Interview

Open Data und Visualisierung komplexer Daten: Noch immer am Anfang

8. September 2011
David Pachali

Der Gedanke offener Daten ist in Deutschland immer noch nicht recht angekommen, sagt Michael Kreil, Programmier und Visualisierungs-Experte. Dabei könnten ihre Visualisierung helfen, komplexe Zusammenhänge, die sich anders nur schlecht abbilden lassen, verständlich zu machen – die Finanzkrise wäre ein Beispiel. Für mehr offene Daten müsste zuerst ein Dialog mit Politik und Behörden beginnen, um grundlegende Fragen wie die nach Lizenzrechten für ihre Nutzung zu klären. Politik und Verwaltung könnten so die vielbeschworene Bürgernähe zurückgewinnen.

Ein Projekt, an dem er mitgearbeitet hat, war die Visualisierung der Vorratsdaten des Politikers Malte Spitz. Für Kreil zeigt sich daran zweierlei: Zum einen kommen Visualisierungen oft zu spät – sie sollten den politischen Entscheidungsprozess begleiten. Zum anderen wären sie nicht für punktuelle Medienprojekte interessant, sondern für alle. Warum sollte nicht jeder seine Vorratsdaten, seine Scoring-Werte oder seine Kontobewegungen visuell einsehen können?

Dieses Interview wurde im Vorfeld der Konferenz netz:regeln 2011 - Offenheit als Prinzip geführt.

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netz:regeln 2011 by boellstiftung
8. September 11
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Reaktionen (1)

1_ Sandor Ragaly
8. September 2011, 17:53 Uhr


Sehr geehrter Herr Kreil,

die Visualisierung von Daten, Statistik, komplexen Zusammenhängen etwa der Politik oder Wirtschaft, ist für mich zunächst aus medienwissenschaftlicher Sicht interessant. Eine solche Visualisierung kann, auf der Makroebene etwa auf dem Gebiet der Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitspolitik, im günstigen Fall dafür sorgen, dass wichtige Themen und Informationen, die (auf den ersten Blick!) wenig spektakulär/wahrnehmbar, schleichender Natur bzw. sehr komplex sind (etwa Artenvernichtung, Flächenverbrauch), genug *Nachrichtenwert* erhalten, damit die Medien über sie berichten (bessere Sichtbarkeit und Verständlichkeit für eine größere Chance bei der journalistischen Nachrichtenselektion). Zugleich kann individuell in der Tat eine bessere Informierung des Bürgers stattfinden, evtl. mehr Bürgernähe. Eine Frage, die ich einwerfe, ist dabei, ob unbedingt die eingeforderten Daten notwendig sind, um sinnvoll in größerem Ausmaß zu visualisieren (man denke an Kausalschaubilder u.ä.).

Vorsicht ist demgegenüber geboten, wenn es um einen Über-Schwang im Hinblick auf die Öffnung oder erst Zusammenführung von Datenbeständen geht. Es ist vielleicht nachteilig, dass dies hierzulande hinterherhinkt, aber evtl. auch ein Vorteil (der vielleicht oft langweilenden, aber berechtigten Behutsamkeit). "Offene Daten sind eine große Chance..." beginnt der Facebook-Ausschnitt der Böll-Stiftung, der auf diesen Beitrag verweist. Offene Daten sind aber auch das Gegenteil. Ich habe auf Facebook vor ein paar Tagen hierzu wie folgt gepostet:

"TRANSPARENZ, Offenheit, Kommunikation werden oft, etwa von WikiL, als immanent positiv dargestellt.

Das ist eine naive Sicht, wie sie dem Beginn neuer Ären angehört.

Informationen sind an sich wertfrei - und frei verwendbar, vgl.bar den Sekundärtugenden oder der Forschung (vgl. Medizin vs. Atomwaffen).

Die faszinierende weltweite Komm.revolution lädt ein zu Emanzipationen und Machtmissbräuchen (Beides noch unabsehbar), braucht die kritische Handhabung, politisch pos. Wendung, z.T. Regelung."

Damit will ich darauf hinaus, dass etwas Gewichtiges wie die (kommunale bis letztlich globale, s. Facebook) Öffnung von Daten nicht *nur* eine Chance darstellt; und dass das von Ihnen erwähnte "Experimentieren" nicht auf Leichtfertigkeit hindeutet, aber doch der Ergänzung bedarf: Es handelt sich hier zwangsläufig z.T. um Experimente, um das oft sinnvolle Begehen gänzlich neuen Raums - das wie im Fall der Gentechnik z.T. ohne *Rückholbarkeit* erfolgt (Irreversibilität von Datenströmen).

Es geht mir hierbei nicht um eine grundsätzliche Antihaltung, sondern um einen *Kontrapunkt zur Euphorie* (oder Naivität) in diesem Bereich, den ich Ihnen nicht unterstelle, aber der mit den betr. technologischen Trends z.T. verbunden ist, ja: verbunden sein muss bei einer solch neuartigen und "überwältigenden" Angelegenheit.

Die Visualisierung stellt einen (weiteren) Faktor dar, der schon ganz von sich aus - und ungeachtet der Verwendungs-Einbettung - auf stärkere Offenlegung von Daten hinarbeitet (s. Ihre Aussagen). Auch sie muss daher in kritischer Weise, mit Augenmaß, nicht Euphorie, betrieben und vorangebracht werden, um nützlich zu sein.

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