Manna vom Himmel

Foto: © Bettina Stolze/ Pixelio

20. Mai 2008
Von Peter Barnes

Von Peter Barnes

Scarcity rent, also Knappheitsrente nennen die Wirtschaftswissenschaftler die zusätzliche Summe, die Leute für Dinge bezahlen, bei denen das Angebot wesentlich geringer ist als die Nachfrage. Wer mit Eintrittskarten spekuliert, verlangt für Billets fast ausverkaufter Konzerte einen solchen Zuschlag. Die OPEC treibt einen Knappheitszuschlag für Öl ein. Und genauso kassieren die Besitzer verkäuflicher Emissionshandelslizenzen diesen Knappheitszuschlag, wenn die Anzahl der Lizenzen durch CO2-Obergrenzen limitiert wird.

Handel mit CO2

Etwas, was bisher nicht mit Kosten belegt war – der Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre - , wird nun auf dem Markt gehandelt. Die Summen, um die es hier geht, sind alles andere als gering, und sie werden noch enorm steigen, wenn die Regierungen dieser Welt erst einmal auf den Klimawandel reagieren. Eine Untersuchung in Großbritannien hat gezeigt, dass allein die dortigen Energiekonzerne letztes Jahr 1,5 Milliarden Dollar durch Emissionshandelslizenzen eingenommen haben, die sie von der britischen Regierung kostenlos erhalten – aber ihren Kunden in Rechnung gestellt hatten. Auch  in den Vereinigten Staaten wird es in den nächsten Jahrzehnten um Summen im Bereich von einer Billion gehen. Da stellt sich die Frage: Wem gehört eigentlich dieses Geld? Oder, grundsätzlicher: Wem gehört die Luft? Und hier kommt US-Sky Trust (USST) ins Spiel.

Sky Trust will Nutzen für Nutzen für Bürger

Sky Trust ist eine amerikanische Treuhandgesellschaft in Vorbereitung. Das ungewöhnliche Vorhaben dieser Initiative ist es, den amerikanischen Anteil der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Treibhausgase zu verwalten. Sie will, dass der Schutz der Atmosphäre, die der gesamten Menschheit gehört, auch der Menschheit und nicht einigen privaten Firmen zu Gute kommt. Erreichen will US-Sky Trust dies mit einem privatwirtschaftlichen Mechanismus zur Reduktion von US-Treibhausgasen, der ein Minimum an ökonomischen Kosten mit einem Maximum an sozialer Gerechtigkeit verbindet.

Der Sky Trust geht davon aus, das der amerikanische Kongress innerhalb des nächsten Jahrzehnts den US-Anteil von CO2-Emissionen zuteilen wird. Und so beabsichtigt er, eine landesweite Kampagne zu lancieren, um ebendiese zu erhalten. Denn natürlich wird Sky Trust nicht der einzige Bieter auf dem Markt sein, er wird um diese Emissionsrechte mit privaten Körperschaften konkurrieren müssen. Doch Sky Trust hat einen Wettbewerbsvorteil: Diese Treuhandgesellschaft wird alle amerikanischen Bürger gleichermaßen repräsentieren, ihre Mitbewerber hingegen vertreten nur einen schmalen Ausschnitt der Bevölkerung, nämlich die Aktionäre. Der beträchtliche Gewinn sollte für das Allgemeinwohl verwendet werden, zum Teil als Bürgerdividende als Gegengewicht zu den steigenden Energiepreisen für die Verbraucher, zum Teil als Investition in saubere Technologien, öffentlichen Verkehr, Wiederaufforstung, Energieeinsparung...

Es wäre eine tragische Ironie des Schicksals, wenn die „Lösung” des Klimawandels es mit sich brächte, dass riesige Summen an die Umweltsünder gehen, die größtenteils für das Problem verantwortlich sind. Das wäre so, als würde man die Tabakkonzerne, die in der Vergangenheit für unzählige Fälle von Lungenkrebs verantwortlich sind, mit Milliarden Euros belohnen.

Peter Barnes hat die US-Sky Trust Initiative (USST) in Kalifornien gegründet und ist Verfasser von „Capitalism 3.0: A Guide to Reclaiming the Commons“.

Der Beitrag erschien in Böll.Thema, Ausgabe 3, 2006: Klimawandel - Neue Ziele. Neue Allianzen. Neue Politik.

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