Wider die Müdigkeit: Videodokumentation

Wider die Müdigkeit: Videodokumentation

Im Rahmen der Veranstaltung entstandenes Gemälde von Abo Ammar Bakr (Ãgypten)
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

10. Juli 2012

Lesungen, Gespräche, Filme und Musik - unsere Gäste des Kulturfestivals "Wider die Müdigkeit" gaben uns einen Einblick, wie sie sich gegen politische Regime auflehnen. Eine Serie von acht Videos lassen das politische Event noch einmal Revue passieren.

Video 1: Eröffnung

Nicht etwa um „radical chic" und revolutionäre Posen ginge es bei dem Kulturfestival, so Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, in seiner Eröffnungsrede am Samstag. Sondern um die Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern, Literatinnen und Literaten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an gesellschaftlichen Kämpfen - um Einmischung, Aufbegehrung, Idealismus und Hoffnung, ob in West- oder Osteuropa oder im Nahen Osten.

Das Berliner Ensemble Olivinn begeisterte den ganzen Abend hindurch zwischen den Diskussionsrunden mit musikalischen Stücken, in denen geografisch, stilistisch und historisch weit entfernte Musikkulturen aufeinandertrafen.
Der Berliner Video-Künstler Assaf Etiel aka VJ Sniper schnitt die teils ikonischen, oft erschreckenden Bilder der Revolutionen und Umbrüche im Nahen Osten neu zusammen, erschloss neue Zusammenhänge, brach Zeiten und politische Grenzen auf.

Graffitis besetzen in der arabischen Welt öffentlichen Raum anders als wir es aus Deutschland oder den USA kennen. Sie sind dezidiert politischer Natur, sie sind Zeichen eines Engagements und einer Erwartungshaltung -- sowohl von normalen Bürgerinnen und Bürgern, als auch von Künstlerinnen und Künstlern. Graffiti sind news. Christian Römer moderierte das Panel „Arabic Graffiti -- Be with the revolution", auf dem der Verleger Don Karl aka Stone (Deutschland), und die ägyptischen Künstler Basma Hamdy und Ammar Abo Bakr über ihren Umgang mit radikalen politischen Umbrüchen berichteten.

Im Anschluss sprach Daniel Gerlach mit dem ägyptischen Comic-Zeichner Magdy El Shafee und dem tunesischen Aktivisten und Musikproduzenten SC MoCha über die politischen Resonanzräume von „Graphic Novels und Breakbeats".

Video 2: "Ich will meinen Diktator behalten"

Der Moderator Daniel Gerlach hätte das Streitgespräch „Ich will meinen Diktator behalten!“ noch weit über den Samstagabend hinaus führen können, so lebhaft war die Diskussion unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und im Publikum. Der Kolumnist Achmed A. W. Khammas schrieb im Mai 2011 einen Artikel über Syrien, in dem er Reformen bejahte, aber einen Umsturz des Präsidenten Assad ablehnte. Hier vertrat er seinen Standpunkt gegenüber dem deutsch-ägyptischen Publizisten Hamed Abdel Samad

Video 3: Kunst in Zeiten des Umbruchs

Die Publizistin Adrienne Goehler sprach mit der Theaterregisseurin und Kolumnistin Borka Pavicevic (Montenegro) und den Kuratorinnen Aida Eltorie (Ägypten) und Frie Leysen (Belgien) über die Positionen und Reaktionen Kulturschaffender auf gesellschaftliche Missstände. Kann man als Künstlerin gar Revolutionen und Aufstände verhindern, indem man schon im Vorfeld auf die kranken Teile in Staat und Gesellschaft hinweist? 

Video 4: Literarische Aufwachträume Teil 1

In den literarischen Aufwachräumen am Sonntag las der ägyptische Schriftsteller und Ex-Diplomat Ezzedine Choukri Fishere aus seinem neuen Roman „Embrace on Brooklyn Bridge“. Im Gespräch mit Daniel Gerlach versteht Choukri Fishere sein Buch nicht nur als Erzählung über das Scheitern eines Immigranten, sondern auch über die Identität der arabischen Literatur.
In einem anderen Raum fand gleichzeitig eine Lesung mit dem serbischen und kroatischen Romancier und Essayisten Bora Ćosić und Borka Pavicevic statt.

Video 5: Literarische Aufwachträume Teil 2

Der jemenitische Musiker Ahmed Asery hat die Proteste im Jemen, die zum Sturz des Präsidenten führten, musikalisch begleitet, er war das Hintergrundrauschen der Revolution. Er berichtete von seinen Erlebnissen, der Kraft und dem Mut, die in Songs wie „Nothing Impresses Me“ stecken.
Anschließend las Bettina Grahs Erzählungen aus dem Theaterstück „Tahrir Monologues“ der Ägypterin Sondos Shabayek vor, die als Bürgerin und Journalistin an den Protesten auf dem Tahrir Platz teilgenommen und ihre Eindrücke dann im Theater verarbeitet hat. Moderation: Geraldine de Bastion.    

Video 6: Literatur und Terrorismus

„Dieses Thema ist neu“, waren sich Daniel Gerlach und der ägyptische Schriftsteller und Ex-Diplomat Ezzedine Choukri Fishere einig. Der Literat hat vor allem die Motive des Islamismus, des Terrorismus und des gewalttätigen Widerstands in seine Bücher aufgenommen. Wie werden diese Motive in der westlichen Welt dargestellt und welches Echo erfahren diese Porträts in ihren arabischen Gegenstücken? 

Video 7: Die Bedeutung des Internet

Dass die Bedeutung des Internets und sozialer Plattformen in autoritären Regimen weder überschätzt noch kleingeredet werden sollte, darauf kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels „Das Internet – zentrales Medium oder Gefahr?“ überein, so unterschiedlich ihre Herkunftsländer auch waren. Geraldine de Bastion sprach mit der Journalistin Sondos Shabayek (Ägypten), dem Entrepreneur Gregory Fabre (Frankreich), dem weißrussischen Blogger und Journalisten Viktor Malishevsky und der russischen Journalistin Nuria Fathykhova.

Video 8: Gespräch mit Nuria Fatykhova und Wiktar Malischewsky

Welche Themen man in Russland aufgreift, um sich als Aktivistin Aufmerksamkeit und Gehör zu verschaffen, und wieso der einflussreichste Blogger im autoritären Weißrussland über die Uhr des Präsidenten und den Arktisausflug der Regierung schreibt, erfuhr Geraldine de Bastion im Gespräch mit Viktor Malishevsky und Nuria Fathykhova

Videos: René von der Waar
Texte: Florian Bigge

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