Wen wir unterstützen - Archiv

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Förderprojekte

In den vergangenen Jahren haben die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung zahlreiche Menschenrechtsaktivist/innen, Künstler/innen und Kunstprojekte unterstützt. Hier finden Sie das Archiv der unterstützten Projekte.

In den vergangenen Jahren haben die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung zahlreiche Menschenrechtsaktivist/innen, Künstler/innen und Kunstprojekte unterstützt. Hier finden Sie das Archiv der unterstützten Projekte.


FANTASY SENTENCES - A short film by Dane Komljen

Logline
Der letzte Silvesterabend. Eine Geburtstagsfeier. Ein Bad in einem See. Dreißig Jahre später Baumkronen mit wilden Tieren darunter, Büsche wachsen aus den Betondächern. Ein Film in zwei Sätzen, verbunden durch eine Geschichte, in der Männer zu Füchsen gemacht werden. Die Geschichte klingt wie ein Wiegenlied.

Written and directed by: Dane Komljen
Produced by: Zsuzsanna Kiràly
Germany 2016-2017
Status: in development
With the support of CPH:Lab and Freundinnen und Freunde der Heinrich Böll Stiftung


VOM BOCHE ZUM BUDDY (AT) - Wie überwindet man Hass? Eine kreative Webdoku – ein demokratisches Forschungsprojekt

von Anna Brass

Das Jahr 2016 war gekennzeichnet von Kriegen, Krisen und Konflikten. Die Frage nach „Wie funktioniert Versöhnung und Frieden?“ wird also immer wichtiger. Wir hier in Europa leben in Frieden, und zwar seit 70 Jahren. Wir haben es irgendwie geschafft. Und dieses „irgendwie“ genauer zu betrachten und bestenfalls davon zu lernen ist das Ziel des nonlinearen Internetprojekts „Vom Boche zum Buddy“. Die kreative Webdoku geht von Archivmaterial aus, bestehend aus 14 Interviews mit Franzosen und Französinnen, die von den Nationalsozialisten deportiert worden wa­ren.

Denn das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich war über Jahrhunderte das Paradebeispiel schlechthin für eine solche Hassbeziehung. Die Befragten waren also Menschen, die zum einen in einer sehr Deutschen-feindlichen Zeit aufwuchsen und auch in diesem Sinne erzogen wurden, und die zum anderen aufgrund ihrer späteren Erfahrungen in deutschen KZs allen Grund der Welt hatten, die Deutschen zu hassen. Trotzdem war Versöhnung möglich. Wie diese Bereitschaft entsteht, das ist das Erkenntnisziel von „Vom Boche zum Buddy“ (AT).

„Wenn ich immer noch hassen würde, dann hätte ich nichts aus meinem Schicksal gelernt. Denn wir haben gesehen, wozu der Hass führen kann.“


FENSTER / WINDOWS – ein audiovisuelles Kunstwerk über die alltägliche Perspektive.

Fenster sind die Augen unserer Wohnstätten. Die Video- und Soundinstallation setzt sich mit „den Gemälden unseres Alltags“, die wir durch unsere Fenster hindurch wahrnehmen können, sowohl ästhetisch als auch soziokulturell auseinander. Die Installation beleuchtet die Formensprache des alltäglichen Phänomens und setzt sie neben das anekdotenhafte Erzählen – die Zeichen unseres Alltags werden somit in ihrer Vielschichtigkeit Gegenstand der Arbeit. Die Installation zeigt den individuellen Umgang mehrer Menschen eines Berliner Stadtteils mit dem soziokulturellen Phänomen „Fenster“.

Hierbei wird der gewohnte Blick von Innen nach Außen als bemerkenswerter Erfahrungsraum betrachtet: Das Fenster ist ein Schwellenort und ermöglicht uns, Wesentliches über Welt und Selbst bewusst zu machen. Die Bildebene der Installation beschäftigt sich mit den visuellen Spielarten des Schwellenraums. Das biografische Erzählen begleitet diesen Raum, formt ihn mit und hinterlässt im Betrachter – so das Ziel der Arbeit – das befreiende Gefühl, auf einer tiefen Ebene, einer Öffnung zwischen Innen und Außen begegnet zu sein.
 
Fertigstellung der Installation voraussichtlich Mitte 2017.


Peter Zach/Aleš Šteger: „Beyond Boundaries – Brezmejno“ - Filmpremiere und Gespräch am 23.11.2016 in der Akademie der Künste, Berlin

Ohne Grenzen wäre ich ein Engel, oder ein Ozean. So aber bin ich ein Mensch. Ein winziger Mensch in einem winzigen Land. Mein Land ist kleiner als meine Hosentasche, daher gibt es Grenzen überall. Alles ist Grenze. (Aleš Šteger)

Brezmejno - BEYOND BOUNDARIES ist ein essayistisches Roadmovie an den Grenzen Sloweniens, zu den Menschen die dort leben. Aleš Šteger, der wohl bekannteste zeitgenössische slowenische Lyriker schrieb dazu Texte, die diesen Film begleiten. Es ist eine philosophische dokumentarische Meditation über etwas, was derzeit gerade verloren geht: Europa.

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen – nachdem sie bereits den Film selbst gefördert haben - die Präsentation in Berlin am 23.11.2016 in der Akademie der Künste mit anschließendem Gespräch zwischen Gregor Dotzauer (Tagesspiegel), Aleš Šteger und Peter Zach. Danach gibt es Musik der slowenischen Musikerinnen/n Brina Vogelnik, Jelena Ždrale, Luka Ropret und Nino des Gleria, die die Musik zum Film gemacht haben.

Ab 24. 11.2016 dann in den Kinos:


Eine Tagung über Mahmud Muhammad Taha, einen sudanesischen Denker, Gelehrten, Politiker und Sufi-Theologen

Das Thema Islam ist in Europa aktuell sehr präsent. Die Diskussionen werden nach unserer Meinung aber sehr einseitig geführt und der Islam wird von europäischer Seite als rückwärtsgewandt und dogmatisch kritisiert. Dass es auch innerhalb des Islams schon immer kritische Stimmen gegeben hat und immer noch gibt, taucht in der öffentlichen Wahrnehmung und Debatte kaum auf. Mahmud Muhammad Taha ist eine dieser Stimmen, der wir mit unserer Veranstaltung Gehör verschaffen wollen. Taha wurde am 18.01.1985 wegen des Vorwurfs des Abfalls vom Islam zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er hatte zuvor gegen die Kolonialmächte im Sudan gekämpft und die erste republikanische Partei gegründet. Ab Ende der 1950er bis zu seinem Tod kämpfte er gegen die konservativen Parteien und „Muslim Brotherhood“ und deren islamisches Dogma. Es ging ihm um die Demokratisierung des Islams, Meinungsfreiheit und die Rechte der Frauen.
Wir wollen an seinem Todestag dem in Deutschland und Europa geführten Diskurs über den Islam einen islamischen Diskurs über die Freiheit des Denkens hinzufügen.
Dazu laden wir den Taha Experten Dr. Yassir Sharif ein, der einen Vortrag über Mahmud Muhammad Taha halten wird. Im Anschluss findet eine Diskussion mit dem Publikum statt. Zusätzlich wird es eine Ausstellung über das Leben und Wirken von Taha vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und politischen Geschehens im Sudan zwischen den 1950er Jahren bis heute geben.

Die Freundinnen und Freunde finanzieren einen Teil der Honorare für diese Veranstaltung.

 


Oasen-Spiel Musik-Workshop – Dein Kiez/Deine Story/Dein Song

Das Oasen-Spiel ist ein Instrument zur Mobilisierung von Gemeinden, das auf sieben Grundsätzen basiert und konkrete, sozial erlebbare Ergebnisse erzeugen soll. Die Methodik wurde in Brasilien entwickelt und wird von der Organisation Elos Foundation weltweit erfolgreich angewandt und verbreitet. Die Methodik ermöglicht es den Teilnehmern aus den Gemeinschaften, ausgehend von ihren eigenen Wünschen, Träumen und Fähigkeiten den Wandel in der Gemeinschaft selbst zu realisieren. Spontaneität, Kreativität, Eigeninitiative und die oft nicht sichtbaren vorhandenen Fertigkeiten und sozialen Netzwerke in Nachbarschaften bilden Grundpfeiler und Ausgangsbasis der Methodik.

Durch die erstmalige Kombination des bewährten und erfolgreichen Community Entwicklungstrainings Oasen Spiel mit dem künstlerischen Element Musik wurden im Juni dieses Jahres, aufbauend auf dem Placemaking Oasen Spiel der TU Berlin, ein weiterer Oasen Spiel-Workshop im Olof-Palme Zentrum (OPZ) im Berliner Kiez Brunnenviertel umgesetzt.

Gemeinsam mit Mitgliedern der Band Otto Normal, die ausgebildete Sozialarbeiter
sind und sich seit vielen Jahren in Inklusions- und Flüchtlingsprojekten aktiv für Kinder und Jugendliche engagieren, luden die Elos Foundation und der Berliner Verein nextlearning interessierte Kiezbewohner ein, gemeinschaftlich einen Song zu schreiben, komponieren und zu produzieren, der zum Abschluss des 3-tägigen Workshops in einem ebenso von den beteiligten Kindern und Jugendlichen organisierten Kiezfest uraufgeführt wurde. Hier der Song zum Nachhören.

Die Freundinnen und Freunde unterstützten das Projekt mit einem Teil der Gagen für die Musiker.


DER KULTUR KiOSK

In der Berliner Kneipe DAS KAPiTAL am Karl-Marx-Platz in Neukölln stehen alle Uhren auf 22.22. Die Uhrzeit, zu der täglich ein Künstlergespräch beginnt: Im KULTUR KiOSK wird jede Nacht eine andere künstlerische Arbeit vorgestellt und besprochen. Malerei, Fotografie oder Theater, Projekte und Ideen gibt es viele in Berlin. Der KiOSK steht allen Kunst- und Wissenschaftsrichtungen offen, es ist ein Denkraum, in dem die Besucher Fragen stellen können.

Der KiOSK greift eine klassische, akademische Tradition auf: das Gespräch mit Kolleg/innen über die neu entstandenen Arbeiten und Konzepte. Die Reflexion und der Austausch mit den Gästen sind bei den Teilnehmer/innen sehr beliebt und dienen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Werk an sich.

Was will die Künstler/in uns mit diesem Werk sagen?

Diese Frage wird täglich und in Anwesenheit der Künstler/innen neu formuliert. Kunst ist ein individueller Ausdruck, oft ohne wörtliche Ebene. Sie lebt von Neugier, als Spiegel der Gesellschaft. Viele, auch abstrakte Aspekte des Zwischenmenschlichen werden in Form einer künstlerischen Interpretation beleuchtet, konkret und greifbar: Kunst als analytisches Instrument der Gesellschaft. Diese alternative Form der Kommunikation will der KiOSK studieren und mit KünstlerInnen und Gästen dazu Fragen formulieren. Der daraus entstehende Diskurs selbst ist Gegenstand des Projekts. Dabei wird von einer grundlegenden Verbundenheit der verschiedenen Künste untereinander und mit allen anderen sozialen Bereichen ausgegangen. Auf dieser Ebene gelingt dem KiOSK eine offene und kritische Reflexion.

Gefördert von den Freunden und Freundinnen der Heinrich Böll Stiftung haben seit Beginn der Gesprächsrunden im Jahr 2014 bereits über hundert Veranstaltungen stattgefunden. In Zukunft will der KiOSK die Gesprächsrunde auch regelmäßig an Vormittagen anbieten.

 


Performance Biennale - NO FUTURE

Athens and Kithira, Greece
23.06. – 04.07.2016

Die erste ‘Performance Biennale’ in Griechenland ist ein selbstorganisiertes Ereignis, das den ‘Biennale’-Begriff zu ironisieren sucht, indem es auf selbstinstituierte Formen von Kunst und Politik setzt.

Das Event beginnt in Athen, im besetzten Green Park Café; geht in den Park ‘Pedion tou Areos’ über und fährt mit dem Schiff von Piräus zu ‘der utopischen Insel’ Kithera. Unter dem Titel ‘NO FUTURE’ kuratiert die Guerilla-Biennale das Aufeinandertreffen von künstlerischen, politischen und theoretischen Aktivitäten und Positionen und lotet die Möglichkeit einer kollektiven Weigerung einer fremdgesteuerten Zukunft aus.

Alle Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.

Weitere Informationen: performancebiennial.org


DIE DAME VOM SEE - ein theatraler Landschaftsspaziergang für Kinder von 6 – 99 Jahren

Die Dame vom See lädt dich zum Feste ein, aber...
Es geht nicht darum, die größte Torte, das teuerste Geschenk und das extravaganteste Outfit zu präsentieren, du bist nicht eingeladen, um den kompliziertesten Tanz und die effektvollste Feuershow vorzuführen. Du bist geladen, um herrlich menschlich zu sein. Fehlerhaft und fantastisch.

Die Dame vom See bittet Dich nur, dass Du kommst. Dass du kommst, in eine fremde Welt - die doch nicht fremd ist! Dass Du im Hier und Jetzt ganz da bist. Und spielst und machst und tust und lebst und stirbst als unverwechselbares DU. Das genügt. Und das ist viel.

Beim Landschaftsspaziergang bekommen "Mitläufer" die Möglichkeit, zu Mitspielern zu werden, die Entscheidungen treffen, Ideen einbringen und handeln können.

Ein Projekt des Theaterkollektivs MÄRCHENONKEL in Kooperation mit dem Förderverein Kultur unter Glas. Unterstützt von den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung. Märchenonkel sind: Johanna Abrams, Rike Breier und Lisa Weymanns.

Aufführungen im September 2016:
So. 11. - 15 Uhr // Mo. 12. , Mi. 14. , Fr. 16. - 18 Uhr // Sa. 17. , So. 18. - 15 Uhr
im Schul- und Bürgergarten Dowesee, Braunschweig.

Weitere Informationen unter: www.theater-märchenonkel.de


WATER GAMES - Eine Adaption von Ibsens „Ein Volksfeind“

Ein Projekt von Jens Vilela Neumann
im Theater im Aufbauhaus Kreuzberg
So. 29.05.16,  18:00 Uhr mit anschließendem Publikumsgespräch

Water Games ist ein deutsch-simbabwisches Theaterprojekt, das im Mai 2015 beim Harare International Festival of the Arts aufgeführt wurde und im Mai auf Deutschlandtour zwischen Konstanz, Rostock, München und Berlin zu sehen ist.
In der Adaptation des europäischen Ibsen-Klassikers Ein Volksfeind stehen die Thematisierung von Meinungsfreiheit und die Probleme mit nutzbarem Trinkwasser in Harare im Fokus. Der Diversität der Situation in Simbabwe Rechnung tragend, adaptiert der simbabwische Autor Christopher Mlalazi Ibsens Text in die aktuelle politische und soziale Situation in Simbabwe. So hinterfragt die Textfassung Machtstrukturen und deren Folgen für die wohlhabenden sowie für die sich entwickelnden Länder.
Neben Live- Musik, Video-Projektionen und Publikumsinteraktionen überzeugt die Inszenierung durch ihre dramatische Dichte und die Ausdrucksvielfalt der simbabwischen Spieler und ihren Humor.
Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt die Aufführung in Berlin mit der Übernahme der Gagen für die 4 Spielenden aus Harare sowie für die Übertitelung.

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Schauspiel: Kudzai Sevenzo, Michaeal Kudakwashe, Tichaona Mutore | Musik: Cornelius Muponda | Regie: Jens Vilela Neumann
Produziert von Paradise Garden Productions, finanziert vom Auswärtigen Amt, Aktion Afrika
www.tak-berlin.de/spielplan/2016-05-29-160000-water-games

https://vimeo.com/149130537


Film-Workshop für Flüchtlingskinder

Das Projektvorhaben umfasst die Organisation und Durchführung eines zweiwöchigen Film-Workshops für Flüchtlingskinder zwischen 7 und 14 Jahren in zwei Berliner Erstaufnahmeheimen. Die Kinder werden praxisorientiert in verschiedene Bereiche des filmischen Arbeitens (Kamera, Interviews, Ton und Montage) eingeführt. Gemeinsam mit ihnen sollen Fragen an ihre Lebenswelt erarbeit und ihnen die Möglichkeit gegeben werden, sich kreativ mit ihren jeweiligen Lebenssituationen auseinanderzusetzen.
Gemeinsam sollen die schönen Seiten ihrer neuen Lebensräume entdeckt werden. In kleinen Gruppen und gemeinschaftlicher Zusammenarbeit lernen die Kinder die einfachen Bausteine des dokumentarischen Arbeitens kennenlernen: Porträts, Interviews, Situations- und Landschaftsbeobachtungen sowie Ortsbeschreibungen. Aus diesen Bausteinen und individuellen Perspektiven soll unter der Regie der Kinder ein kaleidoskopischer Film entstehen, der über die Lebensrealität der Kinder hinausgeht. Die Auseinandersetzung mit dem Medium Film eignet sich nicht nur, um einen Zugang zu den Kindern zu finden und ihre Schlüsselkompetenzen zu fördern, sondern in erster Linie sprachliche Barrieren zu überwinden und ihnen Ausdrucksformen zu bieten, in denen sie sich mitteilen können.
Unser Ziel ist es, das verborgene Potenzial der Kinder gemeinsam schöpferisch zutage zu fördern und ihnen zu ermöglichen ihre Lebens-, Sehnsuchts- und Bedürfniswelt spielerisch aufzuzeigen.
https://vimeo.com/142768629

 


Brezmejno - BEYOND BOUNDARIES

Ohne Grenzen wäreich ein Engel, oder ein Ozean. So aber bin ich ein Mensch. Ein winziger Mensch in einem winzigen Land. Mein Land ist kleiner als meine Hosentasche,daher gibt es Grenzen überall. Alles ist Grenze.
(Aleš Šteger)
 

Brezmejno - BEYOND BOUNDARIES ist ein essayistisches Roadmovie an den Grenzen Sloweniens, zu den Menschen die dort leben. Aleš Šteger, der wohl bekannteste zeitgenössische slowenische Lyriker schrieb dazu Texte, die diesen Film begleiten. Es ist eine philosophische dokumentarische Meditation über etwas, was derzeit gerade verloren geht: Europa.


One Caucasus FM

Die Vorstellungen, was sich genau hinter dem Begriff Kaukasus verbirgt, sind vielfältig und liegen weit auseinander. Aufgrund der Nachrichtenlage dominieren negative Assoziationen zu dieser Region am Schwarzen Meer. Tatsächlich sind die Länder des Kaukasus – Georgien, Armenien und Aserbaidschan – von vielen Konflikten geprägt. Wie aber erleben die Menschen abseits der großen Konfliktlinien ihren Alltag vor Ort? Ist ein grenzübergreifender Austausch unter diesen Bedingungen möglich? Gibt es Initiativen, die eine Plattform für kulturelle Zusammenarbeit bieten?

Sieben Studierende der Freien Universität Berlin wollen Antworten auf diese Fragen finden und reisen deshalb im August 2016 ins georgische Tserakvi. Ziel ist es, vor Ort mit Menschen ins Gespräch zu kommen und deren Geschichten zu sammeln, die die Situation wiedergeben. Im Rahmen des Masterstudiengangs Osteuropastudien soll ein Radio-Feature über die Ergebnisse produziert werden. Als Ort der Begegnung wird das One Caucasus Festival besucht, da es hunderten jungen Menschen aus allen drei Ländern einen Raum zum friedlichen Austausch und Kennenlernen bietet – eine Besonderheit in dieser Region.

Das Feature soll mit möglichst vielen Radios geteilt werden, um so ein breites Publikum zu erreichen. Dadurch bietet sich die Gelegenheit, ein Beispiel zivilgesellschaftlichen Engagements und zur Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen im Kaukasus vorzustellen.

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen die Postproduktion des Features.
www.facebook.com/onecaucasusfm

 


Fenstergeschichten

Großstädte stehen einerseits für Offenheit, Toleranz und Miteinander. Andererseits aber auch für Anonymisierung, Einsamkeit und Angst. In vielen Häusern leben Menschen nebeneinander, ohne auch nur den Namen voneinander zu kennen. Menschliches Miteinander ist geprägt von gemeinsamen Codes, die ein Zusammenleben erleichtern. Bräuche, Redensarten, Symbole und Zeichen werden eingesetzt, um miteinander in Interaktion zu treten. Diese Codes werden über Generationen hinweg vermittelt. Mittlerweile scheint es jedoch, als würden diese gemeinsamen Codes, die “analoge” Beziehungen ermutigen, sich immer mehr auflösen.

Fenstergeschichten ist ein Projekt, das sich mit dem menschlichen Miteinander im urbanen Wohnraum in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung auseinandersetzt. Durch Filmportraits kommen Menschen zu Wort und berichten über Nachbarschaftsverhältnisse.

Bei Brot und Salz erzählen Bewohner*innen von Erdgeschosswohnungen eines Berliner Straßenzuges von ihrem Leben und ihren Vorstellungen von Nachbarschaft und Miteinander.
Ein anschließendes Open Air Screening im Hinterhof lädt alle Interessierten ein, nach dem Filmschauen beim gemeinsamen Essen über nachbarschaftliches Zusammenleben in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche/Wandlungsprozesse zu diskutieren und Formen und Wege zu finden, die Nachbarschaft aktiv mitzugestalten.
Anschließend wird auf digitaler Ebene eine Plattform geschaffen, auf der die Anwohner sich austauschen können, gegenseitig Angebote und Gesuche offerieren oder sich zum gemeinsamen Theaterbesuch verabreden können.

Das Projekt FENSTERGESCHICHTEN wird unterstützt durch den Fonds Soziokultur und die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung.

MIXED PICKLES sind Marijana Verhoef und Laura Klatt. Wir sind ein internationales Kunst- und Kulturkollektiv, sowie Produktionshaus, ansässig in Berlin. Mixed Pickles konzentriert sich auf die Produktion von Dokumentarfilmen von grenzüberschreitenden Geschichten, die Entwicklung von multidisziplinären Formaten und die Organisation von Veranstaltungen, die einem interkulturellen Dialog dienen. In unseren Arbeiten bringen wir Menschen mit unterschiedlichen Arbeits- und Lebenshintergründen zusammen, mit dem Ziel fortlaufend frische, herausfordernde Inhalte und Kontexte zu untersuchen, aufzubrechen und herzustellen. Mixed Pickles arbeitet immer wieder mit unterschiedlichen Künstler*innen aus der ganzen Welt zusammen. Die Zusammensetzung eines Teams sowie die jeweilige Kunstform sind projektabhängig.
www.ilikepickles.com


Future Heritage // Berlin – Ramallah

‚Future Heritage’ transformiert lokale Kulturen und traditionelle Identitäten für eine nachhaltige, vernetzte Gesellschaft.
Das kollaborative Projekt entsteht in Kooperation zwischen Public Art Lab in Berlin und Ramallah Municipality in Palästina und verbindet visuelle Kunst, Kunsthandwerk und neuste Technologien. Gemeinsam knüpfen wir an das schwindende Kulturerbe Palästinas sowie seiner identitätsstiftende Bedeutung an und suchen nach neuen Formen und Techniken der Reproduktion, Erneuerung sowie kreativer Teilhabe zwischen globaler Innovation und lokalen Bedürfnissen.

In einem 5-tägigen Workshop vom 13.-18. April 2016 werden lokale Communities (Kunsthandwerker/-innen aus dem Bereich Töpfern und Sticken) mit Künstlern, Designern und Technologen aus Deutschland und Palästina gemeinsam Kunstprojekte entwickeln, die lokales Kulturerbe durch Technologien wie 3D-Drucken/Scannen, Lasercutting oder Knitting Machines erweitern und auf neuen Wegen verbreiten.
Die gemeinsam entwickelten Projekte werden im Herbst im Rahmen verschiedener Formate wie Ausstellung, Workshop und Panels in Berlin und Ramallah gezeigt, wie z.B. das Public Art Festival Wein a Ramallah, wöchentliche lokale Märkte sowie die Maker Faire in Berlin. Im Herbst 2016 wird zudem eine gemeinsame Research Residency in Berlin mit Kunsthandwerkern und Künstlern aus Palästina stattfinden, um einen gegenseitigen Austausch auf allen Ebenen zu initiieren.

Future Heritage versteht sich als Diskussionsplattform über die Transformation.
Mit der Unterstützung der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung können wir die Research Residency und Projektausstellung in Berlin realisieren.


Zwischen Istanbul und Kars – Orhan Pamuks Türkei

Im Rahmen eines Studienprojekts an der Freien Universität Berlin wollen die Studierenden sich der Türkei durch die Romane „Schnee“ und „Museum der Unschuld“ des türkischen Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk annähern. In Form einer Fotoausstellung werden seine Bücher und die Kontraste der Türkei erlebbar gemacht.

Die Gruppe wird sich exemplarisch an zwei Orten - Istanbul und Kars - mit der Heterogenität und der kulturellen Vielschichtigkeit der Türkei auseinandersetzen und wählt dazu einen literarischen Weg. Begleitet von Fragen wie: Ist Istanbul das türkische Tor nach Europa, Kars die Pforte zu Asien? Was macht die Türkei heute aus? Gibt es eine türkische Identität?

Im Mai 2016 ist eine Reise in die Türkei geplant, um selbst einen Eindruck der Gegensätze des Landes zu bekommen. Auch Orhan Pamuk thematisiert in seinen Büchern die Spannungen zwischen Ost und West. Diese sollen durch den Besuch einiger Schauplätze entdeckt und in Form von Fotografien festgehalten werden. Die Fotoausstellung wird im Sommer in Berlin stattfinden und nicht nur Literaturliebhaber, sondern ebenso allgemein an Politik und im Speziellen an der Türkei Interessierte zu einem produktiven und kommunikativen Abend willkommen heißen.

Die Freundinnen und Freunde finanzieren die Fotoausrüstung und einen Teil der Prints.


Theaterkollektiv „Archiv der flüchtigen Dinge“

Das „Archiv der flüchtigen Dinge“ existiert als Theaterkollektiv seit 2011. Was alle ihre Projekte vereint, ist eine Orientierung am dokumentarischen Theater, eine Auseinandersetzung mit Dokumenten aus politischen, historischen und ganz persönlichen Realitäten und die Transformation dieser in künstlerische Formen.

Mit ihrem nächsten Stück „Inside Syria, Inside Germany“ (AT) wollen sie sich auf die Suche nach historischen und aktuellen Verbindungspunkten zwischen Syrien und Deutschland begeben. Die in den Medien derzeit dominante Erzählung von Flucht soll erweitert werden, indem die lang bestehenden politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Beziehungen zwischen Syrien und Deutschland beleuchtet werden. Die persönlichen Perspektiven von in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syriern und Deutschen, die persönlich mit Syrien verbunden sind, sind dafür ausschlaggebend.

Mit der Unterstützung der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung können sie eine fundierte Recherche zu ihrem Theaterstück realisieren.



Caravan – Tribute to Nelson Mandela - Konzert am 5. Dezember 2015

Ein Festival zu Ehren Nelson Mandelas, der am 5. Dezember vor zwei Jahren starb, organisiert von der Initiative Ubuntu, einem Zusammenschluss von Musikern und Organisatoren aus verschiedenen Teilen dieser Erde. Schon die Auftaktveranstaltung am 28. Februar 2014 in der Wabe und die Veranstaltung am 5. Dezember 2014 im Yaam waren ein großer Erfolg, nun soll es weitergehen. Das Festival steht im Sinne Mandelas für Frieden und für das Miteinander der Nationen: Es werden unterschiedliche Musikstile mit dem Schwerpunkt World Musik zu hören sein.

Alle Musiker haben sich bereit erklärt, für eine sehr geringe Gage zu spielen und die Reisekosten selbst zu tragen. Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen das Festival mit der Hälfte der Gage für die Musiker aus Südafrika.

Überschüssige Einnahmen gehen üblicherweise an die Nelson Mandela Stiftung in Johannesburg – in diesem Jahr aus aktuellem Anlass außerdem an die Flüchtlingshilfe in Berlin.

Bands dieses Jahr:

SATORI (Jazz/Südafrika)
TROVA 5 (Salsa/Kuba)
LA BANDA DEL SUR – LUCA ARTIOLI (LATIN/BRASIL/ITALO)
LOUIS-JEAN AND THE IRIE RAINBOW (Reggae/Senegal)
BERNHARD MAYO (Balladen/traditional Afro/Kongo)
MOUSSA COULIBALI (Perkussion/Burkina Faso)
DJIELEFILY SAKHO (Kora/Mali)
VVK: 18 Euro Tickets stehen ab sofort zum Verkauf
Veranstaltungsort: RED Ballroom Berlin (Genthiner Straße 20, 10785 Berlin)
https://www.facebook.com/caravantributetonelsonmandela/


„Werner, Ger und Angelus“ - ein Dokumentarfilm über Liebe im Alter bei gleichgeschlechtlichen Paaren

Der Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel „Werner, Ger und Angelus“ ist ein Film über die Liebe im Alter bei gleichgeschlechtlichen Paaren und handelt von den schwulen Paar Werner und Ger und ihrem gemeinsamen Freund Angelus, der ebenfalls schwul ist. Werner und Ger sind über siebzig Jahre alt und seit 46 Jahren zusammen. Angelus ist über neunzig. Trotz ihres hohen Alters stehen die Protagonisten des Films energiegeladen mitten im Leben und sind nicht müde, die Welt, das Leben zu entdecken.

Wie gestaltet sich der Alltag im Alter, wie gestaltet sich eine Beziehung, wenn man über siebzig oder neunzig Jahre alt ist, was ist ihre Vorstellung von Sexualität und Liebe, was ist ihre Vorstellung von der Familie, wie gehen sie mit dem Thema Tod um, was sind ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte? Der Film nähert sich vorsichtig diesen Fragen an.

Ger: „Die Heterosexuellen haben Vorbilder, wie eine Beziehung sein muss und kann, und unterliegen einem starreren Muster. Wir Schwulen haben diese Vorbilder nicht, da eine schwule Beziehung uns nicht vorgelebt wurde. Das bedeutet, wir müssen und können uns neu erfinden. Das bietet uns die Freiheit, uns auszuprobieren und kreativ zu sein, wie wir die Beziehung formen und leben wollen.“

Angelus: „Wenn ich mein Adressbuch aufmache, sind sehr viele Namen durchgestrichen. Die meisten meiner alten Freunde sind ja tot. Ich und mein Partner haben schon unsere Grabstätte ausgesucht. Alles ist bezahlt und geregelt. Wir wissen, wo wir liegen werden. Wir brauchen nur noch zu leben.“

Regie und Produktion: Ok-Hee Jeong | Kamera: Jan Klein
Geplante Länge: 80 Minuten | Fertigstellung: Juli 2016


Vergessene Fronten – der Konflikt um Berg-Karabach. Ein Blog-Projekt

Im Oktober 2014 beschlossen sechs Studierende des Masters Osteuropastudien, sich mit dem Konflikt um die Region Berg-Karabach auseinander zu setzen. Fast nichts ist in der deutschen Öffentlichkeit über die De-facto-Republik bekannt. Ziel des Projekts war deshalb, den Leserinnen und Lesern auf einer eigenen Website Einblicke zu verschaffen: Warum besteht der Konflikt noch immer? Und wie leben die Menschen an beiden Seiten der Waffenstillstandslinie damit?

Nach Monaten der Vorbereitung fuhr die Gruppe im März und April 2015 nach Georgien, Aserbaidschan, Armenien und in die De-facto-Republik Berg-Karabach. Vor Ort führten sie Interviews mit Politikwissenschaftler/innen, Flüchtlingen, Politiker/innen, Jugendlichen, Friedensaktivist/innen und Taxifahrern.

Alle daraus entstandenen Artikel finden Sie unter www.vergessene-fronten.eu. Damit die Texte dort auch auf Englisch und Russisch zu lesen sind, übernehmen die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung die Kosten für die Übersetzungen.


Kunst und Garten – Willkommenskultur im Flüchtlingsheim Gatow

Das Flüchtlingsheim Gatow liegt zwischen Potsdam und Spandau und nimmt seit 2013 Flüchtlinge aus dem Iran, Rumänien, Syrien, Bosnien und Irak auf. Inzwischen leben dort etwa 180 Personen, darunter Familien und alleinerziehende Frauen. Die Kinder besuchen die umliegenden Schulen, die Erwachsenen aber haben bisher wenig Möglichkeiten der Betätigung.

Das Projekt Kunst und Garten wurde Ende 2014 ins Leben gerufen, um den Bewohnerinnen und Bewohnern Möglichkeiten zu bieten, nicht nur zu arbeiten, sondern durch kreative und handwerkliche Arbeit ihren Alltag zu verändern und sich engagieren zu können.

Zudem soll die Kommunikation zwischen Drinnen und Draußen gefördert werden. Neben dem wachsenden Garten und einer Werkstatt, die nach und nach ausgestattet wird, entsteht nun im laufenden Jahr auch noch ein Tiergehege.

Dadurch wird weiterer Austausch entstehen, handwerkliche und künstlerische Tätigkeiten können sich gegenseitig vermittelt werden. Dies bedeutet, dass sich der Heimalltag weiter verändert und neue Kontexte zur Erlernung von Sprache entstehen. Oft kommen auch Schulfreunde der Flüchtlingskinder vorbei und helfen bei der Entstehung und Pflege des Gartens.

Durch das Projekt wird die hiesige Kulturlandschaft vermittelt und gleichzeitig ein sozialer Raum geschaffen, in dem sich jeder einzelne engagieren und Verantwortung übernehmen kann und dadurch hoffentlich einen Weg findet, die persönliche Situation und Lage zu meistern. Desweiteren engagieren sich die Bewohner/innen in dem angeschlossenen Kulturcafé, das die Früchte des Gartens verarbeitet.

Der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen die Flüchtlinge und die Arbeit des Projektes mit Materialien für Garten und Werkstatt.


Die Landung der Kurden auf dem Mond. Ein 3D-Dokumentarfilm mit fiktionalen Elementen.

Der 3D-Dokumentarfilm „Die Landung der Kurden auf dem Mond“ wurde im Sommer 2013 abgedreht.  Der Film erzählt die Geschichte von vier jungen, kurdischen Männern die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind und nun in dem kleinen Dorf Steineberg auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten. Steineberg liegt in der deutschen Vulkaneifel und hat 200 Einwohner. Dort warteten die jungen Männer Monate lang. Durch Zufall hat der Regisseur Julian Bogenfeld die Männer getroffen. Gemeinsam wurde die Idee entwickelt den alten Stummfilm „Die Reise zum Mond“ neu zu inszenieren. Der Dokumentarfilm erzählt mit Hilfe dieser Neuinszenierung die absurde Situation der jungen Männer. Im Zentrum des Films steht die Frage der eigenen Zukunft: Was wird mit uns passieren? Wer wird uns verstehen? Wann werden wir dieses Dorf verlassen und wohin werden wir gehen?

Die Freundinnen und Freunde unterstützen den Film in der Phase der Fertigstellung. Der Film soll Anfang des kommenden Jahres auch in der Heinrich Böll Stiftung gezeigt werden.

Mit: Rodi Habash | Shukri Nabo | Yaser Nafso | Falah Alkhder
Regie: Julian Bogenfeld | Produktion: Johannes Busse |Kamera Julia Swoboda
Länge: 54 Minuten | Format: HD, 3D | Fertigstellung: August 2015


Fragmente. Kinder und Krieg. Ein Werkstattprojekt Berlin-Kasan

Im Mai 2015 jährt sich das Ende des II. Weltkriegs zum 70. Mal. Für die einstige Siegermacht  Russland ist dies ein wichtiges Jubiläum, und es ist als kleine Sensation zu werten, wenn das Staatliche Kasaner Jugendtheater (bzw. das Kulturministerium der autonomen Republik Tatarstan) 5 junge deutschen Schauspieler und eine deutsche Dramaturgin dazu einlädt, zusammen mit russisch-tatarischen Kollegen über das Thema Kinder und Krieg künstlerisch zu arbeiten und die Inszenierung dann öffentlich zu präsentieren.

Es wird die Premiere eines deutsch-russisch-tatarischen Dialogs im Geiste eines friedlichen Miteinanders. Unsere Väter, Großväter, Urgroßväter kämpften im Krieg gegeneinander. Wir, die Nachkriegskinder und Kriegsenkel mit christlichen, muslimischen oder jüdischen Wurzeln, wollen Vorurteile, nationale Klischees und religiöse Konflikte überwinden und vergessene oder verschwiegene private Kinderschicksale im Krieg zeigen, Kindern eine Stimme geben. Egal von welcher Seite - Kinder sind in jedem Krieg Opfer von roher Gewalt, sie werden traumatisiert, getötet. Kinder sind seelisch ungeschützt und verwundbar.

Besonders belastet durch die beiden Weltkriege ist das deutsch-russische Verhältnis. Der offene, behutsame Umgang mit den Wunden der Vergangenheit ist aber eine wichtige Voraussetzung für das Verstehen heutiger Prozesse und die Gestaltung respektvoller Dialoge und lebendiger Völkerverständigung. Die Freundinnen und Freunde unterstützen die Stückentwicklung.


Performance „Ents“ auf der „Wir haben es satt“ Demonstration am 17.01.2015 in Berlin.

„Baumbarts Delegation in Berlin“ ist die Dokumentation einer Performance von vier Stelzenkünstlerinnen und – künstlern auf der zurzeit wichtigsten Demonstration zur Agrarwende. Bereits zum fünften Mal rief ein breites Bündnis von Akteuren einer nachhaltigen Landwirtschaft zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin zu einer Großdemonstration auf. 2015 kamen 50.000 Menschen - doppelt so viele wie je zuvor. Die zentralen Forderungen sind: TTIP stoppen, Gentechnik und Massentierhaltung abschaffen.

Wie in vielen anderen Gebieten auch ist dies ein Kampf zwischen David und Goliath oder auch, um einen moderneren Mythos zu zitieren, zwischen Frodo und Sauron. In J.R.R. Tolkiens ureigener Mythologie gibt es die ENTS - Unsterbliche baumähnliche Wesen, die seit Urzeiten Hüter und Bewahrer der Wälder sind. Sie kümmern sich nie um so unwichtige Dinge wie die Politik der Elben und Menschen. Aber den unscheinbaren Hobbits Merry und Pippin gelingt es, die Aufmerksamkeit der Ents auf die Zerstörungen rund um die Ork Festung Isengart zu lenken. Schmerz und Wut entfesseln die große Kraft der Hüter des Waldes und sie kommen von allen Seiten um dem bösen Spuk ein Ende zu bereiten.

Das Projekt „Ents“ handelt von Ermutigung und Bestärkung in schwierigen Kämpfen. Die Geschichte wird weiter erzählt und lässt die großen Ents mitten in der Menschenmenge im Berliner Regierungsviertel auftauchen. Sie haben sich auf den weiten Weg aus Mittelerde nach Berlin gemacht um die Bewegung zu unterstützen. Sie erzählen von der Unmenge der Arten, die von unseren Wirtschaftsweisen betroffen sind und sagen, dass Landschaft mehr ist als Kulisse für Produktionsflächen. Sie fordern, dass Landwirtschaft mehr sein soll als bloße Produktion von Tieren und Pflanzen. Sie soll Heimat sein und Lebensraum für viele Seinsformen. Sie kann als tiefer Erfahrungsraum (nicht nur) des menschlichen Erlebens so viel mehr sein als zweidimensionaler Acker.
Die Ents waren da. Und sie werden wieder kommen.

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich Böll Stiftung förderten den Upcycling workshop zur Herstellung der Kostüme sowie den Transport nach Berlin. Hier ein Video zur Veranstaltung.


Le Prince

In jeder Liebesgeschichte steht am Anfang die Frage: Können die Liebenden zusammen bleiben, oder nicht? Gemeinsam kämpfen sie gegen innere und äußere Umstände, überwinden Hürden und falsche Gefühle, bis sie sich glücklich aber erschöpft in den Armen liegen.  In dem Film “Le Prince” wird die romantische Vorstellung, dass Liebe alle Grenzen überwindet, in Frage gestellt. Stattdessen werden andere Gedanken aufgeworfen: Ist Liebe ein Luxusgut? Und wovon reden wir überhaupt, wenn wir über die Liebe reden?

“Le Prince” erzählt die Geschichte zwischen einer deutschen Akademikerin aus der Frankfurter Kunstszene und einem Mann aus Kongo Kinshasa mit vielen Hintergründen. Der Film legt seinen Fokus auf die Frage, wie und wo sich die politischen Verhältnisse und postkolonialen Strukturen im Privaten wiederspiegeln. Missverständnisse, die Angst vor Abschiebung, die Gefahr von Polizeikontrollen, der Kampf gegen die Behörden und nicht zuletzt ein gegenseitiges Misstrauen lasten auf der Beziehung. In der ungleichen Konstellation sind Konfrontationen vorprogrammiert, die weit tiefer reichen, als die üblichen emotionalen Dysbalancen einer Beziehung.

Bereits seit der ersten Recherche, bis zur Produktion entsteht das Projekt in enger Zusammenarbeit mit Menschen aus der afrikanischen Szene. Ausgehend von einer spezifischen Geschichte, die sich im nächsten Umfeld der beiden Filmemacher abgespielt hat, erzählen Hannes Held und Lisa Bierwirth eine persönliche Geschichte zwischen zwei autarken Figuren, die abseits der gängigen Klischees einen anderen Blick auf gesellschaftliche Strukturen wagt.

Die Freundinnen und Freunde haben das Projekt bereits in den Anfängen gefördert (damaliger Arbeitstitel: „Banditen“), und finanzieren eine weitere Recherchephase.


Gallien ist überall: Die Tigris Rebellen. Ein Dokumentarfilm von Nedim Hazar

“Die Tigris Rebellen” sind die Bauern eines kurdischen Dorfes am Fluss Tigris in der Türkei. Wie das berühmte “letzte gallische Dorf”, leisteten die Bewohner von Schkefta - mit offiziellem türkischem Namen Suçeken, 30 km südlich der Provinzstadt Batman - jahrzehntelang Widerstand gegen die grausame Unterdrückung des Großgrundbesitzers und des türkischen Militärs. Die einen wollten die Ländereien der Bauern aneignen, die anderen wollten in ihrem Krieg gegen die PKK-Guerillas bezahlte Söldner aus ihnen machen. Die Schkeftaner dagegen, sie wollten ein würdiges Leben - “frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald”. Viel Blut ist geflossen seit 1978, als der erste Konflikt mit dem Großgrundbesitzer anfing. Und es schien den Bauern endlich gelungen, sich durch zu setzen.

Nun aber soll das Dorf im See des Ilisu-Staudamms untergehen, der die bekannten Antik-Relikte vom benachbarten Ort Hasankeyf auf dem Tigris ebenfalls fluten soll und deshalb seit Jahren weltweit für Proteste sorgte.

Bis vor kurzem wäre es nicht möglich gewesen, überhaupt in diesem Dorf zu drehen. Denn Schkefta liegt unmittelbar neben einem türkischen Militärstützpunkt. Doch nun dreht der deutsch türkischen Filmemacher Nedim Hazar die Geschichte dieses “unbeugsamen” Dorfes. Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung finanzieren einen Teil der letzten Drehetappe dieses Dokumentarfilmprojekts.


unique Heft mit Schwerpunkt Aghet 1915-2015

Im April 2015 jährt sich zum 100. Mal der Beginn des Völkermordes an den Armenier/innen im Osmanischen Reich, von den Betroffenen Aghet, „die große Katastrophe“ genannt. Den Ereignissen, die bis heute die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei belasten, widmete sich das interkulturelle Magazin „unique“.

Neben Fragen der Rezeption widmet sich das Heft vor allem der gesellschaftlich-politischen Aufarbeitung der Geschehnisse, wie sie für die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei, aber auch im Bezug auf Deutschland bis heute bedeutsam ist. So hinterfragt ein Beitrag die damalige Rolle deutscher Unternehmen bei der Durchführung der Deportationen der Armenier. Neben solch offensichtlichen wirtschaftlichen und politisch-militärischen Verbindungen zum Deutschen Reich waren seinerzeit zahlreiche andere Deutsche im Osmanischen Reich tätig, die Augenzeugen der Ereignisse wurden und diese dokumentierten, darunter der spätere Schriftsteller Armin T. Wegner. Seine Fotoaufnahmen aus der damaligen Zeit bilden bis heute eine der wichtigsten Dokumentationen der Vertreibungen und Ermordung des armenischen Volkes und werden als kommentierter Fotoessay im Heft verarbeitet.

Mit dem gewählten Themenschwerpunkt positioniert sich die Redaktion des Magazins „unique“ klar gegen Vergessen, Verschweigen und Tabuisierung. Die Nachwuchsjournalist/innen wollen so bereits vor dem 100. Jahrestag die Leserschaft zur Auseinandersetzung mit dem kontroversen und bis heute bedeutsamen Thema des Völkermordes an den Armenier/innen anregen.

Die „unique“ ist ein junges Magazin, das sich mit inter- und subkulturellen Themen beschäftigt. Es wird ehrenamtlich von Studierenden und jungen Akademiker/innen erstellt und trägt zum Dialog verschiedener gesellschaftlicher Gruppen bei. Das interkulturelle Magazin erscheint viermal jährlich kostenlos an den Hochschulen in Jena, Weimar und Erfurt. Die Redaktion wurde 2012 für ihre Arbeit beim bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.

Die PDF der Ausgabe sowie die Beiträge finden sich auch auf der Website: www.unique-online.de.


Zeitweise-reise

Zeitweise-reise ist ein wanderndes Ausstellungsprojekt, das von der Künstlerinnengruppe Speidel/Vidal (Johanna Speidel/ Chus López Vidal) durch die Straβen Berlins bewegt wird. Von einer mobilen Pyramidenzeltskulptur auf Rädern aus wird ihr Kunstdokumentarfilm, der die Migration unter dem Aspekt der Glückssuche beleuchtet, auf Fassaden oder Mauern von Berlin projeziert. Dank den Freundinnen und Freunden der Heinrich Böll-Stiftung wird diese innovative und für ein breitgefächertes Publikum zugängliche Art der Vorführung im öffentlichen Bereich ermöglicht.

Der Film lässt sowohl die zugewanderten Bürgerinnen und Bürger als auch Einheimische selbst erzählen, was sie auf ihrer Lebensreise privat, gesellschaftlich und politisch glücklich macht. Dabei wird die mythische Welt (erlebte Zeit) der geschichtlichen Welt (lineare Zeitmessung) gegenübergestellt.                                                                                                                                   

Die von Angst geprägte Sicht der Immigration wird in Frage gestellt. Kunst soll zwischen der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung spielerisch vermitteln, um Vorurteile abzubauen und die Suche nach dem Glück, die uns alle verbindet, in den Vordergrund  zu stellen.


ACTIVE CINEMA – I AM. ERROR. (AT) 

Das "Active Cinema" zeigt interaktive Filme, die nachhaltig produziert werden. Es ermöglicht dem Publikum, Themenwelten nicht nur passiv mitzufühlen, sondern aktiv zu erleben. Mit der Verbindung von fiktionalem Film mit der Interaktivität von Computerspielen entscheiden dabei nicht mehr die Filmemacher über den Verlauf der Handlung eines Films, sondern das Publikum selbst. Das erste Projekt des »Active Cinema« ist das interaktive Drama "I am. Error. (Arbeitstitel)", das die akustische Welt einer Schwerhörigen erlebbar macht.

Im alltäglichen Leben begegnet uns im Bezug auf das Thema Schwerhörigkeit immer wieder der Begriff "Barrierefreiheit" zur Schaffung besserer sozialer Bedingungen. Dies führt aber nicht zwangsläufig zu einer Integration schwerhöriger Menschen in unserer Gesellschaft. Denn zur Integration gehört, dass sich mindestens zwei gesellschaftlichen Gruppen aufeinander zu bewegen und daraus eine neue Gesellschaft schaffen. Im Prinzip tragen dazu fast nur Schwerhörige bei, indem sie sich in die Hörende-Gesellschaft integrieren. Hörende jedoch können sich nur schwer in die Schwerhörenden-Gesellschaft integrieren, da ihnen häufig die Möglichkeit fehlt, die Welt der schwer Hörenden emotional und akustisch zu erleben.

Der Film "I am. Error. (AT)" soll Hörenden helfen, sich in die Gesellschaft schwer Hörender integrieren zu können, indem er Schwerhörigkeit bewusst erlebbar macht, um so eine geistige Barrierefreiheit für Hörende im Bezug auf Nichthörende zu schaffen.

Weitere Informationen auf der Facebookseite von "Active Cinema" und in ihrem Pitchvideo.


THROUGH THEIR EYES - Ein Projekt von Lola Arias mit Kindern bulgarischer Herkunft

Die argentinische Autorin und Regisseurin Lola Arias und der Bühnenbildner und Künstler Dominic Huber arbeiten seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Realität und Theater. Ihre performativen Recherchen beschäftigen sich mit der Frage, wie die Wirklichkeit mit ihrem Schmerz, ihrer Freude, ihren Widersprüchen und ihrer Rohheit ästhetisch überhöht werden kann. Mit sozialer Realität setzte sich Lola Arias bereits in der letzten Spielzeit auseinander: The Art of Making Money – Die Bremer Straßenoper von Lola Arias brachte die Geschichten Bremer Obdachloser, Ex-Prostituierter und Straßenmusiker auf die Bühne.

In Kooperation mit der Theaterschule des Theater Bremen – den Jungen Akteuren –, die reichlich Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf der Bühne haben, wird nun ein Projekt mit Kindern von 7 bis 14 Jahren bulgarischer Herkunft stattfinden, unterstützt von den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung. Das Projekt Through Their Eyes nähert sich in ihrem neuen Projekt über eine mehrmonatige Recherche- und Probenphase den Ansichten und Lebensweisen von Kindern, die als Migranten in zweiter oder dritter Generation in Bremen leben: Through Their Eyes Deutschland!


Gedenktafel für einen 17jährigen - stellvertretend für alle ermordeten Deserteure zu Kriegsende

Ein namentlich unbekannter 17jähriger wurde von der SS erhängt, weil er in einem Keller die Schlacht um Berlin überleben wollte. So wie er starben Aberhunderte, die sich aus den verschiedensten Gründen dem Krieg verweigerten. Ein Krieg kann nicht stattfinden, wenn keiner bereit ist, ihn mit sich führen zu lassen. Daher müssen die Menschen dazu gezwungen werden, wie die über 20.000 vollzogenen Todesurteile in der Zeit des Dritten Reiches gegen Deserteure zeigen, nach dem Motto: "Ein Soldat kann sterben, ein Deserteur muß sterben."

An sie soll diese Gedenktafel erinnern. Sie wird diesen Text tragen: 
"Hier wurde in den letzten Tagen des April 1945 / ein 17-Jähriger von Nationalsoialisten erhängt. // Zur Erinnerung an ihn und alle anderen, / die sich der Teilnahme am Krieg verweigerten / und deshalb ermordet wurden."

Die feierliche Enthüllung der Gedenktafel findet am Freitag, den 24. April um 16 Uhr auf der Kreuzung von Berliner und Uhlandstraße in Berlin-Wilmersdorf statt.
Weitere Informationen, Dokumente, Berichte von Deserteuren usw. finden sich hier: (insbesondere: "Uhlandstraße 1945", "Uhlandstraße 1945 (3)" und "Mein 8. Mai ...").


Vernetzung afghanischer Frauengruppen

Mit Hilfe der Freundinnen und Freunde hat die Initiative afghanisches Hilfswerk e. V. (IAH) 2011 einen Frauenkreis, das "Erzählcafé am Rand der Stadt Kabul" aufgebaut. Die Arbeit dort geht sehr gut voran, besonders die jungen Frauen haben sich kulturell und politisch weiterentwickelt. Sie haben höhere Ansprüche an ihre soziale Umwelt und interessieren sich besonders für frauenpolitische Arbeit. Für viele ist der Rahmen des Erzählcafés für ihre weitere Entwicklung nun zu eng geworden - sie benötigen ein breiteres Kontaktfeld mit anderen Frauen und Frauenorganisationen, um sich mit den gesellschaftlichen und aktuellen Themen beschäftigen und sich mit anderen Frauen darüber austauschen zu können.

Die Freundinnen und Freunde unterstützen nun in einem weiteren Schritt die der Initiative afghanisches Hilfswerk bei der Einrichtung und Etablierung eines Netzwerks zwischen der bestehenden Frauengruppe aus dem Erzählcafé und anderen Frauengruppen oder anderen interessierten Frauen in der Stadt Kabul, die bis jetzt noch nicht organisiert sind. Das Ziel dabei ist es, den Gedanken einer Stärkung des Selbstbewusstseins und der Qualifizierung der Frauen weiter zu tragen und auch andere Frauen an diesem Entwicklungsprozess teilhaben zu lassen.


Internationales HipHop Festival in Uganda

HipHop ist die globale Jugendkultur der vergangenen Jahre - HipHop bringt junge Menschen weltweit zusammen. Unter diesem Motto steht das "International Hip Hop Culture Festival Kampala", das vom 18.-31. Oktober 2014 in Uganda stattfand. Eine Gruppe von Berliner HipHoppern - DJs, Rappern, Beatboxern - aus der internationalen Hip-Hop-Bewegung "End of the weak" nimmt, unterstützt von den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung, an dieser internationalen Begegnung teil. Nach dem Motto "Each One Teach One" können Jugendliche in gemeinsamen Workshops Empowerment erfahren, Treffen mit ugandischen Künstlern bieten Gelegenheiten zum Austausch, Konzerte auf der großen Bühne eines internationalen Festivals die Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken: Denn HipHop ist gerade denjenigen Sprachrohr, die sonst weniger gehört werden, hier und auch weltweit. Zudem nehmen alle Künstler gemeinsam eine CD auf, die auch erhalten bleibt, wenn das Festival schon beeendet sein wird - wie auch die Werte von kultureller und sprachlicher Vielfalt, die wir in diesem Projekt aktiv mit Leben gefüllt werden.

Der bapob e.V. - (Berliner Arbeitskreis für politische Bildung) organisiert seit vielen Jahren internationalen Jugendaustausch und begleitete bereits ein internationales HipHop-Festival in Berlin. Im Oktober wird das Projekt mit internationalen Partnern nun zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden, in Kampala / Uganda. Weitere Informationen und in Kürze eine Video-Dokumentation über das Projekt gibt es unter www.bapob.org


Dokumentarfilm „Die vorletzte Freiheit“ - ein Portrait des Historikers Otto Dov Kulka

Als renommierter Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem ist Otto Dov Kulka Autor maßgeblicher Forschung zur Shoah und belegte erstmals die Mitverantwortung der deutschen Gesellschaft für die Verbrechen der der 30er und 40er Jahre. Seine bis vor kurzem mit niemandem geteilten Tagebücher zeugen hingegen von seinem ganz persönlichen Kampf, mit dem als Kind in Auschwitz-Birkenau Erlebten leben zu können. Als Gefangener des sogenannten Familienlagers, das zur Beschwichtigung des Auslandes für fast ein Jahr bestand, kam er durch engagierte Mitgefangene zu humanistischer Bildung. Literatur, Philosophie und Musik sind ihm ein Leben lang wichtige Stützen geblieben. In seinen Tagebüchern verwebt er seine eigene Auseinandersetzung mit Mythen aus der jüdisch-europäischen Geschichte und versucht mit Metaphern, Sagen und Erzählungen von Franz Kafka, oder mit Gedichten, Philosophie und Musik sein Erinnern an Auschwitz zu deuten: „Das Schreiben in den Tagebüchern bedeutet Zuflucht vor dem Leben hier. Bedeutet Freiheit. Und ich nenne sie die vorletzte Freiheit. Denn die letzte Freiheit ist der Freitod.“

Der in Teilen essayistische Film von Stefan Auch portraitiert sowohl den stets arbeitenden Historiker als auch die Erinnerungswelten seiner Tagebücher und begleitet Otto Dov Kulka in seiner Gegenwart, die bestimmt ist von der Frage, was von seiner lebenslangen Suche über seinen Tod hinaus bleiben wird.


Dokumentarfilm "Warum lacht Herr W.?"

"Warum lacht Herr W.?" entwirft in einer Collage aus dokumentarischen Elementen, aus eindrücklichen subjektiven Bild- und Tonebenen, das Abbild dreier befreundeter Künstler mit geistigen Behinderungen. Herr G., Herr K. und Herr W. stellen allesamt international aus und erzielen bei Sammlern hohe Preise, wobei sie selbst sich nicht für den Kunstmarkt interessieren, sondern ihre Arbeit als lebendige Freiheitswissenschaft verstehen. Der Portraitfilm bildet die Realität nicht wie beim klassischen Dokumentarfilm als gegebene ab, sondern verschiebt die Parameter spielerisch, so dass der Zuschauer mitten in der persönlichen Welterfahrung der Künstler steht, die auch alle drei begeisterte Videofilmer sind und mit ihren Sujets verbundene Tiere, Menschen und Landschaften für den Film selber aufnehmen werden.
Die Grenzziehungen zwischen Normalität und Devianz werden aufgelöst, indem der Film nicht betroffen machen will, sondern mit viel Witz und Licht die außergewöhnliche Lebenskunst und Menschlichkeit seiner Protagonisten darstellt.

Ein Dokumentarfilmprojekt in Vorbereitung von Jana Papenbroock. Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung finanzieren einen Teil der barrierefreien Filmfassung.


Kunstaktion zum Pflegenotstand: Der letzte Träumer

Die Idee: Jung und Alt können gemeinsame Wege gehen, sich auf Augenhöhe begegnen und ein würdevolles Leben leben. In seinem Film "The last Piece of Peace" möchte Jan Schekauski dies aus einer ungewöhnlichen und fantasievollen Perspektive zeigen. Es ist die Inszenierung eines Traums und ein Sinnbild für die Würde des Menschen. Einer alten Legende nach wählt sich Gott, während die traditionellen japanischen Taiko-Trommeln gespielt werden, einen alten Menschen, dank dem er tief in die menschliche Seele blicken kann und lernt. Einen Augenblick lang wird das Unsichtbare sichtbar. 

Für Jan Schekauskis Film malte ein Kunstflieger ein zwölf Kilometer langes Bild in den Himmel. Die Freundinnen und Freunde beteiligen sich an den Kosten für den einzigen und letzten sogenannten Himmelsschreiber in Nürnberg. Er konnte das Motiv am 18. Juli 2014 in den Himmel malen, das Video von der Aktion sehen Sie hier.

 

CHANGING Realities – Bilder einer Welt im Wandel

Ausstellung im Rahmen des 6. Europäischen Monats der Fotografie
21. Oktober bis 3. November 2014
U-Bhf Berlin Alexanderplatz

Europa hat sich in den letzten Jahren vor allem als ein Europa in der Krise gezeigt. Interessant ist es jedoch, die vielen anderen Geschichten zu erzählen: die der kleinen Utopien und großen Visionen, die im Alltäglichen umgesetzt werden. Alternative Wohnkonzepte, schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen, menschenwürdige Migrationspolitik, eine global gerechtere Verteilung von Wohlstand sowie Protestbewegungen der bürgerlichen Zivilgesellschaft – alle Ideen, Initiativen und Modelle, die dazu entwickelt wurden, sind Gegenstand der Ausstellung. Grenzüberschreitend begeben sich Fotografinnen und Fotografen auf Spurensuche nach diesem anderen Europa.

Aus den über einen Open Call eingegangenen Arbeiten wählt eine Jury 20 Positionen mit überzeugenden Bildern zum Thema aus, die anschließend unter dem Titel CHANGING Realities – Bilder einer Welt im Wandel am U-Bahnhof Alexanderplatz präsentiert werden. Auf den Außenwerbeflächen, normalerweise Altäre der Konsumgesellschaft, schaffen sie einen überraschenden "Kunst"-Raum. Auf diese Weise sind sie zugleich Teil einer Ausstellung und Intervention im öffentlichen Raum.

CHANGING Realities ist ein Projekt der
Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF)
Ausstellungseröffnung: Freitag, 24. Oktober 2014, 19.00 Uhr
U-Bhf Alexanderplatz, Bahnsteig U8

 

Mein ganz privates Deutschland: Augsburg

Vieles was fremd ist, bleibt es auch. Wir leben nebeneinander, doch Berührungspunkte gibt es wenige. Ich frage mich: Wer sind die Menschen, die heute in Deutschland leben?

Mein ganz privates Deutschland ist eine partizipative Langzeitperformance, die sich zum Ziel gemacht hat, die heutige Gesellschaft in Deutschland zu portraitieren. Dafür ziehe ich an Orte im Land, die mich wegen ihrer lokalen Eigenheiten und ihres Wandels in jüngerer Zeit interessieren und von denen ich glaube, dass hier bestimmte Charakteristika unserer Gesellschaft neu verhandelt werden. Seit April lebe ich in Augsburg und lerne eine Stadt kennen, in der mehr als 40 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben und finde hier den Aufbruch, dessen Stimmung gerade überall im Land webt. Die Augsburger/innen sind für ihr vorbildliches Zusammenleben mit der migrantischen Bevölkerung bekannt. Aber wie funktioniert diese beispielhafte Inklusion? Welche Herausforderungen der Alltag in einer derart heterogenen Gesellschaft an uns stellt, das erlebe ich derzeit im Grandhotel Cosmopolis und leider auch, dass wir nicht gleich sind, z.B. hinsichtlich Sprache und Asylrecht. Aber wir sollten uns bewusst und entschieden dafür einsetzen, dass wir uns mehr und mehr annähern. Eine Reihe ausgewählter Erlebnisse werden zu Performances, die sich mit ihren Fragen an Sie wenden: Was haben wir in dieser Gesellschaft zu teilen?

Präsentation der Performances zwischen dem 19. - 29. Juli 2014 im Rahmen des Augsburger Friedensfestes. Details zu den Performances finden sie hier (PDF)

Foto: The Grand Beauty Salon.


Treffen der AG „Wilder Osten“ in Wrocław/Breslau vom 30.04. bis 04.05.2014

Aufgrund der freundlichen Unterstützung der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung hatten die Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe "Wilder Osten" des Studienwerkes die Möglichkeit, Ostmitteleuropa nicht nur wissenschaftlich aus der Ferne zu betrachten, sondern konnten bei ihrem Treffen in der Stadt Wrocław/Breslau ein kleines Stück Polen auch selbst erfahren und kennenlernen.

"Protest in Ostmitteleuropa" lautete das Thema für das zweite Jahrestreffen der AG, die sich seit 2013 schwerpunktmäßig mit gesellschaftlichen Themen in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa auseinandersetzt. Für eine Beschäftigung mit Protest- und Widerstandskultur bot sich ein Treffen in Polen aufgrund der dortigen, weit zurück reichenden Protest- und Widerstandstradition geradezu an. Insgesamt gestalteten die Stipendat/innen ein abwechslungsreiches inhaltliches Programm mit unterschiedlichen Darstellungs- und Arbeitsformen. Viele der von den Teilnehmer/innen eingebrachten Vorträge beschäftigten sich mit Polen, aber es wurden auch Protestphänomene in anderen ostmitteleuropäischen Ländern, wie zum Beispiel im Baltikum, in Rumänien und Ungarn, vorgestellt.

Thematisiert wurden etwa der Warschauer Ghetto-Aufstand 1943, die oppositionelle Gewerkschaftsbewegung Solidarność sowie Untergrundliteratur und musikalischer Protest zu Zeiten der polnischen Volksrepublik.

Auf einer von zwei Stipendiatinnen organisierten Stadtführung durch Wrocław erkundete die Gruppe die vielschichtige Geschichte der Stadt und setzte sich im Anschluss an einen Besuch des örtlichen Stadtmuseums mit der wechselhaften Darstellung geschichtlicher Ereignisse und insbesondere mit der Musealisierung von Protest auseinander. Wrocławer Regionalgeschichte wurde durch die kleinen, überall in der Stadt zu findenden Zwergenstatuen greifbar, die an die "Orangene Alternative", eine künstlerisch-kreative lokale Protestbewegung der 1980er Jahre, erinnern.

Foto: © Nastasja Ilgenstein


"NO PASARAN ...du bist keine Bestie - du bleibst Mensch. Darum geht es."

"Wofür habt ihr gekämpft ?" Diese Frage lässt den 96-jährigen Österreicher Gerhard Hoffmann sehr nachdenklich werden: "Also, das lässt sich in wenigen Worten nicht sagen."

"NO PASARAN" macht sich auf die Suche nach Antworten - auf einer Reise quer durch Europa, zu den letzten Zeit-zeugInnen, die im Spanischen Bürgerkrieg und im 2. Weltkrieg gegen den Faschismus gekämpft haben.

Im Zentrum des Dokumentarfilms stehen die Lebenswege und persönlichen Schicksale von Gerhard Hoffmann (Österreich), Rosario Sanchez Mora (Spanien), Herman Scheerboom (Niederlande), Kurt Julius Goldstein (Deutschland), der Brüder Joseph und Vincent Almudever (Frankreich) und von Giovanni Pesce und seiner Frau Onorina Brambilla Pesce (Italien). Als sie sich als Freiwillige gemeldet hatten, waren sie fast alle noch Jugendliche. Doch keiner von ihnen hatte damit gerechnet erst nach einer oft 10-jährigen Odyssee über die Schlachtfelder Europas und durch Konzentrations- oder Vernichtungslager nach Hause zurückzukehren.

Die ZeitzeugInnen erzählen ohne Pathos, aber eindrucksvoll und bewegend, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Sie berichten aus der Perspektive von Menschen, die in den Strudel epochaler Ereignisse, für deren Anlässe und Bedingungen sie nicht verantwortlich waren, hineingezogen wurden.

"NO PASARAN“ wird Ende Juni 2014 veröffentlicht. Die Deutschland-Premiere des Films geht - vor dem Hintergrund der 75. Jahrestage des Endes des Spanischen Bürgerkriegs und des Beginns des 2. Weltkriegs - in Berlin über die Bühne: Am 5. Juli 2014, um 19.30, im Kino Central, Rosenthaler Str. 39.


Deutsch-griechische Kulturarbeit, ein Blick hinter die Maske

Wenn, wie gegenwärtig in Griechenland, institutionelle Wege mehr und mehr wegbrechen, ist Graswurzelarbeit gefragt, die im regionalen Raum am Zusammenhalt wirken kann. Das Projekt eines Maskenspiels wird Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, die etwas zusammen gestalten möchten. Masken, Regie und Kostüme kommen aus Hamburg, Laien-Schauspieler und Bühnengestaltung von der Kykladeninsel Tinos, einem Wallfahrtsort und Zentrum für Bildhauerei seit dem 19. Jahrhundert.

Nach Training (2014), Improvisation und Probenarbeit (2015) wollen sich alle im Juli/August 2016 mit ihrer Produktion am alljährlichen Tinos-Festival beteiligen. Dann wird ein kleines Orchester aus deutschen und griechischen Musikern die Schauspieler begleiten und anfeuern. Griechen und Deutsche werden während dieser drei Jahre auf verschiedenen Ebenen eng miteinander kooperieren. Die Maske wird diesen Prozess durch ihre Eigenschaften unterstützen, weil sie ein archaisches, universelles Instrument ist, ohne Sprachbarrieren, in dessen Schutzraum Interaktion in Gang kommt. So kann das Spiel beitragen, Vorurteile und Blockaden, die seit der Krise herumgeistern, aufzulösen und die gemeinsame kulturelle Basis lebendig machen.


Unterstützung der AG "Wilder Osten"

Die AG Wilder Osten beschäftigt sich im Jahr 2014 mit dem Thema "Revolution. Bewegung. Widerstand. Protest in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa. Ursachen, Formen und Folgen". Unser zweites AG-Treffen 2014 wird vom 1.-4. Mai 2014 in Wrocław/Polen stattfinden und sich thematisch mit

Ostmitteleuropa, v.a. mit Polen befassen. Wir werden uns einerseits theoretisch mit Protestursachen, -formen, -folgen aber auch konkreten polnischen Beispielen auseinandersetzen und uns andererseits vor Ort mit ExpertInnen treffen, mit denen wir über die lange Tradition polnischen Widerstands und insbesondere über die Solidarność-Bewegung diskutieren möchten.

Dem Thema werden wir uns bei unserem Treffen mit unterschiedlichen Methoden nähern: einen lockeren Einstieg bilden ein (Wieder-) Kennenlernen mit inhaltlichem Brainstorming und anschließender Textdiskussion. Danach stehen verschiedene, von uns selbst gestaltete Kurzvorträge mit anschließender Diskussion im Vordergrund. Als wissenschaftlicher Gast wird der Leiter des Instituts für Nationales Gedenken in Wrocław, Robert Żurek, mit uns über "Kirche und Protest in Polen" diskutieren. Hinzu kommen Textarbeit und Podiumsdiskussion, eine Simulation der Verhandlungen am Runden Tisch 1989 sowie ein thematischer Stadtspaziergang zur "Orangen Alternative" der 1980er. Ein gemeinsamer Filmabend mit Diskussion (Volker Schlöndorf – Strajk, die Heldin von Danzig) sowie ein Treffen mit den lokalen Grünen runden das Programm ab.


DIE KUNST DER ILLEGALITÄT / Η ΤΕΧΝΗ ΤΗΣ ΑΝΟΜΙΑΣ / THE ART OF LAWLESSNESS

Urheber/in: Institute for Live Arts Research. All rights reserved.

Eine Veranstaltung des Institute for Live Arts Research |Π|

Athen, Griechenland, 20.-22.03.2014

DIE KUNST DER ILLEGALITÄT setzt sich aus kleineren Sitzungen in privaten Wohnungen, einer öffentlichen Diskussion und einer künstlerischen Präsentation zusammen. Ausgehend von der griechischen "Ausnahmesituation", so wie sich jetzt gestaltet und entfaltet, möchten wir mit Politikwissenschaftlerinnen, Soziologen, Rechtswissenschaftlerinnen, Aktivisten, Künstlerinnen, Psychiatern etc. Fragen unter anderem über die Macht des Gesetzes, über die Möglichkeit von Gerechtigkeit, über gesetzlose bzw. autonome Räume erörtern. Wenn tatsächlich die 'Institution des Gesetzes' mit einem performativen (bzw. interpretativen) Gewaltstreich (coup de force) einhergeht (Jacques Derrida), dann liegt es nahe zu fragen, durch welche Handlungen und Aktionen das Gesetz speziell in einer Ausnahmesituation herausgefordert wird, warum und mit welchen Folgen.

Der Veranstaltung soll auch eine Publikation folgen.

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung finanzieren das Abschlussevent in Athen, bei dem die Ergebnisse in Form künstlerischer Arbeiten präsentiert werden.


"Hadi Tschüss" – ein Dokumentarfilm über die Rückkehr in ein Land, dass oft nur Heimat der Eltern war

Über ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass der Ruf nach Arbeitskräften Menschen aus der Türkei in die junge Bundesrepublik brachte. Mittlerweile ist die Zahl der Einwanderer rückläufig, besonders viele Türkeistämmige kehren zurück. Doch was treibt diese Menschen an, in ein Land zu ziehen, an das sie oft nur noch Kindheitserinnerungen haben. Was bringt sie dazu eine mühsam aufgebaute Existenz zugunsten einer unsicheren Heimat verheißenden Zukunft aufzugeben? Fehlte ihnen das "Heimatgefühl" in Deutschland? Welchen Blick haben diese Menschen nun auf die türkische Kultur und Lebensart? Hätten sie bleiben wollen, wenn die deutsche Gesellschaft sie offener empfangen hätte?  Im Dokumentarfilm "Hadi Tschüss" erzählen Münevver, Ruhan, Derya, Emine und Necip abseits der deutschen Integrationsdebatte von ihren ganz persönlichen Grenzgängen zwischen der Türkei und Deutschland. Alle fünf haben einen Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht um sich dann doch für eine Rückkehr in das Land ihrer Geburt beziehungsweise die Heimat ihrer Eltern, in die Türkei, zu entscheiden.

Die Filmemacher Anne Denkinger und Matthias Ditscherlein haben sie über ein Jahr in ihrem Leben im Großraum Izmir in der Türkei begleitet und Menschen erlebt, in denen oft zwei Herzen schlagen. Viel konnten Sie dabei lernen über das Gefühl zwischen Deutschland und der Türkei hin und her gerissen zu sein, über deutsche Tugenden, türkische Herzlichkeit und die Chancen sich im kulturellen Fundus zweier Länder zu bedienen.

"Hadi Tschüss" befindet sich derzeit in der Postproduktion und soll im Spätsommer 2014 Premiere feiern.


183 Tage - Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965)

Fünfzehn Jahre gingen ins Land der Täter, bis eine deutsche Staatsanwaltschaft erstmals systematische Ermittlungen gegen Angehörige der Lager-SS von Auschwitz einleitete. Der vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer initiierte Frankfurter Auschwitz-Prozess, der 183 Verhandlungstage andauerte, hat für die deutsche und die internationale Öffentlichkeit eine überragende Bedeutung erlangt. In dem Verfahren kam die Stimme der Opfer zu Gehör. 211 Auschwitz-Überlebende sagten in Frankfurt/M. aus. Sie schilderten in allen Einzelheiten die Selektionen auf der Rampe, die Torturen des Lageralltags, den tagtäglichen Überlebenskampf, den nur wenige Davongekommene gewannen. Mit den Verbrechen in Auschwitz konfrontiert, konnte die deutsche Öffentlichkeit nicht umhin, sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Der Film, neben einer Kinoversion auch als Fernsehserie in 6 Teilen angelegt, versteht sich als Beitrag zum Verständnis, wie Zivilisation funktioniert. Dass sie just dort war und weiterhin ist, wo sie sich die Form des Auschwitz-Prozesses gegeben hat. Es geht um die Pathologie gesellschaftlicher Prozesse, um die Frage nach dem Ganzen und der Rolle des Einzelnen darin.


ICH DIENE DEUTSCHLAND

das hast du doch gewusst! (Dokumentartheater)

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, doch wie steht es mit der Liebe in Kriegszeiten? Wenn der Partner in den Krieg zieht: Was für ein Leben führen Ehefrauen, Freundinnen, Lebensgefährtinnen, wenn der Mann für Monate in den Kriegseinsatz geht? Die Regisseurin Britta Benedetti, die Schauspielerin Vanessa Daun und ein Filmteam haben Interviews mit Soldatenfrauen unterschiedlichen Alters geführt und gefilmt. Ein Abend, der die Interviews als Filmclips auf die Bühne projiziert. Die Bühne: Stahlgerüst und Flexi-band. Die Schauspielerin: dazwischen. Sie singt, tanzt, spielt,  kommentiert und begleitet. Welten die sich treffen. Was ensteht, ist erlebter Diskurs. UND IMMER WIEDER DIE FRAGE NACH DEM EIGENEN UMGANG MIT LEBEN

Ein intermediales Bühnenprojekt der Sinne über Sinn und Sinnlosigkeit von Krieg.

 

"STILLE WASSER - Boys Do Cry"

"STILLE WASSER - Boys Do Cry" ist ein Stück über das Leiden der Männer. Männer führen Kriege und Konzerne, sie erobern Frauen und den Weltraum. Das ist offensichtlich. Aber welche Kämpfe sie mit sich selbst führen und woran sie leiden, das kommt selten an die Oberfläche. Wissenschaftliche Forschungen zeigen jedoch alarmierende Ergebnisse und das schon seit geraumer Zeit: Männer leben kürzer, sind öfter krank, schon als Kinder schlechter in der Schule und gewalttätiger. "STILLE WASSER - Boys Do Cry" setzt sich mit der Situation und der Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft auseinander. Die Theatermacher/innen sagen: Männer sind nicht glücklich. So wie sie sein sollen, wollen sie vielleicht gar nicht sein, aber wie denn dann? Willkommen in der Männerbewegung! Um eine frische Sicht auf männliche Verhaltensmuster zu ermöglichen, werden vier Frauen auf der Bühne agieren.


Ensemble Moxos

Das Ensemble Moxos steht beispielhaft für die einzigartige geschichtliche Entwicklung in Bolivien und die daraus hervorgehende Verbindung folkloristisch-traditioneller, indigener Elemente mit europäischen Einflüssen aus Kultur, Religion und Musik. Die Musiker und Musikerinnen stammen aus dem kleinen Dorf San lgnacio de Moxos, dessen Bevölkerung größtenteils der indigenen Ethnie der Moxeños angehört. as Ensemble Moxos entstand aus einer Initiative, die sich die Bewahrung und Aufwertung des geschichtlichen und kulturellen Erbes der Moxeños zum Ziel gesetzt hat. Heute besteht das Ensemble aus rund 20 Musikern und Musikerinnen im Alter von 12 bis 27 Jahren. Durch seine Musik versucht das Ensemble, die Identität der indigenen Gemeinschaft und die Erinnerung an die eigene Kultur zu erhalten und weiterzutragen. Aus ihren Melodien spricht zugleich ihre Geschichte, die sie auch für kommende Generationen bewahren. An das Ensemble angegliedert ist eine Schule, die etwa 200 Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, dort eine professionelle musikalische Ausbildung zu erhalten. Dieses Jahr im November werden die jungen Musiker und Musikerinnen im Rahmen einer Europatournee zum zweiten Mal in Berlin auftreten. Dies ermöglicht ihnen, ihr kulturelles Erbe sichtbar zu machen und zu teilen. Die Freundinnen und Freunde finanzieren einen Teil des Berlin-Aufenthalts.


Aufwachsen mit dem Koffer auf dem Schrank: Ein Buchprojekt

Rechteckig, eher unscheinbar und immer einsatzbereit - der Koffer wurde für etwa eine halbe Million Kinder der türkischen Gastarbeiter zum Symbol ihres Lebens. So auch für Ebru Taşdemir, die mit dem berüchtigten Koffer auf dem Schrank aufwuchs. Das Buch „Koffer Eltern. Zwischen Heimat und Arbeitsplatz“ spricht ein Thema an, das in vielen (türkisch-deutschen) Familien bisher tabuisiert oder zumindest nicht ausreichend besprochen und ausgesöhnt wurde.

Kinder, die bei Verwandten zurückgelassen werden; Eltern und Kinder, die sich nur in den Ferien sehen; das Pendeln zwischen zwei Orten, das die Betroffenen nirgendwo ankommen und einen wichtigen Teil des eigenen Lebens stets vermissen lässt – dies und vieles mehr sind Nebenwirkungen der Arbeitsmigration, die ein Teil unseres modernen Lebens geworden ist. In diesem Buch kommen neben den Kindern der „Gastarbeiter“ auch die Väter und Mütter mit ihrer Perspektive zu Wort, so dass ein Dialog zwischen den Generationen stattfindet.

Die Autorin suchte deutschlandweit betroffene Menschen auf und kam mit ihnen ins Gespräch. Ihr Buch liefert einen wichtigen Beitrag zur Migrationsgeschichte, in der dieser Aspekt noch immer kaum beleuchtet wurde. Die Freundinnen und Freunde finanzierten die Recherche und die Interviews für das Buchprojekt.

„Koffereltern. Zwischen Heimat und Arbeitsplatz“ von Ebru Taşdemir
ISBN 978-3-936937-42-8,
Erscheint im September 2013


Theaterprojekt in Kirgisien „Helden: meet my hero“

Das Projekt ist eine Begegnung von Theaterschaffenden aus Deutschland und Kirgisien. Die Teilnehmenden sind sowohl professionelle Schauspieler, als auch Menschen mit Behinderung, die ihre ersten Schritte auf eine Theaterbühne wagen. Damit wird ein erster und wichtiger Schritt für die künstlerische Integration von Menschen mit Behinderung in die Theaterarbeit in Kirgisien versucht.

 Die Arbeit will den Prozess im Detail hervorheben. Aufeinander zugehen und den Helden in sich und im Anderen zu entdecken, ist das Thema. Die künstlerische Arbeit schützt das Fragment und schafft Raum für ein ehrliches, authentisches Theater. Diese Herangehensweise ist in Kirgisien noch nicht sehr verbreitet und kann schon allein dadurch eine besondere Bereicherung auch für die professionellen Schauspieler werden.

Das Projekt „Meet my Hero“ will dazu beitragen, die Situation von Menschen mit Behinderung in Kirgisien sichtbar zu machen. Mit den Mitteln des Theaters soll Schritt für Schritt eine Öffentlichkeit für das Thema erreicht und damit Verständnis für die Situation geweckt werden.

Die Freundinnen und Freunde unterstützen dies durch die Finanzierung eines vertrauten, einheimischen Betreuers für die Teilnehmenden mit Behinderung.


VER:play: Tierra Muerta

Die Company „VER:play“ versteht sich als internationalen und spartenübergreifenden Zusammenschluss verschiedener Künstler. „VER:play“ will unterschiedliche Formen und Arten der Darstellung untersuchen und kombinieren, so dass eine interkulturelle, interdisziplinäre Zusammenarbeit im Vordergrund der Produktionen stehen kann. Angestrebt wird die kreative Verknüpfung unterschiedlichster Kulturräume, Traditionen und Sprachen, deren Erforschung, Umsetzung und Präsentation. Ihre aktuelle Relevanz gründet auf dem gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, weg von einer homogenen, hin zu einer heterogenen Gesellschaft Deutschlands. Darüber hinaus definiert sich das Ensemble als Teil einer globalen Bewegung, welche sich gesellschaftlichen Herausforderungen, wie Vorurteilen, Rassismus, Ausgrenzung und Integration stellt. „VER:play“ will das Publikum motivieren, Theaterkultur als Interkultur zu verstehen.

Mit der aktuellen von den Freundinnen und Freunden geförderten Produktion „Tierra Muerta“ setzt sich VER:play in Kooperation mit der „Compagnie Maelstroem“ aus Paris/Frankreich mit einem mexikanischen Stoff auseinander: Entstehen soll eine performative Umsetzung (Uraufführung), inspiriert von Kurzgeschichten des mexikanischen Autors Juan Rulfo aus dem Band „Der Llano in Flammen“. Das Stück soll in Frankreich und Deutschland gezeigt werden, bevor es nach Mexiko weiterzieht.


AiRossini: Griechisch-deutsche Zusammenarbeit in der Neuköllner Oper

© Neuköllner Oper

Anzeigentafel am FlughafenNach einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung 2012 (bei Yasou Aida, das nach einer vielbeachteten Berlin-Premiere in Thessaloniki für Aufsehen sorgte und darauf hin zum Athen-Epidaurus Festival nach Athen eingeladen wurde) entstand mit Unterstützung des Freundeskreises ein neues „griechisch-deutsches Joint Venture“mit dem Team der Beggars‘ Operas Athen: „AiRossini“ , eine „Opéra oligarchique“ zu einer Flughafeneröffnung.

Schon Rossini scheint vor fast 200 Jahren das Spektakel in Schönefeld vorausgesehen zu haben. In seiner komischen Oper Il viaggio a Reims zeigen Männern und Frauen unter Druck, was da alles möglich ist, wenn die Kutschen nicht kommen und die große Fahrt zum König platzt. Ein willkommener Anlass für die Neuköllner Oper und das Team der Beggars‘ Operas Athen, die naheliegende Parallele zum Flughafenspektakel in Berlin mit einer drastischen Neubearbeitung zu ziehen. Da aber ein ganzer Abend über deutsche Spitzenkräfte aus Politik und Baubranche zu viel der Ehre und eher ein Fall fürs Kabarett wäre, geht es in AiRossini um das schwierige Leben der Wirtschaftsführer aus der ganzen Welt (also jener, die wirklich was bewegen). Ausgerechnet von BERlin aus starten sie zur Weltkonferenz zur Lösung der globalen Probleme. Starten?  … Wenn sie nur könnten! Weil BER nicht los geht, trotz seiner 15. Verschiebung.


Filmemachen Myanmar-Deutschland: "Greener Pastures"

Tin Win Naing ist einer der ersten Student/innen der bahnbrechenden ersten und einzigen Filmschule in Myanmar, der Yangon Film School (YFS). Nun bekam er die Chance, seinen ersten Film in Eigenregie mit dem Arbeitstitel „Greener Pastures“ zu drehen.

"Greener Pastures" ("Im Schatten der Hoffnung") erzählt die Geschichte dreier Myanmarischer Familien, wie sie als Arbeitsmigrant/innen vergeblich eine bessere Zukunft im Nachbarland Thailand suchen, während sich ihre Heimat im politischen Wandel befindet. Tin Win Naing, zur Drehzeit selbst politischer Flüchtling, ist im Film durch seine persönliche Narration präsent. Das Publikum erfährt, wie sich durch das Erlebte seine Perspektive auf seine Heimat und seine Landsleute grundlegend verändert. In den Geschichten der Protagonist/innen kondensiert sich die Gesamtlage Myanmars und seiner Einwohner: Die Kolonialzeit, das Missmanagement der Regierung, Korruption und jahrzehntelange Sanktionen. Für die Mehrheit der Bevölkerung geht es nur noch um das tägliche Überleben. Es bleibt wenig Zeit für Schulbildung oder gar politisches Interesse.
 
Unterstützt von den Freundinnen und Freunden kommt Tin Win Naing für den Feinschnitt ca. einen Monat lang nach Deutschland. Dieser Besuch ermöglicht ihm zudem professionelle Treffen und Kontakte mit der internationalen/deutschen Filmindustrie, um sich ein Netzwerk aufzubauen - ein wichtiger Punkt für die berufliche Entwicklung von Tin Win Naing, einem der großen Nachwuchstalente der Myanmarischen Filmwelt, die sich nach jahrzehntelanger Abschottung derzeit auf steilem Weg nach Oben befindet.

www.greenerpastures-film.com


Dokumentarfilm: Anna und Saihou – eine Liebesgeschichte

Bild: Patrick Meyer-Clement

Saihou stammt aus Gambia und ist Asylbewerber, er darf das Bundesland Baden-Württemberg nur mit einer Genehmigung verlassen. Seine Freundin Anna wohnt in Berlin. Die beiden träumen von einer gemeinsamen Zukunft – doch um zusammen leben zu können, müssten sie heiraten. Die Behörden weigern sich, das dafür notwendige Ehefähigkeitszeugnis auszustellen. Dann der Schock: Saihou muss Deutschland binnen vier Wochen verlassen, sonst wird er abgeschoben...

Ein Dokumentarfilm von Denise Dismer über die Lebensbedingungen von Asylbewerberinnen und -bewerbern in Deutschland, über die Benachteiligung von binationalen Paaren – und über die Liebe. Die Freundinnen und Freunde fördern jetzt die Postproduktion des Films, nachdem sie im Jahr 2011 bereits die Produktionsphase unterstützt haben.


Buchprojekt: „Die ufo-Universität. Kritisch-praktische Utopieversuche zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltag“

Das interdisziplinäre Kunstprojekt "ufo-Universität" ist angetreten, in Reaktion auf die sich wandelnde und zuspitzende politische und ökonomische Agenda und deren Konsequenzen für die praktischen Lebens- und Arbeitsverhältnisse Kunst und (Geistes-) Wissenschaft als Werkzeuge neuer utopischer Entwürfe zusammenzubringen. Denen, die ihr Wohlergehen nicht im ‚unternehmerischen Selbst‘ suchten, sondern in einer Reflexion und Veränderung der Verhältnisse, galt unser Angebot. Die 'ufo-Universität' wollte in neuen Formen des gemeinsamen Engagements sowohl in den politischen Diskurs als auch im Stadtraum intervenieren - und dabei kritisch sein, ernst und praktisch werden.

In der von den Freundinnen und Freunden geförderten Veröffentlichung soll auf verschiedenen Wegen die Arbeit (und Erträge) der ufo-Universität vorgestellt werden: zum Ersten als Chronik der Gruppenarbeit und zum Zweiten mit Materialien aus dem Begleitprogramm, die nochmals inhaltlich aufgearbeitet, mit aktuellen Debatten kontextualisiert und für die Lektüre ediert wurden. Zum Dritten mit der theoretischen Reflexion des auch für die Arbeit der 'ufo-Universität' grundlegenden, aber bei weitem nicht auf sie beschränkten Verhältnisses von Kunst, Theorie und Politik. In der Publikation werden die drei Themenbereiche ‚Wissensproduktion‘, ‚Selbstorganisation‘ und ‚Partizipation‘ bearbeitet, die gleichsam in der zeitgenössischen Kunst-/theorie aktuell stark debattiert werden.

Weitere Informationen zum Projekt: www.ufo-universitaet.de


Spielfilmprojekt - "Banditen" (At)

„When I came here, I was Cyril. Now I am Cyril Solala. But soon, soon I’m gonna be Herr Cyril.“

Banditen erzählt die Liebesgeschichte der 45 Jährigen Kunstvermittlerin Sunny aus Frankfurt am Main und Cyril, einem zwischen 32 und 37 Jährigen Kongolesen. Cyril behauptet, ”by accident” in Deutschland gestrandet zu sein und lehnt die Stigmatisierung als Asylbewerber grundlegend ab. Sunny, die mit großem Widerstand auf gesellschaftliche Normen reagiert und immer auf der Suche nach neuen Impulsen ist, ist beeindruckt von Cyrils ungebrochenem Willen, es gegen alle gesellschaftlichen Erwartungen schaffen zu wollen und von seiner unermüdlichen Energie.

Seine Illegalität und unbekanntes Terrain wird zu ihrem persönlichen Abenteuer: Beide glauben, sie seien stärker als das System und strotzen vor Kraft. Doch nach und nach weicht der rauschhafte Zustand und der Glaube an den gemeinsamen Aufstieg einem Zustand der Erschöpfung. Ihre Unterschiedlichkeiten und das anfängliche Potential der Beziehung werden zunehmend zur Hürde. Trotzdem weigern sie sich aufzugeben.

Ausgehend von einer spezifischen Geschichte, die sich im nächsten Umfeld der beiden Filmemacher abgespielt hat, stellen Hannes Held und Lisa Bierwirth die Frage, was es heißt, in Deutschland illegal zu sein. Zwei Figuren, die sich gesellschaftlichen Erwartungen nicht beugen wollen, führen in eine ungewöhnliche Beziehungsgeschichte, die abseits der gängigen Klischees einen anderen Blick auf gesellschaftliche Strukturen wagt.


Film: Days Of Cannibalisim

Der Freundeskreis unterstützt die Entwicklung des Filmprojekts „Days Of Cannibalism“ von Teboho Edkins. Der Western „Days of Cannibalism“ spielt im heutigen Afrika und ist eine Mischform aus Dokumentar- und fiktionalem Film.

Der Film handelt von Globalisierung - von einem Hotel in Südchina, einer Schmugglerbande in Lesotho, die in der Bar Days of Cannibalism Karten spielt, bis hin zum gewalttätigen Viehdiebstahl tief in den Lesotho Bergen. Der Film entwickelt sich zu einer realen zeitgenössischen Geschichte des Kannibalismus unserer Tage, zu einer Geschichte über die Beziehung zwischen China und Afrika, über Machtstrukturen und über die, die von diesen betroffen sind.


„Access to Justice“ (Dokumentarfilm)

Rechtsfreie Räume mitten in Deutschland? Diplomaten genießen Immunität, doch ihren Angestellten bleibt der Zugang zum Rechtsstaat Deutschland verwehrt, selbst wenn es in ihren persönlichen Geschichten um Freiheitsberaubung, moderne Sklaverei und Körperverletzung geht. Der Film erzählt diese Geschichten und berichtet über einen beispiellosen juristischen Kampf der Betroffenen, endlich vor einem deutschen Gericht Gehör zu finden.

Buch / Regie: S. Zimmer und S. Budesheim; Produktion: Crossendfilm
Gefördert von den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung


Folgeunterstützung: Erzählcafé für Frauen in der Nähe Kabuls

„Ich freue mich sehr, dass wir damals auf so eine gute Idee wie dem Erzählcafe gekommen sind“, schreibt die Initiatorin des Projekts, Shaima Ghafury: „Und ich bin Ihnen sehr dankbar für die Unterstützung des Projektes, die die Umsetzung dieser Idee ermöglicht hat. Ich habe einen großen Unterschied bei den Frauen und jungen Mädchen als vor einem Jahr gesehen. Sie sind viel wacher und selbstbewusster geworden. Sie sagten, dass sie jetzt mehr Mut haben zu sprechen. Vor allem haben sie viel Spaß dabei. Für die Hausfrauen ist das Erzählcafe der einzige Spaß.
Eine Frau hat ihre Burka schon abgelegt. Die jungen Mädchen tragen jetzt alle Hosen mit längeren Blusen, anstatt der "Panjabis". Damit sind sie mehr wie städtische Frauen geworden. Dafür mussten sie den Wiederstand ihrer Verwandtschaft brechen.

Diesmal habe ich den Frauen „Terra Bänder“ zum Sport und ein Puzzel mitgebracht. Sie freuen sich auf den Sport und leichte Gemeinschaftsspielen sehr. Sie saugen einfach alles auf, was man ihnen sagt und empfiehlt. Natürlich gibt es dort immer noch viele Probleme. Zum Beispiel liegt eins von den großen Problemen bei einer Frau, die keine Kinder bekommen kann. Deshalb ist ihre Beziehung mit ihrem Mann nicht gut. Außerdem sind einige Hausfrauen immer noch Analphabeten, aber sie möchten das lesen und schreiben lernen.“

Für das Fortsetzen des Erzählcafes und Frauentreffpunktes fehlt seit einigen Monaten die Finanzierung. Hier haben die Freundinnen und Freunde mit ihrer Förderung geholfen. 


Buchprojekt: "Erzählen, um zu verstehen"

Die türkischen Intellektuellen, die mit dem Militärputsch 1980 nach Deutschland gekommen sind, bilden eine der drei großen Generationen türkischer Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Viele von ihnen fanden in Deutschland ein Exil, das sie teilweise bis heute nicht verlassen können.

Auch die Autorin Oya Baydar lebte nach dem Putsch 12 Jahre lang im deutschen Exil. Beide Autorinnen waren engagiert in der türkischen Demokratiebewegung der 1980er Jahre bis heute. In ihrem Buch „Erzählen, um zu verstehen“ (original: Bir Dönem Iki Kadın. Birbirimizin Aynasında) sprechen sie über die Jahre des eigenen politischen Widerstands, vom Leben im Untergrund, von Gefängnis und Exil. Ulagay und Baydar eröffnen in ihren Gesprächen über den Kampf für ein Leben in Freiheit einen persönlichen und ergreifend ehrlichen Blick auf die Welt und besonders die Türkei der letzten Jahrzehnte.

Die Freundinnen und Freunde beteiligen sich an der Finanzierung der Übersetzung ins Deutsche, die voraussichtlich im Sommer 2013 erscheinen wird.


Medizinische Versorgung für einen nigerianischen Aktivisten

Der Aktivist Zahradeen Gambo arbeitet schon seit Jahren zu Menschenrechts-Themen in Nigeria, in einem sehr schwierigen Umfeld. Er hat der Heinrich-Böll-Stiftung in Nigeria für die diesjährige Arbeit, besonders für die aktuelle Besuchstour nach Berlin, als Partner zur Seite gestanden und effektive Unterstützung geleistet. Zahradeen ist in der gesamten deutschen Gemeinde in Nigeria für seine Arbeit bekannt: Die Deutsche Botschaft hat ihn vor einiger Zeit zu einem Besuch nach Berlin eingeladen, wo er auch den Abgeordneten Volker Beck traf.
Derzeit aber ist er arbeitsunfähig: Bei einem Verkehrsunfall hat sich Zahradeen Gambo einen Fuß so gebrochen, dass eine Knochen- und Hautoperation nötig wurde. Unsere Büroleiterin in Nigeria hat eine Behandlung außerhalb Nigerias für unerlässlich gehalten, und sich gemeinsam mit der Deutschen Botschaft, dem Leiter der Deutsche Welle Haus Abteilung und anderen für eine Behandlung in Deutschland stark gemacht.
Die Freundinnen und Freunde finanzieren Zahradeen Gambo den Flug nach Deutschland, wo er im September behandelt werden kann.


Mit SOS for Human Rights nach Brüssel

Die Kampagne SOS for Human Rights richtet sich gegen Verletzungen der Kinder- und Menschenrechte an den Außengrenzen und innerhalb der der EU. Sie wurde im Herbst 2010 von acht Organisationen ins Leben gerufen: dem GRIPS Theater Berlin, den Flüchtlingsräten Berlin und Brandenburg, den Jugendlichen ohne Grenzen (JoG), PRO ASYL, GEW, Borderline Europe sowie WeGe ins Leben. Gemeinsam fordern sie: Fluchtwege freihalten! Den unerklärten Krieg gegen die Flüchtlinge beenden! Kinder- und Menschenrechte umsetzen!

SOS for Human Rights besteht aus einem gleichnamigen Theaterstück vom GRIPS Theater, einem Appell von JoG sowie Aktionen des Bündnisses. Seit November 2010 tourt das Stück (ab 12 J.) bundesweit. Die Geschichte der jugendlichen Flüchtlinge Jamila, Naisha und Kerim ermöglicht, über die Fluchtgründe, die lebensgefährlichen Reisebedingungen der Flüchtlinge und die Festung Europa aufzuklären.

Im Dezember 2012 plant SOS for Human Rights eine Fahrt nach Brüssel, um das Thema der Kampagne an zentrale Stelle zu tragen und dort ein Forum für Diskussion und Auseinandersetzung zu schaffen. Durch Aufführungen des Stücks sowie Aktionen, wie bspw. die Übergabe der Unterschriften, soll Aufmerksamkeit auf das Thema der Kampagne gelenkt werden und unter den Abgeordneten des EU-Parlaments eine größere Sensibilität für das Problem der Menschenrechtsverletzungen im EU-Kontext geschaffen werden. Die Freundinnen und Freunde finanzieren die Fotobegleitung und Filmdokumentation der Reise nach Brüssel.

Weitere Informationen unter:
www.sos-for-human-rights.eu
www.en.sos-for-human-rights.eu (engl.)


GLADT QPoC- Summerschool

In der deutschen Gesellschaft sind (queere) People of Color, Schwarze (queere) Menschen und (queere) Menschen mit Migrationshintergrund noch immer in den verschiedensten Bereichen unterrepräsentiert. Ihre Erfahrungen werden in der von weißen Menschen dominierten Gesellschaft immer wieder negiert, nicht beachtet, übergangen. Mehrfachzugehörigkeit und Mehrfachdiskriminierungen werden gesellschaftlich zu wenig thematisiert und Lebensrealitäten von QPoC somit im Alltag zu wenig Beachtung geschenkt.
 
Dem will die die Berliner Organisation GLADT eine Veranstaltungsreihe entgegensetzen, die ihre Teilnehmer empowert und die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen, zu stärken und Handlungsstrategien zu entwickeln. Im Projekt "GLADT – QPoC Summer School" werden im Sommer 2012 verschiedene theoretische und praktische Veranstaltungen von und für Queers of Color, Queers mit Migrationshintergrund und Schwarze Queers angeboten.

Folgeantrag: Mit Geschichten die Gegenwart verändern

Bosnien und Herzegowina wird sowohl aus der Innen- als auch aus der Außenperspektive oft in sehr düsteren Farben gezeichnet. Mit diesem gesellschaftpolitischen Literaturprojekt ist für Schreibende aus Bosnien und Herzegowina eine Plattform gestaltet worden, auf der sie künstlerisch aus einer persönlichen Perspektive Erlebnisse ihres Alltags darstellen, sich mit Belastendem und Hoffnungsvollen auseinander setzen und für den Betrachter greifbar machen konnten. Gleichzeitig soll das Nebeneinanderstellen von verschiedenen Perspektiven zu einem gemeinsamen Thema sowohl den Autor/innen als auch den Leser/innen ein komplexeres Bild von Bosnien und Herzegowina zeichnen als das oft (medial) transportierte Bild. Als Ergebnis der Arbeit ist ein Buch entstanden, das auch auf Deutsch übersetzt und von bosnischen Künstlern illustriert wird.

Das Projekt wurde bereits im vergangenen Jahr von den Freundinnen und Freunden gefördert – jetzt soll die fertige Arbeit lektoriert und layoutet und gemeinsam mit allen Beteiligten auf einer großen Vernissage vorgestellt werden.


Demonstration für freie Wahlen, Demokratie und Menschenrechte in Russland

 Die Heinrich-Böll-Stiftung setzt sich schon seit langem für freie Wahlen und für die Freilassung von politischen Gegangenen in Russland ein – sowohl in Berlin als auch vor Ort.
Am 4. Februar 2012 fand in Berlin eine von vielen Demonstrationen für freie Wahlen, Demokratie und Menschenrechte in Russland statt, zeitgleich mit Moskau und anderen Städten. Dabei wurde auf die deutsche Tradition der karnevalistischen politischen Satire zurückgegriffen. Zur Unterstützung dieses "politischen Karnevals" haben die Freundinnen und Freunde dafür gesorgt, dass das Organisationsteam einen Karnevalswagen nach rheinischer Tradition mieten, schmücken, beschallen und mit Karnevalspuppen bestücken konnte.


Dokumentarfilm: K 143 – Zur Stärkung der lokalen Selbstverwaltung in Bosnien

Logo der K 143, Quelle: Facebook

Der Film soll die Koalition 143 porträtieren. Diese Gruppe in der NGO-Landschaft Bosnien und Herzegowinas (BiH) zeichnet sich nicht durch eine inhaltliche Agenda aus, sondern steht für eine institutionelle Forderung, die sie an das politische System BiHs richtet: Die Stärkung der lokalen Selbstverwaltung.

Die K 143 ist ein Zusammenschluss vieler Organisationen mit unterschiedlichen Zielen. Sie alle eint die Entschlossenheit, dem in der Bevölkerung vorherrschenden Gefühl der politischen Machtlosigkeit etwas Konstruktives entgegenzusetzen. Dazu tritt die Koalition 143 für eine Reform der Entscheidungsprozesse ein. Ein wichtiger Bestandteil der geforderten Reformen ist der Machttransfer von der nationalen bzw. der Entitätsebene auf die kommunale Ebene, um sowohl die Fragen und Probleme als auch ihre unterschiedlichen Lösungen näher an die Bürger/innen zu tragen. In Gesprächen mit den Akteur/innen wollen die Filmemacher/innen erfahren, wie sie ihre Idee verbreiten und ihre Umsetzung erreichen wollen. Gleichzeitig interessieren sie auch Positionen der Bevölkerung: Wie wird die Idee der Koalition 143 aufgenommen? Trifft sie auf ein real bestehendes Bedürfnis?

Durch das Zusammenschneiden dieser unterschiedlichen Perspektiven soll eine Diskussion innerhalb des Filmes entstehen. Der der Koalition 143 immanente und handlungsleitende Gedanke der Dezentralisierung kommt dadurch symbolisch zum Ausdruck, dass die beteiligten NGOs in unterschiedlichen Städten angesiedelt sind (Sarajevo, Trebinje, Tuzla, Mostar, Banja Luka, Livno) und im Rahmen des Projekts besucht werden sollen.


Irgendwie Anders: Multimediales Tanz-Theater für Menschen ab vier Jahren

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung fördern diese Inszenierung von disdance project nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Kathryn Cave und Chris Riddell, ausgezeichnet mit dem UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz.

Kinder leben in unserer multikulturellen Gesellschaft mit ihren unterschiedlichsten Sozialisationen und müssen sich darin zurecht finden. Die Geschichte knüpft an die persönliche Auseinandersetzung an, die unsere Kinder tagtäglich mit sich selbst und anderen führen. Sie behandelt Themen wie Wahrnehmung, Identitätsfindung, Abgrenzung und Ausgrenzung, Verschiedenartigkeit, Akzeptanz und Toleranz. Die Probleme und Herausforderungen des Protagonisten "Irgendwie Anders" sind ein Synonym für das, was wir als gesamte Menschheit zu bewältigen haben.

Aus Choreographie, Musik und Video entwickelt sich eine universell verständliche Bildersprache. Ein Stück voll Übermut und Sinnlichkeit, Sinn und Unsinn, lustig, rührend und irgendwie anders...

Das Projekt schafft eine Verbindung zwischen kultur- pädagogischer Arbeit mit Kindern und dem künstlerischen Schaffensprozess. Kinder aus fünf kölner Grundschulklassen gestalten in Projektwochen mit ihrer Kreativität und ihrem Erfahrungsschatz die künstlerischen Mittel der Inszenierung, und erhalten so einen intensiven Einblick in die künstlerische Arbeit. Diese Arbeitsweise hat Modellcharakter. Das Stück soll auf eine internationale Gastspielreise gehen.

"Irgendwie Anders" findet tatkräftige Kooperationspartner in der UNESCO und der Initiative Tanz in Schulen des NRW Landesbüro Tanz.


Dokumentarfilm: Heimathafen

Bild: Helen Walter-Kurkjian.

Heimathafen ist das Portrait eines einfachen Mannes mit einem außergewöhnlichen Leben. Dieses wurde von mehreren globalen Konflikten beeinflusst – sowohl vom Genozid armenischen Volk, dem Palästina-Israel-Konflikt, dem I. + II. Weltkrieg als auch vom Libanesischen Bürgerkrieg.

In der Geschichte geht es um Verluste und Errungenschaften, Identitätswechsel, Integrationsfragen und um wiederholte Heimatsuche in der Fremde.

Das Projekt befindet sich in Entwicklung/Vorproduktion. Die Freundinnen und Freunde haben die junge Filmemacherin Helen Walter-Kurkjian bereits in der Projektentwicklung unterstützt, mit einer Reise nach Damaskus. Dort war sie mit ihrem Dokumentarfilmprojekt zum Campus des Dox-Box-Festivals eingeladen.


Dokumentarfilm: Anna und Saihou - eine Liebesgeschichte

Foto: Denise Dismer

Anna ist deutsche Staatsangehörige, Saihou Asylbewerber aus Gambia. Die beiden wünschen sich nichts mehr, als zusammen in Berlin leben zu dürfen. Voraussetzung dafür ist eine Eheschließung. Denn der Asylantrag von Saihou wurde abgelehnt, er kann jederzeit nach Afrika ausgewiesen werden. Doch wegen der bürokratischen Hindernisse ist eine Hochzeit in Deutschland so gut wie unmöglich. Jetzt will das Paar in Gambia heiraten, aber ob Saihou anschließend zurück nach Deutschland kommen darf, ist ungewiss. Die Filmemacherin Denise Dismer dokumentiert die schwierigen Lebensbedingungen von Asylbewerbern, die Ungleichbehandlung von binationalen Paaren und den Kampf eines Liebespaares für seine gemeinsame Zukunft.


Dokumentarfilm: No One Is Illegal

Vier Menschen von Hinten mit Schrift auf Rücken: "No one is illegal"Die Situation der Flüchtlinge in Griechenland ist immer wieder Thema auch in den deutschen Medien. Hier wird über die unzureichende Betreuung der Flüchtlinge, das Dranglasieren durch die Polizei und nicht zuletzt auch unerlaubte Rückstellungen in die Türkei berichtet. Immer wieder ist die Sprache von „illegalen“ Flüchtlingen. In keinem der Artikel, Reportagen und Filme wird über die persönliche Situation der Flüchtlinge gesprochen. Anna Brass und Hamon Tanin halten die Geschichten und Schicksale der jungen Flüchtlinge in Griechenland in einem Dokumentarfilm fest. Dadurch soll das eher marginalisierte Thema in die Öffentlichkeit gerückt und über die Bedingungen und Lebensumstände von jungen Flüchtlingen aufgeklärt werden.


Erzählcafe: Treffpunkt für Frauen - Kabul

Frauen in Afghanistan sind seit mehr als 30 Jahren dem Krieg und dessen Folgen ausgesetzt. Viele sind traumatisiert, viele sind Analphabetinnen. Diese Frauen haben keine Möglichkeit, sich über ihr Leiden schriftlich zu äußern und meistens auch nicht darüber zu sprechen, geschweige denn sich selbst und ihren Leidensgenossinnen zu helfen. Alles, was sie erlebt haben, bleibt in ihrem Innern verborgen, ohne dass jemand davon erfährt. Deshalb sind diese Frauen fast immer sehr traurig, ohne den Grund genau zu kennen. Außerdem haben fast alle Frauen so dramatische und oft grausame Erfahrungen in ihrem Leben gemacht, dass sie deswegen auch kaum oder keine Zuhörer für ihre Leiden und Sorgen finden. Ihre Leidensgeschichte begleitet die Frauen lebenslang, ohne dass sie jemals Gehör finden und sich jemandem anvertrauen könnten, um sich das Leid „von der Seele zu reden“. So sind sie gezwungen, alles mit sich ins Grab zu nehmen. Dem soll das Erzählcafé entgegenwirken.

Der Stadtteil Waselabad befindet sich südöstlich der Stadt Kabul. Die meisten Bewohner gehören der ärmeren Schicht der Bevölkerung an. Der überwiegende Anteil der Frauen dort sind Hausfrauen. Somit sind sie nur mit dem familiären Leben beschäftigt, soziale Kontakte sind eine Seltenheit.

Mit diesem Projekt können wir Frauen der sozial schwachen Schichten der Gesellschaft Afghanistans erreichen, die sonst von Fördergeldern für Afghanistan nie profitieren. Im Stadtteil wird das Projekt eine neue Tür für Frauen öffnen. Die Frauen werden lernen zu „erzählen“. Gerade junge Frauen werden mit Management und Organisation von Frauenarbeit zum ersten Mal in Berührung kommen. Der Treffpunkt kann für weitere gemeinschaftliche und individuelle Entwicklungen der Frauen (Computerkurse, Entspannungskurse, u.ä. …) dienen. Somit kann dieses Projekt als ein Sprungbrett gesehen werden, indem sich allmählich Grundstrukturen für die zukünftige Gemeinwesenarbeit entwickeln und etablieren werden.


Künstleraustausch: Beauty through my eyes

„Beauty through my eyes“ ist ein Austauschprojekt von sudanesischen und deutschen Künstler/innen, das Fragen der Zusammenarbeit, Vorstellungen und dem Kunstverständnis in beiden Ländern künstlerisch untersuchen möchte.

Die Pole, die in diesem Projekt aufeinander treffen, sind unterschiedlichste Auffassungen von Politik, Kultur, Religion, Ethnien und Geschlechterrolle, die jeweiligen familiären und persönlichen Hintergründe.

Das Projekt fragt, ob sich vor dem Hintergrund globaler und grenzüberschreitender Probleme des 21. Jahrhunderts Wege finden lassen, gemeinsam durch den künstlerischen Prozess menschliche Umgangsweisen zu visualisieren und zu erproben.

In einem ersten Teil reisten drei deutsche Künstler nach Khartum zur Zusammenarbeit mit den Künstlern der Sudanese Plastic Artists Union (SPAU). Im zweiten Teil reisten drei der sieben eingeladenen afrikanischen Künstler nach Deutschland. Diejenigen Künstler, die kein Visum erhalten hatten, wurden mittels Internet und Reproduktionen in den Prozess und die Ausstellung eingebunden und blieben weiter beteiligt.

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung finanzieren die Dokumentation des Austausches für eine künstlerische Nachhaltigkeit des Projektes.


Buch: Mit Geschichten die Gegenwart verändern

Bosnien und Herzegowina wird sowohl aus der Innen- als auch aus der Außenperspektive oft in sehr düsteren Farben gezeichnet. Mit diesem gesellschaftpolitischen Literaturprojekt soll für Schreibende aus Bosnien und Herzegowina eine Plattform gestaltet werden, auf der sie künstlerisch aus einer persönlichen Perspektive Erlebnisse ihres Alltags darstellen, sich mit Belastendem und Hoffnungsvollen auseinander setzen und für den Betrachter greifbar machen können.

Gleichzeitig soll das Nebeneinanderstellen von verschiedenen Perspektiven zu einem gemeinsamen Thema sowohl den Autor/innen als  auch den Leser/innen ein komplexeres Bild von Bosnien und Herzegowina zeichnen als das oft (medial) transportierte Bild. Als Ergebnis der Arbeit soll ein Buch entstehen, das auch auf Deutsch übersetzt und von bosnischen Künstlern illustriert wird.


Film: Erhobenen Hauptes

Filmszene, Foto: DocView

Arbeitsszene aus dem FilmGegenstand des Dokumentarfilmprojekts „Erhobenen Hauptes – (Über)Leben im Kibbuz Ma'abarot“ sind die Biographien von im nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Menschen, die heute im Kibbuz Ma'abarot in Israel leben. Grundlage für den Film sind Interviews mit fünf Personen, die auf ganz unterschiedlichen Wegen von Deutschland nach Israel bzw. Palästina kamen, um sich dort ein neues Leben aufzubauen.
Die Filmemacher sind dabei sowohl an der Verfolgungsgeschichte als am Weiterleben der Menschen im Kibbuz und in Israel interessiert.

Der Film von DocView, einer  Gruppe aus acht jungen Leuten, von denen die meisten noch studieren, richtet sich insbesondere an junge Menschen. Ohne das Projekt hätten die Filmemacher und all diejenigen, die den Film sehen werden, vermutlich keine Chance mehr, von den Lebensgeschichten der Protagonist/innen zu erfahren und umgekehrt hätten diese vielleicht keine Möglichkeit, ihre Geschichte anderen zugänglich zu machen – eine weitere Motivation für die Gruppe, sich mit dem Thema zu befassen.

Die Projektidee wurde von ihnen gemeinsam entwickelt und wird auch gemeinsam umgesetzt. Die Gruppe versucht, hierarchiefrei zu arbeiten und hat beispielsweise – für ein Filmprojekt ungewöhnlich – keinen Regisseur, sondern entscheidet in der Gruppe gemeinsam, welche Schwerpunkte im Film gelegt werden sollen.


Roman: Halbierte Hoffnungen - Pınar Selek

Istanbul, 1980: Nach dem Militärputsch kämpfen die jungen Istanbuler Hasan, Sema, Salih und Elif gegen die bedrückende Perspektivlosigkeit und die schmerzlichen Verluste dieser Jahre. Von ihren Wurzeln gewaltsam losgelöst, begeben sie sich auf die bewegende Suche nach sozialer und politischer Zugehörigkeit - und dem eigenen Ich.

Die Lebensreisen der vier sind geprägt vom Kampf gegen die bedrückende Perspektivlosigkeit und die schmerzlichen Verluste dieser Jahre. Die Freunde müssen sich entscheiden: der illegale, bewaffnete Kampf oder das unbescholtene Leben, die Heimat oder das Exil.

Erstmalig schildert Pınar Selek jene Zeiten durch die Augen Jugendlicher. Sie erzählt von Lebensmut und Träumen, von Menschen, die zueinander finden, und von der Fähigkeit, zu verzeihen. „Halbierte Hoffnungen“ ist aber nicht nur die Geschichte einer Generation. Pınar Selek entwirft in ihrem Romandebüt ein packendes Porträt Istanbuls - eine Liebeserklärung an „ihre“ Stadt, die wie kaum eine andere ihre Vielfältigkeit lebt.

Ein hoffnungsvolles Buch – heute aktueller denn je. Es erscheint im Oktober 2011.

Pınar Selek ist Soziologin, Autorin und Feministin, und sie versteht sich als politische Aktivistin. Seit 1998 von der türkischen Justiz als Terroristin verfolgt, lebt sie seit einigen Jahren im deutschen Exil, unterstützt u.a. von der Heinrich-Böll-Stiftung. Zurzeit lebt sie als Stipendiatin des P.E.N. Deutschland in Berlin.


Campus: Dox-Box-Festival in Damaskus

Bild: Guevara Namer (Dox-Box Organisation)

Die Freundinnen und Freunde haben der Musikerin und Filmemacherin Helen Walter-Kurkjian (Berlin/Moskau) die Teilnahme am Campus des Dox-Box-Festivals 2011 in Damaskus ermöglicht. Dox-Box ist das erste öffentliche, non-profit Dokumentarfilm-Festival in Syrien. Es wurde 2007 von unabhängigen Filmemachern in Damaskus initiiert und so eine Plattform für arabische, aber auch internationale Filmschaffende etabliert, die den kulturellen Austausch fördern soll. Da in erster Linie junge Filmschaffende und –interessierte angesprochen werden sollen, sind alle öffentlichen Veranstaltungen und Filmvorführungen kostenfrei.

Der Dox-Box-Campus ist eine Werkstatt auf Einladung. Gemeinsam mit 14 weiteren jungen Filmschaffenden hatte Helen Walter-Kurkjian dort die Möglichkeit, unter der Leitung von internationalen Mentoren aus der Dokfilmbranche (Kirsten Johnson/USA, Mikael Ostrup & Tue Stehen Muller/Dänemark, Rada Sesic/Serbien/Niederlande, u.a.) an ihrem Filmprojekt „Heimathafen“ weiter zu arbeiten und dieses Vertretern internationaler Stiftungen vorzustellen.

„Heimathafen“ spielt in Teilen in Beirut und Haifa und behandelt am Beispiel der Lebensgeschichte ihres Vaters die großen Themen Heimat und Identität. Helen über ihre Erfahrungen in Damaskus: „Besonders dankbar bin ich für die vielen konkreten Ratschläge der Mentoren zu meinem Filmprojekt. Das Zusammentreffen mit jungen arabischen Filmemachern war inspirierend und hat meinen Horizont erweitert – ich war überrascht, dass 70% der Eingeladenen junge, selbstbewusste Frauen waren.“


Kunstprojekt: FRAGILE-global performance chain journey

Bild: Urte Töpfer

Das fragile ObjektIn einer globalen Kunstinitiative geht eine Glasscheibe durch die Hände von Hunderten Künstlern einmal um die ganze Welt. Kann ein zerbrechliches Objekt in Zeiten von Emails, Chat und  Mobilität sicher um die Welt reisen, von Hand zu Hand gereicht, sich aufladend mit Geschichten und Gesichtern? Mehr als 750 Künstler aus 62 Ländern nehmen an der Kunstaktion teil. Jeder Künstler wird, wenn er oder sie im temporären Besitz des Objektes ist, damit ein unbeständiges Kunstwerk schaffen: Performance Künstlerinnen lassen Live Events entstehen, Musiker komponieren Stücke, Bildende Künstlerinnen erarbeiten das Thema der Zerbrechlichkeit in Bildern, Skulpturen oder Installationen. Die Besonderheit des Projektes liegt jedoch nicht nur im Bereich der Kunst in all ihrer Vielfalt, es untersucht in seinem internationalen Anspruch auch Phänomene wie Globalisierung und Ökologie und stellt die Frage, was Toleranz und Völkerverständigung heute für uns bedeuten. Die Reise des Objektes und der Künstler/innen wird auf der Webseite fragile-global-performance.net dokumentiert.


Film: Ankunft - Aya Kouamé

Sie kommen aus Griechenland, Spanien, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, Portugal, Marokko, Tunesien, Vietnam, aus der Türkei, aus Kuba, Mosambik, Polen, und Angola. Einige haben ihr Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, andere wegen politischer Unruhen. Manche kommen zum Studieren, aus Liebe zum Partner oder einfach nur aus Neugierde. Einige sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, die meisten sind geblieben. Sie haben Deutschlands Entwicklung miterlebt. Sie haben sich eingelebt - manche so gut, dass sie sich jetzt in ihrer eigenen Heimat fremd fühlen. Einige haben sich einen höheren Lebensstandard schwer erarbeitet, andere kämpfen um das Existenzminimum. Dennoch haben alle etwas gemeinsam: Sie erinnern sich ganz genau an ihre Ankunft, an ihre ersten Tage in Deutschland. Der Dokumentarfilm von Aya Kouamé zeigt die ersten Eindrücke von Migrantinnen und Migranten, ihre Erinnerungen an den Tag ihrer Ankunft.


Film: Die wundersame Arithmetik der Unterschiedlichkeiten

Foto: Dagmar Schultz

Portrait: Audre LordeDer Film von Dagmar Schultz und Zara Zandieh dokumentiert die Aufenthalte der afro-amerikanischen Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde in Berlin und vermittelt, welchen politischen und künstlerischen Einfluss sie in Deutschland auf die schwarzen und feministischen Gemeinschaften in einer Zeit des intensiven politischen Wandels hatte und weiterhin hat. Ein konstruktiver Umgang mit Unterschieden war eines der wichtigsten Anliegen von Audre Lorde. Mit dieser Botschaft soll der Film auch heute Diskussionen und Reflexionen in einer Vielzahl unterschiedlicher Gruppen anregen und durch den Einsatz bei Veranstaltungen zu nachhaltiger Antidiskriminierungs- und Integrationsarbeit beitragen.


Stadtteilprojekt: So nah, so fern

Das Sonderprojekt der Jugendarbeit des Deutschen Schauspielhauses bringt Kinder und Jugendliche mit deutschem und afrikanischem Hintergrund für ein interkulturelles Theaterprojekt zusammen. Gemeinsam werden sie Geschichten über Flucht, Migration und das Leben in Hamburg aufspüren und unter der Anleitung des Regisseurs und Schauspielers Patrick Abozen ein Theaterstück erarbeiten. Sie erzählen Geschichten, die manchmal aus Scheu, Fremdheit, Furcht oder Unsicherheit nicht erzählt werden, beschreiben ihr Familienleben, berichten über ihre Erfahrungen und Träume, ihre Wurzeln und ihre Traditionen. Das erarbeitete Stück wird mobil in Schulen und Stadtteilzentren auf der Veddel in Hamburg gezeigt werden. Der Regisseur Patrick Abozen arbeitet regelmäßig mit Jugendlichen verschiedener Nationen zum Thema Migration und setzt dies in Dance, Hip-Hop und Theaterperformances um. Der Freundeskreis unterstützt die Realisierung des Projekts.


AnkerReis‑Saatenbank: Vrihi - West-Bengalen

Bild: © Centre for Interdisciplinary Studies

Der indische Biologe Dr. Debal Deb gründete 1997 die erste nichtstaatliche Reis‑Saatenbank in West-Bengalen namens Vrihi (Sanskrit für “Reis”). Seitdem gelang es Dr. Deb und seinen Kollegen am Centre For Interdisciplinary Studies (CIS) dem Verlust der genetischen Diversität der Reispflanze Einhalt zu gebieten, sowie die zunehmend in Vergessenheit geratene Praxis des Saagut‑Tausches in West‑Bengalen wieder aufleben zu lassen.

Mit über 600 kultivierten, traditionellen Reissorten, die kostenlos an Bauern aus 18 Bundesstaaten ausgegeben werden, ist Vrihi heute der größte nichtkommerzielle Umschlagplatz für Reissaaten im Osten Indiens. Der Erfolg zeigt, dass sich nachhaltige Landbewirtschaftung mit traditionellen Kulturpflanzen dauerhaft gegenüber den modernen Hochleistungssorten behaupten kann, die von internationalen Agrarunternehmen aggressiv vermarktet werden. Durch die Unterstützung des Freundeskreises konnte ein Interview mit dem Gründer Dr. Deb aufgenommen werden, in dem er die Prinzipien und Visionen von Vrihi darlegt. Der Film dient der Kampagnenunterstützung des Projekts.


Film: Jalda und Anna

Jalda Rebling, Kantorin. Foto: Katinka Zeuner.

Foto von Jalda ReblingDas dokumentarische Porträt zweier jüdischer Frauen rückt unkonventionelles jüdisches Leben im heutigen Berlin in den Blick und zeigt, wie vielfältig jüdische Identitäten und Lebensweisen sind. Die Filmemacher Katinka Zeuner und Benjamin Laser porträtieren Jalda Rebling und Anna Adam, zwei Künstlerinnen, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe mit 3 Söhnen leben und sich auf vielfältige Art und Weise einsetzen, um Menschen ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu ermöglichen. Sie bieten mit Ohel Hachidusch – dem von ihnen gegründeten „Zelt der Erneuerung“ - Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen keinen Platz für sich in der großen Jüdischen Gemeinde sehen, einen Ort, um jüdisches Leben nach ihrer Fasson zu leben. Jalda und Annas Einsatz und ihre konstanten Kämpfe zur Verwirklichung ihrer Träume sind wegweisend und beispielhaft für die Suche nach Lebenskonzepten jenseits von sozialen, religiösen und kulturellen Schranken. Das filmische Porträt dieser beiden Persönlichkeiten wird in der Bildungsarbeit zu Antisemitismus sowie in Projekten für Vielfalt und Toleranz Verwendung finden.


Medizinische Versorgung für Menschen ohne Papiere: MediNetz

© MediNetz Rhein-Neckar e.V

MediNetz Rhein-Neckar e.V. ist ein Verein von Medizinstudent/inn/en aus Heidelberg und Mannheim, die sich für die medizinische Versorgung von Menschen ohne Papiere einsetzen. In Deutschland haben Menschen ohne Papiere faktisch keinen Zugang zum Gesundheitssystem und scheuen oft selbst bei schweren Krankheiten den Weg zum Arzt oder zur Ärztin aus Furcht vor der Abschiebung. MediNetz hat eine wöchentliche Sprechstunde für kranke Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung eingerichtet. Weiterhin können sich die Menschen ohne Papiere telefonisch an den Verein wenden. Die Patienten werden an kooperierende Ärzt/inn/en vermittelt und unentgeltlich behandelt, während anfällige Laborkosten vom Verein übernommen werden. 2009 ist die Anzahl der betreuten Schwangeren beträchtlich gestiegen, was zu einer hohen finanziellen Belastung des kleinen Vereins geführt hat. Die Unterstützung durch den Freundeskreis ermöglicht weiterhin eine adäquate Betreuung dieser Frauen.


Ausstellung: Kleinbäuerinnen in Bangladesch

Foto: Katharina Mouratidi

Farida Akhter ist Geschäftsführerin von UBINIG und Publizistin von Narigrantha Prabartana, das erste und einzige feministische Verlagshaus in Bangladesh. (Foto: © Katharina Mouratidi) Das Projekt besteht aus einer Foto/Textausstellung über "Nayakrishi Andolon - Die Bewegung Neue Landwirtschaft" in Bangladesch. Diese überwiegend von Frauen getragene Bauernbewegung besteht aus etwa 65.000 Familien und hat sich zum Ziel gesetzt, gesunde Nahrung nachhaltig, ohne den Einsatz von Chemie herzustellen sowie die Umwelt zu schützen. Im angeschlossenen "Nayakrishi Seed Network", dem Saatgutnetzwerk, sammeln Frauen traditionelles Wissen über tausende Reissorten und entwickeln dieses in wissenschaftlichen Versuchsreihen weiter. Traditionell ist die Bewahrung, Pflege und Weiterentwicklung der Saat in Bangladesch Aufgabe der Frauen und so wird das wiederentdeckte Wissen unter dem Motto Keep seeds in our hands - sisters! nur von Frauen an Frauen weitergegeben. Das Ausstellungsprojekt ist Teil des Zyklus "Gelebte Alternativen - Wege in eine nachhaltige, global gerechte Zukunft". Der Werkzyklus stellt sechs Städte, Dörfer, Gemeinschaften und Netzwerke aus aller Welt vor, die der ökonomischen Globalisierung  und der aktuellen Nahrungsmittelkrise auf ganz eigene Art und Weise begegnen und alternative Konzepte des nachhaltigen Wirtschaftens sowie zum Erhalt ihrer Lebensgrundlagen und der Umwelt entwickelt haben und diese umsetzen. Zur Realisierung des Projektes wird die Fotografin Katharina Mouratidi im Februar 2010 vier Wochen lang Bangladesch bereisen und die Arbeit von "Nayakrishi Andolon" sowie des "Nayakrishi Seed Network" dokumentieren.


Tschetschenisches Kulturzentrum - Berlin

Das von Migrant_innen geleitete Zentrum in Berlin bietet Beratung in Asylfragen und der sozialen Integration, organisiert Vorträge zu Menschenrechtsthemen und vermittelt kaukasische Kultur und Religionsunterricht. Besucht wird es vor allem von Kindern und Jugendlichen, die in Tschetschenien eine Atmosphäre von Krieg und Gewalt erlebten und Gewalt als einzige Methode der Konfliktbewältigung kennen lernten. Wichtige Aspekte der Arbeit des Zentrums sind die Vermittlung von Gewaltfreiheit und der gemäßigten Sufti-Tradition des Islam, die für Tschetschenien charakteristisch ist. Die tschetschenischen Jugendlichen müssen mit Heimat- und Sprachverlust und mit dem Verlust sozialer Bindungen zurechtkommen. Auf der Suche nach Lebenssinn und Identität sind radikale Formen des Islam oft nicht unattraktiv. Das Zentrum versucht diesen Prozessen und Negativerfahrungen gegenzusteuern. Die Freundinnen und Freunde unterstützen es bei dieser Arbeit mit einem Förderbeitrag, um eine kurzfristig ausgefallene Finanzierung auszugleichen.


Dokumentarfilm: The ugly kid

Der Dokumentarfilm von Lena Zimmer beschreibt die Lebenssituation jugendlicher Migranten aus Myanmar und zeigt die politische und soziale Situation im „Goldenen Dreieck“, dem Grenzgebiet von Mynmar, Thailand und Laos. Drogen- und Menschenhandel gehören zum Alltag dieser Jugendlichen, die nur schwer aus dem Zirkel von Verbrechen und Gewalt ausbrechen können. Der filmische Blick auf die Lebenszusammenhänge der jugendlichen Grenzakteure zeichnet sich durch seine vielschichtige Perspektive aus und leistet damit einen Beitrag zum Diskurs über die bisher wenig thematisierte Krisenregion des myanmarisch-thailändischen Grenzgebiets. Die Freundinnen und Freunde unterstützen die Fertigstellung des Films, der in der Bildungsarbeit zum Einsatz kommen soll.


Film: Boarderspeaking

Boarderspeaking ist ein europäisches Filmprojekt, das einmal von der Adria bis zum Baltikum gereist ist und das die „innere“ Grenze zwischen den alten und neuen EU-Mitgliedstaaten thematisiert. Es setzt sich mit Fragen von Grenzen in der Landschaft, vor allem aber auch in der Gesellschaft und in den Köpfen der Menschen auseinander. Die psychische Grenze trennt die alten Mitgliedsstaaten von den neuen. Als äußerliche Trennlinie verliert sie immer mehr an Sichtbarkeit, doch als innere Grenze bleibt sie bestehen. Sieben Europäer/innen erzählen in dem Film, wie sie „ihre“ Grenze erlebt haben: im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch zu vergessen, dem Bedürfnis nach Erinnerungen und der Notwendigkeit, sich zwischen den Relikten aus Zeiten des Kommunismus und der rasantem Globalisierung neu zu orientieren. Kern des Projektes ist die Präsentation und Diskussion des Filmes in 40 Orten entlang der ehemaligen EU-Grenzen in Zusammenarbeit mit etwa 60 lokalen Partnern in 8 Ländern. Bei den Filmvorführungen begegnen sich Bewohner/innen von beiden Seiten der Grenze, um ihre Eindrücke rund um diesen Film zu diskutieren, der direkt an sie gerichtet ist.


Ausstellung: Iran - Parastou Forouhar

Die iranische Künstlerin Parastou Forouhar stellt in der Arbeit "Dokumentation" Presseartikel, Interviews und Briefe in einen künstlerischen Kontext und geht der Inszenierung des Ritualmordes an oppositionellen PolitikerInnen durch Irans staatlichen Geheimdienst nach. Durch die Ästhetik des Ornamentalen entfaltet sich das von Gewalt und Freiheitseinschränkungen geprägte Leben im Iran. Parastou Forouhar bindet in Anlehnung an persische Miniaturmalerei Figurengruppen in ornamentale Strukturen ein. Diese entpuppen sich als Folterszenen, die sich zu pittoresken Mustern verweben, sich auflösen, um sich in immer neuen Konfigurationen wiederzufinden. Die Ausstellungseröffnung in Anwesenheit der Künstlerin in Karlsruhe durch Mir Mohammedi Stiftung Menschenrechtszentrum Karlsruhe e.V. wurde durch den Freundeskreis unterstützt.


Spiel: Quizzarabesque

Mit einem Zuschuss zur Entwicklung des Spiels Quizzarabesque unterstützt der Freundeskreis den eurient e.V. Verein für transmediterranen Kulturdialog in Leipzig. Das Quizz soll einen Anreiz schaffen, sich mit den Lebenswelten arabischer Länder und den kulturellen Hintergründen von MigrantInnen auseinanderzusetzen. Es soll Wissen über den Nahen und Mittleren Osten, Religionen, Sitten und Bräuche vermitteln, dabei Ressentiments auflösen und durch ein anderes Format in der Bildungsarbeit die Neugierde auf die Lebenswelten von MigrantInnen wecken.


Gesundheit: Koami Atcha - Stipendiat

Foto: Karl-Heinz Korn

Portrait: Koami AtchaDer Germanistikstudent Koami Atcha kam mit einem Stipendium nach Deutschland, um im Heinrich-Böll-Archiv in Köln für seine Arbeit zu Heinrich Bölls Roman "Frauen vor Flusslandschaft" zu recherchieren. Als ihn eine schwere Krankheit ereilte, musste er im Krankenhaus behandelt werden, was aufgrund einer Vorerkrankung nicht durch die Krankenkasse gedeckt war. Um diese Rechnung zu begleichen, hätte er sein Studium in Togo abbrechen müssen. Der Freundeskreis sprang ein und beglich die Rechnung für den jungen Böll-Forscher, der jetzt wieder gesund ist und sein Studium fortsetzt.


Film: Zu wissen, dass du noch lebst

Der Filmemacher Savaz Ceviz entwickelt auf der Basis des 2006 von der Heinrich-Böll-Stiftung und Memorial herausgegebenen Buches "Zu wissen, dass du noch lebst" einen Dokumentarfilm, den der Freundeskreis mit einem kleinen Beitrag unterstützt. Das Buch sammelt die Erzählungen von Kindern aus Tschetschenien über ihre Erfahrungen von Krieg, Angst, Verlust und Gewalt. Diese ergreifenden Zeitdokumente werden in dem Film von Kindern aus Deutschland vorgetragen, die in einer behüteten Umgebung aufwachsen und in dieser gezeigt werden. Durch den Kontrast will der Film für das Leid der Kinder sensibilisieren, die der Erfahrung von Krieg und Gewalt ausgesetzt sind.


Karawane 2009: Zum Glück geht es anders

Seit 1985 ist der Verein eine Anlaufstelle für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und fördert die Selbstbestimmung von psychiatrisch Kranken und das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen. Im Juli 2009 machen sich das Blaue Kamel und seine Karawane erneut auf den Weg, um auf den Wasserstraßen von Berlin über Brandenburg und Wolfsburg nach Bremen zu ziehen. Die Karawane 2009 tritt mit Veranstaltungen und Aktionen für Gleichberechtigung und Teilhabe psychisch Kranker am gesellschaftlichen Leben ein. Als Reisegesellschaft sind mit dabei: Alte und Junge, Behinderte und Nichtbehinderte, Gerade und Ungerade, Künstler, Musiker, Profis und Laien. Die Karawane 2009 hat zum Ziel, an den Karawanenstationen Aufklärungsarbeit über das Phänomen „psychische Krankheit" zu betreiben - mit Experten und allen Mitreisenden - entsprechend ihrer Fähigkeiten - als Experte in eigener Sache sich zu Wort zu melden und in das Geschehen einzubringen. Dadurch wird die Karawane 2009 ein Ort des politischen Probehandelns, des Übens, sich zu engagieren, eine Gelegenheit, krankmachende Verhältnisse und deren Verantwortliche zu kritisieren, um einen Platz in der Mitte der Gesellschaft einzufordern.


Behandlung und Seminar: Aishat Magomedova

1994 entstand das Frauenkrankenhaus Dagestan, wesentlich getragen von Dr.med. Aishat Magomedova und dem Verein „Liga zum Schutz von Mutter und Kind". Behandelt werden - für wenig oder ohne Geld - insbesondere mittellose Frauen aus den Bergen, wo kaum oder keine medizinische Infrastruktur vorhanden ist. Für ihr gesellschaftspolitisches Engagement wurde Frau Magomedova - zusammen mit anderen 1000 Frauen aus der ganzen Welt - 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert. Seit gut einem Jahr gibt es Probleme mit der Staatsgewalt, die auf eine Liquidierung des ganzen Projektes zielt. Im Mai 2008 erging ein Rechtsbescheid, der die Räumung des Hauses zum 31.12.2008 anwies. Die Vereinsmitglieder und UnterstützerInnen organisierten daraufhin eine Protestversammlung. Deren TeilnehmerInnen wurden seitdem staatlich und publizistisch verfolgt und behelligt. Aishat Magomedova ist mittlerweile körperlich und psychisch stark angegriffen. Der Freundeskreis ermöglicht ihr, mit Unterstützung des Vereins OWEN im Oktober 2008 in Berlin medizinisch untersucht und betreut zu werden und im selben Zeitraum am Netzwerk-Seminar kaukasischer und deutscher FriedensaktivistInnen teilzunehmen.


Trainings- und Mentoringprogramme: NGO No Legal Frontiers

Aus der israelischen NGO Machsom Watch, die seit sieben Jahren Menschenrechtsverletzungen an Grenzübergängen zum Westjordanland beobachtet und an die Öffentlichkeit bringt, hat sich eine neue NGO entwickelt mit dem Namen „No Legal Frontiers", die stärker eingreifen will. Da Palästinenser aus dem Westjordanland vor israelischen Militärgerichten stehen, deren Gerichtsbarkeit sich von dem in Israel praktizierten zivilen Recht unterscheidet und die Angeklagten nur unzureichende Unterstützung durch Anwälte erhalten, entwickelt „No Legal Frontiers" Workshops, die palästinensische Anwälte im israelischen Militärrecht schulen. Daneben ist eine umfangreiche Quellensammlung zum israelischen Militärrecht entstanden, die ins Arabische und Englische übersetzt wird und den Anwälten als wichtige Grundlage dient. Der Freundeskreis unterstützt „No Legal Frontiers" bei der Weiterentwicklung der Trainings- und Mentoringprogramme.


Neuauflage Roman: Ansichten eines Clowns - Albanien

Der Übersetzung des Romans „Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll ins Albanische fielen 1985 etliche Passagen der Zensur zum Opfer. Der Roman ist in Albanien auf großes Interesse gestoßen, doch seit langem vergriffen. Mit einem Druckkostenzuschuss fördert der Freundeskreis die Neuauflage des Romans mit der Übersetzung der zuvor zensierten Passagen durch einen kleinen albanischen Verlag.


Film: Strömungen - Judentum in Deutschland

Die Janusch Kozminski Filmproduktion produziert nun den dritten Teil einer Trilogie über das Judentum in Deutschland. Nachdem die ersten beiden Teile sich der Geschichte und Lebenswelt der Juden im 20. Jahrhundert widmeten, beschäftigt sich die neue Dokumentation mit jüdisch-religiösen Strömungen in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert. Die Produzenten beabsichtigen, angesichts der vielen neuen jüdischen Gemeinden in Deutschland die jüdische Religion anschaulich der nichtjüdischen und jüdischen Bevölkerung - insbesondere der Jugend - zu vermitteln. Mit einem kleinen Beitrag unterstützt der Freundeskreis das groß angelegte Filmprojekt.


Videoinstallation: Benzin - Nigeria

Benzin ist ein Projekt, bei dem eine Mehrkanal-Videoinstallation über Tauschsysteme in Lagos/Nigeria entsteht, die mit dokumentarischen und fiktionalen Mitteln realisiert wird. Benzin untersucht Funktionsweisen verschiedener Tauschsysteme am Beispiel von Lagos, einer Mega-Stadt, in der gegenläufige moderne und traditionelle Rationalitäts- und Kommunikationsformen ineinander verschränkt existieren. Das Projekt wird realisiert von Constanze Fischbeck und Daniel Kötter, die mit nigerianischen Künstlern zusammenarbeiten.


Buch: Perspektiven auf die Türkei

„Perspektiven auf die Türkei – Ökonomische und gesellschaftliche (Dis-)Kontinuitäten im Kontext der Europäisierung“ lautet der Titel eines Buchprojektes über die Türkei, das kurz vor der diesjährigen Frankfurter Buchmesse erscheinen soll. Der geplante Sammelband hat vor, die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Transformationsprozesse in der Türkei in den letzten zehn Jahren im Hinblick auf die dominanten diskursiven sowie politischen Projekte mit einem kritischen interdisziplinären Blick zu analysieren.


Übersetzung: Poem - Jizchak Katzenelson

Zoltán Halasi ist ehemaliger Stipendiat des Heinrich-Böll-Hauses in Langenbroich. Er ist ungarischer Lyriker und Übersetzer und arbeitet zurzeit an der Übersetzung von Jizchak Katzenelsons Poem „Dos lid funem ojsgehargetn jidisn folkból“. Katzenelson, in Auschwitz ermordeter jüdischer Dichter, kennt in Ungarn niemand und selbst in Deutschland ist er lediglich dank der Übersetzung von Wolf Biermann bekannt geworden. Das ins Ungarische übersetzte Poem wird im April anlässlich des Gedenktags des Warschauer Ghettoaufstandes und einer Fotoausstellung über ihn im Holocaust Zentrum Budapest vorgelesen.


Film: Zärtlichkeiten

Der Freundeskreis förderte die Realisierung des Films „Zärtlichkeiten“. Der Film handelt von schwierigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen sowie von Generationskonflikten im heutigen Polen und greift Tabuthemen wie Homosexualität, Abtreibung und AIDS auf. Als eine Mischung von Interviewszenen und inszenierten Spielfilmsequenzen wurde der Film von Curtis Burz als Ensemble-Film mit polnischen SchauspielerInnen in Krakau und Warschau gedreht. mehr»


Veranstaltungsreihe: Monday Monday - Literatur und Musik

Mit der Veranstaltungsreihe Monday Monday unterstützte der Freundeskreis eine neuartige Reihe von Komposition aus Literatur und Musik, von Lesungen und Konzerten, die in der Kulturfabrik Sachsenhausen in Frankfurt am Main durchgeführt wurden.  Einmal im Monat, an einem Montagabend, präsentierten Schriftsteller und Musiker - gleichberechtigt nebeneinander - ein „Welt-Programm“, bei dem unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Organisatoren waren die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Asien, Afrika und Lateinamerika und musikglobal frankfurt. mehr»


Nachlass: Wolfgang Ullmann

Der Freundeskreis unterstützte 2006/ 2007 die Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. bei ihrem Vorhaben, den Nachlass von Dr. Ullmann, der am 30. Juli 2004 verstarb, zu archivieren. Neben den lebensgeschichtlichen und den akademischen, theologischen Dokumenten werden auch die Unterlagen seiner publizistischen politischen Tätigkeit geordnet und öffentlich zugänglich gemacht. mehr»


Übersetzung: sprachgebunden - arabische Künstler

Der Freundeskreis unterstützte die Übersetzung von Texten für die Ausgabe „sprachgebunden“ mit dem Schwerpunktthema Arabische Literatur und Kunst, die im Dezember 2007 erscheint. Drei arabischsprachige Autorinnen und Autoren werden auf jeweils ca. 10 Seiten mit Lyrik oder Kurzprosa in Übersetzung vorgestellt. Zwei arabische Künstler übernehmen die Gestaltung des Thementeils. Mit kurzen redaktionellen Texten wird den Lesern zudem ein Einblick in das derzeitige Literatur- und Kunstgeschehen der jeweiligen Heimatländer der Beteiligten ermöglicht. mehr»


Performance: HÄMATOM - Köln

Im Rahmen der Veranstaltung anlässlich des 90. Geburtstag von Heinrich Böll und des 20.Jahrestags der Heinrich-Böll-Stiftung am 2. Dezember im Kunsthaus Rhenania in Köln wird eine Performance im Spannungsfeld von zeitgenössischem Tanz und Visual Arts aufgeführt, die Freundeskreis finanziert hat. Darin setzen sich die Künstler in Anlehnung an den Text „Mit diesen Händen“ von Heinrich Böll inhaltlich damit auseinander, wie Bölls Texte in der heutigen Zeit umgesetzt werden können.

Liegen Bölls Erinnerungen und Eindrücke aus dem 2.Weltkrieg und die unmittelbare Nachkriegszeit zugrunde, bezieht sich die Arbeit des mehrspartigen Künstlerensembles mit EXECUTION GROUND auf den Kontext aktueller Hinrichtungsstätten: den Gefangenenlagern, Auffanglagern und den in ihnen internierten Tätern und Opfern. HÄMATOM ist ein Exzerpt daraus und eine Adaption von Bölls Text.


Stipendium: From the Interior - Kamal Aljafari

Dem Künstler und ehemaligen Stipendiat des Studienwerkes der Heinrich-Böll-Stiftung, Kamal Aljafari, gewährte der Freundeskreis ein Arbeitsstipendium. Aljafari arbeitet für einige Monate in seiner Heimatstadt Ramle an der Realisierung seines Projektes „From the Interior“. Ramle ist eine kleine Stadt in Israel mit einer palästinensischen Minderheit. Mit Hilfe von Fotographie, Text und Film will Aljafari das Leben, die persönliche Haltung, Gedanken und Ängste der Menschen dort zum Ausdruck bringen. Er will den Zusammenhang zwischen den Menschen und ihren Orten, an denen sie leben, deutlich machen. Seine Arbeit wird er in einer Ausstellung präsentieren.


Dokumentarfilm: Die Vergangenheit ist ein fremdes Land

Der Freundeskreis förderte einen Dokumentarfilm der Janusch Kozminski Filmproduktion mit dem Titel "Die Vergangenheit ist ein fremdes Land – Juden in Deutschland im 21. Jahrhundert“. Der Dokumentarfilm zeigt die Hintergründe der massiven Einwanderung russischsprachiger Juden aus der ehemaligen Sowjetunion seit der Wiedervereinigung. Dieser in der europäischen Nachkriegsgeschichte einmalige Prozess hat dem jüdischen Leben in Deutschland zu einer neuen Blüte verholfen. Der Film reflektiert die Chancen dieser Einwanderungswelle wie auch die daraus resultierenden Integrationsprobleme.


Chor: Apsora - kleine Träne

Der Freundeskreis förderte das 2003 in Prag unter Leitung von Ida Kelarová ins Leben gerufene APSORA-Projekt. (Apsora ist ein Wort der Roma-Sprache und bedeutet kleine Träne.) Es besteht aus einem Chor mit über 60 ehrenamtlichen Mitgliedern und Roma-Musikern, die durch die Tschechische Republik touren. Mit den Einnahmen wird ein Roma-Projekt finanziert, dessen Ziel es ist, die Roma-Minderheit in die tschechische Gesellschaft zu integrieren und ein besseres Verständnis für ihre Kultur zu schaffen. Inzwischen wurde ein zweiter Chor in Berlin gegründet, dem der Freundeskreis bei seiner Entstehung half. mehr»


Ausstellung: Werke von Ludwig Meidner

Im Oktober 2005 richtete die Ludwig Meidner Gesellschaft e.V. zusammen mit dem städtischen Museum in Wroclaw eine Ausstellung mit Werken von Ludwig Meidner aus. Ludwig Meidner, der nach langer Vergessenheit als ein bedeutender Vertreter religiös-jüdischer Kultur auch kunsthistorisch wieder eine angemessene Wertschätzung erworben hat, wurde 1884 in der Nähe von Breslau geboren. Er besuchte in Breslau die Kunstakademie. Die Ausstellung sollte auch einen Beitrag zum deutsch-polnischen Kulturaustausch leisten. mehr»


Plakataktion im Bundestag: 10 Jahre Srebrenica

Mit der Hilfe des Freundeskreises konnte eine Gruppe bosnischer PraktikantInnen im Bundestag eine Plakataktion zum 10. Jahrestag des Massakers in Srebrenica realisieren. Am 11. August 2005 überreichten sie allen Bundestagsabgeordneten das Plakat mit der Aufschrift "Srebrenica - 11. Juli 1995 - Erinnerung für die Zukunft – 10 Jahre nach dem Genocid".


Buch: Das Vermächtnis - Wir können die Natur nicht verbessern

Der Freundeskreis unterstützte die Herausgabe des Buches “Das Vermächtnis – Wir können die Natur nicht verbessern” mit Reden und Aufsätzen von José Lutzenberger. José Lutzenberger, international als Kämpfer für Ökologie und soziale Gerechtigkeit bekannt, ist 2002 gestorben. 1926 im südbrasilianischen Porto Alegre geboren, arbeitete Lutzenberger über zehn Jahre als Agraringenieur bei BASF Deutschland, bevor er in den 70er Jahren die brasilianische Umweltbewegung mit begründete. 1988 wurde er mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und war von 1990 bis 1992 brasilianischer Umweltminister.


Medizinische Behandlung: Andrej Mironow

Mit einem finanziellen Beitrag beteiligte sich der Freundeskreis an einer Aktion für den Menschenrechtler Andrej Mironow, um ihm eine medizinische stationäre Behandlung in Deutschland zu ermöglichen. Als Mitglied der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ dokumentiert Mironow seit Jahren Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Tschetschenien und setzt sich für die Freilassung von Geiseln und Kriegsgefangenen ein. Im letzten Jahr war er von Sicherheitskräften brutal zusammengeschlagen worden. Dabei erlitt er eine schwere Verletzung am Kopf, die zu einer Hirnschädigung führte. Ohne medizinische Behandlung wäre er behindert geblieben.


Videoinstallation: Glücksgott – Berlin/Sarajewo

Das Projekt „Glücksgott – Berlin/ Sarajewo“, eine 3-Kanal-Videoinstallation von Constanze Fischbeck, förderte der Freundeskreis durch die Übernahme der Reisekosten für die beteiligten KünstlerInnen. Als interdisziplinäres Projekt im Theaterkontext wurden Portraits von BürgerInnen, Polizisten und Kriminellen der beiden Städte Berlin und Sarajewo gemacht und Geschichten über das zivile Zusammenleben in beiden Städten erzählt. Aufführungsort war in Berlin das Hebbeltheater am Ufer und in Sarajewo das Goethe-Institut InterNationes.


Foto-Ausstellung: come togehter - Israel/Palästina

Der Freundeskreis unterstützte das Zustandekommen des Fotoprojekts Israel-Palästina „come togehter“ von Dieter Schönrock. Schönrock plant eine Ausstellung mit Großfotos, die über das Leben einer Familie aus Israel und einer aus Palästina erzählen. Die Fotos sollen auf öffentlichen Plätzen in Israel und Palästina sowie in europäischen Großstädten gezeigt werden. Beide Seiten des Nahost-Konflikt sollen ein Gesicht bekommen und sich annähern können.


Stipendium: Apti Bisultanov - tschetschenischer Dichter

Dem tschetschenischen Dichter Apti Bisultanov gewährte der Freundeskreis im Januar 2003 ein Übergangsstipendium. Eine Rückkehr nach Tschetschenien wäre für ihn lebensgefährlich gewesen. Zudem konnte dadurch nach seiner Teilnahme am Internationalen Literaturfest in Berlin mit seiner Mithilfe einige seiner Texte ins Deutsche übersetzt werden.


Bild-Kauf: Grün - Projekt für Amazonien

Mit dem Kauf eines der 100 Bilder, die der Maler Michael Müller geschaffen und zu einem Bilderteppich zusammen gefügt hat, leistete der Freundeskreis einen Beitrag zur Unterstützung des Projekts GRÜN – ein Projekt für Amazonien. GRÜN, vor drei Jahren anlässlich 500 Jahre Brasilien initiiert, finanziert mit dem Verkauf der 100 Bilder sozialmedizinische Projekte, die die kulturelle Eigenständigkeit der indigenen Völker Amazoniens bewahren und weiter entwickeln helfen. mehr»


Stipendium: Said-Khassan Abumuslimov - Tschetschenischer Abgeordneter

Dr. Said-Khassan Abumuslimov, ein bekannter und bedeutender tschetschenischer Historiker, sah sich gezwungen, nach einer Vortragsreise in Deutschland, seinen Aufenthalt hier zu verlängern. Wegen seiner politischen Tätigkeit als Abgeordneter des tschetschenischen Parlaments und als Leiter der Verhandlungen mit Russland nach dem ersten Tschetschenienkrieg bestand die Gefahr, dass er bei einer Rückkehr nach Russland verhaftet werden würde. Um die Zeit bis zur Bewilligung eines Forschungsstipendiums zu überbrücken, gewährte ihm der Freundeskreis ein Übergangsstipendium für zwei Monate.


Aushilfskraft: Frank Lu - Information Center for Human Rights & Democracy

Frank Lu baute das Information Center for Human Rights & Democracy in Hong Kong auf. Dieses Informationszentrum war praktisch ein Ein-Mann-Unternehmen. Tagtäglich lieferte Frank Lu wertvolle Informationen über Menschenrechtsfragen und – verletzungen, über Arbeitskämpfe, Streiks und Unruhen in China an die Journalisten ausländischer Medien. Auch Korrespondenten deutscher Zeitungen stützten sich in ihren Berichten und Reportagen auf seine Recherchen. Bis an seine physische Grenze arbeitete er Tag und Nacht; ein Herzleiden hatte ihn ein ans Krankenbett gefesselt. Mittels unserer finanziellen Unterstützung konnte er während seines Krankenhausaufenthaltes eine Aushilfskraft einstellen und das Informationszentrum am Laufen halten.


Unterstützung: Koalition gegen Straflosigkeit - Verschwundene in Argentinien

Die Koalition gegen Straflosigkeit hatte sich mit intensiver Bildungs-, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit dafür eingesetzt, dass den deutschen und deutschstämmigen „Verschwundenen“ in Argentinien Gerechtigkeit widerfährt. Aufgrund ihrer Arbeit wurden bei der deutschen Justiz über 30 Strafanzeigen eingereicht, die sich u. a. gegen die ehemaligen Junta-Mitglieder von Argentinien richteten. Der größte Erfolg bisher ist ein internationaler Haftbefehl gegen den Ex-General Carlos Guillermo Suarez Mason. Die Koalition schaffte es auch, dass deutsche Familienangehörige endlich nach zwanzig Jahren bei der deutschen Botschaft in Buenos Aires in die Akten über „Verschwundene“ einsehen können.


Sonderpreis für Zivilcourage auf dem Balkan: Flora Brovina

Der Sonderpreis für Zivilcourage auf dem Balkan wurde am 10. Dezember 2000 zum Tag der Menschenrechte an die Ärztin und Autorin Flora Brovina aus dem Kosovo verliehen.

Damit wurde ihr langjähriger, mutiger Einsatz für die Menschenrechte, für Völkerverständigung und gewaltlose Konfliktlösungen gewürdigt. Die Kinderärztin Dr. Flora Brovina arbeitete von 1973 bis 1981 als Journalistin bei der Tageszeitung Rilindja in Prishtina. Sie war Redaktionsmitglied zweier kosovo-albanischer Frauenzeitschriften und veröffentlichte mehrere Gedichtbände. Zum Zeitpunkt der Preisverleihung saß sie noch in einem serbischen Gefängnis, verurteilt zu 12 Jahren Haft wegen „Terrorismus“.


Stipendien: Künstler/innen im Kosovo

Mit diesem sechsmonatigen Stipendienprogramm im Jahr 2000 half der Freundeskreis sechs jungen Menschen, in ihrer Heimat, im Kosovo, künstlerisch arbeiten zu können. In der prekären Lage, in der sich das Land zu der Zeit befand, war es gerade für junge KünstlerInnen nahezu unmöglich, von ihren Arbeiten leben zu können. In Zeiten des Aufbaus eines vom Krieg zerstörten Landes wie dem Kosovo standen für die Menschen ganz praktische Dinge des Alltags im Vordergrund, Kunst und Kultur traten dabei in den Hintergrund. Doch für die Entwicklung eines Gemeinwesens gehören Kunst und Kultur ebenso dazu wie der Aufbau des Schul- und Gesundheitswesens. Diese Entwicklung mit der konkreten finanziellen Unterstützung einzelner KünstlerInnen zu fördern, war das Anliegen des Freundeskreises. Von der Jury ausgewählt wurden die Malerinnen Mrika Isak Sylejmani aus Poklek,  Vjeter und Arlinda Hajrullahu aus Gjakova, die beiden Maler Klodian Valla aus Gjakova und Fitim Aliu aus Gjilan sowie Shpresa Meziu aus Mitrovica und Valon Veliqi aus Polac – Skenderaj, beide Lyriker. mehr»

 
 


 

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