Rückblick

Dem Klima verpflichtet

Ein Abend mit Arved Fuchs

Norddeutsches Klima-Netzwerktreffen auf Neuwerk

27. November 2008

„Junge, warum hast du nichts gelernt?“, hört man „Die Ärzte“ aktuell im Radio trällern. Arved Fuchs hat etwas gelernt; bei der Handelsmarine hat er sich zum Schiffsbetriebstechniker ausbilden lassen. Doch Fuchs wollte seine Träume umsetzen, er ist trotz Ausbildung den „unsicheren Weg“ gegangen.

 Mit traditionellen indianischen Kanus befährt er 1977 zwei Monate lang die Flüsse De Pas und George River in der kanadischen Provinz Quebec. Sein Gefühl sagte ihm, dass er gefunden hat, wonach er gesucht hatte. „Die Triebkräfte für meine erste Expedition waren Neugier, der Reiz kaum bekannter Völker und die Natur“, erklärt der heute 55-Jährige, der aus Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein kommt.

Sichtbare Auswirkungen des Klimawandels

Nachdem er bereits im Elternhaus viel über die Natur gelesen hatte, verfolgte er in den letzten 31 Jahren sein Interesse, indem er mit Naturvölkern zusammen lebte und von ihnen lernte. Er lernte, um überleben zu können. „Am Nordpol muss beim ersten Blick aus dem Zelt morgens die Wetterlage erfasst werden, sonst hat man schlechte Karten.“

Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Polen, die Arktis hat es ihm besonders angetan. „Viele schütteln sich, weil sie die Gegend langweilig finden und die Kälte sie abstößt.“, so Fuchs. „Aber mich faszinieren die Landschaft mit ihrer Ästhetik und die Urgewalt der Gletscher.“

 An diesem Abend erzählt er uns auf Neuwerk von seinen Beobachtungen und zeigt uns auf Bildern die bereits sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels. Viele Vergleichsaufnahmen machen deutlich, wie viel Eis bereits geschmolzen ist. Auch praktisch hat er das zu spüren bekommen. „Vergangenes Jahr konnten wir mit unserem Segelschiff am Südpol Wege befahren, die vor 20 Jahren noch durch meterdickes Eis blockiert waren.“

 Doch auch heute dringen die Auswirkungen der Erderwärmung schon bis in bewohntes Gebiet vor. Auf Island hat der Expediteur mit Menschen gesprochen, die obdachlos geworden sind. Jahrtausende alte Klippen sind durch Wärme und Erosion immer weiter abgebrochen, bis sie irgendwann die Häuser der Menschen mit in die Tiefe gerissen haben.

Fuchs weiß, dass es so nicht weitergehen darf

Zwar könne niemand durch Fahrradfahren den Klimawandel allein stoppen, aber jeder soll seinen Beitrag leisten. „Wenn alle von Wirtschaft und Politik klimafreundliche Produkte und Maßnahmen fordern, dann werden wir sie auch bekommen.“ Diesen Satz spricht er mit Nachdruck in die Runde und lässt seinen Blick über die Anwesenden wandern.

Seit seiner ersten Expedition ist er im Durchschnitt mindestens einmal im Jahr unterwegs, zusammengerechnet etwa die Hälfte seiner Zeit – manchmal allein, aber häufig begleitet von FreundInnen, ForscherInnen oder Kamerateams. Seit ein paar Jahren führt er eine Gruppe internationaler Jugendlicher in das Eis, um sie dort vor Ort zu „BotschafterInnen der Arktis“ auszubilden. Die jungen Erwachsenen gehen dann zurück in ihre Länder und geben das Wissen und Engagement an ihren Schulen, Universitäten und Ausbildungsplätzen weiter. Arved Fuchs sieht sich nicht selbst als Wissenschaftler, aber hilft ihnen mit seinen Dokumentationen. „Ich liebe die Natur. Deshalb sehe ich mich in der Chronistenpflicht bezüglich klimatischer Veränderungen.“

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