Euromajdan - Momentaufnahmen aus der Ukraine

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Fast 200 Gäste im Großen Saal der Heinrich-Böll-Stiftung verfolgten am Abend des 12. März 2014 die Diskussion anlässlich des Erscheinens des Buches „Majdan! Ukraine. Europa.“ Zunächst charakterisierte die Kiewer Fotokünstlerin Yevgenia Belorusets anhand einiger Bilder ihres Fotozyklus „Euromaidan. Besetzte Räume“ die Protestbewegung vom Majdan als breite Bürgerbewegung für Freiheit und gegen staatliche Willkür und Korruption. Erst als die anfänglich stark studentisch geprägten Demonstrationen für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union am 30. November 2013 mit massivem Gewalteinsatz von der Polizei aufgelöst worden waren, hätte sich die Bewegung sehr stark vergrößert. Einfache Menschen aus dem ganzen Land sammelten mitunter in ihrer Heimat Unterstützung, um dann einige Tage bei den Protesten in Kiew dabei sein zu können. Darüber hinaus gelang es, sonntags viele (überwiegend russischsprachige) Kiewerinnen und Kiewer für Massendemonstrationen gegen die Regierung zu mobilisieren.

Die russische Propaganda denunziere die Protestbewegung als faschistisch, wie auch der Historiker Andriy Portnov ausführte. Zwar seien rechtsnationale und -extreme Kräfte aus dem Umfeld der Svoboda-Partei und des sogenannten Rechten Sektors durch ihr teilweise martialisches Auftreten auf dem Maidan sehr sichtbar gewesen. Von einer Dominanz dieser Gruppen in der Gesamtbewegung könne aber keine Rede sein. Die Svoboda-Partei verliere laut Umfragen derzeit eher an Ansehen und Unterstützung. Auf Widerspruch traf mit seinem bewusst provozierenden Aufsatz der westukrainische Lyriker Andriy Lyubka. In seinem im Internet bekannt gemachten Beitrag hatte er die Abspaltung der Krim bereits als unabänderlichen Fakt akzeptiert und diese Entwicklung sogar als dienlich für den Wandel im Rest des Landes bewertet, da das Land mit dem Abdriften der Krim auch eineinhalb Millionen pro-russische Wählerinnen und Wähler verliere.

Kyryl Savin, Leiter des Ukraine-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung, beschrieb die Herausforderung der schnellen Organisation von legitimierenden Neuwahlen. Die russische Regierung könnte weiterhin gezielt versuchen, die Situation besonders in der Ostukraine zu destabilisieren und somit einen ordnungsgemäßen Wahlablauf verhindern. Vorschläge zu einer Föderalisierung des Landes seien mangels föderaler Tradition und sinnvoll abgrenzbarer Gebiete abwegig und könnten auf einen schleichenden Zerfall des Landes hinauslaufen und die Regierbarkeit eher erschweren.

 

Video-Mitschnitt der Veranstaltung

 



„Majdan! Ukraine, Europa“

Erschienen im März 2014 im Verlag edition.fotoTAPETA
Herausgegeben von Claudia Dathe und Andreas Rostek
160 S., 9,90 Euro
ISBN 978-3-940524-28-7


Augenzeugen, Schriftstellerinnen, Dichter und Intellektuelle aus der Ukraine haben ihre Texte zusammengetragen zu einer „Geschichtsschreibung des Augenblicks“ – ein in kurzer Zeit zusammengestelltes Buch, das persönliche Erlebnisse schildert, die Lebensverhältnisse im Land beschreibt und einen Blick auf die Geschichte wirft. Wir bedanken uns für die Initiative zum Buch bei den Herausgeber/innen sowie bei den Übersetzerinnen und Übersetzern von Translit e.V.

 

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