Bergbaukonflikte in Peru und Kolumbien und die deutsche Verantwortung

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Bergbaukonflikte in Peru und Kolumbien und die deutsche Verantwortung

In Kolumbien und Peru wird von Seiten der Regierungen auf Bergbau als Entwicklungsmotor gesetzt. Während die Einnahmen aus dem Rohstoffabbau die Kassen der internationalen Konzerne füllen, werden die Regionen um die Minen herum von sozialen Konflikten zerrissen.

Den Preis, den der Bergbau fordert, zahlen vor allem die umliegenden Gemeinden: ihr Land, ihr Wasser, ihre Gesundheit stehen auf dem Spiel. Die langfristigen ökologischen Folgen der massiven Expansion des Bergbausektors sind nicht beziffert. Fest steht: der Bergbau verursacht gravierende Umweltschäden und stellt mehr und mehr eine Zerreißprobe für die Gesellschaften in Kolumbien und Peru dar. Im kolumbianischen Bundesstaat Guajira im Nordosten des Landes betreibt das Unternehmen Cerrejón einen der weltweit größten Steinkohletagebaue mit gravierenden Folgen für Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung im Umland. Die Macht und lokale Verflechtung des Unternehmens, das drei großen internationalen Konzernen gehört, ist immens. Die staatlichen Institutionen kommen ihren Verpflichtungen zum Schutz der Umwelt und Menschenrechte nicht nach. Die kolumbianischen Organisationen CAJAR, CENSAT und INDEPAZ begleiten verschiedene Gemeinden in der Guajira und unterstützen sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Für Deutschland ist Kolumbien einer der wichtigsten Lieferanten für Steinkohle, doch deutsche Energieunternehmen wollen ihre Lieferbeziehungen nicht offenlegen und weigern sich, aus den bekannten Menschenrechtsverletzungen die nötigen
Konsequenzen zu ziehen.

In der peruanischen Provinz Cajamarca im Norden des Landes bedrohen die Goldmine Yanacocha und das Conga-Goldprojekt die Entwicklung der Dorfgemeinschaften durch Wasserverschmutzung mit tödlichen Schwermetallen und expansiver Landnahme. Die Dörfer haben sich daher in Kommitees organisiert, um ihr Land und ihre Wasserressourcen zu verteidigen. Unterstützt werden sie dabei von der Nichtregierungsorganisation Grufides. Gold spielt weltweit – und in Deutschland – als Vermögensanlage, aber auch als Material für Geräte wie Handys oder Notebooks eine wichtige Rolle.

Die Konflikte, denen die Gemeinschaften in Kolumbien und Perú ausgesetzt sind, scheinen weit weg zu sein, sind aber direkt mit unserem Hunger nach Rohstoffen verbunden. Im
Rahmen der Veranstaltung sollen diese beiden Fälle präsentiert und die Frage nach der Verantwortung deutscher und europäischer Unternehmen und Staaten diskutiert
werden. Welche Verpflichtung hat die deutsche Politik, Menschenrechtsverletzungen, die durch deutsche Industrieproduktionen verursacht werden, zu verhindern? Was tut die Bundesregierung, um hier eine wirksame Regulierung einzuführen? Und welche Maßnahmen ergreifen die Unternehmen in Deutschland bezüglich ihrer Verantwortung entlang der Lieferkette?

Eine Kooperation von Kolko, Red Muqui, Misereor, AGEH, Informationsstelle Peru, Kampagne Bergwerk Peru, Grufides, Indepaz, Censat - Agua Viva, CAJAR

Veranstaltungsteilnehmer:

Bärbel Höhn, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages, Bündnis 90/ Die Grünen
Luis Guillermo Pérez Casas, Mitglied des Anwaltskollektivs “José Alvear Restrepo“ (CAJAR)
Tatiana Rodríguez Maldonado, Mitglied des Beirats von CENSAT Agua Viva – Friends of the Earth Kolumbien
Leonardo González, Projektkoordinator, Institut für Entwicklung und Frieden (Indepaz)

Mirtha Vásquez Chuquilin, Direktorin der Ausbildungs- und Interventionsgruppe für nachhaltige Entwicklung (GRUFIDES)

Moderation: Susanne Friess, Beraterin auf Zeit für Bergbau und Entwicklung, Misereor

Die Veranstaltung fand am 20. September 2016 in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt.

Dieser Podcast ist Teil der Serie »Böll.Mitschnitt«
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