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Geoengineering und Carbon Offsets

16 Februar, 2018 - 14:31

Großtechnologische Lösungen zur Manipulation des Klimasystems, sogenannte Geoengineering-Technologien, sind größtenteils sehr teuer sowie energie- und ressourcenintensiv. Da sind schon in der Vergangenheit Geoengineering-Unternehmer auf die Idee gekommen, ihre riskanten Projekte durch einen freiwilligen Emissionshandel (Carbon Offsets) zu finanzieren.

Meeresdüngung (OF, Ocean Fertilization)
Bei der Meeresdüngung werden Eisen oder andere Nährstoffe (z.B. Harnstoff) in Bereichen des Ozeans ausgebracht, in denen die biologische Produktivität niedrig ist, um hier das Wachstum von Phytoplankton zu stimulieren. Theoretisch soll das hierdurch entstandene Phytoplankton CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, absterben und sich auf dem Meeresboden absetzen, wobei es Kohlenstoff binden und so dem Kreislauf dauerhaft entziehen soll. Die tatsächliche Wirksamkeit der Meeresdüngung ist mehr als zweifelhaft: Freiluftexperimente in der Vergangenheit haben gezeigt, dass der größte Teil des „gebundenen“ Kohlenstoffs über die marine Nahrungskette wieder in den Kreislauf gelangt und freigesetzt wird. Ozeandüngung greift in die komplexe Struktur der empfindlichen marinen Nahrungsnetze ein und stört diese, sie kann toxische Algenblüten verursachen und in manchen Meeresschichten zu Sauerstoffmangel führen.

So hat z.B. einer der prominentesten Befürworter für sog. „Meeres- oder Ozean-Düngung“ (Ocean Fertilization) – eine Technologie, deren Anwendung übrigens durch verschiedene internationale Konventionen verboten wurde -, der US-Businessman Russ George, bereits vor über zehn Jahren das Unternehmen Planktos gegründet, das bereits im 2007 damit begann, CO2-Offsets zu verkaufen.

Russ George und Meeresdüngung – eine kurze Geschichte gescheiterter Projekte (Auszug aus The Big Bad Fix – The Case Against Geoengineering)

The most persistent ocean fertilization advocate has been US businessman Russ George. More than ten years ago, he created a US startup company, Planktos, which by early 2007 was selling carbon offsets on its website. Planktos claimed that its initial ocean fertilization test, conducted off the coast of Hawai’i from singer Neil Young’s private yacht, was taking carbon out of the atmosphere. Soon thereafter, Planktos announced plans to set sail from Florida to dump tens of thousands of pounds of iron particles over 10,000 square kilometres of international waters near the Galapagos Islands, a location chosen because, among other reasons, no government permit or oversight would be required.

In efforts to stop Planktos, civil society groups filed a formal request with the US Environmental Protection Agency to investigate Planktos’s activities and to regulate its actions under the US Ocean Dumping Act. In addition, public interest organizations asked the US Securities Exchange Commission to investigate Planktos’s misleading statements to potential investors regarding the legality and purported environmental benefits of its actions. Hit with negative publicity,
Planktos announced it was indefinitely postponing its plans due to a “highly effective disinformation campaign waged by anti-offset crusaders.”

In April 2008, Planktos declared bankruptcy, sold its vessel and dismissed all employees, and claimed it had “decided to abandon any future ocean fertilization efforts.”

That was not to be. Russ George reappeared a few years later, having persuaded a band council of the Indigenous Haida nation on the archipelago of Haida Gwaii to fund a new project. This time, incorporated as the Haida Salmon Restoration Corporation, he pitched iron fertilization as a way to boost salmon populations, with the added benefit of selling carbon credits based on sequestering CO2 in the ocean. In 2012, news broke that he had orchestrated a dump of
100 tons of iron sulphate in the Pacific Ocean off the west coast of Canada – the largest-ever ocean fertilization dump. An international outcry landed George with the mantle of a “rogue geoengineer” and “geo-vigilante” and made him the target of an investigation by Environment Canada’s enforcement branch (which, five years later, has yet to conclude its efforts).

Many of those involved in this Haida project have again resurfaced, this time as the Vancouver-based Oceaneos Marine Research Foundation. Their sights now are on an experiment off the shores of Chile, where they say they are seeking permits from the Chilean government to release up to ten tonnes of iron particles as early as 2018. They have rebranded, presenting their organization as non-profit rather than for-profit; as engaging in “ocean seeding” rather than iron fertilization; and as a scrupulous project with a code of conduct and a board of scientific advisors. They have continued presenting the technology as a miracle cure to save marine life – with a much savvier online presence of scientific presentations and promotional videos showing the oceans teeming with revitalized salmon and dolphins. The project has been sharply criticized by ocean scientists in Chilean research institutions.

Eine der Geoengineering-Technologien, in die viele heute große Hoffnung setzen, ist Direct Air Capture (DAC):

Direct Air Capture (DAC)
Bei DAC soll CO2 (oder potentiell auch andere Treibhausgase) mit chemischen Mitteln und mechanischen Methoden der Atmosphäre entzogen werden. Dabei werden beispielsweise große Ventilatoren eingesetzt, die die Umgebungsluft durch einen Filter bewegen und mit Hilfe eines chemischen Sorptionsmittels der Luft das CO2 entziehen. Dieses steht dann in Form eines Gasstroms für CCS, Enhanced Oil Recovery oder andere Nutzungen zur Verfügung. Bei DAC handelt es sich um ein kommerzielles Vorhaben mit einem extrem hohen Energiebedarf. Die Energie- und Emissionsbilanz ist daher fragwürdig, insbesondere, wenn DAC mit fossiler Energie betrieben werden würde. Die CCS wird es für Enhanced Oil Recovery an Standorten vorgeschlagen, an denen industrielle CO2-Quellen nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Die CO2-Rückgewinnung aus der Umgebungsluft liegt bei aktuellen DAC-Prototypen auf einem niedrigen Niveau. Wenn DAC eine klimarelevante Wirkung haben soll, muss CO2 in einem Maße unter der Erde gespeichert werden, das gravierende Umweltauswirkungen auf den Boden hätte. Weiterhin würde die Produktion und der Transport der großen Mengen an benötigten Sorptionsmittel ebenfalls bedeutende Mengen an Treibhausgasen und toxischen Abfällen erzeugen, die bisher unbilanziert bleiben.

Die Schweizer Firma Climeworks bietet nun im Rahmen eines neuen freiwilligen Marktmechanismus, den sie aufgelegt haben, CO2-Offsets durch Direct Air Capture an. Ihre Kunden können so z.B. Emissionen kompensieren, die durch Flugreisen, Beschaffung oder Stromnutzung im Betriebsablauf entstehen. Die Offsets seien besser als herkömmliche Zertifikate, so der CEO von Climeworks:

“Unlike compensation schemes, where emissions are offset through the trade of pollution rights, the Climeworks solution involves the direct removal of the same amount of emissions from the atmosphere as the customer is creating. Climeworks offers a metered and permanent approach to Carbon Dioxide Removal.” (Climeworks Co-Founder and Co-CEO Jan Wurzbacher)

Interessant ist, wer bereits zu den Kunden von Climeworks für diese Offsets zählt, nämlich u.a. die Climate Works Foundation, eine in den USA ansässige NGO. Im Vorstand sitzen dort u.a. Ex-UNFCCC-Chefin Christiana Figueres und Caio Koch-Weser von der European Climate Foundation.

Zu den wichtigsten Geldgebern gehören The William and Flora Hewlett Foundation, KR Foundation, John D. and Catherine T. MacArthur Foundation, Oak Foundation, The David and Lucile Packard Foundation.

Ob den allen klar ist, dass sie nun direkt oder indirekt zu den Finanziers von Geoengineering-Projekten gehören…?

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Tanz um die Tote Kuh. Das Megaprojekt Vaca Muerta in Argentinien

9 Februar, 2018 - 10:30

Rettung aus der (energie)wirtschaftlichen Misere Argentiniens scheint möglich: In der Provinz Neuquén im Norden Patagoniens lagern enorme Vorkommen an Schiefergas und Schieferöl. Die Formation Vaca Muerta (spanisch für Tote Kuh) könnte das drittgrößte  Schieferöl- und gasvorhaben weltweit werden. Argentinische Privathaushalte aber vor allem auch die Schwerindustrie sollen mit einheimischem Gas versorgt werden, auch Exporte würde das riesige Potential möglich machen. Die Erschließung erfolgt seit 2010 mit Hilfe von Fracking. In den USA wird diese Technologie seit Jahrzehnten angewandt und hier wurden die Risiken für Mensch, Umwelt, Gesellschaft und Klima schon weitgehend erforscht und beschrieben.

Die argentinische Zivilgesellschaft beobachtet das Geschehen kritisch und mit großer Sorge. Soeben sind zwei Briefings  von Observatorio Petrolero Sur und Taller Ecologista Rosario erschienen:

Vaca Muerta. A fracking time bomb in Patagonia gibt einen weiten Überblick über das geplante Projekt: Seinen Umfang, die wirtschaftlichen Interessen, Finanzstrukturen, Umweltrisiken, Gesundheitsrisiken.

Im Briefing Winners and Losers in Argentina in the Age of Unconvenational Hydrocarbons tauchen die Autor/innen tiefer ein in die Sonderbedingungen, die für Unternehmen und Investoren geschaffen wurden, die staatlichen Subventionen und Transfers zur Finanzierung der Vorhaben, die Belastung privater Verbraucher durch den Finanzbedarf und Alternativen zur Ausbeutung unkonventioneller Gasressourcen.

Das Projekt hat Wirkungen weit über die Region hinaus. Die Autor/innen fürchten:

Vaca Muerta is presented as a test case for the Global South, and especially for the Latin American region, where several governments are proposing new unconventional projects.

Parallel sind umfangreiche und finanzschwere Infrastrukturmaßnahmen in Planung und im Bau: Abbau von Sand, Abraumhalden und –deponien, Pipelines, Zugstrecken, Landstraßen und Gasverflüssigungsanlagen für den Export. Finanziert teils durch internationale Entwicklungsbanken.

Und wie immer hat das alles sehr viel mit dem globalen Klima zu tun: Neben allen anderen negativen Folgen für die Umwelt ist beim Fracking das Entweichen von Methan, ein hochpotentes Treibhausgas, problematisch. Zudem haben Großprojekte wie diese zur Folge, dass finanzielle und andere Ressourcen auf Jahrzehnte in der Gewinnung fossiler Energien gebunden werden – der so genannte Carbon Lock-In. In dieser Zeit werden alternative Entwicklungspfade nicht beschritten. Für Argentinien liegen Berechnungen des Schiefergas-Potentials bis 2037 vor. Diese 30 Jahren haben wir aber nicht mehr, um das Klima zu retten.

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Die UN-Umweltversammlung beschließt einen „Planeten ohne Verschmutzung“, will aber wenig dafür tun

2 Februar, 2018 - 13:48

Ein Beitrag von Nils Simon, adelphi research

In der Politikwissenschaft gibt es die eingängige Unterscheidung zwischen Reden, Entscheiden und Handeln (talk, decision and action). Wohlmeinende Rede, so könnte man die zugrundeliegende Analyse zusammenfassen, führt noch lange nicht zu entsprechenden Entscheidungen, und selbst wenn solche gefällt werden heißt dies längst nicht, dass ihnen auch angemessenes Handeln folgt. Oder anders gesprochen: Aus Sonntagsreden gegen Umweltzerstörung folgt noch lange keine Nachhaltigkeits-Transformation.

Die Differenz zwischen Reden, Entscheiden und Handeln ist auf der dritten Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA3) besonders gut sichtbar geworden. Die UNEA3 kam vom 4.-6. Dezember 2017 in Nairobi, Kenia, zusammen (siehe dazu auch unseren Vorbericht). Kommunikativ trat das UN-Umweltprogramm stark auf. Mit dem Motto „A Pollution-Free Planet“ hatte man sich hehre Ziele gesetzt. Der dazugehörige Hashtag #BeatPollution wurde in den sozialen Netzwerken weit geteilt und auf sehr handfeste Weise in Form einer mit eingesammeltem Müll gefüllten Skulptur auf dem Konferenzgelände greifbar gemacht. Die Presseerklärung des UN-Umweltprogramms zum Abschluss der UNEA3 verlautbarte stolz: „World commits to pollution-free planet at environment summit.“ Der Teil mit dem Reden funktionierte also schon mal.

Auch entschieden wurde durchaus fleißig: 11 Resolutionen und drei gesonderte Entscheidungen verabschiedeten die Delegierten. Außerdem einigte man sich in Nairobi auf eine wohlklingende ministerielle Erklärung, die erste auf einer UN-Umweltversammlung. Das ist durchaus bemerkenswert in Anbetracht dessen, dass diese UNEA eigentlich eine außerplanmäßige Veranstaltung war. Sie wurde lediglich eingefügt, um beim 2016 beschlossenen Wechsel von geraden zu ungeraden Jahren der alle zwei Jahre stattfindenden Versammlung keine zu große Lücke bis 2019 entstehen zu lassen.

Trotzdem zeigt ein Blick auf das, was jenseits von Rede und Entscheidungen zu erwarten ist: Der große Wurf ist nicht darunter, und kaum jemand erwartet substanzielle Fortschritte auf Grundlage dieser Ergebnisse. Es fehlt den Beschlüssen dafür an den nötigen Visionen, konkreten Zielvereinbarungen und finanziellen Zusagen zur verstärkten Umsetzung.

Man verweist stattdessen stolz auf die 2,4 Millionen freiwilligen „pledges“, letztlich gute Vorsätze ohne Verbindlichkeit, die von Individuen, Organisationen und Staaten im Vorfeld der UNEA3 kundgetan wurden. Wie das mit guten Vorsätzen so ist, werden sicherlich einige davon eingehalten werden. Grundlegende strukturelle Probleme wie die Übernutzung natürlicher Ressourcen durch Akteure, die damit milliardenschwere Profite machen, wird man damit aber nicht lösen können. Das Beispiel der Plastikverschmutzung ist hierzu besonders erhellend.

In der entscheidenden Resolution zu Meeresmüll und Mikroplastik (UNEP/EA.3/L.20) wird der Spagat zwischen Reden, Entscheiden und Handeln gut sichtbar. Um wenige Resolutionen wurde so energisch diskutiert, und an kaum einer wurde so ausgiebig gefeilt wie an dieser, obwohl das Ergebnis am Ende überschaubar ist. Eingebracht worden war der Entwurf von Norwegen, und unterstützt wurde er formell von Australien, Irak und Monaco. Der erste Streitpunkt war gleich die langfristige Vision: Während Norwegen dafür eintrat festzuschreiben, den Eintrag von Plastikmüll in die Meere vollständig zu eliminieren, versuchten Länder wie die USA und China es mit schwächeren Formulierungen wie einer „Minimierung“ oder einer Eliminierung nur dort, wo es „möglich“ sei. Beides hätte erhebliche Schlupflöcher offengehalten. Zwar konnte sich Norwegen mit der Formulierung für eine langfristige Eliminierung durchsetzen, aber der Preis dafür war, dass an keiner Stelle der Resolution die Rede von einem „Ziel“ sein durfte. Deshalb beschlossen die Delegierten auch keinen Zeitplan zur Umsetzung, und völkerrechtlich verbindliche Maßnahmen gibt es erst recht nicht.

Bei den Verhandlungen auf der UNEA war ein neuer Umweltschutzvertrag gegen Plastikmüll kein ausdrückliches Thema, er wurde aber implizit immer wieder mit bedacht. Völkerrechtliche Verbindlichkeit bei der Bekämpfung von Plastikmüll schwebte als unausgesprochenes Gespenst durch die Verhandlungen. Dazu beigetragen hatten zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Vorfeld deutlich stärkere Maßnahmen zum Schutz der Meere und vor allem deren strikte Umsetzung gefordert hatten, und Medien, die auf die verheerenden Folgen der Meeresvermüllung hingewiesen hatten. (Einige davon hat die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem Meeresatlas dargestellt.)

Abbildung: Gesamtmenge des anfallenden Plastikmülls in unterschiedlichen Ländern und der nicht ordnungsgemäß entsorgte Anteil davon. Quelle: Simon/Schulte 2017: Stopping Global Plastic Pollution.

Sichtbar wurde dies nicht zuletzt an einem zentralen Streitpunkt der Verhandlungen, die Einsetzung einer Expertengruppe für einen Folgeprozess. Diese soll bis zur UNEA4 im März 2019 einen Bericht vorlegen und darin alle Hindernisse gegen müllfreie Ozeane behandeln und die Handlungsoptionen darstellen, um das Problem anzugehen – und hier sind klar auch rechtlich verbindliche Ansätze erwähnt. Der entsprechende Beschluss baut auf einer lesenswerten Hintergrundstudie auf, welche ein Team um die australische Wissenschaftlerin Karen Raubenheimer im Auftrag von UN Environment ausgearbeitet hatte. Darin räumte sie den Optionen für ein Plastikabkommen umfangreichen Platz ein.

Nun hatte niemand realistischer Weise erwartet, dass die Delegierten auf der UNEA3 bereits Verhandlungen über ein Abkommen ins Leben rufen würden. Das dürfte sogar in einem sehr optimistischen Szenario frühestens auf der UNEA4 der Fall sein. Nimmt man das übliche Tempo der Vereinten Nationen als Maßstab, ist dies aber vor der UNEA5 im Jahr 2021 eher unwahrscheinlich. Weitere vier Jahre Wartezeit bedeuten grob geschätzt weitere 30 bis 50 Millionen Tonnen Plastikmüll, die in die Meere fließen, bevor man mit den Verhandlungen auch nur angefangen hat!

Trotz des überschaubaren Ergebnisses bewerteten ganz unterschiedlich Gruppen die Umweltversammlung als erfolgreich. Wenn sowohl der Branchenverband Plastics Europe die Resolution „begrüßt“ als auch der WWF darin den „dringend benötigten globalen Konsens“ ausmacht, dann ist der Beschluss entweder wirklich gut – oder man hat sich mit dem langsamen Tempo und den offensichtlichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung vielleicht schon etwas zu weit arrangiert.

Nun dreht sich die Welt auch ohne Plastikabkommen weiter, und aktuell stellt der Plastikmüll einmal nicht nur die Ozeane, sondern Europa und die USA vor akute Probleme. Im Sommer 2017 hatte China einen Importstopp für Plastik- und anderen Müll verkündet. Offiziell soll dieser erst im März 2018 greifen, aber da der in Europa gesammelte Müll mitunter viele Wochen auf See unterwegs ist, bis er beim größten Müll-Importeur der Welt ankommt, haben viele Abfallwirtschafts-Unternehmen kalte Füße bekommen und lagern den Plastikmüll hierzulande. Die FAZ titelte unlängst „Deutschland versinkt im Plastikmüll“, und  der britische Umweltminister Michael Gove hat zugegeben, sich über die Folgen des Importstopps noch gar keine ernsthaften Gedanken gemacht zu haben. Es fehlt in allen westlichen Ländern an Recycling-Anlagen, einschließlich in Deutschland, um die jährlich anfallenden anderthalb Millionen Tonnen an verwertbarem Plastik auch wirklich zu verwerten.

Während das Müll-Problem damit auch mal uns selber trifft statt es immer bequem auszulagern, investiert die Industrie Milliarden – aber nicht in den Ausbau der Recycling-Infrastruktur, sondern in weitere Produktionssteigerungen! Über 180 Milliarden US-Dollar sind seit 2010 an Investitionen in die Grundstoffproduktion für Plastik geflossen. Diese Berechnung veröffentlichte CIEL kürzlich in der jüngsten Publikation der lesenswerten Reihe „Fueling Plastics.“ Die Plastik-Herstellung wird sich so absehbar in den kommenden Jahrzehnten erheblich vergrößern, bis zu einer Vervierfachung prognostizierte die Ellen MacArthur Foundation. Ohne verbindlichen Rahmen, der Plastik entlang seines ganzen Lebenszyklus vom Design, der Rohstoffgewinnung, der Produktion, Verwendung, dem Recycling und der letztlichen Entsorgung reguliert, wird ein weiter zunehmender Anteil in der Umwelt landen. Der Beschluss von Nairobi war bestenfalls ein erster Schritt auf diesem Weg. Ihm werden noch viele folgen müssen.

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Fourth Industrial Revolution & Inclusive Bioeconomy – wie beim WEF 2018 in Davos die Ausbeutung von Mensch und Natur auf eine neue Stufe gehoben wird

26 Januar, 2018 - 11:51

Harnessing the Fourth Industrial Revolution for Life on Land – Towards an Inclusive Bioeconomy“ ist der Titel eines Reports, der vor drei Tagen beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vorgestellt wurde. Er ist Teil der „Fourth Industrial Revolution for the Earth“ Publikationsreihe, die wiederum Teil der „Shaping the Future of Environment and Natural Resource Security“ Initiave des WEF ist:

„The 4th Industrial Revolution (4IR) holds great potential for improving management and governance of the global environment and delivering the systems change required to create clean, resource-secure and inclusive economies. With support from the MAVA Foundation, PwC and Stanford University, this project seeks to harness that potential by mapping 4IR solutions against the most pressing environmental challenges, identifying and addressing related governance issues, and identifying and mobilising the critical ingredients that will enable 4IR solutions to scale.“

Die Argumentation geht wie folgt:

  1. Unsere bisheriges Wirtschaftsmodell führt zur Ausbeutung des Planeten und zum Raubbau an der Natur. Ökosysteme werden massenhaft zerstört, planetarische Grenzen überschritten.
  2. Zur gleichen Zeit erleben wir eine rasante Beschleunigung technologischen Fortschritts sowie eine Konvergenz verschiedener Zukunftstechnologien, allen voran bei der Entschlüsselung von DNA und der Synthetischen Biologie, im Bereich Künstliche Intelligenz, Robotics und vor allem auch bei der Rechenleistung von Computern.
  3. Die Idee der ökonomischen Inwertsetzung von „Ökosystemdienstleistungen“, um so politische Entscheidungen in Richtung Erhalt von „Naturkapital“ zu lenken und Zerstörung von Natur zu verhindern, hat weitestgehend versagt. Es braucht also einen neuen Ansatz…

„Could genome sequencing be harnessed to unlock nature’s biological inheritance, honed by evolution over millenia?“

4. Zwar haben wir bisher nur einen ganz geringen Anteil der DNA von Leben auf diesem Planeten entschlüsselt, aber dennoch stellt dieser Bereich bereits ein millionenschweres Businessmodell dar. Das gilt es auszubauen. Das neue Modell heißt „Inclusive Bio-Economy„. Klingt doch nett, oder?

„Thus far in all of human history, the ability to understand and harness the full range of nature’s bio-chemicals, mirror nature’s bio-materials and imitate nature’s biological functions and processes has remained relatively limited. It is only in the last decade or so, with the rise of the Fourth Industrial Revolution, that science and technological innovations have emerged that enable unlocking nature’s value.“

Bei dieser neuen „Inclusive Bio-Economy“ geht es also um zwei Ansätze:

a) Nachbau der Grundstoffe der Natur mit Mitteln der Synthetischen Biologie.

„For instance, one recent breakthrough is the “automated synthesis machine”, which combines computational chemistry, robotics and artificial intelligence to rapidly create and analyse new biological assets.“

b) Replikation von natürlichen Prozessen und Funktionen, z.B. im Sinne des Geoengineering, also der künstlichen Manipulation des globalen Klimasystems. [Ja, Geoengineering zählt laut WEF-Report nun offiziell zu den Fourth Industrial Revolution technology clusters – neben 3D-Druckerns, Künstlicher Intelligenz, Biotechnologien, Dronen, Blockchain, Internet der Dinge und vielen anderen.]

So also begründen sie die Notwendigkeit und die Vorteiler einer Anwendung der Fourth Industrial Revolution für ein neues Miteinander zwischen Mensch und Natur. Aber worum geht es eigentlich? Das wird klar, wenn man sich die beiden wichtigsten konkreten Initiativen anschaut, die in diesem Kontext in Davos gelauncht wurden:

I. The Earth BioGenome Project

The Earth BioGenome Project:

A GRAND CHALLENGE –  The Earth BioGenome Project, a Moon Shot for biology, aims to sequence, catalog and characterize the genomes of all of Earth’s eukaryotic biodiversity over a period of ten years.

A GRAND VISION –  The Earth BioGenome Project will create a new foundation for biology, informing a broad range of major issues facing humanity, such as the impact of climate change on biodiversity, the conservation of endangered species and ecosystems, and the preservation and enhancement of ecosystem services.

Losgehen soll es mit dem Amazonas. Danach geht’s ins Kongobecken und dann vielleicht zum Great Barrier Reef.

Das Earth BioGenome Project bezieht sich dabei ganz explizit auf das sehr umstrittene Human Genome Project (siehe auch (Human Genome Project – write) und ist nun auf der Suche nach $ 4 Milliarden.

Die Möglichkeit der rasanten Entschlüsselung von Gensequenzen und der Speicherung in riesigen Datenbanken ist aktuell übrigens ein sehr großes Thema und ein großer Zankapfel zwischen Industrie- und Entwicklungsländern im Rahmen der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen (CBD) und da vor allem in Bezug auf das Nagoya-Protokoll, das den Vorteilsausgleich bei der Nutzung von genetischen Ressourcen regeln soll. Die bisherigen Regeln dort greifen nämlich nicht mehr, wenn das Genmaterial nicht physische von einem Land ins andere gelangt, sonder per Email verschickt wird. (Mehr zu dieser Frage hier.)

Den Machern hinter dem Earth BioGenome Project ist das als Thema und Problem (Stichwort: Bio-Piraterie) durchaus bewusst. Sie stellen aber dreist fest:

„At the heart of the bio-piracy agenda lies the juxtaposition of dramatically different value systems, cultural contexts, world views of trade, intellectual property and the rights of indigenous knowledge. Indigenous peoples with custodial rights over land, plants or animals and the knowledge related to them do not hold those rights in the same manner as a patent or intellectual property asset. Rather, traditional knowledge is tacit and implicit, something that is socialized across communities and through generations.“

Klar, ist doch praktisch: Natürlich sind die Rechte und Traditionen indigener Völker nicht genauso viel wert wie die Patente und die geistigen Eigentumsrechte von Unternehmen. Wo kämen wir denn dahin?

Und daher ist die Lösung für dieses Problem eben auch ganz klar:

„The answer lies in creating a “bank” of codes, tasked with housing this wealth of knowledge and ensuring the fair and equitable sharing of the benefits arising from bio-inspired innovations.“

II. The Earth Bank of Codes

Und damit wären wir beim Schlüsselprojekt Nummer zwei: Die Earth Bank of Codes.

So soll es ablaufen:

Schritt 1: Mapping Life in the Amazon

Schritt 2: Registering the IP Assets on the Blockchain

Schritt 3: Codifying the Rights and the Obligations

Schritt 4: Creating a Wikipedia of Life

Auch hier liegt also der Fokus erstmal auf dem Amazonas-Gebiet:

„The goal of the Amazon Bank of Codes (ABC) is to make the current and future value of the Amazonian biological, biomimetic and traditional knowledge assets visible. By creating higher economic incentives in local communities to protect the Amazon’s biodiversity its forests would be conserved and rivers kept flowing. […] The product will be the Amazon Bank of Codes which will provide an open, global public good and digital platform that registers and maps the genetic sequences of Amazonian biodiversity. By registering biological and biomimetic IP assets on block-chain, this code bank will record the provenance, rights and obligations associated with nature’s assets to track their provenance and use. When value is created from accessing these assets, smart contracts would facilitate the fair sharing of benefits to the custodians of nature and for its protection.

Übersetzt heißt das in etwa: Aktuell zerstören die Indigenen Völker des Amazonas die Natur, weil sie ihren Wert nicht erkennen. Nun soll die komplette genetische Information aller Tier- und Pflanzenarten (ob die dort lebenden Menschen auch dazugehören, wird hier nicht ganz klar) erst entschlüsselt, dann per Blockchain-Technologie registriert werden. Im Falle von Nutzung dieser genetischen Informationen für kommerzielle Zwecke soll dann über Smart Contracts sichergestellt werden, dass diejenigen, denen es zusteht, auch finanziell belohnt werden.

Und ach ja, der WEF-Report beschreibt auch noch, wie die Regulierungen für diese neuen Vorhaben, Initiativen und Instrumente entwickelt werden sollen: Eine Koalition von Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Privatsektor sollen im Sinne eines „regulatory sandbox“-Ansatzes vorgehen:

„A regulatory sandbox is a framework originally set up by financial-sector regulators to allow small-scale, time-bound, live testing of innovations in a controlled environment under the purview of the regulator, while allowing room for trial and innovation.“

Man könnte es auch so sagen: Die „Regulierung“ findet unter Mitarbeit der Industrie statt, die reguliert werden soll (man kann das auch geplanten Lobbyismus nennen!) und ermöglicht dabei den Unternehmen parallel schon mal, weitere Innovationen zu testen. Dreister geht nicht.

In Davos beim WEF 2018 wurde die Partnerschaft zwischen dem Earth BioGenome Project und der Earth Bank of Codes gelauncht.Das Ganze klingt schlimmer als der schönste Science Fiction Thriller, ist aber leider Realität – undzwar eine Realität, die den Raubbau an der Natur und die Ausbeutung von genau den Menschen, die unsere letzten intakten Ökosysteme schützen und bewahren, noch einmal auf eine neue Stufe hebt. Es ist nicht nur eine bedrohliche Konvergenz von Technologien und kommerziellen Interessen, die wir hier erleben, sondern auch eine Konvergenz von Macht, Ingnoranz und Überheblichkeit, die verheerende Auswirkungen für Leben und Zusammenleben auf diesem Planeten haben kann. Es gilt, sich geschlossen und gemeinsam dagegen zu wehren: Hands Off Mother Earth!

Mehr kritische Informationen zum Thema Synthetische Biologie finden sich hier:

Synbiowatch

Webdossier Synthetische Biologie

Mehr kritische Informationen zum Thema Geoengineering finden sich hier:

GeoengineeringMonitor

Webdossier Geoengineering

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Eine europäische Plastikstrategie

16 Januar, 2018 - 20:47

Gute Neuigkeiten aus Brüssel gab es heute: Die EU Kommission hat ihre neue (und erste) Plastikstrategie verkündet. Die EU-Plastikstrategie wurde von vielen Seiten begrüßt, auch von der Zivilgesellschaft.

Die Rethink Plastic Alliance – ein Zusammenschluss aus führenden europäischen NGOs, die sich für eine plastifreie Zuunft einsetzen und Teil der Break Free From Plastic Bewegung sind, die aus über 800 NGOs and Millionen von Bürgerinnen und Bürgern weltweit besteht – lobt die Europäische Kommission für das Strategiepapier und betont vor allem drei Punkte:

  1. Die neue Plastistrategie befasst sich mit dem Problem von Einmalverpackungen und Wegwerfproduten („single-use plastic items“). In der Strategie steht:
„Additional measures at EU and national levels can be developed to reduce the unnecessary generation of plastic waste, especially waste from single–use items or over-packaging, and to encourage the reuse of packaging. Analytical work, including the launch of a public consultation, has already started to determine the scope of a legislative initiative on single-use plastics at EU level to be tabled by this Commission, following the approach used for light-weight plastic bags and examining relevant evidence from behavioural science. Furthermore, the Commission will explore the feasibility of introducing measures of a fiscal nature at the EU level. Finally, the Commission will also look into the issue of over-packaging as part of the future review of the essential requirements for packaging.“

2. Die NGOs loben, dass die Kommission nun damit beginnt, den bewussten Einsatz von Mikroplastik in Produkten wie Kosmetik oder Waschmitteln im Rahmen der europäischen Chemialien-Verordnung REACH zu reglementieren und damit letztlich auf einen umfassendes Verbot von Mikroplastik abzielt. Zitat aus der Strategie:

„In line with the REACH procedures for restricting substances that pose a risk to the environment or health, the Commission has therefore started the process to restrict the use of intentionally added microplastics, by requesting the European Chemicals Agency to review the scientific basis for taking regulatory action at EU level.“ 3. Die Kommission kündigt ein Verbot von Oxo-Plastik an – angeblich biologisch abbaubare Kunststoffe, deren Umweltauswirkungen aber nachgewiesenermaßen erheblich sind und die sich keinesfalls so zersetzen oder gar in Luft auf lösen, wie die Produzenten die Verbraucher/innen gerne glauben lassen. Ein Verbot dieser Stoffe wäre damit ein wichtiger Sieg für den Umweltschutz! Die EU-Plastikstrategie sagt konkret: „[…] some alternative materials claiming biodegradability properties, such as ‚oxo-degradable plastics‘, have been found to offer no proven environmental advantage over conventional plastics, while their rapid fragmentation into microplastics cause concerns. Therefore, the Commission has started work with the intention to restrict the use of oxo-plastics in the EU.

Ein Grund, warum sich für die EU eim Thema Plastik ein großer Handlungsdruck ergibt, ist, dass China ja angekündigt hat, den europäischen Plastikmüll nicht mehr zu importieren:

„More than 85 % of the exported plastic waste is currently shipped to China, a situation that will soon change following China’s decision to ban the import of certain types of plastic waste, thus creating opportunities for EU recyclers.“

Die Europäer bleiben also auf ihren Millionen Tonnen von Plastikmüll sitzen. Und damit wird nicht nur das Recycling-Geschäft attraktiver (eine Idee, die auch die Plastikstrategie beflügeln will), sondern eben auch die Idee, die Primärproduktion von Plastik zu reduzieren.

Das Strategiedokument ist noch kein Gesetz und hat damit auch keine rechtliche Verbindlichkeit. Allerdings bereit es den Weg für weitere rechtliche Schritte, die die EU nun auf den Weg bringen will. Vermutlich werden wir noch vor dem Sommer einen Vorstoß in Sachen „single-use plastics“ sehen. Die Restriktionen bei Miroplastik und Oxo-Plastik werden wohl noch ein bisschen mehr Zeit brauchen. Letztlich bereitet aber die Plastikstrategie den Boden für eine neue EU-Kommission, für die das Thema Plastikkrise vermutlich hoch auf der politischen Tagesordnung stehen wird.

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Das letzte Wort ist noch nicht geschrieben oder gesprochen – ein Kommentar zu den Zeitungsberichten zum geleakten IPCC-Sonderbericht zu 1,5 Grad

15 Januar, 2018 - 16:40

Vielleicht war es absehbar, aber es macht es nicht weniger bedauerlich: Der zweite Entwurf, der sog. „Second Order Draft“, eines sehr wichtigen Sonderberichts des Weltklimarats IPCC wurde an einzelne Medien geleakt und hat nun zu einer Reihe von Zeitungsberichten geführt.

Es geht um den Sonderbericht zu 1,5°C mit dem vollen Titel „Global Warming of 1.5°C: an IPCC special report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty.

Seit dem 8. Januar 2018 läuft die zweite Runde der Kommentierung des Entwurfs. Neu in dieser zweiten Runde sind a) ein erster Entwurf der sog. „Summary for Policymakers“ (SPM), also des Dokuments, das am Ende vor allem die politischen Entscheidungsträger/innen ansprechen soll und quasi als Zusammenfassung aller Kapitel gilt und damit eine sehr hohe politische Bedeutung hat und b) die Tatsache, dass auch die Regierungen in die Kommentierung einbezogen werden und den Entwurf damit erstmalig zu sehen bekommen.

Der taz Artikel führte inzwischen noch zu einer Reihe weiterer Berichte, u.a. bei Zeit online und bei der Wiener Zeitung. Der Tenor auch hier: Das 1,5°C-Ziel ist nicht mehr zu schaffen.

Problematisch sind diese Leaks schon mal ganz prinzipiell, weil weder die Autor/innen des Berichts noch die ‚expert reviewers‘ die Entwürfe öffentlich teilen oder kommentieren dürfen. Wenn also ein Autor einer Zeitung auf Basis eines geleakten Papiers behauptet, das stünde so im Entwurf, ist es erstmal schwer, eine Gegenmeinung oder Richtigstellung öffentlich zu formulieren, ohne die Regeln des IPCC selber zu brechen.

Aber problematisch sind die Leaks auch noch einmal zusätzlich angesichts der Aspekte, die hier der Öffentlichkeit präsentiert werden – die ja nur einen wissenschaftlichen Zwischenstand präsentieren und vor allem die Lesart des jeweiligen Zeitungsautors wiedergeben.

Wir möchten hier noch einmal unsere Erwartungen an den Sonderbericht insgesamt wiederholen, die wir schon wiederholt und an verschiedenen Stellen so formuliert haben:

  • Die Autor/innen des Sonderberichts müssen ihren Auftrag ernst nehmen, alles verfügbare Wissen über Pfade hin zu 1,5°C zusammenzutragen und sich dabei vor allem auf solche Pfade konzentrieren, die dieses Ziel ohne eine massives Überschreiten des CO2-Budgets und ohne die Nutzung riskanter und unerprobter Geoengineering-Technologien beschreiben. Ein (auch nur temporäres) Überschreiten des 1,5°C-Ziels im Verlauf des Jahrhunderts würde zu irreversiblen Schäden und Kipppunkten im Klimasystem mit unvorhersehbaren Eigendynamiken führen, selbst wenn es dann gelingen würde, die Temperatur zu 2100 hin wieder auf 1,5 Grad zu senken.
  • Die sog. Integrated Assessment Models (IAMs), die klimaökonomischen Modelle also, auf die sich der IPCC in erster Linie bezieht, haben nur eine sehr begrenzte Aussagekraft, wenn es um die Darstellung tatsächlicher gesellschaftlicher und politischer Wahlmöglichkeiten geht. Problematisch ist an ihnen, dass sie sich auf ganz bestimmte Kosten-Nutzen-Berechnungen konzentrieren und viele Annahmen des ökonomischen Mainstreams übernehmen, obwohl es angesichts der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit des Problems notwendig wäre, viel grundsätzlicher über gesellschaftliche Transformationen nachzudenken. Beispielsweise bevorzugen diese Modelle bestimmte Technologien für sogenannte „Negative Emissionen“ (wie BECCS, Bioenergy and Carbon Capture and Storage), die gegenwärtig überhaupt nicht existieren, gegenüber Änderungen in Produktions- und Konsumstrukturen bevorzugen. Daraus ergibt sich aber keinerlei Hinweis auf das, was politisch wünschenswert, oder unter Anlegung ökologischer und sozialer Kriterien überhaupt machbar wäre! Zudem sind diese Modelle letztlich „black boxes“ und die zugrundliegenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Annahmen sind von außen nicht nachzuvollziehen.
  • Der IPCC muss sich sorgfältig mit genau den Optionen für transformative und radikale Klimapolitik befassen, die oft vom Tisch fallen bzw. noch gar nicht wirklich diskutiert wurden, obwohl sie eigentlich viel näherliegen als die gefährlichen „Technofixes“, die leider immer mehr in den Mainstream rücken. Dabei denken wir u.a. an einen sehr zügigen Ausstieg aus der Nutzung von Öl und Gas (neben Kohle, die Botschaft ist ja schon angekommen!), inklusive eines Rückbaus bereits vorhandener Infrastruktur, oder auch an die Umsetzung einer echten „Circular Economy“, die nicht beim Thema Recycling stehenbleibt, sondern den generellen stofflichen Umsatz unserer Wirtschaften reduziert, in dem sie den Input an Energie und Ressourcen massiv nach unten fährt: less stuff! Auch in der Landwirtschaft und im Umgang mit unseren natürlichen Ökosystemen brauchen wir einen radikalen Wandel: Die industrielle Landwirtschaft produziert ein Vielfaches an Emissionen im Vergleich zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Letztere dagegen ernährt 70 Prozent des Planeten mit weniger als 25 Prozent der globalen Ressourcen und einem Bruchteil der Emissionen.
  • Die Notwendigkeit, neben radikaler Emissionsminderung auch über Möglichkeiten nachzudenken, überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre zu holen, ist definitiv gegeben. Das sollte aber vor allem durch den Schutz und die vorsichtige und nachhaltige Wiederherstellung von natürlichen Ökosystemen (Wälder, Moore, Ozeane) erreicht werden. Großtechnologien im industriellen Maßstab (z.B. BECCS, Direct Air Capture oder die großflächige Aufforstung mit Monokulturplantagen – ‚afforestation‘), die CO2 technologisch aus der Atmosphäre holen und unter der Erde oder in den Ozeanen „vergraben“ sollen, sind in ihrer Effektivität nicht erprobt und vor allem nicht nachhaltig. Wenn sie funktionieren würden, hätten sie großmaßstäbliche negative Auswirkungen auf die Integrität von Ökosystemen und auf Menschen-, Land- und indigene Rechte. Sie würden andere globale Krisen weiter verschärfen, vor allem den Verlust von Biodiversität und Bodendegradation.
  • Aber selbst wenn das Potential, CO2 auf sozial und ökologisch nachhaltige Weise wieder in natürlichen Ökosystemen zu binden, ausgeschöpft wird, so kann es keinesfalls fossile und industrielle Emissionen kompensieren. Viel radikalere und umfassendere Emissionsreduktionen müssen die oberste und unmittelbare Priorität sein. Diese jetzt nicht politisch anzugehen, weil man auf hypothetische Technofixes in der Zukunft hofft, ist unverantwortlich und letztlich unentschuldbar.
  • Geoengineering – und dabei vor allem Ansätze des sog. Solar Radiation Managements (SRM) – tauchen nicht im Outline des Sonderberichts auf und haben daher im Bericht auch nichts zu suchen. Eine ernsthafte Betrachtung dieser hochriskanten Ansätze zur künstlichen Abkühlung des Planeten, die nicht nur klimatische Bedingungen global und regional noch weiter aus den Fugen bringen können, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für Demokratie und Sicherheit bedeuten und die Welt über Jahrhunderte hinweg abhängig machen würden von einem massiven Einsatz dieser Großtechnologien, könnte die Glaubhaftigkeit des Weltklimarats in Frage stellen.

Und ein Kommentar sei noch direkt zum taz Artikel hinzugefügt: Es ist gefährlich, das, was uns Modelle und Szenarien vor Augen führen können, mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Wenn unsere Computermodelle keine geeigneten Szenarien ausspucken, kann man zwei Schlussfolgerungen ziehen: Entweder ist es schlicht nicht möglich und wir betrachten unsere Wirklichkeit und die Wahlmöglichkeiten, die wir haben, als ähnlich reduziert wie diese Modelle. Oder wir führen uns vor Augen, dass die klimaökonomischen Modelle auf bestimmten Annahmen über Wirtschaft und Gesellschaft beruhen, die es zu hinterfragen gilt, wenn wir dem Klimawandel wirklich begegnen wollen. Und wir erinnern uns, dass es vor allem um politischen Willen und gesellschaftliche Transformations- und Gestaltungskraft geht.

Hier ist übrigens die Reaktion des IPCC selber auf die Leaks:

„Draft reports are provided to reviewers as working documents. They are not intended for public distribution, and must not be quoted or cited for the following reasons:

– Firstly, the text can change substantially between the Second Order Draft and the final version once the report’s authors have carefully considered every individual government and expert review comment. For instance, the First Order Draft of this report received 12,895 comments from nearly 500 expert reviewers. Like any work in progress, it is important to respect the authors and give them the time and space to finish writing before making the work public.

– Secondly, the Second Order Draft is based on scientific literature published or submitted for publication before 1 November 2017. Newly published scientific evidence highlighted by reviewers can still be taken into account between the Second Order Draft and the final version of the report, as long as it is accepted for publication in a journal before 15 May 2018.

Drafts of the report are, therefore, collective works in progress that do not necessarily represent the IPCC’s final assessment of the state of knowledge.“

Der Zeitplan für die kommenden Monaten ist wie folgt: Bis zum 25. Februar läuft die Kommentierung des zweiten Entwurfs. Der IPPC wird dann die Summary for Policymakers in der ersten Oktoberwoche verabschieden und am 8. Oktober 2018 der Öffentlichkeit präsentieren.

Bis dahin ist es noch ein langer Weg und der Entwurf wird sich noch stark verändern. Und das ist auch gut so. Denn eine so große Aufgabe braucht Zeit und Vertrauen – unter den Regierungen, aber auch zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. Denn diese müssen am Ende die Botschaften gemeinsam glauben, verarbeiten und die notwendigen Schlussfolgerungen umsetzen.

Der Sonderbericht zu 1,5 °C wurde von Regierungen beim Klimagipfel in Paris beschlossen. Nun sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Reihe, das beste verfügbare Wissen zusammenzutragen, um den Ball dann wieder an die Regierungen zurück zu spielen. Denn diese müssen sich in diesem Jahr im Rahmen des sog. Talanoa Dialogs mit einer massiven Anhebung ihrer jeweiligen nationalen Ambitionen (NDCs) befassen. Der IPCC-Sonderbericht soll sie dabei unterstützen und beflügeln, ihnen klare Informationen liefern und die Dringlichkeit vor Augen führen. Doch eins wird ihnen der IPCC nicht abnehmen können: das harte Ringen um politische Mehrheiten, um sich gegen die wirtschaftlichen Interessen Einzelner durchzusetzen, um das Überleben aller zu sichern. Und hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen!

Lili Fuhr und Linda Schneider, Heinrich-Böll-Stiftung

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Erste „Klimaklage“ gegen die Bundesrepublik Deutschland

13 Januar, 2018 - 21:03

Ausgerechnet Deutschland in seiner zentralen Rolle für ein stabiles Europa lässt Klimaziele für 2020 aufgrund deren Unerreichbarkeit fallen. Und riskiert damit Kopf und Kragen künftiger Generationen. Eine Einladung, die in Holland erfolgreich durchgesetzte Klimaklage zur Forderung von wissenschaftsbasierten Klimazielen zu replizieren.

Ein Gastbeitrag von Marcela Scarpellini von right. based on science

Klimarecht ist ein neues Rechtsgebiet, bei dem es um die rechtliche Anwendung geltender Rechtsätze auf den Klimawandel und seine Folgen geht (Germanwatch). Es wird unterschieden zwischen der Verantwortung von Unternehmen (insbesondere des Energiesektors; Privatrecht), die durch THG-Emissionen den Klimawandel verursachen, und der Verantwortung von Staaten (insbesondere Schutzpflichten; Völkerrecht), die auf ihrem Gebiet THG-Emissionen zulassen und diese nicht im Rahmen technischer und zumutbarer Möglichkeiten begrenzen. Neben einer globalen „Litigation“ Bewegung, deren prominentestes Beispiel – Saúl vs. RWE (OLG Hamm I-5 U 15/17) – jüngst mit dem Beschluss der Beweisaufnahme einen „historischen Etappensieg“ erreichte stehen noch immer staatliche Handlungspflichten im Fokus gerichtlicher Verfahren. Ein solches könnte nun erstmals auf Deutschland zukommen.

Im Jahr 2013 hat die Nichtregierungsorganisation Urgenda vor dem Bezirksgericht Den Haag Klage gegen die Niederlande erhoben. Im Zentrum der Klage von Urgenda steht der Antrag, die Niederlande zu verurteilen, bis 2020 mindestens 25 % CO2-Reduktionen gegenüber 1990 zu erreichen. In dem genannten Umfang bestehe eine – der Disposition von Gesetzgeber und Regierung entzogene – Rechtspflicht zur CO2-Reduktion.

Eine anteilige Übertragung der globalen Reduktionserfordernisse, die der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, „IPCC“) formuliert, um die potenziert negativen Effekte einer Erderwärmung über zwei Grad hinaus zu verhindern, führt zu einem Reduktionserfordernis in den Niederlanden von 25 – 40 %. Mit Urteil vom 23.6.2015 hat das niederländische Gericht entschieden, dass der von den Niederlanden verfolgte CO2-Reduktionspfad, der auf eine Verringerung der CO2-Emissionen bis 2020 um maximal 17 % gegenüber 1990 ausgerichtet ist, rechtlich unzureichend ist und die Regierung der Niederlande verpflichtet, in demselben Zeitraum eine Reduktion von mindestens 25 % zu erreichen. Dies entspricht dem Minimalziel, welches vom IPCC empfohlen wird. In der Sache, so urteilte das Bezirksgericht, habe der niederländische Staat seine ihm der Gesellschaft gegenüber obliegende Fürsorgepflicht („zorgplicht“, „duty of care“) verletzt. In der unzureichenden Abmilderung des Klimawandels liege ein Fall der „gefährlichen Sorgfaltspflichtsverletzung“ („leerstuk van gevaarzetting“; „doctrine of hazardous negligence“). Die niederländische Regierung hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Nach niederländischem Recht bindet das Urteil die niederländische Regierung dennoch bis zur Verkündung des neuen Urteils.

Hätte eine vergleichbare Klage in Deutschland Aussicht auf Erfolg? Schwierig: Eine anteilige Übertragung der globalen Reduktionserfordernisse des IPCC zum Erreichen des 2 °C-Ziels führt zu einem Reduktionserfordernis in Deutschland von mindestens 25 % bis 2020 und die Bundesregierung beabsichtigte, bis 2020 im Vergleich zu 1990 die Treibhausgase um mindestens 40 % zu senken. Zudem ist – im Gegensatz zum niederländischen Recht – unter dem deutschen Grundgesetz eine Verurteilung des Bundes- oder Landesgesetzgebers auf positive Gesetzgebung nicht möglich. Neben der Fürsorgepflicht beruft sich Urgenda u.a. aber auch auf die Europäische Menschenrechtskonvention („EMRK“), namentlich auf Rechte auf Leben und Privatheit gem. Art. 2 EMRK und Art. 8 EMRK. In dieser am 4. November 1950 unterzeichneten Konvention verpflichten sich die europäischen Staaten, die Menschenrechte und Grundfreiheiten im eigenen Hoheitsgebiet und untereinander anzuerkennen. Mit der EMRK wurde ein völkerrechtlich verbindlicher Grundrechteschutz geschaffen, der von Jeder­mann einklagbar ist. Auf die EMRK wird sich voraussichtlich auch eine Gruppe portugiesischer Kinder mit Hilfe eines Teams aus Anwälten und Experten, das durch das Global Legal Action Network („GLAN“) zusammengestellt wurde, in dem Fall „Children -v- Governments of Europe & Climate Change“ vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte („EGMR“) in Straßburg berufen. Statt nur gegen Portugal, wo im Sommer 2017 zahlreiche Menschen durch Walbrände ums Leben gekommen sind, vorzugehen, wird Klage gegen alle großen Emittenten unter den 47 unterzeichnenden Länder der EMRK eingereicht – darunter Deutschland. Beantragt wird, dass die Unterzeichnerstaaten ihre Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen erheblich verstärken müssen und dass sie sich verpflichten müssen, den Großteil ihrer bestehenden Reserven an fossilen Brennstoffen im Boden zu belassen. Ob die alleinige Berufung auf die EMRK bei Ausbleiben der Berufungsmöglichkeit im Urgenda Fall auf zu wenig ambitionierte Emissionsziele Aussicht auf Erfolg hat, wird sich zeigen, sobald GLAN ausreichend Gelder gesammelt hat, um die Klage voran zu treiben.

***

Zur Autorin: Marcela Scarpellini (Jahrgang 85) hat Jura an der Universidad Católica Andrés Bello in Caracas (Venezuela) studiert und sich mit einem LL.M. an der Universität Stockholm (Schweden) im Bereich Umweltrecht spezialisiert. Marcela ist bei right. based on science für die Analyse der klimarechtlichen Risiken aus der 2 °C-Kompatibilität sowie der Schutzwirkung von Klimametriken im rechtlichen Risikomanagement verantwortlich.

 

 

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Niederlage vor Gericht: Norwegische Regierung darf weiter nach Öl in der Arktis bohren lassen

5 Januar, 2018 - 12:45

Umweltgruppen in Norwegen mussten gestern eine Niederlage einstecken, als das mit Spannung erwartete Urteil in einem historischen Gerichtsprozess einging. The People vs. Arctic Oil ist eine Klage, die Greenpeace Norwegen gemeinsam mit anderen Verbündeten aus der Zivilgesellschaft gegen die norwegische Regierung eingereicht hatte.

Das Gericht stellt nun fest, dass die norwegische Regierung nicht für die Emissionen verantwortlich sind, die bei der Verbrennung des Erdöls und Erdgases entstehen, das von Norwegen in andere Länder exportiert wird. Damit kann die norwegische Regierung nun weiter Lizenzen für Ölbohrungen in der Arktis vergeben und verletze damit nicht, so das Gericht, das in der Verfassung verankerte Recht auf eine gesunde Umwelt.

Das genau diese Ausweitung der Ölbohrungen hatten die Aktivist/innen zu verhindern versucht. Und sie werden weitermachen. Und wenn es auf dem Rechtsweg nicht mehr weitergeht, dann bleiben immer noch Kampagnen und ziviler Ungehorsam. Denn die Klage ist und bleibt nur ein (strategisch wichtiger) Teil einer umfassenden Strategie, um Norwegen tatsächlich an seine klimapolitischen Ziele und internationale Verantwortung zu binden.

Greenpeace Norwegen (Truls Gulowsen) versucht, dem Urteil noch etwas Positives abzugewinnen:

„While it’s good news that the judgment acknowledges the Environmental Article in the Norwegian Constitution, it’s very disappointing that it neglects Norway’s responsibility for damaging the planet’s climate. The demand for immediate action against climate change may not have been heard by the Norwegian government or courts, but every environment defender has heard the millions of people across the world who want Arctic protection. This decision should serve to shape the playbook which is being used everywhere by people taking their governments’ to court to protect their basic human right to a healthy environment.“

Und Ingrid Skjoldvær von Nature and Youth fügt hinzu:

“We have shown that the Norwegian Constitution gives future generations the right to a safe and healthy environment. We see this as an important step for stronger protection of the environment, that can serve as inspiration for youth all around the world.”

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Die Plastikkrise – warum wir ein Umdenken brauchen, um das Plastikproblem an der Wurzel zu packen

5 Januar, 2018 - 11:32

Plastikmüll im Ozean („Marine Litter“), Plastikflaschen und -tüten an Stränden – das sind die Bilder, die wir normalerweise im Kopf haben, wenn es um das Thema Plastik als Umweltproblem geht.

Warum genau diese Bilder aber ein Problem darstellen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der politischen Entscheidungsträger/innen genau in die falsche Richtung lenken und der Plastikindustrie eine grünes Mäntelchen umhängen, anstatt sie zur Verantwortung zu ziehen, das beschreibt dieser absolut lesenswerte Beitrag „Communications and Strategy Challenges Of The Plastics Issue“ vom 21. Dezember 2017.

Er beschreibt dabei drei notwendige Schritte eines Umdenkens:

  1. Dumping the L-Word („litter“)

Das Plastikproblem ist keines von „Müll“ oder „Abfall“ (Englisch: „litter“), sondern eines von Verschmutzung („pollution“). Die Tatsache, dass NGO-Kampagnen ebenso wie Kommunikationsstrategien seitens der Industrie immer wieder von Plastikmüll (oder gar von „marine litter“) sprechen, verharmlosen wir letztlich das Problem. Das geschieht auf verschiedene Weise: Zum einen bezieht sich das Müllproblem ja vor allem auf den sichtbaren Teil des Problems, also die Plastiktüten und -flaschen am Strand beispielsweise. Aber ein Großteil des Plastiks landet in Form von Mikroplastik in den Ozeanen – und vieles davon sinkt auf den Meeresboden. Aktuell wird geschätzt, dass sich bereits durschnittlich ca. 70 kg Plastik auf jedem Quadratkilometer Meeresboden befinden! Zum anderen impliziert die Beschreibung als „Müll“ oder „Abfall“, dass die Hauptverantwortung bei den Konsumentinnen und Konsumenten liege und man das Problem durch ein Einsammeln des „Mülls“ eben auch lösen könne.

Hier eine kurze Illustrierung der zwei verschiedenen Sichtweisen aus dem Beitrag:

Plastik besteht aus zahlreichen giftigen und gefährlichen chemischen Substanzen, die gesundheitsschädlich für Menschen und Tiere sind und unsere natürlichen Ökosysteme dauerhaft und nachhaltig belasten – wie eben andere Typen von Verschmutzung auch (z.B. Verschmutzung mit Schwermetallen, ozonschichtschädigenden Substanzen oder CO2 in der Atmosphäre…). Die einzige Möglichkeit, dieses Problem in den Griff zu bekommen, ist ein massives Zurückfahren der Produktion von Plastik durch strikte Regulierung der betreffenden Industrie. Und als Gesellschaft müssen wir dafür erst einmal beginnen, Plastik als gefährlich einzustufen und das beispielsweise auf Produkten, die Plastik enthalten, auch so zu deklarieren, wie es bei anderen gefährlichen Substanzen bereits üblich ist. Im Artikel werden beispielsweise solche Labels vorgeschlagen:

2. We cannot win by „Fighting On the Beaches“!

Weltweit gibt es zahlreiche – sowohl seitens der Industrie als auch von NGOs oder gar staatlichen Stellen initiiert und gesponserte – Kampagnen, um Strände von Plastikmüll zu säubern. Viele viele Menschen beteiligen sich jedes Jahr an diesen „beach clean-ups“. Diese Aktionen sind nicht grundsätzlich falsch, aber eben auch problematisch. Zum einen tragen sie tatsächlich nur einen winzigen Teil zur Lösung des Problems bei und könnten auch bei massiver Verstärkung immer nur einen winzigen Bruchteil des Plastikproblems beseitigen. Gleichzeitig fokussieren sie aber die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und vor allem der beteiligten Bürgerinnen und Bürger auf das Falsche: eben wieder auf Plastik als Müllproblem und auf den sichtbaren Teil der Verschmutzung – während sich die Industrie sogar dafür feiern kann, dass sie sich an derartigen Maßnahmen beteiligt.

 „https://www.marinelittersolutions.com shows you schoolchildren looking for ‘litter’, not plastics executives.“

Einen sinnvollen Beitrag könnten Kampagnen leisten, die beach clean-ups mit Maßnahmen und Aktionen verknüpfen, bei denen die beteiligten Personen sich nebenbei auch mit den wirklichen Ursachen und Auswirkungen der Plastikkrise befassen, beispielsweise, in dem sie im Sinne von „citizen science“-Projekten das Mikroplastikproblem im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe nehmen.

3. The Limitations of Recycling

Plastik zu recyceln ist sehr schwierig und findet aktuell tatsächlich nur in sehr geringem Maßstab statt. Da, wo es passiert, wird fast immer aus hochwertigem Plastikabfall ein weniger wertvolles Produkt, das dann oft sogar aus kleinteiligerem Plastik besteht und das Mikroplastikproblem verstärkt. Und nein, aus den Plastikflaschen, die wir brav im Supermarkt in die Rückgabemaschinen für Pfandflaschen stecken, werden keine neuen Plastikflaschen.

Außerdem exportieren einige Länder, beispielsweise die EU, ihren Plastikmüll, beispielsweise nach China. Ein Teil der riesigen Plastikmüllberge, die durch asiatische Flüsse in die Meere geschwemmt werden, stammen also von Produkten, die von europäischen Konsument/innen gekauft wurden. Und nun kann man noch fragen: wurden diese Plastikprodukte vielleicht teilweise in China hergestellt? Und woher kam der Grundstoff (Erdöl oder Erdgas) für dieses Plastik? Plastik ist ein gigantisches weltumspannendes Geschäft – und die Industrie ist in keinster Weise bereit, den profitablen Wachstumspfad zu verlassen. Aber China will nun seit Kurzem einen Teil des europäischen Plastikmülls nicht mehr importieren, weil er zu dreckig ist

[Mehr zu den Verbindungen der fossilen Industrie mit dem Plastikthema gibt es übrigens hier bei CIEL: Fueling Plastics.]

Die Industrie liebt das Recyclingthema, weil sie damit kommunizieren kann, dass das Problem einfach in den Griff zu bekommen sei. Dabei verschweigt sie, dass auch bei stetig wachsenden Recylingraten, Plastik immer noch fast ausschließlich aus Grundstoffen (und dabei vor allem Erdöl und Erdgas) hergestellt wird und das generelle Wachstum der Produktion jegliche Recyclingmaßnahmen bei Weitem übersteigt.

Die Idee von Plastik-Recycling ist also „a case-study of non-sustainability“. Klar, kann Recycling einen Beitrag leisten – aber eben nur im Kontext einer Gesamtstrategie, die auf einen Ausstieg aus Plastik abzielt und die tatsächlichen Produktionsmengen massiv reduziert.

Was tun?

Die Schlussfolgerungen aus dieser Analyse sind klar: Wir müssen endliche beginnen, Plastik als ein Problem von Verschmutzung / Pollution durch gefährliche / gesundheits- und umweltschädigende Substanzen zu beschreiben und entsprechend zu addressieren – politisch und gesellschaftlich. Mögliche Regulierungen auf internationaler Ebene könnten sich z.B. am Montreal Protokoll orientieren, das ja für das Problem Ozonloch die entsprechenden schädigenden Substanzen verbietet. Das bedeutet nicht, dass es nicht Ausnahmen für die Nutzung von Plastik beispielsweise im medizinischen Bereich geben kann. Aber der größte Teil des Plastiks, den wir heutzutage benutzen, ist entweder einfach sinnlos (Plastikverpackungen im Supermarkt, Plastikbecher, Strohhalme, Plastiktüten usw.) oder durch andere Materialien ersetzbar (z.B. Holz oder Pappe für einige Verpackungen, Baumwolle für Kleidung).

Und ganz oben auf die Tagesordnung – übrigens auch für die neue Bundesregierung – gehört ein Verbot von Mikroplastik, das sich aktuell beispielsweise massiv in Kosmetik und Kleidung befindet.

[Hier geht es zur Greenpeace-Kampagne zum Thema Mikroplastik in Kosmetik.]

In Italien hat kurz vor Weihnachten der Umweltausschuss des Parlaments ein solches Mikroplastikverbot übrigens bereits beschlossen. Unmöglich ist es also nicht, dass sich hier auch in anderen Ländern bald etwas bewegt.

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Bits, Bots and Blockchains – ein Rückblick der ETC Group auf das Jahr 2017

4 Januar, 2018 - 19:15
Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus dem Jahresrückblick 2017 der ETC Group (meiner anderen politischen Heimat neben der Heinrich-Böll-Stiftung) – eine Art Alphabet der Technofixes. Der vollständige Text findet sich hier: ETC Group’s Irreverent Year in Review… again

The future has arrived — it’s just not evenly distributed yet.” —William Gibson, 1992

As the year careens to a close, summing up the trends, portends and hairpin bends of 2017 feels like a Pandora’s unboxing of mashed up dystopias. Call it technological convergence or the fourth industrial revolution, but the familiar cyberpunk themes of robotics, Artificial Intelligence and bioengineered economies are now becoming cyber-industrial fact.

As Elon Musk, Stephen Hawking and the usual lineup of luminaries reissued their perennial warning about Artificial Intelligence, for ETC Group a jaw drop moment of 2017 was October 11th when the AI-enabled humanoid robot Sophia was given a platform to address the United Nations in New York (something Civil Society Organizations and social movements are rarely afforded) and then engaged uncannily in policy banter with UN Deputy Secretary Amina Mohammed. The jaw-dropping-even-lower moment came only a few weeks later when Saudi Arabia decided to award citizenship to Sophia – a basic right that many millions of human beings are routinely denied. Important questions of democratic theory aside, it’s not yet even clear how Saudi Arabia considers the gender of its newest robot citizen. Sophia was allowed to receive citizenship without the abaya, the required head covering for women. Is ‘robot‘ then a new gender? It is illegal to be transgender in Saudi Arabia, but the country turns out to be cool with differently gendered robots. Can Sophia drive a car in Saudi Arabia? (Non-robot women can’t until June 2018.)

There were many anniversaries (there always are). It has now been 25 years since Blade Runner and 20 years since Gattaca. Perhaps most importantly, it has been 70 years since the venerable Bulletin of Atomic Scientists began publishing their ‘Doomsday Clock.’ This graphic displays how close human society and the planet are to likely annihilation (symbolically represented as midnight). In late January 2017, the hands of the doomsday clock were moved to 2.5 minutes to midnight, the closest it’s been to apocalypse since its worst in 1953 – the clock watcher citing in part the new technological platforms.

That’s the now-familiar bad news, but at ETC Group we think we have isolated the optimism gene, and unlike Musk and Hawking we are feeling unseasonably upbeat. Not about the present per se, but about the prospects down the line for 2040. We think there are viable paths to move those doomsday clock hands back a few notches in the next 20-odd years. More of that characteristic cheer below, but first here’s a too-fast annual ABC of the state of the present according to the ETC team of pulse keepers.

A – Acceleration, Artificial Intelligence, Accountability, Algorithmic Governance

2017 marked 75 years since Isaac Asimov published his three laws of robotics, already widely broken:

  1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
  2. A robot must obey orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Law.

From rising CO2 in the atmosphere to widening gender and income inequality for humanoid citizens and non-citizens alike, we live in a time of accelerating negative trends correlated with the accelerating technologisation and financialization of everything. If one sector has come to symbolize the runaway nature of technology-driven change it is, of course, Artificial Intelligence (AI). Consider the trajectory: two years ago, ETC reported that Google’s AI machine learning algorithms had learned how to play space invaders and sort through cat photos. A year later, AI was gaming parking fines and evolving fascist tendencies on Twitter as a foulmouthed Microsoft chatbot. In 2017, we learned that, bored of cat photos but still addicted to Twitter, AI had also been busy manipulating voter behaviour and maybe stealing an election for Donald Trump (himself a humanoid foulmouthed Twitter chatbot). Trump’s biggest financial backer was, guess who, an AI guru turned hedge fund tycoon: Robert Mercer. For those who missed it, this year the story emerged that Robert Mercer had used his AI-driven voter data outfit, Cambridge Analytica, in a bid to mass-manipulate voter emotions and actions – not only in the US electorate, but also, successfully, during the British Brexit referendum. As 2017 draws to a close, Mercer’s political bot army, after a stint in Kenya, is headed to Brazil. Meanwhile, AI is simultaneously at work in other fields: designing hundreds of thousands of bioengineered organisms and a recent paper even hints at deploying algorithmic approaches to geoengineer the climate: a paper published last month developed an algorithm to precisely instruct where and how much sulphur might be introduced into what part of the atmosphere at what time to stave off climate change – rendering the entire planet an automated injection cooling system.

Since no human can understand or take responsibility for the reasoning structure of a machine learning AI algorithm, there’s no human to prosecute or hold accountable

All of this is risky, but becomes frankly terrifying when considering the rapidly-emerging scholarship around the sticky problem of algorithmic governance. The algorithmic governance conundrum as applied to machine learning goes like this: A deep learning algorithm doesn’t work by any easy-to-comprehend set of instructions programmed by humans – it is a self-evolved pattern emerged out of a neural network whose rationale is a black box of unknowingness. Who then is responsible when an AI algorithm crashes a car (or an economy, or a planetary boundary)? Since no human can understand or take responsibility for the reasoning structure of a machine learning AI algorithm, there’s no human to prosecute or hold accountable – at which point a yawning black hole of unaccountability begins to engulf our legal and governance systems. The European Union is trying to fill that black hole by creating a “right to an explanation” in 2018 for humans who are on the receiving end of an algorithmic decision. New York City is trying to grapple with the algorithmic accountability problem too. But machine learning experts point out that may just not be technically possible. And on that cheery note:

B – Blockchains, Bitcoin, Bye-Bye Banks and Bureaucrats, Bonanza for Billionaires

Who’s leading in Fintech investment? In 2015: USA – $12 billion; UK – $974 million; Singapore – $69 million; Japan – $65 million. (Source: Accenture)

Accelerating faster than AI (and not unrelated), 2017’s darling tech bubble was decidedly the Blockchain – the distributed digital ledger protocol originally invented to enable the cryptocurrency Bitcoin, whose speculative value skyrocketed from under $800 per bitcoin to almost $20,000 in mid-December before dropping back to around $16,000 a few days later. (Bitcoins’ value has climbed and crashed several times this year – a wild ride that outpaces the risk faced by any other investment sector.) While the sparkle and attention was on the financial baubles of the cryptocurrencies (Bitcoin, Ethereum, Litecoin, Ripple, Dash), the serious interest is focusing in on the encrypted ledger itself. The blockchain is now being pitched as the panacea for everything: from trading carbon, land, water, biodiversity and agricultural commodities to dissolving banks, markets, bureaucracies and more. The magic workhorse at the heart of a blockchain-built future are programmed “smart contracts” that allow automated machines to exchange and coordinate value and labour without the human middle-man. Blockchain-enabled smart contracts do for white collar work what automation is already doing for blue collar work (replace it). Those who preach the anarcho-libertarian gospel of “better living through blockchain” believe the day is coming when central banks and government bureaucracies alike will dissolve into the thin air of the blockchain. But, ETC is asking itself, why then are block chains being so warmly embraced by bank consortia for their internal machinations?

As it turns out, the blockchain infrastructure is not so light and airy, or even efficient. Economists revealed this year that every single bitcoin transaction uses 77 KwH of energy (some say more). That’s enough to power a large American house for a week (or a more efficient Dutch house for two weeks). To put it another way, according to the “Bitcoin Energy Consumption Index,” daily bitcoin energy use, which is ballooning, was rivalling the energy use of Qatar by year end – and that’s just one blockchain platform. According to one analysis, if Bitcoin was handling the same number of transactions as Visa it would use the same amount of electricity as the entire world currently uses – or 500 nuclear power stations worth. In reality, it’s also rather slow, taking many hours per transaction – a rather different take on “slow money”. Meanwhile, up to a third of bitcoins, worth around 52 billion dollars, may be actually lost in password-expired purgatory, landfills, or down the cushions of virtual sofas. Concerns are also arising that new quantum computing platforms may be able to break the blockchain by cracking encryption. As UN agencies, companies and NGOs fall over themselves to uncritically embrace Silicon Valley’s blockchain-mania and accept or issue crypto-coins there is an urgent need for governments and social movements to catch their breath and decode who really gains by doing away with bankers and bureaucrats in favour of algorithmic accounting.

Blockchain concentration: 40% of all bitcoins are held by about 1000 individuals. The top 100 control 17.3% of all bitcoins. 100 players control 40% of one of bitcoin’s major rivals and, in the case of three other rivals, the top players control around 90% of the so-called currency. (Bloomberg News, December 11, 2017.)

Looking at the blockchain hype, it is hard not to notice that the promised dismantling of the administrative state and shrinking of government services chimes perfectly with the ideology and priorities of the current White House. (Interestingly, former Trump chief strategist Steve Bannon was previously CEO of a company farming Bitcoin-like electronic money using Chinese prison labour.) Even more significantly, the cryptocurrency ideologues’ desire to dismiss central banks and replace fiat currency with blockchains fits comfortably with the prime obsession of Trump’s AI-fuelled patron, Robert Mercer, who sees the return of the Gold standard and the end of central banking as a means to protect the interests of the sovereign super-wealthy like himself. Theoretically, it could take only a handy financial crisis for the White House to migrate both the dollar and the apparatus of government onto the blockchain, give pink slips to Washington’s bureaucrats and sell off the prime DC real estate to the Trump Corporation. Singapore is already exploring putting their dollar on a blockchain and experimenting with an Ethereum-based national currency coin. In any case, the blockchain, combined with the AI-induced wild ride of uncertainty that the economy is in for. will be a boon for hedge funds. So, keep an eye on the biggest data-driven AI-fuelled hedge fund of them all, Renaissance Technologies, whose analysts this year began using quantum computing for their secretive black box calculations. The CEO of Renaissance just stepped down from the limelight, but he will still be there fiddling with the back end of the Renaissance money machine. His name: Robert Mercer.

C – Consolidation, Big Cons and ChemGens

2017 marked the fourth year in a row that global Mergers and Acquisitions exceeded $3 trillion. Although the estimated $3.5 trillion in 2017 is 1% below last year’s, this is likely due to uncertainties in Washington and caution in Beijing. Barring the inevitable unforeseen, most market analysts expect 2018 to break new merger records as every sector of the economy scrambles to adjust to the Big Data pressures applied by Alphabet (Google’s corporate parent), Amazon, Apple, Facebook and Microsoft. The Fearsome Five are credited with having forced three of the largest defensive mergers in history during 2017. (Source: Financial Times, December 29)

Responding to the same high tech pressures, agribusiness mega-mergers were also all over the news this year, and very present in our minds as well. Last year, ETC was forced to conclude that if the mergers went through, there would no longer be separate seed and pesticide industries, but rather a merged entity we called the ChemGens. By the end of 2017, only the hookup between Dow and DuPont seems clear, while the Bayer takeover of Monsanto remains under question in Brussels and in several other jurisdictions. Although the deal between Syngenta and ChemChina seems to be going through, ChemChina is in trouble back home: its vice-president has been forced to step down and it’s having trouble finding the money to pay for the merger. Even Dow and DuPont – both US companies – are negotiating with activist shareholders and had to agree to revamp their restructuring. Meanwhile, to appease Brussels, Bayer is selling its own seeds division and some of its pesticides to BASF, making it clear that when the dust settles the current joy-of-Six (the big six agrichemical companies) will be reduced to a four-play, with BASF possibly looking for more prey or partnerships.

Alarmed by their declining market share, processors and retailers are also scavenging up and down the chain buying start-ups and looking for specialty craft products and companies

While we were all watching rigor mortis set in along the first links in the food chain – including the farm machinery and fertilizer companies – other links in the chain were also hardening. Food traders Cargill and Bunge both reached up and down the chain looking for new markets as they watched their historic control over agricultural data erode in the face of digital DNA and the big data around soils, satellites and robotics. 3G Capital – the guys behind the big brewery merger and the Kraft-Heinz deal, working with Berkshire Hathaway – tried to buy Unilever and are still looking for other potential food and beverage takeovers and/or acquisitions at the retail end of the chain. And, as everybody knows, the merger of Amazon and Whole Foods (North America’s biggest organic food retailer) has set the stage for future mergers among retailers. Foodtech meanwhile was the darling of the venture capital set – venture capitalists poured more than double the money they spent investing in food and agriculture start-ups in 2016 and there will be more to come. Alarmed by their declining market share, processors and retailers are also scavenging up and down the chain buying start-ups and looking for specialty craft products and companies. As Big Data devours food and agriculture, nobody anywhere along the Chain feels safe.

Competition Treaty? By mid-year, ETC and many of our partners were looking beyond the immediate mega-mergers and the weaknesses of national anti-trust legislation to the glaring absence of a UN Treaty on Competition. Although the UN Conference on Trade and Development has fashioned a Model Law on Competition Policy, there is no international agreement. An OECD study concluded that national regulators are increasingly sympathetic to giant mergers; that remedies are often driven by technology needs; and that, in the absence of a binding treaty, the “home” countries of merging enterprises should be allowed to take the lead. That is, the OECD is telling the Global South not to interfere, disregarding their sovereign right to do so – even though the impact within any single country could be greater than in the home countries, and the technologies that are driving the mergers may play out in unexpected ways. As we look to 2018, we expect to be talking with our partners about the feasibility of a new UN Treaty on Competition.

D – Deepening Distrust of Driverless Cars

Yes, driverless cars are still being sold by politicians on a promise of being ‘safer,’ but in the face of growing algorithmic uncertainties (see “A” above) proponents of autonomous cars will still be sighing with relief if 2017, unlike 2016, screeches to a halt with nobody actually dying from a driverless car accident. There were some close calls: in November, Britain’s ultra-alpha-male car celebrity, Jeremy Clarkson, disclosed that he had twice almost been killed by the bad driving of an autonomous car. Uber, determined to be first with a totally driverless car fleet, upped its chances of claiming death number two (Tesla got the first) as it made a deal with Volvo to buy 24,000 cars decked out with its driverless technology. Uber, it seems, is already vying with Monsanto for title of world’s most unpopular company, having been besieged with scandals through 2017 about links to the White House, systemic bullying and sexual harassment. In one of Uber’s more bizarre episodes in 2017, a would-be Islamic terrorist in the UK drove his Uber to attack Windsor Castle (the Queen’s residence) but his navigation system brought him instead to a pub of the same name. Police did not buy his claim that his four-foot sword was to slice pizza, though 10% of all Uber Eats rides are now for pizza deliveries.

But in truth it’s not just Uber, Tesla and Alphabet setting the driverless pace – all the biggest automobile manufacturers are racing to bring us driverless cars. Looking back at how those same companies have been handling safety these past few years, Jeremy Clarkson and his public may have good reason to be wary. Remember how General Motors was caught in 2014 hiding a deadly ignition switch malfunction that killed 124 people, how Toyota was slammed for failing to disclose faulty accelerator pedals on 9 million cars, and how Volkswagen gamed emissions standards? Well, in 2017, VW, Porsche, Audi, Daimler and BMW all fell under EC anti-cartel investigation for also fixing emission equipment and standards. Takata was forced into bankruptcy, faced with at least 18 deaths caused by malfunctioning airbags, and Nissan let slip that its car inspectors were sometimes uncertified. Mitsubishi (allied to Renault and Nissan) admitted to faking records on aluminum car parts, Subaru conceded to similar failings, and Toray Industries apologized for faking inspection certificates on cords used to strengthen car tires. Forget driverless cars – how about careless manufacturers??

E – Enlightened Elites Extract Data-Driven Excellence from Brilliant Beneficence Bots Built for Billionaires

There can’t be a Fourth Industrial Revolution without upgrading its accompanying philanthro-capitalism. From the First to the Fourth Industrial Revolution, the enduring assumption has been that the Rich know best how to dispense charity. The world’s billionaires (now 1542 of them) upped their net worth by almost 20% last year to a combined total of $6 trillion (and that’s before counting the bitcoins: if the anonymous Bitcoin-inventor ‘Satoshi Nakamoto’ were right now to cash out on their stash of bitcoins, they would shoot to the top half of Bloomberg’s billionaires list).

So-called “emerging markets” have a billionaire boom as well – and they are no more generous. From sporting just one billionaire in the 1980s, Brazil now counts 43 (of Latin America’s 87) with a combined net worth of $172 billion. Just one has made the Gates/Buffett pledge (see below)– and immediately lost their big B status. By contrast, Africa has just 25 billionaires and three have signed up to donate half or more of their wealth to “charity.”

Although much was made of the philanthropy of the new billionaires in China, India and Brazil, the heir and CEO of Korea’s Samsung was jailed for bribery while his foundation stands accused of channeling the bribes. Meanwhile, the US government can’t seem to find anything “charitable” in Donald Trump’s foundation and, in 2017, the Clinton Foundation was – as ever – under fire. In fact, most of the nouveau super-riche seemed to be squirreling away their money in anti-poverty crusades sheltering homeless Vermeers and Picassos.

To deflect attention, billionaire philanthropists led by Gates and Buffett announced a major upgrade in their collective giving – still harnessing their entrepreneurial algorithms and technological genius to end hunger, climate change, disease, gender discrimination, etc.

Today’s techno-fixers continue to believe that their entrepreneurial skills and technological genius make them the best judges for what humanity needs, and apparently what it needs is more technology of the sort that made them rich

To the list of Zuckerbergs, Buffets and Gates, a new rising kid on the philanthropic block to watch is the Open Philanthropy Project, the plaything of Facebook co-founder Dustin Moskovitz and his wife Cari Tuna (Dustin is billionaire #63). Their seemingly ultra-rational “effective altruism” approach tries to crunch the numbers on where billionaire bucks can be spent for maximum global bang. The outcome is that Open Philanthropy seems to be moving in block-step with Bill Gates techno-utopian playbook: channelling dollars into propping up gene drives, syn bio fake meats, and solar radiation geoengineering.

Even with their own data-driven take on philanthropy, the techno-fixers of the Fourth Industrial Revolution continue to believe that their entrepreneurial skills and technological genius make them the best judges for what humanity needs, and apparently what it needs is more technology of the sort that made them rich. It’s not likely that Elon Musk will build an Almshouse on Mars but if he does, we expect Uber will have the food contract and the driver will be paid in bitcoins.

The other Es: Eugenics and Enhancement

“I want to live in a world where people get drunk and instead of giving themselves tattoos, they’re like, ‘I’m drunk, I’m going to CRISPR myself.”Josh Zayner, Biohacker and CEO of The ODIN (DIY CRISPR Kits)

Embryos get CRISPRd. In July, a team from Oregon Health and Science University, with colleagues in California, China and South Korea, reported that they had used the CRISPR gene editing method in dozens of human embryos to “fix” a mutation that causes a common heart condition. While not the first CRISPR embryo study (those were in China in 2015) the study dangerously ‘mainstreamed’ the idea of human germline intervention editing out diseases – although some of its claims were later disputed.

Biohackers get CRISPRd. Josh Zayner is the biopunk CEO of The Odin, who sell CRISPR- home kits online and also ship brew-it-yourself syn bio glow-in-the-dark beer kits. Zayner claimed this year to be the first person to ever CRISPR themselves when he started self-injecting with CRISPR DNA and RNA designed to increase muscle growth. He accompanied his self-editing stunt by releasing a DIY Human CRISPR Guide and selling $20 DNA to promote muscle growth.

Grampires lose their whiskers (“Grandpa, What Big Veins You Have!”) Blood transfusions from young mice to old mice make old mice younger. Scientists theorize that transfusions for us would do likewise – including slowing or reversing Alzheimer’s. A California start-up, Ambrosia, is charging $8000 per shot of ‘young blood.’ Look out Little Red Riding Hood!

F – Fake Foods Face Flops Amidst False Starts

2017 was supposed to be the year that biotech’s fake meats, fake dairy and fake food ingredients went full throttle into the mainstream. But the ‘vatitarian revolution’ seems to be sputtering. Two years ago, the leader of the syn bio pack was Solazyme, who, having faced an initial backlash for injecting syn bio algae oil into supposedly ‘natural’ washing detergent, renamed themselves as Terravia and took aim instead at displacing cocoa farmers with their algal butter. This year, however, Terravia waved the white flag and went bankrupt. Their competitor Evolva didn’t quite follow them into oblivion, but its founder Neil Goldsmith was unceremoniously dumped by the board as Evolva switched its strategy away from trying to grab global markets in vanillin and stevia to the rather less glamorous nootkatone (grapefruit flavour) and resveratrol byways of the ingredients world. Terravia had already suffered after being implicated in the great Soylent scandal of 2016. In 2017, Soylent (the fake meal replacement drink that boasts its GMO content) itself was facing its own tribulations with Canada’s food inspection agency banning the drink for failing to meet the definition of a ‘meal replacement.’

ETC’s Word of the year: SynBots – a nickname coined by US supplement industry (after FDA term ‘Synthetic Botanicals’) to describe synthetic versions of compounds formerly drawn from botanical sources but now increasingly being made by synthetic biology organisms. For example, “There was something funky in our resveratrol – so we tested it and found it had been spiked with synbots” (hat tip: Loren Israelsen)

With Terravia by the wayside, the new leader of the pseudo-food pack emerged as Impossible Foods’ meatless ‘Impossible Burger’ – a vegan patty doused in a syn bio blood substitute known as heme that gives the impossible burger a meaty taste. But Impossible Foods also jumped the gun, rushing its product to market. In August 2017, ETC Group and Friends of the Earth US shared freedom of information disclosures from the US Food and Drug Administration that showed Impossible Foods had failed to convince the regulator that its pseudo-patty could be ‘generally recognised as safe.’ Impossible Foods had boasted that its burger would be in over 1000 restaurants by the end of 2017. So far, it’s less than half way and has just managed to resubmit its safety dossier for consideration. Meanwhile, the darling of Silicon Valley’s fake food set, Hampton Creek, switched its attention from mayonnaise to lab-grown meat and found itself embroiled in a failed coup, a resignation of the full board, allegations of attempts to game sales figures and being barred from retail giant Target. Equally telling were the fake food announcements that never were. For example, 2017 was supposed to be the year that syn bio start-up Perfect Day debuted its fake cow milk – but so far, no moo.

G – Gene Drives

In 2017, gene drives continued to accelerate as a threat to peace, biodiversity and food security. Gene drives are a synthetic biology invention that force an engineered trait to spread from one generation to the next. As the theory goes, you can genetically engineer one wild fly with a gene drive and then the genetically engineered trait spreads like… well, wild flies… until all flies in the wild carry that trait. The technology has the potential to modify or destroy an entire species. As 2017 drew to an end, ETC Group collaborated with Prickly Research, Third World Network, Friends of the Earth and others to publicly release the ‘Gene Drive Files’ – a cache of 1200 emails released under Freedom of Information laws that shed a light on a world of pro-gene drive jockeys itching to move ahead with the technology. Things we learned about gene drives in 2017 included:

Gene Drives may not work very well – A handful of papers pointed to the phenomenon of “gene drive resistance” that organisms engineered with gene drives will likely mutate in the real world and may eventually stop ‘driving’.

Gene Drives may work too well – Primo gene drive jockey Kevin Esvelt of MIT published a much noticed ’mea culpa’ in November when he and a co-author concluded that CRISPR gene drives may be too powerful to use in conservation since gene drive organisms could become aggressively invasive. Dr Esvelt had previously championed using gene drives in conservation: “I feel like I’ve blown it,” Dr. Esvelt told the New York Times. Championing the notion was “an embarrassing mistake.”

There’s still no such thing as a ‘local’ gene drive – Dr. Esvelt and others are now placing their hopes on making gene drive systems with in-built failure mechanism as a way of keeping spread ‘local.’ ‘Local’ gene drives would be of much more interest to corporate types wishing to sell gene drives as a service (and to military weaponeers) but in truth they are totally theoretical at this point.

The US Military and Bill Gates is in the driving seat The clear conclusion from the Gene Drive Files is that this fast-advancing field is being structured and funded by the largesse of Bill Gates (who hopes for a quick fix for malaria) and the interests of the US defence establishment (who see a powerful potential weapon). The secretive military JASONS group this year undertook a classified study into hostile and agricultural uses of gene drives.

Agricultural and corporate interest in Gene Drives is rising A secret JASONS study heard (secretly of course) from a senior staff from Monsanto and Cibus, and the California Cherry board is funding gene drive research on agricultural pests and have established Agragene – one of at least two private gene drive start-ups to commercialise the technology (the other is Synbal).

Millions of dollars are being spent to stave off oversight and buy government support – The Gene Drive Files also revealed the lobbying maneuvers of Emerging Ag – a private PR firm run by a former biotech lobbyist that received 1.6 million dollars from the Gates Foundation to fight back against any moratorium on gene drives. The Open Philanthropy Project meanwhile gave over $2.3 million to the African Union’s NEPAD (New Partnership for Africa’s Development) to “support the evaluation, preparation, and potential deployment of gene drive technologies in some African regions.”

H – Hands off Mother Earth! How Geoengineering got Normalized

For ETC Group, one of the most disturbing trends of 2017 was the ongoing, rapid normalization of the idea that we may soon geoengineer the planet. At the year’s onset, we watched several geoengineering enthusiasts sweep into key US government positions (one of them, thankfully, is out again, but only after writing the plan to eviscerate the EPA). At the international level, the UN’s climate science body, the international Panel on Climate Change (IPCC), began their special report on how to limit global warming to 1.5 degrees. They included a pro-geoengineering Exxon scientist and a Saudi Aramco scientist as authors, sparking an outcry in May from 108 civil society organizations who signed a letter demanding the IPCC review the authors’ conflict of interest (the IPCC, incredibly, responded that it did not in fact contradict their Conflict of Interest  policy). By the time September rolled around, it was becoming clear that not only is geoengineering expected to play a prominent role in the much-vaunted 1.5 degrees report in 2018, it is also being ‘mainstreamed’ as a topic across the more significant Sixth Assessment Report of the IPCC.

Climate denier Lamar Smith was so effusive about geoengineering as America’s best solution to something he previously didn’t believe in, even leading geoengineers asked Republicans to tone it down a bit

By October, when geoengineers met in Berlin to show each other their latest technofixes and to be seen talking earnestly about governance, some were already boasting that they hoped to sneak geoengineering into the UNFCCC process in 2018 via the Global Stocktake. By the time the UNFCCC met for its November meeting in Bonn, geoengineering was a major topic in the corridors, spurred in part by a rare US Congressional Committee hearing on geoengineering chaired by a leading Exxon-sponsored climate denier, Lamar Smith. So effusive was Smith about geoengineering as America’s best solution to something he previously didn’t believe in, even leading geoengineers asked Republicans to tone it down a bit: “In some ways the thing we fear the most is a tweet from Trump saying ‘Solar geoengineering solves everything – it’s great! We don’t need to bother to cut emissions,’”  said Harvard Geoengineer David Keith at a November 7th forum. “That would just really make it hard to proceed in a sensible way.” However, he omitted to mention that a bill to boost geoengineering research  in the US had already been introduced.

Keith himself is still gunning to proceed with his long-delayed SCoPEx balloon experiment, to be launched from a spaceport outside Tucson, Arizona – close to the Mexican border. North America has three regional solar radiation management experiments slated for the coming year: high altitude balloons spraying particles in the desert southwest (that’s SCoPEx), spraying seawater to brighten clouds in California and floating plastic micro-beads on Hudson’s Bay. Even if Trump doesn’t tweet his support, if his administration (and that of Justin Trudeau – not likely) quietly give the nod to these experiments, the world will take a big lurch closer to a geoengineered future.

To prepare for these experiments, a new initiative on geoengineering governance also began in 2017: the Carnegie Climate Geoengineering Governance Initiative (C2G2). As ETC predicted in our end of year report last year, C2G2 has been busily racking up Air Miles to inject the ‘geoengineering governance’ message into many fora. Unfortunately, it is doing so with unhelpful ambiguity, which most listeners interpret as promotion of geoengineering. While C2G2 is clear that it supports a hold on ‘deployment’ of SRM, it also seems to give the nod to real world SRM tests.

Weiterlesen: ETC Group’s Irreverent Year in Review… again

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Das Fleisch und der Klimawandel

27 Dezember, 2017 - 14:36

Im Jahr 2016 emittierten die 20 größten Fleisch- und Milchkonzerne mehr Treibhausgase als Deutschland. Wären diese Unternehmen ein Land, wären sie der siebtgrößte Emittent weltweit! Die Industrie entzieht sich ihrer Klimaverantwortung erfolgreich mit dem Argument, dass eine Ausweitung der Produktion zur Sicherung der Lebensmittelversorgung notwendig ist. Der enorme politische Einfluss, den die Branche weltweit hat, fördert weiterhin eine produktionssteigernde industrielle Landwirtschaft , die weder auf die Umwelt noch das Klima Rücksicht nimmt. In ihrem Artikel Die Fleischseite des Klimawandels schildert Shefali Sharma (IATP), warum eine Eindämmung der Emissionen durch die Fleisch- und Milchindustrie dringend nötig ist und wie die ersten Schritte aussehen könnten. Das gemeinsam von IATP, GRAIN und der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichte Fact Sheet zur überdimensionalen Klimabilanz der Fleisch- und Milchgiganten präsentiert die Zahlen und Fakten in Infografiken.

 

 

 

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Neue Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und des ECCHR: Tricky Business – Der Wettlauf um Ressourcen bedroht Demokratie und Menschenrechte weltweit

8 Dezember, 2017 - 11:35

In einem beispiellosen, globalen Wettlauf um Ressourcen sind Wasser, Land, fossile, und mineralische Rohstoffe sowie genetische Ressourcen aller Art begehrt wie nie. In diesem Wettlauf setzen Regierungen und Unternehmen ihre Interessen rücksichtlos durch, die Beteiligungsrechte und grundlegenden Menschenrechte von Bürgerinnen und Bürgern bleiben auf der Strecke, zivilgesellschaftliches Engagement werden massiv eingeschränkt. Das belegt die Studie „Tricky Business: Space for Civil Society in Natural Resource Struggles„, die die Heinrich-Böll-Stiftung und das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) heute veröffentlicht haben. Rechtsstaatliche Verfahren sowie gesetzlich verankerte Umwelt- und Sozialstandards werden, so die Studie, zur Durchsetzung von Investitionsinteressen außer Kraft gesetzt. Rohstoffbasierte Entwicklungsstrategien von Staaten und Investitionen von Unternehmen folgen immer häufiger einem vergleichbaren Muster: Entgegen internationaler und nationaler Rechts- und Verfassungsgarantien werden der Zugang zu Informationen verweigert, gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsprozesse zu Scheinkonsultationen degradiert, Aktivistinnen und Aktivisten kriminalisiert und mit Klagen überzogen. Bürgerinnen und Bürger sowie zivilgesellschaftliche Organisation, die ihre Rechte gegen Ressourcenvorhaben verteidigen wollen, werden Opfer von massivem direkten oder indirekten Druck, gezielter Diffamierung und offener privater oder staatlicher Repression bis hin zum Mord.

Die Autor/innen der Studie, Dr. Carolijn Terwindt und Dr. Christian Schliemann vom ECCHR, recherchierten und interviewten Expertinnen und Experten in Indien, Mexiko, Südafrika und den Philippinen. Die Studie nimmt Muster und Dynamiken in den Einschränkungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Aktivistinnen und Aktivisten in den Blick, die gegen Landraub und Umweltzerstörung protestieren, sich für Umweltschutz und gerechte Ressourcennutzung einsetzen und Mitsprache einfordern. Das Papier formuliert zudem eine Reihe von Empfehlungen für Strategien zur Verteidigung und Rückeroberung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume.

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung:

„Weltweit werden zugunsten der Interessen von Investoren rechtsstaatliche Garantien, Beteiligungsrechte der Bevölkerung, Umwelt- und Sozialstandards zurückgedrängt und Menschenrechte verletzt. Das ist ein beispielloser Verlust demokratischer Mitsprache; ein transparentes Aushandeln von Interessen wird so unmöglich. Die betroffene Bevölkerung wird ausgeschlossen, demokratisch legitimierte Institutionen ebenso wie Parlamente“, sagte Unmüßig. „Die Verantwortung für Rechtsverlust und Demokratieabbau liegt jedoch nicht nur bei den nationalen und lokalen Institutionen: gerade die im Ressourcensektor global agierenden Unternehmen wie auch die Staaten aus denen die Unternehmen kommen, haben hier Schutzpflichten. Sie müssen wirksame Kriterien und Mechanismen zum Schutz von Rechten weltweit etablieren.“, so Unmüßig weiter.

Wolfgang Kaleck, Generalsekretär des ECCHR sagte:

„Die Studie zeigt, auf welche Gegenstrategien die Betroffenen eines rücksichtlosen Ressourcenabbaus setzen. In erster Linie geht es um die juristischen Mittel und Wege, die zivilgeschäftliche Akteurinnen und Akteure nutzen, um gegen um gegen Einschränkungen und Repressionen vorzugehen. Die Partizipationsmöglichkeiten und Zustimmungserfordernisse betroffener Gemeinden müssen ernst genommen werden. Regierungen und Unternehmen müssen für die negativen Folgen des Ressourcenabbaus und die Einschränkungen zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume zur Verantwortung gezogen werden. Die Studie belegt, dass rechtliche Mittel auch unter schwierigeren Bedingungen und in den unterschiedlichen Justizsystemen ein möglicher Weg sind, sich gegen Kriminalisierung und Beschränkung bürgerlicher politischer Rechte zur Wehr zu setzen. Nicht zuletzt muss auch das Recht hinterfragt werden, das diese Art von Ressourcenabbau legitimiert“, so Kaleck.

Download der Studie (Englisch) sowie des Vorworts und der Zusammenfassung (Deutsch).

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The Big Bad Fix – The Case Against Geoengineering

6 Dezember, 2017 - 09:58

Heute lancieren wir unsere großen Geoengineering-Report: The Big Bad Fix – the case against geoengineering, den wir als Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit ETC Group und Biofuelwatch herausgeben.

Und er macht hoffentlich klar: Bei diesem Thema geht es um weit mehr als um Klimapolitik, nämlich um die großmaßstäbliche Manipulation von Klima- und Erdsystemen. The Big Bad Fix warnt vor dem Trend, dass Geoengineering zunehmend als realistische Option im Rahmen radikaler Klimaschutzmaßnahmen diskutiert und so auch immer mehr öffentliche Akzeptanz erfährt. Die Treiber hinter der ‚Normalisierung‘ dieser Debatte werden ebenso beleuchtet wie die vorgeschlagenen Technologien selber. Außerdem beschreibt die ausführliche Analyse die Gefahren einer Militarisierung und potentiellen Nutzung von Geoengineering für militärische Zwecke.

Das macht The Big Bad Fix zu einem Must Read für alle Klimaaktiven, Friedensbewegten, Transformationsakteur/innen und kritischen Wissenschaftler/innen. Er soll sowohl Einführung als auch Nachschlagewerk zum Thema sein und ergänzt damit als umfassender und aktueller Bericht andere kritische Informationsquellen und Materialien, so z.B.

GeoengineeringMonitor.org – eine kritische zivilgesellschaftliche Plattform zum Thema, die aktuelle Analysen, Hintergrundinformationen und einen regelmäßigen Newsletter bietet

Die interaktive Weltkarte zu Geoengineering Experimenten und Projekten

Das Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema Geoengineering

Und für eine grundsätzliche Kritik an technologischen Lösungen von sozial-ökologischen und politischen Problemen empfehle ich Efficiency and Madness – Using Data and Technology to Solve Social, Environmental and Political Problems, einen Essay, der in Zusammenarbeit mit dem Tactical Technology Collective entstanden ist.

Wir lancieren The Big Bad Fix am Rande der UNEA3 in Nairobi, dem höchsten umweltpolitischen Entscheidungsgremium der UN, und im Vorfeld der technischen Zwischenverhandlungen der UN-Biodiversitätskonvention CBD in Montreal. Denn die CBD ist eines der ganz wenigen internationalen Gremien, das sich explizit mit der Regulierung riskanten Zukunftstechnologien befasst. Darunter zählt z.B. die Synthetische Biologie (darunter auch die Gene Drive Technologie), aber auch das Thema Geoengineering. So hat die CBD bereits 2010 ein de-facto Moratorium auf alle Geoengineering-Technologien beschlossen und diese Entscheidung immer wieder (und zuletzt 2016) bekräftigt.

Hier ein paar Hinweise darauf, wie wichtige Akteur/innen aus der Zivilgesellschaft The Big Bad Fix einordnen:

“Geoengineering is a dangerous and risky distraction from real solutions to the climate crisis. We need a complete transformation of our energy systems, food systems and economic systems. But powerful vested economic interests are desperate to divert our attention from system change, and from radical emissions reductions needed at the source. Friends of the Earth International rejects large-scale geoengineering as an unproven technology which could lead to land or resource grabbing and dispossession of local communities. This report is important reading for all of us concerned about the impacts of geoengineering and what can be done about it.”

Karin Nansen, REDES-AT Uruguay, Chair of Friends of the Earth International

 

“It is unacceptable that while nations suffer the brutal impacts of climate change, profitdriven corporations plan to colonize the sky through geoengineering and lock in climate inaction. The world must be weaned from fossil fuels, cut emissions at the source and not permit any manipulation of the climate that has the potential to pile more harm on Africa and other territories. This report is excellent to understand the real aims of geoengineering and should be required reading for all climate justice activists.”

Nnimmo Bassey, HOME Foundation, Nigeria

 

“As Indigenous Peoples, we are unified in our opposition to all forms of geoengineering. As human beings, we are entirely dependent upon our respectful relationship with the natural world. We are now faced with the consequences of the exploitation of the natural world that threaten the future existence of all life on Mother Earth. Our Indigenous traditional teachings, lifestyles, spirituality, cultures and leadership of our people has sustained us for millennia and will do so for countless future generations but only if the world adheres to the Natural Laws of Creation and the Precautionary Principle. Geoengineering acts against all of those.”

Tom BK Goldtooth, Indigenous Environmental Network, USA

Inhaltlich fordert The Big Bad Fix ein radikales Umdenken. Was wir brauchen:

A radical realism: What is urgently needed is to challenge the root causes of climate change and infuse an alternative approach with a radical realism. The causes of climate change are widely known and the primary cause is a carbon-oil-addicted civilization with its industrial systems of mass production and mass consumption. A phase-out of existing fossil fuel infrastructure for coal, oil and gas exploitation must get underway immediately if we are serious about confronting climate change and protecting the future for our children and grandchildren. One of the most promising radical alternatives is in fact, not an an “alternative,” but a reality hidden in plain sight: the peasant food web – made up of peasants, pastoralists, urban gardeners, fisherwomen and fishermen – which is able to feed 70% of the world’s population with less than 25% of the land, water and resources. Their work cools the Earth at the same time. The industrial food system uses more than 80% of the land, fuel and resources, and is the largest emitter of greenhouse gases on the planet.

Resist the normalization of geoengineering: Rejection and dismissal are the overwhelming responses of most peoples and governments when they are given basic information about the mechanisms of geoengineering. Geoengineering’s risks – too many and too high – render it unacceptable. Nonetheless, through the usual channels – media, the academy, powerful governments with the luxury, means and hubris to throw their weight around – geoengineering is undergoing “normalization,” where it has become a climate-change response option instead of what it is: a lurid set of proposals, which, if realized, could devastate ecosystems and communities. Even if the deep transformations required from our economies and societies to allow for a climate-just 1.5°C world represent a major political challenge, geoengineering does not constitute a viable alternative. There are political, social, cultural, economic, ethical, moral, intergenerational, rights-based (the rights of women, workers, indigenous peoples, peasants) reasons to oppose it, and that make it a false solution. Geoengineering distracts policymakers from the urgency to support viable alternatives.

Maintain and reinforce the moratoria: The decisions at the Convention on Biological Diversity that established a de facto moratorium on geoengineering, as well as the London Convention/London Protocol’s decision to ban ocean fertilization and marine geoengineering, are crucial and must be maintained and reinforced. It will depend on responsible governments and civil society to continue defending and advancing these decisions, and urging other national governments to honor them. Both landmark decisions signaled the need for a strict, precautionary approach to geoengineering. Any policymaking forum or private sector discussion of geoengineering must be guided by the CBD moratorium, a decision taken by consensus of 193 governments. Discussions that try to advance geoengineering outside this framework are an explicit or implicit undermining of the notion that we need to have informed, multilateral, democratic and transparent governance frameworks for geoengineering technologies – including the possibility of a ban on some or all them. Certainly, other UN bodies, principally the General Assembly, should discuss the broad implications of geoengineering and could consider a ban or other measures to pre-empt action that could bring about greater climate inequities and/or negative environmental and health impacts.

Stop open-air experiments: Geoengineering “experiments” are an oxymoron. To have a significant impact on the global climate, they would need to be so large and sustained over such a prolonged period of time that they could no longer be called experiments. Experiment and deployment would be indistinguishable, and the impacts and side effects could not be recalled. “Small scale,” open-air experiments will not provide useful knowledge about the effects of deployment on climate, but may be useful to test hardware and to establish a “proof of principle” that could encourage governments to invest in a particular technology without a necessary and full prior societal debate, and in the absence of an essential, internationally agreed framework for governance. Furthermore, any experiment that is not done “for scientific purposes” and “in a controlled setting,” among other conditions, violates the CBD moratorium. All open-air SRM experiments, for example, are by definition not carried out in controlled settings and pose a risk of affecting other territories. Outdoor experiments (like SCoPEx) cross a political red line, and should not be allowed to move ahead.

Work for a ban: There are many arguments for banning un-proven, un-testable geoengineering technologies, but the risk of weaponization – with the potential to bring greater disruption to the global climate – is of great concern, and the possibility cannot be ignored by the United Nations. Geoengineering’s inherently dual-use nature – like weather modification before it – should be enough for the UN to consider adopting a ban on all or some geoengineering technologies.

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Die Gene Drive Files – interne Emails belegen gezielte Lobbystrategie zur Unterminierung eines UN-Prozesses zur Regulierung dieser gefährlichen Biotechnologie

4 Dezember, 2017 - 11:01

Die Bill and Melinda Gates Foundation hat eine PR Firma damit beauftragt, heimlich einen wichtigen UN Prozess zum Thema Synthetische Biologie zu unterwandern. Mehr als 1200 Emails – Dokumente, die über das Informationsfreiheitsgesetz in den USA (Freedom of Information requests) offengelegt wurden, die sogenannten Gene Drive Filesbelegen, dass die Bill and Melinda Gates Foundation eine private Agrar- und Biotech-PR-Firma bezahlt hat, um eine undercover „advocacy coalition“ zu leiten, die zum Ziel hatte, den einzigen UN Prozess zu unterminieren, der sich explizit mit der möglichen Regulierung der Gene Drive Technologie befasst.

Was sind Gene Drives?

Gene Drives verkörpern das neue Grenzland der Gentechnik, der synthetischen Biologie und des Gene Editings. Die Gene Drive Technologie schaltet die normalen Regeln genetischer Vererbung aus und sorgt dafür, dass ein bestimmtes Merkmal, das von Menschen mittels Gene-Editing-Technologie in die DNA eines Organismus eingeführt wurde, sich auf alle kommenden Generationen verbreitet und so die Zukunft der gesamten Spezies verändert. Gene Drives sind damit ein biologisches Instrument sehr großer Wirkungsmacht. Ein Vorschlag zielt darauf ab, Gene Drives zur Ausrottung von Mückenarten zu verwenden, die Malaria verbreiten – so zum Beispiel im Target Malaria Projekt, das von der Gates Stiftung finanziert wird. Ein anderer propagierter Plan der Organisation Island Conservation sieht vor, invasive Arten auf bestimmten Inseln ausrotten, indem man dort genveränderte Mäuse aussetzt. Diese Mäuse sollen verhindern, dass die dortigen Mäuse weibliche Nachkommen haben. Die Erschaffung der „tochterlosen Maus“ wäre der erste Schritt auf dem Weg zur genetischen Kontrolle invasiver Nagetiere.

Gene Drives bedeuten nicht nur ein großes Biosicherheitsrisiko bei der Forschung oder möglichen Anwendung, die auf die Veränderung ganzer Arten und Ökosysteme setzt, sondern werfen große Fragen auf, wenn es um die Patentierung und auch um die eventuelle Nutzung als potente biologische Waffen geht.

Mehr zu Gene Drives:

Die Gefahren geplanter Ausrottungen von Claire Hope Cummings

Reckless Driving: Gene drives and the end of nature (Briefing der Civil Society Working Group on Gene Drives)

Offener Brief für Naturschutz mit Gewissen: Kein Platz für Gene Drives

Die Gene Drive Files belegen auch ähnliche Bemühungen einer anerkannten Biotech-Lobbygruppe zur Beeinflussung von Regierungsvertreter/innen aus Kanada, Großbritannien, Brasilien, USA und den Niederlanden im selben UN Prozess.

Die CBD und Synthetische Biologie

Gene Drives bergen weitreichende ökologische und soziale Gefahren, weshalb sich zu Beginn der COP 13 der UN Biodiversitätskonvention in Cancun im Dezember 2016 mehr als 170 Gruppen, darunter auch die Heinrich-Böll-Stiftung, für ein Moratorium ausgesprochen hatten. Aber auch die Pro-Gene-Drive-Lobby war in Cancun sehr präsent und aktiv. Nur sehr wenige Länder – darunter aber immerhin die gesamte Africa-Group (bis auf wenige Ausnahmeländer innerhalb Afrikas, die sehr gentechnikfreundlich sind, z.B. Kenia) – traten als Champions für das Thema auf und bestanden darauf, das Vorsorgeprinzip der CBD explizit auf Gene Drives zu beziehen. Bis zum Schluss wurde daher um einen Kompromiss gerungen. Im Ergebnis fordert die COP 13 alle Regierungen dazu auf, in Bezug auf Gene Drives das Vorsorgeprinzip sehr streng und sehr genau anzuwenden. Das bedeutet, dass es keine Freilassung von Gene Drives geben darf, ohne dass adäquate Risikobewertungen und Risikomanagementsysteme etabliert sind. Das kommt einem De-Facto-Moratorium schon ziemlich nahe – auch wenn es noch Schlupflöcher für die Interpretation lässt. Die Debatte um Gene Drives im Rahmen der CBD ist Teil der Verhandlungen zur Regulierung der synthetischen Biologie.

Was ist synthetische Biologie?

Als synthetische Biologie bezeichnet man die nächste Generation von Biotechnologien, die versuchen, Lebensformen – auch auf der genetischen Ebene – zu entwickeln, zu verändern, neu zusammenzusetzen und sogar künstlich zu erzeugen. Die synthetische Biologie geht weit über die erste Generation „transgenetisch“ veränderter Organismen hinaus. Für 2020 wird ihr Marktwert auf fast 40 Mrd. USD geschätzt, da die industrielle Aktivität in synthetischer Biologie geradezu explodiert, weil neue Instrumente zur Veränderung von Erbgut und kostengünstigere DNA-Synthesen eine genetische Neugestaltung oder Veränderung von biologischen Organismen vereinfachen und beschleunigen. Zu den bereits auf dem Markt erhältlichen aus synthetischer Biologie stammenden Produkten gehören biosynthetisierte Varianten von Geschmacksstoffen, Düften, Brennstoffen, Pharmaka, Textilien, Industriechemikalien sowie Inhaltsstoffe von Kosmetika und Nahrungsmitteln. Für die nächste Generation synthetisch hergestellter (einschließlich „genomeditierter“) Feldfrüchte, Insekten und Tiere zeichnet sich bereits eine kommerzielle Nutzung ab.

Wie genau sieht die Lobbystrategie der Gates Stiftung aus?

Die Gene Drive Files, also die Emails, die Prickly Research durch das Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, legen offen, dass eine Privatfirma namens „Emerging Ag“ Geld von der Bill and Melinda Gates Foundation erhalten mit folgenden Ziel: „Fight back against gene drive moratorium proponents“. Zu diesen Vertreter/innen des Moratoriums gehört neben vielen anderen auch die Heinrich-Böll-Stiftung.

Im Namen eines Projektes, das sich „Gene Drive Research Sponsors and Supporters coalition“ nannte, rekrutierte Emerging Ag heimlich 65-66 angeblich unabhängige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Beamte, um sie in eine online Expertengruppe einzuschleusen, das UN CBD Online Forum on Synthetic Biology. Dieses Gremium sollte sich unter anderem mit dem Thema Gene Drives befassen. Die CBD ist aktuell der einzige multilaterale UN Prozess, der sich überhaupt damit befasst. Emerging Ag hat seine „Freiwilligen“ gut gebrieft und sie mit täglichen Instruktionen versehen, wie sie das online Forum beeinflussen sollten.

Zu denjenigen, die diese Aktion von Emerging Ag koordinierend begleitet haben, gehört ein leitender Angestellter der Gates Foundation und mindestens drei Mitglieder eines UN Expertenkommittees, das ebenfalls mit dem online Prozess verknüpft ist, die AHTEG (Ad Hoc Technical Expert Group) on Synthetic Biology. Zwei von denjenigen, die ebenfalls AHTEG Mitglieder sind (Todd Kuiken von der North Carolina State University und Paul Freemont vom Imperial College London) repräsentieren Institutionen, die zusammen genommen mindestens $100 Millionen Finanzierung seitens des amerikanischen Militärs und philanthropischer privater Stiftungen erhalten haben, um explizit Gene Drives zu entwickeln und zu testen.[1]

Der AHTEG on Synthetic Biology trifft sich erneut am 5. Dezember 2017 in Montreal und soll – basierend auf den Ergebnissen des online Forums – Regulierungsempfehlungen für Regierungen erarbeiten. Es steht zu erwarten, dass Gene Drives in diesem Kontext eine wichtige Rolle spielen werden.

Die offengelegten Dokumente belegen auch, dass Emerging Ag mit der Biotech Lobygruppe Public Research and Regulation Initiative (PRRI) zusammengearbeitet hat, die eine ähnliche Aktion der Einflussnahme unternommen haben. Die Operation von PRRI wird detailliert in Emails beschrieben, die ein Vertreter der kanadischen Regierung erhalten hat, der auch Mitglied im AHTEG ist. In diesen Emails spricht PRRI über eine „backup operation“ für „like-minded“ Regierungs- und Industrieexperten, die im AHTEG sitzen. Die Email legt nahe, dass Regierungsvertreter/innen aus Kanada, USA, Brasilien und den Niederlanden im Hintergrund während nicht-öffentlicher Verhandlungen aus der Ferne von PRRI instruiert und beraten wurden. Es sieht danach aus, dass die „Gene Drive Research Sponsors and Supporters Coalition“ angeboten hat, das US Department of Agriculture zu kontaktieren, um weitere Finanzierung für PRRI Aktitivitäten zu erhalten.

Aber das ist nicht alles: Die Gene Drive Files belegen ebenfalls eine führende Rolle des US-amerikanischen Militärs bei der Entwicklung der Gene Drive Technologie.

Die Daten, die Prickly Research vorgelegt hat, belegen, dass DARPA (US Defense Advanced Research Projects Agency) circa $100 Millionen für die Erforschung von Gene Drives ausgegeben hat. Das sind $35 Millionen mehr als zuvor bekannt. Damit ist DARPA der weltweit größte Förderer dieser gefährlichen Technologie.[2] Die Emails belegen auch, dass DARPA alle wichtigen Player in diesem Feld entweder finanziell unterstützt oder sich mit ihnen abstimmt.

Und die Finanzierung findet nicht nur in den USA statt. DARPA finanziert ebenfalls Gene Drive Forschung in Australien (u.a. eine australische Regierungsbehörde, CSIRO) und in Großbritannien. Die Dokumente legen zudem ein hohes Interesse und Aktivitäten anderer Sektionen des US-amerikanischen Militär- und Geheimdienstbehörden offen.

Monsanto & Gene Drives

Ein besonders brisantes Detail ist die Verbindung von Monsanto mit diesem Thema: Die Gene Drive Files zeigen, dass die geheime JASON group (bestehend aus Beratern des Militärs) in diesem Jahr eine unter Verschluss gehaltene Studie zu Gene Drives produziert hat. Dieser Report baut auf einem früheren JASON Report von 2016 auf, der sich mit dem Thema „genome editing“ befasst – über den aber bisher noch nicht öffentlich berichtet wurde, obwohl er anscheinend auf großes Interesse innerhalb der amerikanischen Regierung stieß.

Die 2017er Studie der JASON group zu Gene Drives befasst sich mit „“potential threats this technology might pose in the hands of an adversary, technical obstacles that must be overcome to develop gene drive technology and employ it ‘in the wild’, and understanding of the expertise and resources that would be required to advance the technology. The study will focus on what might be realizable in the next 3-10 years, especially with regard to agricultural applications.”

Die JASON Studie wurde im Juni 2017 bei einem Treffen von ausgewählten Gene Drive Forschern initiiert. Und genau bei diesem Treffen gab der Vice President of Global Biotechnology von Monsanto eine Präsentation zum Thema „crop science and gene drives“. Das ist so bemerkenswert, da es der erste konkrete Nachweis für das Interesse von Monsanto an Gene Drives ist.

Warum interessiert sich Monsanto für die Gene Drives Technologie?

Unsere Studie Outsmarting Nature von 2016 stellt fest: Gene Drives werden auch erforscht, um sie ggf. in der Landwirtschaft anzuwenden. Die Idee ist es, mit Hilfe der Gene Drive Technologie die Pestizid- und Herbizidresistenz von Unkraut rückgängig zu machen, die sich im Laufe der Zeit unter stetiger Anwendung einstellt und so das Business Modell von Monsanto und anderen großen Agrarkonzernen auch mittelfristig aufrecht zu erhalten.

Wie sich die Gene Drive Forscher mit Händen und Füßen gegen eine Verbindung mit dem Militär wehren

Aus den vorliegenden Dokumenten ergeben sich offene Fragen, was die Beziehung zwischen DARPA und einem der prominenten Projekte zum Thema Gene Drives gibt: Target Malaria.

Target Malaria will seine Gene Drives in Afrika anwenden und bemüht sich stark zu betonen, dass es hier keine militärische Agenda gebe. Aber nun legen Emails von DARPAs Safe Genes Manager Renee Wegryzn nahe, dass Target Malaria Mitarbeiterin Andrea Crisanti auch eine wichtige Rolle in dem Safe Genes Projekt von DARPA spielt.

Eine Verbindung zum Militär ist den Gene Drive Forschern jedenfalls alles andere als lieb. Das gilt nicht nur für Target Malaria, sondern u.a. auch für Island Conservation.

Die Gene Drive Files belegen ausführliche „recommended strategy and talking points“, vorbereitet durch Heath Packard, Island Conservation und GBIRD Public Relations Vertreter, der sich Sorgen macht über mögliche öffentliche Kritik durch die DARPA Finanzierung: “knowing that the U.S. Dept. of Defense has obviously concluded that it will be used for nefarious (dual-use) purposes, maybe against our own people?” Er empfiehlt seinen Gene Drives Forschern, die guten Intentionen des Teams zu betonen, sich auf die DARPA Finanzierung von Internet und GPS in der Vergangenheit zu beziehen und auf schwierige Fragen abweichend zu antworten.

About the Gene Drive Files:

Die Gene Drive Files sind hier öffentlich zugänglich: https://genedrivefiles.synbiowatch.org

Hintergrund:

Die sogenannten Gene Drive Files legen offen, dass die PR-Agentur „Emerging Ag“ von der Bill and Melinda Gates Foundation Finanzmittel in Höhe von 1,6 Millionen US-Dollar mit folgender Zielsetzung erhielt: „Fight back against gene drive moratorium proponents“. Zu diesen Vertreter/innen des Moratoriums über den Einsatz von Gene Drives gehört auch die Heinrich-Böll-Stiftung selbst. Die Agentur hat verdeckte Lobby-Interventionen finanziert und koordinierte, um die UN-Experten-Diskussion zu beeinflussen. Die von Prickly research veröffentlichten emails belegen zudem, dass die US-Forschungsagentur für Verteidigung DARPA (US Defense Advanced Research Projects Agency) circa $100 Millionen für die Erforschung von Gene Drives ausgegeben hat. Das sind $35 Millionen mehr als zuvor bekannt. Damit ist DARPA der weltweit grüßte Förderer dieser Technologie.

Analysen: Die Inhalte von zentralen Dokumenten sind in folgenden Texten hervorgehoben:

Gene Drive Files Expose Leading Role of US Military in Gene Drive Development

Gates Foundation paid PR firm to secretly stack UN Expert process on controversial extinction technology

Addressing conflict of interest issues in the CBD, its Protocols and subsidiary bodies

 

Hier ist die Pressemitteilung von Testbiotech zum Thema: Gates-Stiftung lobbyiert für Einsatz von Gentechnik-Mücken mit ‚Gene Drive‘.

[1] The Gene Drive Files show that the 2 following appointed members of the Ad Hoc Technical Expert Group on Synthetic Biology also took a central active role in recruitment and strategy for the “Gene Drive Research Sponsors and Supporters coalition”: Todd Kuiken (North Carolina State University) and Bob Friedman of the J Craig Venter Institute. Additionally, Paul Freemont of Imperial College London recurs several times as an active participant in the advocacy coalition activities and is also a member of the AHTEG on Synthetic Biology. Professor Freemont’s institution (Imperial College, London) hosts both the Target Malaria coalition and provides office space for the Vice President of Strategy for Emerging Ag, Isabelle Cloche. Todd Kuiken of North Carolina State University is a key player in the GBIRd Gene Drive consortium which received $6.4 million to develop gene drive mice for field release. Imperial College, London (at which Paul Freemont is a professor) receives at least $92.5 million US dollars of philanthropic funds to support the Target Malaria Gene Drive project. The GBIRd (Genetic Biocontrol of Invasive Rodents) consortium of which Todd Kuiken is a key member receives $6.4 Million U.S. for gene drive development from the US military. (Quelle: http://genedrivefiles.synbiowatch.org/2017/12/01/gates_foundation_pr/)

[2] The other known major investors in gene drives are the Bill And Melinda Gates Foundation in conjunction with the Federal National Institutes of Health (FNIH) who have invested $75 million into Target Malaria Consortium, Tata Trusts which made a $70 million donation to UC San Diego to establish a center of research on gene drives and ‘active genetics,’ the Open Philanthropy Project which provided $17.5 million to Project Malaria and just over $1.2 million to FNIH, and The European Union which grants 1.5 million Euros to Target Malaria researchers. (Quelle: http://genedrivefiles.synbiowatch.org/2017/12/01/us-military-gene-drive-development/)

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UNEA 3 – Startschuss für ein internationales Plastikabkommen?

3 Dezember, 2017 - 22:24

Von Lili Fuhr (Heinrich-Böll-Stiftung) und Nils Simon (adelphi research)

Vom 4. bis 6. Dezember tagt in Nairobi, Kenia, zum dritten Mal die Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA3). Übergreifendes Thema dieses wichtigen Gremiums sind die Verschmutzung („Pollution“) und ihre Folgen für Umwelt und menschliche Gesundheit. Es wird erwartet, dass UNEA 3 eine Minister/innen-Erklärung verabschieden, die mit dem Titel „Towards a Pollution-Free Planet“ etwas großspurig daherkommt, aber recht eindrücklich das Ausmaß der weltweit seit Jahren rasant zunehmenden Umweltverschmutzung zusammenfasst. Die Delegierten werden voraussichtlich ein Dutzend Resolutionen beschließen und das Arbeitsprogramm für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UN Environment) der nächsten anderthalb Jahre festlegen.

Was ist die UNEA?

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UN Environment), gegründet 1972, ist ein Unterorgan der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA). Im Nachgang des Rio+20-Gipfels 2012 wurde der Verwaltungsrat (Governing Council) aufgewertet und hat nun die universelle Mitgliedschaft aller UN-Mitgliedstaaten. Außerdem wurde das Entscheidungsgremium umbenannt in UN-Umweltversammlung (UN Environment Assembly, UNEA). Die erste UNEA fand im Juni 2014 und die zweite im Mai 2016 statt, jeweils in Nairobi, dem Sitz des Umweltprogramms. Die behandelten Themen waren ausgesprochen vielseitig, von Luftreinhaltung über die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Biodiversitäts-Abkommen, die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik, bis hin zu Chemikalien in der Umwelt und Müll im Meer wurden viele bedeutende Themen der Umweltpolitik behandelt und in Resolutionen gegossen. Dazu wurden Studien in Auftrag gegeben, das Arbeitsprogramm des Umweltprogramms und dessen Finanzierungsrahmen beschlossen. Wie früher der Verwaltungsrat, so kann auch die Umweltversammlung den Startschuss für Verhandlungen über völkerrechtlich verbindliche Abkommen erteilen.

Ein zunehmend dramatischer werdendes Problem, das auch auf der UNEA 3 ein großes Thema sein wird, ist die Verschmutzung unserer (vor allem marinen) Ökosysteme mit Plastikmüll. Jährlich werden global 322 Millionen Tonnen Plastik produziert, fast vier Prozent davon, nämlich bis zu 13 Millionen Tonnen, landen im Meer – eine gewaltige Menge (für mehr Infos: Meeresatlas).

Ein Team unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat vor Kurzem in einer Studie veröffentlicht, dass die Quellen dieser globalen Belastung sehr ungleich verteilt ist. Zehn Flusssysteme – acht in Asien und zwei in Afrika – befördern bis zu 95 Prozent des weltweit über Flüsse ins Meer gelangenden Plastikeintrags. Auf Platz eins steht der Jangtse, gefolgt vom Indus und dem Gelben Fluss, aus Afrika stehen der Nil und der Niger auf der unrühmlichen Top Ten.

Unter dem Plastikmüll leiden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Für über 1.500 Spezies hat das LITTERBASE-Projekt des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) Beeinflussungen durch Meeresmüll gefunden. Dabei sind größere Plastikteile, sogenanntes Makroplastik, gefährlich, weil sich viele Tiere darin verfangen und ersticken können, oder sie verwechseln sie mit Futter und verhungern langsam, weil sich in ihren Mägen mehr und mehr unverdauliche Plastiktüten ansammeln. Je länger das Plastik in der Umwelt bleibt, in umso kleinere Teile wird es zerrieben. Dieses Mikroplastik richtet dann Schäden vor allem in kleineren Lebewesen an. Doch entlang der Nahrungskette werden diese Partikel weitergereicht, und am Ende landen sie bei uns Menschen auf den Tellern.

Das Plastikmüll-Thema ist inzwischen im breiten Mainstream der umweltpolitischen Debatte angekommen. Und angesichts der Tatsache, dass alle bisherigen Maßnahmen von der nationalen bis zur globalen Ebene zwar hilfreich sein mögen, aber am Ende doch zu kurz greifen, mehren sich die Rufe nach einem internationalen Abkommen. Wie eine von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebene, in Zusammenarbeit mit adelphi entstandene Studie aufzeigt, ist die bisherige Governance-Landschaft nicht in der Lage, den Plastikmüll dort wirksam zu regulieren, wo er entsteht – also an Land. Es braucht ein Abkommen, in dem das Ziel von Null-Plastikverschmutzung völkerrechtlich verankert wird, und das im Idealfall gleich die weltweite Produktion von Plastik begrenzt und langfristig deutlich reduziert.

Auf der UNEA 3 fordert dies unter anderem das Break Free From Plastic-Netzwerk (BFFP) und mit ihm eine ganze Reihe von NGOs, darunter das European Environmental Bureau (EEB), Zero Waste Europe, die Plastic Pollution Coalition, die Global Alliance for Incinerator Alternatives (GAIA) und nicht zuletzt auch die wichtigen Dachgruppe der NGOs, der Frauen, aus Wissenschaft und Technik und der Jugend bei der UNEA (NGO; Women; Science and Technology; Children and Youth Major Group).

Könnte UNEA 3 den Startschuss für Verhandlungen zu einem internationalen Plastikabkommen liefern?

Vieles spricht dafür, jedoch ist der Weg noch lang. Geplant ist, dass wie bereits bei den beiden vorherigen Sitzungen auch auf der UNEA 3 eine Resolution zum Thema Plastik verabschiedet wird. Hierin müsste die UNEA beschließen, eine Arbeitsgruppe einzurichten und ihr das Mandat zu geben, alle Optionen zu diskutieren. Hierzu würde dann auch ein neues und verbindliches internationales Abkommen zählen. Erst auf der UNEA 4 im Mai 2019 könnte frühestens der Startschuss für eine Verhandlungsgruppe (Intergovernmental Negotiating Committee, INC) gegeben werden, welche den Text für eine Plastik-Konvention aushandeln würde.

Besorgniserregend ist, dass sich die aktuelle Debatte im Vorfeld von UNEA 3 – vor allem seitens der Regierungen und Unternehmen – auf eine starke Engführung der Problematik konzentriert, nämlich auf das Problem von Plastikmüll und vor allem Mikroplastik im Meer. Die Verschmutzung der Ozeane und Strände mit Plastik und Mikroplastik ist das sichtbare Problem. Dabei muss es doch zentral darum gehen, die Ursachen der Plastikvermüllung an Land anzugehen!

Wo kommt das Plastik denn her? Wer produziert es? Und warum gibt es davon so viel?

Mehr als 99 % des globalen Plastiks sind ein Nebenprodukt der Herstellung fossiler Rohstoffe, vor allem von Erdöl und Erdgas. Da die Produktion dieser Brennstoffe regional stark konzentriert ist, gilt dies auch für die globale Plastikproduktion. So treibt beispielsweise der Fracking-Boom in den USA einen regelrechten Plastikhype an. Und der Markt ist hochkonzentriert: Naphta ist ein Schlüsselprodukt aus der Erdölproduktion. Nur fünf Unternehmen – BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und China National Petroleum Corporation – verzeichnen mehr als die Hälfte der globalen Naphta-Verkäufe! Große Öl- und Gasunternehmen besitzen Plastikfabriken und großen Plastikunternehmen gehören Anteile an Öl- und Gaskonzernen.

Diese und andere Fakten, kenntnis- und detailreich vom Center for International Environmental Law (CIEL) in der Serie „Fueling Plastics“ zusammengetragen, machen klar, dass es beim Plastikthema nicht (nur) um die Rettung armer Meerestiere oder die Säuberung von Touristenstränden geht, sondern um das Eindämmen starker Partikularinteressen mächtiger transnationaler Konzerne. Die Lösung der Plastikkrise ist eng verknüpft mit der Lösung anderer globaler Umweltkrisen, allen voran der Klimakrise.

Welchen positiven Klimaeffekt eine Null-Abfallstrategie haben kann, belegen diese Beispiele: Schon 2010 wurden rund 160 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr in den 27 EU-Ländern allein durch Recycling eingespart. Die Abfallziele im Kreislaufwirtschaft-Konzept der Europäischen Kommission könnten zusätzlich jedes Jahr 190 Millionen Tonnen CO2-Emissionen in der EU einsparen – das entspricht den gesamten jährlichen Emissionen der Niederlande. Die Umsetzung steht jedoch noch aus.

Anforderungen an ein internationales Plastikabkommen

Verhandlungen für ein internationales Plastikabkommen im Rahmen der UNEA müssen daher von Anfang an darauf ausgerichtet sein, die Ursachen und Haupttreiber der Plastikverschmutzung anzugehen. Wichtige Impulse aus Sicht der Zivilgesellschaft liefert für einen solchen umfassenden Ansatz aktuell vor allem die Break Free From Plastic Coalition.

Prinzipien und Ziele der Break Free from Plastic Coalition:

Unser oberstes Ziel ist eine Zukunft frei von Plastikverschmutzung.

Wir werden dafür arbeiten, Solidarität zwischen Menschen und betroffenen Gemeinden in der ganzen Welt zu schaffen, damit:

  1. Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise die planetarischen Grenzen einhält.
  2. Abfall an erster Stelle reduziert wird.
  3. Der Lebenszyklus von Materialien und Produkten, die wir benutzen von der Gewinnung bis zu Endnutzung, Recycling, Kompostierung und Entsorgung zur Gesundheit von Mensch und Planet beiträgt.
  4. Starkes gemeinschaftliches Handeln und Kooperationen zwischen Bürger/innen, Arbeiter/innen, Regierungen, Expert/innen und engagierten Unternehmen die gegenwärtigen und zukünftigen Entscheidungen über die Entwicklung von Materialien, Produktions- und Abfallsysteme lenken.
  5. Menschen, die informell Müll sammeln und recyceln, unterstützt werden, damit sie die Systeme, in denen sie arbeiten, verbessern und einen gerechten Übergang zu einer neuen und sicheren Materialwirtschaft mitgestalten können.
  6. Die Produzenten die Verantwortung für alle Kosten und Auswirkungen übernehmen, die während des Lebenszyklus ihrer Produkte und Verpackungen entstehen, und bessere Materialien und Systeme erfinden und neu gestalten.
  7. Plastikprodukte und -verpackungen, wo sie notwendig sind, wiederbenutzt, repariert, und wenn das nicht mehr möglich ist, recycelt und toxische Stoffe von der Produktion eliminiert werden.
  8. Keine neue Müllverbrennungsanlage gebaut und Erneuerbare-Energien -Zuschüsse für Plastik und Müllverbrennung abgeschafft werden. Darunter fallen Vergasung, Pyrolyse, Zementöfen und andere Müllverbrennungsanalagen mit Energiegewinnung.
  9. Bioabfälle an den Boden zurückgegeben werden und “Zero Waste” Systeme die Abhängigkeit von Mülldeponien und Müllverbrennungsanalgen verringern.
  10. Die Systeme, die wir aufbauen und die Materialen, die wir benutzen, den Klimawandel verlangsamen, anstatt ihn zu beschleunigen.

Und die im Rahmen von BFFP organisierte Zivilgesellschaft formuliert daher auch für UNEA 3 ganz klare Ziele:

  • Ein solches Abkommen braucht ein verbindliches globales Reduktionsziel, das durch einen Review-Mechanismus für Aktionspläne und klare Monitoringregeln gestärkt wird.
  • Es braucht klare Grenzen und Ziele für die Produktion und den Konsum von neu hergestelltem Plastik (sogenannten „virgin polymers“). Dabei geht es darum, die Plastikerstellung von der Förderung von Öl, Gas und anderen problematischen Rohstoffen zu entkoppeln, die mehrfache Nutzung und das Recycling zu fördern (auch durch anderes Design von Produkten) und die Annahme nationaler Maßnahmen und Regeln anzuregen.
  • Nötig sind hierfür globale Qualitätsstandards, die den Marktzugang für bestimmte Produkte erschweren bzw. verhindern.
  • Unterstützend bedarf es klarer Vorgaben und Maßnahmen für die Sammlung und das Recyceln der Materialien, inklusive einer erweiterten Produzentenverantwortung. Dabei gilt es, die unterschiedliche Verantwortung von Industrie- und Entwicklungsländern zu berücksichtigen sowie die Rechte und Einkommensmöglichkeiten der Arbeiter/innen (oft aus dem informellen Sektor) zu sichern.
  • Insgesamt müssen in einem internationalen Abkommen dieser Art die finanzielle Unterstützung für ärmere Ländern sowie Fragen von Kapazitätsaufbau und Technologietransfer klar geregelt werden.

Eine starke Zivilgesellschaft gegen die Partikularinteressen der Unternehmen

Verhandlungen zu einem solchen Abkommen brauchen eine starke, kritische und aktive Zivilgesellschaft, die sich einmischt und einbringt. Und sie brauchen klare Regeln, die es unmöglich machen, dass diejenige Industrie, die es zu regulieren gilt, mit am Verhandlungstisch sitzt. Im Unterschied zu den mühsamen UN Klimaverhandlungen, wo Interessenkonflikte viel zu spät erkannt und daher nur unzureichend adressiert sind (und wo die fossile Industrie und andere große Verschmutzer weiter mit am Verhandlungstisch sitzen), gibt es vielleicht beim Plastikthema die Chance auf klare Regeln gleich zu Beginn, beispielsweise analog den Regeln im Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (WHO FCTC).[1]

Dass dies absolut notwendig ist, zeigt CIEL in einem aktuellen Briefing der Reihe „Fueling Plastics“, „Plastic Industry Awareness of the Ocean Plastics Problem“: Wissenschaftler wissen bereits seit den 1950er Jahren von den Problemen der Plastikvermüllung der Ozeane. Die wichtigsten Chemie- und Erdölkonzerne waren maßgeblich an dieser Forschung beteiligt, und spätestens seit den 1970er Jahren über die Risiken ihrer Produkte informiert. Statt diese Risiken aber konsequent anzugehen, hat man lieber auf Zeit gespielt – und etwa in den USA Millionen für Kampagnen gegen Volksentscheide ausgegeben, die sich für eine stärkere Regulierung wie etwa ein Verbot von Plastiktüten einsetzten. Und so erscheint es irgendwie folgerichtig, wer für die Einführung der ersten Einkaufstüten aus Plastik in den USA im Jahr 1967 verantwortlich war: ExxonMobil!

Noch heute setzen viele Hersteller auf vermeintlich umweltfreundliches, weil biologisch abbaubares Plastik. Dieses kann jedoch unter Umständen in der Umwelt genauso lange erhalten bleiben wie konventioneller Kunststoff. Eine Lösung für die Plastikkrise ist es daher nicht, wie eine UNEP-Studie bereits 2015 darlegte. Mit ein wenig Innovation hier und ein paar freiwilligen Maßnahmen dort wird das Problem nicht zu bewältigen sein – dafür braucht es schon handfeste Regulierung.

Interessanterweise sind es gerade die beim Thema Plastik oft gescholtenen Entwicklungsländer, die hier vorangehen. Ruanda hat schon seit Jahren ein sehr striktes Verbot von Plastiktüten, das bei Nichteinhalten mit drastischen Strafen droht. Und Ende August 2017 hat nun auch die kenianische Regierung ein Gesetz zum Verbot von Herstellung, Verkauf und Nutzung von Plastiktüten verabschiedet, das bei Verstößen mit bis zu vier Jahren Haft oder Geldbußen von umgerechnet etwa 32.000 Euro droht. Nur schade, dass es da vermutlich vor allem den kleinen Sündern an den Kragen gehen wird und nicht denjenigen, die die Plastikkrise im globalen Maßstab verantworten.

 

[1] „In setting and implementing their public health policies with respect to tobacco control, Parties shall act to protect these policies from commercial and other vested interests of the tobacco industry in accordance with national law.“ Article 5.3 of the WHO Framework Convention on Tobacco Control. http://www.who.int/tobacco/wntd/2012/article_5_3_fctc/en/

 

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Grünes Fliegen – gibt es das?

1 Dezember, 2017 - 15:26

Fliegen ist die klimaschädlichste Form der Fortbewegung, aber die Luftfahrtindustrie wächst enorm und ihre Emissionen übertreffen die aller anderen Sektoren. Die Flugindustrie will deshalb nachhaltiger werden und „CO2-neutral“ wachsen. Dafür hat sie sich verschiedene grüne Strategien überlegt. Die  brandneue Publikation „Grünes Fliegen-gibt es das?“ von Finance & Trade Watch beleuchtet, was die Branche plant und ob die Versprechen gehalten werden können.

Die Broschüre richtet sich an alle, die die aktuellen Greenwashing-Praktiken der Luftfahrt verstehen und sich auf die eine oder andere Art für effektive Antworten auf die Klimakrise einsetzen wollen. Auch zivilgesellschaftliche Antworten und Strategien werden vorgestellt. Eine Zusammenfassung gibt es hier.

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Nebelkerzen und Rauchmauern: Wie Öl- und Gasunternehmen den Klimawandel verschleierten

27 November, 2017 - 14:04

Sie kennen seit mehr als einem halben Jahrhundert die Klimarisiken der Förderung und Verbrennung fossiler Brennstoffe. Trotzdem haben die größten Öl- und Gaskonzerne einfach weiter gemacht. Nicht an Technologien gearbeitet, die diese Gefahren gemindert hätten. Nicht die Konsumenten oder Investoren gewarnt. Statt dessen haben sie viel Mühe dafür aufgebracht, das öffentliche Vertrauen in  Klimawissenschaft zu erschüttern und Maßnahmen zum Klimaschutz zu verhindern. Das zeigen die Anwält/innen und Politikexpert/innen des Centre for Environmental Law (CIEL) in ihrer neuesten Studie: Smoke and Fumes. The Legal and Evidentiary Basis for holding Big Oil Accountable for the Climate Crisis.

Große Unternehmen wie beispielsweise der Vorgänger von Exxon Oil  kannten die Risiken seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts:

Company documents, scientific studies, and other evidence show that fossil fuel companies, espe­cially petroleum companies, knew about the dangers of climate change — and their products’ role in ex­acerbating it — much earlier than previously understood.

Und sie haben sich an der Irreführung der Öffentlichkeit über Klimawissenschaften beteiligt:

This docu­mentary evidence also reveals that major carbon producers repeatedly misled the public about climate sci­ence in an effort to stymie regulation and the development of alternative technologies.

Auch deutsche Medien haben das Thema aufgegriffen, der Deutschlandfunk hat ein spannendes Feature dazu gesendet, in der ARD wurde eine Ausgabe der Sendung „die story“ dem Gegenstand gewidmet.

Interessant und entscheidend sind diese Nachweise, weil sowohl im Strafrecht als auch im Menschenrecht die Vorhersehbarkeit und die Vermeidbarkeit von Schäden entscheidend ist, wenn rechtliche Verantwortlichkeit beurteilt wird. Beides können die Unternehmen nun nicht mehr abstreiten. Unter dem Oberbegriff „Climate Litigation“ wurden in letzter Zeit zahlreiche Klagen eingereicht, das UN-Umweltprogramm UNEP hat hierzu einen schönen Überblick heraus gebracht.

Ausreden gibt es also keine mehr.

 

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„Wir werden nicht untergehen, wir sind hier um zu kämpfen!“: Eine Auswertung Weltklimakonferenz COP 23 unter Fidschi-Präsidentschaft in Bonn

27 November, 2017 - 12:39

von Don Lehr, Lili Fuhr, Liane Schalatek[1]

[Dies ist eine kurze Zusammenfassung unserer ausführlichen englischen Auswertung der COP 23.]

Die 23. Konferenz der Vertragsparteien (COP 23) der UN Klimarahmenkonvention (UNFCCC) fand vom 6. bis 17. November unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln in Bonn statt. Dies war das erste Mal, dass ein kleiner Inselstaat diese Rolle übernahm.

Es handelte sich um die zweite COP seit Annahme des Pariser Abkommens auf der COP 21 im Jahr 2015 und seit seinem Inkrafttreten am 4. November 2016, nur drei Tage vor Beginn der COP 22 in Marrakesch, Marokko.

Bis zum 22. November wurde das Abkommen durch 170 Vertragsparteien ratifiziert. Von den 197 Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens hatten ursprünglich 195 unterzeichnet. Nicaragua argumentierte zunächst, dass das Abkommen nicht strikt genug sei, erkennt mittlerweile jedoch an, dass es keine Alternative zu dem Abkommen gibt, und ratifizierte es kurz vor Beginn der COP 23 in Bonn. Das seit 2011 in einen Bürgerkrieg verstrickte Syrien unterzeichnete am 7. November. Somit sind die Vereinigten Staaten von Amerika nun das einzige Land, das das Abkommen ablehnt, wenngleich es den angekündigten Austritt erst am 4. November 2020, dem Tag nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl, auch offiziell vollziehen kann.

Die Delegierten der COP 23 standen vor der komplexen Aufgabe, das sogenannte „Pariser Regelbuch“ zur Umsetzung sämtlicher der vom Pariser Abkommen und Beschlusstext vorgeschriebenen Elemente zu erstellen, das auf der COP 24 im kommenden Jahr verabschiedet werden soll. Daher stand zu erwarten, dass es sich vor allem um eine vorbereitende und technische COP handeln würde – und dem war dann auch so.

Fidschi bereicherte die technische Konferenz durch die pazifische Tradition des „Talanoa“, einem Konzept, das sich aus den Worten „tala“ (für „sprechen“ oder „Geschichten erzählen“) und „noa“ („null“ oder „ohne etwas zu verheimlichen“) ableitet. Im fidschianischen Kontext kann ein offener Austausch ohne Verheimlichung im persönlichen Dialog dazu führen, dass alle Beteiligten die Gefühle und Erfahrungen des anderen verstehen.

Der wichtigste auf der COP 23 gefasste Beschluss – als „Fiji Momentum for Implementation“ bezeichnet – umfasst drei Elemente: eine Aufforderung zur verstärkten Umsetzung und zu erweiterten Ambitionen für die Zeit vor 2020 („Pre-2020 Implementation and Ambition“), eine Bekräftigung des Arbeitsprogramms des Pariser Abkommens sowie die Konzeption des Facilitative Dialogue, den Fidschi in Talanoa-Dialog umbenannt hat.

Es folgt eine kurze Übersicht der Themen, bei denen in Bonn Fortschritte (oder auch keine Fortschritte) erzielt wurden. Eine ausführliche Analyse der Ergebnisse (auf Englisch) findet sich hier.

  • Die Konzeption des Talanoa-Dialogs 2018 wurde von der COP-22-Präsidentschaft Marokkos und der COP-23-Präsidentschaft Fidschis gemeinsam erarbeitet. Der Dialog soll im Januar 2018 unter der Führung von Fidschi und der COP-24-Präsidentschaft Polens in Gang gesetzt werden. Ziel ist es, eine Bestandsaufnahme der gemeinsamen Anstrengungen der Vertragsparteien im Hinblick auf die Umsetzung des Pariser Übereinkommens vorzunehmen – also des Ziels, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, den Anstieg auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Viele Vertragsparteien, insbesondere die Entwicklungsländer, legten sich sehr dafür ins Zeug, dass die Präsidentschaft Fidschis den Talanoa-Dialog während des gesamten Jahres weiterhin leiten wird.
  • Das „Fiji Momentum for Ambition“ legt fest, dass das Ergebnis des Talanoa-Dialogs 2018 in die Bestandsaufnahme der COP über die Ambitionen für die Zeit vor 2020 im Jahr 2019 einfließen wird. Zusammen führen die Ambitionen für die Zeit vor 2020 und der Talanoa-Dialog zu einer fortlaufenden Reihe von Dialogen und Überprüfungen, um die Ziele und Ambitionen in den kommenden Jahren zu stärken. Dies wird hoffentlich zu mehr Vertrauen führen und auch die Anstrengungen für Minderung und Unterstützungsmaßnahmen der Entwicklungsländer in der Zeit nach 2020 erhöhen.
  • Der letztendliche Beschluss zum Thema Verluste und Schäden („Loss and Damage“) ist hoffnungslos unzureichend. Er enthält keinen festen Tagesordnungspunkt für die Umsetzung von „Handeln und Unterstützung“, sondern „ermutigt“ lediglich zum einen die Vertragsparteien, ausreichende Ressourcen für die Arbeit des Exekutivausschusses des 2013 in Warschau beschlossenen Internationalen Mechanismus für Verluste und Schäden zur Verfügung zu stellen, und zum anderen den Exekutivausschuss, Finanzmittel zu mobilisieren und zu sichern. Die einzige konkrete Maßnahme ist ein „Expertendialog“ im Jahr 2018, um zu untersuchen, wie die Finanzierung gesichert werden kann. Mit anderen Worten: Es gibt keine Garantie für eine finanzielle Unterstützung der von Katastrophen betroffenen Menschen oder auch nur der mit der Suche nach entsprechenden Finanzmitteln beauftragten Instanz.
  • Im Bereich Klimafinanzierung war das Ergebnis der Verhandlungen zur Langzeitfinanzierung (LTF) – den fortgesetzten Bemühungen der Industrieländer, bis 2020 zusammen 100 Mrd. USD jährlich zu mobilisieren – vorhersehbar unspektakulär. Es bekräftigte weitgehend die in früheren Jahren erreichten Schlussfolgerungen und wies keine substanziellen Fortschritte auf, um für die Zeit vor 2020 schneller voranzukommen oder dieses Finanzziel gar zu übertreffen. Über die Unterstützung des Anpassungsfonds (AF) und des Fonds für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCF) hinaus gab es im High Level Segment der Klimaverhandlungen keine nennenswerten Ankündigungen zusätzlicher Beiträge zur Klimafinanzierung. So wurde eine Gelegenheit verpasst, mehr Vertrauen in das Vorgehen vor 2020 und den Implementierungsprozess des Pariser Abkommens zu schaffen.
  • Die COP 23 verabschiedete ferner einen weitgehend verfahrenstechnischen Beschluss zur sechsten Überprüfung des Finanzierungsmechanismus, wobei sie die Arbeit des Ständigen Finanzausschusses bei der Überprüfung zur Kenntnis nahm und eine größere Komplementarität und Kohärenz zwischen den operativen Einheiten des Finanzmechanismus, dem Grünen Klimafonds (GCF) und der Globalen Umweltfazilität (GEF) sowie anderen Finanzierungsquellen einforderte. Da sowohl die GEF als auch der GCF der COP rechenschaftspflichtig sind, haben die Vertragsparteien diesen multilateralen Klimafonds im Rahmen der UNFCCC formelle Leitlinien verliehen.
  • In ihrer Eigenschaft als Konferenz der Vertragsparteien des Kyoto-Protokolls (CMP) machte die COP weitere Fortschritte in Bezug auf die Zukunft des UN-Anpassungsfonds, der derzeit Mittel im Rahmen des Kyoto-Protokolls bereitstellt. So wurde beschlossen, dass er dem Pariser Abkommen dienen soll. Weitere Entscheidungen darüber, ob er dies ausschließlich unter der Leitung und mit Rechenschaftspflicht gegenüber denVertragsparteien des Pariser Abkommens tun soll und welche Governance- und operationellen Überprüfungen erforderlich sind, um den Anpassungsfonds darauf vorzubereiten, sollen 2018 getroffen werden.
  • Während auf der COP 23 auf Nebenveranstaltungen und in „Climate Action“-Räumen zahlreiche Versuche unternommen wurden, schnelle Scheinlösungen für die Klimakrise (von Kernenergie über CO2-Sequestrierung (CCS) und Biomasseverbrennung mit CCS bis hin zu solarem Geoengineering) ins Rampenlicht zu rücken, gab es erfreulicherweise auch vermehrte Debatten zwischen Wissenschaftl und der Zivilgesellschaft über Transformationsansätze und Pfade zum 1,5-°C-Ziel zu verzeichnen – mit Zielsetzungen für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, Energiewirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft, Lebensstile, Finanzinstitute und BIP-Wachstum sowie vielen weiteren unkonventionellen Ideen. Mitglieder der CBD Alliance äußerten ihre Besorgnis über zunehmende Gespräche zum Geoengineering in der UNFCCC in einem Offenen Brief an die UNFCCC: „Geoengineering lenkt von den wahren Prioritäten – Emissionsminderungen – ab.“
  • Auf der Tagesordnung der Ad-hoc-Arbeitsgruppe zum Pariser Übereinkommen (APA) standen Verhandlungen über Merkmale, Informationen und Leitlinien für die Berechnung der nationalen Klimaschutzbeiträge, Anpassungskommunikation, Transparenz, den Fünf-Jahres-Mechanismus des Pariser Übereinkommens zur Überprüfung und Festschreibung der Fortschritte (Global Stocktake), Umsetzung und Einhaltung, den Anpassungsfonds und weitere Themen. Im Laufe der ersten sieben Tage schlugen die Länder alle Elemente vor, die in den Prinzipien, Regeln, Modalitäten und Verfahren für jeden dieser Abschnitte enthalten sein sollten. Diese wurden während des gesamten Prozesses in mehreren „informellen Notizen“ festgehalten. Am Ende belief sich die Zusammenstellung dieser Notizen auf insgesamt 266 Seiten und wurde einem COP-Beschluss beigefügt.
  • Eine weitere Komponente der Erstellung des Pariser Regelbuchs wurde dem Nebenorgan für wissenschaftliche, technische und technologische Beratung (SBSTTA) übertragen. Diese Beratungen sind von entscheidender Bedeutung, da sie sich auf die internationale Zusammenarbeit zur Stärkung der Ambitionen gemäß Artikel 6 des Pariser Abkommens Eine Bestimmung (Artikel 6.2) sieht „international übertragbare Minderungsergebnisse“ (ITMOs) für Länder zur Erfüllung ihrer Klimaschutzbeiträge vor. Hinsichtlich der Behandlung des Themas Landnutzung im Regelbuch drängte sich Beobachtern eine Verbindung zwischen dem im vergangenen Jahr von der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), einer Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, etablierten CO2-Ausgleichssystems CORSIA und den zahlreichen Verweisen auf kooperative Ansätze „außerhalb der nationalen Klimaschutzbeiträge“ im SBSTTA-Text auf. Dies bezieht sich auf eine Übertragung von Minderungsergebnissen (möglicherweise einschließlich von Ergebnissen unter REDD+, dem UNFCCC-Konzept zur Verringerung der Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) auf nichtstaatliche Akteure wie CORSIA, die voraussichtlich Milliardensummen benötigen werden, um das Wachstum der Luftverkehrsemissionen auszugleichen.
  • Ehrlich überrascht waren viele Beobachter/innen von einem Durchbruch im Bereich Landwirtschaft zu Beginn der zweiten Woche – nach fünf Jahren, in denen die Gespräche zu diesem Thema wenig mehr als Scheinverhandlungen darstellten. Die Industrieländer lösten sich von ihrem Widerstand gegen seit langem vorliegende Vorschläge der Entwicklungsländer und stimmten zu, dass die Nebenorgane (also SBI und SBSTTA) „Fragen der Landwirtschaft gemeinsam, auch durch Workshops und Expertentreffen, angehen“ und „die Anfälligkeit der Landwirtschaft für den Klimawandel sowie Ansätze zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit berücksichtigen“ werden. Der Beschluss zur Landwirtschaft schreibt ein – Beobachter/innen einschließendes – Einreichungsverfahren vor, das Informationen zu einer Reihe von Themen bereitstellen soll, so dass wissenschaftliche Gespräche nun in die Tat umgesetzt werden können und das UN-System den Ländern, die sie benötigen, mehr strategische Unterstützung bieten kann.
  • Gemeinsam mit einer Handvoll Verbündeter in Regierungen drängte die Zivilgesellschaft in Bonn weiterhin auf die Aufnahme der Formulierungen zum Thema Menschenrechte aus der Präambel des Pariser Abkommens in das Regelbuch. Zivilgesellschaft, Menschenrechtsverteidiger/innen und Vertreter/innen nationaler und internationaler Menschenrechtsinstitutionen trafen sich darüber hinaus mehrfach am Rande der COP 23, um ein Narrativ zu erarbeiten, die den Klimawandel als Menschenrechtsproblem thematisiert, und um rechtliche Möglichkeiten auszuloten, mittels derer große Verursacher für Menschenrechtsverletzungen infolge des Klimawandels zur Rechenschaft gezogen werden können. Zudem war es ermutigend zu sehen, dass, zeitgleich mit der COP 23, bei einer Reihe von Ermittlungen und strategischen Rechtsklagen zu Klimathemen international echte Fortschritte erzielt werden konnten.
  • Nach mehreren Verhandlungsrunden in den ersten acht Tagen und angesichts einer realen Gefahr des Scheiterns brachte eine letzte Anstrengung die Verhandlungsleitungen soweit, sich doch noch auf einen Aktionsplan zur Gendergerechtigkeit (GAP) zu einigen. Auf dem Text des Pariser Abkommens aufbauend ruft der Aktionsplan zur Gendergerechtigkeit den Vertragsparteien in Erinnerung, dass eine geschlechtergerechte Klimapolitik weiterhin eine Stärkung des Genderaspekts in allen Aktivitäten in Bezug auf Anpassung, Minderung und damit zusammenhängende Umsetzungsmöglichkeiten (Finanzierung, Technologieentwicklung und -transfer sowie Kapazitätsaufbau) und Entscheidungen über die Umsetzung der Klimapolitik erfordert. Vor allem erfordert eine solche Klimapolitik, dass Frauen an allen Aspekten des Konventionsprozesses beteiligt und Maßnahmen zur Gleichstellung durchgängig in allen relevanten Zielen und Zielsetzungen verankert werden, und so ein wichtiger Beitrag zur Steigerung ihrer Effektivität geleistet wird.
  • Der Pariser Beschlusstext erkannte die Notwendigkeit an, die Anstrengungen lokaler Gemeinschaften und indigener Völker bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels zu stärken, und sah eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Best-Practice-Verfahren vor. Ein überaus erfolgreicher „offener Dialog“ zur Weiterentwicklung der Plattform erfolgte bei den UNFCCC-Sitzungen im vergangenen Mai. Auf dieser COP wurde dann erstmals ein Tagesordnungspunkt dazu in die offiziellen Verhandlungen aufgenommen. Daher stellte die Erstellung und Verabschiedung des endgültigen Texts einen erheblichen Fortschritt dar. Die Schaffung der Plattform für lokale Gemeinschaften und indigene Völker ist ein kleiner Schritt in Richtung Anerkennung und Achtung der Perspektiven und des Wissens der indigenen Völker in diesem Prozess, auf dem nun aufgebaut werden kann.

Die COP 23 war im Grunde eine COP in zwei Zonen – in der Bonn Zone und in der zwei Kilometer entfernten Bula Zone. „Bula“ war Sitz der offiziellen Verhandlungen, während in „Bonn“ Dutzende von Ständen der Zivilgesellschaft und Hunderte von Veranstaltungen stattfanden. Der UNFCCC-Teilnehmerliste zufolge waren 16.028 Personen registriert – 9.202 Delegierte, 5.543 Vertreter/innen von Beobachterorganisationen und 1.283 Medienvertreter/innen. Weitere 5.940 Personen waren nur für die Bon Zone akkreditiert. Darüber hinaus nahmen während der zwei Wochen Tausende von Menschen an Veranstaltungen, Märschen und Demonstrationen in Bonn und Umgebung teil. Am Rande der COP erfolgten durch Koalitionen von Regierungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zudem mehrere politische Ankündigungen von hohem Stellenwert.

Die auf zahlreiche Veranstaltungen in der Bonn Zone vorgebrachte Forderung nach einem Ende der Ära der fossilen Brennstoffe spiegelte die Botschaften zahlreicher Alternativveranstaltungen wider, u.a. des alternativen Klimagipfels People’s Climate Summit vom 3. bis 7. November, der Klimademonstration, die am 4. November 25.000 Menschen auf die Bonner Straßen brachte, und von Ende Gelände, einer friedlichen Massenaktion des zivilen Ungehorsams gegen den Braunkohlentagebau vom 5. bis 7. November im Rheinland. Sämtliche dieser Veranstaltungen artikulierten eine Botschaft der globalen Solidarität und Klimagerechtigkeit und zeigten realistische Alternativen zu einem korporatistischen Ansatz für Klimaverhandlungen und dessen Scheinlösungen zur Bewältigung der Klimakrise auf.

[1] Die Verfasser/innen danken Teresa Anderson, Kate Dooley, Sébastien Duyck, Stephen Leonard, Julie-Ann Richards, Anne-Laure Sablé und Hans Verolme für ihre Mitwirkung an dieser Analyse.

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Klimafinanzierung auf der COP23: Ergebnisse im Überblick

24 November, 2017 - 13:23

Ein Beitrag von Jan Kowalzig, Oxfam Deutschland, zunächst erschienen auf www.deutscheklimafinanzierung.de

Auf der Bonner Weltklimakonferenz ging auch wieder einmal um die Klimafinanzierung. Zwei besonders sensible Fragen verzögerten den Abschluss der Konferenz bis in die frühen Morgenstunden des Samstags. Besonders viel wurde nicht erreicht und einige wünschenswerte Fortschritte von den Industrieländern verhindert. Immerhin gab es die eine oder andere Zusage der Geberländer. Die Ergebnisse der COP23 im Bereich Klimafinanzierung im Überblick:

Anpassungsfonds: Als die Regierungen in Paris Ende 2015 das neue Abkommen besiegelten, wurde zwar auch gleich mitbeschlossen, dass einige der multilateralen Klimafonds auch unter dem neuen Abkommen gelten sollten, darunter der Green Climate Fund oder der Least Developed Countries Fund. Die Zukunft des Anpassungsfonds hingegen blieb ungeklärt. Die Bonner Konferenz hat nun den Weg eröffnet, ihn vom Kyoto-Protokoll (unter dem der Fonds bisher verankert war) in das Pariser Abkommen zu transferieren. Bis zuletzt hatten sich die Industrieländer dagegen gewehrt, solch eine Entscheidung zu treffen, weil sie unter anderem einen Automatismus fürchteten, der sie zu regelmäßigen Einzahlungen in den Fonds zwingen könnte. Bis die nächste Konferenz (COP24) in Kattowitz die Verankerung des Anpassungsfonds vollenden wird, sollen diese und weitere Fragen weiter diskutiert werden. Deutschland könnte hier eine konstruktive Rolle einnehmen, denn immerhin hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zur Eröffnung der COP23 weitere 50 Mio. Euro für den Fonds zugesagt. Weitere Zusagen kamen aus Schweden, Irland, Italien und der belgischen Regionalregierung von Wallonien.

Verluste und Schäden: Mehr und mehr sehen sich gerade die ärmsten und vom Klimawandel besonders bedrohten Länder ökonomischen Verlusten und Schäden infolge des Klimawandels ausgesetzt – Dürren lassen die Ernten vertrocknen, Stürme verwüsten das Land, der steigende Meeresspiegel lässt küstennahe Felder und das Grundwasser versalzen. Zwar gibt es seit der Warschauer Weltklimakonferenz (COP19) den Warsaw International Mechanism on Loss and Damage (WIM); er aber ist bislang wenig mehr als eine Arbeitsgruppe, die das Thema ausleuchtet. Dass der WIM sich auch der finanziellen Aspekte im Umgang mit Verlusten und Schäden annimmt, also etwa Fragen danach, wofür finanzielle Mittel benötigt, wie sie mobilisiert und wie sie umgesetzt werden können, war ein wichtiges Anliegen der kleinen Inselstaaten – und eine rote Linie für die Industrieländer, die fürchten, über kurz oder lang mit Finanzforderungen oder gar Kompensationsansprüchen konfrontiert zu werden. Das enttäuschende Ergebnis der COP23: ein einmaliger „Experten-Dialog“ im nächsten Jahr, verbunden mit der Hoffnung der Industrieländer, das schwierige Thema auf diese Weise erstmal wieder los zu sein.

100-Milliarden-Versprechen: Seit die Industrieländer 2009 versprachen, die finanzielle Unterstützung für die Entwicklungsländer bis 2020 auf 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr anzuheben, stehen sie unter Druck, dieses Versprechen auch zu erfüllen und glaubwürdig über gemachte Fortschritte Auskunft zu geben, zumal es Kritik an der Zählweise der Industrieländer gibt, mit der sie sich ihre Zahlen schönrechnen. Zwei Beschlüsse mit Bezug zum 100-Milliarden-Versprechen hat die COP23 gefasst: Zum einen sind die Industrieländer aufgefordert, nächstes Jahr im Rahmen bestehender Berichtspflichten, das Augenmerk darauf zu richten, wie sie in den verbleibenden Jahren 2018-2020 ihre jeweilige Klimafinanzierung speziell mit Blick auf das 100-Milliarden-Versprechen ausgestalten werden. Zum anderen sollen sowohl 2018 als auch 2019 im Rahmen einer Bestandsaufnahme (auf den jeweiligen Klimakonferenzen COP25 und COP26) auch die insgesamt zur Verfügung gestellten Unterstützungsleistungen auf den Prüfstand. Das sind gute Ausgangsbedingungen für Fortschritte bei der Klimafinanzierung, die die Industrieländer allerdings auch leicht ruinieren können, wenn sie die Gelegenheit nicht dafür nutzen, ein umfassendes – und auch ehrliches – Bild der Klimafinanzierung zu zeichnen. Letzteres sollten sie unbedingt anstreben, denn das könnte sich positiv auswirken auf die für das nächste Jahr geplante, Talanoa-Dialog genannte erste Überprüfung der Klimaschutzwirkung des Pariser Abkommens.

Vorhersagbarkeit der Klimafinanzierung: Der Absatz 5 des Artikels 9 des Pariser Abkommens verpflichtet die Industrieländer dazu, in einem zweijährigen Rhythmus individuell Auskunft über geplante bzw. für die Zukunft anvisierten Unterstützungsleistungen für die Entwicklungsländer zu geben. Unklar blieben damals die Modalitäten sowie die Art der Informationen im Rahmen dieser Auskunftspflicht. In Bonn verstrickten sich die Delegationen in der Frage, wie das Thema weiter behandelt wird – insbesondere die Gruppe der afrikanischen Länder wollte umfassend die Modalitäten verhandeln in der (im Prinzip völlig berechtigten) Hoffnung auf mehr Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit künftiger Klimafinanzierung. Die Industrieländer fürchteten darin die ersten Schritte zu regelmäßigen Finanzierungszyklen mit de facto verbindlichen Zusagen alle zwei Jahre – ein rotes Tuch insbesondere für die Finanzminister der Industrieländer. Nun wird im Mai nächsten Jahres (auf der regelmäßigen Zwischenkonferenz in Bonn) zumindest über die möglichen Informationen im Rahmen der Auskunftspflicht gesprochen, nicht aber über die Modalitäten. Letzteres wird Die Gruppe der afrikanischen Länder auf der COP24 wieder aufgreifen; neue Streitigkeiten sind damit so gut wie sicher.

Neues Finanzierungsziel ab 2025: Die Pariser Beschlüsse von 2015 legen fest, dass das 100-Milliarden-Versprechen bis 2025 ausgedehnt wird und für die Zeit danach spätestens 2024 ein neues Ziel festgelegt wird. In Bonn versuchten nun die Entwicklungsländer, einen eigenen Verhandlungsstrang zu öffnen, in dem in den kommenden Jahren solch ein Ziel entwickelt wird. Die Industrieländer wollten davon nichts hören. So bleibt dieses Thema ungeklärt, die Entwicklungsländer werden ihre Forderung nach ausreichend Zeit wohl auch nächstes Jahr wieder erheben – recht so, denn die Querelen um das 100-Milliarden-Vesprechen zeigen, dass es sich lohnt, ausführlich über das neue Ziel zu sprechen und dabei Art, Umfang und Geltungsbereich bzw. -zeitraum des neuen Ziels zu klären. Denkbar wäre es zum Beispiel, anstelle eines eindimensionalen Ziels eine Zielmatrix zu beschließen, die sowohl qualitative als auch quantitative Elemente enthalten könnte. Das wäre womöglich wesentlich wirksamer, als das 100-Milliarden-Versprechen.

InsuResilience Global Partnership: Am Rande der Verhandlungen fiel der Startschuss für die neue InsuResilience Global Partnership, für die sich Deutschland schon im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft breite Unterstützung unter den G20-Ländern gesichert hatte. Die Partnerschaft soll umfassend Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken in den armen Ländern fördern. Auf der COP23 sagte das BMZ für die Partnerschaft 110 Mio. Euro zu, bei denen es sich (soweit wir derzeit wissen) zumindest zum Großteil um frisches (natürlich im Haushaltsplan 2017 enthaltendes) Geld handelt. Die Wirksamkeit der Partnerschaft muss sich erst noch erweisen, aber die Vorzeichen sind vielversprechend – wenn es gelingt, vom derzeit noch sehr einseitigen Fokus auf den Klimarisikoversicherungen auf einen tatsächlich umfassenden Ansatz umzuschwenken, denn die meisten Klimarisiken gerade in den ärmsten Ländern lassen sich nicht mit Versicherungen bekämpfen. Die Partnerschaft muss zudem gezielt auf die ärmsten Menschen ausgerichtete Prinzipien befolgen und auch eine fundamentale Gerechtigkeitsfrage lösen, denn die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Menschen in den armen Ländern haben nichts zum Klimawandel beigetragen – dass sie nun Versicherungen kaufen sollen, die sie sich oft ohnehin nicht leisten können, widerspricht allen Prinzipien der Gerechtigkeit. Hier kann die Partnerschaft innovative Lösungen voranbringen – etwa solche, bei denen die Verursacher des Klimawandels die Versicherungsprämien bezahlen würden.

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“We will not drown, we are here to fight”

22 November, 2017 - 22:31

“We will not drown, we are here to fight”[1]

 An assessment of the Fiji Climate Change Conference COP 23 in Bonn

 by Don Lehr, Lili Fuhr, Liane Schalatek[2]

 dear matafele peinam, 

 

i want to tell you about that lagoon

that lucid, sleepy lagoon lounging against the sunrise

men say that one day

that lagoon will devour you

 

they say it will gnaw at the shoreline

chew at the roots of your breadfruit trees

gulp down rows of your seawalls

and crunch your island’s shattered bones

 

they say you, your daughter

and your granddaughter, too

will wander rootless

with only a passport to call home [3]

 

The 23rd meeting of the Conference of the Parties (COP 23) of the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) was held from 6 to 17 November in Bonn, Germany, under the presidency of the government of Fiji, the first time that a small island nation has served in this role.

This is the second COP since the adoption of the Paris Agreement at COP 21 in 2015 and since the Agreement entered into force on 4 November 2016, just three days before the start of COP 22 in Marrakech, Morocco.

As of 22 November, 170 Parties have ratified the Agreement.  Of the 197 Parties to the Convention, 195 originally signed it.  Nicaragua initially argued it was not strong enough but has acknowledged that there is no alternative to the Agreement and ratified it just prior to the start of the COP.  Syria, embroiled in a civil war since 2011, signed up on 7 November, leaving the United States as the only country which has rejected it, although it can’t officially withdraw until 4 November 2020, one day after the next U.S. presidential election.

It was expected to be a transitional and technical COP – and it was — with delegates charged with the complex task of writing the so-called “Paris Rulebook” for all of the elements mandated in the Paris Agreement and Decision text which is scheduled to be adopted next year at COP 24.  They also had to complete the design of the 2018 “Facilitative Dialogue,” a test run for the “Global Stocktake” which all countries will conduct every five years starting in 2023 to assess and strengthen their “nationally determined contributions” (NDCs) and global progress toward reaching the goal of the Paris Agreement: to hold the increase in global average temperature to well below 2°C and pursue efforts to limit the increase to 1.5°C above pre-industrial levels.

Fiji brought vision to this technical COP through the Pacific tradition of “talanoa,” derived from “tala” meaning “talking or telling stories,” and “noa” meaning “zero or without concealment.”  In the Fijian context, frank expression without concealment, in face-to-face dialogue, can lead to all participants understanding each other’s feelings and experiences.

The main COP decision – to be known as the Fiji Momentum for Implementation – contains three elements:  a call for enhanced Pre-2020 Implementation and Ambition, a reiteration of the Paris Agreement Work Programme, and the design of the Facilitative Dialogue, rebranded by Fiji as the Talanoa Dialogue.

Here’s a shortlist of issues where progress (or no progress) was made in Bonn:

  • The design of the 2018 Talanoa Dialogue was jointly prepared by the COP 22 presidency of Morocco and the COP 23 Fijian presidency and will be launched in January 2018 under the leadership of Fiji and the COP 24 presidency, Poland. It aims to take stock of the collective efforts of Parties in relation to progress towards the implementation of the Paris Agreement, namely, the long-term goal of holding the increase in global average temperature to well below 2°C and to pursue efforts to limit the increase to 1.5°C above pre-industrial levels. Many Parties, especially developing countries, worked hard to ensure that the Fiji Presidency will continue to guide the Talanoa Dialogue throughout the year.
  • The Fiji Momentum for Ambition decides that the outcome of the 2018 Talanoa Dialogue will feed into the COP stocktake on pre-2020 ambition in 2019. The pre-2020 decision and the Talanoa Dialogue together create an ongoing series of dialogues and reviews to enhance pre-2020 action, which will hopefully build enhanced trust to increase ambition for both mitigation and support in the post-2020 period.
  • The final decision on Loss and Damage is hopelessly weak. It includes no permanent agenda item for implementing “action and support,” only “encourages” parties to make available sufficient resources for the operation of the executive committee, and merely “encourages” the executive committee to mobilize and secure finance.  The sole tangible action is an “expert dialogue” in 2018 to explore how finance might be secured. The bottom line is this: there is no guarantee of financial support for those affected by catastrophic disasters or even for the body tasked to find that finance.
  • The outcome of the climate finance negotiations on long-term finance (LTF) – continued efforts by developed countries to jointly mobilize USD 100 billion annually by 2020 – were predictably unremarkable, reinforcing largely agreed conclusions of earlier years, and made no substantial progress to show increased ambition pre-2020 to move faster or even go beyond this finance goal. No significant announcements of additional climate finance contributions were made at the High Level segment of the climate talks beyond some support for the Adaptation Fund (AF) and the Least Developed Countries Fund (LDCF).  An opportunity to build more trust in the pre-2020 and Paris implementation processes was missed.
  • The COP also adopted a largely procedural decision on the sixth review of the Financial Mechanism, taking note of the work of the Standing Committee on Finance on the review and calling for greater complementarity and coherence between the Financial Mechanism’s operating entities, the Green Climate Fund (GCF) and the Global Environment Facility (GEF) and other sources of financial flows. As both the GEF and the GCF are accountable to the COP, parties provided formal guidance to those multilateral climate funds under the UNFCCC.
  • The COP serving as the CMP made further progress regarding the future of the Adaptation Fund, currently providing funding under the Kyoto Protocol, by deciding that it shall serve the Paris Agreement, with further decisions to be taken by the CMA in 2018 on whether it should do exclusively and under the guidance of and accountable to the CMA and what governance and operational revisions, including of its financing structure, are necessary to get the Adaptation Fund ready to do so..
  • While COP23 saw many attempts to promote quick technofixes for the climate crisis (ranging from nuclear energy to CCS, Bioenergy with CCS / BECCS to solar geoengineering) at side events and “climate action” spaces, there were also, encouragingly, increased debates between academics and civil society on transformational approaches and pathways for 1.5°C – targeting the fossil fuel and energy sector, transport, agriculture, lifestyles, financial institutions, GDP growth, and many other out of the (climate) box ideas. Members of the CBD Alliance expressed their alarm over increased talks of geoengineering in the UNFCCC in an Open letter to the UNFCCC: “Geoengineering is a distraction from the real priorities – emission reductions“.
  • The agenda of the APA – the Ad Hoc Working Group on the Paris Agreement – includes negotiations on features, information and accounting guidance of countries’ nationally determined contributions (NDCs), adaptation communications, transparency, the five-year “ratchet and review” mechanism of the Paris Agreement (the Global Stocktake), implementation and compliance, the Adaptation Fund, and other matters. Over the first seven days, countries proposed all of the elements they want included in the principles, rules, modalities, and procedures for each of those sections, which were captured in several “Informal notes” throughout the process. By the end of the session, the compilation of those notes totaled 266 pages and are annexed to a COP decision.
  • Another part of the “Paris Rulebook” creation is tasked to the SBSTA – the Subsidiary Body on Scientific and Technical Advice. These deliberations are crucial because they focus on international cooperation to enhance ambition as defined in Article 6 of the Paris Agreement.  One provision (Article 6.2) establishes “internationally transferred mitigation outcomes” (ITMOs) for countries to meet their NDCs. With regards to land use in the Rulebook, observers are detecting a link between the CORSIA, the carbon offsetting scheme which was established last year by ICAO — the International Civil Aviation Organization, a specialized UN agency – and the numerous references in the SBSTA text to cooperative approaches “outside the NDC.”  This refers to mitigation outcomes, including possibly from REDD+, the UN framework to reduce emissions from deforestation and forest degradation, being transferred to non-state actors such as CORSIA, which will likely require billions of dollars to offset growth in aviation emissions.
  • A breakthrough early in the second week after five years of what could only be called bad faith negotiations on agriculture came as a genuine surprise to many observers. Developed countries stepped back from their opposition to long-standing proposals from developing countries and agreed for the subsidiary bodies to “jointly address issues related to agriculture, including through workshops and expert meetings,” and to take “into consideration the vulnerabilities of agriculture to climate change and approaches to addressing food security.”  The decision on agriculture mandates a submissions process – which includes observers — to provide information on a number of topics so that scientific talks can now progress into action and the UN system can provide more strategic support to countries that need it.
  • Civil society observers and activists with a handful of allies in governments continue to push for inclusion of the Human Rights language from the preamble of the Paris Agreement into the Rulebook. Meanwhile, civil society, human rights defenders, and representatives of national and international human rights institutions held several meetings on the sidelines of COP 23 to establish a narrative that frames climate change as a human rights issue and to discuss legal avenues for holding big polluters accountable for human rights abuses resulting from climate change. Meanwhile, it was encouraging to see real progress achieved during the duration of COP 23 in a handful of investigations and court cases of strategic climate litigation around the world.
  • After several negotiating sessions over the first eight days of the COP, and with the specter of failure hanging over the negotiations, a final push propelled negotiators to agree on a Gender Action Plan (GAP). Building on the language of the Paris Agreement, the Gender Action Plan reminds Parties that gender-responsive climate policy continues to require further strengthening in all activities concerning adaptation, mitigation, and related means of implementation (finance, technology development and transfer, and capacity-building) as well as decision-making on the implementation of climate policies. Above all, it requires women to be represented in all aspects of the Convention process and gender mainstreaming through all relevant targets and goals in activities under the Convention as an important contribution to increasing their effectiveness.
  • The need to strengthen the efforts of local communities and indigenous peoples in responding to climate change was recognized in the Paris Decision text which established a platform for the exchange of experiences and sharing of best practices. A highly successful “open dialogue” on advancing the platform took place at the UNFCCC inter-sessionals this past May, and an agenda item on creating the platform was included in the official negotiations for the first time at this COP. So it was a big advance when final text appeared and was adopted.  The Local Communities and Indigenous Peoples Platform is a small step towards recognizing and respecting the perspectives and knowledge of indigenous peoples in this process that can now be built on.

COP 23 was actually one COP in two zones – Bula and Bonn, two kilometers apart.  The Bula zone was the site of the official negotiations, while the Bonn zone hosted dozens of civil society kiosks and hundreds of events.  According to the UNFCCC list of participants, 16,028 people were registered – 9,202 delegates, 5,543 from observer organizations, and 1,283 media.  An additional 5,940 people were accredited for the Bonn zone only.  Thousands more participated in off-site events, marches, and demonstrations throughout the two weeks in Bonn and its surroundings.  Several high-level announcements were made on the COP sidelines by coalitions of governments, corporations, and civil society.

The call for an end of the fossil fuel era throughout numerous events in the Bonn Zone echoed the messages of the People’s Climate Summit from 3-7 November, the Climate March that saw 25,000 people on the streets in Bonn on 4 November, and Ende Gelände, a peaceful mass civil disobedience action against open pit lignite coal mining in the Rhineland, from 5-7 November.  All of these events articulated a message of global solidarity and climate justice and highlighted feasible alternatives to a corporatist approach to climate negotiations with false solutions in addressing the climate crisis.

Pre-2020 Implementation and Ambition

From the very start of COP 23, the rich/poor divide between developed and developing countries and the lack of negotiating space to hold rich countries accountable for their promises on climate action before 2020 threatened to generate distrust and stall the negotiations tasked with writing the Paris Rulebook.

On the first day of talks, the Like-Minded Developing Countries (LMDCs), representing 24 countries including China, India, Iran, and Saudi Arabia, proposed negotiations on “accelerating the implementation of pre-2020 commitments and actions and increasing pre-2020 ambition.”  They contended that their proposal was not a new agenda item but rather “unfinished business” from a previous COP decision – the Durban Platform for Enhanced Access – which had not been resolved.

The Durban Platform, from COP 17 in South Africa, was reiterated as “Further Advancing the Durban Platform” at COP 19 in Warsaw.  The first paragraphs of the Warsaw mandate resulted in the Paris Agreement, but the second section, a resolution for ambitious action by developed countries to reduce emissions and to provide financial support to developing countries in the years leading up to 2020, has not progressed.  Pre-2020 ambition was the “second pillar” of the Durban Platform but, the LMDCs argued, only half of the bargain has been delivered.  Developing countries were simply asking developed countries to fulfill the pledges they had already made.

Consultations among countries on the LMDC proposal were led by last year’s Moroccan COP presidency, but as the week progressed, interventions from developing countries on lack of pre-2020 ambition were abundant across the negotiating sessions.  Brazil, in a press conference, even dared to say that the talks ran the risk of repeating Copenhagen, where COP 15 collapsed in 2009.

Then suddenly, on the morning of Wednesday 15 November, the stalemate broke and the consultations produced a resolution which answered key demands from developing countries and which embeds a process of reviewing and enhancing pre-2020 actions over the next two years.  It establishes a process, through a “stock-taking” session at the 2018 COP and again at the COP in 2019, to track and report on the progress of developed countries’ pre-2020 commitments to reduce emissions and to provide finance and technology to support developing countries.  It also requests the UNFCCC Secretariat to prepare official reports on those stock-taking sessions.

Most importantly for developing countries, the Fiji Momentum for Ambition decides that the outcome of the 2018 Talanoa Dialogue (see below) will feed into the COP stocktake on pre-2020 ambition in 2019.   The pre-2020 decision and the Talanoa Dialogue together create an ongoing series of dialogues and reviews to enhance pre-2020 action, which will hopefully build enhanced trust to increase ambition for both mitigation and support in the post-2020 period.

The Facilitative Dialogue is now the Talanoa Dialogue, and an outlook for COP 24 in Poland

 The design of the 2018 Talanoa Dialogue was jointly prepared by the COP 22 presidency of Morocco and the COP 23 Fijian presidency and will be launched in January 2018 under the leadership of Fiji and the COP 24 presidency, Poland.

It aims to take stock of the collective efforts of Parties in relation to progress towards the implementation of the Paris Agreement, namely, the long-term goal of holding the increase in global average temperature to well below 2°C and to pursue efforts to limit the increase to 1.5°C above pre-industrial levels.

It, too, will be conducted in the Pacific tradition of “talanoa,” which infused COP 23.  The decision specifically notes that “the dialogue should not lead to discussions of a confrontational nature in which individual Parties or groups of Parties are singled out.”  One might wonder how progress on increasing ambition will be achieved without confrontation when most of what has been seen in the UNFCCC in this context has been very much about concealing one’s true interests and little understanding of the circumstances of others.

The Talanoa Dialogue in 2018

The dialogue will be structured around three general topics: Where are we?  Where do we want to go? and How do we get there? Importantly, the Special Report by the IPCC on global warming of 1.5°C, which will be released in October 2018, will inform the dialogue.

It is interesting to note how language changed over the last two days of the talks as Parties determined how strongly they wanted to commit to the Talanoa process.  In an early morning version on 16 November, they “take note” of the announcements regarding the design.  By late evening that day, however, the language was much stronger – “endorses the design.”  In the final decision, the COP “welcomes with appreciation” the design and “launches” the Talanoa Dialogue, which firmly places the responsibility of conducting the dialogue in the hands of the Fiji Presidency.

The preparatory phase of the dialogue will begin in early 2018.  “Stakeholders and expert institutions,” as well as Parties, are encouraged to provide analysis and policy inputs to inform the dialogue.  An online platform will be created to house all those inputs.  Discussions will be held at the inter-sessional meetings in May, and all “information and insights” gained from the preparatory phase will be synthesized by the presidencies to prepare for the political phase.

In the political phase, high-level representatives and ministers will take stock of the collective efforts of Parties, engage in roundtables, and, undoubtedly, in many bi-lateral discussions.  The presidencies will provide a summary of key messages at the final meeting of the Dialogue.

Many Parties, especially developing countries, worked hard to ensure that the Fiji Presidency will continue to guide the Talanoa Dialogue throughout the year.  The Fiji Presidency ends on the first day of COP 24, when all activities in the preparatory phase will have been completed.  Many are concerned that Poland’s widespread and continued use of coal will cast a pall over COP 24 and create the possibility that few decisive steps will be taken.  Civil society is also concerned about possible limitations being imposed on engagement, since public funding for many environmental groups in Poland has been eliminated. There is an additional fear that obtaining the necessary visas to enter Poland could be problematic and that strict admission rules might be used by the host country to restrict participation of critical non-business civil society voices, especially from developing countries.

A Loss for Loss and Damage

to the carteret islanders of papua new guinea

and to the taro islanders of the solomon islands

i take this moment

to apologize to you

we are drawing the line here

 

because baby we are going to fight

your mommy daddy

bubu jimma your country and president too

we will all fight

 

COP 23 was not expected to be an exciting global climate summit, but instead a technical COP focused on writing the rulebook for the implementation of the Paris Agreement.  The Fijian presidency, however, provided an opportunity to spotlight the fate of small island nations, such as Fiji, which are the most susceptible to the catastrophic effects of climate change, and the least able to pay for the costs of reconstruction after catastrophic storms, or for protection or resettlement from slow onset events such as rising sea levels. The moral weight of a Pacific COP amplifying the voices of small island nations was thus seen as a crucial opportunity to press for progress on loss and damage, especially on the provision of additional finance for that purpose.

Fiji was pummeled last year by Typhoon Winston, the strongest ever to make landfall in the southern hemisphere.  It destroyed 40,000 homes, killed 44 people, and created economic losses estimated at nearly one-third of the country’s GDP.  In the two months prior to COP 23, back to back Category 5 hurricanes brought widespread destruction to several Caribbean islands.  Add to that deadly floods in Africa and South Asia, and droughts and heatwaves affecting nearly one-third of the world, and it’s clear to see why many felt a momentum for increased action on loss and damage at this COP.

But it was not to be.

Loss and Damage in the UNFCCC

The concept of loss and damage is not new.  It was first raised by the Alliance of Small Island States (AOSIS) some 20 years ago.  At COP 16 in Cancun in 2010, countries agreed to consider how to address loss and damage as part of the Cancun Adaptation Framework.  The Warsaw International Mechanism for Loss and Damage (WIM) was agreed at COP 19 in November 2013 and contains three main functions:  enhance knowledge, strengthen dialogue and coordination, and enhance action and support, including finance for loss and damage.  That third function has yet to be addressed, and was blocked again by developed countries in Bonn.

After Warsaw, tense negotiations followed on whether loss and damage would become the third “pillar” of climate policy (joining mitigation and adaptation) or continue to be subsumed under adaptation.  A standalone Paris Agreement Article 8 on loss and damage was a major victory for developing countries, although it is tempered by one sentence in the Paris Decision stating that the article on loss and damage “does not involve or provide a basis for any liability or compensation.”  Inclusion of the term “compensation” was a red-line for many developed countries, especially the United States.  In the end, a compromise replaced “compensation” with “action and support.”

Despite the existence of a standalone Article for loss and damage in the Paris Agreement, there was no official space for it in the COP 23 negotiations except in the subsidiary bodies where the periodic reports of the executive committee established to implement the Warsaw Mechanism are reviewed.  The committee’s five-year rolling workplan of 12 October was presented to the subsidiary bodies early in the first week.

In the negotiating sessions – closed to observers — where the workplan was discussed, developing countries repeated their call for a permanent agenda item in the subsidiary bodies, demanded sufficient resources for the WIM to function at a more accelerated level (the committee only meets twice a year), and urged Parties to mobilize finance to countries who have been worst hit by the effects of climate change.  But developed country delegates repeatedly blocked any talks on finance – the US was reportedly more vocal in the loss and damage discussions than in any other negotiation room.

The final decision is hopelessly weak.  It includes no permanent agenda item for implementing “action and support,” only “encourages” parties to make available sufficient resources for the operation of the executive committee, and merely “encourages” the executive committee to mobilize and secure finance.  The sole tangible action is an “expert dialogue” in 2018 to explore how finance might be secured.  A reported attempt by some developing countries to strengthen the text by taking the issue to ministers was apparently unsuccessful.  The bottom line is this: there is no guarantee of financial support for those affected by catastrophic disasters or even for the body tasked to find that finance.

Meanwhile, the “InsuResilience Global Partnership for Climate and Disaster Risk Finance and Insurance Solutions” was launched on the sidelines of the COP.  This private sector initiative brings together G20 countries, the 49 vulnerable countries of the V20, and more than 30 private sector partners, and aims to provide working insurance plans to as many as 400 million vulnerable people worldwide by 2020. Although welcome, this initiative is in effect a match-making platform between private insurance providers and clients.  It is insufficient and little more than a convenient distraction from the moral obligation of developed countries under the core equity principle of the UNFCCC to provide public finance resources to the poorest developing countries and people already severely affected by the impacts of catastrophic climate change.  Instead, the response to climate disasters is privatized with the victims left to pay the insurance premiums.  This turns fairness on its head as those who have contributed the least to climate change and have profited the least from the economic development spurred by historic greenhouse gas emissions become responsible for the cost of climate damages.

Multiple Decisions, but Little Progress for Climate Finance at COP 23

Like at previous COPs, the issue of climate finance proved to be a core sticking point in Bonn – both with respect to discourses about pre-2020 ambition and in looking to the Paris Agreement implementation and the ways those two negotiation strands are interlinked.

It was thus not surprising that consultations on ex-ante finance transparency under the COP, namely a clear indication by developed countries how much public finance and other financial resources they intend to provide biennially as demanded under Article 9.5 of the Paris Agreement, extended until the morning hours of Saturday, well past the official closing time of COP 23. For most developing countries, many of which made more ambitious domestic climate actions in their national NDCs conditional on the provision of financial support by developed countries, the discourse about the scale, progression, and predictability especially of public climate finance provision under long-term finance discussions is inseparable from efforts under the APA to increase climate ambition in next year’s Talanoa Dialogue process. In contrast, developed countries see such a connection as prejudging APA discussions. In the end, the decision text on this matter forwards the outcomes to COP 24 to further consider and adopt how ex-ante finance transparency will be addressed.

Acting as the CMP (the Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Kyoto Protocol), the COP also discussed the future of the Adaptation Fund under the Paris Agreement.  The fund currently provides funding for concrete adaptation actions to developing country parties under the Kyoto Protocol.  Talks centered specifically on whether and how it will fit into the Financial Mechanism of the Paris Agreement. Parties struggled with language on whether the Adaptation “should” or “shall” serve the Agreement, with developing countries pushing for a clear “shall” mandate, but developed countries arguing that a substantive review of the Adaptation Fund’s governance and operational procedures was needed before such a clear mandate was given. The decision in Bonn squares this circle by deciding that the Adaptation Fund shall serve the Paris Agreement, with further decisions to be taken by the CMA (the Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement) in 2018 on whether it should do so exclusively and under the guidance of and accountable to the CMA and what governance and operational reforms, including on funding sources, might have to be considered prior to such a decision.

The outcome of the negotiations on long-term finance (LTF) – continued efforts by developed countries to jointly mobilize USD 100 billion annually by 2020 – were predictably unremarkable, reinforcing largely agreed conclusions of earlier years, and made no substantial progress to show increased ambition pre-2020 to move faster or even go beyond this finance goal. No significant announcements of additional climate finance contributions were made at the High Level segment of the climate talks beyond some support for the Adaptation Fund (AF) and the Least Developed Countries Fund (LDCF).   An opportunity to build more trust in the pre-2020 and Paris implementation processes was missed. This is not to say that the roughly USD 167 million pledged for both funds focusing on adaptation action (by Germany with a total of USD 118 million and Sweden with USD 44 million as main contributors) is not welcome. In fact, both funds need this injection of grant money for 2018 as a matter of survival. But this is far from the scale of additional finance commitment needed to instill confidence in developing countries that their unilateral efforts to raise ambition going into the 2018 Talanoa Dialogue will be matched by adequate developed country financial support.  To put the pledges to the AF and LDCF in context: rumor has it that the German government spent roughly an equivalent sum on the logistics and operation of COP23.

Thus, inadequately and unremarkably, the LTF decision in Bonn only reiterates the USD 100 billion goal and acknowledges progress toward that goal. It also calls for “greater balance” between funding for mitigation and adaptation, but stops short of asking for a clear 50:50 allocation commitment. Although not formally discussed, the finance elephant in the room, the de facto renunciation by the Trump administration of its international climate finance commitments, and whether other developed countries will be willing to make up for the resulting shortfall, was a constant undercurrent and is bound to resurface with force next year.  In 2018, there will be an in-session workshop on long-term climate finance organized by the Secretariat for consideration by COP 24 as well as a high-level ministerial dialogue organized by the COP 24 Presidency which will focus on access to climate finance.

Next year will also see a new iteration of the Biennial Assessment on climate finance flows by the Standing Committee on Finance (SCF), showing progress – or lack thereof – on a verifiable pathway toward the USD 100 billion annual goal of climate finance provided. In the COP’s review of the work of the SCF in a largely sanitized decision text, the SCF was asked to “enhance its work on the measurement, reporting and verification (MRV) of support” beyond the biennial assessment of climate finance flows, reflecting weakened compromise language.  Developing countries felt more transparency and accountability of finance flows were direly needed, while developed countries spearheaded by the EU felt that the SCF was already devoting too much time on this issue.

The COP also adopted a largely procedural decision on the sixth review of the Financial Mechanism, taking note of the SCF’s work on the review and calling for greater complementarity and coherence between the Financial Mechanism’s operating entities, the Green Climate Fund (GCF) and the Global Environment Facility (GEF) and other sources of financial flows.  As both the GEF and the GCF are accountable to the COP, parties provided formal guidance to those multilateral climate funds under the UNFCCC. In the case of the GEF, controversy in the discussion among parties centered primarily on how to ensure that in its upcoming seventh replenishment period, funding continues to be provided to developing countries in the form of grants and concessional loans and that the GEF (which also serves other UN conventions on biodiversity and desertification) receives and allocates sufficient finance for its climate change focal area to address the needs and priorities of developing countries.

For the GCF, nominally the largest multilateral climate fund with confirmed commitments of USD 10 billion (of which USD 2 billion of the USD 3 billion US commitment will not be paid under the Trump administration), crucial issues in the COP guidance focus on increasing direct access to the Fund, as well as protecting the right of all eligible developing countries to access GCF funding using all financial instruments, grants as well as loans, guarantees, or equity investments. Background here is the rejection of a project requesting grant financing from Argentina at the last GCF Board meeting in early October in Cairo, where some developed country GCF Board members questioned the eligibility of Argentina as a middle-income country to receive GCF grant financing.  Reflecting a one-year stalemate in the GCF Board, the COP guidance to the GCF, at the last minute, was stripped of a provision introduced by small island states that would have requested the GCF trustee, in the interim the World Bank, to report to the COP on the alignment of the investment of the Fund’s assets with the Paris Agreement, i.e. ensuring that they are not invested in fossil fuels. This provision was opposed not surprisingly by the Arab States (with Saudi Arabia leading the opposition of such a Trust Fund Investment Policy in the GCF Board), but also by India and had to be stricken in order for the decision to be approved.

Meanwhile, in the real world, fossil fuels are increasingly being seen as risky business – and this perception now goes beyond coal. The Norwegian central bank – which runs the country’s $1tn sovereign wealth fund that also happens to be the biggest one in the world – has told its government it should dump its shares in oil and gas companies.

1.5°C and Geoengineering

The discussions around the need for increasing ambition significantly in the next few years were also fueled by the UN Environment’s Emissions Gap 2017 report that focuses mainly on 2030 and concludes: The emissions gap in the case of 1.5°C with higher than 50 percent probability is found to be 16 to 19 GtCO2e for conditional and unconditional NDCs respectively.

The fact that current pledges in the NDCs do not provide a clear pathway for limiting global warming to well below 2°C, let alone 1.5°C, is paving the way for more consideration of risky and dangerous geoengineering schemes.

But no silver bullet for climate change has yet been found. And while geoengineering technologies remain mostly aspirational, there are proven mitigation options that can and should be implemented vigorously. These include scaling up renewable energy, phasing out fossil fuels (including an early retirement of existing fossil infrastructure), wider diffusion of sustainable agroecological peasant agriculture, and decreased energy and resource input into our economy.

While COP23 saw many attempts to promote quick technofixes for the climate crisis (ranging from nuclear energy to CCS, Bioenergy with CCS / BECCS to solar geoengineering) at side events and “climate action” spaces, there were also, encouragingly, increased debates between academics and civil society on transformational approaches and pathways for 1.5°C – targeting the fossil fuel and energy sector, transport, agriculture, lifestyles, financial institutions, GDP growth, and many other out of the (climate) box ideas.

Given recent developments in the USA (including a Geoengineering Hearing of the Subcommittee on Environment and the Subcommittee on Energy on November 8th and the proposed SCoPEx outdoor experiment in 2018), it was refreshing to see big civil society networks raising their voices with a clear message: The Climate Action Network (CAN) International’s ECO newsletter of November 13th comments on SCoPex and the US Hearing: “Though the scientists involved are not climate sceptics, they are, at best, naive and play into the hands of a fossil fuel industry that attempts to sabotage all strong decarbonisation efforts. It is no surprise that the Trump-party dominated US Congress held an Energy and Environment Committee meeting on geoengineering earlier this week, where members supported geoengineering research and were willing to provide consistent funding for it as a tool to address climate change impacts, instead of adopting politically-unpalatable (to them) mitigation measures. Among other options, transparent, inclusive, and multilateral governance regimes under the UN could be established to consider whether experiments like these should proceed. If SCoPEx moves forward with its proposed tests in 2018, it could bring full-scale SRM deployment closer. Unpredictable ecological impacts of modifying weather patterns on a mass scale are a grave concern; even more so the risk that SRM is examined for military use, and the diversion of funding away from real solutions to the climate crisis.”

And members of the CBD Alliance expressed their alarm over increased talks of geoengineering in the UNFCCC in an Open letter to the UNFCCC: “Geoengineering is a distraction from the real priorities – emission reductions“.

Any debates on closing the emissions gap and increasing ambition post-Paris need to seriously consider real radical and transformative emission reduction strategies that rely on proven technologies and contribute to climate justice in the context of the Sustainable Development Goals and Planetary Boundaries.

Writing the Paris Rulebook

The Paris Agreement was successfully adopted in 2015 largely because the technical details were postponed until 2018.  For the first time in the Convention’s history, the Agreement stated basic obligations for all countries, and introduced new procedures which have become the workstreams or negotiating tracks which will result in the creation of what has become known as the Paris Rulebook.

The agenda of the APA – the Ad Hoc Working Group on the Paris Agreement – includes negotiations on features, information, and accounting guidance of countries’ national determined contributions (NDCs), adaptation communications, transparency, the five-year “ratchet and review” mechanism of the Paris Agreement (the Global Stocktake), implementation and compliance, the Adaptation Fund, and other matters. Over the first seven days, countries proposed all of the elements they want included in the principles, rules, modalities, and procedures for each of those sections, which were captured in several “Informal notes” throughout the process.  By the end of the session, the compilation of those notes totaled 266 pages and are annexed to a COP decision.

Another part of the Rulebook’s creation is tasked to the SBSTA – the Subsidiary Body on Scientific and Technical Advice.  These deliberations are crucial because they focus on international cooperation to enhance ambition as defined in Article 6 of the Paris Agreement.  One provision (Article 6.2) establishes “internationally transferred mitigation outcomes” (ITMOs) for countries to meet their NDCs.  Another (Article 6.4) establishes a new “Sustainable Development Mechanism” (SDM) to generate tradeable emissions units.  A third (Article 6.8) calls for a framework for non-market approaches to assist countries to implement their NDCs.

The question of market-based approaches post-Paris is very different from that in the Kyoto regime. Trading of ITMOs would take place in a radically changed world where Parties have not only committed to a 1.5 C degree target and long term deep de-carbonization, but where all Parties have committed to climate actions and emission reductions. This leaves no room for offsetting! Without clear rules, trading in ITMOs could blow significant holes into the Paris Agreement and weaken the environmental integrity of the new regime.

Just as in the APA, Parties added their preferred elements into each of the three agenda items, which were captured in Informal Notes on Articles 6.2, 6.4, and 6.8 – another 44 pages of potential “Paris rules” which will be taken up again at the next SBSTA session in May 2018.

Land Use in the Paris Rulebook

The agriculture, forestry and land use sectors will very likely play a key role in the market and non-market activities which are the subject of the SBSTA negotiations.  But industrialized countries can no longer paper over their lack of ambition in transitioning away from fossil fuels with cheaper emissions reduction projects in developing countries or in sectors such as agriculture and forestry.

Many countries added elements to the Article 6 discussions to safeguard the environmental integrity of any trading mechanism – to ensure that such an approach will lead to an overall reduction in global emissions.

Additionally, observers are detecting a link between the CORSIA, the carbon offsetting scheme which was established last year by ICAO — the International Civil Aviation Organization, a specialized UN agency – and the numerous references in the SBSTA text to cooperative approaches “outside the NDC.”  This refers to mitigation outcomes, including possibly from REDD+, the UN framework to reduce emissions from deforestation and forest degradation, being transferred to non-state actors such as CORSIA, which will likely require billions of dollars to offset growth in aviation emissions.[4]

While negotiators are concerned that there is no “double counting” from CORSIA (that emission reductions sold to CORSIA are not also included in a country’s NDC), it is also important to ensure that overall global emissions decrease – which can only happen with absolute emission reductions in key sectors such as aviation (that only benefit the rich and high polluting) and not if aviation growth is offset with forest carbon credits.

In parallel with COP 23, the ICAO council met from 30 October to 17 November to agree on draft rules for what types of offsets might be included in CORSIA.  If ICAO decides to include forest offsets in the CORSIA – which runs a high risk of not actually reducing overall omissions — it will create the illusion that flights are carbon-neutral when in fact overall emissions are increasing.  As a very important first measure, forest offsets must be excluded from the CORSIA.

Another element to watch as these talks on carbon markets progress –one which will only become more prominent – is the use of “blockchain technology” in carbon accounting and climate finance.  It is already referenced once in the rules being developed on internationally traded mitigation outcomes. Civil society must urgently educate itself on the functioning and risks of this disruptive technology and beware of its underlying ideology of cyberlibertarianism that depends to a large extent on far-right political thought.

Finally, an Outcome on Agriculture – now the real work can begin!

Nearly 800 million people – one in nine of the global population – suffer from chronic undernourishment, according to the most recent statistics from the Food and Agriculture Organization.  Food systems are responsible for between 19 and 29 percent of total global greenhouse gas emissions.

So it was unacceptable that UNFCCC talks on agriculture have been deadlocked for five years.  Developing countries have demanded that discussions focus on adaptation so that developed countries will provide them with financial support to ensure food security.  Developed countries have maintained a focus on mitigation so that developing countries reduce emissions from their agriculture sectors – that to a large degree produce food shipped around the world and consumed by people in rich countries (either directly or as feedstock for the global meat industry).

Mindful of rumors that agriculture might disappear from the official negotiations because of this lack of progress, everyone, including the Fijian presidency, was hoping to come out of this COP with some kind of meaningful outcome,

Nevertheless, a breakthrough early in the second week after five years of what could only be called bad faith negotiations still came as a genuine surprise to many observers.  Developed countries stepped back from their opposition to long-standing proposals from developing countries and agreed for the subsidiary bodies to “jointly address issues related to agriculture, including through workshops and expert meetings,” and to take “into consideration the vulnerabilities of agriculture to climate change and approaches to addressing food security.”

The decision on agriculture mandates a submissions process – which includes observers — to provide information on topics including: a) the outcomes of five in-session workshops; b) assessing adaptation, adaptation co-benefits and resilience; c) soil carbon, soil health and soil fertility; (d) improved nutrient use and manure management; (e) improved livestock management systems; and (f) socioeconomic and food security dimensions of climate change in the agricultural sector.

Scientific talks can now progress into action and the UN system can provide more strategic support to countries that need it.  Agriculture discussions in upcoming sessions should now be able to focus less on process and more on the tools and real life solutions that can make agriculture and food security less polluting and better able to cope with climate change.

The agreement on agriculture was a welcome piece of positive news in the early part the COP’s second week when most other negotiation streams appeared not to be progressing well.

Negotiators working on agriculture must now get their heads around the high and ever-increasing emissions from industrial meat production.  Commitments to keep global temperatures from rising above 1.5°C or even 2°C will not be possible without addressing the staggering emissions from the meat and dairy industry. By 2060, growth in meat and dairy production, driven in large part by these companies and by the industrial food system they represent, is on course to take up the entire budget of global emissions under a scenario of a 1.5°C increase targeted under the Paris Agreement. According to new research launched at COP 23, “Big meat and dairy’s supersized climate footprint,” the top 20 meat and dairy producers emit more greenhouse gases that Germany. And the three largest meat and dairy corporations emit more than either Exxon, Shell or BP. Agricultural discussions in the UNFCCC need to urgently address the non-CO2 emissions from agriculture. The political direction is clear and should guide us away from the industrial food chain towards the peasant food web.

Human Rights in the Paris Rulebook

One of the most significant victories of the Paris Agreement was the inclusion of language on human rights in its preamble, although hopes for an anchoring in the articles of the Agreement were shattered.  In the end, civil society campaigners and a few country delegates had to fight hard to ensure that mention of key principles and of Parties’ existing human rights obligations were not removed from the final text, including specific references to poverty alleviation, rights of Indigenous Peoples, public participation, gender equality and women’s empowerment, food security, just transition for workers and decent work, intergenerational justice, and ecosystem integrity.

But that win was only the start of the battle.  Now they must be embodied in five key elements of the Paris Rulebook being negotiated:  reporting guidelines on countries’ NDCs, adaptation communications, the transparency framework, market mechanisms, and the global stocktake.

So far, that’s not happening enough.  Which countries will prove willing to defend this agenda as human rights champions?  Less than a handful have stepped up to introduce the cross-cutting language necessary to enshrine these principles in the Paris Rulebook.

The terms “human rights,” “indigenous peoples and local communities,” “stakeholder consultations,” “elders and youth,” “just transition,” or “gender” appear only four times in the current draft of the rulebook for NDCs, in the section on information to be considered in the planning process of their design. They are referred to with different terminologies only a few times in the current drafts for adaptation communications and for transparency, and not at all in global stocktake.  Human rights appears eight times in the emerging rules on market mechanisms, and gender appears once.

The preambular language of the Paris Agreement regarding human rights is not new.  It refers to obligations which countries already have under other international frameworks such as the Universal Declaration of Human Rights. Incorporating these principles throughout the Paris Rulebook will not create additional burdens but, instead, will ensure policy coherence.  It is disheartening to not see stronger support by Parties for the inclusion of human rights considerations in the Paris Rulebook.  With time running out on writing the rulebook, for countries not to speak up for integration of human rights effectively undermines the implementation of the Paris Agreement in accordance and coherent with nations’ existing human rights obligations.

Human Rights in the Real World – The Climate Litigation Movement

we will all fight

and even though there are those

hidden behind platinum titles

who like to pretend

that we don’t exist

that the marshall islands

tuvalu

kiribati

maldives

and typhoon haiyan in the philippines

and floods of pakistan, algeria, colombia

and all the hurricanes, earthquakes, and tidalwaves

didn’t exist

 

still

there are those

who see us

 

Civil society, human rights defenders, and representatives of national and international human rights institutions held several meetings on the sidelines of COP 23 to establish a narrative that frames climate change as a human rights issue and to discuss legal avenues for holding big polluters accountable for human rights abuses resulting from climate change. Globally, there are now close to 900 climate cases litigated in courts, more than two thirds of them in the United States alone.

Meanwhile, it was encouraging to see real progress achieved during the duration of COP 23 in a handful of investigations and court cases of strategic climate litigation around the world:

On November 16th, the Center for International Environmental Law (CIEL) launched a major new synthesis report: Smoke and Fumes: The Legal and Evidentiary Basis for Holding Big Oil Accountable for the Climate Crisis. Drawing from the extensive and ongoing recent investigations into the oil industry’s history of climate research and climate denial, including the hundreds of documents compiled in CIEL’s own research, Smoke and Fumes presents the first comprehensive summary of what the oil industry knew about climate change, when they knew it, and how they misled investors and the public about climate science. Significantly, the report analyzes the available evidence in the context of core principles of legal responsibility that underlie tort and human rights regimes around the world, and maps that evidence to the rapidly developing science of climate attribution, providing a foundation – and a roadmap – for future investigations into corporate climate accountability.

The Peruvian farmer and mountain guide Saúl Luciano Lliuya, who has filed a lawsuit against the German utility RWE, received a groundbreaking victory in the higher regional court in Hamm on 13 November. .At the oral hearing, the court stated clearly that large emitters like RWE are liable for supporting people in poorer countries affected by climate change, paving the way for the case to proceed. For the first time, a court has said that a contributor to climate change must claim responsibility for the hazards associated with global warming.  RWE’s immense emissions threaten the plaintiff’s family and property as well as a large part of his home city of Huaraz. He is demanding that the company pay its fair share of adaptation costs. The District Court Essen first dismissed the civil lawsuit against RWE, but Lliuya filed an appeal before the Higher Regional Court Hamm against the negative ruling of the Regional Court.

During COP 21 in December 2015, the Commission on Human Rights of the Philippines (CHR) launched a first-ever investigation into the responsibility of carbon producers for human rights impacts resulting from climate change. The investigation was triggered by a petition filed by Philippine disaster survivors, communities, and 14 local NGOs including Greenpeace Southeast Asia-Philippines. Recently, the CHR called on 47 carbon producer corporations to attend a preliminary conference on 11 December 2017.

Mark 11 December in your calendar for another reason.  On that same day, in the famous Juliana v. United States climate lawsuit brought by 21 young plaintiffs in 2015 who argue that their constitutional and public trust rights are being violated by the government’s creation of climate danger, the U.S. Ninth Circuit Court of Appeals will hear oral argument over whether the Trump administration can evade trial. The case is one of many related legal actions brought by youth in several states and countries, all supported by Our Children’s Trust.

And finally: Norway. With the backing of a wide coalition, two environmental groups, Nature and Youth and Greenpeace Nordic, have filed a historic legal case against the Norwegian government for granting licenses to allow oil drilling in new areas of the Norwegian Arctic for the first time in 20 years. The plaintiffs argue that Norway thereby violates the Paris Climate Agreement and the right to a healthy and safe environment for future generations as stated in the Norwegian Constitution. The case, “The People vs. Arctic Oil,” was presented in the Oslo District Court on 14 November 2017. It is the first case that challenges drilling for new oil and gas based on the Paris agreement, and it is the first time the rights contained in Norwegian Constitutional Article §112 are invoked in Court, which could set an international precedent for future climate cases around the world. Live updates from the case can be accessed here.

Gender Action Plan

Women in developing countries are particularly vulnerable to climate change because of persistent gender discriminations and restrictions that deny them access to resources such as land, finance, and political power. Women remain underrepresented in decision-making bodies, including those related to mitigation and adaptation efforts, although the IPCC and prior COP decisions recognize that addressing global climate change needs the effective participation of women as agents of change in climate actions.

Recognizing these issues, the two-year “Lima work programme on gender” was initiated at COP 20 in 2014 to advance gender equality measures throughout the climate negotiations.  A COP 22 decision extended it for three more years until 2019 and calls for enhancements including the development of a “gender action plan” to support the implementation of gender-related decisions and mandates under the UNFCCC. At a gender and climate change workshop at the Bonn meetings in May, Parties and civil society representatives agreed on priority areas of action for the plan including capacity-building and knowledge generation, gender balance, participation and women’s leadership, coherence, means of implementation, and monitoring and evaluation. This goes significantly beyond the still important goal of achieving gender balance within the composition of delegations, and in all bodies established under the Convention, the Kyoto Protocol, and the Paris Agreement.

After several negotiating sessions over the first eight days of the COP, and with the specter of failure hanging over the negotiations, a final push propelled negotiators to agree on a Gender Action Plan (GAP). Building on the language of the Paris Agreement, the GAP reminds Parties that gender-responsive climate policy continues to require further strengthening in all activities concerning adaptation, mitigation, and related means of implementation (finance, technology development and transfer, and capacity-building) as well as decision-making on the implementation of climate policies.  Above all, it requires women to be represented in all aspects of the Convention process and gender mainstreaming through all relevant targets and goals in activities under the Convention as an important contribution to increasing their effectiveness.

It lists 16 targeted activities to be performed over the next two years with clear responsibilities and indicators on how gender integration can be improved in climate policy, among them: increasing the number of female climate decision-makers, bringing gender-responsive budgeting into climate finance processes, and increasing the participation of women from grass-roots, local and indigenous peoples’ communities in UNFCCC sessions.

While the approval of the Gender Action Plan can be seen as a COP 23 success and a long overdue step for the climate process, its full implementation is far from secured. With little funding for this purpose under the Secretariat’s approved administrative budget for the next two years, the GAP implementation process remains dependent almost exclusively on voluntary contributions by the Parties, which were not yet forthcoming in Bonn.

Further, the UNFCCC’s gender mainstreaming effort must look beyond the GAP and its signal of intent.  In order to have real traction, gender mainstreaming efforts must focus on finding entry points for gender actions in the negotiations beyond the actions listed in the GAP.  This must be the task of the technical experts negotiating mitigation, adaptation, finance, and technology provisions – negotiators who were not involved in the discussions on gender mainstreaming in Bonn. For the GAP to become more than an “add-on” to otherwise still gender-blind climate negotiations, gender champions must compel negotiators to include gender considerations across all negotiating tracks of the Paris Agreement – in the elements of the Paris rulebook and in its Finance Mechanism.  It should also be noted that the GEF and the GCF, the operating entities of the financial mechanism of the Paris Agreement, pursue a gender mainstreaming approach with separate gender policies and action plans and are expanding their own accountability frameworks on ensuring improved gender equality results for all their actions.

Local Communities and Indigenous Peoples Platform

Indigenous Peoples and local communities have been clamoring for a seat at the UN climate change table since shortly after the signing of the Convention in 1992.  They are often the first to face the consequences of climate change since their livelihoods are nearly totally dependent upon the environment and its resources.  A recent study revealed that at least one quarter of all tropical forest carbon is found in the collectively managed territories of indigenous peoples and local communities, and peer-reviewed evidence demonstrates that they do a better job at maintaining forests than any other land management strategy.  Still, without secure rights, these communities and their forests are at risk of illegal and forced encroachment, conflict, and capture by more powerful interests.

The need to strengthen the efforts of local communities and indigenous peoples in responding to climate change was recognized in the Paris Decision text which established a platform for the exchange of experiences and sharing of best practices.

A highly successful “open dialogue” on advancing the platform took place at the UNFCCC inter-sessionals this past May, and an agenda item on creating the platform was included in the official negotiations for the first time at this COP.  But after a preliminary text appeared early in the conference, the negotiations seemingly stalled as no new text appeared for some days.

Reportedly, some developed countries proposed that the platform be established outside the formal UNFCCC process since the UNFCCC, being a Party-driven process, would limit the involvement of indigenous peoples.  There was also the complicated matter of how different countries recognize their indigenous cultures.  And there is a long-standing issue of how distinct rights provided for indigenous peoples might differ from local communities.

So it was indeed a major and satisfying victory – “a big advance” said one prominent group representing Amazon indigenous communities – when final text appeared and was adopted.  The Local Communities and Indigenous Peoples Platform, while only a small step towards recognizing and respecting the perspectives and knowledge of indigenous peoples in this process, contains some key elements.  It recommends the full and effective participation of indigenous peoples (recognizing the principle of free, prior and informed consent, or FPIC), equal status of indigenous peoples and Parties, including in leadership roles, identifies the functions of the platform as knowledge, effective engagement, and the integration of indigenous peoples’ knowledge systems into climate actions and policies, and recommends adequate funding from the Secretariat and voluntary contributions to fulfill the platform’s functions.

It seems that the UNFCCC is finally catching up with other UN processes like the Convention on Biological Diversity (CBD) where indigenous peoples’ rights, cultures and knowledge systems have been part of debate and decisions for many years. But other indigenous peoples’ observers at COP 23 have a less positive assessment. The Indigenous Environmental Network (IEN) concludes: “The challenge for our Indigenous Caucus is that the countries that are parties to this UN climate conference are very cautious on the process and rules for inclusion of Indigenous peoples in a decision-making role in the operationalizing of the platform. We need to be clear that on the final day of this two week 23rd Session of the Conference the Parties (COP 23), the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) has not recognized our rights. The final document from the parties to this conference says they only will ‘consider their respective obligations on the rights of indigenous peoples and local communities.”

A TALE OF TWO COPs

dear matafele peinam,

 

don’t cry

 

mommy promises you

 

no one

will come and devour you

 

no greedy whale of a company sharking through political seas

no backwater bullying of businesses with broken morals

no blindfolded bureaucracies gonna push

this mother ocean over

the edge

 

 

COP 23 was actually two conferences, located at opposite ends of Bonn’s Rheinaue Park on the banks of the River Rhine.  On the north end, in the familiar World Conference Center and a temporary structure on the UN campus, was the official “Bula” zone, where increasingly bleary-eyed delegates and the civil society representatives tracking them ran from room to room trying to navigate often-overlapping negotiating sessions.

Some two kilometers south in the “Bonn Zone,” where side events, information sessions, and countless conversations were held, the spirit was festive and colorful, frequently positive and solution-oriented, and very often mixed with combative notes of defiance and resistance against failed decision-making.  Many of those, however, were almost by default too self-centered and self-referential, since interaction with climate decision-makers was decidedly difficult.  Experiences and stories from the front line of climate change, and potential climate solutions should have had a chance to be heard by the negotiators in the Bula zone.

Halfway between Bonn and Bula, just outside the official zone, stood a giant tent housing the U.S. Climate Action Center, an initiative of the “We Are Still In” campaign, with more than 1,700 corporate signatories including Amazon, Apple, Nike, and Target.  U.S. mayors, governors, corporations, and university presidents highlighted climate actions that continue to ramp up regardless of the Trump administration’s announced withdrawal from the Paris Agreement.  The fundamental message throughout the center was, “Donald Trump cannot stop us.” This led to the interesting dynamic that this “unofficial US delegation” proved more effective in Bonn then the negotiators delegated by the White House and showed that increasingly, and not just for the US, real climate change ambition and action is demonstrated by those not formally represented in the UNFCCC process.

Activities by civil society, government, and corporations numbered in the hundreds, in official and unofficial side events, Global Climate Action Agenda initiatives on agriculture, transport, forests, and many other topics, and various announcements timed to the COP.

Billionaire philanthropist and former New York City mayor Michael Bloomberg, the UNFCCC’s special envoy for cities, and California governor Jerry Brown launched “America’s Pledge,” an initiative to measure emissions reductions by so-called “non-state actors.”  Bloomberg argued that his coalition of cities, states, and businesses represents more than half of the U.S. economy – the third largest economy in the world if it were a country – and should be given a seat at the negotiating table of the UN climate talks.

Nineteen countries intend to end their reliance on coal as an energy source as announced in the Powering Past Coal Alliance which hopes to have 50 members by the time of next year’s COP.  The US, Australia, and Germany are conspicuously missing from the list. This announcement proved quite successful in sidelining Germany at the same time as negotiations in Berlin over the formation of a new government, which ultimately failed, hit a major stumbling block over the question of a coal phase-out and Germany’s future climate policy. Although the alliance is an interesting political move, the seriousness of commitment of at least some of its members remains in doubt.  Bear in mind that one signatory, the UK, continues to cut subsidies for renewable energy and that production from the tar sands in Canada, another signatory, continues unabated.

COP 23 also saw a High Level Call to Constrain Oil, Gas, and Coal Production to Achieve the Paris Goals: High level officials from Pacific Islands have called for a reigning in of fossil fuel production in order to stay within the climate limits agreed to in Paris. This requires a halt to exploration for, and expansion of, new reserves and a managed decline and just transition away from fossil fuel production starting with wealthy countries and states which have the means to act first and fastest. These calls echoed the goal of the Lofoten Declaration, which affirms that it is the urgent responsibility and moral obligation of wealthy fossil fuel producers to lead in these efforts. The Lofoten Declaration has been signed by nearly 500 organizations globally. His Excellency Anote Tong, the former President of Kiribati, and François Martel, Secretary General of the Pacific Islands Development Forum, formally signed the Lofoten Declaration at COP 23.

The call for an end of the fossil fuel era throughout numerous events in the Bonn Zone echoed the messages of the People’s Climate Summit from 3-7 November, the Climate March that saw 25,000 people on the streets of Bonn on 4 November, and Ende Gelände, a peaceful mass civil disobedience action against open pit lignite coal mining in the Rhineland, from 5-7 November.  All of these events articulated a message of global solidarity and climate justice and highlighted feasible alternatives to a corporatist approach to climate negotiations with false solutions in addressing the climate crisis.

Fossil fuels were not the only action item at COP 23.  On 16 November, the 19 member countries of the “Biofuture Platform” including Brazil, China, Egypt, France, India, Morocco, and Mozambique announced a formal agreement on the development of targets for biofuels and to construct an action plan to achieve them.  “Sustainable biofuels can provide solutions to the energy transport nexus. This partnership offers us that chance,” said Rachel Kyte, Special Representative of the UN Secretary-General and CEO of Sustainable Energy for All.  Given that the carbon neutrality of bioenergy remains nothing more than a myth, Rachel Kyte is a core architect of the UN’s push to economic valuation of nature and valuation of natural capital.  Several of the founding signatories are countries known for land grabs and fundamental human rights abuses when it comes to the land sector.  The positive value of this initiative is impossible to grasp.

The story of two COPs can be told from two perspectives. One story is this: separating observers and their meeting spaces from the official negotiations will make it increasingly difficult to hold governments accountable for how they act in the UNFCCC space and will provide those worried about too many critical voices with an excuse to hand out even fewer badges at future COPs. For the civil society folks who  received the coveted two-zone accreditation, their efforts to bridge the geographical (if not the political) divide revolved primarily around the use of rental bicycles provided free of charge to make the daily trips back-and-forth and serve as “connective tissue” for both zones.  Many of them took up the challenge with vigor, despite the cold and continuous drizzle, even if that meant taking impromptu bike-riding lessons (for example, the Women and Gender Constituency provided a bike-riding “capacity building” training on site).

But there’s another way of telling this story: COP 23 was boring.  Negotiations were not only very technical but had little relevance to what happens in the real world. The “other COP” in the Bonn Zone was where the action was, where real solutions (and some false ones) for implementing Paris and increasing ambition were tabled and discussed. Negotiators stuck in the Bula Zone discussing how to measure, report, and verify progress on implementation were isolated from the substantive talks of what implementation actually means – a fact that is easily seen by reading the outcome documents of COP 23.

still

there are those

who see us

 

hands reaching out

fists raising up

banners unfurling

megaphones booming

and we are

canoes blocking coal ships

we are

the radiance of solar villages

we are

the rich clean soil of the farmer’s past

we are

petitions blooming from teenage fingertips

we are

families biking, recycling, reusing,

engineers dreaming, designing, building,

artists painting, dancing, writing

and we are spreading the word

 

and there are thousands out on the street

marching with signs

hand in hand

chanting for change NOW

 

and they’re marching for you, baby

they’re marching for us

 

because we deserve to do more than just

survive

we deserve

to thrive

 

[1] Rallying call of the Pacific Climate Warriors at COP 23

[2] The authors would like to thank Teresa Anderson, Kate Dooley, Sébastien Duyck, Stephen Leonard, Julie-Ann Richards, Anne-Laure Sablé, and Hans Verolme for their contributions to this analysis.

[3] On 23 September 2014, Kathy Jetnil-Kijiner, a Marshall Islander poet and spoken word artist, addressed the Opening Ceremony of the UN Secretary-General’s Climate Summit and performed her poem entitled “Dear Matafele Peinem” written to her daughter. We are citing from that poem here throughout our analysis with the permission of the author. For more information on Kathy and her work see: https://www.kathyjetnilkijiner.com

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