Trifft der Klimawandel Frauen härter als Männer?

Trifft der Klimawandel Frauen härter als Männer?


Trifft der Klimawandel Frauen härter als Männer?



Zusammenfassung einer Studie des Südafrika-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung.

Viele Studien zum Klimawandel gehen davon aus, dass dieser für Frauen schlimmere Folgen haben wird als für Männer. Dies gilt insbesondere für die agrarisch geprägten Gesellschaften des globalen Südens. Allerdings ist der Wissensstand darüber unzureichend, weil noch wenige Daten vorliegen. Die Aussagen stützen sich daher hilfsweise auf die Ergebnisse anderer Untersuchungen, etwa zu den gesellschaftlichen Folgen von Naturkatastrophen. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat deshalb eine Studie zur Erforschung des Verhältnisses von Geschlecht und Klimawandel in Auftrag gegeben. Die Untersuchungen fanden in Botswana, Mozambique, Namibia und Südafrika statt. Im Folgenden präsentieren wir eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse für Mozambique und Südafrika.

Mozambique

Die Studie wurde in zwei Gemeinden der Provinz Gaza im südlichen Mozambique durchgeführt. Beide Gemeinden sind arm und stützen sich überwiegend auf Subsistenzwirtschaft: Viehzucht, Fischerei und die Ernte von Wildfrüchten, Gräsern, Holz. In den letzten Jahren trafen Dürre und Überschwemmungen die Gemeinden schwer. Die Folgen des extremen Klimas wurden als Grundlage genommen, um die möglichen Auswirkungen künftigen Klimawandels hochzurechnen und die gegenwärtigen Strategien zur Anpassung an den stattfindenden Klimawandel wie zur CO2-Reduktion zu bewerten.

Die sinkende Produktivität des Bodens hat dazu geführt, dass mehr Zeit auf den Feldern verbracht werden muss. Das bedeutet Mehrarbeit für die Frauen, die traditionell für die Landwirtschaft zuständig sind. Darüber hinaus hat die schwere Dürre der letzten beiden Jahre die Männer verstärkt in die Arbeitsmigration getrieben. Zusätzlich zu den traditionell den Frauen zugeordneten Pflichten, müssen sie jetzt auch die der Männer übernehmen.

Wenn die Männer abwandern, etwa in die südafrikanischen Minen, tragen sie häufig nicht mehr viel zum Haushaltseinkommen bei. Viele von ihnen haben Zweitfamilien am neuen Arbeitsort. Die zurückgebliebenen Frauen müssen sich daher eigene Einkommensquellen im informellen Handel erschließen; in den untersuchten Gemeinden brauen und verkaufen sie Bier, was wiederum ihre Arbeitslast erhöht.

Aufgaben wie Wasserholen und Holzsammeln beanspruchen heute mehr Zeit, weil die Frauen auf ihrer Suche weitere Wege gehen müssen. Durch die neuen Aufgaben, die veränderten Rollen und die gestiegene Verantwortung bleibt den Frauen nur wenig Zeit für ihre Kinder. Das kann zum Zusammenbruch der Familien- und Gemeinschaftsstrukturen führen und in Extremfällen die Kinder zwingen, die Schule aufzugeben und in der Familie mitzuarbeiten.

Frauen sind in diesem Fall härter von den Klimaereignissen betroffen als die Männer. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der ungleichen Verteilung der Arbeit, sie liegen auch in den Entscheidungsstrukturen in den Gemeinden. Auf der Ebene der Familie entziehen die herkömmlichen Machtstrukturen den Frauen die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen. Frauen dürfen traditionell kein Land, Vieh oder andere Aktivposten erben und sind deshalb von ihren Ehemännern oder männlichen Verwandten abhängig. Auf der Ebene der Gemeinde ist die Teilhabe der Frauen an den Institutionen der Beschlussfindung marginal und schließt sie von den Entscheidungen über die Verwendung der Ressourcen aus.

Bei den Versuchen sich dem veränderten Klima anzupassen, schlagen Männer und Frauen verschiedene Strategien ein, die sich mal besser, mal schlechter auf die Umwelt und die sozialen Strukturen auswirken. Sinnvoll sind der Einsatz von Zusatzfutter in den Dürrejahren und die Übernahme von informellen Jobs. Problematischer ist das Bierbrauen sowie generell der Verkauf von Alkoholika – Alkoholismus und die damit verbundenen sozialen Folgen haben in den letzten Jahren zugenommen. Negativ ist auch das unkontrollierte Abernten von Naturprodukten.

Die Studie empfiehlt, die Fähigkeiten der Frauen und Männer zur Anpassung an den Klimawandel zu stärken und zwar:

 

  • durch die Durchsetzung schon existierender politischer Richtlinien und Programme,
  • durch direkte Zuweisung finanzieller Mittel an die ländlichen Gemeinden,
  • durch Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenz
  • und durch die Stärkung der Teilhabe von Frauen an den lokalen politischen Entscheidungsprozessen.

Südafrika 

Die Studie wurde in zwei Gemeinden in der Provinz Kwa-Zulu Natal (KZN) im östlichen Südafrika durchgeführt. Es handelt sich um typische, von Armut geplagte Gemeinden, unterentwickelt und mit eingeschränkter Grundversorgung. Charakteristisch sind hohe Arbeitslosigkeit und ein geringes Bildungsniveau. Die beiden Gemeinden stützen sich überwiegend auf die Subsistenzlandwirtschaft, die jedoch durch Umweltschäden und widrige Witterungsbedingungen mühsamer wird.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass auch hier die Frauen aufgrund ihrer traditionellen Verantwortlichkeiten die Hauptlast des Klimawandels tragen werden. In den untersuchten Gemeinden verfolgen sie unterschiedliche Strategien, um mit den schon jetzt spürbaren Klimaveränderungen fertig zu werden. Dazu gehören die Herstellung von Kunsthandwerk, informeller Handel und saisonale Beschäftigungen etwa als Erntehelferinnen auf Großfarmen. Zu den negativen Strategien gehört, dass sich einige Gemeindemitglieder zunehmend passiv verhalten und sich auf staatliche Zuwendungen wie Kindergeld und Pensionen verlassen. Auch der unkontrollierte und daher nicht nachhaltige Verbrauch von Naturprodukten steigt.

Eines der interessantesten Ergebnisse dieser Studie ist, dass es Anzeichen dafür gibt, dass die Geschlechterrollen anfangen, sich zu verändern. Dies steht deutlich im Gegensatz zu den Ergebnissen der Mozambique-Studie. In den untersuchten Gemeinden in Südafrika haben Männer begonnen, Frauen bei den bislang typischen weiblichen Aufgaben zu unterstützen, und Jugendliche und Jungen werden zu Arbeiten im Haushalt herangezogen. Letzteres trifft besonders auf von Frauen geführte Haushalte zu. Darüber hinaus erklärten die Frauen, dass sie generell stärker in die Entscheidungsfindungen einbezogen würden und finanziell unabhängiger seien als früher.

Die Verankerung der Geschlechterfrage in der Klimapolitik ist sehr wichtig und verlangt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Studie empfiehlt für die effektive Beschäftigung mit Gender- und Klimaproblemen nachdrücklich, sich nicht allein auf negative Gender-Erfahrungen zu konzentrieren, sondern auch die Fortschritte anzuerkennen. Lernprozesse aus positiven Erfahrungen können als Richtschnur für den Weg in die Geschlechtergerechtigkeit dienen.


Antonie Nord ist Leiterin des Regionalbüros Südliches Afrika der Heinrich-Böll-Stiftung.
Sakhile Koketso ist Leiterin des Programms für nachhaltige Entwicklung im Regionalbüro Südliches Afrika.

Übersetzung: Jochen Schimmang

 
 


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