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Aktualisiert: vor 1 Stunde 6 Minuten

Plastik und Gesundheit – Die versteckten Kosten der Plastikkrise

19 Februar, 2019 - 11:55

Ein absolutes Must-Read für alle, die sich für’s Plastikthema interessieren, ist heute erschienen: Plastic & Health – the Hidden Costs of a Plastic Planet von CIEL, Earthworks, IPEN, GAIA, Break Free From Plastic und vielen anderen beschreibt und belegt detailliert die negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Plastik (vom Fracking bis zum Meeremüll) durch vor allem giftige Chemikalien und Mikroplastik ergeben.

Diese Infographik fasst das wunderbar zusammen:

Den gesamten Bericht gibt es hier: ciel.org/plasticandhealth

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick (bisher leider nur auf Englisch):

Key findings

At every stage of its lifecycle, plastic poses distinct risks to human health, arising from both exposure to plastic particles themselves and associated chemicals. The majority of people worldwide are exposed at multiple stages of this lifecycle.

Extraction and Transport

99% of plastic comes from fossil fuels. The extraction of oil and gas, particularly hydraulic fracturing for natural gas, releases an array of toxic substances into the air and water, often in significant volumes. Over 170 fracking chemicals that are used to produce the main feedstocks for plastic have known human health impacts, including cancer, neurological, reproductive, and developmental toxicity, impairment of the immune system, and more. These toxins have direct and documented impacts on skin, eyes, and other sensory organs, the respiratory, nervous, and gastrointestinal systems, liver, and brain.

Refining and Manufacture

Transforming fossil fuel into plastic resins and additives releases carcinogenic and other highly toxic substances into the air. Documented effects of exposure to these substances include impairment of the nervous system, reproductive and developmental problems, cancer, leukemia, and genetic impacts like low birth weight. Industry workers and communities neighboring refining facilities are at greatest risk and face both chronic and acute exposures during uncontrolled releases and emergencies.

Consumer Products and Packaging

Use of plastic products leads to ingestion and/or inhalation of large amounts of both microplastic particles and hundreds of toxic substances with known or suspected carcinogenic, developmental, or endocrine-disrupting impacts.

Waste Management

All plastic waste management technologies (including incineration, co-incineration, gasification, and pyrolysis) result in the release of toxic metals, such as lead and mercury, organic substances (dioxins and furans), acid gases, and other toxic substances to the air, water, and soils. All such technologies lead to direct and indirect exposure to toxic substances for workers and nearby communities, including through inhalation of contaminated air, direct contact with contaminated soil or water, and ingestion of foods that were grown in an environment polluted with these substances. Toxins from emissions, fly ash, and slag in a burn pile can travel long distances and deposit in soil and water, eventually entering human bodies after being accumulated in the tissues of plants and animals.

Plastic in the Environment

Once plastic reaches the environment in the form of macro- or microplastics, it contaminates and accumulates in food chains through agricultural soils, terrestrial and aquatic food chains, and the water supply. This environmental plastic can easily leach toxic additives or concentrate toxins already in the environment, making them bioavailable again for direct or indirect human exposure. As plastic particles degrade, new surface areas are exposed, allowing continued leaching of additives from the core to the surface of the particle in the environment and the human body. Microplastics entering the human body via direct exposures through ingestion or inhalation can lead to an array of health impacts, including inflammation, genotoxicity, oxidative stress, apoptosis, and necrosis, which are linked to an array of negative health outcomes including cancer, cardiovascular diseases, inflammatory bowel disease, diabetes, rheumatoid arthritis, chronic inflammation, auto-immune conditions, neuro-degenerative diseases, and stroke.

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Neue Studie: Öl ins Feuer – Wie Geoengineering die fossile Industrie stärkt und die Klimakrise beschleunigt

14 Februar, 2019 - 09:19

Der aktuelle Bericht „Fuel to the Fire“ des Centers for International Environmental Law (CIEL) und der Heinrich-Böll-Stiftung analysiert, wie das zunehmende Interesse an Geoengineering als vermeintlicher Wunderwaffe gegen den Klimawandel in Wirklichkeit die Klimaziele schwächt und die fossile Infrastruktur auf Jahrzehnte zementieren könnte.

Der Bericht Fuel to the Fire: How Geoengineering Threatens to Entrench Fossil Fuels and Accelerate the Climate Crisis illustriert die Instrumentalisierung der zunehmend eskalierenden Klimakrise um Geoengineering-Technologien salonfähig zu machen. Dabei geht es vor allem um bislang unausgereifte Technologien mit zum Teil unkalkulierbaren Folgen wie Carbon Dioxide Removal (CDR – Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre) oder Solar Radiation Management (SRM – künstliche Reduzierung der Sonneneinstrahlung). Der Bericht analysiert die tragende Rolle der fossilen Industrien wie Gas, Öl und Kohle bei der Entwicklung und Förderung von Geoengineering-Technologien und erläutert, wie diese Technologien in erster Linie die fossile Industrie am Lebenhalten und ihr neue Geschäftsfelder eröffnen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Analysen weisen darauf hin, dass 85 % der US-Subventionen für Carbon Capture & Storage (CCS; CO2-Abscheidung und -Lagerung) und Direct Air Capture DAC (Direkte Luftabscheidung und Speicherung von CO2) in die „Enhanced Oil Recovery“ (Tertiäre Ölförderung) und damit in die Produktion von noch mehr Öl und Gas fließen.
  • Die Befürworter/-innen von Geo-Engineering gehen davon aus, dass durch CCS-Projekte bis zum Jahr 2040 alleine in den USA 40 % mehr Kohle und bis zu 923 Millionen Barrel Öl zusätzlich gefördert werden könnten.
  • Energieintensive Direct Air Capture (DAC)-Projekte werden in erster Linie für die Erzeugung von Kohlenwasserstoff-Brennstoffen genutzt, die dann ebenfalls verbrannt werden. Sie tragen dadurch entweder zu neuen CO2-Emissionen bei oder sie bedeuten eine massive Umwidmung erneuerbarer Energie mit energetisch hoch ineffizienten Ergebnissen, während gleichzeitig die Abkehr vom Verbrennungsmotor gebremst wird.
  • Befürworter/-innen der fossilen Industrie sagen offen, dass sie CCS und CDR zur Sicherung der Zukunft von Kohle, Öl und Gas und zur Erschließung von neuen Reserven für unerlässlich erachten. Damit ist das endgültige Überschreiten unseres CO2-Budgets vorprogrammiert.
  • Ungeachtet der Mahnungen des Weltklimarats (IPCC), dass die Welt bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen muss, wollen Ölfirmen mithilfe von CDR die zentrale Rolle von Erdöl und Erdgas bis mindestens 2100 sichern.
  • Seit Jahrzehnten werben die Verfechter/-innen des Solar Radiation Management (SRM) für diese Technologie, da so Klimaschutzmaßnahmen verzögert und aufgeweicht werden können.
  • SRM-Befürworter/-innen gehen in ihren Modellen von der Grundannahme aus, dass die Menschheit über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, Sulfate oder andere Aerosole in die Stratosphäre sprühen wird – um gleichzeitig mit CDR die Emissionen wieder zu senken.
  • Angesichts der Tatsache, dass die Klimawandelleugner/-innen zunehmend auf verlorenem Posten stehen, nutzen sie Geoengineering als neues Argument, um ernsthafte Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern oder hinauszuzögern.

Als wir die Arbeit zu diesem Report mit CIEL vor über einem Jahr begonnen, war uns schon klar, dass die Interessen der Öl- und Gasindustrie an CCS enorm sind und dass die überwiegende Mehrheit von CCS vor allem der Produktion von noch mehr Öl/Gas/Kohle dient (enhanced oil recovery / EOR).

Aber was CIEL nun aufgedeckt hat, geht weiter darüber hinaus: Die Interessen genau derjenigen Industrie, die am meisten zum Klimawandel beigetragen hat und beiträgt, sind wesentliche Treiber hinter diesen Technologien – und das seit Jahrzehnten!

Besonders überraschend kam das für uns – und bestimmt auch für viele anderen – bezogen auf Solar Radiation Management (SRM). Hier ein paar konkrete Beispiele aus dem Bericht:

  • Haroon Kheshgi and Brian Flannery von Exxon haben einige der ersten Artikel zum Thema SRM und ocean geoengineeering verfasst. Sie waren bis Mitte der 2000er Jahre aktiv und stetig in Workshops zum Thema dabei.
  • Für den einflussreichen Novim Climate Engineering Report hatte Steve Koonin den lead, zu einer Zeit, als er Chief Scientist bei BP war. Es ist belegt, dass Steve Koonin mindestens bis 2017 aktiv die Interessen der fossilen Industrie und Klimaskeptiker-Meinungen vertreten und befördert hat.
  • ExxonMobil war einer der wichtigen Unterstützer des Bipartisan Policy Center als BPC geoengineering als Lösung der Klimakrise vorschlug.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus dem Bericht ist die Rolle von Klimaskeptikern und ihren Finanziers beim Thema Geoengineering. Zum Beispiel:

  • David Schnare, senior environmental fellow beim Thomas Jefferson Institute (TJI), hat sich wiederholt für den Einsatz von Geoengineering ausgesprochen. TJI hat finanzielle Unterstützung vom Donors Trust und vom Donors Capital Fund erhalten – intransparente Organisationen, die Klimaskeptiker finanzieren.
  • Lee Lane, Co-Director des Geoengineering Projekts des American Enterprise Institute’s (AEI) hat sich vor dem US Kongress für ein Geoengineering Forschungsprogramm stark gemacht. AEI (Finanziers: u.a. ExxonMobil, Amoco, Donors Capital Fund, Charles G. Koch Foundation) gehört zu den führenden Organisationen im Bereich Climate Denial. Ihr Geoengineering Projekt lief von ca. 2008 bis 2010 und hat sich aggressiv und lautstark für Geoengineering eingesetzt. Lane hat auch diverse Konferenzen zum Thema ausgerichtet sowie Artikel und Bücher verfasst. Einer seiner Artikel, An Analysis of Climate Engineering as a Response to Climate Change, wurde für das Copenhagen Consensus Center (CCC) geschrieben, dass sich aktiv gegen Klimaschutzmaßnahmen einsetzt. Der Artikel erschien später in einem Buch von CCC Präsident Bjørn Lomborg.

Und das sind nur ein paar der Beispiele aus „Fuel to the Fire“…

Steven Feit von CIEL, einer der Ko-Autoren des Berichts, fasst es ganz schön zusammen:

„Seit sechs Jahrzehnten behaupten die Ölfirmen, dass der Klimawandel nicht existiert, dass er nicht vom Menschen gemacht ist, und dass er, wenn er doch vom Menschen gemacht sein sollte, völlig unproblematisch ist. Seit einiger Zeit nun verkaufen uns die Unternehmen den Klimawandel als ein rein ingenieurstechnisches Problem – um im selben Atemzug zu behaupten, die Lösung liege in hochriskanten Geoengineering-Strategien – während sie selbst noch mehr Öl, Gas und Kohle fördern und genau so weitermachen wie bisher – ein Verhalten, das genauso gefährlich ist wie die Jahrzehnte des Leugnens.“

Der Report schaut sich jedoch übrigens auch die Alternativen an und listet eine ganze Bandbreite an neuen wissenschaftlichen Studien, Reports, Modellen und Szenarien auf, die klar machen: 1.5°C geht auch ohne Geoengineering, wenn wir neben radikal transformativen Emissionsreduktionspfaden auch auf den Schutz und die Wiederherstellung unserer natürlichen Ökosysteme setzen.

Mehr zum Thema Geoengineering gibt es beim GeoengineeringMonitor.

Mehr zum Thema 1,5°C und Transformationspfade in unserem Radical Realism Webdossier.

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Das nennt man wohl Green Talk – Schweizer Banken finanzieren CO2

8 Februar, 2019 - 11:12

Ein Gastbeitrag von Yvonne Anliker, Mediensprecherin Greenpeace Schweiz

Die zwei Schweizer Großbanken Credit Suisse und die UBS finanzieren eine Menge CO2: Durch die Geschäftsbeziehungen mit «nur» 47 Unternehmen haben die Banken zwischen 2015 und 2017 insgesamt 182,9 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen verantwortet. Allein 2017 finanzierten die Credit Suisse und die UBS 93,9 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen – das sind doppelt so viele, wie die Schweiz in einem Jahr verursacht. Klimaschutz sieht definitiv anders aus!

Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS sind nicht nur gut darin, Geld arbeiten zu lassen. Sie wissen auch, wie man sich mit Worten ein gutes Image verpasst. «Als globales Finanzinstitut anerkennt die Credit Suisse ihren Teil der Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels durch die Unterstützung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft und trägt dem Klimaschutz auf mehreren Ebenen Rechnung», heißt es etwa auf der Website der Credit Suisse . Auch die UBS geizt nicht mit großen Worten: «Die Welt und die Werte bewahren», steht da. Und «Die umfassende Klimawandelstrategie von UBS legt den Fokus auf die vielen Möglichkeiten zur Unterstützung des Übergangs zu einer CO₂-armen Wirtschaft.»

Diesen Worten Glauben zu schenken und sie nicht einfach als leeres Geschwätz und als ausgeklügelte Öffentlichkeitsarbeit abzutun, fällt schwer. Bislang haben die Credit Suisse und die UBS in keiner Weise Anlass zur Hoffnung gegeben, dass sie wirklich dazu bereit sind, wirkungsvolle Maßnahmen für einen starken Klimaschutz zu ergreifen. Es ist gar zu bezweifeln, ob die zwei Großbanken tatsächlich die Weltgemeinschaft bei der Erreichung des in Paris verabschiedeten Ziels, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad und möglichst 1,5 Grad zu beschränken, unterstützen wollen.

Nicht zuletzt deshalb, weil Greenpeace Schweiz jüngst aufzeigen konnte, dass die Credit Suisse und die UBS nach wie vor stark in das Geschäft mit Unternehmen im Bereich fossiler Brennstoffe involviert sind. Die zwei Großbanken stellten von 2015 bis 2017 insgesamt 12,3 Milliarden US-Dollar für 47 Unternehmen bereit, die besonders dreckige, so genannte extreme fossile Brennstoffe, nutzbar machen. Dazu zählen Kohle, Öl aus Teersanden, aus der Arktis und der Tiefsee sowie Flüssiggas (LNG).

Greenpeace Schweiz ließ die aus diesen Finanzierungen resultierenden Emissionen von ISS-Ethix aus Zürich berechnen und vom Datenanbieter right. based on science aus Frankfurt auswerten. Der Bericht zeigt, dass die beiden Großanken in den Jahren 2015, 2016 und 2017 mit den 12,3 Milliarden US-Dollar total 182,9 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen finanzierten. Die Credit Suisse war für mehr als zwei Drittel davon verantwortlich.

Im betrachteten Zeitraum war das Jahr 2017 besonders schädlich für das Klima: Zwei Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens finanzierten die zwei Großbanken über die untersuchten 47 Unternehmen 93,9 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen. Das sind rund doppelt so viele Emissionen wie die Schweiz im Inland in einem Jahr verursacht. Die Credit Suisse trug dabei mit 82,6 Millionen Tonnen weitaus am meisten zum klimaschädlichen Geschäft bei.

Statt also – wie mit blumigen Worten beschrieben – eine aktive und führende Rolle im Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu übernehmen, befeuern die Credit Suisse und die UBS den Klimawandel.

Das nennt man wohl Green-Talk!

 

Hinweis:

Der Begriff „extreme fossile Brennstoffe“ bezeichnet nicht-konventionelle Kohlenwasserstoffe, wie extremes Öl (Teersand, arktisches und Tiefsee-Öl), verflüssigtes Erdgas (LNG), Kohleabbau und Kohlekraftwerke. Diese Auswahl an fossilen Brennstoffen basiert auf den Berichten der Carbon Tracker Initiative, die Öl- und Gasprojekte mit dem höchsten finanziellen Risiko identifizierte, wenn es gelingen soll, die Klimaerwärmung deutlich unter 2-Grad zu halten. Auch der gesamte Kohlesektor wird wegen seiner Unvereinbarkeit mit der Klimastabilität und den gravierenden Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und Menschenrechte einbezogen.

 

Weiterführende Links:

Medienmitteilung von Greenpeace Schweiz https://www.greenpeace.ch/medienmitteilungen/schweizer-grossbanken-finanzieren-treibhausgasemissionen-im-grossen-stil/

Das Factsheet «Schweizer Banken und die von ihnen finanzierten Emissionen» https://www.greenpeace.ch/wp-content/uploads/2019/01/Finanzierte_Emissionen_Greenpeace_FactSheet.pdf

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Bundesregierung zu „Negativen-Emissions-Technologien“: grundlegende Risiken und in ihrem Potential überschätzt

5 Februar, 2019 - 14:39

Die Bundesregierung positioniert sich in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP zum Status Quo von CO2-Entnahmetechnologien (also: Carbon Dioxide Removal (CDR), eine Form von Geoengineering) erstaunlich kritisch in Bezug auf weitere Erforschung und den perspektivischen Einsatz von CDR-Technologien. So schreibt die Bundesregierung:

Vorliegende Studien zu einzelnen Ansätzen der CO2-Entnahme, die in der Regel auf Modellannahmen basieren, verweisen auf grundlegende, teils erhebliche Risiken sowie auf vielfach noch ungeprüfte Annahmen hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit. (…) Auch Aspekte wie Akzeptanz und internationale Abstimmung (Governance) sowie ethische und rechtliche Fragen sind vielfach ungeklärt.

Die FDP hat sich jüngst vermehrt in die Debatte rund um Geoengineering eingemischt – siehe hier, hier und hier) – mit Positionen, die klar im Pro-Lager angesiedelt sind.

Die Bundesregierung stellt klar, in ihrer Klimapolitik nicht auf CDR-Technologien setzen zu wollen:

Aus Sicht der Bundesregierung besteht aktuell keine ausreichende Wissensgrundlage, um eine Bewertung hinsichtlich der Erprobung und Anwendung von CDR-Technologien, bzw. einer Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels vorzunehmen.

Auch in den Klimaschutz-Szenarien der EU-Kommission, so die Bundesregierung, spielen CDR-Technologien eine sehr geringe Rolle.

In der Antwort wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Angaben von technischen oder theoretischen Potentialen mit Vorsicht zu genießen seien: Sie würden die bestehenden regulatorischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Einschränkungen nicht immer ausreichend Rechnung tragen – damit sind bspw. Nutzungskonkurrenzen, Genehmigungsfähigkeit, die Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen und die öffentliche Akzeptanz.

Die Größenordnungen der sozioökonomisch und ökologisch vertretbaren Potenziale sollten jedoch nicht überschätzt werden.

Die Bundesregierung stellt außerdem klar, keine Projekte zur Erforschung oder Verwendung im Globalen Süden zu betreiben, auch nicht im Rahmen ihrer Entwicklungszusammenarbeit.

Soweit, so gut. Besonders positiv fällt jedoch die Vorabbemerkung der Bundesregierung gleich zu Beginn des Antwortschreibens auf, in dem sie eine Haltung einnimmt, die weit progressiver ausfällt als die Mainstream-Lesart des 1,5°C-Berichts des IPCC:

Der IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung stellt fest, dass negative Emissionen (Carbon Dioxide Removal, CDR) höchstwahrscheinlich notwendig sein werden, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Allerdings sind damit nicht zwingend technische Maßnahmen zur CO2 -Entnahme aus der Atmosphäre gemeint. Der IPCC-Sonderbericht umfasst auch modellierte Emissionspfade, die das 1,5 Grad-Ziel einhalten und dabei ohne BECCS und andere technische CDR-Maßnahmen auskommen. In diesen modellierten Pfaden können die jeweils notwendigen negativen Emissionen auch durch ökosystembasierte Ansätze erreicht werden.

Neben Emissionsreduktionen aus fossilen Quellen will die Bundesregierung vor allem auf ökosystembasierte Maßnahmen setzen. Dabei sollte sie sich unbedingt an den Empfehlungen des CLARA-Netzwerks („Missing Pathways to 1.5°C“) und von Greenpeace (Waldvision) orientieren, die auf biodiverse, komplexe Wald- und andere Ökosysteme setzen statt auf die Aufforstung von Monokulturen.

Aber auch hier ist klar: Mit einem industriefreundlichen, viel zu späten und viel zu trägen Kohleausstieg in 2038 wird uns auch die CO2-Bindung in Ökosystemen nicht retten – geschweige denn der Einsatz von Geoengineering-Technologien, die von der fossilen Industrie (und der FDP) favorisiert werden.

#RadicalRealism muss daher heißen: Nein zu Geoengineering, und Ja zum sofortigen Kohleausstieg!

Beitrag von Linda Schneider

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Hohe Erwartungen, große Enttäuschung – Die UN-Klimakonferenz von Katowice COP 24

16 Januar, 2019 - 17:54

Dies ist eine Auswertung der UN-Klimakonferenz COP 24, die vom 30. November bis 16. Dezember im polnischen Katowice stattfand.  Geschrieben wurde der Text von Don Lehr und Liane Schalatek, mit Unterstützung und Beiträgen von Kate Dooley, Lili Fuhr, Agata Keller, Erika Lennon, Linda Schneider, Katarzyna Ugryn und Hans Verolme.

 

Auf der COP 24 wurde das Katowicer Klimapaket („Katowice Climate Package“) als ein Sammelwerk von Dokumenten als Regelbuch zum Pariser Klimaabkommen verabschiedet, das allerdings vorerst ohne Bestimmungen für den Emissionshandel auskommen muss. Zudem wurden einige andere Entscheidungen gefällt und Maßnahmen beschlossen, die im Zusammenhang mit Themen wie Finanzierung, Gender und indigenen Völkern zu kleinen Fortschritten führen. Insgesamt gesehen lieferte die COP 24 aber nichts zu den grundlegendsten Problemen wie der nötigen Steigerung der nationalen Klimaschutzbeiträge, der Einbeziehung von Menschenrechten in das Regelbuch zum Pariser Übereinkommen und der Sicherstellung einer gerechten und zuverlässigen Unterstützung für Entwicklungsländer, um ihnen bei ihren Bemühungen um die Bekämpfung der Erderwärmung und deren Auswirkungen zu helfen.

Die vorliegende detaillierte Analyse berichtet

  • was in den beiden Verhandlungswochen passierte,
  • bewertet das Katowicer Klimapaket,
  • wirft einen genaueren Blick auf andere Entscheidungen und Tagesordnungspunkte der COP 24
  • gibt eine Zusammenfassung der Aktionen und Veranstaltungen, die neben der offiziellen Konferenz stattfanden
  • beschreibt, wie die gesamte Veranstaltung aus der Perspektive der polnischen Gastgeber verlaufen ist
  • und fragt was folgt.
HOHE ERWARTUNGEN AUF EHRGEIZIGE ZIELE

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), das UN-Organ, das den Klimawandel aus wissenschaftlicher Warte untersucht, hat in seinem am 8. Oktober veröffentlichten Sonderbericht (Special Report on Global Warming of 1.5°C) Alarm geschlagen, um die Welt in letzter Minute noch zu retten.

Die Hauptaussagen dieses Berichts lassen keine Zweifel offen: Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5° C ist nur möglich, wenn die CO2-Emissionen bis 2030 – also in lediglich 11 Jahren – um die Hälfte reduziert werden und bis 2050 „Netto-Null“ erreichen. Derart drastische Emissionssenkungen erfordern eine massive Transformation der weltweiten Energie- und Verkehrssysteme sowie den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme.

Als am 2. Dezember 2018, fast drei Jahre nach der Verabschiedung des Übereinkommens von Paris, in Katowice, einer Stadt mitten in Polens wichtigster Kohleregion, die 24. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP 24) zur UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) begann, herrschte aufgrund dieses Sonderberichts unter den über 22.000 Menschen, die an der Konferenz teilnahmen, ein großer Optimismus, dass alle Länder höhere Ambitionen in Bezug auf ihre Emissionsreduzierung an den Tag legen und die Finanzhilfen für Entwicklungsländer zur Umsetzung dieser Reduktionen erhöhen würden.

Ein früher – und drastischer – Rückschlag für ehrgeizige Klimaziele

Was die routinemäßige Verabschiedung eines Dokuments des Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice (SBSTA), werden sollte, der alle 2018 veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, einschließlich des IPCC-Sonderberichts zusammenstellte, entwickelte sich zur Halbzeit der Verhandlungen am 8. Dezember zu einer hochdramatischen Plenarsitzung. Im Dokument wurde der IPCC-Sonderbericht lediglich „zur Kenntnis genommen“, aber als Sprecher für die 44 Mitglieder der Allianz der kleinen Inselstaaten (Alliance of Small Island States, AOSIS), die zu den vom Klimawandel am meisten bedrohten Ländern gehören, schlugen die Malediven die Formulierung vor, den Bericht zu „begrüßen“. Fast alle Nationen der Welt unterstützten diesen Vorschlag.

Nicht so die USA: „Wie die Vereinigten Staaten bereits auf der IPCC-Sitzung am 6. Oktober erklärten, bedeutet die Annahme des Berichts und die Verabschiedung der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger nicht, dass die USA die spezifischen Ergebnisse oder die ihnen zugrundeliegenden Inhalte anerkennt.“ Kuwait, die Russische Föderation und Saudi-Arabien stellten sich sofort hinter die USA. Saudi-Arabien und einige seiner ölexportierenden Partner hatten sich auch schon bei der Sitzung des Weltklimarats im Oktober kämpferisch dafür eingesetzt, die Schlussfolgerungen des IPCC-Sonderberichts zu verwässern, und sogar darauf gedrängt, alle Hinweise auf das Übereinkommen von Paris zu entfernen.

Die Plenarsitzung in Katowice wurde abrupt unterbrochen und der nach über einer Stunde vorgelegte Kompromissvorschlag, „die Bemühungen der IPCC-Experten zu begrüßen“ wurde rundweg abgelehnt. Gemäß UN-Regeln wird ein Dokument, über das kein Konsens erzielt werden kann, vom Tisch gefegt.

Für den endgültigen Beschluss der COP, auf den man sich eine Woche später einigte, wurde dann doch noch eine Kompromissformulierung gefunden, mit der „die rechtzeitige Fertigstellung [des Berichts] begrüßt“ und „die Vertragsstaaten aufgefordert wurden, [seine Informationen] zu nutzen“. Aber diese Verstimmung gab den Ton für die restlichen Verhandlungen vor.

 

Zusammenfassung des Pariser Abkommens
Die Ziele des Übereinkommens von Paris sollen erreicht werden, indem:
  • a) der Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird und Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, da erkannt wurde, dass dies die Risiken und Auswirkungen der Klimaänderungen erheblich verringern würde;
  • b) die Fähigkeit zur Anpassung an die nachteiligen Auswirkungen der Klimaänderungen erhöht und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaänderungen sowie eine hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarme Entwicklung so gefördert wird, dass die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird;
  • c) die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung.
Zu den im Arbeitsprogramm umrissenen Verpflichtungen für alle Länder gehören folgende langfristigen Ziele und Zusagen:
  • Minderungsmaßnahmen (Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch national festgelegte Beiträge [nationally determined contributions, NDCs] für alle Länder);
  • Kooperative Ansätze (markt- und nicht marktbasierte);
  • Berichte zur Anpassung an den Klimawandel (adaptation communication);
  • Finanzierung (aus Industrie- in Entwicklungsländer, einschließlich von Vorabinformationen über die Bereitstellung von Geldern und Anrechnung der bereitgestellten Gelder)
  • Entwicklung und Weitergabe von Technologie
  • Erweiterter Transparenzrahmen (um Rechenschaft über Fortschritte abzulegen)
  • Weltweite Bestandsaufnahme oder auch „Global Stocktake“ (für eine alle fünf Jahre erfolgende Messung der Fortschritte)
  • Durchführung und Einhaltung („implementation and compliance“); sowie
  • möglicherweise weitere Angelegenheiten.
Das Übereinkommen von Paris wurde am 12. Dezember 2015 erfolgreich verabschiedet, aber die endgültige Ausarbeitung einiger für die „Durchführung“ notwendiger technischer Details wurde bis zur COP 24 aufgeschoben. Deshalb hatte die COP 24 vor allem ein Ziel: das Arbeitsprogramm des Pariser Abkommens („Paris Agreement Work Programme“, kurz PAWP und im Folgenden „Arbeitsprogramm“) – das sogenannte Regelbuch („Paris Rulebook“) zu liefern. WAS GESCHAH AUF DER COP 24

1. Woche: Technische Gespräche decken langjährige Meinungsunterschiede auf – ohne einen Konsens zu erzielen

In der ersten Woche der Gespräche in Katowice schien bei keinem der Bausteine des Arbeitsprogramms eine Einigung in Sicht. Industrie- und Entwicklungsländer beharrten auf ihren langjährigen Positionen und verschiedenen Auslegungen des Pariser Klimaabkommens selbst. Seit Jahren stehen die Themen Geltungsbereich, Differenzierung und Finanzierung im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. In Bezug auf den Geltungsbereich gehen die Meinungen auseinander, ob es bei den Richtlinien zu NDCs nur um das Thema Minderung (Emissionsreduktionen) gehen soll oder vielmehr um alle möglichen Bestandteile der NDCs (Minderung, Anpassung und Mittel zur Umsetzung). Bei der Differenzierung lautet die Frage, ob für alle Länder die gleichen, flexibel anzuwendenden Leitlinien gelten oder ob unterschiedliche Leitlinien für Industrie- und Entwicklungsländer erarbeitet werden sollten. Bei der Finanzierung forderten die Entwicklungsländer die Zusicherung, dass die Industrieländer bereit sind und es ernst meinen, sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht ausreichend detaillierte Angaben über ihre öffentliche Klimafinanzierung zu machen – im Voraus und nach der Bereitstellung –, um die Vorhersehbarkeit zu erhöhen und die Rechenschaftspflicht zu stärken.

2. Woche: Gespräche auf Ministerebene hinter verschlossene Türen

Am Montag der zweiten Woche wurden die von jeweils zwei Minister/innen pro Themenfeld (einem/r aus einem Industrieland und einer/m aus einem Entwicklungsland) geführten Verhandlungen hinter verschlossene Türen verlegt. Diese Gespräche unter der Leitung des COP-24-Präsidenten Michał Kurtyka und des UN-Generalsekretärs António Guterres, der dreimal auf der COP erschien, sollten einen Konsens zu jedem Punkt des Regelbuchs aushandeln. Die begrenzten nach außen dringenden Informationen zusammen mit Gerüchten über ein Chaos führten zu der Befürchtung, dass die Verhandlungen scheitern und zu einem ähnlichen Ergebnis wie 2009 auf der COP 15 in Kopenhagen führen könnten.

Inside COP 24, Foto: Björn Ecklundt, CC-Lizenz BY-SA

Freitag, 14. Dezember: Der Tag, an dem die Zeit stillstand

Freitag, der 14. Dezember sollte mit einer für 12 Uhr mittags angesetzten Plenarsitzung eigentlich der letzte Tag der COP 24 sein. Am späten Donnerstagabend und am Freitagmorgen wurden jedoch nach und nach Papiere zu den meisten Punkten vorgelegt und es wurde deutlich, dass die Delegierten nicht genügend Zeit haben würden, diese Dokumente noch vor dem Abschlussplenum durchzusehen. Deshalb wurde die Sitzung zunächst auf den späten Nachmittag, dann auf den Abend, später auf 4 Uhr morgens und schließlich auf 10 Uhr am Samstagmorgen verschoben. Es ging aber nicht nur um die Durchsicht von Dokumenten. Es gab auch ein Problem. Dabei stand Artikel 6 des Übereinkommens von Paris im Mittelpunkt, in dem es um Regeln für freiwillige kooperative Ansätze zwischen Ländern bei der Umsetzung ihrer NDCs geht – um Kohlenstoffmärkte. Beim internationalen Emissionshandel kann ein Land – oder ein Produzent von fossilen Brennstoffen oder z.B. eine Fluggesellschaft – mit zu hohen Emissionen diese mit den Emissionen eines emissionsarmen Landes „verrechnen“. Im Artikel 6 wird nicht der Begriff „Märkte“ verwendet, sondern vielmehr die Formulierung „international übertragene Minderungsergebnisse“ („internationally transferred mitigation outcomes“) ; zudem ersetzt ein „Sustainable Development Mechanism““ den unter dem Kyoto-Protokoll verabschiedeten Clean Development Mechanism, dem es nach Ansicht von Expert/innen nicht gelungen ist, , für zusätzliche Minderungsergebnisse gesorgt zu haben. Der Artikel enthält auch einen Plan für die Entwicklung zukünftiger nicht markbasierter Ansätze.

Das ganze Jahr 2018 hindurch hatte vor allem Brasilien auf schwache Regelungen zur Anrechnung von Kohlenstoffgutschriften gedrängt, was zur Folge haben könnte, dass ein Land Emissionsminderungen in einem anderen Land auf seine eigenen Reduktionsziele anrechnen könnte, selbst wenn das betreffende andere Land diese Reduktionen schon seinen eigenen Klimazielen gutgeschrieben hat. Brasilien verweigerte sich in diesem Punkt – der als „Doppelzählung“ bekannt ist – jedem Kompromiss und sperrte sich auch gegen die Anwendung von „entsprechenden Anpassungen“ (also einem Abrechnungsverfahren, bei dem ein Land, dass seine Emissionsreduktionen an ein anderes Land oder eine andere Instanz überträgt, diese Reduktionen dann wieder seinen eigenen Emissionen zurechnen muss, um einen genauen Nettotransfer von Minderungsergebnissen sicherzustellen) der übertragenen Gutschriften. Viele Vertragsparteien und die meisten Fachleute definieren die Doppelzählung schlicht und einfach als Betrug.

Samstag, 15. Dezember: Verabschiedung des Regelbuchs, wobei ein Schlüsselthema verschoben wurde

Am Samstagnachmittag wurde klar, dass es in Bezug auf Artikel 6 keine Einigung zu erreichen war, weil Brasilien zu keinem Kompromiss bereit war. Mit einem aus einer Seite bestehenden Dokument wurde die Angelegenheit zur weiteren Beratungen auf der nächsten Sitzung des SBSTA im Juni vertagt.

Nachdem damit die größte Blockade aus dem Weg geräumt und ein mögliches Scheitern der Verhandlungen verhindert worden war, legte der COP-Präsident den Delegierten am Samstag um 19.30 Uhr eine Zusammenstellung von Dokumenten des Pariser Regelbuchs ohne Regelungen für den Emissionshandel vor. Das Plenum versammelte sich schließlich um 21.30 Uhr und verabschiedete das Regelbuch, das jetzt „Katowicer Klimapaket“ genannt wird. Um 0.36 Uhr am Sonntagmorgen wurde die COP 24 mit einem Hammerschlag für beendet erklärt.

WAS STECKT IM KATOWICER KLIMAPAKET?

Die 133-seitige Zusammenstellung von Beschlüssen, die Ende Januar offiziell als „Katowicer Klimapaket“ veröffentlicht wird, umfasst alle Bestandteile des Arbeitsprogramms. Im Folgenden werden einige dieser Bestandteile erläutert.

Leitlinien zu den national festgelegten Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs)

Die oben erwähnte Auseinandersetzung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern über den Geltungsbereich von NDCs – enge Auslegung (ausschließlich Minderung) vs. breiter Auslegung (auch Anpassung, Unterstützung und Kapazitätsaufbau) – ist beendet, zumindest bis 2024. Der Geltungsbereich wurde auf Minderung eingeengt. Auch wenn in der Entscheidung betont wird, „dass die Leitlinien zu den Mitteilungen über die national festgelegten Beiträge … die Einbeziehung von anderen Bestandteilen als ausschließlich Minderung zulassen“, ist dies ein wichtiger Sieg für die Industrieländer und war lange Zeit eine rote Linie für die USA.

Die Gefahr dabei ist, dass ein auf Minderungsmaßnahmen fokussiertes NDC-Regime zukünftig Anpassungsmaßnahmen, die Klimafinanzierung, den Technologietransfer und den Kapazitätsaufbau in den Entwicklungsländern immer weiter in den Hintergrund rücken wird. Die Vertragsparteien beschlossen jedoch auch, 2024 „die Überlegungen zu weiteren Leitlinien über andere Bestandteile [von NDCs] fortzusetzen“, womit sie die Gelegenheit schufen, diese Fragen in der zweiten Runde der NDCs wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Weltweite Bestandsaufnahme (Global Stocktake)

Ein Kernelement des Übereinkommens von Paris ist die weltweite Bestandsaufnahme (Global Stocktake) – eine alle fünf Jahre durchgeführte Bewertung, ob die Weltgemeinschaft auf dem richtigen Kurs ist, die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung zu erfüllen. Im Regelbuch wird bekräftigt, dass dieses Verfahren „gerecht und mit den besten zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Mitteln“ erfolgen wird, aber es wird nicht weiter ausgeführt, wie die Ergebnisse genutzt und wie sie zu einer Erhöhung der Ziele führen sollen.

Das löst die Besorgnis aus, dass mit dem Regelbuch zwar sichergestellt wird, dass wir wissen, wenn wir nicht genug für den Klimaschutz tun, aber das Regelbuch nicht vorschreibt, wie die Situation verbessert werden kann. Damit laufen wir Gefahr, dem bisher größten Problem mit dem Übereinkommen von Paris nicht entgegenzuwirken: dass die Länder nicht verpflichtet sind sicherzustellen, dass ihre Klimaschutzversprechen im Einklang mit den Klimazielen insgesamt stehen. Ein erfolgreicher, ehrgeiziger und vorgeschriebener fünfjähriger Überprüfungsprozess ist wesentlich, um die Welt auf Erfolgskurs zu bringen.

Transparenzrahmen

Eines der Ziele der Gespräche in Katowice war die Erarbeitung gemeinsamer Formate und Fristen für die Berichterstattung der Länder über ihre Fortschritte bei den Klimaschutzmaßnahmen.

Die neuen Regelungen lassen für die am meisten vom Klimawandel bedrohten Länder ein gewisses Maß an Flexibilität zu. Diese Länder sind nicht verpflichtet, quantifizierte Klimaziele oder regelmäßige Transparenzberichte einzureichen. Alle anderen Länder müssen ab 2024 alle zwei Jahre über ihre Klimaschutzmaßnahmen Bericht erstatten.

Klimafinanzierung

In Bezug auf die Klimafinanzierung gab es gleich mehrere Hindernisse, die auf der COP 24 erst ganz zum Schluss aus dem Weg geräumt werden konnten – was auf Klimagipfeln durchaus immer wieder vorkommt. Das zeigt noch einmal klar, dass Fragen des Vertrauens, des Entgegenkommens, der ehrgeizigen Ziele für das Gesamtpaket und gemeinsame Anstrengungen sämtlich davon abhängen, dass Industrieländer ihren Teil der Abmachung einhalten und den Entwicklungsländern eine ausreichende, zuverlässige und vorhersehbare finanzielle Unterstützung leisten, die im Einklang mit ihren schon seit langem unter der UNFCCC bestehenden Zahlungsverpflichtungen stehen und die Umsetzung des Pariser Abkommens unterstützen. Davon hängt es ab, ob die Entwicklungsländer ihre ehrgeizigen NDC-Verpflichtungen erfüllen oder sogar zu einer Erhöhung ihrer Beiträge bereit sind. Denn viele der NDCs wurden unter der Bedingung zugesagt, dass ihnen von den Industrieländern zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt werden.

Der COP 24 gelang es nicht, diese beruhigenden Signale zu liefern. Die Entwicklungsländer scheiterten in ihren Bemühungen, mit einem umfassenden Klimafinanzierungspaket aus Katowice abzureisen. Ein solches hätte u.a. eine Vorab- (ex-ante-) Mitteilung über die voraussichtliche Höhe der zur Verfügung gestellten öffentlichen Gelder vorschreiben müssen, die mit klaren Modalitäten für eine Berichterstattung darüber verknüpft ist, wie hoch die von den Industrieländern im Laufe der beiden vorhergehenden Jahre tatsächlich zur Verfügung gestellte (ex-post-) Klimafinanzierung war. Das ganze Paket sollte Teil des Regelbuchs werden. Ebenso wurden die Bemühungen der Entwicklungsländer vereitelt, in den Finanztexten eindeutige Zusagen zu verankern, dass neben der offiziellen Entwicklungshilfe neue und zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt werden müssen, dass auch Gelder für erlittene Verluste und Schäden zu zahlen sind, dass die Industrieländer sich an gemeinsame Zeitrahmen für die Berichterstattung halten, dass die in die Berichte einfließende Klimafinanzierung einer engen Definition unterliegt (die beispielsweise kommerzielle Kredite, Exportkreditgarantien oder nicht finanzielle Anstrengungen wie Kapazitätsaufbaumaßnahmen und Technologietransfers ausschließen) und dass die Berichterstattung über das Subventionsäquivalent jeglicher zur Verfügung gestellter Finanzhilfen auf obligatorischer statt auf freiwilliger Basis erfolgt.

Stattdessen wird den Industrieländern in den vereinbarten Leitlinien zur Berichterstattung über die im Verlauf von zwei Jahren geleistete Klimafinanzierung, die jetzt im Transparenzrahmen des Katowicer Klimapakets enthalten sind, ein großer Spielraum eingeräumt, selbst zu entscheiden, was ihrem Verständnis nach „neu und zusätzlich“ ist. Sie müssen hier keiner gemeinsam vereinbarten Definition folgen. Darüber hinaus steht ihnen frei, fast unbegrenzt diverse Finanzflüsse und auch nicht finanzielle Anstrengungen als bereitgestellte Klimafinanzierung anzugeben, wodurch die Vergleichbarkeit der bereitgestellten Finanzen eingeschränkt wird.

Die Entwicklungsländer, die sich mehr erhofft hatten, konnten gerade mal ein paar bescheidene, weitgehend verfahrensrechtliche Siege verbuchen. Auch wenn die Vorabmitteilungen über voraussichtliche Finanzhilfen nicht mit tatsächlichen Finanzflüssen abgeglichen werden, um eine Rechenschaft über die Umsetzung zu schaffen, so werden die Informationen über die voraussichtliche Höhe der Finanzhilfen, die die Industrieländer ab 2020 einreichen müssen, doch zumindest vom UNFCCC-Sekretariat in einem neuen, öffentlich zugänglichen Webportal gesammelt und analysiert. Anschließend werden sie in zweijährlich stattfindende In-Session-Workshops und einen hochrangigen ministeriellen Dialog einfließen, die beide 2021 erstmals stattfinden werden. Diese besonderen Verfahren dienen de facto als Fortsetzung des Arbeitsprogramms zur langfristigen Klimafinanzierung, das an die von den Industrieländern 2009 in Kopenhagen gemachte Verpflichtung geknüpft ist, bis 2020 die Klimafinanzierung auf jährlich 100 Mrd. USD anzuheben. Dieses Arbeitsprogramm endet 2020 offiziell. Während in dem das Übereinkommen von Paris begleitenden Beschluss festgelegt wurde, dass dieser Betrag als Ausgangswert für die Aufstockung zu einem neuen quantifizierten kollektiven Finanzierungsziel dient, das 2025 festgesetzt werden soll, drängten die Entwicklungsländer in Katowice darauf, den Prozess zur Festsetzung des neuen Finanzziels lieber früher als später anzustoßen. Er wird jetzt auf der COP 26 im Jahr 2020 beginnen. Damit soll verhindert werden, dass ein zukünftiges kollektives Finanzziel von den Industrieländern politisch gesetzt wird (wie es in Kopenhagen passierte), anstatt sich an der Bedarfseinschätzung und gemeinsamen Überlegungen der Entwicklungsländer zu orientieren.

Menschenrechte

Einer der bedeutendsten Siege des Übereinkommens von Paris war, dass die Menschenrechte Eingang in den Text der Präambel fanden, auch wenn sie später in den Artikeln des Abkommens nicht nochmals erwähnt werden.

Im Vorfeld der COP 24 hoffte eine breite Koalition aus Vertreter/innen der Zivilgesellschaft und Fürsprecher/innen aus einzelnen Ländern, dass gemeinsam ausgeübter Druck zusammen mit dem zur gleichen Zeit stattfindenden 70. Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ausreichen würden, einige der in der Präambel gemachten Verweise auf die Menschenrechte fest im Regelbuch zur Durchführung des Übereinkommens von Paris zu verankern: Beseitigung der Armut, Rechte von indigenen Völkern, Beteiligung der Öffentlichkeit, Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau, Ernährungssicherheit, gerechter Strukturwandel für Arbeiterinnen und Arbeiter („Just Transition“) und menschenwürdige Arbeit, Gerechtigkeit zwischen den Generationen und Integrität aller Ökosysteme. Diese Hoffnung erwies sich als falsch.

Im Lauf der Verhandlungen wurden spezifische Hinweise auf Menschenrechte aus jeder einzelnen neuen Textfassung gestrichen: aus den Texten über die Richtlinien zu NDCs, über die Planung und Überwachung der Anpassungsmaßnahmen, über den erweiterten Transparenzrahmen und über die weltweite Bestandaufnahme. Ebenso erfolglos blieb das Bestreben, in diesen betreffenden Abschnitten wenigstens auf die Präambel zu verweisen, um einen Anker für weitere Bemühungen zu setzen. So enthält die 133-seitige Zusammenstellung von Beschlüssen keinen einzigen ausdrücklichen Hinweis auf die Menschenrechte. Vertreter/innen der Zivilgesellschaft, die mit vielen bunten und kreativen Aktionen im Kongresszentrum die Bedeutung der Menschenrechte herausstellten, prangern das Ergebnis von Katowice als unvereinbar mit dem Übereinkommen von Paris an, in dem versprochen wurde, bei Klimaschutzmaßnahmen die Menschenrechte zu berücksichtigen, zu respektieren und zu schützen. Das verabschiedete Paket bietet wenig menschenzentrierte und auf ihren Rechten basierende Richtlinien für die Länder, um gemeinsam die in Paris gemachten Versprechen zu erfüllen.

Was war passiert? Einige Länder, vor allem Industrieländer, waren schon in Paris dagegen, Hinweise auf die Menschenrechte in die Texte einfließen zu lassen, weshalb diese Hinweise auch ausschließlich in der Präambel vorkommen. Für andere, vor allem für Entwicklungsländer, stehen Hinweise auf Menschenrechte im Widerspruch mit dem Prinzip nationaler Souveränität.

WAS PASSIERTE NOCH AUF DER COP 24?

Finanzzusagen in Katowice

Aus Anlass der Veröffentlichung zweier neuer Berichte zur Klimafinanzierung, nämlich die alle zwei Jahre vom ständigen Finanzausschuss der UNFCCC durchgeführte Bewertung der Klimafinanzierungsflüsse und ein OECD-Bericht über öffentliche Finanzflüsse, entbrannte auf der COP 24 ein heftiger Streit darüber, ob die Industrieländer ihren langfristigen Finanzverpflichtungen gerecht wurden oder nicht. . Zwar geht aus beiden Berichten hervor, dass die Finanzhilfen im Zeitraum von 2013 bis 2017 zunahmen, aber es gab Kritik an den Berechnungsmethoden und somit daran, dass eine quantitative Berichterstattung nur die halbe Geschichte der Klimafinanzierung erzählt. Die Qualität der Klimafinanzierung muss sich zusätzlich erheblich verbessern. Der zur Halbzeit der COP 24 stattfindende hochrangige Ministerdialog zur Klimafinanzierung bot die Gelegenheit, ehrgeizigere Bestimmungen zur Klimafinanzierung zu beschließen. Diese Chance wurde nur unzureichend genutzt.

Beim Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF), dem wichtigsten multilateralen Fonds unter dem Finanzmechanismus des Pariser Abkommens, auf den sich die größte Hoffnung der Entwicklungsländer richtet, finanzielle Unterstützung für die Umsetzung ihre NDCs zu erhalten, steht jetzt seine erste Wiederauffüllung an. Während auf der COP 24 einige wichtige Zusagen von Deutschland und Norwegen kamen, die eine Verdoppelung ihrer vorhergehenden Beiträge versprachen, blieben die meisten anderen Industrieländer im Hintergrund, weil sie zunächst auf Verfahrensreformen im GCF warten, bevor sie sich zu weiteren Zahlungen verpflichten.

In Katowice wurde vereinbart, dass der im Kyoto-Protokoll eingerichtete Anpassungsfonds ab 2019 ebenfalls als Teil des Finanzierungsmechanismus dem Übereinkommen von Paris dienen wird. Während der COP 24 erhielt dieser Fonds, der ständig um die Mittelbeschaffung und damit sein Überleben, kämpfen muss, Zusagen in Höhe von fast 129 Mio. USD und ist damit für ein weiteres Jahr gesichert. Auch wenn diese Zusagen begrüßenswert sind, spiegeln sie doch in keiner Weise den notwendigen Ehrgeiz bei den gemeinsamen Finanzierungsanstrengungen der Industrieländer wider, was mit Sicherheit Auswirkungen auf die restlichen Verhandlungen der COP 24 hatte.

Talanoa Call for Action

Das Pariser Abkommen und seine Entscheidungen gaben der COP das Mandat, zu einem „unterstützenden Dialog“ (Facilitative Dialogue) zusammenzukommen, einem Testlauf für die „weltweite Bestandsaufnahme“ („Global Stocktake“), die jedes Land ab 2023 alle fünf Jahre durchführen wird, um die national festgelegten Beiträge (NDCs) zu bewerten und zu erhöhen. Der Global Stocktake soll auch als Messinstrument für die weltweiten Fortschritte bei der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens dienen.

Der Facilitative Dialogue wurde von den Fidschi-Inseln, die die Präsidentschaft der letztjährigen COP innehatten, in „Talanoa-Dialog“ umbenannt, ein Konzept, das sich aus den Worten „tala“ (für „sprechen“ oder „Geschichten erzählen“) und „noa“ („null“ oder „ohne etwas zu verheimlichen“) ableitet. Der im Januar 2018 unter der Führung von Fidschi und der COP-24-Präsidentschaft Polens in Gang gesetzt Dialog wurde anhand von drei Leitfragen strukturiert: „Wo stehen wir?“, „Wo wollen wir hin?“ und „Wie kommen wir dorthin?“. Bis zum 2. April wurden 220 Beiträge auf die Online-Plattform hochgeladen, die meisten davon von nichtstaatlichen Akteuren. Am 23. April wurde eine Übersicht der Beiträge und am 19. November eine Synthese der Vorbereitungsphase veröffentlicht. Eine abschließende Zusammenfassung der Vorbereitungsphase wurde am 6. Dezember präsentiert.

In der am 11. Dezember abgehaltenen politischen Phase machten hochrangige Vertreter/innen und Minister/innen eine Bestandsaufnahme der gemeinsamen Anstrengungen der Vertragsstaaten. Beim Abschlusstreffen am folgenden Tag wurde eine Zusammenfassung der wichtigsten Botschaften herausgegeben – der Talanoa Call to Action.

Leider werden im Talanoa-Aufruf keine konkreten Pfade zur Erreichung der Zielsetzung genannt. Noch enttäuschender ist, dass im Abschlussdokument der COP 24 die Ergebnisse, Beiträge und Erfolge des Talanoa-Dialogs lediglich „zur Kenntnis genommen“ und „die Vertragsparteien aufgefordert werden, sie bei der Erarbeitung ihrer national festgelegten Beiträge zu berücksichtigen“. Ein kümmerliches Ergebnis für einen Prozess, an den so große Erwartungen geknüpft waren.

Die „High Ambition Coalition“

Die sogenannte High Ambition Coalition (HAC) aus Ländern, die eine maßgebliche Rolle bei der Verabschiedung des Übereinkommens von Paris spielten, fand sich gegen Ende der COP 24 wieder zusammen. Die am 12. Dezember im europäischen Pavillon versammelten Umweltminister/innen aus Äthiopien, Argentinien, Dänemark, Deutschland, der EU, Grenada, Kanada, Kolumbien, den Marschall-Inseln, Norwegen und der Schweiz (wobei das früheren Koalitionsmitglied USA nicht überraschend fehlte) sagten, es sei nicht hinnehmbar, aus Katowice abzureisen ohne einen Beschluss, der den IPCC-Sonderbericht zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5° Grad begrüßt, und ohne einen Beschluss zum Talanoa-Dialog.

Im Statement der HAC heißt es, dass die Koalition entschlossen sei, ihre Klimaziele ab 2020 im Einklang mit den langfristigen Temperaturzielen des Pariser Abkommens zu erhöhen und die Ziele durch eine Aufstockung der Klimafinanzierung, kurzfristige Maßnahmen und langfristige kohlenstoffarme Entwicklungsstrategien zu erreichen.

Thema Geoengineering: Gekommen, um zu bleiben – stößt aber bisher auf wenig Gegenliebe

Zwei Monate nach der Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichts zu 1,5 Grad Globaler Erwärmung sahen die Befürworter von Geoengineering auf der COP 24 ihre Chance gekommen, einen Vorstoß zu machen und eine ganze Reihe von Technologien als Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels zur Diskussion zu stellen. Über die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (carbon capture and storage, CCS) und damit verwandte „negative Emissionen“ oder Technologien zur „Entfernung von Kohlendioxid“ wie Bioenergie in Kombination mit Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (BECCS) sowie die Technologie, CO2 direkt aus der Luft zu filtern (DACCS), wurde in zahlreichen offiziellen Side Events und Veranstaltungen außerhalb des offiziellen Programms (einschließlich den von polnischen Forschungs- und Regierungseinrichtungen organisierten) diskutiert, wobei überall aufwändige Präsentationen gezeigt und Hochglanzbroschüren verteilt wurden.

Eine neue Wende erfuhr diese Debatte jedoch durch das verstärkte Anpreisen der Technologie zur Abscheidung und Nutzung von CO2 (CCU): Vertreter/innen der Internationalen Energieagentur (IEA), der Weltbank, der Europäischen Kommission, der britischen und polnischen Regierungen sowie viele andere schlossen sich den Forderungen nach Investitionen in CCU-Technologien an, mit der Erzeugnisse wie Treibstoffe oder Plastik hergestellt werden sollen. Das wäre ein Weg, der fossilen Industrie neue Subventionen zu verschaffen, ohne dass dies positive Auswirkungen auf das Klima hätte.

Um für das Solar Radiation Management bzw. die Solar Radiation Modification (SRM) zu werben, waren viele wichtige Forscher (darunter auch Medienliebling David Keith von der Harvard University) in den Hallen der COP 24 unterwegs, hielten Vorträge auf Side Events, wurden im Business Hub der IETA (International Emissions Trading Association) mit offenen Armen begrüßt und suchten das Gespräch mit der Zivilgesellschaft, um genau die NGOs zu beeinflussen, die sich noch nicht öffentlich zum Thema Geoengineering positioniert haben.

Die Neuauflage des Hands off Mother Earth (HOME) Manifesto (das mittlerweile von fast 200 Organisationen unterzeichnet wurde) nur wenige Wochen vor der COP 24 kam daher genau so rechtzeitig wie die Vorschau auf eine bahnbrechende neue Forschungsarbeit, die von Carroll Muffett vom Center for International Environmental Law (CIEL) vorgestellt wurde. „Fuel to the Fire“ ist ein Bericht, der Anfang 2019 erscheinen wird. Er beschäftigt sich mit der frühen, anhaltenden und häufig überraschenden Rolle der fossilen Industrie bei der Entwicklung, Patentierung und Förderung von Schlüsseltechnologien des Geoengineering. Er untersucht, wie sehr die am meisten unterstützten Strategien für die Entfernung von Kohlendioxid und das Solar Radiation Management bei ihrer Realisierung auf die fortgesetzte Erzeugung und Verbrennung von kohlenstoffintensiven Energieträgern angewiesen sind. Er analysiert, wie das hypothetische Versprechen des Geoengineerings der Zukunft schon heute von großen Produzenten fossiler Brennstoffe dazu genutzt wird, die Weiterführung ihrer Produktion und die weitere Nutzung von Öl, Gas und Kohle in den nächsten Jahrzehnten zu rechtfertigen. Und es entlarvt den krassen Gegensatz zwischen dem aufkommenden Narrativ, dass Geoengineering eine moralisch notwendige Beigabe zu drastischen Klimaschutzmaßnahmen sei, und den kommerziellen Argumenten einiger seiner größten Befürworter, dass Geoengineering einfach nur ein Weg sei, die Notwendigkeit einer wahren Systemveränderung zu vermeiden oder zu mindern – selbst wenn Wissenschaft und Technologien übereinstimmend zeigen, dass ein Wandel sowohl dringend notwendig ist als auch immer machbarer wird. Und schließlich stellt er auch die zunehmende Inkohärenz dar, die damit einhergeht, dass man einerseits im Namen der Menschenrechte für unsere Abhängigkeit von diesen spekulativen und risikoreichen Geoengineering-Technologien plädiert, und andererseits die allgegenwärtigen und verheerenden Risiken für Menschenrechte ignoriert, die diese Technologien für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen darstellen würden.

Es ist nicht länger zu leugnen, dass das Geoengineering in den Mittelpunkt der Mainstream-Debatte über den Klimaschutz gelangt ist und dort wohl auch bleiben wird. Aber das Ergebnis dieser Debatte ist alles andere als klar. Während einige sich dafür aussprachen, zumindest die Entfernung von Kohlendioxid (Carbon Dioxid Removal, CDR) in den UNFCCC-Prozess einzubeziehen (beispielsweise über den Talanoa-Dialog, die weltweite Bestandsaufnahme oder die Aktualisierung der NDCs – siehe die neue Studie von Climate Analytics und C2G2), scheinen diese Bemühungen nur begrenzt von Erfolg gekrönt. CDR steht immer noch nicht auf der offiziellen Verhandlungsagenda. Es gibt zwar weiterhin potenzielle Einstiegspunkte, über die es in den UNFCCC-Prozess gelangen könnte, aber den Regierungen scheint es an politischer Lust dafür zu mangeln.

Bisher haben nur wenige Länder Forschung und Experimente zu SRM gefordert und die Mehrheit der Regierungen aus dem Globalen Süden und die Zivilgesellschaft / die sozialen Bewegungen werden jeden Versuch bekämpfen, die Kontrolle über das globale Thermostat zu übernehmen.

 

ANDERE THEMEN (DIE NICHT BESTANDTEIL DES PARISER ARBEITSPROGRAMMS SIND)

 Angesichts der Schwierigkeiten in Katowice, das Arbeitsprogramm zum Pariser Klimaabkommen voranzubringen, und einer im Vorfeld der COP von den Verhandlungsvorsitzenden ausgegebenen Warnung, dass nicht zum Arbeitsprogramm gehörende Themen keine Priorität in den Verhandlungen von Katowice hätten, ist es erstaunlich, dass bei einigen der „anderen Themen“ trotzdem Fortschritte erzielt werden konnte.

Plattform lokaler Gemeinschaften und indigener Völker

Am bemerkenswertesten war die Schaffung der Plattform lokaler Gemeinschaften und indigener Völker, auf der sich die Vertragsparteien darauf einigten, eine „unterstützende Arbeitsgruppe“ (Facilitative Working Group) einzurichten, bei der Vertreter/innen indigener Völker die gleiche Anzahl an Sitzen einnehmen wie Vertragsstaaten und die einen zweijährigen Arbeitsplan entwickeln soll, der dann auf der COP im nächsten Jahr verabschiedet werden soll. Dies ist einer von nur zwei der COP-Beschlüsse, die einen ausdrücklichen Verweis auf Menschenrechte enthalten, da die Menschenrechte von indigenen Völkern explizit als Grundlage für die Aktivitäten der Plattform bestätigt werden.

Indigene Völker und Mitglieder lokaler Gemeinschaften haben kurz nach der Unterzeichnung der Konvention 1992 an Verhandlungen über den Klimaschutz teilgenommen und einen Sitz am Verhandlungstisch gefordert. Sie sind häufig die ersten, die mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden, ihre Existenzgrundlagen fast vollständig von der Umwelt und ihren Ressourcen abhängig sind. Darüber hinaus hat eine Studie von 2016 offenbart, dass mindestens ein Viertel aller in tropischen Wäldern enthaltenen Kohlenstoffmengen in den gemeinsam von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften bewirtschafteten Territorien zu finden ist, und weitere Studien bewiesen, dass sie die Wälder besser erhalten als jede andere Strategie der Landbewirtschaftung. Und dennoch sind diese Gemeinschaften und ihre Wälder ohne gesicherte Rechte immer der Gefahr rechtswidriger und erzwungener Eingriffe, Konflikte und Vereinnahmung durch mächtigere Interessen ausgesetzt.

Dass die Bemühungen lokaler Gemeinschaften und indigener Völker in ihrem Umgang mit dem Klimawandel unterstützt werden müssen, wurde schließlich im Beschlusstext von Paris anerkannt. Auch wenn die Plattform auf der COP 24 geschaffen werden konnte, war der Weg dahin alles andere als einfach. Die Länder erkennen ihre indigenen Kulturen auf unterschiedliche Weise an und spezifische Rechte, die indigenen Völkern eingeräumt werden, unterscheiden sich von den Rechten der lokalen Gemeinschaften. Die Vereinten Nationen erkennen indigene Bevölkerungsgruppen anhand von sieben indigenen soziokulturellen Regionen an, aber für lokale Gemeinschaften existieren derartige Kennzeichnungen nicht. China erkennt überhaupt keine indigenen Völker oder lokalen Gemeinschaften an.

Mit dem endgültigem Beschluss wurde eine Arbeitsgruppe von 14 Mitgliedern eingerichtet, von den sieben aus den Interessenvertretungen der indigenen Völker und sieben aus Vertragsstaaten kommen. Vertreter/innen aus lokalen Gemeinschaften sollen hinzukommen, sobald ein Verfahren für ihre Ernennung eingeführt wurde. Was die vorgeschlagenen Aktivitäten der Plattform mit Beteiligung lokaler Gemeinschaften angeht, hat China gefordert, dass keine der Aktionen „die territoriale Integrität oder politische Einheit souveräner und unabhängiger Staaten zerstückeln oder beeinträchtigen darf“.

Klimawandelschäden und –verluste (Loss & Damage)

Bei „Verluste und Schäden“ geht es um unwiederbringlichen Verlust und erheblichen, nicht wieder gutzumachenden Schaden „jenseits von Anpassung“. Dieses Thema wird im Übereinkommen von Paris mit einem eigenen Artikel anerkannt, aber es war nicht offiziell Teil des Arbeitsprogramms. Im Vorfeld der COP 24 drängten die Entwicklungsländer, allen voran die kleinen Inselstaaten darauf, dass Verluste und Schäden auf die Tagesordnung kommen. Leider schlugen die Versuche fehl, finanzielle Unterstützung für Verluste und Schäden in den Beschlüssen der COP 24 zu verankern, obwohl die kleinen Inselstaaten in vielen hochrangigen COP-Sitzungen moralische Appelle an die Industrieländer richteten, in denen sie diese daran erinnerten, dass das Überleben der Inselstaaten von ehrgeizigeren Klimaschutzmaßnahmen durch höhere Finanzhilfen abhängig ist.

Das Katowicer Klimapaket hat durch die Aufnahme von Verlusten und Schäden in den Transparenzrahmen und mit den Verweisen auf Mitteilungen für die weltweite Bestandsaufnahme wenigstens eine Gelegenheit für weitere Gespräche offengelassen. Die COP 24 billigte auch den Bericht des Exekutivkomitees des internationalen Warschau-Mechanismus, der 2013 auf der letzten in Polen stattfindenden COP eingerichtet wurde, damit Verluste und Schäden bei den Klimaverhandlungen thematisiert werden. Für den Mechanismus steht 2019 eine Überprüfung an. Sein fünfjähriges Arbeitsprogramm wurde von den kleinen Inselstaaten und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft massiv kritisiert, weil der Diskurs über Finanzmittel zur Kompensation von Verlusten und Schäden ausschließlich auf Versicherungslösungen eingeengt wurde. Die Entscheidung der COP, die Empfehlungen des Warschau-Mechanismus zu akzeptieren, wie die Umsiedlung von Menschen aufgrund negativer Folgen des Klimawandels verhindert, minimiert und ihr entgegengewirkt werden kann, ist weitere der beiden Entscheidungen, mit denen die Vertragsstaaten explizit an ihre Menschenrechtsverpflichtungen bei ihren Klimaschutzmaßnahmen erinnert werden (die andere Entscheidung ist die oben erwähnte im Zusammenhang mit der Plattform lokaler Gemeinschaften und indigener Völker).

Gender und Klimawandel

Überlegungen zu Gender und Klimawandel sind seit 2012 fester Tagesordnungspunkt auf den COPs und so wurde auch auf der COP 24 die Diskussionen darüber fortgeführt, wie die Umsetzung des UNFCCC-Gender-Aktionsplans vorangetrieben werden kann, der 2017 auf der COP 23 in Bonn unter dem Vorsitz der Fidschi-Inseln offiziell beschlossen wurde. In einem technischen Papier äußerte sich das Sekretariat Anfang des Jahres detailliert zu Einstiegspunkten für die Berücksichtigung von Genderfragen in den UNFCCC-Arbeitssträngen und berichtete darüber hinaus von Fortschritten bei der Förderung der Geschlechterparität in den nationalen Delegationen, Komitees und anderen Gremien unter der Klimarahmenkonvention. Zudem sind über 40 der Vertragsstaaten der Aufforderung nachgekommen, in ihrem Land als Teil der Koordinierung mit der Klimarahmenkonvention eine offizielle Ansprechperson zu Geschlechtergerechtigkeit und Klimawandel zu benennen.

Die Beteiligung von weiblichen Delegierten zu erhöhen und die Gender-Expertise in den UNFCCC-Gremien auszubauen, sind wichtige Aspekte, aber nur ein Teil der erforderlichen Bemühungen um mehr Genderintegration. Das wird sehr deutlich, wenn man sich anschaut, wie sich Überlegungen zu Gleichstellungsfragen im Ergebnis von Katowice widerspiegeln. Genderfragen kommen in mehreren Teilen des Katowicer Klimapakets zur Sprache – allerdings meist nur in den Anhängen von Beschlüssen. Dort ist beispielsweise die Rede davon, dass für die Erarbeitung der NDCs gendergerechte Planungsprozesse erforderlich sind, und dass in den Berichten zur Anpassung an den Klimawandel Informationen über gendergerechte Anpassungsmaßnahmen angeführt werden sollten. Unter dem Transparenzrahmen werden auch der Bedarf an gendergerechten Technologie- und Innovationsansätzen und die Berücksichtigung einer Genderperspektive bei der technischen Unterstützung anerkannt.

Und nicht zuletzt weisen einige COP-Beschlüsse zur Finanzierung – in der Regel beiläufig – auf Genderfragen hin. In den Richtlinien für die ex-ante-Mitteilung über die öffentliche Klimafinanzierung werden die Industrieländer gebeten, die Gendergerechtigkeit der von ihnen geplanten Finanzierungshilfen herauszustellen. Und in den wichtigsten Empfehlungen der alle zwei Jahre vom ständigen Finanzausschuss durchgeführten Bewertung werden die Geberländer der Klimafinanzierung aufgefordert, die genderbezogenen Aspekte der Klimafinanzierung besser im Auge zu behalten und sie in die Berichterstattung aufzunehmen.

Ministererklärung von Katowice zur Bedeutung von Wäldern für den Klimaschutz

Ein schon früh von der polnischen Präsidentschaft angepriesenes Ergebnis von Katowice war eine im September durchgesickerte Erklärung über die wesentliche Rolle von Wäldern für die Verhinderung eines noch schnelleren Klimawandels. Umweltaktivist/innen reagierten sofort auf die in der Erklärung enthalten Formulierung „einen Ausgleich schaffen“ zwischen Treibhausgasemissionen und der Kohlenstoffdioxidaufnahme durch Wälder. Sie bemängelten, dass diese Aussage unangemessen sei und im Grunde einer weiteren Verwendung von fossilen Brennstoffen grünes Licht gebe.

Und tatsächlich enthält die am 12. Dezember veröffentlichte Ministererklärung von Katowice zur Bedeutung von Wäldern für den Klimaschutz diese Formulierung. Sie „ermutigt die Wissenschaftsgemeinschaft, den Beitrag von Senken und Speichern von Treibhausgasen in bewirtschafteten Ländereien, einschließlich Wäldern weiterhin zu erforschen und zu quantifizieren, um in der zweiten Jahrhunderthälfte ein Gleichgewicht zwischen anthropogenen Emissionsquellen und den Abbau von Treibhausgasen durch Senken zu erreichen …“

Die Climate, Land, Ambition and Rights Alliance (CLARA) reagierte auf einer Pressekonferenz der COP 24 kurz vor ihrer Veröffentlichung mit heftigen Worten auf die Erklärung: „Wälder können nicht als Ausgleich betrachtet werden. Weder konzeptionell, noch im Rahmen des Marktmechanismus des Pariser Abkommens und schon gar nicht als Rechtfertigung für eine fortgesetzte Kohleverbrennung oder jede andere Verwendung von fossilen Brennstoffen. Die Idee, dass der Landnutzungssektor die Emissionen von fossilen Brennstoffen ausgleichen könnte, ist ein gefährlicher Trugschluss, denn das kann er nicht.“

DER POLNISCHE STANDPUNKT ZUR COP 24

Die Präsidentschaft

Die im Herzen der schlesischen Kohlebergbauregion im Südwesten Polens gelegene Stadt Katowice erschien vielleicht als eine merkwürdige Wahl für die Ausrichtung der Klimakonferenz, als sie letztes Jahr zum Konferenzort ernannt wurde. Polen bezieht einen Großteil seiner Energie aus der Kohle und viele Polen heizen ihre Häuser und Wohnungen nach wie vor mit Kohleöfen. Was Polen auf der COP 24 zeigen wollte, war sein allmählicher Übergang von Kohle zu einer Diversifizierung in Richtung anderer, grünerer Industrien. Das ist im Grund gut, aber die Erklärung des polnischen Präsidenten Andrzej Duda auf einer der ersten Plenarsitzungen, dass Polen noch ausreichende Kohlevorräte für 200 Jahre habe, war alles andere als eine positive Bestätigung dieser Strategie.

Eins der vorrangigen Ziele der polnischen Präsidentschaft war, „Regeln und Instrumente zu verabschieden, mit denen eine systemische Lösung für die ganze Welt gefunden wird und mit denen die auf Einzelpunkten basierende Diskussion über fragmentierte Zielen ersetzt werden kann …”. Die drei Erklärungen, die unter dem Motto „Technologie, Mensch, Natur“ veröffentlicht wurden, dienen als Beispiel für den polnischen Versuch, „fragmentierte Ziele“ zu konsolidieren.

  • In der schlesischen Erklärung zu Solidarität und Just Transition wird die Notwendigkeit unterstrichen, eine gesellschaftliche Akzeptanz für die Aktivitäten zu schaffen, mit denen eine kohlenstoffarme Wirtschaft entwickelt werden soll.
  • Driving Change Together – die Katowicer Partnerschaft für Elektromobilität ist eine polnisch-britische Initiative, mit der Netzwerke zwischen Städten, Regionen und Ländern, bzw. Initiativen für die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft geschaffen werden sollen, saubere Transportmöglichkeiten zu entwickeln;
  • Die Erklärung Wälder für den Klimaschutz ruft zu gemeinsamen Aktivitäten auf, die das Potenzial von Bäumen für den Klimaschutz nutzt (siehe obige Analyse der Ministererklärung von Katowice).

Diese Erklärungen sprechen allerdings nicht den Kern des Klimawandels an – die Notwendigkeit, die Erderwärmung durch Emissionsreduzierungen zu bekämpfen. Und obwohl ein gerechter Übergang ein wichtiges Thema für Polen war, wurde die COP 24 von führenden polnischen Energieunternehmen gesponsert, die sich zusammen mit Regierungsbeamten dafür einsetzten, dass die Kohle weiterhin eine Rolle in der Wirtschaft spielt und die der Aufnahme von Emissionen durch Wälder Vorrang vor einer Reduzierung von Emissionen gaben. Die Präsidentschaft wurde zudem von vielen Beobachtern als visionslos mit schwacher Führung wahrgenommen. Der UN-Generalsekretär stattete der COP zwei Wiederholungsbesuche ab, um informell bei den Verhandlungen auf Ministerebene in der zweiten Woche als Berater zu wirken, was diese Wahrnehmung noch verstärkte. Von daher überrascht es nicht, das Polen von der Zivilgesellschaft zu Beginn der COP mit dem „Fossil of the Day“-Preis ausgezeichnet wurde und gegen Ende der Konferenz auch noch den seltenen Ehrentitel „Colossal Fossil“ erhielt.

Berichterstattung in den Medien und ihre Auswirkung auf die Gesellschaft

Die Berichterstattung über die COP 24 in der polnischen Presse war überwiegend positiv, aber wie erwartet entlang politischer Linien gespalten. Die staatlichen und dem Staat wohlgesonnen Medien priesen natürlich den Erfolg, die effiziente Organisation der Konferenz und die Führung durch den COP-Präsidenten Michał Kurtyka an und wiederholten immer wieder den Begriff „Katowicer Klimapaket“, um die polnische Rolle bei der Verabschiedung des Regelbuchs festzuschreiben. Die Medien der politischen Mitte und die privaten Medien witterten die Gelegenheit, die Regierung zu kritisieren, und bezeichneten die Gespräche als eine „COP der enttäuschten Erwartungen“. Linke und umweltinteressierte Kommentatoren hoben die Sofortmaßnahmen und die Umsetzung der Menschenrechte hervor. Die Boulevardzeitungen und Massenmedien kritisierten die Kosten für die Ausrichtung der Konferenz und der Sicherheitsmaßnahmen.

Das positivste Ergebnis der COP 24 für die polnische Gesellschaft ist, dass der Klimawandel und die damit zusammenhängenden Katastrophen – im polnischen Kontext die schlechte Luftqualität und der Smog – wieder in den Nachrichten sind. Das ist ein Schritt vorwärts gegenüber den zuvor in Polen stattfindenden COPs, da Klimaschutz- und Energiefragen, insbesondere die Notwendigkeit, die Kohle im polnischen Energiemix zu reduzieren, wieder zu einem Thema geworden ist, das in aller Munde ist und dieses Mal nicht gleich wieder in der Versenkung verschwinden wird.

Aktionen der Zivilgesellschaft

Während der COP 24 kam es zu mehreren Zwischenfällen mit zivilgesellschaftlichen Aktivist/innen. Die Festnahme und Inhaftierung an der Grenze und anschließende Ausweisung aus Polen von mehreren angemeldeten COP-24-Teilnehmern in der ersten Woche weckte nicht gerade Hoffnungen auf Inklusivität und Transparenz. Polen war eindeutig verantwortlich für die Festnahmen und Inhaftierungen, aber die Vereinten Nationen tragen die Verantwortung, strenge Richtlinien zu schaffen und für deren Einhaltung seitens zukünftiger Gastgeberregierungen zu sorgen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Am 8. Dezember fand eine Demonstration für den Klimaschutz statt, bei der etwa 3.000 Aktivist/innen aus Polen und Teilnehmer/innen der COP 24 begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot durch Katowice marschierten. Viele Teilnehmer/innen wurden auf dem Weg in die Innenstadt aufgehalten und durchsucht und während des Marschs wurden mindesten drei Teilnehmende verhaftet. Viele waren über die mangelnde Beteiligung von Bürger/innen aus Katowice und der schlesischen Umgebung enttäuscht, aber die Veranstaltung setzte dennoch positive Zeichen für den gemeinsamen Kampf für Klimagerechtigkeit in immer breiteren Schichten der polnischen Gesellschaft. Die polnische Klimaschutzbewegung wird größer; die Jugend engagiert sich stärker und die katholische Kirche und die Wissenschaften beteiligen sich aktiver an den Debatten. Es liegt in der Verantwortung der Zivilgesellschaft, gemeinsame progressive Initiativen auf holistische Weise zu kreieren und zu fördern, um sicherzustellen, dass sich ein Verständnis dafür entwickelt, dass die Folgen des Klimawandels sich bereits auf die breitere Gesellschaft auswirken.

WIE GEHT ES WEITER?

Jemand, der nie zuvor an einer COP teilnahm, den Verhandlungsrunden keine Beachtung schenkte und nur durch die prächtigen Pavillons der Länder und Industrien in Sektion E wanderte, der einen halben Kilometer vom Hauptverhandlungsbereich entfernt war, der hätte sich wie auf einer Messe gefühlt. COPs werden immer mehr zu globalen Klimamessen, auf denen sich Führungskräfte der Industrie und Lobbyist/innen mit Regierungsvertreter/innen treffen, um Ideen auszutauschen, neue Projekte anzustoßen und – mit oder ohne die Führung der UNFCCC – Strategien über die finanziellen Möglichkeiten der Klimarevolution erdenken. Aktivist/innen aus Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler/innen, Jugendaktivist/innen und Geldgeber treffen sich, um ihre neuesten Strategien für Kampagnen oder wissenschaftlichen Erkenntnisse auszutauschen und den Weg für eine intensivere und bessere Zusammenarbeit in der Zukunft zu ebnen. Für diese Teilnehmer/innen der COP 24 wird das immer mehr zum wichtigsten Ereignis, zu dem sie rund um den Planeten reisen, wobei die Verhandlungen nebelhaft am Rande stattfinden.

Und es gibt noch weitere Kreise und Schichten zu der ohnehin schon intensiven und vielschichtigen globalen Klimadebatte dieser COP: Direkt gegenüber des COP-24-Kongresszentrums am Rondo, der Drehscheibe des Katowicer Tramsystems, befand sich der Climate Hub, eine zweiwöchige Umwandlung von Katowices Klub Królestwo, die von Greenpeace Polen auf die Beine gestellt wurde. In einer Einrichtung, die gleichzeitig gemütliche Bar, Restaurant und Theatersaal ist, präsentierten Dutzende von Nichtregierungsorganisationen, sozialen Bewegungen und lokalen Organisatoren aus aller Welt ihre neuesten Aktivitäten und Ideen.

Wie geht es nun weiter im offiziellen Prozess? Nach der Sitzung von SBSTA und SBI im Juni in Bonn, auf der die Verhandlungen zu Artikel 6 über den Emissionshandel fortgesetzt werden, wird die nächste große weltweite Veranstaltung zum Klimathema ein Gipfel im September sein, der vom UN-Generalsekretär in New York einberufen wird. In den nächsten neun Monaten müssen alle Länder, vor allem aber die Industrieländer in sich gehen, um herauszufinden, wie sie ihren bisher nur unzureichend erfüllten Verpflichtungen unter dem Pariser Abkommen besser gerecht werden können und wie sie bis 2020 ihre Klimaziele erhöhen wollen, wie es im Pariser Abkommen vorgesehen ist. Das vom UN-Generalsekretär einberufene Gipfeltreffen ist gerade die richtige Plattform für die Staats- und Regierungschef/innen, der Welt zu verkünden, wie ernst sie den Klimaschutz wirklich nehmen.

Die 25. Konferenz der Vertragsstaaten wird in Chile stattfinden. Großbritannien und Italien haben bereits ihr Interesse bekundet, die COP 26 im Jahr 2020 auszurichten, dem wichtigen Jahr, in dem alle Länder durch das Pariser Abkommen aufgefordert sind, ihre neuen oder aktualisierten national festgelegten Beiträge einzureichen. Die Bewerbung Großbritanniens ist ein Hinweis darauf, dass das Land nach dem Brexit seine Position als führendes Land in der Welt beibehalten bzw. zurückgewinnen will.

Auch wenn das Ergebnis der COP 24 nicht die Umsetzung des Übereinkommens von Paris sicherstellen konnte und erhebliche Mängel aufweist, darunter fehlende Anreize für Länder, ihre für die Erreichung des 1,5°- bzw. 2°C-Ziels des Pariser Abkommens unzureichenden Versprechen zu erweitern, ist es doch gerade „gut genug“, die Möglichkeiten zukünftiger kollektiver multilateraler Klimadiplomatie nicht gänzlich zu begraben. Ein komplettes Scheitern der Verhandlungen wurde in den letzten Stunden vermieden und etwas Bewegung nach vorn erhalten. Der Geist von Paris und die 1992 ins Leben gerufenen Klimaverhandlungen werden ein weiteres Jahr überleben. Aber insgesamt lieferte Katowice viel zu wenig und das auch noch viel zu spät. Und dieses Versagen blieb nicht unbemerkt.

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„Ihr sagt, dass ihr Kinder über alles liebt, und dennoch raubt ihr ihnen ihre Zukunft, direkt vor ihren Augen“, sagte Greta Thunberg, die 15-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin zum Abschluss einer hochrangigen Sitzung im Rahmen des Talanoa-Dialogs. Damit spricht sie aus, was eine wachsende Bewegung von jungen und alten Klimaschutzaktivistinnen und -aktivisten rund um die Welt denkt.

Sie alle wissen: Tatsächliche Aktionen zur Verhinderung des verheerenden Klimawandels, der ganz offensichtlich schon längst eingesetzt hat, werden nicht in den UNFCCC-Fluren geplant – weil multilaterale Bemühungen sich als unvollkommen erwiesen haben. Unser Klima hängt jetzt von realen Aktionen auf den nationalen und subnationalen Ebenen ab und von Bürger/innen, die über Gerichtsverfahren Klimagerechtigkeit einfordern.

„Wir haben ja immer noch Paris“ wird nicht ausreichen, um sie 2019 zum Schweigen zu bringen.

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Deutscher Fotojournalist wird in argentinischem Fracking-Gebiet von der Polizei misshandelt

11 Januar, 2019 - 17:52

In der Provinz Neuquén im Norden Argentiniens gibt es enorme Schiefergas- und Schieferöl-Vorkommen, die mit Hilfe von Fracking ausgebeutet werden sollen. Zum Projekt „Vaca Muerta“ hatten wir an anderer Stelle bereits berichtet.

Stefan Borghardt, ein deutscher Fotojournalist, wollte sich am vergangenen Montag sein eigenes Bild von der Lage machen und wurde von der lokalen Polizei auf die Wache gebracht und dort nach Schlägen, Bedrohungen und Beleidigungen mehrere Stunden festgehalten und eingeschüchtert. Seine Kameraausrüstung wurde gegen seinen Protest von der Polizei einbehalten. Die Organisation Observatorio Sur und die Deutsche Welle haben auf Spanisch zu dem Fall berichtet.

Borghardt, 28, studiert Fotojournalismus in Hannover. Es machte in der Nähe der Ortschaft Añelo Fotos von den Abraumbecken und durch Erdreich sickernden Schlämmen, als er von einem Wachmann auf dem Gelände der Polizei übergeben wurde. Obwohl er einen Presseausweis vorlegen konnte, bestand die Polizei darauf, weitere Dokumente von ihm zu sehen und den Hintergrund seiner Tätigkeit und Auskünfte über seine mutmaßlichen Auftraggeber zu erhalten. Er wurde dazu gedrängt, ein Vernehmungsprotokoll zu unterzeichnen, das er zuvor nicht gegenlesen durfte. Zuvor war er beleidigt und eingeschüchtert, an eine Wand gestossen und geschlagen worden.

Die Kameraausrüstung hat er – nach einer Anzeige und großer Unterstützung durch die argentinische Zivilgesellschaft – inzwischen wieder zurückerhalten, die Fotos wurden nicht gelöscht. Die Fotos in diesem Artikel sind mit seinem Mobiltelefon entstanden.

Der Umgang mit den hochgiftigen Schlämmen, die durch das Fracking-Verfahren entstehen, ist einer der großen Konfliktpunkte im Zusammenhang mit dieser Technologie. Eine Lagerung in schlecht oder gar nicht isolierten oder abgedeckten Aushöhlungen in den Böden führt dazu, dass die Giftstoffe in die Luft entweichen und in die Böden einsickern. Für die lokale Bevölkerung stellt ein solch leichtfertiger Umgang ein hohes Risiko für ihre Gesundheit dar.

Borghardts Fotos lassen vermuten, dass in Añelo so vorgegangen wurde.

 

Hintergrund zum Thema Vaca Muerta & Fracking in Argentinien (auf Englisch):

Megaprojekt Vaca Muerta: Eine tickende CO2-Bombe in Patagonien (Kurze Übersichtsstudie auf Englisch)

Greenpeace investigation reveals Shell, Total, and other oil majors using illegal toxic waste dumps in Patagonia (Analyse von Greenpeace Andino)

Setbacks in plan to use Vaca Muerta oil and gas reserves to kickstart economy (Analyse von IEEFA)

Auf Spanisch:

Website von OPSur

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Alle Jahre wieder… im Januar: Agrar-Atlas und Alternative Grüne Woche

10 Januar, 2019 - 15:39

Ein Beitrag von Inka Dewitz

Nächste Woche trifft sich die Weltgemeinschaft der Agrarindustrie auf der Grünen Woche in Berlin. Wäre es da nicht mal an der Zeit für ein klares Bekenntnis zu einer Landwirtschaft, die Klimaschutz und Naturschutz als Chance begreift und sich dadurch für eine nachhaltige Zukunft aufstellt? All das wäre möglich, denn in Europa steht die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik an. Mit knapp 60 Mrd. Euro – also 114€ pro EU Bürgerin und Bürger – wird der Sektor jährlich unterstützt. Trotzdem fließt kaum Geld in die Bereiche, die den Menschen in Europa wichtig sind: Umwelt-, Klima- und Naturschutz, die Unterstützung kleiner Betriebe. Noch immer vertritt die Bundesregierung die Interessen der Agrarlobby. Digitalisierung und Gentechnik werden hofiert und als Heilsbringer gefeiert. Klima- und Umweltziele als Belastung abgetan.

Warum sich die Agrarpolitik seit Jahren nicht ändert und wie eine andere – eine nachhaltige und gerechte – Landwirtschaft aussehen könnte, darüber könnt ihr euch im kürzlich erschienenen Agrar-Atlas informieren oder kommt zu unserer  Veranstaltungsreihe „Landwirtschaft anders – unsere Grüne Woche“ vom 14.01.-22.01.2019 in die Heinrich-Böll-Stiftung. Wir versprechen euch spannende und informative Diskussionsabende:

Montag 14.01. – Gentechnik – Alles neu? Über 80 Prozent der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Gentechnik auf ihren Tellern. Aber neue Techniken in Verbindung mit der Digitalisierung revolutionieren die Möglichkeiten der genetischen Veränderung. Was heißt diese Entwicklung für all diejenigen, die die europäische Landwirtschaft frei von Gentechnik halten wollen?

Dienstag 15.01. – Ein Blick über den Tellerrand – Was die Milliarden schwere Agrarpolitik mit Klima, Umwelt und globaler Nachhaltigkeit zu tun hat. Jährlich wird die Landwirtschaft mit knapp 60 Mrd. Euro unterstützt. Dennoch wird kaum Geld in die Dinge investiert, die den Menschen in der EU wichtig sind: der Schutz von Klima, Natur und Umwelt genauso wie der Erhalt von kleinen und mittleren Betrieben. Die Heinrich-Böll-Stiftung und der BUND haben das Jahr der Reform in der EU zum Anlass genommen, mit dem Agrar-Atlas die EU Agrarpolitik anschaulich zu erklären, zu zeigen, wie falsch vieles läuft und was besser gemacht werden könnte.

Mittwoch 16.01. – Landraub in Rumänien – Lesung mit Krimiautor Oliver Bottini. In seinem Krimi „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ geht es um die Folgen der Globalisierung am Beispiel der Agrarindustrie, um Landraub und ausländische Investoren aber auch um Einblicke in die Diktaturen in Rumänien sowie in der DDR und deren Auswirkungen auf die Gegenwart.

Donnerstag 17.01. – Nach dem Hype: Und wie retten wir jetzt die Insekten? Immer neue Studien bestätigten das Ausmaß des Rückgang von Fluginsekten und eine ihrer zentralen Ursachen: eine immer intensiver betriebene Landwirtschaft – mit Monokulturen und ausgeräumte Landschaften, die Insekten kaum noch Nahrung und Schutz zu bieten hat und durch viel zu hohe Einträge von Düngern und Pestiziden zusätzlich schädigt. Es muss schnell gehandelt werden. Doch was ist bis heute passiert und ist die Trendwende zu schaffen?

Freiteg 18.01. – Agrarökologie stärken! – Für eine zukunftsgerichtete Politik und Praxis. Es scheint wie die Quadratur des Kreises: Wie können die negativen Umweltwirkungen der Landwirtschaft verringert werden, während gleichzeitig die Produktivität erhöht wird? Die Antwort liegt auf der Hand – indem die landwirtschaftliche Erzeugung nicht mehr gegen die ökologischen und sozialen Systeme, in denen sie verortet ist, arbeitet, sondern mit ihnen. Das ist der wichtigste Grundsatz von Agrarökologie.

Samstag 19.01. – DEMO – Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen! Ein Netzwerk von Bäuerinnen und Bauern – konventionell und bio, Verbraucherinnen und Verbrauchern, NaturschützerInnen und TierschützerInnen, ImkerInnen und Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit ruft zur Demo auf: Für eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und Gutes Essen. Anschließend sind alle eingeladen zum Suppn’Talk ab 14:30 in die Heinrich-Böll-Stiftung zu kommen zu, aufwärmen, genießen, vernetzen und diskutieren nach der DEMO bei Essen, heißen Getränken und Kultur.

Der Politische Suppentopf – Nach der Demo ist vor der Aktion!

Dienstag 21.01. – Ein giftiges Geschäft, Kleinbauern im Fokus der Agrarindustrie. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe zeigen wir den Film „Toxic Business“ aus Kenia und stellen eine Studie zu Pestizideinsatz in Bolivien vor.

Während der ganzen Woche sind auf der Belletage der Heinrich-Böll-Stiftung die Arbeiten von Ines Meier in der Ausstellung „Tellerrand“ zu sehen. Großformatige Luftaufnahmen verdeutlichen die Relevanz der EU-Agrarpolitik für jede/n von uns. Die Fotografien, die ästhetisch an abstrakte Malerei erinnern, untersuchen die Folgen industrieller Landwirtschaft von Bodenerosion und Nitratbelastung des Wassers bis hin zum Verschwinden bäuerlicher Strukturen.

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COP 24 in Katowice – the good, the bad and the ugly (sneak preview)

19 Dezember, 2018 - 23:16

Am späten Samstagabend war es endlich vorbei: Nach zwei langen und zähen Verhandlungswochen mit wenigen hoffnungsvollen Momenten und vor allem viel Frust und Ärger ist die UN Klimakonferenz COP 24 im polnischen Katowice zu Ende gegangen. Das Pariser Klimaabkommen lebt noch – auch drei Jahre nach der COP 21. Das ist die gute Nachricht. Denn es ist gelungen, ein Regelwerk zur Operationalisierung dieses Abkommens zu verabschieden. Aber auch nur, weil viele wichtige und substantielle Themen auf’s nächste Jahr vertagt wurden.

Die schlechte Nachricht: Auch wenn alle Länder die Zusammenfassung für Entscheidungsträger/innen des Sonderbericht des Weltklimarats zu 1,5 °C einstimmig angenommen haben, gibt es nicht Hoffnung, dass unsere Regierungen ihre jeweiligen nationalen Anstrengungen noch einmal gewaltig erhöhen werden – aber genau darauf haben sie sich ja eigentlich verpflichtet.

Was sie genau in Katowice vereinbart haben, was auf 2019 verschoben wurde, welche Themen inzwischen komplett von der Agenda fallen, was sonst noch so auf einer COP passiert und was das alles für die kommenden Monate und die Zukunft des Weltklimas heißt – das berichten wir in einer ausführlichen Analyse der COP 245-Ergebnisse Anfang Januar hier auf Klima der Gerechtigkeit. Stay tuned:-)

Wer schon jetzt mehr nachlesen mag, dem / der empfehle ich die folgenden Pressemitteilungen und Statements (man beachte die unterschiedlichen Lesarten – waren die wirklich alle auf der gleichen COP…?;-)

Greenpeace: Interview mit Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser zum Ende des UN-Klimagipfels: Geht’s so? Geht so…

Und Greenpeace International: COP24 ends without firm promises to raise climate action and ambition

Climate Action Network International: COP24: Countries struggle to muster political will to tackle climate crisis

Germanwatch: Erste Bewertung der Ergebnisse des Klimagipfels COP24 in Katowice

Center for International Environmental Law (CIEL): Katowice COP24 Outcome Incompatible with Paris Agreement. Ambition, Equity, and Human Rights Left Behind in Poland Climate Talks

Care: Big polluters fall short at COP24 despite leadership of the most vulnerable

Climate Land Ambition Rights Alliance (CLARA): Statement zum Ausgang der COP 24

2019 (bzw. ggf. auch erst Anfang 2020 – über den genauen Zeitpunkt der COP 25 wird noch verhandelt) ist dann Chile dran. Und vielleicht bringen dann neue Perspektiven vom anderen Ende der Welt wieder mehr Schwung und Hoffnung in den Klima-Prozess?

Wir machen jetzt auf jeden Fall erstmal eine kleine Verschnaufpause. Weltrettung ist anstrengend. Wir wünschen erholsame, friedliche, plastikfreie Feiertage und einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr 2019!

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Exterminator Gene Drives und das Recht auf „Free, Prior and Informed Consent“ – ein neuer Film über das umstrittene Target Malaria Projekt

19 Dezember, 2018 - 22:46

Vor wenigen Wochen erst, Ende November, haben die 196 Mitgliedsstaaten der CBD haben eine strenge Regulierung von Gene Drive Technologien beschlossen. Nach intensiven und kontroversen Diskussionen einigten sich die Delegierten auf eine Vereinbarung, die Regierungen u.a. dazu verpflichtet, vor einer Freilassung von mit Gene Drives manipulierten Organismen die Zustimmung von „potentiell betroffenen indigenen und lokalen Gemeinschaften“ einzuholen.

Warum das so wichtig ist, zeigt ein neuer Kurzfilm, der heute erstmals veröffentlicht wurde:

Target Malaria, a research consortium that aims to eradicate malaria-carrying species of mosquitoes using new genetic modification tools, does not have proper consent from communities for its experiment. That is the main message of a new short film that is being released this week.

A Question of Consent: Exterminator Mosquitoes in Burkina Faso” documents conversations with residents of the areas where Target Malaria is conducting tests, as well as opposition from civil society groups in the region.

The film’s revelations pose problems for the project, backed by the Bill and Melinda Gates Foundation, the Open Philanthropy Project and the US Military.

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Lesenswert ist auch der Meinungsbeitrag, den die Filmemacherin Zahra Moloo heute begleitend veröffentlich hat: Cutting Corners on Consent.

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Verabschiedung der EU-Richtlinie gegen Einwegplastik – ein wichtiger Schritt, aber erst der Anfang

19 Dezember, 2018 - 22:34

Ohne massiven Druck der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit wäre es nie dazu gekommen. Aber heute in den frühen Morgenstunden war es dann soweit: Europäische Kommission, Rat und Parlament haben auf einen Kompromiss in Sachen Single Use Plastic Directive geeinigt. Nach dem heutigen Beschluss (siehe auch PM der DUH)

„sollen Einwegartikel wie Strohhalme, Besteck, Wattestäbchen und Einwegbecher und Lebensmittelbehälter aus expandiertem Polystyrol verboten werden. Außerdem wurden Sammelziele und Mindesteinsatzquoten für Recyclingmaterial in Einweg-Plastikflaschen festgelegt. Die Tabakindustrie wird verpflichtet, sich zukünftig an den Kosten zur Entsorgung von Zigarettenstummeln zu beteiligen. Die Richtlinie tritt voraussichtlich im Frühjahr 2021 in Kraft.“

Das Europäische Parlament hatte am 24. Oktober für eine sehr weitgehende Liste an Verboten, Reduktionszielen und Maßnahmen gestimmt (siehe dazu meinen Bericht). Hier gelang der Plastik-Lobby zwar in den letzten Wochen in einigen Punkten die Einflussmaßnahme über verschiedene Mitgliedstaaten (darunter auch Deutschland). Aber das Endergebnis ist immer noch mehr als zufriedenstellend.

Die Rethink Plastic Alliance listet das Erreichte wie folgt auf:

The final measures adopted include:

  • Bans on several single-use plastic items including plates, cutlery and expanded polystyrene food containers and beverage cups
  • Ensuring manufacturers pay for waste management and clean-up of several single-use plastic items, including cigarette butts and fishing gear

However, the agreement falls short of what is needed to fully tackle the plastics crisis in key areas including

  • No binding EU-wide target to reduce the consumption of food containers and cups, and no obligation for EU countries to adopt targets
  • A delay of four years on ensuring 90% of plastic bottles are collected separately – from 2025 to 2029

These measures apply to all single-use plastics listed in the Directive’s Annexes including bio-based and biodegradable plastics.

Und noch einmal genauer – was ist gut und was ist schlecht daran?

What’s good:

  • A EU-wide ban of single-use plastic cotton buds, straws, plates, cutlery, beverage stirrers, balloon sticks, oxo-degradable plastics, and expanded polystyrene food containers and beverage cups

  • Extended Producer Responsibility schemes meaning manufacturers (including big tobacco companies and top polluters from the packaging industry like Coca Cola, Pepsico and Nestle) pay for the costs of waste management, clean up and awareness-raising measures for certain single-use plastics including plastic cigarette filters – the most littered item in Europe (by January 2023 for most items)

  • A possibility for EU countries to adopt market restrictions for food containers and cups for beverages

  • An obligation for EU countries to reduce post-consumption waste from tobacco product filters containing plastic

  • For fishing gear, an Extended Producer Responsibility scheme and a requirement for Member States to monitor collection rates and set national collection targets

  • Ensure all beverage bottles are produced from 30% recycled content by 2030

  • Labelling on the presence of plastics in a product and resulting environmental impacts of littering, and on the appropriate waste disposal options for that product

What’s not so good:

  • No binding EU-wide target to reduce the consumption of food containers and cups, and no obligation for EU countries to adopt targets either; instead, countries must “significantly reduce” their consumption, leaving it vague and open

  • A delay of 4 years in achieving the 90% collection target of beverage containers, from 2025 to 2029, with an intermediary target of 77% by 2025

  • Allowing for EU countries to choose to achieve consumption reduction and certain EPR measures through voluntary agreements between industry and authorities

  • A 3 year delay to make sure plastic drinks containers have their caps/lids attached to the containers – from 2021 to 2024

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Shell, Eni und der Ölblock OPL245 – ein Lehrstück zur Frage, wie Korruption den Klimawandel anheizt

30 November, 2018 - 12:21

Über den Korruptionsskandal rund um den Offshort-Ölblock OPL245 in Nigeria habe ich ja schon mehrfach berichtet (u.a. im Januar 2017: Shell und Eni verlieren großen Ölblock in Nigeria und im April 2017: #ShellKnew: Wie Korruption den Klimawandel anheizt).

Doch hier nochmal kurz der Hintergrund zum OPL245 Deal: Global Witness hat bereits 2017 offengelegt, dass Shell sehr wohl wusste, dass ihre Milliarden nicht unbedingt in öffentlichen Kassen landen würden, sondern in privaten. Es ist einer der größten Korruptionsskandale der Geschichte der Öl- und Gasindustrie – und davon gibt es viele! Shell und Eni samt einigen ihrer Top-Manager stehen deshalb auch aktuell in Italien und Nigeria wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Die Anklage besagt, dass 1,1 Milliarden US-Dollar, die für den Ölblock 2011 gezahlt wurden, als Schmiergeldzahlungen an verschiedene Schlüsselminister gingen. Das Gerichtsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Infos zum Gerichtsverfahren gibt es hier.

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Seit dieser Woche gibt es dazu nochmal Neues zu berichten: Global Witness hat am 26. November in Abuja die Ergebnisse einer Recherche veröffentlicht, die sie in Auftrag gegeben hatten. Das Ergebnis: Shell Manager wussten, dass der Deal, den sie der nigerianischen Regierung vorschlugen, nicht wirklich ein “production sharing contract” war. Ein solcher hätte der Regierung nämlich einen Anteil des Öls gegeben, das OPL245 produzieren soll. Aber Shell und Eni haben es weiter so bezeichnet, obwohl sie den Anteil der Regierung im Vertrag bereits gestrichen hatten. Die 6 Milliarden US-Dollar, die die beiden großen Ölfirmen dem Land somit stehlen, entspricht etwa dem Doppelten des jährlichen Gesundheits- und Bildungsetats des Landes!

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Übrigens: Shell und Eni haben immer noch die Lizenz über den Block OPL245, auch wenn die nigerianische Regierung den Deal inzwischen als korrupt bezeichnet.

Download the full report: Take the Future – Shell’s scandalous deal for Nigeria’s oil (PDF, 5.7MB)

Download: Resources for Development Consulting – Government Revenues from OPL 245 (PDF, 2.4MB)

Download: Resources for Development Consulting – Block 245 Fiscal Regime Analysis (XLS, 408KB)

Wie Korruption den Klimawandel anheizt und wie man das am Beispiel von OPL245 sehr schön sehen kann, habe ich gemeinsam mit Simon Taylor, einem der Günder und Direktoren von Global Witness in diesem Beitrag beschrieben. Mit Blick auf die am Wochenende beginnende Klimakonferenz in Katowice lässt sich festhalten:

Um das Pariser Abkommen zu erfüllen, müssen die Bemühungen zur Bekämpfung der Korruption und des Klimawandels Hand in Hand gehen. Korruption im weitesten Sinne des Wortes ist der Klebstoff, der das „System“ zusammenhält und finanzstarke, mächtige Interessen von den Regeln, die sie im Schach halten sollen, befreit. Sie ist der Grund, warum viele Regierungen, die zugesagt haben, ihre Emissionen in umfassender Weise zu verringern, ihre Zusagen bisher nicht erfüllen konnten.

 

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UN-Biodiversitätskonferenz COP14 in Ägypten zu Gene Drives: Vereinbarung verpflichtet Regierungen zu demokratischer Kontrolle und Garantie von Rechten

29 November, 2018 - 17:07

Heute spät oder ggf. auch erst morgen früh geht die COP 14 des UN-Übereinkommens über Biologische Vielfalt (CBD) in Sharm El-Sheikh, Ägypten, zu Ende. Einige Entscheidungen sind aber schon getroffen – und dazu zählt auch die zur umstrittenen Gene Drive Technologie:

Die 196 Mitgliedsstaaten der CBD haben heute eine strenge Regulierung von Gene Drive Technologien beschlossen. Nach intensiven und kontroversen Diskussionen einigten sich die Delegierten auf eine Vereinbarung, die Regierungen u.a. dazu verpflichtet, vor einer Freilassung von mit Gene Drives manipulierten Organismen die Zustimmung von „potentiell betroffenen indigenen und lokalen Gemeinschaften“ einzuholen.

Warum das so wichtig ist, zeigt u.a. auch die aktuelle Reportage, die Zahra Moloo nach einer Recherchereise nach Burkina Faso verfasst hat und die hier auf Klima der Gerechtigkeit nachzulesen ist. In Burkina Faso will nämlich das von der Gates Foundation finanzierte Projekt Target Malaria gentechnisch manipulierte Moskitos freisetzen und den Weg für eine Anwendung von Gene Drive Moskitos bereiten. Die lokale Bevölkerung wurde schlecht bis gar nicht informiert bzw. konsultiert. Aber es regt sich Widerstand – Tausende haben bereits in Ouagadougou gegen das Projekt demonstriert.

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte heute zu dieser Entscheidung:

„Die CBD-Delegierten machen klar, dass es sich hier um eine äußerst riskante Technologie mit hoher Sprengkraft handelt, die starker Regulierung bedarf. Diese Vereinbarung erschwert die Anwendung potentiell hochriskanter Technologien erheblich. Genetische Merkmale einzelner Arten stark zu verändern oder einzelne Arten sogar ganz auszurotten, ist ein massiver Eingriff in Ökosysteme, der unterbunden werden muss. Die getroffene Vereinbarung  unterstreicht zudem, wie fundamental ganze Bevölkerungsgruppen in ihrer Existenz und ihren grundlegenden Rechten durch die  unkalkulierbaren Folgen derartiger Technologien betroffen sein könnten. Gerade im Vorfeld des 70. Jahrestages der Menschenrechtscharta ist dieser Kompromiss daher ein deutliches Signal an die Regierungen, grundlegende Rechte über Partikularinteressen zu stellen und konsequenter zu garantieren. Auch wenn diese Entscheidung kein Moratorium bedeutet, wie wir es uns gewünscht hätten, so schiebt sie der Erforschung und Anwendung von Gene Drives doch klare Riegel vor. Die Entscheidung der CBD kam allerdings nur auf immensen Druck der Zivilgesellschaft zustande. Hunderte von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaftler/innen, Bauernverbände und Indigene Gruppen haben im Vorfeld der COP 14 ein Moratorium verlangt und in den letzten zwei Wochen hart dafür gekämpft. Sie sind dabei  auf eine gut organisierte und großzügig finanzierte Lobby der Gegenseite getroffen.“

Diese pro Gene Drive Lobby ist unter anderem von der Bill and Melinda Gates Foundation finanziert und hatte im Vorfeld vor allem afrikanische Regierungen auf ihre Seite gebracht, die sich zuvor noch kritisch gegenüber Gene Drives geäußert hatten.

Barbara Unmüßig:

 „Es ist äußerst bedauerlich, dass sich einige Regierungen entgegen den Interessen ihrer Bevölkerungen auf die Seite der Gene Drive Befürworter geschlagen haben. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig ein transparenter und konsequenter Umgang mit kommerziellen Interessenskonflikten und Lobby-Strukturen in einem Gremium ist, das sich mit der Regulierung von machtvollen und millionenschweren Technologien befasst. Daher begrüßen wir ausdrücklich, dass die CBD einen Prozess zum Umgang mit Interessenskonflikten eingeleitet hat. Eine solche Strategie muss Transparenz und Rechenschaftspflicht herstellen, so dass sich Zivilgesellschaft aktiv und kritisch in den Prozess einbringen kann.“

Unser Statement zum Austragungsort Ägypten zum Auftakt der COP.

Dossier zum Thema Biodiversität.

Pressemitteilung von ETC Group und Friends of the Earth.

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Die UN-Klimakonferenz in Katowice: Was steht bei der COP 24 auf dem Spiel?

28 November, 2018 - 13:29

Die 24. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP 24) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) findet 2018 im polnischen Katowice statt. Sie beginnt am 2. Dezember, zwei Jahre, elf Monate und 20 Tage, nachdem der Vorsitzende der COP 21, Laurent Fabius, die Einigung auf das historische Übereinkommen von Paris unter dem Jubel von Delegierten aus 196 Vertragsstaaten per Hammerschlag besiegelt hatte.

Eine Analyse von Don Lehr  (im Original auch hier auf Englisch zu finden)

Die 24. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP 24) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) findet 2018 im polnischen Katowice statt. Sie beginnt am 2. Dezember, zwei Jahre, elf Monate und 20 Tage, nachdem der Vorsitzende der COP 21, Laurent Fabius, die Einigung auf das historische Übereinkommen von Paris unter dem Jubel von Delegierten aus 196 Vertragsstaaten per Hammerschlag besiegelt hatte.

Diese kurze Analyse gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Verhandlungen und über die auf der COP 24 anstehenden Schlüsselthemen. Es stellt die UN-Klimagespräche in den breiteren Zusammenhang der Klimadiplomatie und Klimawissenschaft. Darüber hinaus wird der Stand der Dinge in Bezug auf einige spezifische Fragen zusammengefasst, die für die Heinrich-Böll-Stiftung und ihre Partnerinnen und Partner besonders wichtig sind.

Teil 1: Wo stehen wir drei Jahre nach Paris?

Zusammenfassung des Übereinkommens von Paris

Die Ziele des Übereinkommens von Paris sollen erreicht werden, indem:

  1. der Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird und Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, da erkannt wurde, dass dies die Risiken und Auswirkungen der Klimaänderungen erheblich verringern würde;
  2. die Fähigkeit zur Anpassung an die nachteiligen Auswirkungen der Klimaänderungen erhöht und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaänderungen sowie eine hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarme Entwicklung so gefördert wird, dass die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird;
  3. die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung.

Das Übereinkommen von Paris wurde am 12. Dezember 2015 erfolgreich verabschiedet, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die endgültige Ausarbeitung einiger für die „Durchführung“ notwendiger technischer Details bis zur COP 24 aufgeschoben wurde. Im Übereinkommen sind aber grundlegende Verpflichtungen für alle Länder festgehalten – ein Meilenstein – und in seinen Artikel und Beschlüssen wurden neue Verfahren eingeführt, die Verhandlungsstränge des Arbeitsprogramms des Übereinkommens von Paris („Paris Agreement Work Programme“, kurz PAWP und im Folgenden „Arbeitsprogramm“) sind, aus denen das sogenannte „Regelbuch“ („Paris Rulebook“) hervorgehen soll.

Zu den im Arbeitsprogramm umrissenen Verpflichtungen für alle Länder gehören folgende langfristigen Ziele und Zusagen:

  • Minderungsmaßnahmen (Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch national festgelegte Beiträge [nationally determined contributions, NDCs] für alle Länder);
  • Kooperative Ansätze (markt- und nicht marktbasierte);
  • Berichte zur Anpassung an den Klimawandel (adaptation communication);
  • Finanzierung (aus Industrie- in Entwicklungsländer, einschließlich von Vorabinformationen über die Bereitstellung von Geldern und Anrechnung der bereitgestellten Gelder)
  • Entwicklung und Weitergabe von Technologie
  • Erweiterter Transparenzrahmen (um Rechenschaft über Fortschritte abzulegen)
  • Weltweite Bestandsaufnahme oder auch „Global Stocktake“ (für eine alle fünf Jahre erfolgende Messung der Fortschritte)
  • Durchführung und Einhaltung („implementation and compliance“); sowie
  • möglicherweise weitere Angelegenheiten.

Was seit Paris passiert ist

Seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens fanden sechs Sitzungen der drei UNFCCC-Organe[1] statt, die für die rechtzeitige Erstellung des Arbeitsprogramms zuständig sind. Welche Fortschritte wurden gemacht, wie ist der Stand der Dinge und wie stehen die Chancen für die Annahme des Regelbuchs in Katowice?

Trotz ständiger Appelle, die Delegierten mögen „ihre Arbeit am Arbeitsprogramm beschleunigen“, besteht die nach den letzten Verhandlungen in Bangkok Anfang September herausgegebene Dokumentenzusammenstellung für das Regelbuch aus 307 Seiten. Nach Bangkok erstellten die Verhandlungsvorsitzenden der drei Organe ein „Papier mit gemeinsamen Überlegungen“, das zusammen mit den neun Ergänzungen immer noch auf 243 Seiten kommt. Nicht sehr hilfreich.

Die Länge des Textes ist einer der Gründe, warum die Verhandlungen so unerträglich langsam vorankommen. Ein anderer ist, dass eine Ausgewogenheit der Verhandlungsstränge sichergestellt sein soll – alle Punkte des Arbeitsprogramms müssen „auf vergleichbare Weise ausgereift sein“. Überhaupt ist die Frage der Gleichzeitigkeit ein Kernpunkt der politischen Uneinigkeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Die Industrieländer fordern mehr Verhandlungszeit für komplexere Probleme, während die Entwicklungsländer auf einen gleichen Zeitrahmen für alle Fragen drängen. Der derzeit wahrgenommene Mangel an Ausgeglichenheit gefährdet die Verabschiedung des Regelbuchs in Katowice.

Ein weiterer Stolperstein sind Verflechtungen bzw. Fragen, die übergreifend alle Punkte im Arbeitsprogramm und alle drei Organe betreffen. Fortschritte in einem Verhandlungsstrang hängen häufig von Fortschritten in einem anderen ab. In dem Papier mit gemeinsamen Überlegungen wird eingeräumt, dass „es keine Wunderlösung für alle Verflechtungen gibt“. Die ungelösten Probleme der komplizierten Verflechtungen verzögern ebenfalls das Vorankommen und könnten die Verabschiedung des Regelbuchs als Gesamtpaket gefährden.

Teil 2: Was steht auf der Tagesordnung der COP 24?

Vervollständigung des Arbeitsprogramms – Das Regelbuch zum Übereinkommen von Paris

Auf der COP 24 sollen sämtliche Teile des Arbeitsprogramms als Gesamtpaket zur Verabschiedung vorliegen. Ist dieses Ziel realistisch in Anbetracht der oben beschriebenen Probleme der Textlänge, Ausgewogenheit und Verflechtungen?

In einer der Ergänzungen zum Papier mit gemeinsamen Überlegungen findet sich ein Hinweis auf eine Lösungsmöglichkeit. Ein einleitender Satz ist überraschend deutlich:

Welche der vielen derzeit identifizierten Informationselemente […] sind tatsächlich für die Umsetzung des Pariser Abkommens notwendig?

Die Verhandlungsvorsitzenden fragen damit die Vertragsparteien nach deren Ansichten, was auf der COP 24 entschieden werden muss und welche Entscheidungen verschoben werden können. Die Ergänzung zum Papier der Verhandlungsvorsitzenden trennt die inhaltlichen Vorschläge in zwei Hälften – in eine Hälfte für die Verhandlungen in Katowice und in eine zweite Hälfte, die aufgeschoben werden könnte. Es ist reine Spekulation, ob dieser Vorschlag für das Gesamtpaket des Arbeitsprogramms angewandt wird, denn das kann nur mit Zustimmung der Vertragsparteien entschieden werden.

Neuere Quellen deuten darauf hin, dass ein Ergebnis der COP 24 darin bestehen könnte, dass es nur zu einer Einigung über grundsätzliche Elemente und über einen Fahrplan für die Vervollständigung des Regelbuchs kommen könnte und noch nicht zur Verabschiedung eines vollständigen Regelbuchs mit allen technischen Einzelheiten. Aber wenn das Regelbuch die Umsetzung des Pariser Abkommens in Gang setzen soll, wie viele technische Einzelheiten muss es für diesen Zweck enthalten?

Klimafinanzierung im Regelbuch zum Übereinkommen von Paris

Ein erfolgreiches Ergebnis der COP 24 hängt davon ab, ob die Verhandlungen zur Klimafinanzierung vorangebracht werden können. Das ist ein alles überspannender politischer Kampf, der fast alle bisherigen COPs vereinnahmte. Die Entwicklungsländer müssen sicher sein, dass die Industrieländer bereit sind und es ernst meinen, sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht ausreichend detaillierte Angaben über ihre öffentliche Klimafinanzierung zu machen – im Voraus und nach der Bereitstellung –, um die Vorhersehbarkeit zu erhöhen und die Rechenschaftspflicht zu stärken.

Eine vorhersehbare und verlässliche Klimafinanzierung wird Vertrauen und Zuversicht in das Regime nach Paris aufbauen und den Entwicklungsländern die nötige Sicherheit verleihen, ihre ehrgeizigen NDC-Verpflichtungen zu planen und umzusetzen. Viele dieser Verpflichtungen wurden unter der Bedingung zugesagt, dass ihnen von den Industrieländern zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.

Dieses Thema – das in hohem Maße ein technisches Verfahrensproblem ist – könnte sich als größte Hürde für einen erfolgreichen Abschluss der COP 24 erweisen. Das Pariser Klimaabkommen enthält ein Verfahren,das die Industrieländer dazu verpflichtet, Angaben über ihre geleistete finanzielle Unterstützung an Entwicklungsländer zu machen. Aber es gibt kein Verfahren für Industrieländer, im Voraus detaillierte Angaben darüber zu machen, in welcher Höhe und wofür sie Gelder bereitstellen wollen.

Das heißt, dass auch im Arbeitsprogramm zum Übereinkommen von Paris nichts über eine Verknüpfung der Angaben von Industrieländern über ihre zukünftige öffentliche Klimafinanzierung mit Angaben über tatsächlich geleistete Finanzierung zu finden ist. Die Entwicklungsländer fordern aber eine solche Verknüpfung, da für sie die Informationen, wie viel und welche Art von Finanzhilfe sie erwarten können, entscheidend dafür ist, ob und gegebenenfalls wie sie ihre unter dem Pariser Abkommen gemachten Verpflichtungen umsetzen können. Dem kommt ein besonderes Gewicht zu, weil die Entwicklungsländer gedrängt werden, im Namen einer allgemeinen Erhöhung der Klima-Ambitionen auch ehrgeizigere nationale Ziele zu stecken. Wie bereits gesagt, ist dies aber nur mit zusätzlich von den Industrieländern bereitgestellten Finanzhilfen machbar.

Die Industrieländer halten dagegen, dass das Pariser Abkommen kein Mandat enthalte, ein Verfahren einzuführen, die sie dazu verpflichtet, den Entwicklungsländern anzukündigen, in welcher Höhe Finanzhilfen geplant sind. Sie erachten dies als eine rein technische Kommunikationsübung, die später und an anderer Stelle im Rahmen der UNFCCC zu diskutieren sei.

Zudem liegt nicht einmal eine vereinbarte Definition von Klimafinanzierung vor, weshalb die Länder weiterhin uneins sind, was in der Berichterstattung als Klimafinanzierung anzurechnen ist. Während die Industrieländer erpicht darauf sind, die Kategorien auszuweiten, um sich beispielsweise auch nicht finanzielle Anstrengungen wie Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Fähigkeiten und Technologietransfers oder auch Finanzhilfen in Form von kommerziellen Krediten anrechnen zu können, wollen die Entwicklungsländer den Fokus der Berichterstattung weiterhin auf neue und zusätzliche finanzielle Unterstützung richten, die neben der offiziellen Entwicklungshilfe geleistet wird.

Zudem ist zu erwarten, dass auf der COP 24 auch die hitzigen Debatten darüber fortgeführt werden, wann mit dem Prozess der für 2023 angepeilten Festsetzung eines neuen quantifizierten kollektiven Finanzierungsziels begonnen wird, um den (noch lange nicht erreichten) Betrag von 100 Mrd. USD jährlich ab 2020 aufzustocken. Dieser Betrag war erstmals 2009 auf der verhängnisvollen COP 15 in Kopenhagen vorgeschlagen worden und dient derzeit als Ausgangswert.

Klimafinanzierung für den Green Climate Fund

Auch wenn dies kein offizieller Tagesordnungspunkt auf der COP 24 ist, wird es zu hinter den Kulissen zu Gesprächen darüber kommen, ob die Industrieländer, allen voran die Europäische Union, Japan und Kanada, bereit und in der Lage sind, bei der ersten offiziellen Wiederauffüllung des Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) ihre Zusagen zu erhöhen. Der Prozess der Wiederauffüllung startete auf seiner 21. Direktoriumssitzung Ende Oktober in Manama, Bahrain.

Da der GCF der wichtigste multilaterale Fonds unter den Finanzmechanismen des Pariser Klimaabkommens ist, wären frühe Hinweise auf eine höhere Unterstützung für den nächsten Durchführungszeitraum für die Entwicklungsländern ein Lackmustest, wie ernstgemeint die in Paris gegebenen Versprechen der Industrieländer tatsächlich sind. Das könnte auch dazu beitragen, die UNFCCC-Finanzierungsverhandlungen voranzubringen.

Menschenrechte im Regelbuch zum Übereinkommen von Paris

Einer der bedeutendsten Siege des Übereinkommens von Paris war, dass die Menschenrechte Eingang in den Text der Präambel fanden, auch wenn sie später in den Artikeln des Abkommens nicht nochmals erwähnt werden. Die Präambel verweist insbesondere auf die Beseitigung der Armut, auf die Rechte von indigenen Völkern, auf Beteiligung der Öffentlichkeit, auf Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau, auf Ernährungssicherheit, auf einen gerechten Strukturwandel für Arbeiterinnen und Arbeiter („Just Transition“) und menschenwürdige Arbeit, auf Gerechtigkeit zwischen den Generationen und auf die Integrität aller Ökosysteme.

Auch wenn eine große Gruppe zivilgesellschaftlicher Vertreter/innen und Delegierte aus einigen Ländern darauf drängen, dass die Menschenrechte auch im Regelbuch des Übereinkommens von Paris zur Sprache kommen, ist klar, dass vielen Delegierten das Verständnis für die Relevanz von Menschenrechten für den Klimaschutz fehlt bzw. was sie mit Klimafinanzierung zu tun haben. Hier ist Öffentlichkeitsarbeit und Kapazitätsaufbau nach wie vor von zentraler Bedeutung.

Aktivist/innen fordern weiterhin, dass die Menschrechte in verschiedenen Verhandlungssträngen des Arbeitsprogramms ausdrücklich angesprochen werden, darunter auch in den Richtlinien zu den NDCs sowie der Planung und Überwachung von Anpassungsmaßnahmen. Im Text zum erweiterten Transparenzrahmen wird an einigen Stellen auf die sozialen Dimensionen des Klimaschutzes verwiesen, aber diese müssen deutlicher gemacht und besser begründet werden, insbesondere muss bei der Bereitstellung von finanzieller und technologischer Unterstützung für Entwicklungsländer mehr Wert auf Prozesse gelegt werden, die auf eine Gerechtigkeit der Geschlechter abzielen. Der Text zur weltweiten Bestandaufnahme verweist auf „Bemühungen zur Beseitigung von Armut, Ernährungssicherheit, Schaffung von Arbeitsplätzen und sozialer Gerechtigkeit in Entwicklungsländern, Klimaflüchtlingen und Vertriebenen“. Würden diese Formulierungen auf der COP 24 abgesegnet, würde das zu einer verstärkten Berücksichtigung von Aspekten des Klimaschutzes führen, die mit Menschenrechten in Zusammenhang stehen.

Vertreter/innen der Zivilgesellschaften hoffen, dass die Bedeutung des 70. Jahrestags der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechtehttps://www.ohchr.org/EN/UDHR/Documents/UDHR_Translations/ger.pdf (AEMR) in der zweiten Woche der COP ihren Bemühungen helfen wird. In der Präambel des Übereinkommens von Paris werden die Verpflichtungen der Länder im Hinblick auf die Menschenrechte angesprochen, sodass das moralische Gewicht dieser Verpflichtungen möglicherweise gewisse Fortschritte in Katowice ermöglichen wird.

Themen, die nicht Teil des Arbeitsprogramms sind

Es gibt noch weitere Themen auf der Tagesordnung, die auf der COP 24 weiter ausgearbeitet werden müssen, die aber nicht Bestandteil des Arbeitsprogramms zum Pariser Klimaabkommen sind. Dazu gehören der Internationale Warschau-Mechanismus für klimabedingte Verluste und Schäden, die Plattform für lokale Gemeinschaften und indigene Völker, der Koronivia-Beschluss zur Landwirtschaft, Emissionen von Kraftstoffen im internationalen Flug- und Schiffsverkehr, Gender und Klimawandel sowie die politische Phase des Talanoa-Dialogs.

Es ist nicht zu erwarten, dass auf der COP 24 wesentliche Fortschritte in diesen Themenfeldern gemacht werden. Im Papier mit gemeinsamen Überlegungen heißt es dazu lapidar, dass „einige Tagesordnungspunkte, die nichts mit dem Arbeitsprogramm zu tun haben, in Katowice nicht unbedingt zur Entscheidung gebracht und daher auf dieser Konferenz auch nicht eingehend behandelt werden müssen“. Dennoch wollen wir an dieser Stelle zu einigen dieser Themen Stellung nehmen, die von besonderem Interesse für die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Partner/innen sind.

Verluste und Schäden („Loss and Damage“)

Verluste beziehen sich auf unwiederbringlich Verlorenes (Leben, Existenzgrundlagen, Land, Kulturerbe) und Schäden auf behebbare Beschädigungen (hauptsächlich Infrastruktur wie Straßen, Gebäude, Stromleitungen), die im Zusammenhang mit Ereignissen entstehen, die durch den Klimawandel verursacht oder verschlimmert wurden. Zu diesen Ereignissen gehören sowohl die Auswirkungen von Wetterextremen, aber auch langsam fortschreitende Klimaveränderungen. Es ist eines der heikelsten Themen in den Klimagesprächen und wiederum liegt es an den unzureichenden Finanzhilfen, die von den entwickelten Ländern für die Entwicklungsländer mobilisiert und bereitgestellt werden, dass hier keine Lösung gefunden wird.

Während dem Thema ein Artikel im Pariser Klimaabkommen gewidmet ist, sind Verluste und Schäden nicht offiziell Bestandteil des Arbeitsprogramms. In Bangkok trat das Thema jedoch überraschend kraftvoll in Erscheinung. Eine Gruppe von Entwicklungsländern dränge darauf, dass zu den Regelungen zum erweiterten Transparenzrahmen im Arbeitsprogramm auch gehören müsse, Informationen über Verluste und Schäden zu identifizieren. Es ist zu erwarten, dass Entwicklungsländer, insbesondere die kleinen Inselstaaten, auch darauf drängen werden, dass Verluste und Schäden bei den Finanzierungspunkten im Regelbuch angesprochen werden.

Bei den verheerenden Wetterextremen wie Hurrikans, Taifunen, Überflutungen und Waldbränden und den damit einhergehenden Zerstörungen und Todesfällen, von denen in den vergangenen Jahren permanent in der weltweiten Berichterstattung die Rede war, und auch weil der vorgeschlagene Fokus auf Versicherungslösungen zu kurzgegriffen und unzureichend ist, wird in Katowice der Druck zunehmen, dieses Thema anzugehen und zum Bestandteil des Regelbuchs zu machen.

Gender und Klimawandel

Auf der COP 24 wird es auch weitere Aktionen zu Gender und Klimawandel geben. Auf der letztjährigen COP in Bonn unter dem Vorsitz der Fidschi-Inseln wurde ein UNFCCC-Gender-Aktionsplan ins Leben gerufen, sodass die Vertragsstaaten wie im Plan vorgesehen einen Workshop mit einer Vielfalt an Informationen organisieren werden. Einer der Schwerpunkte werden nach Geschlechtern getrennt erfasste Daten und eine nach Geschlechtern differenzierte Auswertung der Folgen des Klimawandels für Frauen und Männer sein, wobei besonderes Augenmerk auf die lokalen Gemeinschaften und indigenen Völker gelegt wird. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einbeziehung von geschlechtsspezifischen Aspekten in die Themenfelder Anpassung, Minderung, Kapazitätsaufbau, Maßnahmen zur „Klimabildung“, Technologie sowie Politik, Pläne und Maßnahmen im Finanzbereich. Mit dem Aktionsplan wird auch angestrebt, weitere Fortschritte in Richtung einer größeren Geschlechterparität in den nationalen Klimadelegationen zu fördern.

Der Talanoa-Dialog

Das Pariser Abkommen und seine Entscheidungen gaben der COP das Mandat, zu einem „unterstützenden Dialog“ (Facilitative Dialogue) zusammenzukommen, einem Testlauf für die „weltweite Bestandsaufnahme“ („Global Stocktake“), die jedes Land ab 2023 alle fünf Jahre durchführen wird, um ihre national festgelegten Beiträge (NDCs) zu bewerten und zu erhöhen, und die auch als Messinstrument für die weltweiten Fortschritte bei der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens dienen soll.

Der unterstützende Dialog wurde von den Fidschi-Inseln in „Talanoa-Dialog“ umbenannt, ein Konzept, das sich aus den Worten „tala“ (für „sprechen“ oder „Geschichten erzählen“) und „noa“ („null“ oder „ohne etwas zu verheimlichen“) ableitet und gemeinsam von den Fidschi-Inseln und der COP-22-Präsidentschaft Marokkos erarbeitet wurde. Im Januar 2018 wurde der Dialog unter der Führung von Fidschi und der COP-24-Präsidentschaft Polens in Gang gesetzt. Die Vorbereitungsphase wurde anhand von drei Leitfragen strukturiert: „Wo stehen wir?“, „Wo wollen wir hin“ und „Wie kommen wir dorthin“. Bis zum 2. April wurden 220 Beiträge auf die Online-Plattform hochgeladen, die meisten davon von nichtstaatlichen Akteuren. Am 23. April wurde eine Übersicht der Beiträge und am 19. November eine Synthese der Vorbereitungsphase veröffentlicht. Eine abschließende Zusammenfassung der Vorbereitungsphase wird am 6. Dezember präsentiert.

Die aus der Vorbereitungsphase gewonnen Informationen und Erkenntnisse werden den Präsidentschaften dabei helfen, die politische Phase vorzubereiten, die für den 11. Dezember geplant ist. Dort werden hochrangige Vertreter/innen und Minister/innen eine Bestandsaufnahme der gemeinsamen Anstrengungen der Vertragsstaaten machen und sich zu Diskussionen an runden Tischen oder bi-lateralen Gesprächen zusammenfinden. Die Präsidentschaften werden beim Abschlusstreffen der politischen Phase am 12. Dezember eine Zusammenfassung der wichtigsten Botschaften präsentieren.

Das mögliche Ergebnis des Talanoa-Dialogs war Thema auf dem Vorbereitungstreffen der COP 24 in Kraków am 23. und 24. Oktober. Im zusammenfassenden Bericht des Treffens werden zwar mehrere mögliche Ergebnisse genannt, aber letztlich heißt es doch:

Die große Mehrheit der Vertragsstaaten äußerte nicht den Wunsch, ein Ergebnis zu verhandeln, sodass die Verhandelnden in Katowice sich auf das Arbeitsprogramm konzentrieren können. Die Idee, dass die Erklärung, Stellungnahme oder der Bericht der Präsidentschaften zu einer Cop-Entscheidung einen zusätzlichen Absatz über TD [den Talanoa-Dialog] enthält, fand jedoch großen Anklang.

Das wäre ein kümmerliches Ergebnis für einen Prozess, an den so große Erwartungen geknüpft waren.

Teil 3:  Erwartungen Polens

Polnische Präsidentschaft – Prioritäten für die COP 24

Präsident der COP 24 ist Michał Kurtyka, Staatssekretär im polnischen Umweltministerium. Allgemein genießt er sowohl in Polen als auch in internationalen Kreisen einen guten Ruf. In der polnischen Regierung bestehen jedoch, wie in vielen anderen Regierungen auch, Spannungen zwischen Wirtschaft und Ökologie. Insbesondere das polnische Energieministerium, das Polens Souveränität bei der Entscheidung über seinen Energiemix unterstreicht und die Rolle von Technologien hervorhebt, die eine Nutzung fossiler Brennstoffe in einer effektiven und klimaverträglichen Art erlauben, könnte die ehrgeizige Agenda von Kurtyka in Katowice blockieren.

Beim Vorbereitungstreffen in Kraków forderte Kurtyka ehrgeizigere Klimaziele und die Fertigstellung des Arbeitsprogramms mit den Umsetzungsregeln. Dabei äußerte er, dass der kürzlich veröffentlichte Sonderbericht des Weltklimarats über die Erderwärmung von 1,5 °C (siehe die Analyse unten) als Impulsgeber für eine Erhöhung der Investitionen in grüne Technologien dienen sollte, und forderte einen schnellen Ausstieg aus der Kohle. Der Klimawandel sei eine globale Herausforderung, bei der es keinen Platz für willkürlich gewählte oder nationale politische Strategien gebe.

Kurtyka schließt sich den Verhandlungsvorsitzenden der UNFCCC an, dass es oberste Priorität der COP 24 sein sollte, das Regelbuch zum Übereinkommen von Paris fertigzustellen, was dazu führen könnte, dass aufgrund des Fokus auf den Abschluss des Regelbuchs möglicherweise aus ökologischer Sicht ambitioniertere Ziele auf der Strecke bleiben.

Mehrere Teilnehmende des Vorbereitungstreffens verwiesen auf den kürzlich gestarteten Prozess der Wiederauffüllung des Grünen Klimafonds als Schlüsselelement für den Vertrauensaufbau unter den Vertragsstaaten, insbesondere angesichts des Rückzugs der USA, die ihre finanziellen Zusagen nicht einhalten wollen, und der ständigen Sorgen über seine Agenda.

Polnische Präsidentschaft – Botschaften an die Öffentlichkeit

Die polnische Präsidentschaft hat drei Schlüsselbotschaften festgelegt, die sie im polnischen Zusammenhang der COP 24 für die wichtigsten hält. Sie werden unter den Begriffen „Mensch, Technologie, Natur“ zusammengefasst, was für einen gerechten Strukturwandel, Elektromobilität und Klimaneutralität steht. Dies sind wichtige Themen in der polnischen Energie- und Klimadebatte (insbesondere ein gerechter Strukturwandel und Smog sowie Elektromobilität als mögliche Triebkraft für die wirtschaftliche Entwicklung) und es ist ein positives Zeichen, dass die Regierung diese Themen anspricht. Es stellt sich jedoch die Frage, was – in praktischer, realer Hinsicht – bei diesen Ideen herauskommen wird.

Auf der im August stattfindenden Social COP 24 sagte Kurtyka: „Es ist unsere Aufgabe, einen gerechten und gemeinsamen Strukturwandel zu sichern, der es uns erlaubt, das Klima zu schützen und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung aufrechtzuerhalten und die Arbeitsplätze zu sichern. Entwicklung sollte in ihren wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und Klimadimensionen verantwortlich sein.“ Am 3. Dezember wird der polnische Präsident Andrzej Duda die Präsidenten und Ministerpräsidenten zu einem Gipfel einladen, auf dem es um einen gerechten Strukturwandel gehen soll. Es wird erwartet, dass am Ende ein Dokument mit dem Titel „Schlesische Erklärung zu Solidarität und gerechtem Strukturwandel“ herausgegeben wird, das zu dem Schluss kommt, dass bei der Energiewende auch soziale Erfordernisse berücksichtigt werden müssen, um eine breite Akzeptanz für politische Maßnahmen zu erreichen, die auf eine Emissionsreduzierung abzielen.

Ein weiteres wichtiges Thema für Polen ist das Gleichgewicht zwischen Emissionen und Aufnahme von Treibhausgasen durch natürliche Senken (also z.B. durch Wälder und Böden). Das Land will die Schlüsselrolle von Kohlenstoffsenken zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens herausstellen. Eine vorzeitig an die Öffentlichkeit durchgesickerte Fassung der geplanten „Ministererklärung von Katowice zur Bedeutung von Wäldern für den Klimaschutz“ hat jedoch zu erheblichen Unruhen unter zivilgesellschaftlichen Waldschützer/innen geführt. In der Erklärung heißt es unter anderem, dass es kein Problem sein sollte, durch Senken (Wälder) einen Ausgleich zwischen THG-Emissionen und ihrem Abbau zu schaffen, was schlicht und ergreifend nichts anderes als ein Rezept dafür ist, den fortgesetzten THG-Ausstoß aus fossilen Brennstoffen auszugleichen. Während der COP 24 will Polen mit seinem „Forest Coal Project“ eine Technologie vorstellen, mit der CO2 durch Böden und Wälder gespeichert werden kann.

Elektromobilität ist eine der Säulen von Polens „Verantwortlicher Entwicklungsstrategie“ (ein Paket für sauberen Verkehr). Die Regierung wird zudem auf der COP zusammen mit Großbritannien die „Driving Change Together Partnership on Electromobility“ ins Leben rufen. Dabei sind alle Nationalstaaten, Städte und Nichtregierungsorganisationen eingeladen, sich der Partnerschaft anzuschließen. Außerdem wird jährlich ein Forum über Elektromobilität in Polen organisiert, auf dem rechtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedingungen für die Entwicklung von sauberem Verkehr gefördert werden sollen.

Auch die Bekämpfung von Smog wird auf der COP 24 Thema sein. In Polen wurde im Juni ein Programm für „Saubere Luft“ initiiert, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern und die Luftverschmutzung zu reduzieren.

Polnische Perspektive – Zivilgesellschaft

Im Vorfeld der COP 24 hat die polnische Zivilgesellschaft mehrere Forderungen aufgestellt: die Nutzung von Kohle als Brennstoffen endgültig auslaufen zu lassen, eine Strategie für einen gerechten Strukturwandel, die in einem breiten sozialen Dialog vorbereitet wird, die Förderung von erneuerbarer Energie und Energiedemokratie, Maßnahmen für eine Erhöhung der Energieeffizienz und eine Verbesserung der Luftqualität sowie eine ehrgeizige Erklärung über die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Die polnische Klimaschutzbewegung hat in den letzten Monaten an Stärke gewonnen und existiert im Grunde erst seit Kurzem. Versuche, eine solche Bewegung ins Leben zu rufen, hatte es bereits während der beiden vorhergehenden COPs in Polen gegeben (der COP 14 von 2008 in Posen und der COP 19 von 2013 in Warschau). Allerdings verschwanden die Bewegungen danach wieder. Im Juli nahmen 400 Leute (eine große Zahl für polnische Verhältnisse) aus vielen verschiedenen Basisbewegungen am ersten polnischen Klimacamp teil. Es haben sich auch zahlreiche katholische Klimaschutzinitiativen gebildet, ein möglicherweise wichtiger Schritt für eine Sensibilisierung für den Klimawandel in einer Gesellschaft, in der die katholische Kirche dominant und einflussreich ist.

Die polnische Zivilgesellschaft hat an ihren Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki appelliert, den Erfolg der COP 24 sicherzustellen und die Zivilgesellschaft als starke Partnerin in den COP-24-Prozess einzubinden, wie es im September während der Verhandlungen in Bangkok versprochen wurde. Die Zivilgesellschaft äußerte Kritik an dem (im Januar verabschiedeten) Sondergesetz zur COP 24, das der Polizei zusätzliche Befugnisse erteilt, persönliche Informationen über COP-Teilnehmende zu sammeln, und für die gesamten zwei Wochen spontane Demonstrationen in Katowice verbietet. Keine der polnischen Parteien hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen und auch die polnischen NROs stören sich weniger daran als internationale NROs (da dies die typischen Regelungen sind, die für den Zeitraum großer internationaler Veranstaltungen eingeführt werden, nicht nur in Polen). Der internationale Marsch für Klimaschutz am 8. Dezember im Zentrum von Katowice wurde von den Behörden genehmigt.

Den NROs wird auf der COP 24 viel Raum gegeben, der von ihnen und für sie geschaffen wurde. Dabei werden sehr verschiedene Interessenvertreter/innen beteiligt sein und es wird eine sehr viel stärkere Koordination geben als während der vorhergehenden polnischen COPs, beispielsweise am Greenpeace Climate Hub. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Katowice sehr viel kleiner ist als Warschau, und obwohl die Stadt kaum Erfahrungen mit großen internationalen Zusammenkünften hat, will sie die COP 24 nutzen, um Menschen in die Klimadebatte zu involvieren, unter anderem in einem am Marktplatz aufgestellten Pavillon.

Teil 4: Welche Auswirkung hat der Sonderbericht des Weltklimarats über die Erderwärmung um 1,5 Grad auf die COP 24?

Bei ihrer Entscheidung, das Pariser Abkommen anzunehmen, beauftragte die UNFCCC den Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), das Organ, das den Klimawandel aus wissenschaftlicher Warte untersucht, im Jahr 2018 einen Sonderbericht über die Folgen einer Erderwärmung von 1,5 ° über dem vorindustriellen Niveau zu erstellen.

Der am 8. Oktober veröffentlichte Bericht Special Report on Global Warming of 1.5°C ist eindeutig einer der wichtigsten wissenschaftlichen Bewertungen, die im Laufe der 30-jährigen Geschichte dieser Institution durchgeführt wurden. Seine Hauptaussagen sind überraschend deutlich und entschieden: Mit drastischen Reduzierungen der Emissionen, die auch transformative Pfade sowie den Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen einschließen, ist eine Begrenzung auf einen Temperaturanstieg von 1,5 °C machbar. Und: 1,5 Grad sind absolut notwendig, um die Auswirkungen des Klimawandels und die damit einhergehenden Risiken für Menschen und Ökosysteme zu begrenzen.

Der auf aktuellster Forschung beruhende Bericht weist aber auch nach, dass sich die Erde bereits um etwa 1,0°C (+/- 0,2°C) erwärmt hat und dass die Auswirkungen des dadurch verursachten Klimawandels in vielen Regionen auch jetzt schon spürbar sind. Eine globale Erwärmung von 1,5 °Grad ist somit für Millionen Menschen in aller Welt eine mehr als reale Gefahr, die umfassende Anpassungsmaßnahmen und finanzielle wie technologische Unterstützung vonseiten derjenigen benötigt, die historisch für den Klimawandel verantwortlich sind.

Aufgrund all dieser großen und teilweise irreversiblen Risiken bei einer Erderwärmung von 1,5 °C oder mehr entscheidet sich der Bericht für eine strikte Auslegung des 1,5-Grad-Ziels und konzentriert sich auf die Szenarien, die zu keinem oder maximal einem sehr geringen „Overshoot“ (Erwärmung um mehr als 1,5 °Grad) führen. Dazu werden im Bericht drastische Emissionsreduzierungen gefordert: Die globalen CO2-Emissionen müssen bis 2030 um rund 45% sinken (gegenüber dem Niveau von 2010) und um 2050 bei Null liegen.

Wie aber sind diese Emissionsreduzierungen dem Weltklimarat zufolge zu erreichen? Durch einen schnellen und umfassenden Ausstieg aus der fossilen Energie, einer schnelleren Elektrifizierung, durch niedrigeren Energieverbrauch, veränderte Konsum- und Ernährungsmuster und den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme.

Die eine Woche nach dem Bericht des Weltklimarats erschienene Publikation „Missing Pathways to 1.5oC: The role of the land sector in ambitious climate action“ der Climate, Land, Ambition & Rights Alliance (CLARA) macht deutlich, dass eine ehrgeizigere Klimapolitik mit dem Schutz von Landrechten, der Wiederherstellung von Waldökosystemen und nachhaltigeren Ernährungssystemen dazu beitragen kann, die Erderwärmung auf 1,5 °C einzugrenzen, indem die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 jährlich um 23 Gigatonnen reduziert werden. Damit wären Geoengineering-Technologien komplett überflüssig.

In der von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Publikation „Radical Realism for Climate Justice. A civil society response to the challenge of limiting global warming to 1.5°C werden die Kenntnisse und Erfahrungen einer ganzen Reihe internationaler Gruppen, Netzwerke und Wissenschaftler/innen zusammengestellt, mit denen die Heinrich-Böll-Stiftung in den vergangenen Jahren zusammenarbeitete und die in ihrer politischen Arbeit, Forschung und Praxis einen radikalen, sozialen und auf Umweltgerechtigkeit basierenden Ansatz verfolgten, um einen politischen Wandel quer über verschiedene Sektoren zu bewirken, mit dem die Erderwärmung auf 1,5°°C zu begrenzen ist.

Die politischen Botschaften, die aus dem Bericht des Weltklimarats und diesen zivilgesellschaftlichen Berichten sind genau das, was die Welt hören muss: dass es möglich ist, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, und dass dies absolut notwendig ist, um die Auswirkungen der Klimakrise einzudämmen. Im Wesentlichen ersetzt das 1,5 Grad-Ziel das vorhergehend 2-Grad-Ziel, aber dazu bedarf es schneller und entschiedener Maßnahmen zum Klimaschutz sowie drastische Emissionsreduzierungen

Werden die Delegierten der COP 24 die Botschaften vernehmen und ihre Aktionen beschleunigen, um das Regelbuch zum Abschluss zu bringen, damit die Länder ihre national festgelegten Beiträge umsetzen und vielleicht sogar erhöhen können? Wird die Dringlichkeit des Berichts des Weltklimarats den Ehrgeiz steigern, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und die Bereitstellung von Finanzhilfen erhöhen? Wird die Welt endlich verstehen, dass es viel zu riskant ist und unsicher ist, auf die noch gar nicht existierenden Geoengineering-Technologien zu setzen, mit denen man nach einem Temperatur-„Overshoot“ auf 1,5 ° zurückkehren will.

Das wollen wir hoffen, denn es gibt keinen offiziellen Prozess, mit dem der Bericht des Weltklimarats in die UNFCCC einfließen kann. Abgesehen von einer dreistündigen „Sonderveranstaltung“, die am 4. Dezember gemeinsam vom Weltklimarat und einem UNFCCC-Nebenorgan organisiert wird. Die einzige andere Möglichkeit wäre, den Bericht in den Talanoa-Dialog einfließen zu lassen. Aber wie unsere obige Analyse nahelegt, ist vom Talanoa-Dialog auf der COP 24 nichts weiter zu erwarten als eine Erklärung, eine Stellungnahme oder ein Bericht der COP-Präsidentschaft und, vielleicht, ein Absatz in einer COP-Entscheidung.

Teil 5: Was ist das wahrscheinliche Ergebnis der COP 24?

Vor fast drei Jahren verpflichteten sich 196 Nationen dazu, über die Bestandteile des Arbeitsprogramms des Pariser Klimaabkommens zu verhandeln und bis zur COP 24 ein vollständiges Regelbuch zu erstellen. Alle stellten sich dies als einen komplexen und zeitaufwändigen Prozess vor, weshalb viel Zeit eingeplant wurde. Aber auch diese Zeit ist nun mit vielen Ausflüchten vergangen.

Einige Länder versuchen, das Pariser Abkommen neu zu verhandeln, und greifen immer wieder auf verschiedenste Verzögerungstaktiken zurück, um Entscheidungen über wichtige, seit Langem bestehende und offensichtliche politische Fragen zu vermeiden. Das ist inakzeptabel. Die Zivilgesellschaft wird in Katowice und rund um die Welt eine vereinte Front bilden, um die Nationen der Welt dazu zu bringen, ihre Verpflichtungen einzuhalten und ihre Klimaziele zu erhöhen, was dringend notwendig ist, wie es der Sonderbericht des Weltklimarats über die Erderwärmung um 1,5 °C nachdrücklich unterstrich.

Die Klimadiplomatie bewegt sich langsam und im Kreis. Da die Diplomatinnen und Diplomaten offensichtlich nicht in der Lage sind, die nötigen Fortschritte zu machen, wird immer deutlicher, dass diese Aufgabe von ganz gewöhnlichen Bürger/innen dieser Welt übernommen werden muss – beispielsweise mittels Klagen vor Gericht. Zwei laufende Verfahren lassen hier hoffen:

In den Niederlanden bestätigten das Berufungsgericht von Den Haag am 9. Oktober das Urteil vom 24. Juni im Fall Urgenda gegen die Niederlande, einer Klage der Urgenda-Stiftung und 866 niederländischen Bürger/innen gegen die niederländische Regierung. Das Berufungsgericht bekräftigte das Urteil aus erster Instanz, dass die Regierung die Emissionen bis 2020 um mindestens 25 Prozent gegenüber 1990 reduzieren müsse und dass eine geringere Reduktion ein Verstoß gegen die durch die Europäische Menschenrechtskonvention geschützten Rechte der niederländischen Bevölkerung wäre. Es ist die erste Klage, die jemals von Bürger/innen gegen ihre Regierung erhoben wurde, um diese für den Klimawandel zur Rechenschaft zu ziehen. Am 16. November verkündete die niederländische Regierung, auch gegen dieses Urteil Berufung einlegen zu wollen. Damit haben die Niederlande, die sich oft selbst als Vorreiter des Klimaschutzes rühmen, eine Gelegenheit verpasst, dies unter Beweis zu stellen.

Im Fall der landwirtschaftlichen Familienbetriebe und Greenpeace Deutschland klagen drei Familien und die Umweltorganisation gegen die Bundesregierung, weil es ihr nicht gelang, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Seit 2007 verspricht die Bundesregierung, die THG-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Ausstoß von 1990 zu reduzieren, aber nach eigenen Berechnungen des Umweltministeriums wird dieses Ziel wohl verfehlt. Die drei Familien, alle Biobauern, machen geltend, dass sie bereits von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. In der Klageschrift wird dies als unzulässiger Eingriff Deutschlands in die Grundrechte der Familie gewertet, die ihnen durch das deutsche Grundgesetz gewährt werden: Schutz von Leben und Gesundheit, Eigentumsschutz und Berufsfreiheit. Es ist die erste Klimaklage, die sich auf den Sonderbericht des Weltklimarats über die Erderwärmung um 1,5 °C bezieht.

Es besteht die Gefahr, dass das Ergebnis der COP 24 nicht Schritt hält mit weiterreichenden Entwicklungen. In der Welt des Klimaschutzes passiert viel: Wissenschaftler/innen, Bürger/innen und allen voran kleine Entwicklungsländer drängen immer stärker auf das 1,5-Grad-Ziel. Aber die UN-Gespräche zum Klimawandel schleppen sich dahin mit einem ausgeprägten Weiter wie bisher, da die Verhandelnden häufig nicht in der Lage oder, wie es scheint, nicht willens sind, die technische Arbeit voranzutreiben, womit sie viel Zeit verschwenden, die für wichtige Diskussionen über die Erhöhung der Ambitionen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels gebraucht wird. Ab 2019 bis 2020 sollten die Länder ihre national festgelegten Beiträge aktualisieren. Wenn sich herausstellen sollte, dass dies reine Lippenbekenntnisse sind oder aufgrund der Kompromisslosigkeit der USA und anderer großer Emittenten weniger ehrgeizig ausfallen, werden radikalere Strategien zur Norm werden – und diese Strategien könnten in viele Richtungen zeigen, sowohl in gute als auch in schlechte.

[1] Diese Organe sind die Ad-hoc-Arbeitsgruppe zum Übereinkommen von Paris (APA), das Nebenorgan für die Durchführung des Übereinkommens (Subsidiary Body for Implementation, SBI) und das Nebenorgan für wissenschaftliche und technische Beratung (Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice, SBSTA.

Ein besonderer Dank für Input und Feedback zu dieser Analyse geht an Katarzyna Ugryn, Liane Schalatek, Linda Schneider, Lili Fuhr und Hans Verolme.
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Update zu Beginn der zweiten Woche der Verhandlungen der COP 14 in Sharm El-Sheikh – wie stehen die Chancen auf ein Gene Drive Moratorium?

26 November, 2018 - 12:24

Während wir uns als Heinrich-Böll-Stiftung dazu entschieden haben, an der diesjährigen UN Konferenz zu Biodiversität in Ägypten nicht teilzunehmen (zur Begründung: siehe hier), haben unsere internationalen Partnerorganisationen die ganze letzte Woche in Sharm El-Sheikh für ein Moratorium auf die gefährliche Gene Drive Technologie gekämpft (mehr dazu: hier).

Wie stehen die Verhandlungen zu Beginn der zweiten Woche der COP 14?

Jim Thomas, Co-Director der ETC Group, berichtet im Interview:

Click here to view the embedded video.

Und ein Update vom letzten Freitag hält fest:

„At the end of the first week at the CBD, negotiations continue over Synthetic Biology and gene drives. Historically at the CBD, African countries have stood up for biodiversity and for the rights of indigenous and local communities, but this time the Africa position was taken over by a group of biotech lobbyists who took a position against a moratorium on gene drives relases. Some African countries admitted privately to being unhappy with the position of the Africa group. In the closed meetings (‚contact groups‘), language has been introduced by some countries to say that countries should avoid gene drive releases until certain conditions are met. Now there is a fight over the inclusion of language reflecting the need to obtain the Free Prior and Informed Consent (FPIC) of indigenous people and local communities before releasing gene drives on their lands. Some countries are standing up for indigenous people, while others including those that have signed the UN Declaration on the Rights of Indigenous People are resisting the inclusion of this language. This fight will continue next week.“

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Burkina Faso’s Mosquito Controversy: Consent, awareness and risk assessment in Target Malaria’s gene drive project

20 November, 2018 - 16:31

The 14th Conference of the Parties (COP 14) to the Convention on Biological Diversity is taking place in Sharm El-Sheikh, Egypt, from the 17th to the 29th of November, 2018. Amongst other things, delegates are discussing a moratorium on the release of gene drives, a powerful genetic extinction technology.

Target Malaria, a $100 million project from Imperial College in London, UK, is the poster child of the gene drives proponents. The Target Malaria team intends to first release GMO mosquitos and then high risk Exterminator drive mosquitos in West African villages, with the unproven promise that the technology will soon eliminate malaria. Civil society from Africa and around the world is at COP 14 to demand that governments prevent the release of gene drives and that Africans should not be guinea pigs for unproven and risky technofixes.

Over 30 African civil society organizations urge African governments to support a moratorium on gene drives: „We are alarmed at what is going on at COP 14 and how our concerns are being betrayed and threatened by delegates from some African nations.“

Zahra Moloo travelled to Burkina Faso for an independent investigation and to gather different perspectives from villagers about what they understand of the project and what their concerns are. Here is her report:

In August 2018, Burkina Faso’s National Agency on Biosecurity (ANB) gave its official authorization for Target Malaria, a research consortium funded by the Gates Foundation and the Open Philanthropy project, to release 10 000 genetically modified “sterile male” mosquitoes in two villages: Bana and Sourkoudingan. Target Malaria’s project aims to use CRISPR-Cas9 technology to create a gene drive in malaria-carrying mosquitoes, a technology that spreads through the population, eventually rendering the species extinct. The release of the 10 000 “male sterile mosquitoes,” which are not yet gene drive mosquitoes, is the first stage in this experiment toward releasing the gene drives in the wild. The project is highly controversial. In the months prior to the announcement, civil society groups and activists in Ouagadougou organized a demonstration bringing together farmers and groups from Senegal, Burkina Faso, Côte d’Ivoire and Benin to protest Target Malaria’s gene drive experiments and other forms of genetic modification in a country that has already been the subject of failed experiments with genetically modified BT cotton. These groups also objected to being used as “guinea pigs” for western experimentation.

More information on Gene Drives: Gene Drives are artificial genetic systems inserted into sexually reproducing organisms, which are designed to pass on a specific, engineered trait to their offspring — and all subsequent generations of offspring. The effect of a functioning gene drive inserted into an organism is that the genetically engineered trait will quickly spread, by design, throughout a population in order to alter the population or cause it to become extinct.

See: From Terminator to Exterminator

Most journalists that have written or published reports about the gene drive mosquitoes visited the villages targeted for the release accompanied by Target Malaria rather than independently. In early October, Ali Tapsoba from the organization Terre à Vie, Issouf Sanou from the peasant group FENOP (Federation Nationale des Organisations Paysannes), a cameraperson, and I travelled from Ouagadougou to Bobo-Dioulasso. We wanted to do an independent investigation and to gather different perspectives from villagers about what they understand of the project and what their concerns are. Our findings indicate that many people in Bobo-Dioulasso, Bana and the neighbouring village of Nasso, are concerned about the potential impacts of Target Malaria’s project and about the absence of risk assessment, and are unaware of many of the details of the project, including where the funding for the project comes from.

Bobo-Dioulasso

In Bobo-Dioulasso, the second largest city in Burkina Faso and the capital of the Hauts-Bassins region is located 18 kilometres from Bana and Sourkoudingan, the villages targeted for the mosquito release. A number of people from civil society organizations said they were not informed by Target Malaria about the project.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The city of Bobo-Dioulasso in southwest Burkina Faso is the capital of the Hauts-Bassins region and the second largest city in the country, a six-hour drive away from Ouagadougou. We met with some of the regional authorities in Bobo to hear what they thought of Target Malaria’s project. The governor, Antoine Aliou, spoke with us briefly. He was not comfortable speaking on record and said merely that malaria is a serious problem in the region and that the government is open to finding solutions to fight it.

Christophe Sanou is the Mayor of Arrondissement 5, which includes Pala, a village that was initially marked for the mosquito release. He said that Target Malaria had gone to Pala without first coming to his office to inform him of their project and to tell him their plans to visit the village. He wanted to know what would happen once the sterile male mosquitoes were released into the wild and added that his concerns were shared by all the counsellors of the district.

“These concerns were shared by all the counsellors and they wanted to understand what would happen to the sterile mosquitoes, and what would become of them; it’s really worrying for the entire district council.” – Christophe Sanou, Mayor of the Fifth District, including Pala Village

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Activists and civil society groups based in Bobo also seemed to be in the dark about the project. One group, the Coordinating Body of the Women of the Hauts-Bassins region, represents several thousand women in the region. They said that they learned about Target Malaria’s project through a workshop organized by the group Collecif Citoyen pour Agroéocologie (CCAE) in July 2018.  They had numerous concerns about the project, not least of which was the lack of awareness and consultation. They believe that raising awareness and engaging with the population is the minimum that Target Malaria should do. Like the mayor of Pala, they wanted to know what risks existed and what would happen once the mosquitoes are released into the world.

“That day (of the workshop), people unanimously rejected the arrival of these male mosquitoes. We do not know what is going to happen to them after the experiment…I would say leave us with our female anopheles mosquitoes, we will be able to handle them ourselves.” Member of the Organizing Committee/Coordinating Body of Women from the Hauts-Bassins region

Salimata Karambiri, one of the members of the Coordinating Body of Women of the Hauts-Bassins region, wants to know what potential diseases may be transmitted by the GM mosquitoes, and what will happen once they have been modified.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Douda Kambe Ouattara is the president of Y’en A Marre based in Bobo, a group that was created when the country’s previous government was overthrown in 2014. Y’en A Marre first began as a movement of rappers and journalists in Senegal. Like others we spoke to in Bobo, Ouattara knew little about Target Malaria’s project. He said he heard about it through word of mouth on the street until he too attended the workshop organized by the CCAE. According to him, Target Malaria has only spoken to the habitants of the villages targeted for release and not to the population of Bobo-Dioulasso. This remains a serious source of concern to him: that the project has already significantly advanced, yet the details remain unknown to the majority of the population indicates to him that “something is being hidden.”

It’s not just the targeted village which is important, it’s the whole region, even the whole country. When people from Bana say that what’s happening in their village does not concern others, it’s not true. They cannot confine the mosquitoes to remain in the village. When people come to test them out such projects, generally there’s a lot of funding involved. We would like more information about the project…as it’s the first experiment of its kind and it’s starting here with us, it’s worrying. To be the guinea pigs of this kind of experiment is worrying Douda Kambe Ouattara, Y’en A Marre

Ouattara added that it had been difficult for them to reach people in the communities. Indeed, our own inquiries found that journalists who had attempted to reach the village of Bana and Sourkoudingan independently of Target Malaria were unsuccessful.

Bana, Sourkoudinguan and Nasso Villages

The day before we set off to visit Bana village, Ali Tapsoba called the village chief to inform him of our visit. A few months ago, Tapsoba and some of his colleagues from the Coalition pour la Protection du Patrimoine Génétique Africain (COPAGEN) met with the village authorities in Bana. At first, the chief agreed to meet us, but the morning of our visit, he told us not to come as there were cultural celebrations taking place in the village. Tapsoba mentioned that as we had come from Ouagadougou, we would pass by briefly. The mayor of the seventh district, which includes Bana village, advised us to visit the village accompanied by his chauffeur.

Ali Tapsoba, president of the organization Terre à Vie, and spokesperson for the Collectif Citoyen pour Agro-Ecologie, (Citizen’s Collective for Agro-ecology, CCAE) has been mobilizing with groups in Ouagadougou. He believes that rather than experimenting with genetic modification, the Burkinabe government should create a proper national sanitation policy.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bana lies 18 kilometres away from Bobo. Upon reaching the village, the CVD (the head of the village committee for development) and a young man whom Tapsoba had met earlier in the year and who had been recruited by Target Malaria to catch mosquitoes, came to tell us that we should leave. The chauffeur explained that we want to meet the chief and speak to him, but they refused. We were told to leave the village. Both Tapsoba and Issouf found this type of hostile reception to be strange and extremely rare in Burkina Faso.

 

 

 

 

 

Having been refused entry to the village of Bana, we made our way to Sourkoudingan, the neighbouring village marked for the mosquito release, a few kilometres away. We were warmly greeted at the entrance to Sourkoudingan, and made our way to the chief’s house to meet him and obtain permission to speak to the village inhabitants. Outside his house, a Target Malaria poster was affixed to a tree. As we approached, a group of young men appeared and threatened to burn down the car. They were categorical that we should leave and that we could not meet the chief or speak to anyone. We made our way back to the entrance of the village where a tense exchange erupted between these men and the people who had welcomed us before. Later, we heard unverifiable rumours that the villagers had received a phone call from Ouagadougou telling them not to speak to us or allow us to come into the village.

The village of Sourkoudingan, the second village where the genetically modified mosquitoes will be released by Target Malaria, lies close to Bana village. It was not possible to speak to the residents of Sourkoudingan to hear first hand what they think of the Target Malaria project.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Some days later, the mayor of Bana intervened again in order for us to be able to enter the village. I went back, accompanied by the mayor’s counsellor, Gigue Abdullahi Sekou, and a member of the citizens’ movement, Balai Citoyen. We met with the CVD, the young mosquito capturer, the village chief and the customary chief. During a filmed interview with the customary chief, he asked whether we had gone through Target Malaria before coming to the village. About half way through our interview, we were told that the interview was over and he had nothing more to say. Although Target Malaria’s own risk assessment states that the “first generation” sterile male technology… is unlikely to be used for malaria control in Africa,” both the chief and customary chief of the village believed that the release of 10 000 genetically modified “sterile male” mosquitoes would lead to a reduction in malaria.

In the village of Bana, the CVD, the chief and the customary chief reluctantly spoke to us and said they were only doing so because the mayor had intervened. They recorded the entire exchange on a mobile phone and asked us if we had gone to speak to Target Malaria before coming to the village.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

After our exchange with the village chief, we were still not permitted to speak to other people in the village. We drove a distance away and visited the house of the mayor’s counsellor. Here we managed to speak with some inhabitants of Bana that live away from the village centre.

The farmers that we spoke to in Bana[1] did not know much about the project and some expressed concerns about it. One said he learned about the project through the television and on the radio; he was not present at the village gathering earlier in the year when he said the project was discussed. His understanding of how the technology and the project worked was limited:

“They said they would capture the mosquitoes, make them sterile in Europe and when they are brought back, when the sterile male mosquitoes bite other mosquitoes that have not been modified, they will also become sterile. So even if they bite you, you don’t get malaria.” – Farmer from Bana Village

Another farmer and resident of Bana, said that no one from the project had come to explain to her how the project works. All she knew was that mosquitoes were being captured in order to reduce malaria. She explained that most of the project’s activities took place at the centre of the village, and as she lived further away, she was not involved. The mayor’s counsellor, Gigue Abdullahi Sekou explained that the village authorities signed off on the project on behalf of the rest of the village, after a public assembly was held. A poultry farmer was asked if the village chief had signed off on the project with his consent. He said as he was far from the centre of the village, he was not aware of it.

I did bring this problem up with Target Malaria. I told them to take measures so that the entire village is involved. For instance, regarding the young people who capture the mosquitoes, they should also recruit young people from other areas of the village so that the information gets around. If you see that people are resistant to doing interviews, it could be because they are afraid to lose the little benefit they get from the project. Target works with the village leaders and they relay the information to the rest of the village. I tried to tell Target to have teams to go around in small groups and talk to people and they said they would start doing that. It seems it wasn’t done, and I don’t really know where things are at now. – Gigue Abdullahi Sekou

None of the people we spoke to had seen or signed any consent forms, or were aware that the project’s final objective was to render the malaria-carrying mosquitoes extinct. They were also unaware of potential risks and they believed that the 10 000 male sterile mosquitoes that were being released in the first phase would have the effect of reducing malaria in the village.

Another farmer said that those who were working as mosquito capturers with Target Malaria, which he estimated to be between 10 and 20 people, were given medical treatment if they ever caught malaria, but those who did not work with the project did not receive treatment. The benefit of those working as mosquito capturers, he said, was that they could earn a small amount of money.

If I am not able to understand, I cannot give my consent, because I do not know what damage will be caused by these mosquitoes. In any case, it makes me afraid because I don’t know what is going to happen. They have gone to make sterile mosquitoes, but what will result from that? I really don’t understand. – Farmer, Bana Village

One issue that raises serious ethical concerns is the way in which mosquitoes are captured by the Target Malaria team for experimentation. A counsellor from the village neighbouring Bana, Nasso, said that his cousin who lives in Bana village was used as a “guinea pig” to catch mosquitoes – in other words, he would have to sit in a chair and catch the mosquitoes as they landed on his skin. He subsequently caught malaria. Although the counsellor said he did not know if the malaria was contracted from the experiment, his cousin was nonetheless advised by his relatives to stop participating in the experiment. He asked Target Malaria inquired whether using people as ‘guinea pigs’ as they did with his cousin could cause problems, and they were told that no problems would be caused, and that the experiments was required for research into funding solutions for malaria eradication. Like all the others we spoke to, the counsellor expressed concern about “secondary effects” from the mosquito modification.

A resident of Bana village who met with us in Bobo was very much in favour of the project. He said he was not aware of any risks in the process. He described the mosquito catching process:

“After having captured the mosquitoes with cloth, they brought small tubes and gave them to people for capturing at 8, 9, 10 and 11 pm starting from 8 o clock pm. You sit in a chair and stay there in one place. When a mosquito comes and sits on you, you don’t kill it, you do all that you can to catch it in the tube, then you put it aside. From 8 to 9 pm, the mosquitoes that you capture in the tubes, you don’t mix them. The 9 o’clock tubes are put aside, the 10 o’clock tubes are also put aside. There is one hour between each capture and then the tubes are separated. I personally would never accept to sit and capture mosquitoes. But I know that those who do it are paid, because at the end of each month, they receive money. Concerning the funding [for the Target Malaria project], we are not able to say where it comes from and to be used, we don’t know anything about that. – Resident of Bana village

Abdullahi Sigue, a farmer from Bana, said he was in favour of Target Malaria’s project. However, he said that he himself would not accept capturing mosquitoes on his person for the experiment. He was also not told of any risks or potential risks from the experimental release by the Target Malaria team.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nasso

Nasso, the neighbouring Bana, lies about 5 kilometres away from Bana and has a population of an estimated 3365 people. Sanou Simplice, the president of Nasso village said that people from Target Malaria came to Nasso to talk about their work in June 2017. The seven people who were present during the exchange asked Target Malaria what consequences would result from the experiments and the project officials explained that as it was an experiment, the results would reveal more information.

Sanou Jean de Dieu, a counsellor of Nasso village and a college professor, has a cousin that lives in Bana and was used as a ‘guinea pig’ for Target Malaria to capture the mosquitoes that landed on his skin. He subsequently caught malaria. Although Jean de Dieu does not know if the malaria was contracted through catching the mosquitoes, he and his relatives advised his cousin to stop catching the mosquitoes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“We saw what happened with Monsanto – modified organisms always leave traces…since they are doing research, we will see what happens with the next steps.” – Sanou Simplice, Nasso

Simplice also asked Target Malaria if the technology had been tested before, and they responded that the reason why it was being tried in Burkina Faso was because it has been tried out elsewhere and gave convincing results. A primary school teacher that we spoke to in Bobo suggested that the reason why risk assessments have not been spoken about by Target Malaria is because the technology is said to have been “well mastered.” This seems to contradict what many people we spoke to were not aware of, that a gene drive has never been released into the wild before; how it will fare in nature outside the laboratory is yet unknown.

Simplice from Nasso village also said that they were told that the release of mosquitoes in Bana would not affect the village of Nasso. This, too, is a questionable claim since there is significant movement between the two villages as they are located very close together.

Abdou Traoré holds out the indigenous plants that he uses to treat malaria, in Nasso village. Other people from Nasso, which lies only 5 kilometres away from Bana, are concerned about potential adverse effects from the mosquito release.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In their promotional material, Target Malaria claims that they approach the project in a way that ensures that “human well-being and environmental considerations are fundamental.” They say that they work with local communities and take their concerns into account: “No part of the project goes ahead without this consent.” As our investigations have revealed, the project has only taken into consideration the consent of a small group of leaders in the central area of the targeted community of Bana, and the process through which their consent was obtained is still unknown. Our investigations into the way in which mosquitoes have been captured, asking villagers to use their own bodies to catch malaria-carrying mosquitoes and exposing themselves to malaria, reveal that contrary to the project’s claims, “human well-being” is not being taken into account. Target Malaria claims that their stakeholders “have a right to understand what we do and to decide whether to support us,” yet people we spoke to in Bobo-Dioulasso, Bana and Nasso, either did not understand the project well or at all, and had a number of concerns which have not been addressed. Instead, Target Malaria’s project has generated a great deal of controversy and as we found during our trip, is shrouded in secrecy.

[1] As the project is controversial and people are reluctant to speak on the topic, the names of the farmers interviewed in Bana have been withheld.

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CBD COP 14 in Sharm El-Sheikh – Kein Greenwashing des Sisi-Regimes! Wir plädieren für eine freie und kritische Beteiligung der Zivilgesellschaft und für ein Moratorium auf Gene Drives

15 November, 2018 - 12:11

Vom 17.-29.11.18 findet die CBD COP 14 in Ägypten statt. In Solidarität mit der ägyptischen Zivilgesellschaft haben wir uns als Heinrich-Böll-Stiftung entschieden, an der diesjährigen COP in Sharm El-Sheikh nicht teilzunehmen. Das begründen wir so:

„Die Konferenz wird von einem Staat ausgerichtet, in dem Menschenrechte systematisch missachtet und Regimekritiker/innen politisch verfolgt werden. Folter und Misshandlung durch staatliche Sicherheitsorgane bis hin zu Massen-Todesurteilen sind in Ägypten an der Tagesordnung. Seit dem Amtsantritt von Präsident Abdel al-Fattah al-Sisi ist praktisch kein unabhängiges zivilgesellschaftliches Engagement in Ägypten mehr möglich – davon sind auch zahlreiche ehemalige Partnerorganisationen der Heinrich–Böll-Stiftung betroffen. Während sich die internationale Zivilgesellschaft und Vertreter/innen der Staatengemeinschaft in Sharm El-Sheikh streng abgeschottet zur COP zusammenfinden, sitzen in Ägypten zehntausende politische Gefangene in Haft, Hunderte sind gewaltsamem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Der unabhängigen und kritischen Zivilgesellschaft Ägyptens ist somit eine freie Beteiligung an den Aktivitäten rund um die internationale Konferenz nicht möglich. In Solidarität mit der ägyptischen Zivilgesellschaft haben wir uns deshalb entschieden, an der diesjährigen COP in Sharm El-Sheikh nicht teilnehmen – es ist politisch nicht zu rechtfertigen.“ (Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung)

Für mich selber war das keine leichte Entscheidung. Seit zwei Jahren begleite ich die Verhandlungen der CBD und dabei vor allem das Thema Synthetische Biologie / Neue Gentechnik. Und da stehen bei der diesjährigen COP 14 tatsächliche einige wichtige Auseinandersetzungen und Entscheidungen an. Unter anderem geht es um ein Moratorium auf die Freisetzung von Gene Drives.

Was sind Gene Drives? Die Gene-Drives-Technologie schaltet die natürlichen Regeln der Vererbung und Evolution aus, indem gentechnisch in das Erbgut von Organismen eingeführte Merkmale dominant an alle deren Nachkommen weitervererbt werden. So könnten ganze Arten dauerhaft verändert oder auch ausgelöscht werden. Mehr dazu hier:

Am 16. Oktober, dem Welternährungstag, haben wir als Heinrich-Böll-Stiftung ja gemeinsam mit mehr als 200 führenden Vertreterinnen und Vertretern von Organisationen der globalen Bewegung für Ernährungssouveränität und eine klimaschonende Landwirtschaft ein Moratorium für die Freisetzung von „Gene Drives“ gefordert. Der Aufruf erschien zeitgleich mit einem aktuellen Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung und der ETC Group: „Forcing the Farm“ untersucht, welche Anwendungen von Gene Drives in der Landwirtschaft geplant sind.

Spannend wird es sein, hier die Position der Bundesregierung zu beobachten, die gemeinsam mit den anderen EU-Regierungen verhandelt. In Reaktion auf einen offenen Brief mehrerer NGOs und Umweltverbände hat das Bundesumweltministerium im Oktober klargestellt, dass es mögliche Freisetzungen von gentechnisch veränderten Organismen, die mit einem sogenannten Gene Drive ausgestattet sind, sehr kritisch beurteilt. Auch international will sich das Ministerium dafür einsetzen, dass die Risiken umfassender untersucht werden. Die Verbände erwarten nun, dass sich die Bundesregierung im Sinne des Vorsorgeprinzips mit Nachdruck für ein Moratorium für Gene Drives einsetzt. Hier dürfte vor allem das Landwirtschaftsministerium blockieren.

Und bekommt dafür Rückenwind. Denn auch die Gegenseite macht Druck: Unter anderem haben gestern mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an gene Drives forschern bzw. ein Interesse an dieser Forschung haben, einen offenen Brief veröffentlicht, um ein Moratorium zu verhindern.

Vor zwei Jahren bei der COP 13 ist es nicht gelungen, ein Moratorium auf Gene Drives zu erwirken. Aber da war das Thema auch noch sehr neu und kaum bekannt. Das hat sich inzwischen rasant geändert und die Interessen, die hier am Werk sind, sind auch enorm. Das hat letztes Jahr u.a. auch der Skandal um die Gene-Drive-Files verdeutlicht. Wie aus offengelegten Email-Verkehren hervorging, bezahlte die Bill and Melinda Gates Foundation eine private Agrar- und Biotech-PR-Firma für die Steuerung einer undercover „advocacy coalition“ mit dem Ziel, den einzigen UN-Prozess zur Regulierung der Gene-Drives-Technologie zu unterminieren.

Als Ergebnis der Gene-Drive-Files und auf Drängen der Zivilgesellschaft verhandelt die COP 14 nun übrigens auch über eine Strategie zum Umgang mit Interessenskonflikten in der CBD. Da wird es in Sharm El-Sheikh darum gehen, dafür zu sorgen, dass sich eine Position durchsetzt, die eine breite und kritische aktive zivilgesellschaftliche Beteiligung auf allen Ebenen ermöglicht und zugleich wirtschaftlichen und kommerziellen Profitinteressen ausschließt. Dass eine solche Beteiligung in Ländern wie Ägypten grundsätzlich schwierig ist, sollte der CBD und allen Mitgliedsregierungen insgesamt zu Denken geben.

Doch auch in Europa gibt es aktuell in Sachen Neue Gentechnik genügend zu tun: Das Wissenschaftliche Beratergremium SAM der EU-Kommission hat vorgestern ein Statement veröffentlicht, in dem es die Überarbeitung der aktuellen Gentechnik-Gesetze empfiehlt. Hinter dem Vorschlag des SAM steht der Versuch, neue Züchtungstechniken wie Crispr-Cas auf diesem Wege von der Gentechnik-Verordnung auszunehmen. Denn im September 2018 hatte der EUGH festgestellt, dass neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR/Cas klar unter das europäische Gentechnikecht fallen.

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Die Biofuture Platform: Alles andere als eine Lösung!

7 November, 2018 - 17:37

Heute, anlässlich des Bioeconomy Day of Action, haben über 120 Umweltorganisationen aus 40 Ländern in einem offenen Brief und in einer Petition vor den Risiken gewarnt, die das rapide Wachsen der so genannten „Bioökonomie“ für das Klima, die Natur und die Menschenrechte darstellt.

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Regierungen dafür stark gemacht, fossile Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle durch Biomasse zu ersetzen, um Kraftstoffe, Plastik und andere Materialien zu produzieren. Dies wird regelmäßig als umwelt- und klimafreundliche Lösung verkauft. 20 Staaten* haben zusammen mit der Industrie die so genannte „Biofuture Platform“ gegründet, mit der das weiter gefördert werden soll: Verbrennung von Bäumen für Strom und Wärme, Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Mais, Palmöl und Soja für den Transportbereich, Verwendung von Nutzpflanzen und Bäumen zur Herstellung von Biokunststoffen, Biochemikalien und anderen „Bioprodukten“.

Um keine Unklarheit aufkommen zu lassen: Die Welt muss weg von den fossilen Rohstoffen. Aber: Ihr Ersatz durch Biomasse ist der falsche Weg, denn er reduziert nicht nur NICHT die globalen Treibhausgasemissionen, sondern richtet noch weiteren Schaden an.

Für den Anbau von energetisch und materiell nutzbarer Biomasse werden riesige Monokulturen angelegt, artenreiche Wälder und Ökosysteme werden gerodet, die Böden entlassen dafür große Mengen an Treibhausgasen. Die Pflanzen müssen mit einem hohen Düngemitteleinsatz zum Wachsen getrieben und durch Pestizide vor Schädlingen geschützt werden. Pestizid- und Düngerproduktion und die sonstige Bewirtschaftung von Monokulturen sind sehr energieintensiv was die Treibhausgasemissionen noch erhöht. Biologische Vielfalt in immensem Ausmaß geht verloren. In den vergangenen Jahren ist die Wirbeltierpopulation weltweit um 60% und die Insektenpopulation in manchen Regionen (u.a. in Deutschland) um bis zu 80% zurückgegangen. Ein Hauptgrund dafür ist die Zerstörung von Lebensräumen.

Die großmaßstäbliche Biokraftstoffproduktion hat bereits jetzt zu massiver Landnahme und zur Vertreibung von größtenteils indigenen Gemeinschaften geführt. Nahrungsmittelproduktion wurde zugunsten von Energiepflanzenproduktion aufgegeben was zu Hunger aufgrund steigender Lebensmittelpreise und zur Verletzung von Arbeiter/innenrechten geführt hat. Wenn aufgrund einer noch höheren Nachfrage weitere exponentiell zunehmend Landflächen auf Biomasseproduktion umgestellt werden, werden sich die sozialen Probleme weiter verschärfen.

Außerdem nimmt eine enorme Ausweitung der Bioökonomie die nötigen finanziellen und geistigen Ressourcen in Beschlag, die für Investitionen in echte und effektive umweltfreundliche Lösung wie Wind- und Solarkraft benötigt werden.

Die Umweltorganisationen fordern daher von den 20 Ländern und multilateralen Organisationen, aus denen sich heute Vertreter/innen und Entscheidungsträger/inne im Rahmen einer Veranstaltung der Biofuture Platform in San Francisco versammeln, die Plattform nicht weiter zu unterstützen. Andere, bisher nicht beteiligte Regierungen sollten die Biofuture Plattform nicht unterzeichnen:

„Lehnen Sie die Biofuture-Plattform ab und fordern Sie echte Lösungen wie weniger Rohstoffverbrauch, Schutz der Ökosysteme und naturnahe Landwirtschaft.“

Die Petition kann von jedem/jeder hier mitunterzeichnet werden.

*Ägypten, Argentinien, Brasilien, China, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, Marokko, Mozambik, die Niederlande, Paraguay, die Philippinen, Schweden, die USA und Uruguay

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