Hisar Ersöz, Technische Universität - Berlin

Urban Transformation Design: Grundlagen einer praxisorientierten Theorie und Methodologie urbaner Transformationsgestaltung

Die forschungsleitende Frage meines Promotionsvorhabens lautet: Wie können Urban Designer*innen mit der Gestaltung von urbanen Räumen und Prozessen aktiv, zielgerichtet und wirkungsvoll zur Großen Transformation in Richtung sozialökologischer Nachhaltigkeit beitragen?

Unsere Zukunft entscheidet sich in den Städten. Urbane Räume sind wichtige Treiber und Betroffene globaler Umweltveränderungen und wesentlicher Teil des Problems und “der Lösung” zentraler Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. So wird Städten im Konzept der Großen Transformation des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) und in globalen Nachhaltigkeitsagenden (Sustainable Development Goals, New Urban Agenda) eine Schlüsselrolle beim tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in Richtung sozialökologischer Nachhaltigkeit zugeschrieben (WBGU 2016; Misselwitz et al. 2016). Auch die transformative Wissenschaft befasst sich im Kontext der urbanen Reallaborforschung mit der Frage, wie die urbane Transformation in Richtung Nachhaltigkeit gelingen kann (Schneidewind 2014).

Während Urban Designer*innen hierbei als „Pioniere des Wandels“ (WBGU 2016: 13), lokale „Change Agents“ (ebd.: 337) und Protagonist*innen einer „Transformation von unten“ (WBGU 2011: 277) angesehen werden, ohne welche die Große Transformation und die lokale Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsziele nicht gelingen können (ebd.: 100), fehlt bis heute jedoch ein umfassendes theoretisch-methodisches Framework zur urbanen Transformationsgestaltung (vgl. Wright 2017: 411; Schmelzer / Vetter 2019: 207). Zwar lässt sich in raumbezogenen Kontexten bereits heute ein heterogenes Patchwork kleinteiliger Nischen- und Pionierprojekte finden, die – mal bewusst, mal unbewusst – transformationsorientiert handeln (vgl. WBGU 2011: 255). Die Große Transformation kann jedoch nur durch das Zusammenwirken zufälliger „Häufigkeitsverdichtungen von Veränderungen“ (Osterhammel 2009) und intendiertes, bewusstes, aktives, zielgerichtetes, koordiniertes, strategisches und planvolles Handeln gelingen (Wright 2017: 406 ff.).

Hier treten die Defizite der transformativen Wissenschaft und globaler Nachhaltigkeitsagenden sowie das Dilemma des Urban Designs offen zutage: Während Urban Designer*innen im Kontext transformationsorientierter Diskurse eine enorme Bedeutung und Verantwortung zum gesellschaftlichen Wandel in Richtung sozialökologischer Nachhaltigkeit zugeschrieben wird, bleiben diese bis heute eine hinreichende Antwort dahingehend schuldig, wie genau die Große Transformation und globale Nachhaltigkeitsziele auf lokaler Ebene “von unten” strategisch angestrebt und “im Kleinen” umgesetzt werden können. Wie also kann ich, als Urban Designer, der mir zugeschriebenen Verantwortung zur Transformation gerecht werden? Hierfür – so die Hypothese meines Vorhabens – braucht es ein möglichst umfassendes Orientierung gebendes und handlungsweisendes Framework urbaner Transformationsgestaltung, das mich mit dem Problem- und Selbstbewusstsein, dem Wissen, den Theorien, Strategien und Methoden ausstattet, die mich zur Transformation befähigen.

Ziel meines Vorhabens ist daher die Entwicklung eines erweiterten und transformationsorientierten Urban Design-Verständnisses für die Große Transformation und der Grundlagen einer „sozial robusten“ (Scholz 2011: 379) und praxisorientierten Theorie und Methodologie urbaner Transformationsgestaltung zur lokalen Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsziele, die sowohl für die transformative Wissenschaft als auch transformationsorientierte Praxisakteure anschlussfähig ist.