Isabel Schröder, Humboldt Universität Berlin

Isabel Schröder, Humboldt Universität Berlin

Das Gefängnis schreiben – Zeugnisliteratur und Fiktionen afrikanischer Autorinnen

Mein Forschungsprojekt ist in einem interdisziplinären Rahmen der Literatur- und Afrikawissenschaften, den Gender Studies, der Geschichtswissenschaft und der postkolonialen Theorie verortet. In meinem Vorhaben beschäftige ich mich mit der afrikanischen Gefängnisliteratur von Frauen seit 1950 bis heute und schließe dabei sowohl Zeugnistexte als auch fiktionale Texte ein, die vorwiegend die Geschichten weiblicher Gefangener im Kontext patriarchaler Machtstrukturen aufzeigen. In meinem Vorhaben gehe ich folgender Fragestellung nach: Welche spezifischen, durch Gender strukturierten Inhalte und Schreibstrategien werden im Korpus testimonial-referenzieller und fiktiver Texte der Gefängnisliteratur von afrikanischen Autorinnen umgesetzt?

Ich stelle die These auf, dass die gemeinsame Analyse von Zeugnis- und fiktionaler Literatur einen Zwischenraum zwischen faktualem und fiktionalem Erzählen eröffnet, der von besonderem erkenntnistheoretischen Interesse ist. Meine Ausgangsthese hierbei ist, dass die in den Texten geäußerte Kritik hinsichtlich politischer Verhältnisse mit gesellschaftlicher Kritik an der Diskriminierung von Frauen verknüpft wird. Meine Textanalyse folgt methodisch sowohl der gender-orientierten Erzähltheorie als auch der postkolonialen Narratologie. Die Theorien sind gleichermaßen politisch-ideologisch ausgerichtet und setzen ihren Fokus auf die Verwobenheit soziokultureller Faktoren mit narrativen Formen. Die Zusammenführung der beiden Narratologien ermöglicht eine Betrachtung der interdependenten Verflechtung von Analysekategorien (z.B. Gender und Class), die für ein komplexes Verständnis der Gefängnisliteratur afrikanischer Autorinnen von enormer Bedeutung ist.

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