Schriften zur Ökologie, Band 5
Urban Futures 2030
Visionen künftigen Städtebaus und urbaner Lebensweisen
Die Hälfte der Menschheit lebt in Städten. Die Städte sind der Hort unserer Kultur, der Motor unserer Ökonomie, der Proberaum neuer Lebensweisen. Sie sind aber auch für den größten Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich: Die Ballungsräume treiben den Klimawandel voran und werden ihn trotz und wegen der vorhandenen technischen Möglichkeiten deutlich zu spüren bekommen. Neben dem Verkehr und der industriellen Produk-tion ist der gebäudebezogene Energieverbrauch eine der wesentlichen Ursachen des städtischen CO2-Ausstoßes. Wer dem Klimawandel zu Leibe rücken will, muss sich also mit der Bautätigkeit der Menschen befassen. „Greening the city“ heißt nicht von ungefähr der neue Trend. Welche Antworten eine zukunftsfähige Stadtplanung und Architektur noch geben müssen - davon handeln die Beiträge der Expertinnen und Experten in diesem Band.Schriften zur Ökologie, Band 5:
Urban Futures 2030
Visionen künftigen Städtebaus und urbaner Lebensweisen
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin, Juni 2009, 96 Seiten, zahlreiche Photos
ISBN 978-3-86928-008-0
Die Druckausgabe ist leider vergriffen!
Vorwort
Diese Publikation verdankt ihre Entstehung dem internationalen Kongress «Urban Futures 2030 – Visionen künftigen Städtebaus und urbaner Lebensweisen», zu dem die Heinrich-Böll-Stiftung und die Stiftung Bauhaus Dessau am 3./4. Juli 2009 nach Berlin eingeladen haben. «Urban Futures» verfolgt zwei korrespondierende Ideen: Zum einen geht es darum, den transnationalen Dialog über den Beitrag der Städte zur Lösung der Klimakrise zu vertiefen. Wie antworten Städte auf die große Herausforderung unserer Zeit, die Treibhausgas-Emissionen drastisch zu senken und einen neuen, zukunftsfähigen Entwicklungspfad einzuschlagen? Wie können sie der Energienachfrage und den Mobilitätsbedürfnissen einer weltweit wachsenden städtischen Bevölkerung gerecht werden, ohne die Ökosphäre definitiv zu ruinieren? 80 Prozent Reduktion der Treibhausgas-Emissionen in den hochindustrialisierten Ländern bis zum Jahr 2050 lautet die Forderung aus der Perspektive globaler Klimagerechtigkeit. Aber auch die neu aufsteigenden Wirtschaftsmächte des Südens müssen in absehbarer Zeit den Übergang zu sinkenden Emissionen schaffen, wenn der Klimawandel in handhabbaren Grenzen gehalten werden soll. Dafür gibt es ermutigende Anzeichen. So werden in China CO2-neutrale Städte für Hunderttausende geplant, die ihren Energiebedarf aus erneuerbaren Energiequellen decken und eine kohlenstofffreie Mobilität ermöglichen. Die Anregungen, die sich daraus für den Stadtumbau in Europa und Amerika ergeben, sollen während des Kongresses ausgiebig diskutiert werden.
Unser zweites Anliegen ist es, Visionen und Modellbeispiele nachhaltiger Architektur und Stadtgestaltung zu sammeln und einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Denn wer dem Klimawandel zu Leibe rücken will, muss sich mit der Bautätigkeit der Menschen befassen, die sich nur insofern, als sie dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht wird, auch zurecht «Baukultur» nennen kann. Es geht um eine «Low-Carbon-Baukultur», wie sie in diesem Band der Klimaforscher Fritz Reusswig fordert. Allein in Deutschland sind die Errichtung, der Betrieb und der Abriss von Gebäuden für 40 Prozent der Triebhausgas-Emissionen verantwortlich. Neben dem Verkehr und industrieller Produktion ist gebäudebezogener Energieverbrauch eine der wesentlichen Ursachen des städtischen CO2-Ausstoßes. Zukunftsfähige Stadtplanung und Architektur müssen Antworten auf den Klimawandel geben. «Greening the city» ist der neue Megatrend. Davon zeugen zahlreiche Architekturkongresse und auch ein ganz realer Boom ökologischen Bauens.
Diese Publikation enthält Beiträge zahlreicher Referentinnen und Referenten des Kongresses «Urban Futures». Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Beteiligten für ihr Engagement bei der schnellen Produktion bedanken. Die Kompilation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder auf akademische Weihen. Dennoch präsentiert sie einen beachtenswerten Ausschnitt der gegenwärtigen Diskussion um Klimawandel, Architektur und städtische Lebensweisen.
Die Beiträge umfassen grundsätzliche Überlegungen zur künftigen Gestalt und Verfasstheit der Städte und zu einer «Energierevolution als Paradigma der Stadtententwicklung» (Peter Droege). Dazu kommen Beiträge zu einer intelligenten Architektur, die Ökologie, Ästhetik und Technik zu einer neuen Synthese vereint. Andere stellen Ansätze nachhaltiger Architektur jenseits des «Ökobaus» vor. Die interessierten Leserinnen und Leser finden zahlreiche visionäre Ideen von der angepassten Temperierung von Gebäuden in der Wüste Abu Dhabis bis zur urbanen Lebensmittelproduktion auf den Dächern New Yorks. Aber natürlich kann es bei der Zukunft der Stadt nicht nur um das einzelne, neu gebaute Haus gehen. Speziell in Europa ist die Stadt im Wesentlichen schon gebaut, und die Vision liegt im klimagerechten Umbau der Stadt, der gleichzeitig die Lebensqualität erhöht und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt. Wie das gehen kann, kann man an nachhaltigen Genossenschaftsprojekten in der Schweiz ebenso studieren wie an Experimenten mit stadtteilbezogener Energieerzeugung bei der IBA Hamburg-Wilhelmsburg. Wie technische Innovationen stärker mit einer Bürgerbewegung für den Klimaschutz Hand in Hand gehen können, wird weiter zu diskutieren sein. Wir hoffen, mit dieser Publikation zahlreiche Anregungen zur Debatte und vor allem für die Praxis des Planens und Bauens gegeben zu haben.
Ein nachhaltiger Städtebau bzw. Stadtumbau ist eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Hier ist auch die Politik auf allen staatlichen Ebenen gefordert. So braucht es ehrgeizigere Regelungen sowohl für die Gebäudesanierung als auch für den Neubau, als dies derzeit in Deutschland der Fall ist, damit die Klimaziele im Gebäudebereich erreicht werden können. Diesseits rechtlicher Vorgaben und ökonomischer Anreize ist es entscheidend, dass sich Investoren, zupackende Bauherren und -damen und die städtische Öffentlichkeit für den ökologischen Stadtumbau begeistern. So könnten Low Carbon Cities auch in Deutschland Realität werden.
Berlin, im Juni 2009
Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
Aus dem Vorwort von Urban Futures 2030 - Visionen künftigen Städtebaus und urbaner Lebensweisen, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.).
| Visionen künftigen Städtebaus und urbaner Lebensweisen - Urban Futures 2030 |
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| Herausgeber/in | Heinrich-Böll-Stiftung |
| Erscheinungsort | Berlin |
| Erscheinungsdatum | Juni 2009 |
| Seiten | 96 |
| ISBN | 978-3-86928-008-0 |
| Bereitstellungs- pauschale |
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