Flucht.Punkte

Aufmacherbild für die digitale Ausstellung: Fluch.Punkte von Ernst VollandFoto: Heinrich-Böll-Stiftung. All rights reserved.

Einführung

In der aktuellen Debatte um Migration ist es erhellend,  die unterschiedlichen Erfahrungen miteinander zu vergleichen und Einwanderung als eine wiederkehrende Erfahrung der deutschen Gesellschaft zu diagnostizieren. D.h. immer wieder war die Gesellschaft in unterschiedlichen Intervallen mit Menschen konfrontiert, die freiwillig oder gezwungen in Deutschland ein neues Zuhause suchten.

Begleitet wird die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber Flucht und Migration von einer zunehmenden medialen Präsenz von Bildern der Flucht. Viele dieser Bilddokumente sind in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben.  
Die Erfahrungen der Eingewanderten selbst werden nur selektiv in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Bilder von Flüchtlingen haben überwiegend zwei Aussagen: oft wird den Ankommenden der Status des Fremden, Exotischen zugewiesen. Oder es soll auf die Not der Geflüchteten hingewiesen, ihr Schicksal durch die Bilder veranschaulicht und Empathie geweckt werden.

Bilder wirken unmittelbarer als Worte. Sie werden als Ikonographien im visuellen Gedächtnis eines Kollektivs geteilt und laden zur Identifikation bzw. zur Distanzierung ein. Sie können aber auch auf Widersprüche in der Wahrnehmung hinweisen oder scheinbar festgefügte Deutungszusammenhänge unterlaufen.

Die hier gezeigten Bilder lenken den Zuschauer hin zur Auseinandersetzung mit den Menschen und ihren individuellen Erlebnissen, ihren Hoffnungen und Erwartungen.

Die Bilder sind nach unterschiedlichen Kontexten der Flucht- und Migrationserfahrungen geordnet, sie sollen zum Nachdenken über vergleichbare Erfahrungen über verschiedene Zeitepochen hinweg anregen.

Bearbeitungen von Ernst Volland
Mit Texten von Marianne Zepp

Der Künstler

Ernst Volland
Ernst Volland

Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet Volland mit historischem Bildmaterial, das sich in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat. Mittels gezielt eingesetzter Unschärfen erweitert Volland die Bildinhalte um eine neue Bedeutungsebene, die auf andauernde Aktualität verweist. www.ernstvolland.de

Bilder wirken unmittelbarer als Worte.

Fluchtgeschichten von 1938 bis 2016

Was hat Sie zu ihrer Arbeit motiviert?

 
 
Es gibt zwei Momente: Als engagierter Künstler kann ich mit meinen kreativen Fähigkeiten auf die Flüchtlingsschicksale aufmerksam machen. Und ich komme aus einer Familie, die 1945 selbst vertrieben wurde.
Ernst Volland

80er Jahre

Deutschrussen, Aussiedler in den 80er Jahren "Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie in der Sowjetunion unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges gelitten haben (und die) noch Jahrzehnte nach Kriegsende aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit massiv verfolgt wurden“, so die offizielle Definition des Innenministeriums. Es handelt sich um die größte Einwanderungsgruppe: zwischen 1950 und 2013 kamen 4,5 Millionen Menschen nach Deutschland. . Foto: Nach einem Foto von Joker /Paul Erkenrath künstlerisch bearbeitet durch Ernst Volland.

90er Jahre

 DDR-Flüchtlingszug Von der Gründung der DDR im Oktober 1949 bis zur Grenzöffnung am 9. November 1989 verließen rund 3,5 Millionen den ostdeutschen Staat, 3 Millionen durch Flucht. Zwischen August 1961 und September 1989 flüchteten knapp 95 000 Menschen. Im Sommer 1989 kam es zu regelrechten Massenflucht-Aktionen. Tausende DDR-Bürger begaben sich in die Obhut der bundesdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest. Nach Verhandlungen mit der UdSSR und der DDR verkündete der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September in Prag die Ausreiseerlaubnis für etwa 6 000 Flüchtlinge. Sie reisten mit Sonderzügen über DDR-Territorium in die Bundesrepublik.. Foto: künstlerisch bearbeitet von Ernst Volland.

Anmerkung

Die Fotos sind von Ernst Volland künstlerisch bearbeitet worden. Volland besitzt seit Jahren eine Fotoagentur, Voller Ernst, Berlin. Die Fotografen, die meinen, die Verfremdung ist nicht ausreichend, mögen sich bei ihm melden  -  volland@voller-ernst.de
 

Ernst Volland has worked on the photos in his own style. Beside this Volland is the owner of the photoagency Voller Ernst, Berlin. If any of the photos he used is not changed enough into art, please get in contact with him  -  volland@voller-ernst.de