11. September, 13:39

Westerwelle gegen Seehofer - Bierzeltbrutalität

Robert Misik

Lagerwahlkampf? Da müssen CSU und FDP irgendetwas ganz falsch verstanden haben. Die betreiben nämlich zunehmend hektisch Wahlkampf innerhalb ihres Lagers. Hübsch, das mitanzusehen. FDP-Westerwelle beklagt sich schon richtig weinerlich über die „fast täglichen Attacken aus der CSU“, die schieße „auf das falsche Tor“. Die CSU wiederum warnt unverdrossen vor den „neoliberalen Streichkonzerten“, die die FDP im Schilde führe. Zuletzt hieß es etwa: „Die FDP will eine Reichen-Medizin.“

Nun ist das ja nichts total Neues: Die CSU will die bayrische soziale Volkspartei sein, die konservativ ist, aber die Sozialdemokratie gleich mit abdeckt. Die FDP positioniert sich seit Jahr und Tag als hartleibig ultraliberal, als Partei der kaltschnäuzigen Gewinnertypen. Aber mit der großen Verwirrung, die mit der großen Wirtschaftskrise einhergeht, wird der Graben tiefer. In der Seehofer-CSU hängt man eher der Deutung an, dass die „The Winner takes it all“-Ideologie gemeinsam mit den Dödelbankern an Strahlkraft verloren hat. Bei der FDP glaubt man dagegen, dass es in Zeiten massiver Staatsintervention und Konjunkturprogramme trotz der Delegitimation des Marktradikalismus noch genügend Leute gibt, die ihre Staatsskepsis gerade jetzt in die Reihen der Rechtsliberalen treibt. Und irgendwie haben natürlich beide Recht: Die FDP kann mit ihrer Unique Selling Proposition auf 12, vielleicht sogar auf 15 Prozent kommen. Die CSU mit ihrer in Bayern auf bis zu 50, die absolute Mehrheit. Wahltaktisch ist das also durchaus schlüssig.

Trotzdem mutet das alles irgendwie retro an. Irritierend ist, dass die CSU mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor Etcetera selbst einen kleinen Westerwelle unter ihren Vorzeigefiguren hat, aber das nur nebenbei. Wenngleich der Sozialpopulismus der Christsozialen sympathischer ist als Knochenbrecherthatcherismus der Liberalen, so ist Volkstümelei mit sozialdemokratischen Einsprengseln möglicherweise doch nicht der Weisheit letzter Schluss in Sachen eines modernen, ethischen Konservativismus.

Aber egal. Man lehne sich erste Reihe fußfrei zurück und genieße: Westerwelle gegen Seehofer, das ist Bierzelt-Brutalität und allemal amüsanter als, beispielsweise, Merkel gegen Steinmeier.

 

Robert Misik ist Publizist, lebt in Wien und schreibt für zahlreiche deutsche Medien.

 

Comments

Von Thomas ,  11. September, 14:15

FDP und CDU/CSU haben das Problem als Block nicht mehr gemeinsam wachsen zu können. Die Landtagswahlen im Saarland, Thüringen und zum Teil auch in Sachsen zeigten, dass eine starke FDP mit einer schwachen CDU einher geht - der Gewinn des einen Verlust des anderen. Die CDU leidet hierbei unter der Stärke der Liberalen, deren Stimmzuwächse zu einem erheblichen Anteil einem Aderlass aus der CDU-Wählerschaft geschuldet sind. Der Vorsprung des CDU-FDP-Lagers lässt sich also nicht mehr signifikant ausbauen. Nicht verwunderlich also, dass vor allem von der CSU aber auch aus den Reihen der CDU gegen die FDP Wahlkampf geführt wurde. Als Lager verliert man wenig wenn man die FDP schwächt, als CSU kann man sehr viel gewinnen.

Von Gramm ,  11. September, 15:09

Der gute hr. misik ist einseitig und wahrscheinlich schon in österreich eingeschlafen.
Die CSU ist die einzige volkspartei in deutschland.
Die wähler der CSU kommen aus allen schichten der bevölkerung. alle anderen parteien sind letztlich randgruppen. nur wer ueber 50% der stimmen hat vertritt die mehrheit. nur die CSU hatte stabil und lange zeit diese werte. wenn seehofer wie bei der europawahl diesen wert bei der bundestagswahl 2009 wieder erreicht, ist er der eigentliche sieger. frau merkel wird nur bundeskanzerlin bleiben, wenn die csu die ca. 50% erreicht. in der heutigen zeit sind 50% zustimmung weit schwieriger zu erreichen als in der vergangenheit. westerwelle und gysi wie auch teile der gruenen sind nur minderheitenvertreter. die medien bedienen sich dieser und manipulieren geschickt, weil diese minderheiten zahlungskräfig sind. der wirkliche konflikt und letztlich die entscheidung spielt sich zwischen union und fdp auf der einen seite und den linken, grünen und sozialdemokraten ab.
die vereinte linke (spd u. pds) wird irgendwann wieder kommen mit den grünen zusammen. dann stellt sie die bundeskanzlerin (frau nahles) und alles wird gut. wenn das so kommt ...denk ich an deutschland in der nacht ...bin ich um den schlaf gebracht ... schrieb h.heine im exil. vielleicht gehen dann aber einige wieder ins exil.

Von Henry ,  12. September, 11:34

Zum Wahlkampf der Grünen und Cem Özdemir sehr lesenswert und unterhaltsam der Artikel von Benjamnin von Stuckrad-Barre: www.welt.de/.../...Porsche-ich-wuerde-brennen.html

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