letzten Tropfen – vom Ende des Öls“ zu sehen. Ein wichtiger Film, der auf eine unbequeme Wahrheit eingeht: Die maximale globale Fördermenge (peak oil) von Erdöl ist erreicht. Eine radikale Energiewende und massive Veränderung unseres Lebens- und Konsumstils sind notwendig. Andererseits kommt es zu gravierenden internationalen Konflikten.
Im Anschluss an die Vorführung wurde zwischen einem bunt gemischten Podium und einem kritischen Publikum lebhaft diskutiert. Zunächst ging es um die Rolle der Hochschulen und der Wissenschaft: Ist peak oil da ein Thema? Matthias Sdun, Filmemacher von „Bis zum letzten Tropfen“, wünschte sich mehr Aufmerksamkeit für peak oil, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Gabriele Wendorf, Vizepräsidentin der TU, berichtet, dass an ihrer Uni bisher nur vereinzelt dazu geforscht werde. Vor allem inter- und transdiziplinäre Projekte vermisse sie noch. Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut verwies auf ASPO Deutschland, einem Verein von Wissenschaftlern und anderen Interessierten, die sich mit technischen Aspekten von peak oil beschäftigen und in der Öffentlichkeit kritisches Bewusstsein dafür schärfen.
Viele Zuschauer/innen beteiligten sich an der Diskussion mit Kommentaren. Einige nutzen die Gelegenheit für eine Generalkritik am deutschen Hochschulsystem: „Zu verschult und kein Platz für kreatives Denken und Kritik. Da kommen dann auch keine Lösungen für peak oil und Klimakrise“ war der Tenor. Ein Student fragte, warum man auf einen technologischen Durchbruch warten würde. Die Konzepte lägen doch schon seit Jahrzehnten in der Schublade. Und trotzdem sei man noch so abhängig vom Öl. Damit sprach er ein für die Umweltwissenschaft bzw. Umweltpolitik typisches Dilemma an: Man handelt bzw. handelt nicht wider der wissenschaftlichen Erkenntnis und wider besseren Wissens.
Gruppen im Transition-Town-Movement umgehen dieses Dilemma mit eigenen Ernergiewendekonzepten, wie Ingo Frost von TransitionBerlin.de aufzeigte. Transition-Gruppen vertrauen nicht auf technologische Lösungen und Politik, sondern arbeiten auf Bewusstseinsveränderung im Umgang mit natürlichen Ressourcen hin. Sie entwerfen eigene, lokale Handlungsstrategien.
Thomas Finger (grüneUni.org) initiierte im Anschluss an die Veranstaltung eine studentische Peak-Oil-Gruppe an der TU. Die Gruppe soll sich u.a. in einer Projektwerkstatt mit peak oil auseinandersetzen und Impulse für eine Energiewende in Lehre, Forschung und Alltag geben. Informationen: www.gruene-uni.org



