Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit



Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit





Dossier


Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit


Das Jahr 1960 war für viele Afrikaner_innen ein Jahr der Hoffnungen. 17 Länder erlangten die Unabhängigkeit von den kolonialen Mächten. Die kolonialen Desaster Frankreichs in Indochina und Algerien und die Unabhängigkeit Indiens vom britischen Empire waren entscheidende Weichenstellungen für die Dekolonialisierung Afrikas. So wurde die Metapher des britischen Außenministers Harold Macmillan vom „Wind of Change“ zur offiziellen Doktrin britischer Politik in Afrika. Die letzte Illusion der beiden großen Kolonialmächte war das Experimentieren mit verschiedenen Formen der Einbindung der Kolonien ins Mutterland – von der „Union Française“ zur „Communauté Française“ und dem „Commonwealth of Nations“. Doch die Afrikaner waren gut vorbereitet:

Nach Jahrzehnten der Unterdrückung und Ausbeutung setzten die Führer der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen nun an, der Geschichte einen eigenen Stempel aufzudrücken. Doch sie nahmen ihren Platz in den von den Kolonialmächten geformten Strukturen ein, standen vor einer Übermacht von Herausforderungen und wurden rasch in den Kalten Krieg hineingezogen, den sie freilich auch zu nutzen wussten. Im Jahr 1960 wurden noch nationale Symbole geboren und über die eignen – ohnehin kolonial gezogenen – Grenzen hinausgedacht. Die Einheit Afrikas, Frieden, Wohlstand und Größe für alle Afrikaner, das waren proklamierte, aber schwerlich erreichbare Ziele.

Heute, 50 Jahre später, stellt sich die Frage, was aus den Hoffnungen der Menschen und den Visionen ihrer Führer geworden ist. Ob aus den kolonial geschaffenen Staatengebilden Nationen wurden, welche traumatischen Ereignisse nachwirkten und in den vergangenen 50 Jahren selbst geschaffen wurden. Ob der Reichtum des Kontinents zum Wohle seiner Bevölkerung gereicht hätte, wie es wirklich um das Verhältnis zwischen Europa und Afrika steht, um Ausgrenzung und Rassismus und welche Zukunftsperspektiven sich in einer globalisierten Welt stellen.

Eine solche Rückschau kann nur schwerlich differenzieren und die vielschichtigen Prozesse eines halben Jahrhunderts der Veränderungen auf dem afrikanischen Kontinent erfassen. Afrikas Realität der Kontraste und Brüche, des Reichtums an Gegensätzen, an kulturellen Ausdrucksvermögen und an Ideen ist uns viel zu wenig bekannt.
„Blitzlichter“ wollen wir daher auf die Länder werfen, die 1960 unabhängig wurden: mit ganz persönlichen Beiträgen. Eine Reihe der oben beschriebenen Fragen werden in den Hintergrundartikeln von renommierten Autoren Deutschlands wie Afrikas behandelt und letztlich sollen uns Auszüge aus den Reden, Schriften und Kurzporträts in die Aufbruchstimmung von 1960 zurückversetzen. All dies webt sich wie ein bunter Flickenteppich zusammen. Ein Rückblick eben, keine Bilanzierung. Denn letztlich steht ja auch Europa weiterhin im Prozess der Dekolonialisierung - , n’est-ce pas?

Kirsten Maas-Albert



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