Abstract

Translokale und lokale Dynamiken eines globalen Medienphänomens: Zum Wandel weiblicher Subjektivität und Handlungsfähigkeit am Beispiel des indischen Online-Heiratsmarktes

Fritzi-Marie Titzmann, Humboldt-Universität zu Berlin

30. April 2010
Matrimonial websites, die als neues Medium der Partnersuche seit Ende der 1990er Jahre mit rasant steigenden Nutzerzahlen in Millionenhöhe den indischen Heiratsmarkt erobern, spiegeln - trotz ihrer vordergründigen Orientierung an traditionalen Mustern in Aufbau und Design - Dimensionen von Mediennutzung und Partnersuche, die ein aktives Eingreifen in die eigene Zukunftsplanung zeigen. Neunzig Prozent aller Ehen in Indien werden bis heute in Abgrenzung zur Kategorie „love marriage“ als „arrangiert“ bezeichnet. Doch neuere Entwicklungstendenzen zeigen, dass dieses dichotome Begriffspaar einer dringenden Überprüfung bedarf. Die Konstruktion der Begriffe birgt die Problematik einer vereinfachten Polarisierung, die tatsächliche soziale Veränderungen nicht spiegeln kann.

Das Forschungsprojekt geht von einem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen einer wachsenden Medienaneignung und einem tiefgreifenden sozialen Wandel in der gegenwärtigen indischen Gesellschaft aus und untersucht, inwiefern sich am Beispiel des indischen Online-Heiratsmarktes ein nachhaltiger Wandel weiblicher Subjektivität und Handlungsfähigkeit (agency) feststellen lässt. Das Phänomen ist eng verknüpft mit transnationalen Dynamiken im Kontext von Migration und der indischen Diaspora, denn als Komponente einer transnationalen indischen Medienlandschaft fördern matrimonial websites die mediale Integration der Diaspora und tragen somit erheblich zur Konzeption einer globalen „Indianness“ bei. Teil des Forschungsfeldes sind auch der Konstruktionsprozess neuer Weiblichkeitskonzepte der „New Indian Woman“ sowie die generell zunehmende Medialisierung unterschiedlichster Lebenswelten, die sich am Beispiel des indischen Heiratsmarktes exemplarisch aufzeigen lässt.

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