Abstract

Erneuerbare-Energie-Technologie und internationaler Handel - Eine quantitative Analyse der Auswirkung einer Handelsliberalisierung von Erneuerbaren-Energie-Technologiegütern auf wesentliche volktwirtschaftliche Variablen am Beispiel Deutschlands und Indie

Felix Groba, Humboldt Universitaet zu Berlin

30. April 2010
Der Ausbau der Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist ein zentrales Element zur Ver-besserung der Energiesicherheit und zur Verminderung des Klimawandels. Diese Erkenntnis steht jedoch in Kontrast zum konstanten relativen Anteil der Erneuerbarer Energien an der globalen Primärenergieerzeugung. Der Weg einer nachhaltigen Entwicklung ist noch nicht eingeschlagen.  Daher gilt es, Ursachen zu finden und Lösungswege aufzuzeigen. Technologietransfer spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle. Die Bedeutung multinationaler Unternehmen als spezifische Technologieträger und des internationalen Handels als wesentlicher Mechanismus des internationalen Technologietransfers wird in den Klimaverhandlungen jedoch vernachlässigt.  Die Verhandlungen zur Liberalisierung von Umweltgütern im Rahmen der WTO sind blockiert. Folglich stockt der Technologietransfer von regenerativen Energietechnologien, da ein entscheidendes Element - der internationale Handel mit entsprechenden Erneuerbaren-Energie-Technologiegütern an weitreichenden Handelshemmnissen scheitert.  Hinzukommt, dass bestehende Datensammlungen und Modellrechnungen den Handel mit Erneuerbaren-Energie-Technologiegütern bisher nur unzureichend differenzieren oder gar nicht berücksichtigen.  Die zentrale Hypothese meiner Dis-sertation ist, dass eine Liberalisierung des Handelsregimes hinsichtlich spezieller Energietechnologiegüter einen Beitrag zu dem notwendigen Anstieg des relativen Anteils der Erneuerbaren Energien an der Primärenergieerzeugung leisten kann und dass diese Liberalisierung nicht nur positive ökologische, sondern auch positive volkswirtschaftliche Konsequenzen hat. Aus dieser Problemdarstellung leiten sich die zentralen Forschungsfragen meiner Dissertation ab:
  1. Welche Effekte hat eine Handelsliberalisierung dieser speziellen Technologiegüter auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien absolut und relativ zu anderen Energieträgern?
  2. Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die Emissionsbilanz eines Landes und wel-che Effekte hat diese Liberalisierung auf wesentliche volkswirtschaftliche Variablen wie Kapitalstruktur, Wachstum und Arbeitsmarkt etc.?
  3. Wie können die bestehenden Energie- und Handelsdaten disaggregiert bzw. erweitert wer-den, um den Handel mit Erneuerbaren-Energie-Technologien genauer abzubilden, und wie können tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse für diese Güter modelliert werden, um die entsprechenden theoretischen Erkenntnisse aus (1) und (2) empirisch zu testen?

Die Dissertation greift sowohl auf Ansätze der ökonomischen Wachstums- als auch der Entwicklungstheorie und entsprechende Modelentwicklungen zurück. Die ökonomische Wachs-tumstheorie zeigt, dass internationaler Handel eine wichtige Quelle von Technologietransfer ist und dies einen positiven Wachstumseffekt hat.  Um der Ambivalenz der Zusammenhänge von internationalem Handel und Umwelt aus entwicklungstheoretischen Arbeiten zu begegnen und um die wachstumstheoretischen Erkenntnisse zu würdigen, bringt eine zweite Generation von Climate-Energy-Economy-Modellen beide Forschungsfelder zusammen. Dabei wird die Abbildung der Wirkung von technologischem Wandel endogenisiert, um die Effekte von Handel, Technologietransfer, Wachstum und Umwelt zusammen aufzuzeigen.  Diese Analyse soll exemplarisch an Deutschland und Indien durchgeführt werden. Beide Länder haben in Segmenten der Erneuerbaren Energien bereits Exportmärkte erschlossen. Außerdem wird so die Auswirkung der Liberalisierung von Erneuerbaren-Energie-Technologiegütern auf ein Industrie- und ein Entwicklungsland untersucht.

Die Arbeit ist methodisch in drei Abschnitte gegliedert. Zuerst wird eine globalwirtschaftliche Datenbank, die Energie- und Umweltvariablen enthält und Handelsströme endogen beschreibt, erweitert. Dazu ist es nötig, das Handelsvolumen von Erneuerbaren-Energie-Technologiegütern von anderen Gütern zu differenzieren. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Im zweiten Abschnitt werden mit einem computergestützten Energy-Economy-Environment-Trade-Modell zwei volkswirtschaftliche Gleichgewichte errechnet. Anschließend wird das ursprüngliche Gleichgewicht durch einen anzunehmenden exogenen Schock der Handelsliberalisierung von Erneuerbaren-Energie-Technologien in ein neues Gleichgewicht gebracht. Durch den empirischen Vergleich der ex-ante und ex-post Gleichgewichte im dritten Schritt werden volkswirtschaftliche Auswirkungen aufgezeigt.

Am Ende der Arbeit sind zwei Forschungsdesiderate zu erkennen. Die im Hinblick auf Erneuerbare-Energie-Technologiegüter differenzierte Handelsdatenbank ermöglicht eine spezifischere Analyse der Zusammenhänge von internationalem Handel, Wachstum und Umwelt. Außerdem simuliert und analysiert die Arbeit eine Politikmaßnahme zum Technologietransfer, die bisher wenig beachtet wurde. Das Ergebnis ermöglicht einen Vergleich zu bestehenden Technologietransferinstrumenten im Rahmen internationaler Klimaverhandlungen. Folglich ist es möglich, eine Handlungsempfehlung an die Politik zu geben, die aufzeigt, wie Schwerpunkte gesetzt werden sollten.
Die Arbeit an der Dissertation wird im September 2009, nach Abschluss des Kurspro-gramms am DIW Graduate Centers aufgenommen. Es bietet sich an, die Arbeit kumulativ in Form dreier wissenschaftlicher Aufsätze zur Einreichung bei internationalen Fachzeitschriften abzufassen. Mein zeitlicher Ablaufplan sieht vor, diese drei Forschungsbeiträge innerhalb von zwei Jahren zu bearbeiten, sodass Ende 2011 die Zusammenführung der Artikel sowie die abschließende Revision erfolgen kann.

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