Florian Schikowski, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Florian Schikowski, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Mein zeithistorisches Dissertationsprojekt behandelt die Parteienfusion von Bündnis 90 mit den Grünen in der langen Perspektive von 1989 bis zum Eintritt von Bündnis 90/Die Grünen in die Bundesregierung 1998 im Kontext der deutschen Wiedervereinigung und der ostdeutschen Transformation. Das Projekt untersucht, wie zwei politische Organisationen mit eigenen Vorgeschichten, Strukturen, sozialen und kulturellen Hintergründen sowie politischen Konzepten versuchten, eine Fusion auf Augenhöhe – in Abgrenzung zu den anderen großen bundesdeutschen Parteien – zu gestalten. Dass sie daran weitestgehend scheiterten, ist eine These meiner Arbeit.

Das „Bündnis 90“ im Parteinamen von Bündnis 90/Die Grünen erscheint heute beinahe bedeutungslos. Nicht nur aus Bequemlichkeit ist in der Regel nur von „den Grünen“ die Rede; nicht nur aus Altersgründen spielen heute Vertreter /innen des ehemaligen Bündnis 90 kaum eine Rolle in der Partei. Sie konnten wenig eigene politische Akzente in der vereinigten Partei setzen. Die politischen Erfolge von Bündnis 90/Die Grünen seit den 1990er Jahren fußten vor allem auf guten Wahlergebnissen in den sogenannten „alten“ Bundesländern – in den „neuen“ Ländern ist die Partei bis heute strukturell und politisch viel schwächer.

So liefert mein Projekt auch einen Beitrag zur politischen Kulturforschung in Ostdeutschland, denn es untersucht den Weg eines Teils der Avantgarde der ostdeutschen Demokratiebewegung in das politische Parteiensystem der Bundesrepublik. Dafür nimmt die Arbeit die verschiedenen Ebenen, auf denen die Fusion vorangetrieben wurde, in den Blick: Die Bundestagsfraktion(-en) mit ihrem Apparat, die Parteiführungen und exemplarisch ausgewählte Landes- und Kreisverbände.

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