Olympische Spiele in Brasilien: Die Kehrseite der Medaille

Podcast-Episode

Olympische Spiele in Brasilien: Die Kehrseite der Medaille

Mitschnitt der Veranstaltung vom 20. April 2016 in der Heinrich-Böll-Stiftung: https://calendar.boell.de/de/event/olympische-spiele-brasilien

Der Jubel und die Erwartungen waren groß, als Brasilien als erstes südamerikanisches Land 2009 den Zuschlag für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2016 erhielt. Zwei Jahre vorher hatte die aufstrebende Supermacht die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2014 in die Region geholt.

Vor der Weltmeisterschaft (WM) überraschten die Brasilianer/innen die Welt mit Millionenprotesten. Sie lenkten das Augenmerk u.a. auf die Kehrseite von Sportgroßereignissen: immense öffentliche Ausgaben für Baumaßnahmen, hohe Gewinne für FIFA und (multi)nationale Baukonzerne, Räumungen und Polizeigewalt. Mit Olympia hat Brasilien eine Chance, aus den Fehlern der WM zu lernen und zu zeigen, dass ein Sportgroßereignis positive Impulse für die Allgemeinheit geben kann. Doch Olympia scheint im Wesentlichen fortzusetzen, was mit der WM begann. Die Stadt Rio de Janeiro ist Spielfeld politischer und (privat)wirtschaftlicher Interessen, Politik und Bagger verdrängen weiterhin sozial schwache Bevölkerungsgruppen.

Global hat der internationale Sport mit seinen negativen Schlagzeilen an Glanz verloren: Die russische Regierung verabschiedete kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi ein Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda", was die Situation von LGBT Personen im Land verschlechterte und Proteste hervorrief, auf den WM-Baustellen in Katar herrschen widrige Arbeits- und Lebensbedingungen für migrierte Bauarbeiter, Korruptionsvorwürfe bei Sportgroßereignissen gab es zuletzt auch zur WM-Vergabe an Deutschland.

Sylvia Schenk und Dawid Bartelt diskutieren an diesem Abend über Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten der Austragungsländer und der Weltsportverbände, Menschenrechte zu schützen und Korruption vorzubeugen. Initiativen für transparente und demokratische Grundsätze im internationalen Sport wurden bereits angestoßen - doch reicht dies aus, um Menschenrechtsverletzungen bei Sportgroßereignissen zu verhindern?

Foto: Julia Ziesche, CC-BY-SA
Von rechts nach links:
Dawid Danilo Bartelt, Leiter des Brasilienbüros der Heinrich-Böll-Stiftung, Brasilien
Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport, Transparency International, Deutschland
Moderation: Bernd Pickert, die tageszeitung taz

Dieser Podcast ist Teil der Serie »Böll.Mitschnitt«
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