Stephan Schwarz, Technische Universität - Darmstadt

Stephan Schwarz, Technische Universität - Darmstadt

Privates Wohnungseigentum ist im Gegensatz zu Hauseigentum als Konzept aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts relativ jung, entfaltet jedoch heute großen Einfluss auf das soziale Gefüge unserer Städte. Die angespannte Situation auf den gegenwärtigen Wohnungsmärkten der Städte beruht neben steigenden Bevölkerungszahlen auf den Auswirkungen globalisiert operierender Finanzmärkte mit zunehmenden Investitionen in Immobilien und einer neoliberalen Bodenpolitik mit besonderer Konzentration auf privates Wohnungseigentum in den letzten Jahrzehnten. Diese Dynamiken auf dem Wohnungsmarkt haben eine Wohnungskrise ausgelöst, die sich in Form von erheblichen Mietsteigerungen, einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum und daraus resultierender sozialer Segregation und Verdrängung manifestiert. Als Antwort darauf kommen staatliche Steuerungsinstrumente wie Mietpreisbremsen, Milieuschutzgebiete, Modelle der kooperativen Baulandentwicklung, wie zum Beispiel in München, zur Anwendung.

Die großen Vermieter, wie etablierte Wohnungsbaugenossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften, reagieren in den wachsenden Städten mit dem Bau neuer Wohnanlagen. Als Reaktion auf die gegenwärtige Wohnungskrise entstehen jedoch auch selbstorganisierte Wohnprojekte aufbauend auf alternativen Eigentumsstrukturen, die über die Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums hinausgehen und lebendige Orte in ihren Quartieren schaffen. Obwohl einige dieser Projekte bereits heute verschiedene relevante Ansätze für sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Zukunftsperspektiven aufzeigen und testen, sind sie bisher nur unzureichend systematisch erfasst um ihren Beitrag zu einer sozial gerechten Stadtentwicklung wissenschaftlich belegt benennen zu können. An dieser Forschungslücke setzt die vorliegende Arbeit an um diese Projekte und ihren Mehrwert in den Quartieren und Nachbarschaften am Beispiel Berlins zu untersuchen und stellt dabei folgende Forschungsfrage:

Welche quantitative Relevanz und welchen qualitativen Mehrwert weisen selbstorganisierte Wohnprojekte aufbauend auf alternativen Eigentumsstrukturen, als nachhaltige Lösungsansätze auf die gegenwärtige Wohnungskrise auf und welche langfristigen Perspektiven können sie dabei eröffnen?

Aktuell wird das Potential selbstorganisierter Wohnprojekte unterschiedlich eingeschätzt, unter anderem weil, wie viele Gespräche mit Expert/innen gezeigt haben, eine wissenschaftliche Einschätzung und damit eine stabile Grundlage für eine mögliche strukturelle Berücksichtigung derselben fehlt. Durch die Beantwortung der oben stehenden Forschungsfrage und eine differenzierte Betrachtung und Evaluierung relevanter Beispiele selbstorganisierter Wohnprojekte aufbauend auf alternativen Eigentumsstrukturen verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel eine wissenschaftliche Basis bereitzustellen um die Potentiale dieser Akteure für eine sozial gerechte Stadtentwicklung klarer benennen und in der Praxis besser einbeziehen zu können.

Die vorliegende Arbeit hat einen empirischen Schwerpunkt. Nach einer quantitativen Erfassung selbstorganisierter Wohnprojekte aufbauend auf alternativen Eigentumsstrukturen in Berlin, werden voraussichtlich drei ausgewählte Case Studies mittels qualitativer Interviews und kreativer Mappings untersucht. Insbesondere diese Methode soll Möglichkeiten eröffnen Neues zu Tage zu bringen um daraus weiterführende Erkenntnisse zu gewinnen. Interviews werden mit direkt in die Projekte involvierten Akteur/innen, Vertreter/innen aus Stadtpolitik und Verwaltung sowie Expert/innen geführt. Es bestehen bereits Kontakte zu relevanten Institutionen wie dem Mietshäusersyndikat, dem Netzwerk gemeinwohlorientierter Stadtproduzenten, dem Arbeitskreis der jungen Wohnungsbaugenossenschaften in Berlin, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und der Stiftung trias. Dadurch ist über den Kontakt zu relevanten Expert/innen hinaus, vor allem der Zugang zu notwendigen Daten gesichert.

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