Büro Brasilien, Rio de Janeiro

Urheber: Mariana Leal. Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Das brasilianische Entwicklungsmodell gilt international als großer Erfolg. So sorgten hohe Wachstumsraten der brasilianischen Wirtschaft und umfangreiche Sozialprogramme für eine Verringerung der Armut und Brasiliens Aufstieg zu einem globalen Akteur. Sind diese Entwicklungen aber durchweg und überall positiv? Auf welchen Kosten basiert dieses Modell? Wir konzentrieren uns mit unserer Arbeit auf die Fehlentwicklungen des vermeintlichen Erfolges. Besonders sozialökologische Gerechtigkeit sowie Menschenrechte und Demokratie liegen im Hauptfokus unserer Arbeit.

Brasilien wird in den kommenden Jahren Schauplatz von internationalen Megaevents sein, wie der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016. Mit diesen Megaevents gehen allerdings einschneidende Veränderungen in der Sozial-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik brasilianischer Großstädte einher, die sozialpolitisch und menschenrechtlich oft problematische Auswirkungen auf einheimische Bevölkerungsgruppen haben. Unser Büro unterstützt die WM-Komitees dabei, diesen Prozess kritisch zu begleiten. Darüber hinaus fördern wir Menschenrechtsgruppen (Justiça Global, Sociedade Paraense de Defesa dos Direitos Humanos - SDDH), Übergriffe von Staat und Polizei zu dokumentieren und zu verfolgen.

Im Kampf für Frauenrechte und gegen Homophobie hat es durch den wachsenden Einfluss religiöser – evangelikaler und konservativ-katholischer – Gruppen auf Gesellschaft und Politik Rückschritte gegeben. Im Bereich Frauen-, sexueller und reproduktiver Rechte beteiligen wir uns zusammen mit den Frauenrechtsorganisationen CFEMEA und SOF an Debatten über Gesetzesvorschläge. Zusammen mit dem Institut für religiöse Studien ISER leisteen wir in Form von Publikationen und Veranstaltungen Informationsarbeit zu Religionsthemen aus menschrechtlicher Perspektive.

Brasilien benötigt für sein Entwicklungsmodell die reichen Rohstoff- und Energievorkommen, die nun in großen Mengen in den peripheren Gebieten des Landes erschlossen werden sollen. Für die Erschließung dieser Vorkommen schafft die Regierung derzeit die Grundlage einer administrativen und technischen Infrastruktur, die enorme Auswirkungen auf Bevölkerung und Ökologie der betroffenen Regionen haben werden.

So gilt Brasilien als Testland für Instrumente der Green Economy, insbesondere für Kompensationsmechanismen in der Klima- Energie- und Ressourcenpolitik. In neuen Gesetzen werden Zahlungen für Umweltdienstleistungen (PES), wie REDD+ und TEEB, verankert, die Land, Wald, aber auch Biodiversität als Ressourcen, CO2-Speicher und Investitionsobjekte betrachten. Seit vielen Jahren befasst sich das Brasilienbüro mit seinen Partnern (Bündnis „Grupo Carta do Belém“, FASE, Terra de Direitos, INESC) kritisch mit den Auswirkungen und Alternativen zu den neuen Politikinstrumenten.

Als einer der größten Agrarproduzenten der Erde weitet Brasilien seine Anbauflächen für landwirtschaftliche Produkte kontinuierlich aus. Nirgendwo mehr als in Brasilien werden in der Landwirtschaft im Pro-Kopf-Vergleich gesundheitsgefährdende Pestizide eingesetzt. Zum Erhalt der einzigartigen Biodiversität wird es immer wichtiger, wie unser Partner Terra de Direitos juristisch gegen die Privatisierung von Saatgut, den Verlust der Biodiversität und den Gebrauch von Pestiziden anzugehen.

Brasiliens Energiehunger steigt seit Jahren durch sein Wirtschaftswachstum rasant an. Das gesamte Energiemodell Brasiliens gilt allerdings als extrem zentralistisch, undemokratisch, ineffizient, naturzerstörerisch und teilweise hochriskant. Kein anderes Energieprojekt symbolisiert dies national wie international so prominent wie der Großstaudamm Belo Monte und das in Bau befindliche Atomkraftwerk Angra 3. Aus Sicht der hbs und dem von ihr initiiertem Netzwerk Artiulação Antinuclear Brasileira sind tiefgreifende Veränderungen im Themenfeld Energie nötig, einem für die zukünftige brasilianische Entwicklung zentralen Bereich.

Brasilien als aufsteigender globaler Akteur nimmt eine wachsende Rolle in den erstarkenden globalen Süd-Südkooperationen ein. Zusammen mit den anderen aufstrebenden BRICS-Staaten versuchen sie mit neuen internationalen Steuerungsmechanismen ihren Einfluss auf die anderen südlichen Staaten der Erde zu erhöhen und sich als Gegenwicht zum globalen Norden zu etablieren. Mit dem Beschluss der BRICS-Staaten eine BRICS-Bank nach Vorbild der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES – dem wohl wichtigsten Instrument des brasilianischen Entwicklungsmodells – zu gründen, besteht für unsere Partnerorganisationen wie u.a. das Instituto Mais Democracia (IMD) und Rede Brasil, die Notwendigkeit auf die Gründung und Ausrichtung einer solchen Bank Einfluss zu nehmen, um sozialökologische Aspekte in ihren Investitionen mehr zu berücksichtigen.

 

Büroleitung:
Dawid Bartelt

Kontakt:
Landesbüro Brasilien, Rio de Janeiro
Fundação Heinrich Böll
Dawid Bartelt
Rua da Glória 190, ap. 701
2024 1180 Rio de Janeiro-Glória

Telefon: +55-21-3221 9900
Fax: +55-21-3221 9922
E-Mail: info@br.boell.org

» Website

All rights reserved.