Einführung

Bildung und Kultur in der Heinrich-Böll-Stiftung

22. April 2008
Der Wandel der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft lässt Bildung, Wissen und Kreativität zu Schlüsselressourcen werden. Die persönliche Lebensqualität, der jeweilige berufliche Erfolg und das Niveau politischer Partizipation hängen immer stärker davon ab, ob Menschen dazu in die Lage versetzt werden, diese Ressourcen eigenverantwortlich zu stärken und in sozialen Netzwerken zu teilen. Wie verhalten sich individuelles Kalkül und öffentliches Interesse zueinander, was an Bildung, Wissen und Kreativität soll privates Humankapital, was soll öffentliches Gut sein?

Bildung wird zur Bedingung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wie unterstützen wir, dass Bildung sich nicht allein im Willen zur rationalen Kontrolle der Zukunft, sondern auch in bürgerschaftlichem Engagement und der Teilnahme an demokratischen Verständigungsprozessen ausdrückt? Bildung ist nicht nur Wissenserwerb, sie ist auch Lernen für Demokratie und Lernen durch Demokratie. Nur aus einer Kultur der Vielfalt und des wertschätzenden Miteinanders können leistungsstarke und selbständige Persönlichkeiten erwachsen.

Auch die Künste, in ihrem Spiel mit Möglichkeiten, in ihrem Vermögen zum formalen und gedanklichen Experiment, sind für die heutige Wissensgesellschaft von essenzieller Bedeutung. Eine vorpolitische Idee von kontroverser Öffentlichkeit vermittelt sich zunächst über sprachliche Zeichen, körperliche Performances, stilistische Codierungen, kurz: die Verhandlung ästhetischer Differenzen. Nur wer diese Unterschiede ernst nimmt, kann auch glaubwürdig auf das Gemeinsame drängen. Zudem führen die neu geschaffenen Freiräume der digitalen Kultur – das schnelle Austauschen von Soundfiles und Grafiken, die kollektive Arbeit an einer Enzyklopädie oder einem Remix, die globale Kommunikation über Internetplattformen – zu einem zuvor ungeahnten Ausmaß an Interaktion, das die Basis für demokratische Bewusstseins- und Willensbildungsprozesse bildet.

Nicht nur die künstlerischen Existenzformen, auch die technologischen Bestrebungen hin zu „artificial intelligence“ oder „reproductive choice“ spüren Phantasieräume an der Grenze zwischen Natur und Kultur auf, folgen Hoffnungen und Ängsten. Vom ewigen Leben im Diesseits bis zum dritten Raum der Überlagerung, Vermischung und Transformation kultureller Identitäten – die Menschen in der Wissensgesellschaft verhandeln kulturelle Vielfalt und ringen um die Frage, wie weit unser Wünschen und Wollen auch das technologisch Mögliche verwirklichen sollte. Wenn der grenzüberschreitende Diskurs von Kunst, Wissenschaft und Politik zu einigen Markierungen auf diesem tastenden Weg beitragen könnte, wäre schon viel gewonnen.

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