Europa als Vorreiter für erneuerbare Energien

Foto: © Engelbert Hosner/ Pixelio

22. Mai 2008
Von Ralf Fücks
Von Ralf Fücks, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung

Die Europäische Union sollte sich ein großes Ziel setzen: bis zur Mitte dieses Jahrhunderts die europäischen Kohlendioxid-Emissionen um 80-90 Prozent zu senken. Sie kann damit einen relevanten Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten und zugleich die europäische Wirtschaft auf einen zukunftsfähigen Kurs katapultieren, der Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schafft. Es geht um nichts weniger als eine neue industrielle Revolution: um den Abschied von Öl, Kohle und Atom und die weitgehende Deckung des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien.

Im Frühjahr 2007 hat die Runde der europäischen Regierungschefs beschlossen, bis zum Jahr 2020 die CO²-Emissionen der EU um 20 Prozent zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent zu steigern. Das ist löblich, aber nur ein erster Schritt. Europa hat das Potenzial, seinen Strombedarf weitgehend aus Wind, Sonne, Biomasse, Erdwärme und Wasserkraft zu decken.

Europäischen Gemeinschaft für erneuerbare Energien
 
Um den Ausbau der erneuerbaren Energien im europäischen Maßstab voranzutreiben und die Kooperation innerhalb der EU zu fördern, brauchen wir neue Instrumente. Ein solches Instrument soll ERENE sein: die Gründung einer „Europäischen Gemeinschaft für erneuerbare Energien“. 

An der Wiege der europäischen Einigung stand die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“. Ihr folgte im Jahr 1957 EURATOM, die europäische Atomgemeinschaft. Sie sollte die Nutzung der Atomenergie fördern und so die Abhängigkeit Europas von Energieimporten mindern. Inzwischen hat sich diese vermeintliche Zukunftsindustrie als Sackgasse erwiesen: Zu gefährlich ist sie und zu teuer, und ein sicheres Endlager für den hochradioaktiven Müll ist immer noch nicht in Sicht. Die neu zu gründende „Europäische Gemeinschaft für erneuerbare Energien“ soll einen anderen Weg einschlagen, der Europa zum Vorreiter der Energieversorgung des 21. Jahrhunderts macht: die Deckung unseres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll ERENE:

  • Die europäische Forschung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien  unterstützen: gerade im Vergleich mit den Mitteln, die in die Atomforschung und in die Kernfusion gesteckt werden, besteht hier erheblicher Nachholbedarf.
  • Die Errichtung von Pilotanlagen für innovative Technologien fördern.
  • Den Ausbau eines gesamteuropäischen Stromverbundnetzes voranbringen, das zur Einbindung einer Vielzahl erneuerbarer Energiequellen fähig ist: Wind von den Küsten, Solarenergie aus den südlichen Regionen, Biomasse-Strom aus den großen landwirtschaftlichen Gebieten müssen in einem großen Netz zusammenfließen, das die Schwankungen zwischen Erzeugung und Bedarf ausgleicht.
  • Europaweite Förderprogramme zur Erzeugung von „grünem Strom“ vorschlagen.
  • Faire Wettbewerbsbedingungen für erneuerbare Energien gewährleisten.
  • Die Kooperation mit anderen Staaten im Bereich der erneuerbaren Energien  fördern. Dabei soll insbesondere die Zusammenarbeit mit den Ländern des Mittelmeerraumes vorangetrieben werden, die über ein riesiges Potenzial für thermische Solarkraft verfügen.

Eine Europäische Gemeinschaft für Erneuerbare Energien (ERENE)

Die vollständige Deckung des europäischen Strombedarfs durch erneuerbare Energien ist möglich. Doch dazu braucht es neue Instrumente und Strategien - so das Ergebnis von ERENE.

Eine Machbarkeitsstudie von Michaele Schreyer und Lutz Mez unter Mitarbeit von David Jacobs

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