Perspectives Naher Osten & Nordafrika 6: I do not want to be born a refugee

Perspectives Naher Osten & Nordafrika 6: I do not want to be born a refugee

Heinrich-Böll-Stiftung - Mittlerer Osten
Veröffentlichungsort: Beirut / Tunis / Ramallah
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2013
Seitenanzahl: 36
Lizenz: CC-BY-NC-ND

Traurigerweise wurde der Nahe Osten weltweit im letzten Jahrzehnt Zeuge einer Massenvertreibung von Menschen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt flüchten Millionen Syrer von ihrem Wohnort, entweder im Land selbst oder manchmal sehr fern der Heimat. Es ist nicht überaschend, das benachbarte Staaten die meisten dieser Menschen aufnahmen und unter den gegebenen Umständen recht gut damit zurechtkamen. Wie auch immer, die Frage wie man mit dem Ansturm derer umgeht, die alles verloren haben und die vielleicht niemals in ihre Heimat zurückkehren können, ist eine große Herausforderung für die Flüchtlinge und für ihre Gastländer, besonders weil kein Abkommen in Sicht ist.

Naela Mansour verfolgt Geschichten der Vertreibung in Syrien. Während für die meisten Flüchtlinge das Exil eine düstere Perspektive bietet, zeigt uns Dima Wannous, das für einige syrische Künstler der Flug nach Beirut ihnen Platz zum atmen gab. Wir stellen auch einen Teil von Marta Bogdanska´s Projekt „Exilium“ vor. Die Fotografin fragt Flüchtlinge nach einem Gegenstand in ihrem Besitz und verfolgt, wie ein einfaches Feuerzeug, ein Foto oder eine Tischdecke plötzlich eine neue Bedeutung in ihrem Leben bekommen.

Es gibt auch Geschichten von Massenvertreibungen. Nach dem Irak-Krieg 2003 kamen über eine Million irakische Flüchtlinge nach Syrien, die jetzt, wie Kelsey Lundgren zeigt, zwischen einer lange verlorenen Heimat und einer ungewissen Zukunft in ihrem neuen Gastland festsitzen. Palästinenser, die in Syrien mehr als in allen anderen arabischen Staaten zu den privilegiertesten Flüchtlingen zählten, sehen sich dem Problem gegenüber, wohin sie gehen sollen. Mitwali Abu Nasser reiste in palästinensische Flüchtlingslager im Libanon, um ihre Lage vor Ort zu beurteilen.

Areej Abuqudairi beobachtet, wie sich die einheimische Wirtschaft im Zaatari Flüchtlingslager in Jordanien entwickelt hat,nachdem es auf Grund schlechter Wetterbedingungen und Fluten berüchtigt worden war. Drei Kinder erfroren hier. Nejat Tastan erklärt,wie die de jure-und de facto-Situation von Flüchtlingen und ihrer Gastländer in der Türkei gehandhabt wird. Im Libanon verfolgt Rayan Majed die Flüchtlingserfahrung, einem Land, das die größte Anzahl vertriebener Personen aufgenommen hat,und dass das einzige Land ist, das seine Grenzen immer noch offen hält. Pierre Abi Saab bewertet den Film „Not Who We Are“, von der libanesischen Dokumentarfilmerin Carol Mansour- eine Produktion in Zusammenarbeit mit der hbs.

In einer Reportage beschäftigt sich Ryme Katkhouda mit den Auswirkungen der syrischen Flüchtlinge auf die libanesische Gesellschaft und die Wirtschaft. Da die Situation besonders Kinder betrifft, zeigt Emma Gatten was Exil für Kinder bedeutet, in Bezug auf Schule und so etwas wie ein zu Hause zu finden.

Schließlich erklärt Haid Haid, wie „Protektion“ der legale und ethische Deckmantel wurde, um persönliche und sexuelle Rechte weiblicher syrischer Flüchtlinge in benachbarten Ländern zu missachten. In ihrem Artikel über frühe und oft nicht legale Hochzeiten syrischer Flüchtlingsfrauen in Jordanien, teilt Areej Abuquadairi mit uns die Einsicht auf die legale Verwundbarkeit von Frauen und Familien im Zusammenhang mit Exil.

Natürlich machen die vielen verschiedenen Aspekte dieser Thematik es fast unmöglich, alle in einer Ausgabe eines Magazins zu behandeln. Trotzdem ist es unsere Hoffnung, einige Schwerpunkte der syrischen Flüchtlingsproblematik zu beleuchten, durch Betroffene, die diese Tragödie leben.
 

Bente Scheller, René Wildangel & Joachim Paul

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