Digitaler Selbstschutz: Anleitung für mehr Privatsphäre und sichere Kommunikation

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Digitaler Selbstschutz: Anleitung für mehr Privatsphäre und sichere Kommunikation

9. Juli 2013
Markus Reuter

**** VORSICHT: wird nicht weiterentwickelt, wir raten mittlerweile von der Nutzung ab! ****

Der Überwachungsskandal rund um PRISM und Tempora erfordert in erster Linie politische Lösungen, um Grund- und Bürgerrechte auch im Internet wirksam zu schützen. Doch schon jetzt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Internetnutzer/innen selbst den Überwachenden das Leben schwer machen können. Denn das ist zumindest ein erster Schritt, den die Menschen hinter den Rechnern selbst in die Hand nehmen können.

Anleitungen gibt es mittlerweile recht viele: So stellt die Nichtregierungsorganisation Tactical Tech Tools und Programme vor, die die Privatsphäre schützen. Und der Zeit Online Autor Patrick Beuth hat unter dem Titel „Mein digitaler Schutzschild“ eine ganze Serie von Anleitungen verfasst. Und auch auf Boell.de gibt es schon ein paar Tipps zur besseren Kontrolle von privaten Daten.


Der richtige Browser
Beliebte Browser wie Safari oder Internetexplorer haben keinen offenen Quellcode, das heißt: niemand weiß genau, wie sie programmiert sind und welche Sicherheitslücken es gibt. Ein Browser mit offenem Quellcode ist Firefox.

Doch auch mit Firefox hinterlässt man zahlreiche Spuren im Netz: so sieht zum Beispiel Ihr Provider, bei dem Sie DSL gekauft haben, welche Webseite Sie ansurfen. Genauso sehen Webseitenbetreiber welche IP-Adressen auf Ihre Seiten zugreifen. Diese IP-Adressen sind Ihnen persönlich zuortbar.

Wenn Sie also möglichst anonym im Netz unterwegs sein möchten, dann benötigen sie den Dienst TOR. Für weniger versierte Nutzerinnen und Nutzer gibt es das voreingestellte Tor Browser Bundle, mit dem sie den Dienst kostenfrei nutzen können.

E-Mails sicherer machen
Eine E-Mail ist wie eine Postkarte. Auf dem Weg vom Sender zum Empfänger können alle Zwischenstationen ohne Probleme die Inhalte lesen. Hinzu kommt, dass Firmen, die Maildienste kostenlos anbieten - wie Yahoo und Google – große Datenmengen über Sie speichern und diese teilweise mit „Schnittstellen“ dem NSA zur Verfügung stellen. Werbefreie und datenschutzfreundliche Webmailer werden momentan immer beliebter. In Deutschland ist so ein Dienst zum Beispiel posteo.de, der momentan 1 Euro im Monat kostet.

Doch der beste Mailprovider bringt nichts ohne eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der E-Mails.  Bei dieser Verschlüsselungsvariante müssen sowohl Sender und Empfänger Verschlüsselung installiert haben. Der Sender nimmt beim Verschicken der E-Mail den öffentlichen Schlüssel des Empfängers und verschließt damit die Mail. Der Empfänger kann die verschlüsselte Mail dann mit seinem privaten Schlüssel wieder entschlüsseln.

Dieses Video zeigt das Prinzip der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: 

 


 


 


Mailverschlüsselung mit GPG
Die einfachste Variante sich eine Ende-zu-Ende-Mailverschlüsselung zu installieren, besteht mit dem Komponenten Mailprogramm Thunderbird + GnuPG (Windows) (Mac) + Thunderbird Plugin Enigmail. Die Einrichtung ist nicht trivial, dauert eine gute halbe Stunde. Aber danach können Sie verschlüsselte E-Mails schreiben, die zwar von der NSA gespeichert, aber vorerst nicht gelesen werden können. Eine größere Verbreitung der Mailverschlüsselung macht verschlüsselte Kommunikation insgesamt sicherer und stellt die Überwachenden vor immer größere Herausforderungen. Machen Sie mit, damit Mailverschlüsselung irgendwann zum Standard wird.

Eine salopp-geschriebene, aber einfache Anleitung zur Einrichtung einer Mailverschlüsselung gibt es bei metronaut.de, auch Spiegel.de bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.


Soziale Netzwerke
Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind die Pest für die Privatsphäre. Alle Daten, die ein Betreiber eines sozialen Netzwerkes über Sie - und sei es nur zu Werbezwecken - sammelt, könnten letztlich auch für Geheimdienste verfügbar sein.

Chat und Videotelefonie
Skype bietet keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und arbeitet mit dem NSA und anderen Behörden zusammen. Deswegen ist Skype unsicher für ihre Privatsphäre. Eine recht ordentliche Alternative in Sachen Videotelefonie bietet das Programm Jitsi, mit dem verschlüsselte Videotelefonie möglich ist.
Wenn Sie einfach nur chatten möchten, sind Adium (Mac) und Pidgin (Win) die richtigen Programme für Sie. Zusammen mit dem OTR (Off-the-record) –Plugin können Sie damit verschlüsselt kommunizieren, wenn die Gegenseite auch OTR nutzt. Die Programme sind beide sehr einfach zu bedienen und praktisch. Als Server für Chat empfiehlt sich der Jabber-Server des Chaos Computer Clubs: jabber.ccc.de.

Das Problem mit der Cloud
Praktische Dienste wie Dropbox sind per se unsicher, weil immer ein Datenzugriff auf den Zwischenstationen ihrer Daten möglich ist. Gleichzeitig versuchen Geheimdienste eine direkte Schnittstelle zu solchen Clowd-Diensten zu etablieren. Wenn sie Dropbox dennoch nutzen wollen, müssen sie ihre Daten vorher mit Truecrypt verschlüsseln.

Suchmaschinen
Alle Anfragen, die sie über Google oder Bing stellen, werden von Google oder Microsoft ausgewertet und gespeichert. Gleichzeitig wurde im Prism-Skandal bekannt, dass Google und Microsoft mit dem NSA kooperieren. Etwas mehr Privatsphäre bietet Ihnen die Suchmaschine DuckDuckGo.

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Der Autor Markus Reuter ist Referent Internet der Heinrich-Böll-Stiftung. Die hier zur Verfügung gestellten Anleitungen und Tippps sind nach bestem Wissen erstellt. Die Einrichtung erfolgt auf eigenes Risiko, die Heinrich-Böll-Stiftung übernimmt keine Haftung.

 

 

 
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