Das Heinrich-Böll-Haus Langenbroich
Weltweit vertreten Künstlerinnen und Künstler Positionen zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Durch ihren Einsatz für die Freiheit des Geistes leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt von Demokratie und Menschenrechten. Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt dieses Engagement durch ihr Stipendienprogramm im Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.
In bewährter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen konnten seit Gründung des Vereins Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V. im Jahr 1989 nahezu 150 Gäste aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Ost- und Südosteuropa eingeladen werden. Das Haus, in den 60er Jahren von der Familie Böll erworben, wurde zu einem ruhigen Ort des Arbeitens und des Austausches für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt.
Das Heinrich-Böll-Haus Langenbroich ist Teil eines internationalen Netzwerkes von Institutionen, die politisch verfolgte Autorinnen und Autoren unterstützen.
- Das Heinrich-Böll-Haus und seine Gäste (PDF, 2 Seiten, 372 KB)
Sie können dazu beitragen, dass SchriftstellerInnen und KünstlerInnen einen Ort der Ruhe und Konzentration und auch der Zuflucht erhalten.
Die Gäste im Heinrich Böll Haus Langenbroich:
Aktuelles über Stipendiatinnen und Stipendiaten im Heinrich Böll Haus
Unsere Gäste 2012
Rula Asad, Journalistin aus Damaskus/Syrien (Jahrgang 1983) hat sich in Syrien mit einem privaten Hilfsprojekt für Binnenflüchtlinge engagiert. Die etwa 1,3 Millionen Betroffenen sind Opfer der mehrjährigen Dürreperioden im Norden und Nordwesten Syriens. Die staatlichen Medien verschweigen die Missstände in den Flüchtlingslagern. Eine Fotoreportage über die Situation der Flüchtlinge, die im Magazin Syria Today publiziert werden sollte, wurde verboten. Syria Today wurde daraufhin mit der Schließung gedroht. Das Hilfsprojekt musste sogar wegen des Drucks auf Rula Asad und ihre MitstreiterInnen vorübergehend eingestellt werden. Im September 2011 reiste sie nach Deutschland aus. Sie war als interkulturelle Praktikantin für das CrossCulture Internship Program des ifa (Instituts für Auslandsbeziehungen) in Stuttgart, für AMICA e.V. in Freiburg, sowie beim unabhängigen Freiburger Radio Dreyeckland (www.rdl.de) tätig.
Amer Mattar, Journalist aus Damaskus/Syrien (Jahrgang 1989) war u.a. Kunstredakteur der überregionalen Tageszeitung Al Hayat. Gemeinsam mit Rula Asad lancierte er die Kampagne für diejenigen, die vor der syrischen Dürrekatastrophe flohen. Dabei begnügte er sich nicht mit Facebook-Aktivismus, sondern fuhr persönlich in die Lager, finanzierte Hilfeleistungen und legte sich wegen Kindesmisshandlungen mit Schuldirektoren an. Mattar ist erst 23 Jahre alt und insofern ein typischer Repräsentant jener Generation, die sich via Internet und Satellitenfernsehen gerade selbst heranbildet und entschlossen um ihre Zukunft kämpft.
Hiba Alansari, Journalistin und Künstlerin aus Damaskus/Syrien (Jahrgang 1983)
» http://www.youtube.com/watch?v=oJXRVLFh8u4&feature=youtu.be
Qassim Haddad, Schriftsteller aus Muharraq /Bahrain (Jahrgang 1948) ist als Lyriker eine zentrale Figur der Golfregion und Gründer eines umfassenden Webportals für arabische Literatur (www.jehat.com). Haddad ist Vorsitzender des bahrainischen Schriftstellerverbands. Er zeichnet sich durch ein vielfältiges und kreatives poetisches Werk aus, das keine einheitliche Linie aufweist, sondern eine große Variationsbreite sehr unterschiedlicher Stile. In seiner Dichtung setzt er sich kritisch mit den sozialen und politischen Realitäten in der arabischen Welt auseinander. Im Zug der Unabhängigkeit, die Bahrain 1971 von den Briten erlangte, setzte sich Haddad für strukturelle gesellschaftliche Veränderungen wie auch für soziale und politische Gerechtigkeit und Freiheit ein. Infolge seiner Aktivitäten wurde er wiederholt verhaftet und verbrachte insgesamt fünf Jahre im Gefängnis. Im Jahr 2001 wurde er für seine Lyrik mit dem bedeutendsten arabischen Literaturpreis, dem Sultan Oweiss Award, ausgezeichnet. Neben 16 Gedichtbänden veröffentlichte er etliche literaturkritische Werke und theoretische Traktate zur Dichtung. In Übersetzung liegen einige seiner Gedichte auch auf Englisch, Französisch und Deutsch vor.
Rosa Yassim Hassan, Schriftstellerin aus Damaskus/Syrien (Jahrgang 1974) ist Aktivistin in der Frauenbewegung und Gründungsmitglied des Vereins „Frauen für Demokratie”.
1992 und 1993 erhielt sie den Syrischen Literaturpreis in der Kategorie Kurzgeschichte.
Von ihr erschien in arabischer Sprache: „Ein lichtverseuchter Himmel” (Kurzgeschichten, 2000), „Ebenholz” (Roman, 2004), „Negativ - Die Gedächtniskraft der weiblichen politischen Gefangenen” (Tatsachenroman, 2008).
In Deutsch erschienen: „Ebenholz“, Roman, Alawi Verlag, 2010
Gäste seit Juni 2011
Der chinesische Schriftsteller Liao Zenghu, alias Ye Kai geboren in 1969 im Provinz Guangdong, VR China, ist Doktor der modernen chinesischen Literatur. Als Redaktionsleiter arbeitet er für die renommierte Literaturzeitschrift Harvest (Shou Huo). Fünf Romane hat er bereits veröffentlicht. Zudem bringt er zurzeit eine Essayreihe in der Zeitschrift Chinese Teaching and Study heraus, in der er die Probleme der chinesischen Lehrbücher für Grundschulen anprangert. Sein letzter Roman wird zwar im Jahr 2002 veröffentlicht, jedoch um ein Drittel gekürzt. Mit finanzieller Unterstützung eines Sponsors aus Hongkong wird der Roman verfilmt. In China ist der Film jedoch verboten. Ye Kai wird während seines Aufenthaltes im Heinrich Böll Haus an seinem neuen Roman arbeiten.
Der irakische Schriftsteller Ali Badr, einer der besten arabischen Autoren seiner Generation, wurde 1964 in Bagdad geboren. 1985 machte er sein Bakkalaureat in französischer Literatur. Die meiste Zeit seines Militärdienstes leistete er während des Irak-Iran-Kriegs ab. Anschließend hat er Buchwesen und Restaurierung von Handschriften an der Nationalen Handschriftensammlung in Bagdad erlernt. 1996 legte er eine Arbeit über Roland Barthes vor, um sein Studium der französischen Literatur abzuschließen. Daraufhin wurde er von der Universität ausgeschlossen. Bekannt wurde Ali Badr mit dem Roman „Papa Satre“, in dem er den Existenzialismus im Bagdad der 50er und 60er Jahren zum Thema macht. Noch weiter in die Geschichte greift Ali Badr mit seinem Roman „Das nackte Gastmahl“ zurück: Vor dem Hintergrund des späten 19. Jahrhunderts bis hin zum Einmarsch der Engländer in Bagdad während des ersten Weltkriegs entfaltet sich die „Nahda“, der Beginn der arabischen Neuzeit. Im Mittelpunkt der Handlung stehen ihre geistigen und gesellschaftlichen Auswirkungen, der Generationskampf und Nietzsches Ideenwelt, welche die Bagdader Intellektuellen in heftige Diskussionen stürzt.
Der tunesischen Schriftsteller Hassouna Mosbahi wurde 1950 als Sohn einer kinderreichen tunesischen Beduinenfamilie im Hinterland von Kairuan geboren. Bereits als Jugendlicher begann er Erzählungen zu schreiben, mit denen er 1968 den Preis des tunesischen Rundfunks gewann. Längere Studienaufenthalte in Paris, Madrid und London führten ihn 1985 nach München, wo er bis 2004 als Journalist, Literaturkritiker und freier Schriftsteller lebte, bevor er nach Tunesien zurückkehrte. Hassouna Mosbahis Romane erzählen vom Exil.
- Adieu Rosalie. Roman, A1 Verlag, München
- Der Ölbaum der Kamele. Beduinengeschichten, A1 Verlag, München
- Rückkehr nach Tarschisch. Roman, A1 Verlag, München
Bis August 2011
Alaa Khaled, Schriftsteller aus Ägypten
1960 in Alexandria, Ägypten geboren. Nach dem Studium der Biochemie wurde er als Lyriker, Essayist und Romanautor bekannt. In seinem Schreiben hebt er die formalen Trennungslinien zwischen den Genres auf. Als Lyriker ist er im Prosagedicht zu Hause. Seine journalistischen Texte weisen literarischen Charakter auf, und seine Prosa ist teils poetisch, teils journalistisch gefärbt. Khaled ist ein entschiedener Gegner jeglicher Normen, die dem Einzelnen vorgeschriebene Denk- und Verhaltensmuster aufzwingen. Bekannt ist Khaled auch als Herausgeber der Kulturzeitschrift „Amkenah“, die, 1999 gegründet, in der gesamten arabischen Welt hohes Ansehen genießt. „Amkenah“ („Orte“) versteht sich als Forum einer sprachlich und künstlerisch unkonventionellen, alltagsnahen Auseinandersetzung mit dem „Ort“ als konkretem Raum, aber auch als ideellem Konzept.
Khaleds Reportage “Everything Happens Quietly With No Surprises” (Alexandria 12/2004) wurde 2005 für den Lettre Ulysses Award nominiert.
Zuletzt in Deutsch erschienen: Das Buch des Flusses Nil, Lettre International, Nr. 71.

