Wetter kostet!

20. Mai 2008
Von Claudia Kemfert
Von Claudia Kemfert

Die Frage müsste lauten: Wer bezahlt den Klimawandel, sprich, die steigende Anzahl extremer Klimaereignisse, die nicht nur immer häufiger, sondern vor allem intensiver auftreten werden? Richtig ist, dass die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre drastisch ansteigt und weiter ansteigen wird, wenn die Menschheit es nicht schafft, sie einzudämmen. Richtig ist auch, dass damit ein Anstieg der globalen Oberflächentemperatur einhergeht, die einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge hat. Die Liste der möglichen Folgen des Klimawandels ist lang: Mehr Hitzewellen führen zu einem Anstieg von Hitzetoten vor allem bei älteren Menschen, zu Energieversorgungsunsicherheiten, zu Ernteschäden, Ausbreitung von Schädlingen und Tropenkrankheiten, zu einer Verschiebung von Touristengebieten, womit die Lebensgrundlagen vieler Menschen in Frage gestellt werden. Ein Anstieg extremer Regenfälle kann zu Überschwemmungen und Überflutungen führen, Immobilien-, Infrastruktur- und Landwirtschaftsschäden sind die Folgen. 

Ökonomische Schäden sind um das fünfzehnfache gestiegen

Die ökonomischen Schäden solch extremer Wetterereignisse sind in den letzten drei Jahrzehnten um den Faktor fünfzehn gestiegen. Die Schäden durch Überflutungen 2002 werden auf 13 Milliarden Euro beziffert, die der Hitzewelle 2003 mit ihren 27000 Tote auf zehn Milliarden Euro. 2005 war das wärmste Jahr, seit es Wetteraufzeichnungen gibt, und hat die größte Hurrikanaktivität hervorgerufen, die jemals beobachtet wurde. Die Münchner Rück, die große deutsche Rückversicherungsgesellschaft, hatte allein 2005 Schäden von über 75 Milliarden US-Dollar zu begleichen. Doch es gibt einerseits die von den Versicherungsunternehmen beziffer- ten Schäden, andererseits aber noch die Schäden an der Infrastruktur und Schäden der Landwirtschaft bei Überflutungen oder Trockenheit, die der Staat zu zahlen hat. Diese Schäden sind Kosten für die Volkswirtschaft, die Wachstumseinbußen zur Folge haben können.

Nichthandeln wird teuer

Da sich nicht alle Volkswirtschaften ausreichend vor dem Klimawandel schützen können, werden extreme Klimaereignisse in der Zukunft volkswirtschaftliche Kosten in Billionenhöhe verursachen. Wenn eine globale Oberflächentemperatur um vier Grad bis 2100 steigen würde, könnten die volkswirtschaftlichen Schäden sogar um den Faktor zehn steigen.

In Deutschland könnten über einen Zeitraum von hundert Jahren insgesamt volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 17 Billionen US-Dollar auftreten, wenn der Klimawandel zu einer Temperaturerhöhung von bis zu fünf Grad im Jahre 2100 führen sollte. Diese Zahlen ergeben sich im Rahmen von Modellsimulationen – die Unsicherheiten dabei sind sicher groß. Daher gibt es eine ganze Bandbreite an Simulationen: Unter bestimmten Annahmen können die Schäden des Klimawandels bis zu zehn Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Die Kosten des Handelns, das heißt der Treibhausgasemissionsminderung, sind da allerdings weitaus niedriger. 

Energietechnologien sind die Zukunft

Je nach Wirtschaftswachstum und Bevölkerungswachstum können die Kosten der Emissionsminderung unterschiedlich hoch sein. Der Schlüssel zu niedrigen Kosten liegt jedoch im technologischen Wandel: Nur wenn möglichst frühzeitig innovative, CO2-freie und sichere Energietechnologien entwickelt und umgesetzt werden, können die Kosten des Handelns minimiert werden. Wenn die technologischen Potenziale ausgeschöpft würden, müssten die Kosten nicht höher liegen als bei durchschnittlich einem Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Je mehr Staaten und Unternehmen in den Klimaschutz investieren und je schneller dies geschieht, umso stärker sinken die Kosten für bewährte und neue Klimaschutztechnologien.
 
Prof. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und hat den Lehrstuhl für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität Berlin inne.

Der Beitrag erschien in Böll.Thema, Ausgabe 3, 2006: Klimawandel - Neue Ziele. Neue Allianzen. Neue Politik.

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