Thailand-Delegation in Deutschland: Alternativen zum atomaren Weg

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Thailand-Delegation in Deutschland: Alternativen zum atomaren Weg

Die thailändischen Delegierten während ihrer Deutschland-Reise. Bild: Petra Zimmermann Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0

9. Februar 2012
Saksith Saiyasombut

Die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 stellte die hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit von atomarer Energiegewinnung einmal mehr in Frage und zeigte, dass selbst in einem hochtechnologisierten Land wie Japan solch schwere Unfälle passieren können.

Kurze Zeit darauf beschloss die deutsche Bundesregierung die erst kürzlich festgelegte Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke wieder rückgängig zu machen und setzte als erste Industrienation mit dem Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 ein deutliches Zeichen. Derweil wurde in Thailand zur selben Zeit noch laut über den Bau von Atomkraftwerken nachgedacht, um dem wachsenden Energiebedarf im südostasiatischen Königreich gerecht zu werden. Noch ist Erdgas Hauptressource zur Gewinnung von Strom, gefolgt von Braunkohle und importiertem Strom aus Nachbarländern wie Laos und Malaysia.

Umso wichtiger wird die Erschließung alternativer Quellen. Doch gerade einmal 1,6% des gesamten Stromes wird derzeit aus erneuerbarer Energie gewonnen. Viel zu wenig, meinen Umweltaktivisten und Experten für alternative Energien. In einer Kooperation zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und dem Regionalbüro in Bangkok wurde eine Reise nach Deutschland mit einer thailändischen Delegation, bestehend aus Experten aus den Bereichen regenerative Energie und Energiemarkt, organisiert. Sie wollten mehr über die deutsche Energiewende und die damit verbundenen Herausforderungen lernen.

„Diese Reise dient zur Qualifizierung und Netzwerkbildung mit thailändischen Akteuren,“ sagt Petra Zimmermann, Projektkoordinatorin Südostasien bei der Heinrich-Böll-Stiftung, „Ziel dieser Reise war es, die Teilnehmer möglichst umfangreich mit den Herausforderungen der Energiewende in Deutschland und den bisherigen Erfahrungen mit der Umsetzung insbesondere mit dem Gesetz für Erneuerbare Energien bekannt zu machen.“

Das Programm bestand aus Gesprächstreffen und Diskussionen mit Befürwortern (wie zum Beispiel dem Bundesverband Windenergie, Greenpeace und der Bürgerinitiative Asse) und Kritikern (Deutsches Atomforum) der Atomwende.

Bürgerbewegungen sorgen für Wandel

Einer der wichtigsten Erkenntnisse ist, wie wichtig die Beteiligung der Zivilgesellschaft bei dem Umschwung war: „Zuerst dachte ich, dass die Bundesregierung hier selbst die Initiative übernommen hat - sehr progressiv“, meint Rosana Tositrakul. Die Abgeordnete des thailändischen Oberhauses, dem Senat, war lange Zeit als Umweltaktivistin tätig gewesen und versucht jetzt auf politischer Ebene den Weg für regenerative Energien zu ebnen, „aber jetzt weiß ich, dass es zuvor Bürgerbewegungen gab, die die Entscheidungsmacher unter Druck setzten.“

Santisukh Sobhanasiri, auch ein Veteran unter den thailändischen Umweltaktivisten und heute Berater  mehrerer Senats-Ausschüsse, pflichtet ihr bei: „Die Arbeit der Bürgerinitiativen erscheint mir systematischer und kontinuierlicher zu sein. Sie haben es geschafft mit der Politik zusammenzuarbeiten und letzten Endes für den Wandel zu sorgen.“

Viele Delegierte beklagen dass in Thailand eben diese Zusammenarbeit fehle. Boonyuen Siritam arbeitet als Vorsitzende des Provincial Power Consumers Commission of Ratchaburi Province für eine Bürgerbeteiligung bei der Energiemarktregulierung: „Wir können nicht auf die Politiker warten, bis sie irgendwelche Gesetze beschließen, weil es in Thailand keine grüne, umweltfreundliche Partei gibt. Aber wir brauchen grüne Bürger, die gemeinsam an einer Gesetzesinitiative mit gestalten.“

Ihre Kollegin Wanun Permpibul von dem Regionalbüro der Heinrich-Böll-Stiftung in Bangkok berichtet zwar von Bürgerinitiativen, vor allem aus dem Süden Thailands, die jahrelang teilweise erfolgreiche Arbeit geleistet haben, aber landesweit gesehen sind sie nicht alle gleich stark. Dabei sieht sie großes Potential für alternative Energiequellen, wie zum Beispiel aus Solarzellen. „Umso wichtiger ist es, dass sich die Bürger mehr daran beteiligen, um einen Impuls in die richtige Richtung zu geben und eine Veränderung der Energiepolitik zu ermöglichen.“

Dabei bedarf es aber auch ein gesellschaftliches Umdenken, sagt Lieutenant Commander Borpit Thossatheppitak aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Königlich Thailändischen Marine: „Hier wird von Anfang an ein Bewusstsein für die Umwelt gebildet. In der Schule lernen die Kinder über Dinge wie Mülltrennung und das verfestigt sich im Laufe ihres Lebens. Thailand hat noch einiges an Aufklärung zu leisten.“

Eine weitere Hürde in Thailand zur Energiewende ist die Politik und die Gesetzgebung zu Energiefragen. „Es war schon immer schwierig mit der Regierung zu arbeiten, egal wer gerade an der Macht war,“ sagt Saree Aongsomwang, Generalsekretärin einer thailändischen Verbraucherschutzverbandes.

Lokale Selbstversorgung als Vorbild

Auch auf dem Programm stand ein Besuch in Dardesheim in Sachsen-Anhalt, dass durch den nahegelegenen Windpark Druiberg mit seinen 33 Windrädern mehr Energie produziert als die fast 1000 Einwohner im Jahr verbrauchen.

Für Boonyuen dient diese Art der Energieversorgung  für kleine Gemeinden als ideales Vorbild für Thailand und denkt noch einen Schritt weiter: „Das Bestreben unserer Organisation ist es ohnehin, dass sich die Dörfer eigenständig selbst mit Strom aus lokalen, regenerativen Quellen versorgen können - unabhängig von den Stromkonzernen, die Anwohnern das Land eh wegnehmen würden, um ein Kraftwerk darauf zu bauen.“

Eine Befürchtung vieler ist, dass nach dem Beschluss zum Atomausstieg eben diese Technologie in andere Länder exportiert wird, um dort Kraftwerke aufzubauen. Thailand hatte in jüngster Vergangenheit einige Angebote aus China, Norwegen, Frankreich und vor allem Südkorea bekommen.

Letztendlich wurde in Thailand der Plan für ein Atomkraftwerk, nachdem kritische Stimmen um die Sicherheit dieser Technologie gerade nach dem Unglück von Fukushima immer lauter wurden, um drei weitere Jahre auf 2026 verschoben. "Wir hoffen, dass Thailand bis dahin nicht den atomaren Weg gehen wird!" sagt Senatorin Rosana abschließend am Ende der einwöchigen Delegationsreise.
 

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