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Aktualisiert: vor 2 Stunden 21 Minuten

Gen-Kleidung: Wie die Synthetische Biologie den Textilsektor erobern will

19 September, 2018 - 21:48

Vielen Verbraucher/innen ist nicht bewusst, dass ein Großteil der Klamotten, die wir tragen, entweder aus gentechnisch veränderter Baumwolle und / oder aus Plastik (und damit letztlich aus Erdöl oder Erdgas) besteht. Eine gehörige Menge Chemikalien kommt natürlich auch noch dazu. Und am Ende entsteht viel Müll und Mikroplastik.

Ein neuer Bericht (Genetically-engineered Clothes) von ETC Group und Fibershed zeigt jedoch: HighTech im Textilsektor geht inzwischen noch viel weiter:

“Genetically Engineered Clothes: Synthetic Biology’s New Spin on Fast Fashion” details how proposed use of “biosynthetic” fabrics by progressive-minded companies like Patagonia could be a false solution to the environmental and social problem of „fast fashion,“ causing further damage to ecosystems and livelihoods around the world by disrupting supply chains and displacing genuinely natural fiber production.

Eine bekannte Firma wie Patagonia (die sich ja noch als umweltfreundlich, gentechnikfeindlich und progressiv geben) forscht an Seidenersatz (Bolt Thread), der von gentechnisch veränderten Bakterien im Tank erzeugt wird. Und DuPont verkauft schon seit Jahren einen synthetischen Kunststoff namens Sorona als „natürlich“ und „öko“. Auch Synbio-Leder ist im Gespräch.

Zu Deutschen Firmen stellt der Bericht fest:

Germany’s AMSilk sells its “Biosteel” fibres as coatings for medical implants – arguably not as flashy as the proof-of-concept “Futurecraft Biofabric” shoes the company unveiled in late 2016 with corporate partner Adidas.

Doch nicht nur die Synthetische Biologie erhält Einzug in den Textilsektor. Elektronische HighTech, Nanotechnologie und moderne Biotechnologien sollen unsere Kleidung in Zukunft noch funktionsfähiger machen – letzlich ergeben sich daraus aber zahlreiche neue Fragen und Risiken: Welche Auswirkungen gibt es für die Umwelt und menschliche Gesundheit? Wie entsorgen wir Kleider, wenn sie Elektroschrott beinhalten und ein Biosicherheitsrisiko darstellen?

Plastikverschmutzung durch Textilien ist ein reales Problem, für das es dringend Lösungen braucht. Aber diese liegen nicht in einem Mehr an Technologien und HighTech-Materialien, sondern in einem weniger an Konsum und regionalen, nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen, die auf lokal verfügbare Rohstoffe setzen!

 

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Große NGO-Koalition fordert die Förderung wiederverwendbarer und ungiftiger Menstruationsprodukte durch EU-Regulierung

17 September, 2018 - 15:37

Es geht um nicht weniger als die Hälfte der Menschheit. Frauen verbrauchen in ihrem Leben bis zu 150 kg Damenbinden, diese wiederum bestehen im Durchschnitt zu 90 Prozent aus Plastik. So listet es der Bericht Reusable & toxic-free menstrual products  auf, den Zero Waste Europe, hej!support und die NGO-Koalition Break Free From Plastic Ende August veröffentlicht haben. Der hohe Plastik-Anteil in allen Produkten, seien es Dambenbinden, Tampons oder die Applikatoren der Tampons hat einen großen Anteil an der Plastik-Vermüllung der Meere, wenn er nicht vorher  die Kanalisation blockiert.  Zudem finden sich im verwendeten Plastik  Chemikalien wie BPA und Phthalate, die hormonverändernd wirken und mit Herzkrankheiten, Unfruchtbarkeit und Krebs in Verbindung gebracht werden. Hinzu kommen die hohen Kosten für diese Produkte, selbst in der EU können zwei von zehn  Frauen und Mädchen sie sich nicht leisten und können teilweise nicht am Schulunterricht teilnehmen oder zur Arbeit gehen. Weltweit gesehen, besonders im globalen Süden, ist das noch viel häufiger der Fall. In einer schönen Infographik kann man sich das Gesamtbild vor Augen führen:

Grund genug also, die Alternativen stark zu machen: Wiederverwendbare und ungiftige Produkte wie Menstruationstassen könnten durch eine entsprechende Formulierung in der EU-Direktive zu Einweg-Plastik, die in Arbeit ist, gefördert werden. Unter dem schnittigen Titel Proposal for a Directive on the reduction of the impact of certain plastic products on the environment hat die EU-Kommission bereits Vorschläge erarbeitet. Die Autor/innen des Berichts sind die einzelnen Vorschläge durchgegangen und fordern konkrete Änderungen an einzelnen Artikeln:

Artikel 1 sollte das Ziel eines Übergangs zu einer giftstoff-freien Kreislaufwirtschaft mit einbeziehen. Artikel 6 sollte sicher stellen, dass keine gefährlichen Chemikalien in Produkten verwendet werden. Artikel 7 sollte im Sinne einer verbesserten Produktinformation ausgebaut werden. Artikel 10 sollte sicher stellen, dass Verbraucher über die Auswirkungen der chemischen Inhaltsstoffe von Plastik auf die Gesundheit informiert werden müssen und dass wiederverwendbare Menstruationsprodukte flächendeckend in EU-Staaten verbreitet werden.

Es sind sehr detaillierte und konkrete Forderungen, deren Umsetzung weitreichende Verbesserungen für die Gesundheit von Frauen und für die Umwelt hätten:

Changes to the single-use plastic Proposal for a Directive, specifically in Articles 1, 6, 7 and 10, will be a game changer when it comes to contributing positively to both the environment and women. This is a unique opportunity to show how the European Parliament cares about women’s well-being and is willing to take the necessary steps to enhance their lives, while also improving the state of the environment for all.

Hoffen wir, dass die Forderungen gehört werden.

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Solidarity to Solutions – Ausblick auf eine spannende Woche in San Francisco rund um den Global Climate Action Summit

10 September, 2018 - 20:05

San Francisco steht diese Woche im Fokus der globalen Klimadebatte. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, hat zum Global Climate Action Summit (GCAS) geladen. Erwartet werden mehr als 4000 offizielle Delegierte (vor allem auch viele lokale Politiker/innen und Bürgermeister/innen aus aller Welt – aus Deutschland reist u.a. Winfried Kretschmann an), zahlreiche Stars (z.B. Harrison Ford und Alec Baldwin) und die großen Namen der internationalen Klimadiplomatie (Christiana Figueres, Patricia Espinosa, Nicholas Stern, Mary Robinson und viele mehr).

Aber auch verschiedene NGOs beteiligens sich am Gipfel: Jennifer Morgan ist als Chefin von Greenpeace International dabei, Manuel Pulgar-Vidal für den WWF. Wael Hmaidan vom Climate Action Network International sitzt im Advisory Committee des Gipfels.

Neben dem offiziellen Gipfel finden in dieser Woche mehrere hundert zusätzliche Events in San Francisco, Berkely, Oakland und Umgebung statt. Die großen philantropischen Stiftungen verkünden neue Pledges, die Wissenschaft tauscht sich aus, Expertinnen und Experten diskutieren über so ziemlich alles, was irgendwie mit dem Thema Klimapolitik zu tun hat.

Doch auch wenn Jerry Brown neben Trump gerade zu als Klimaretter erscheint, steht er auch im Zentrum der Kritik des eher progressiven zivilgesellschaftlichen Spektrums in den USA. Denn Kalifornien hat eine der größten und reichsten Ökonomien der Welt, stellt sich gerne als fortschrittlich in Sachen Umweltpolitik dar – und ist doch einer der größten Öl- und Gasproduzenten.

Am Samstag haben bereits mehr als 30.000 Menschen beim „Rise for Climate“ March in San Francisco demonstriert, um ihren Unmut über diesen Widerspruch auszudrücken. Aber auch mit dem neoliberalen Klimakurs des Gouverneurs, der unter anderem auf eine Ausdehnung des Emissionshandels (der auch Offsets im Waldsektor zulässt) und eine Förderung von Biofuels setzt, sind viele nicht einverstanden.

Das Bündnis It Takes Roots (darunter das Indigenous Environmental Network, IEN, und die Climate Justice Alliance, CJA) und die Aktivist/innen von Idle No More und zahlreichen anderen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen (u.a. 350.org) in der Bay Area und landesweit in den USA rufen deshalb diese Woche auch zu zahlreichen Protesten und zivilem Widerstand auf.

Neben der Großdemo am Samstag gibt es u.a. auch einen zivilgesellschaftlichen Alternativgipfel (Solidarity to Solutions ) sowie verschiedene Aktionen zivilen Ungehorsams.

Auf Twitter kann man die Aktionen unter anderem unter den Hashtags verfolgen.

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Carbon Majors, Klimawandel und Menschenrechte – ein Update zu den Anhörungen der Nationalen Menschenrechtskommission der Philippinen

31 August, 2018 - 00:35

Eine der ganz spannenden Entwicklungen in Sachen Klimapolitik und Menschenrechte diesen Herbst ist die aktuell laufende Anhörung der größten fossilen Konzerne durch die nationale Menschenrechtskommission der Philippinen. Hier müssen sich die „Carbon Majors“ (also die größten Kohle-, Öl- und Gaskonzerne) zur Frage verhalten, welche Verantwortung sie durch ihre Produkte am Klimawandel und den damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen haben.

Der Prozess ist juristisches und politisches Neuland und wird auch von anderen Menschenrechtsinstitutionen ganz genau verfolgt, die zum Teil ähnliche Prozesse anstoßen wollen. Man kann die Anhörungen hier verfolgen oder auch auf Twitter über @gpph und @cj_greenpeace.

Es gibt noch mindestens drei weitere Anhörungen, u.a. in New York City am 27. und 28. September, in London vom 4. bis zum 8. Oktober, und dann wieder in Manila am 11. und 12. Dezember. Die Kommission will ihre Arbeit bis Ende des Jahres abschließen und die Ergebnisse und Empfehlungen dann vermutlich Anfang 2019 vorlegen. Die Liste der gesamten Anhörungen gibt es auf der Facebook-Seite der Kommission.

Besonders zu empehlen sind aus den Anhörungen der letzten Tage übrigens die Berichte der Zeugen Richard Heede (Climate Accountability Institute), Geoffrey Supran (post-doc fellow in Harvard), und Carroll Muffett (Center for International Environmental Law).

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Plastik in der Landwirtschaft – und auf unseren Tellern!

22 August, 2018 - 16:33

Die Environmental Investigation Agency (EIA)  hat sich in einer soeben erschienenen Studie mit den Folgen vom Einsatz von Plastik in der Landwirtschaft, den so genannten „Agriplastics“ befasst. Unter Agriplastics versteht man Plastikprodukte, Folien und Verpackungen, die in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden. Sie werden tunnelartig über die Felder gestülpt oder als Mulch auf dem Boden ausgebracht und schützen die Pflanzen vor dem Wetter, vor Schädlingen, unterdrücken das Wachstum von Unkraut.  Erdbeeren heißen auf Englisch „Strawberries“, weil der Boden um die Beeren zum Schutz der Pflanzen traditionell mit Strohmulch bedeckt wird. Wäre man ehrlich, müsste man sie wohl in Plasticberries umbenennen.

Für die EU liefert die Studie Zahlen: In Spanien sind ca. 120.000 ha mit Plastikmulch bedeckt, gefolgt von Frankreich mit ca. 100.000 ha. Die global verwendeten  Mengen sind enorm, der Weltmarkt für landwirtschaftliche Plastikfolien wurde in 2016 auf 7,48 Milliarden US-Dollar geschätzt.  Die Recyclingquoten hingegen sind schon in der EU niedrig: Irland steht mit ca. 63 % noch recht gut da, in anderen EU-Staaten wie Bulgarien, Rumänien, Slowenien, der Slowakei geht sie wohl gegen Null. Das verbrauchte und teils kontaminierte Plastik wird häufig einfach in der Landschaft oder im Meer oder in Flüssen entsorgt und seinem Schicksal überlassen. Zunächst gibt es Giftstoffe und Treibhausgase an die Umwelt ab.  Dann wird es zu Mikroplastik zerrieben und geht über Pflanzen und Tiere in unsere Nahrungskette ein. Und nicht nur das: Mikroplastik wird in der Landwirtschaft auch direkt Düngemitteln beigemischt, um die Abgabe der Wirkstoffe über einen bestimmten Zeitraum zu gewährleisten, ähnliches ist auch für Pestizide und so die genannten „soil conditioner“ möglich. Es wird also mit vollem Wissen ein (weiterer) gesundheitsgefährdender Stoff ausgebracht, um Lebensmittel zu erzeugen. Ekelhafter geht’s kaum.

Als Lösung schlagen die Autoren einen Dreiklang aus Reduzierung, Nutzung alternativer/ organischer Stoffe und verbesserter Abfallwirtschaft vor. Ein Anfang könnte sein, aus einer Erdbeere wieder eine zu machen, die ihren englischen Namen verdient.

 

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Das fehlte uns noch: Plastikmüll setzt Treibhausgase frei

16 August, 2018 - 15:24

Mitten in der Rekord-Sommerhitze und damit einhergehenden eindringlichen Berichterstattung zum Klimawandel blieb eine weitere schlechte Nachricht weitgehend unbemerkt:

Eine Wissenschaftlerin hat mit einer im Wissenschaftsportal PLOS ONE veröffentlichen Studie den Nachweis erbracht, dass Plastikmüll, der in der Umwelt vor sich hin verrottet, nicht nur zu gefährlichem Mikroplastik zerfällt sondern dabei auch noch die Treibhausgase Methan uns Ethylen frei setzt.

Auf die engen Verflechtungen von fossiler Industrie und Plastikproduktion haben wir an anderer Stelle bereits aufmerksam gemacht. Die Studie beschreibt, dass es in erster Linie das Sonnenlicht ist, das die beiden Treibhausgase aus dem Plastik wieder heraus holt. Und zwar je länger die Einstrahlung  dauert desto mehr.  Dass Plastik über seinen Zerfalls- und Oxidationsprozess toxische Stoffe wie Schwermetalle frei setzt und in seiner Endform als Mikroplastik negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat, war bekannt.

Dass es aber auch eine bisher unbekannte Quelle weiterer Treibhausgasemissionen ist, ist neu. Angesichts der enorm ansteigenden Mengen an Plastik, die produziert und verwendet werden und die irgendwann in der Umwelt laden werden, ist das in hohem Maße besorgniserregend.

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EuGH-Urteil ist eindeutig: Auch neue Gentechnik ist Gentechnik und wird entsprechend reguliert

25 Juli, 2018 - 18:56

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat heute entschieden: Pflanzen, die mit neuen Gentechnikverfahren (z.B. CRISPR/Cas) in ihrem Erbgut verändert werden, müssen auch als Gentechnik reguliert werden.

Im Urteil steht konkret:

„Durch Mutagenese gewonnene Organismen sind genetisch veränderte Organismen (GVO) und unterliegen grundsätzlich den in der GVO-Richtlinie vorgesehenen Verpflichtungen. Von diesen Verpflichtungen ausgenommen sind aber die mit Mutagenese-Verfahren, die herkömmlich bei einer Reihe von Anwendungen verwendet wurden und seit langem als sicher gelten, gewonnenen Organismen, wobei es den Mitgliedstaaten freisteht, diese Organismen unter Beachtung des Unionsrechts den in der GVO-Richtlinie vorgesehenen oder anderen Verpflichtungen zu unterwerfen. Mit „Mutagenese“ werden alle Verfahren bezeichnet, die es, anders als die Transgenese, ermöglichen, das Erbgut lebender Arten ohne Einführung einer fremden DNS zu verändern.“

Gute knackige Bewertungen dieses wichtigen Urteils gibt es u.a. bei Testbiotech, Friends of the Earth Europe, und dem BÖLW.

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) hatte bereits vor Veröffentlichung des EuGH-Urteils klargestellt:

„Mit der Erweiterung der technischen Möglichkeiten Lebewesen gentechnisch weitgehend zu verändern, steigt auch die Verantwortung der Wissenschaft sich in den öffentlichen Diskurs über die Bewertung der Technologien und deren Auswirkungen einzubringen. Teilweise erscheint der Diskurs allerdings fast naiv, wenn die Technik mit der klassischen Zucht gleichgestellt und somit als vermeintlich harmlos dargestellt wird. Das unterschätzt die Wirkmacht von CRISPR/cas bei weitem. Anders als bei der klassischen Zucht, kann mit Genome Editing an vielen Stellen im Genom gezielt eingegriffen und somit Organismen auch weitreichend verändert werden. Zudem verführt der direkte Vergleich der Technik zur Zucht auch dazu, sich in Sicherheit zu wiegen und ihre potentiellen Risiken zu negieren oder zumindest zu unterschätzen.“

Die Frage ist also nicht, ob CRISPR und andere Genome Editing Methoden Gentechnik sind, sondern ob sich einige Institutionen und Personen dazu verleiten lassen, angesichts der Verheißungen der neuen Methoden ihre grundsätzliche Haltung zur Gentechnik zu überdenken…

Gute Hintergrundpapiere und Factsheets zu den verschiedenen Technologien und ihren Risiken gibt es übrigens u.a. bei der Fachstelle Gentechnik und Umwelt:

Um eine Teilhabe an dieser Diskussion zu verbessern, bereitet die Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU) relevante Informationen aktuell, vorausschauend, wissenschaftlich fundiert und allgemein verständlich auf. Sie dient damit als eine Art „Clearing-House“, eine von der Industrie unabhängige Fachstelle zum Thema Gentechnik und Umwelt.

Unter anderem gibt es bei der Fachstelle Hintergrundpapiere zu CRISPR/Cas und anderen Technologien samt Risikoanalyse.

Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat ein umfassendes Hintergrundpapier zu den Neuen Techniken veröffentlicht.

Kritische internationale (zivilgesellschaftliche) Informationswebseiten gibt es auch, vor allem:

http://www.synbiowatch.org/ und http://www.synbiogovernance.org/

Einige grundsätzliche Informationen zur Synthetischen Biologie gibt es auch im Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung.

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Zivilgesellschaft fordert Neuausrichtung der deutschen Rohstoffstrategie

5 Juli, 2018 - 16:42

Am 3. Juli fand in Berlin der fünfte Rohstoffkongress des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) statt. Der Fokus wird vom BDI als „Rohstoffsicherung 4.0“ beschrieben.  Um dieses Ziel zu erreichen, richtet der BDI fünf Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung.

Nicht nur der BDI hat zu diesem Thema eine klare Haltung: Die deutsche Zivilgesellschaft arbeitet seit mehren Jahren zusammen im Arbeitskreis Rohstoffe und hat im Vorfeld diese Presseerklärung heraus gegeben:

Am Tag vor dem 6. BDI-Rohstoffkongress fordern 17 der im Arbeitskreis Rohstoffe zusammengeschlossenen entwicklungs- und umweltpolitischen Organisationen eine absolute Reduktion des deutschen Rohstoffverbrauchs. Die Begrenzung des Rohstoffverbrauchs auf ein nachhaltiges Maß müsse auch oberste Priorität in einer möglichen Neuauflage der Rohstoffstrategie der Bundesregierung haben. „Um eine absolute Senkung des Ressourcenverbrauchs zu erreichen, bedarf es einer grundlegenden Änderung unserer Konsum- und Produktionsmuster. Statt einer Ausweitung des Bergbaus auf die Tiefsee oder den Weltraum, müsste dies das beherrschende Thema des BDI-Rohstoffkongresses sein“, fordert Johanna Sydow, Referentin für Ressourcenpolitik und IT-Branche bei Germanwatch. Verschiedene Berechnungen zeigen, dass der Ressourcenverbrauch in Deutschland um mehr als zwei Drittel zurückgehen müsste, um ein global gerechtes Maß zu erreichen.

„Oberstes Ziel der Rohstoffstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 ist es, den Zugang zu Rohstoffen für die deutsche Industrie sicherzustellen. Diese Politik wird seit einigen Jahren verstärkt mit dem Rohstoffbedarf für Zukunftstechnologien begründet“, kritisiert Laura Weis, Koordinatorin des AK Rohstoffe. Sie fordert: „Bei einer möglichen Neuauflage der Rohstoffstrategie darf dem bisherigen rohstoffpolitischen Kurs der deutschen Bundesregierung nicht einfach ein grünes Deckmäntelchen umgehängt werden.“

Dr. Klaus Schilder, Referent für verantwortliches Wirtschaften bei Misereor ergänzt: „Die in Deutschland verwendeten Rohstoffe werden in vielen Fällen unter verheerenden sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Bedingungen in Ländern des Globalen Südens abgebaut. In Deutschland ansässige Unternehmen müssen per Gesetz dazu verpflichtet werden,
Verantwortung für ihre Rohstofflieferketten zu übernehmen.“ Ein solches Gesetz hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt, wenn die Unternehmen ihren Sorgfaltspflichten nicht freiwillig nachkommen. Die deutsche Industrie ist zu fast 100 Prozent abhängig vom Import metallischer Rohstoffe.

Eine der fünf Handlungsempfehlungen des BDI an die Bundesregierung ist, sie solle „innovative Verfahren, wie z. B. den Tiefsee- oder Weltraumbergbau, unterstützen, indem sie Pilotprojekte gezielt fördert.“ Zum Tiefseebergbau fordern 45 internationale Umweltorganisationen eine Kehrtwende und auch deutsche Organisationen haben sich klar dagegen positioniert. Im hochfragilen Ökosystem Tiefsee ist jeder Eingriff hochriskant, zumal die meisten Vorhaben in Meeresregionen mit extrem hoher Biodiversität liegen. Noch sind diese Projekte nicht im Gange. Dabei sollte es bleiben.

 

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Geoengineering in der Atmosphäre – Was ist Solar Radiation Management und warum ist es problematisch?

4 Juli, 2018 - 13:22

Die Idee, dem Klimawandel mit Großtechnologien zu begegnen, gewinnt politisch zunehmend an Fahrt. Unter dem Begriff Geoengineering werden großmaßstäbliche Eingriffe in unsere Ökosysteme zur Manipulation des globalen Klimasystems diskutiert.

Um diese verschiedenen Ideen und die damit einhergehenden Risiken und Gefahren anschaulicher darzustellen, haben wir eine kleine Erklärfilmreihe gestartet. Teil III von “A technofix for the climate?” befasst sich mit Geoengineering in der Atmosphäre, dem so genannten Solar Radiation Management (SRM), speziell Stratospheric Aerosol Injection (SAI) – dem Versprühen von Aerosolen in der Stratosphäre:

Click here to view the embedded video.

Warum SRM generell keine gute Idee ist, hat auch die ETC Group in ihrem Briefing „What is wrong with Solar Radiation Management?“ noch einmal aufgeschrieben.

Zum Thema SAI ist besonders das Briefing der ETC Group zu SCoPEx zu empfehlen. SCoPEx ist ein Experiment der Forschergruppe um David Keith von der Harvard University.

Zu Stratospheric Radiation Management und Klimagerechtigkeit siehe auch noch einmal dieser Blogbeitrag.

Mehr Hintergrundinformationen zu Technologien und geplanten Experimenten gibt es beim GeoengineeringMonitor und im Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung. Dort finden sich eine ganze Reihe von Factsheets und Briefings, die wir gemeinsam mit der ETC Group und Biofuelwatch veröffentlicht haben.

Für einen tiefergehenden Überblick über Geoengineering Technologien, ihre möglichen Auswirkungen und die globalen Player, hier noch eine Leseempfehlung:

„Earthmasters. The Dawn of the Age of Climate Engineering“ von Clive Hamilton, Yale University Press, 2013, 264 S.

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Synthetische Biologie, digitale Gensequenzen und Gene Drives – wo steht die Debatte? Eine kurze Analyse zum Auftakt der Zwischenverhandlungen der CBD diese Woche in Montreal

2 Juli, 2018 - 05:02

Heute beginnen hier in Montreal die Zwischenverhandlungen der UN Biodiversitätskonvention (CBD), um den Gipfel im November vorzubereiten, der dieses Jahr in Ägypten stattfinden wird. Bei diesem Treffen (SBSTTA 22) geht es u.a. um das Thema Synthetische Biologie – seit Jahren ein umstrittenes und heiß umkämpftes Feld.

Synthetische Biologie & Biodiversitätskonvention (CBD): was wurde bei der COP 13 in Cancun entschieden? Die synthetische Biologie war bei der COP 13 2016 eines der umstrittensten Verhandlungsthemen, da sie droht, alle drei Ziele der Konvention zu unterminieren. Hier findet sich eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse der Verhandlungen in Cancun.

Hier ein kurzer Überblick über die Unterthemen, um die diese Woche gerungen wird:

  • Regulierung von Gene Drives: Zivilgesellschaft fordert ein Moratorium!

Gene Drives sind Teil der synthetischen Biologie und funktionieren mit den neuen sog Gene Editing Methoden, u.a. CRISPR-Cas9. Die Gene Drive Technologie schaltet die normalen Regeln genetischer Vererbung aus und sorgt dafür, dass ein bestimmtes Merkmal, das von Menschen mittels Gene-Editing-Technologie in die DNA eines Organismus eingeführt wurde, sich auf alle kommenden Generationen verbreitet und so die Zukunft der gesamten Spezies verändert. Gene Drives sind damit potentiell sehr machtvolle Instrumente und könnten auch als Biowaffen eingesetzt werden. Die öffentliche Debatte fokussiert sich dabei aktuell auf Vorschläge, Gene Drives zur Bekämpfung von Malaria oder invasiven Arten einzusetzen. Wenn man sich allerdings Forschungsfinanzierung und Patente anschaut, wird schnell klar: die tatsächlichen Treiber hinter dieser Technologie sind andere. Interesse haben hier vor allem große Agrarkonzerne und das (US-amerikanische) Militär. Hier geht es zu einem aktuellen Briefing zu Gene Drives.

Während die Zivilgesellschaft ein Moratorium für Gene Drives fordert, stecken andere viel Geld in die Forschung und Entwicklung – sowie in die Verhinderung von wirkungsvoller Regulierung. Und da lohnt es sich genauer hinzuschauen:

Die Gene Drive Files – Im Dezember 2017 wurde bekannt: Die Bill and Melinda Gates Foundation hat eine PR Firma damit beauftragt, heimlich einen wichtigen UN Prozess zum Thema Synthetische Biologie zu unterwandern. Mehr als 1200 Emails – Dokumente, die über das Informationsfreiheitsgesetz in den USA (Freedom of Information requests) offengelegt wurden, die sogenannten Gene Drive Filesbelegen, dass die Bill and Melinda Gates Foundation eine private Agrar- und Biotech-PR-Firma bezahlt hat, um eine undercover „advocacy coalition“ zu leiten, die zum Ziel hatte, den einzigen UN Prozess zu unterminieren, der sich explizit mit der möglichen Regulierung der Gene Drive Technologie befasst. Mehr dazu hier.

Und ein aktueller Report von Corporate Europe Observatory belegt, wie ein niederländischer Regierungsvertreter aktiv in Netzwerken unterwegs ist, in denen große Biotechnologiefirmen, industriefreundliche Wissenschaftler/innen und „like-minded“ Entscheidungsträger/innen sich abstimmen, um das Ergebnis von  EU- und UN-Verhandlungen zu diesen Themen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dies wird aus Dokumenten ersichtlich, die im Zuge des Informationsfreiheitsgesetzes ans Licht kamen und auf der Website der niederländischen Regierung eingesehen werden können.

Für die europäische Debatte ist das u.a. relevant, da am 25. Juli eine Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union zum rechtlichen Status der neuen Gentechnik erwartet wird.

Und die CBD befasst sich nächste Woche mit der Frage einer Policy zum Umgang mit Interessenskonflikten in den Verhandlungen (Conflict of Interest Policy). Man kann davon ausgehen, dass die Industrie und ihre Verbündeten darauf gut vorbereitet sind…

  • Digitale Gensequenzen

Das Nagoya Protokoll der CBD regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich, der sich aus deren Nutzung ergibt. Das greift aber nur, wenn es einen physichen Transfer von Genmaterial von einem Land in ein anderes gibt. Was aber wäre, wenn man überhaupt kein Material versenden müsste? Wenn es nichts weiter bräuchte, um sich der gewünschten Informationen zu bemächtigen, als eine simple E-Mail? Wenn Wissenschaftler/innen allein mit digitalen Gensequenzen die entsprechenden genetischen Materialien „beleben“ könnten?

Diese Fragen sind leider gar nicht mehr hypothetisch, sondern diese Digitalisierung von genetischen Informationen findet in rasantem Tempo statt. Aus DNA wird Big Data. Und die Sammlung der Informationen in großen digitalen Datenbanken ermöglicht vor allem großen Konzernen Zugriff auf wertvolle Daten, die sie dann für kommerzielle Zwecke ausschlachten (und patentieren) können. Das bringt verständlicherweise gerade die Entwicklungsländer auf die Palme, die über große biologische Ressourcen verfügen und die letzten Jahre in die Entwicklung von Gesetzen und Mechanismen im Rahmen des Nagoya Protokolls investiert haben, um gegen Biopiraterie vorzugehen. Die Verhandlungen diese Woche werden also bestimmt nicht einfach. Zumal genau die Industrieländer mit großer Biotechnologiebranche profitieren, wenn nichts geschieht – die Biopiraterie also munter weitergehen kannm, während man sich in der CBD um Definitionen, Prozessfragen und Textbausteien streitet…

Doch wenn man genauer hinschaut, dann wird schnell klar, dass die CBD-Debatten um die Zukunft von Nagoya nur an der Oberfläche eines viel größeren Problems, einer viel gigantischeren Umwälzung kratzen… Denn die Pläne einiger gehen sogar noch weiter: Beim World Economic Forum in Davos dieses Jahr wurden die Earth Bank of Codes und das Earth BioGenome Project lanciert. Das Ziel: Die komplette Digitalisierung der genetischen Informationen aller Lebewesen auf dem Planeten, Erfassen der Daten in einer zentralen Datenbank, die dann mittels Algorhythmen und Synthetischer Biologie wunderbare neue Innovationen schaffen und die Vorteile per Blockchain effizient und zügig verteilen wird… Wer braucht dann noch biologische Vielfalt und intakte Ökosysteme? Ganz zu schweigen von den Menschen, die diese bewahren und von ihnen leben?

  • Neben den Themen Gene Drives und Digitalen Gensequenzen geht es diese Woche bei der CBD noch um eine ganze Reihe von anderen Themen im Kontext der Synthetischen Biologie. Dazu zählen z.B.:
    • Wie sehen Kriterien, Standards und Mechanismen für adäquate Biosicherheit bei der Erforschung dieser neuen Gentechnik aus? Die vorhandenen Maßstäbe reichen ganz klar nicht aus. Und die Industrie hätte am liebsten gar keine Regulierung und argumentiert nach Belieben, dass es sich ja gar nicht um Gentechnik handle oder dass es ja bereits durch vorhandene Gentechnikgesetzgebung abgedeckt sei.
    • Wie sieht ein System oder Mechanismus aus, mit dem es gelingt festzustellen, ob ein Organismus oder Produkt Synthetische Biologie enthält? (Tracking, Testing, Monitoring, Labelling)
    • Welche sozio-ökonomischen Auswirkungen ergeben sich für Bäuerinnen und Bauern im Globalen Süden, die Produkte anbauen, die nun zunehmend durch synthetische Biologie ersetzt werden und als „natural products“ auf den Markt drängen?

Dass dies keinesfalls Science Fiction ist, sondern bereits hunderte von Produkten auf dem Markt sind oder kurz vor der Kommerzialisierung stehen, zeigt u.a. diese Datenbank.

Muss man da verzweifeln? Nein! Aber kämpfen. Renate Künast schreibt in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau:

„Wie kann man dem Lobbyismus derart auf den Leim gehen und glauben, dass eine einzige technische Methode die Lösung für umfassende globale Probleme ist? […] Die alles entscheidende Frage lautet doch: Wie kommen wir zu einer Welt, die sich selbst ernährt, souverän und in Würde? Die Neue Gentechnik entpuppt sich bei der Beantwortung dieser Frage schnell als Nebelkerze. Die beste Antwort, die wir nach jetzigem internationalen wissenschaftlichen Stand haben, ist ein Paradigmenwechsel hin zur Agrarökologie: ‚Erhalten, was uns erhält.'“

Das ist ein schönes Motto für die CBD-Verhandlungen diese Woche!

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Geoengineering an Land – was ist BECCS und warum ist es problematisch?

18 Juni, 2018 - 14:35

Die Idee, dem Klimawandel mit Großtechnologien zu begegnen, gewinnt politisch zunehmend an Fahrt. Unter dem Begriff Geoengineering werden großmaßstäbliche Eingriffe in unsere Ökosysteme zur Manipulation des globalen Klimasystems diskutiert.

Um diese verschiedenen Ideen und die damit einhergehenden Risiken und Gefahren anschaulicher darzustellen, haben wir eine kleine Erklärfilmreihe gestartet. Teil II von “A technofix for the climate?” befasst sich mit Geoengineering an Land und speziell mit BECCS – Bioenergie mit CCS:

Click here to view the embedded video.

Mehr Hintergrundinformationen zu Technologien und geplanten Experimenten gibt es beim GeoengineeringMonitor und im Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung.

Und um beim Thema Geoengineering Fakten und Fiktionen zu unterscheiden und sich im Wirrwarr der vorgeschlagenen und diskutierten Technologien zurecht zu finden, haben wir auf der zivilgesellschaftlichen Informationsplattform Geoengineering Monitor gemeinsam mit der ETC Group und Biofuelwatch eine ganze Reihe von Factsheets und Briefings veröffentlicht, die man hier direkt zusammengestellt finden kann.

Zum Thema BECCS empfehle ich zudem diese beiden Reports:

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Offener Brief von 89 Organisationen kritisiert ICAO Pläne

15 Juni, 2018 - 12:35

Auf ihrem derzeitigen Treffen in Montreal (11.-29. Juni) will die Internationale Zivilluftfahrtorganisation der UN (ICAO) die Regeln für ihr globales marktbasiertes Instrument CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) festlegen. Dieser Ansatz basiert auf der falschen Annahme, dass die schnell wachsende Luftfahrtindustrie ab 2020 durch Emissionsgutschriften und Biotreibstoff „CO2-neutral“ wachsen kann.

Jetzt haben 89 Organisationen aus 34 Ländern die ICAO aufgefordert, diese Pläne zu verwerfen. In einem Offenen Brief warnen sie davor, dass CORSIA Anreize für Fluggesellschaften schaffen könnte, große Mengen Biotreibstoff aus Palmöl zu verwenden, obwohl sich die Mitgliedstaaten letzten Herbst dagegen ausgesprochen hatten.

Simone Lovera, Direktorin der Global Forest Coalition und Unterzeichnerin der Offenen Briefs, warnt: “Palmöl treibt weltweit die Entwaldung voran, die eine Hauptursache der CO2-Emissionen ist. Und trotzdem könnte es sein, dass Fluggesellschaften bald dafür belohnt werden, unter absurden, industriefreundlichen UN-Regulierungen Biotreibstoff aus Palmöl zu verbrennen.”

Nele Mariën von Friends of the Earth International unterstreicht die Gefahr von Emissionsgutschriften für Fluggesellschaften (carbon offsetting): “Wir können das 1,5 Grad-Ziel keinesfalls erreichen, wenn nicht alle Staaten und Sektoren schnellstmöglich ihre CO2-Emissionen einstellen. Das bedeutet, es gibt keinen Platz für Offsets”.

Der Offene Brief fordert die ICAO-Mitgliedsstaaten auf, Biotreibstoffe und Emissionsgutschriften abzulehnen und das Wachstum der Luftfahrtindustrie zu beenden.

Almuth Ernsting von Biofuelwatch erläutert: “Biotreibstoffe und CO2-Offsetting sind gefährliche Versuche, Konsument/innen und die Öffentlichkeit zu betrügen, indem einer Industrie, die eine der am schnellsten wachsenden globalen Emissionsquellen darstellt, ein grünes Mäntelchen umgehängt wird. Die UN und ihre Mitgliedsstaaten müssen gegen das Wachstum der Luftfahrt vorgehen, wenn sie ernsthaft die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern wollen.“

Kontakt: Almuth Ernsting, Biofuelwatch, +44-1316232600 (UK)

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Geoengineering Technologien – wer, wie, was und wo?

14 Juni, 2018 - 18:34

Um beim Thema Geoengineering Fakten und Fiktionen zu unterscheiden und sich im Wirrwarr der vorgeschlagenen und diskutierten Technologien zurecht zu finden, haben wir heute auf der zivilgesellschaftlichen Informationsplattform Geoengineering Monitor gemeinsam mit der ETC Group und Biofuelwatch eine ganze Reihe von Factsheets und Briefings veröffentlicht.

Hier finden sich nun kurze Papiere zu den folgenden Geoengineering-Technologien:

In der Gesamtschau kann man feststellen:

  1. Alle diese Technologien sind hypothetisch – keine steht zur sofortigen Anwendung bereit und es ist unklar, ob sie tatsächlich funktionieren würden.
  2. Damit sie einen Effekt auf’s globale Klima hätten, müssten sie in einem sehr großen Maßstab angewendet werden – was massive negative Auswirkungen auf Umwelt, Ökonomien, Frieden und soziale Gerechtigkeit mit sich bringen würde.
  3. Jede einzelne Technologie birgt in sich sehr große Risiken und Gefahren.

Während der IPCC auf die Veröffentlichung des Sonderberichts zu 1,5°C globaler Erwärmung im Oktober hinarbeitet und nordamerikanische Geo-Ingenieure sich auf die Umsetzung von Experimenten in freier Natur vorbereiten, sollen diese Factsheets aktuelles und faktenbasiertes kritisches Wissen bereitstellen, um mehr Licht ins dunkel dieser komplizierten Debatte zu bringen.

Das Geoengineering Monitor Team hat neben den Factsheets zu Experimenten auch kurze Briefings zu den geplanten Geoengineering-Experimenten in Tucson, Arizona; Moss Landing, California; und in der Arktis veröffentlicht.

Die Briefings und Factsheets finden sich hier: http://www.geoengineeringmonitor.org/cat/briefings-and-factsheets/

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G7, UN Environment und Ellen MacArthur Foundation: Plastik auf der Weltbühne der Politik

12 Juni, 2018 - 18:41

Diese Woche ist das Thema Plastik noch einmal eine Stufe höher gerückt auf der internationalen Agenda: Die G7 (bzw. in dem Fall minus zwei – USA und Japan) verpflichten sich in ihrer Ocean Plastics Charter u.a., dass Plastikprodukte bis 2030 zu mindestens 50 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen sollen.

Allerdings greift diese grundsätzlich begrüßenswerte Initiative in vielerlei Hinsicht zu kurz. Es ist viel zu bequem, die Plastikkrise auf den Aspekt von Müll in den Weltmeeren zu reduzieren. Konkrete Ziele für die Vermeidung und Reduktion von Plastikmüll gibt es gar nicht. Problematische biobasierte Kunststoffe werden nicht ausgeschlossen und die Recycelbarkeit von Plastik nicht genau definiert. Und das alles ist natürlich freiwillig und lässt damit den großen Konzernen viel Luft und Freiraum, um unsere Gesellschaften und Ökosysteme weiterhin mit gigantischen Mengen an unnötigem Plastik zu fluten.

Mit diesen großen Konzernen ein paar große Schritte in die richtige Richtung gehen will die Ellen MacArthur Foundation gemeinsam mit UN Environment.  Als konsequenten Schritt zur Umsetzung ihrer Vision einer New Plastics Economy hat die Ellen MacArthur Foundation nun am Rande des G7-Gipfels angekündigt, dass sie daran arbeitet, eine neue Vision und Initiative zum Thema Plastik zu erarbeiten. Diese soll später im Jahr, vermutlich am Rande der Our Oceans Konferenz im Oktober in Bali, präsentiert werden.

A coalition of leading businesses and governments around the world is to be formed by the Ellen MacArthur Foundation, uniting efforts to tackle the global plastics pollution crisis. Working towards ambitious commitments, underpinned by common definitions and a united vision for action, it will build on the momentum created by the Foundation’s New Plastics Economy initiative.

Due to be unveiled later this year, this new coalition will address the root causes of plastics pollution, not just the symptoms, by focussing on key principles:

  • Problematic or unnecessary plastic packaging is eliminated through innovation and new business models
  • All remaining plastic packaging is reused, recycled, or composted in practice
  • All plastic packaging is made from as much recycled content as possible and free from substances of concern

It will take to the next level the work of the New Plastics Economy initiative in rallying businesses and governments around the world behind a shared vision of a circular economy for plastics. The initiative has already guided national and international plastics strategies, and has recently worked with 13 leading international companies in their efforts to achieve 100% reusable, recyclable, or compostable plastic packaging by 2025, and will now raise the ambition level even further.

Für ihr „Global Momentum“ arbeitet die Ellen MacArthur Foundation mit 13 großen Konzernen zusammen:

 

 

Greenpeace, als Teil der Break Free From Plastic Bewegung, begrüßte grundsätzlich die Initiative, merkte aber kritisch an:

„It is important for businesses to move beyond what is easy and convenient. They must recognize that while better recycling is important, we cannot simply recycle our way out of the plastics crisis we are facing today. The sheer scale and volume of plastic production, predicted to quadruple by 2050, prevents us from solving this through recycling efforts alone. To make real progress on the plastic pollution issue, corporations must fully acknowledge that the root of the problem is the throwaway culture they perpetuate, and that the immediate reduction of plastic production and consumption is essential. Real corporate leaders must embrace transparency and publicly report on their annual production, reduction, reuse, recycling, and disposal numbers for each type of plastic. Leaders must step forward to create a plastic footprint reduction policy with clear targets and timelines, prioritizing reuse and the elimination of the most problematic and unnecessary throwaway plastics over recycling. And finally, real leaders must invest heavily in reusable packaging and new delivery systems — because these corporations have the resources to innovate toward a plastic free future.“ (Greenpeace plastics campaigner Graham Forbes)

Und eine „plastic free future“ (Greenpeace / Break Free From Plastic) ist eben doch etwas ganz anderes als „a plastics system that works“ (New Plastics Economy)… Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen, wenn Plastik die Weltbühne betritt!

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Zum Tag des Meeres: Was ist marines Geoengineering und warum ist das problematisch?

8 Juni, 2018 - 13:41

Die Idee, dem Klimawandel mit Großtechnologien zu begegnen, gewinnt politisch zunehmend an Fahrt. Unter dem Begriff Geoengineering werden großmaßstäbliche Eingriffe in unsere Ökosysteme zur Manipulation des globalen Klimasystems diskutiert.

Um diese verschiedenen Ideen und die damit einhergehenden Risiken und Gefahren anschaulicher darzustellen, haben wir eine kleine Erklärfilmreihe gestartet: Teil I von “A technofix for the climate?” beginnt heute am Tag des Meeres mit dem Thema Geoengineering in den Ozeanen:

Click here to view the embedded video.

Übrigens: Ein Experiment der umstrittenen Technologie der Meeresdüngung (siehe Technology Factsheet zum Thema „Ocean Fertilization“) ist vor der Küste von Chile geplant. Siehe auch unsere interaktive Weltkarte zu Geoengineering- Projekten.

Mehr Hintergrundinformationen zu Technologien und geplanten Experimenten gibt es beim GeoengineeringMonitor und im Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung.

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