Sur-Place-Programm Südlicher Kaukasus
Sur-Place-Stipendienprogramm zur Förderung von Nachwuchskräften in den Ländern des südlichen Kaukasus
Im Dezember 2003 hat die Heinrich-Böll-Stiftung ein Sur-Place-Stipendienprogramm für junge Nachwuchskräfte in Armenien, Aserbeidschan und Georgien gestartet. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten arbeiten zu Themen der Zeitgeschichte, der kritischen Soziologie und der nachhaltigen Entwicklung der Kaukasus-Region.Das Programm richtet sich vor allem an postgraduierte WissenschaftlerInnen, aber auch an junge MitarbeiterInnen in Nichtregierungsorganisationen und Medien. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist bemüht, StipendiatInnen möglichst aus allen südkaukasischen Regionen einschließlich der sog. Konfliktzonen Südossetien, Abchasien und Berg-Karabach zu gewinnen. Gefördert werden Forschungsvorhaben, die mit innovativen Methoden und unter Einbeziehung überregionaler und internationaler Perspektiven die eigenständige und kritische Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte voranbringen, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Wertedebatten in den südkaukasischen Staaten beschäftigen oder Konzepte für die nachhaltige Entwicklung der Region erarbeiten. Dabei sollen KandidatInnen aus Regionen jenseits der Hauptstädte besondere Berücksichtigung finden. Es gibt eine Frauenquote von mindestens 50%.
> Hintergrund
> Aufgaben und Umfang
> Begleitprogramm
> Kontakt
Hintergrund des Programms
Die südkaukasischen Gesellschaften leiden massiv unter der Abwanderung gut ausgebildeter junger Leute. Diese verlassen das Land, weil sie keinen Arbeitsplatz bzw. keine Perspektiven für die Realisierung ihrer wissenschaftlichen und politischen Potenziale finden. Insbesondere die Generation der gebildeten 25-30-Jährigen, die nicht mehr im alten sowjetischen System sozialisiert wurden, aber unter den rauhen postsowjetischen Bedingungen auch nicht in der "neuen" Gesellschaft ankommen konnten, sind auf der Suche nach Perspektiven und Orten, an denen sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können. Das Stipendienprogramm, finanziert aus Mitteln des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) möchte die berufliche und zivilgesellschaftliche Entwicklung dieser jungen WissenschaftlerInnen stärken und zur Herausbildung ihrer Multiplikatorenrolle in Wissenschaft und Gesellschaft beitragen.Aufgaben und Umfang des Programms
Die ausgewählten Nachwuchskräfte erhalten ein Stipendium für 13 Monate. Die Auswahl der 33 StipendiatInnen (jeweils 11 Stipendien für die drei Fachrichtungen Zeitgeschichte, Soziologie und nachhaltige Stadtentwicklung) findet auf der Grundlage eines in allen südkaukasischen Regionen ausgeschriebenen Auswahlwettbewerbs statt. Anzumerken ist es, dass es im Unterschied zu anderen vergleichbaren Programmen für die StipendiatInnen nicht erforderlich ist, an einer Universität oder anderen wissenschaftlichen Einrichtung eingeschrieben zu sein.Auswahlkriterien sind Qualität des Antrags, Aktualität und gesellschaftspolitische Bedeutung des Themas, methodische Neuartigkeit sowie das gesellschaftspolitische Interesse und Engagement der BewerberInnen.
Zur Auswahl und Betreuung der StipendiatInnen und zur Steigerung der multiplikatorischen Wirkung des Programms auf Universitäten, Medien und Nichtregierungsorganisationen wird ein überregionales BeraterInnen-Netzwerk unter Einbeziehung von Kaukasus-ExpertInnen aus Deutschland, Westeuropa und Russland gebildet. Zu diesem Kreis zählen SoziologInnen, HistorikerInnen, PolitologInnen, ÖkologInnen und ArchitektInnen. Die BeraterInnen übernehmen die wissenschaftliche Betreuung von einem oder mehreren StipendiatInnen. Sie treffen sich regelmäßig mit den StipendiatInnen, unterstützen sie/ihn bei der Suche nach Literatur Quellen, Archivzugang etc., diskutieren mit ihr/ ihm den Fortgang der Arbeit und vermitteln wichtige Kontakte im eigenen Land.
Begleitprogramm
Das Sur-Place-Programm bietet neben der finanziellen Unterstützung ein Begleitprogramm:- Die StipendiatInnen werden zu regelmäßigen Seminaren auf nationaler und regionaler Ebene eingeladen, bei den die laufenden Arbeiten diskutiert und neue Methoden der jeweiligen Wissenschaften vorgestellt und übungsweise angewendet werden.
- Jährlich findet eine Sommerschule mit allen StipendiatInnen statt, zu der WissenschaftlerInnen aus der Region und aus Deutschland und restlichem Europa als ReferentInnen eingeladen werden. Neben dem Austausch über die laufenden Arbeiten der StipendiatInnen steht im Mittelpunkt die Diskussion innovativer Methoden der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie aktuelle soziale und politische Themen.
- Für die Kommunikation der StipendiatInnen untereinander und mit den BeraterInnen wird auf der Website des Regionalbüros Südkaukasus der HBS ein eigenes Diskussionsforum eingerichtet.
- In den Hauptstädten der drei südkaukasischen Staaten werden Basisbibliotheken eingerichtet.
- Nach Beendigung des Förderzeitraums werden die zehn besten Arbeiten mit der Finanzierung eines zweimonatigen Forschungsaufenthaltes in der Bundesrepublik Deutschland prämiert.
- Die Arbeiten der StipendiatInnen werden in einem eigenen Sammelband auszugsweise publiziert. Außerdem werden die StipendiatInnen bei der Suche nach weiteren Publikationsmöglichkeiten unterstützt.


