Böll.Thema 2/2012: Digitale Demokratie

Böll.Thema 2/2012: Digitale Demokratie

Heinrich-Böll-Stiftung
Kostenlos
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: 12. September 2012
Seitenanzahl: 36
ISBN: --
Alle Ausgaben: Böll.Thema

Zeitschrift

Böll.Thema 2/2012: Digitale Demokratie

Cover: BöllThema 2/2012: Digitale Demokratie
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12. September 2012

Editorial

Auf dem Weg zur digitalen Demokratie?

Das Internet revolutioniert die Welt. Klingt bombastisch, ist aber nicht verkehrt. Jede Zeit hat ihre Leittechnologie, die Wirtschaft, Alltagsleben und Politik tiefgreifend verändert. Das galt für die Dampfmaschine und die Eisenbahn, für die Elekt rifizierung und die Chemie, für das Automobil und das Fernsehen. Heute trifft es für das Internet zu – und morgen, hoffentlich, für die Solarenergie.

Lange Zeit hatte die Öffentlichkeit eher die wirtschaftlichen Aus wirkungen der modernen Informations- und Kommunikationsmedien im Blick. Sie haben die Büroarbeit ebenso gründlich verändert wie die industrielle Produktion. Weltweite Produktions- und Logistikketten werden über das Internet gesteuert. Auch die Volatilität der Finanzmärkte wurde durch die moderne Computertechnik verstärkt. Rechnergestützte, weltweit vernetzte Programme haben Volumen und Geschwindigkeit von Finanztransaktionen in ungekannte Dimensionen katapultiert.

Der Siegeszug der « sozialen Medien » – Blogs, Facebook, Twitter & Co – hat die politische Dimension der digitalen Revolution stärker ins Blickfeld gerückt. Sie steht auch im Mittelpunkt dieser Ausgabe von Böll.Thema. Die politischen Implikationen digitaler Medien sind ambivalent. Sie erweitern das Arsenal staatlicher Überwachung und Repression, und sie können zum Verstärker sozialer Bewegungen und demokratischer Opposition werden. Der Verfasser dieser Zeilen neigt mit den meisten Autoren dieses Hefts dazu, das demokratische Potenzial des Internets höher zu bewerten. Blogs, Facebook, Twitter und YouTube lösen keine Revolutionen aus, aber sie können gerade in autoritären Staaten zur Plattform für zivilen Protest und politische Mobilisierung werden, wie zuletzt die « Arabellion » gezeigt hat. Hierzulande eröffnen digitale Medien neue Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Im Netz ist potenziell jede und jeder zugleich Produzent und Rezipient von Nachrichten. Planungsunterlagen können öffentlich gemacht, Haushaltsentwürfe vorab diskutiert und Volksentscheide organisiert werden. Entscheidend ist, dass digitale Medien zu einer Verbreiterung und Vertiefung politischer Öffentlichkeit beitragen, statt ihre Parzellierung und Verflachung zu befördern. Wenn sich nur noch Gleichgesinnte in ihrer Haltung bestätigen und jede abweichende Position einen « Shitstorm » auslöst, ist das kein Zugewinn an politischer Kultur.

Für die Heinrich-Böll-Stiftung ist dieses Heft keine Eintagsfliege, das Thema wird in der kommenden Ausgabe eine Fortsetzung finden. Es ist eingebettet in unsere netzpolitischen Aktivitäten im In- und Ausland. Wir laden alle ein, sich an dieser Debatte zu beteiligen.
Ein zweites Heft mit internationalem Schwerpunkt wird im Dezember erscheinen.

 

Ralf Fücks
Mitglied des Vorstands der Heinrich-Böll-Stiftung

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Böll.Thema 2/2012: Digitale Demokratie
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum 12. 2012
Seiten 36
ISBN --
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Inhalt

Auf dem Weg zur digitalen Demokratie?
Editorial von Ralf Fücks

Digitale Demokratie
  • Politik braucht eine neue Kultur der Verknüpfung
    Essay von Christoph Bieber
  • E-Democracy = estnische Demokratie
    Von Manuel Kripp
  • Kein Koalitionspartner kann aller Piratenstimmen sicher sein
    Ein Gespräch zwischen Ralf Fücks und Marina Weisband
  • Möglichkeiten und Grenzen von Internet-Kampagnen
    Von Felix Kolb
  • Weshalb wir einen Konsens der Vernetzten brauchen
    Rebecca MacKinnon, interviewt von David Pachali
  • Clash of Cultures im Cyberspace 
    Essay von Wolfgang Kleinwächter
  • « Es reicht nicht aus, einfach dagegen zu sein » 
    Ein Gespräch mit den Bloggern Viktor Malishevsky (Weißrussland), Sondos Shabayek (Ägypten) und Nuria Fatykhova (Russland), moderiert von Geraldine de Bastion
  • « Die Feinde des Internets und ihre Opfer »
    Merkels Doppelmoral bei Dual-Use-Gütern
    Von Konstantin von Notz

Digitale Öffentlichkeit

  • Die neue Unübersichtlichkeit des Internets
    Essay von Christoph Kappes
  • Die rückschrittliche Seite des digitalen Fortschritts
    Von Katrin Rönicke
Digitale Kultur
Digitale Ökonomie
  • Die Versuchungen von Big Data
    Essay von Jeanette Hofmann
  • Die Antwort auf Big Data lautet Open Data
    Essay von Jan Schallaböck
Mein digitaler Alltag
  • Bist du noch drin – oder lebst du schon?
    Eine Betrachtung von Annette Maennel

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