Euromaidan: Keine extremistische, sondern freiheitliche Massenbewegung

Proteste in KiewSzene der Proteste in Kiew am 18. Februrar 2014. Urheber: streetwrk.com. Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Der Kiewer Euromaidan ist keine extremistische, sondern eine freiheitliche Massenbewegung zivilen Ungehorsams

Wir sind eine Gruppe von Sozial- und Geisteswissenschaftlern, die sich mit ukrainischer nationaler Identität befassen, und die meisten der wenigen Experten für die postsowjetische ukrainische radikale Rechte einschließt. Einige von uns publizieren in einschlägigen Fachzeitschriften, andere beschäftigen sich in Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen mit der Beobachtung und Analyse von Fremdenfeindlichkeit in der Ukraine.

Aufgrund unserer Spezialisierung und Forschungsergebnisse sind wir uns der Problematik und Gefahren bewusst, die die Beteiligung rechtsextremistischer Gruppierungen an den ukrainischen Protesten birgt. Da wir uns jahrelang mit diesem Thema beschäftigt haben, können wir die damit verbundenen Risiken besser einschätzen als viele andere Kommentatoren. Einige unserer kritischen Berichte zu nationalistischen Tendenzen in der Ukraine haben wütende Repliken ukrainischer Ethnozentristen sowie aus der ukrainischen Diaspora im Westen hervorgerufen.

Obwohl wir den rechten Aktivitäten auf dem Euromaidan kritisch gegenüberstehen, sind wir besorgt über eine unerfreuliche Erscheinung in zu vielen internationalen Medienberichten über die jüngsten Ereignisse in der Ukraine. In etlichen Reportagen und Kommentaren wird in der einen oder anderen Weise die Rolle, der Stellenwert und der Einfluss ukrainischer Rechtsradikaler in Kiew überbewertet bzw. fehlinterpretiert. Einigen Berichten zufolge wird die ukrainische proeuropäische Bewegung von ultranationalistischen Fanatikern unterwandert, getragen oder gar übernommen. Bestimmte Kommentare erwecken den irreführenden Eindruck, dass die ukrainischen Proteste von derartigen Kräften erzeugt wurden oder gesteuert werden. Schockierende Bildmotive, markige Zitate, pauschalisierende Vergleiche und krude historische Bezüge stehen hoch im Kurs. Damit einher geht eine überproportionierte Gewichtung eines besonders sichtbaren, jedoch politisch zweitrangigen Elements im komplizierten Mosaik der unterschiedlichen Ansichten, Hintergründe und Ziele, welche die hunderttausenden Protestierenden antreiben.

Sowohl der gewalttätige als auch der gewaltfreie Widerstand in Kiew wird jeweils von Repräsentanten verschiedenster ideologischer Strömungen getragen und von Personen unterstützt, welche Probleme hätten, sich eindeutig einem bestimmten politischen Lager zuzurechnen. Nicht nur die friedlichen Protestanten, sondern auch jene, die Stöcke, Steine und sogar Molotowcocktails gegen Spezialeinheiten der Polizei sowie regierungsnahe Schlägertrupps einsetzen, bilden eine breite und dezentrale Bewegung. Die heutige Gewaltbereitschaft vieler Demonstranten ist eine Reaktion auf die wachsende Brutalität der Polizei und die Radikalisierung des Janukowitsch-Regimes. Unter sowohl den friedlichen als auch den bewaffneten Demonstranten finden sich Liberale und Konservative, Sozialisten und Libertäre, Nationalisten und Kosmopoliten, Christen, Nichtchristen und Atheisten.

Unbestritten ist, dass sich unter den gewalttätigen wie auch unter den friedlichen Protestierenden etliche Rechts- und Linksradikale finden. Jedoch spiegelt die Bewegung in gewisser Hinsicht die gesamte ukrainische Bevölkerung wieder. Die starke Betonung der Beteiligung rechtsextremer Randgruppen an den Protesten in einigen internationalen Medienberichten ist ungerechtfertigt und irreführend. Sie hat möglicherweise mehr mit dem Sensationspotential radikalnationalistischer Parolen, Symbole oder Uniformen zu tun, als mit der tatsächlichen Lage vor Ort.

Wir vermuten sogar, dass in einigen Berichten, insbesondere solcher kremlnaher Massenmedien, die übermäßige Betonung der rechtsradikalen Elemente auf dem Kiewer Euromaidan nicht auf antifaschistischen Motiven beruht. Im Gegenteil, derartige Berichterstattung ist paradoxerweise womöglich selbst Ausdruck von imperialistischem Nationalismus sein, in diesem Falle von dessen russischer Variation. Mit ihrer gezielten Diskreditierung einer der größten Massenbewegungen zivilen Ungehorsams in der Geschichte Europas liefern die russischen Medienberichte einen Vorwand für die politische Einmischung Moskaus, ja womöglich sogar für eine künftige militärische Intervention Russlands in der Ukraine, ähnlich derjenigen in Georgien 2008 (1).

Angesichts dieser Risiken bitten wir Kommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im EuroMaidan vorsichtig zu sein, da entsprechende Texte leicht von Moskaus „Polittechnologen“ instrumentalisiert werden können, um Putins geopolitische Projekte umzusetzen. Berichte, welche rhetorische Munition für Moskaus Kampf gegen die ukrainische Unabhängigkeit liefern, unterstützen womöglich unabsichtlich eine politische Kraft, die eine weit größere Gefahr für soziale Gerechtigkeit, Minderheitenrechte und politische Gleichheit darstellt, als alle ukrainischen Ethnonationalisten zusammen genommen.

Wir bitten außerdem westliche Kommentatoren, die besondere Lage der ukrainischen Nation im Auge zu behalten und die komplizierte Situation des noch jungen, fragilen Staates zu berücksichtigen, der einer ernsthaften äußeren Bedrohung gegenübersteht. Die instabile Situation des Landes und enormen Alltagsschwierigkeiten einer Übergangsgesellschaft erzeugen vielerlei destruktive und widersprüchliche Meinungen, Verhaltensweisen und Diskurse. Eine Unterstützung von Fundamentalismus, Ethnozentrismus und Ultranationalismus hat vor diesem Hintergrund manchmal mehr mit der andauernden Verwirrung und den täglichen Sorgen der unter solchen Verhältnissen lebenden Menschen zu tun, als mit ihren tieferen Überzeugungen.

Schließlich bitten wir jene, die entweder kein größeres Interesse oder kein tiefergehendes Wissen über die Ukraine haben, sich nicht ohne gründliche Recherchen an Kommentaren über die verwirrenden politischen Verhältnisse dieses Transformationsstaates zu versuchen. Obwohl wir Spezialisten sind, ringen einige von uns jeden Tag damit, die fortschreitende politische Radikalisierung und Paramilitarisierung der ukrainischen Protestbewegung adäquat zu interpretieren. Angesichts der angewachsenen Regierungsgewalt, welche als Staatsterror gegen die ukrainische Bevölkerung bezeichnet werden kann, halten mehr und mehr einfache Ukrainer wie auch Kiewer Intellektuelle friedlichen Widerstand für inzwischen wirkungslos, auch wenn sie ihn eindeutig bevorzugen würden. Reporter, welche die dafür notwendigen Mittel, Zeit und Energie haben, sollten die Ukraine besuchen und/oder sich zu den angesprochenen Themen entsprechendes Wissen anlesen. Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, mögen ihre Aufmerksamkeit auf vertrautere, unkompliziertere und weniger ambivalente Themen lenken. Dies könnte dazu beitragen, dass die bedauernswert häufigen Klischees, Irrtümer und Fehlinterpretationen in westlichen Diskussionen über die Lage in der Ukraine künftig vermieden werden.

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(1) Weiteres in Anton Schechowzows aufschlussreichem Blog zu Aktivitäten verschiedener kremlnaher Institutionen, Verbindungen und Sprecher „Pro-Russian network behind the anti-Ukrainian defamation campaign“ auf. Derer gibt es vermutlich noch mehr.

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DIE UNTERZEICHNENDEN:

Iryna Bekeschkina, Institut für Soziologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Ukraine. Forschungsgebiet: Politisches Verhalten in der Ukraine
Tetjana Besruk, Kiewer Mohyla-Akademie, Ukraine. Forschungsgebiet: Die extreme Rechte in der Ukraine
Oleksandra Bienert, PRAVO. Berlin Group for Human Rights in Ukraine, Deutschland. Forschungsgebiet: Rassismus und Homophobie in der Ukraine
Maksym Butkewytsch, „No Borders!“-Projekt des Kiewer Social Action Center, Ukraine. Forschungsgebiet: Fremdenfeindlichkeit in der postsowjetischen Ukraine
Vitaly Chernetsky, University of Kansas, USA. Forschungsgebiet: Heutige ukrainische und russische Kultur im Kontext der Globalisierung
Marta Dyczok, Western University, Kanada. Forschungsgebiet: Nationale Identität, Massenmedien und historisches Bewusstsein in der Ukraine
Kyrylo Galuschko, Institut für Ukrainische Geschichte, Ukraine. Forschungsgebiet: Ukrainischer und russischer Nationalismus
Oleksij Haran, Kiewer Mohyla-Akademie, Ukraine. Forschungsgebiet: Ukrainische politische Parteien
John-Paul Himka, University of Alberta, Kanada. Forschungsgebiet: Beteiligung ukrainischer Nationalisten am Holocaust
Ola Hnatiuk, Universität Warschau, Polen. Forschungsgebiet: Rechte Tendenzen in der Ukraine
Jaroslaw Hryzak, Ukrainische Katholische Universität Lemberg, Ukraine. Forschungsgebiet: Historischer ukrainischer Nationalismus
Adrian Ivakhiv, University of Vermont, USA. Forschungsgebiet: Religiös-nationalistische Gruppierungen in der postsowjetischen Ukraine
Walerij Chmelko, Kiewer Internationales Institut für Soziologie, Ukraine. Forschungsgebiet: Ethnonationale Strukturen in der ukrainischen Gesellschaft
Wachtang Kipiani, „Istorytschna pravda“ (www.istpravda.com.ua), Ukraine. Forschungsgebiet: ukrainischer Nationalismus und Samizdat
Wolodymyr Kulyk, Institut für politische und ethnische Studien Kiew, Ukraine. Forschungsgebiet: Nationalismus, Identität und Medien in der Ukraine
Natalja Lazar, Clark University, USA. Forschungsgebiet: Geschichte des Holocausts in der Ukraine und Rumänien
Wjacheslaw Lichatschjow, Euro-Asiatischer Jüdischer Kongress, Israel. Forschungsgebiet: Ukrainische und russische Xenophobie
Mychajlo Minakow, Kiewer Mohyla-Akademie, Ukraine. Forschungsgebiet: Russische und ukrainische politische Modernisierung
Michael Moser, Universität Wien, Österreich. Forschungsgebiet: Sprachen und Identitäten in der Ukraine
Bohdan Nahaylo, ehemals UNHCR, Frankreich. Forschungsgebiet: Ethnische Spannungen in Osteuropa und der GUS
Wolodymyr Paniotto, Kiewer Internationales Institut für Soziologie, Ukraine. Forschungsgebiet: Postsowjetische Fremdenfeindlichkeit
Olena Petrenko, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland. Forschungsgebiet: Ukrainischer Nationalismus während des Zweiten Weltkrieges
Anatolij Podolsky, Ukrainisches Zentrum für Holocaust-Studien Kiew, Ukraine. Forschungsgebiet: Neuere Genozid- und Antisemitismusgeschichte
Alina Polyakova, Universität Bern, Schweiz. Forschungsgebiet: Rechtsradikale Bewegungen
Andrij Portnow, Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland. Forschungsgebiet: Zeitgenössischer ukrainischer, polnischer und russischer Nationalismus
Jurij Radtschenko, Charkiwer Zentrum für interethnische Beziehungen Osteuropas, Ukraine. Forschungsgebiet: Ukrainischer Nationalismus während des Zweiten Weltkrieges
William Risch, Georgia College, USA. Forschungsgebiet: Ukrainische nationalistische Ideen und Politik
Anton Schechowtsow, University College London, Großbritannien. Forschungsgebiet: Rechtsextremismus in West- und Osteuropa
Oxana Shevel, Tufts University, USA. Forschungsgebiet: Ukrainische nationale Identität und Erinnerungspolitik
Myroslav Shkandrij, University of Manitoba, Kanada. Forschungsgebiet: Ukrainischer Nationalismus der Zwischenkriegszeit
Konstantin Sigow, Kiewer Mohyla-Akademie, Ukraine. Forschungsgebiet: Postsowjetische Diskurse über den „Anderen“
Gerhard Simon, Universität zu Köln, Deutschland. Forschungsgebiet: Zeitgenössische ukrainische Geschichte und Nationalitätenpolitik
Iosif Sissels, Verband der jüdischen Organisationen und Gemeinden (VAAD), Ukraine. Forschungsgebiet: Fremdenfeindliche Sprache und Antisemitismus
Timothy Snyder, Yale University, USA. Forschungsgebiet: Geschichte des ukrainischen Nationalismus
Kai Struve, Universität Halle, Deutschland. Forschungsgebiet: Ukrainischer radikaler Nationalismus und der Holocaust
Andreas Umland, Kiewer Mohyla-Akademie, Ukraine. Forschungsgebiet: Russischer und ukrainischer postsowjetischer Rechtsextremismus
Taras Wosnjak, Lemberger Magazin „Ji“, Ukraine. Forschungsgebiet: Ukrainisches intellektuelles Leben und Nationalismus
Oleksandr Sajzew, Ukrainische Katholische Universität Lemberg, Ukraine. Forschungsgebiet: Ukrainischer integraler Nationalismus
Jewhen Sacharow, Kharkiv Human Rights Protection Group, Ukraine. Forschungsgebiet: Fremdenfeindlichkeit und rassistische Gewalt in der heutigen Ukraine

Kommentare

"Angesichts dieser Risiken bitten wir Kommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im EuroMaidan vorsichtig zu sein, da entsprechende Texte leicht von Moskaus „Polittechnologen“ instrumentalisiert werden können, um Putins geopolitische Projekte umzusetzen."
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Ähh, Ok?! Und ihr seid sicher, dass ihr keine "Polittechnologen" im Dienste der geopolitischen Projekte der Grünen seid? Das soll doch hier bloß der Meinung der Grünen, welche man ja heute im Bundestag hören konnte, das Mäntelchen der Wissenschaft umlegen. Aber naja für wessen Stiftung ich arbeite, dessen Lieder singe ich auch, also nichts für ungut.
Ich finde außerdem den Schluss der hier gezogen wird komplett verwirrend. Was soll eigentlich eine "freiheitliche" Massenbewegung sein oder ist das einfach nur so eine leere Worthülse, um das Ganze in einen positiven Kontext zu rücken? Zudem sollte man die Rechten nicht verharmlosen und kleiner machen als sie sind, schließlich könnten sie die ganze Geschichte am Ende vielleicht für sich nutzen und sich an die Macht hieven, ähnlich wie die Muslimbrüder in Ägypten.

Könnte die Weltöffentlichkeit endlich erfahren, was die ganzen Maidaner dann wollen, wenn sie keine Nationalisten sind und wie von mehreren bekannten Personen, die vor Ort waren u.a. Marine Weißband, behauptet wird, sie die Oppositionspolitiker wie Klitchko nicht unterstützen? Ich höre Begriffe wie Freiheit, keine Korruption, Menschenwürde das ist alles schön, gut und wichtig, aber wie und durch wen soll das praktisch umgesetzt werden. Janukowitch soll gehen, das steht außer Frage, aber wer soll dann kommen? Bis das Land auch ein Hauch einer Chance haben wird in die EU einzutreten, werden mind. 10 Jahre vergehen, wer soll das Land bis dahin führen? Die Forderung nach Parlaments- und Präsidentschaftswahlen ist verständlich, aber bisher sieht man keine Vertretung der Liberalen und Konservativen, Kosmopoliten und Liberitären und anderen Gruppen, die ernsthafte Chancen hätten bei den Wahlen eine ernsthafte Kraft zu spielen. Also wenn die Opposition gewinnt, dann haben wir wieder Batkowschina mit starker Beteiligung der Nationalisten an der Macht. Dann haben wir die baltischen Verhältnisse mit liberal-konservativen-nationalistischen Regierung. Nur bleiben dann nicht ca. 1 000 000 Angehörige von anderen Nationalitäten am Rande der Gesellschaft wie im Baltikum, sondern ca. 18 000 000 und da ist ein neuer Maidan vorprogrammiert.

Weiterhin ist es der größte Fehler, denn man machen kann, Interessen Russlands zu ignorieren, wie dieser Aufruf suggeriert. Ohne eine Lösung, mit der Russland auch leben kann, wird keine Ruhe in der Ukraine einkehren. Im Baltikum herrscht nur deswegen verhältnissmässige Ruhe, weil man die dortigen Russen politisch, gesellschaftlich und sozial kaltgestellt hat, das schlagen sie im Prinzip auch für die Ukraine vor. Ob das gelingt steht unter einem ganz großen Fragezeichen.

Okay, ich hab verstanden. Manchmal müssen wir Schreiberlinge uns auch selbst bei der Nase nehmen. Kritik angekommen, danke! AAAABER: Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus! Denn es gibt nicht nur geopolitische Interessen Putins, sondern auch solche Berlins und Brüssels. Und die sind nicht unbedingt per se menschenfreundlich. Der Bürgerkrieg ist schon auch ein Stellvertreterkrieg zwischen Einflußsphären - der Verdacht liegt nahe, daß beiden Seiten, die da Machtgruppen in der Ukraine manipulieren, das Wohlergehen der ukrainischen Bevölkerung eher egal ist.

Sehr gut, danke für den Text!

Die Liste der Unterzeichnenden macht Eindruck, es bleibt nach dem Lesen des Textes aber ein schaler Geschmack zurück. Zugegeben, die Situation in der Ukraine ist schwer zu überblicken. Auch die Verfasser*innen gestehen ja, dass es ihnen hierbei, trotz ihrer Expertise, ähnlich ergeht.

Nun sind es aber nicht nur die Stimmen von Kommentatoren aus der ausländischen politischen Linken, sondern auch diejenigen aus der ukrainischen Linken die den Kiewer(*) Maidan für rechtslastig halten, von dem sie selbst nach eigenen Angaben durch gewalttätige Rechte vertrieben wurden. Das gilt auch insbesondere für die libertäre Linke die einer postsowjetischen Nähe zu Russland und der ukrainischen KP unverdächtig ist.

Gleichzeitig ist die Akzeptanz und Beteiligung radikaler Nationalist*innen und Neonazis für vergleichbare Proteste doch recht einzigartig. In der Oppositionstroika findet sich mit der Swoboda eine offen rechte, antisemitische Partei, deren Fahnen nahezu omnipräsent zu sein scheinen. Die Militanten einzuschätzen ist schwieriger, auch hier ließe sich auf die nahezu omnipräsente Neonazi-Symbolik rekurrieren, allerdings sind etwa auch die Besetzungen der Ministerien von rechten Gruppen geleitet worden. Von einem starken rechten Einfluss ist also auszugehen, ein linker EInfluss dagegen ist nicht auszumachen, wird von denen die ihn tragen könnten abgestritten. Von daher empfinde ich es als verharmlosend, ein politisches Kräftegleichgewicht anzudeuten. Selbstverständlich finden sich all diese Leute dort, aber eben nicht in der gleichen Offenheit und ähnlicher Anzahl. Ich stimme zu, dass Behauptungen einer Steuerung der Proteste durch Neofaschist*innen keine reelle Basis hat. Das diese sich aber so prominent an den Protesten beteiligen können, dass es eben nicht zu Abgrenzungserscheinungen kommt ist eine beunruhigende Entwicklung. Wenn diese entweder nicht gewollt oder nicht möglich sind spricht auch das für sich, und es wäre die Aufgabe der Expert*innen kritische Töne nicht nur abzubügeln sondern sie vielmehr entsprechend zu rahmen, Hintergrundinformationen zu geben die ein differenzierteres Bild schaffen. Das passiert aber nicht, die Fronten werden, aus (sicher berechtigter) Angst vor Moskau, verwischt.
Auch wenn Menschen Nazis aus einer Notlage heraus unterstützen, ist das kein Signal das Hoffnung macht, irgendetwas relativiert, sondern vielmehr ein Warnzeichen. Wir haben in Griechenland gesehen wie rapide sich Neonazis durch solche Zustände in der Gesellschaft etablieren können. Und von den Wahlergebnissen der Svoboda, bereits vor den Maidan-Protesten, träumt Chrysi Avgi noch heute. Im Gegensatz zu Griechenland scheint es, zumindest in Kiew, auch keinen organisierten Antifaschismus mehr zu geben.

Die Verfasserinnen dieses Aufrufs sagen von sich die Ereignisse besser einschätzen zu können. Da wäre es doch aber nicht zu viel verlangt, wenn sie dies auch täten anstatt sich in Pauschalisierungen zu flüchten! Ängste und Sorgen werden damit nicht zerstreut, sondern eher noch genährt. Ihre Aufgabe wäre vielmehr einen durch Quellen gesicherten und ehrlichen Überblick über das Ausmaß rechter Beteiligung auf dem Maidan und Gegenkräften zu dieser zu schaffen. So ließe sich auch russischer Propaganda einfach der Wind aus den Segeln nehmen. Ein Aufruf zum Schweigen darüber ist auch gerade im Sinne der ukrainischen Linken, für die eine Beteiligung an den Protesten zweifache Gefahr bedeutet, sofern sie als solche auftreten, nicht in Ordnung.

(*): Der In Kharkiv etwa soll im Gegenzug linkslastig sein, aber auch öfter von rechten Gruppen attackiert werden.

Google liefert keinen Treffer zu Andrij Portnow und Humboldt-Universität Berlin. Auch Variationen des Namens bringen keine Treffer auf Webseiten der HU. Eine Publikationssuche blieb auch negativ. Was ist denn Hr. Portnow in Berlin? Neuberufener Professor, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Gastwissenschaftler? Gibt´s irgendwo einen Link zu seiner Publikationsliste oder der Gruppe mit der er an der HU arbeitet?
Ist jedenfalls etwas mysteriös.....

Glauben Sie denn wirklich, sie hätten alles nach bestem Wissen und Gewissen analysiert?? Ihre (unkritische) Selbserhöhung zu sog. "Ukrainie Spezialisten" läßt in mir Zweifel an tatsächlicher Objektivität aufkommen. Diese ewige KIritik an dem "bösen" Kreml, der hier seine geopolitischen Interessen verfolgt, ist genau der Eindruck den, angefangen von Publikationen wie "Der Zeit" über Fernsehen bis hin zur Bild Zeitung und diesem Artikel in nahezu völliger Uniformität verbreitet wird. Vielleicht verfolgt Russland tatsächlich geopolitische Interessen, warum sollten sie auch nicht, bedenkt man die enge Verbindung und die strategische Bedeutung der Ukr. für Russland., bedenkt man, dass viele Menschen in der Ostrukrainie Vewandte in Russland haben, und die nun fürchten von ihnen getrennt zu werden. Russland tut mit seiner geopolitischen Einflussnahme letztlich auch nichts anderes, als was die USA in ungleich rücksichtsloserer und respektloserer Weise seit Ende des Kalten Krieges im Namen der Demokratie auf der ganzen Welt getan haben und auch heute noch tun.

Welche geopolitischen Interessen und Vorteile hätte z.B. die USA hinsichtlich der Ukrainie? Von welchen westeuropäischen und US amerikanischen Instituten, Parteien etc. fließen alles Gelder für die Belange der Opposition nach der Ukrainie? Und wer erhält Gelder aus Russland? Welche ukrainischen Oligarchen stehen wie mit dem Westen und wie mit Russland in Verbindung? Und wie sind ihre Interessen?

Dies einmal gründlich auszuleuchten wäre echte Hintergrundanalyse und würde wahrscheinlich so manch einem westlichen Demokratieapologeten, der/die sich so ungehemmt für die humanen Belange einer in Angst versetzten Bevölkerung einsetzt, in ein peinliches Licht stellen. Aber ein großes "Herz für die Menschen" in der Ukrainie zu zeigen, wenn es auch teilweise echt sein mag, ist auf jeden Fall in solch einer Situation sehr medienwirksam, und die vielen "Likes" "Thumbs ups", die das einbringt sind von großem Vorteil für das eigene, vermarktete Selbstbild.

Sorry, wenn das jetzt ein bisschen übertrieben klingt. Aber mir stößt diese Arroganz und unkrtische Selbsterhöhung der meisten unserer westeuropäischen Medien und Politiker/Innen ziemlich sauer auf. Mit dem Finger auf andere zeigen, große humane Worte verbreiten, aber das eigene Verhalten als absolut gerecht darzustellen, wirkt unglaubwürdig. Wenn Russland hier geopolitische Interessen verfolgt und dabei über Leichen geht, tut der Westen, allen voran die von einem Friedensnobelpreis geführten USA, in weitaus vollkommener Manier. Der arabische Frühling hat uns gerade davon ein eindrucksvolles Bild geliefert.

Auf dem Maidan: Ein Wald von Schwarz-Roten Fahnen (Swoboda), paramilitärische Organisationsformen ("Rechter Sektor"), Aufbau eines Bandera -Denkmals, Sprecher von Swoboda erklärt Notwendigkeit, den Kampf gegen den "judeo-russischen Einfluss" zu verstärken, Menschen mit russischer Muttersprache (45% aller Ukrainer) werden im Umfeld des Maidan gejagt und verprügelt, selbst Klitschko wird als Werkzeug dunkler ausländischer Mächte bezeichnet ....... all das sollen wir also bei der Beurteilung des Geschehens in der Ukraine vernachlässigen, vergessen und lieber der Einordnung durch die "Wissenschaft" überlassen. Diese Wissenschaft ist eindeutig PARTEI in diesem Konflikt , der sich leider Tag für Tag mehr ethnisiert und bewusst Kurs nimmt auf die Spaltung der Nation. Dieser "Wissenschaft" mag zwar peinlich sein, sich mehr und mehr als Teil einer Volksbewegung zu begreifen, in der der Einfluss ethnonationalistischer und faschistischer Organisationen von Tag zu Tag stärker wird - uns (dem Publikum) aber zu empfehlen, vor dieser Entwicklung die Augen zu verschließen, diskreditiert die Unterzeichner dieses Aufrufs grundsätzlich.

Die Hauptstadt der Ukraine ist und bleibt Kiew - nicht Brüssel und auch nicht Moskau!

T.Y.

Sie kritisieren die Überbewertung des Einflusses der rechtsgerichteten Kräfte auf die Protestbewegung in einigen internationalen Medienberichten. Was in der Berichterstattung der deutschen Medien doch sehr verwundert hat, war, dass die Rolle der rechtsextremen Kräfte von Spiegel Online über Tagessschau bis Süddeutsche Zeitung lange Zeit komplett ignoriert wurde. Da wurde bei Spon pauschal von den demokratischen Kräften gesprochen, illustriert mit Fotos von Fahnen mit stilisierten Hakenkreuzen auf den Barrikaden - und die deutsche Medienlandschaft will es einfach nicht wissen, weil es nicht in die Erzählung von den demokratischen Pro-EU-Kräften vs. gewalttätige pro-russische Diktatur passt. Ich finde diesen einseitigen Journalismus sehr befremdlich, so wenig Sympathien ich auch für Janukowitsch oder Putin haben mag. Wenn es um die Macht-Interessen der EU geht, scheint ein kritischer Blick auf die proeuropäischen Kräfte nicht opportun zu sein.

Haben Sie die "Wissenschaftler" und "Spezialisten" (wenn man sich selbst nicht lobt...), die diesen Artikel verfasst haben, die aktuellen Bilder aus Kiew überhaupt gesehen? Oder sitzen sie zufälligerweise in Europa und in den USA und verfassen derartige "wissenschaftliche" Artikel? Wenn dies eine friedliche Demonstration ist, wie kam es überhaupt zu Dutzenden Toten aufseiten der Polizei? Lassen Sie mich mal raten, auch diese Studie wurde vom Westen mitfinanziert? Ähnliche Szenarien lassen sich überall auf der Welt beobachten, wo die USA und die EU ihre Finger im Spiel hatten. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn die zerrissene Ukraine bald zum berüchtigten 51. US-Staat gekürt wird. :-D

Wer will sich denn anmaßen, zu urteilen, ob es sich bei den Protestlern um einen realen Spiegel der gesamten Bevölkerung handelt? Das ist eine Behauptung, die unmöglich zu verifizieren ist.

Zudem kritisieren Sie in Ihrem Text, diejenigen, die sich auf die radikalen Elemente berufen und bezeichnen sie in ziemlich überheblicher Weise als Instrumente "russischer Propaganda", sprechen von einem "russischen Imperialismus", der das Wirken nationalistischen Kräfte einseitig überhöht darstellt. Aus all dem spricht aber auch nicht mehr als eine rudimentäre "Kalter Krieg" Mentalität, die in ziemlich einseitiger Weise seinen anklagenden Finger gen Russland erhebt, weil letztlich nur dort der Motor der Gewalt gefunden werden kann. Und damit reiht sich auch dieser Artikel ein, in dem, angefangen von "Der Zeit" , über das Fernsehen, bis zur "Bild" ziemlich uniform verbreiteten Darstellung des Geschehens in der Ukraine.

Wenn Russland hier geopolitische Interessen verfolgt - und warum sollten sie nicht, bedenkt man die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine für Russland, bedenkt man, dass viele Menschen in Ostukraine Angehörige und Verwandte in Russland haben etc - dann tut es nicht mehr als das, was die von einem Friedensnobelpreis geführte USA in ungleich rücksichtsloserer und menschenverachtender Weise seit mindestens einer Dekade auf der ganzen Welt, im Namen der Demokratie und Humanität und mit mehr oder weniger breiter Zustimmung der EU getan hat und noch immer tut.

Welche geopolitischen Vorteile verfolgt die USA wohl in der Ukraine oder die EU? Wie viel Gelder aus dem Westen sind in den vergangenen Wochen in die Ukraine geflossen und zu wem? Welche Oligarchen in der Ukraine stehen mit Russland welche mit dem Westen in Verbindung und wie ist ihre Interessenlage? Inwieweit hat die Parteilichkeit des Westens oder Russlands zu den gegenwärtigen Ausschreitungen beigetragen?

Ich habe das Glück eine gute Bekannte in der Ostukranine zu haben. Und ihre Schilderungen darüber, was die Menschen dort denken und fühlen, ist oft so befremdlich anders, als das das von Medien gezeichnete Bild hier im Westen. Auch das spiegelt natürlich nicht "die Wahrheit" als solches wider. Unsere Politiker und Medien sollten aber endlich anfangen ihr EIGENES Verhalten kritisch zu bewerten anstatt sich in überheblicher Manier als Apologeten der Humanität und Menschlichkeit aufzuspielen, die anklagend ihren Finger gen Osten recken.

Sie lügen!!!! Hören Sie auf, zu lügen und die Menschen für volle Idioten zu halten!!!! Die Menschen wissen, dass dort Neonazisten und Antisemiten kämpfen, jeden Kompromiss anlehnen, das ist ein Putschversuch, keine friedliche Demonstration!!!!

Ja alle total friedlich dort vor allem die von den Pfaffen beweihräucherten Nazis der OUN. Ja das sind die gewalttätigen Terroristen mit der schwarz-roten Fahne.
Vergleichsweise wären dann eine Horde Neonazis die in Berlin mit Hakenkreuzfahnen und SS Runen einen Platz besetzen und Regierungsgebäude stürmen und auf Polizisten schießen für unsere Kirchenpropaganda "friedliche Demonstranten" und arme Opfer.
Auf dem rechten Auge blind wie bei NSU, da kam ja auch nicht einer auf die Idee das es rassisten sein könnten bis man sie mit der Nase in die Scheiße stieß.

Und in welchen Medien wird das mit den Faschisten überhaupt erwähnt geschweigedem überbewertet? Einfach unfassbar diese Propaganda hier.

Wenn so viele "Experten" es nicht schaffen, auch nur eine (und derer gibt es viele) ultra-rechte Organisation beim Namen zu nennen, ihre Programm und ihren Einfluss in der Bewegung zu analysieren wird doch klar, dass auch das hier (leider) ein reines Propagandastück ist.
Dann dazu aufzufordern, über die Neo-Nazis dort zu schweigen, um Russland keine Argumente zu liefern ist schlicht und einfach gefährlich:
Berichte, welche rhetorische Munition für Moskaus Kampf gegen die ukrainische Unabhängigkeit liefern, unterstützen womöglich unabsichtlich eine politische Kraft, die eine weit größere Gefahr für soziale Gerechtigkeit, Minderheitenrechte und politische Gleichheit darstellt, als alle ukrainischen Ethnonationalisten zusammen genommen."
Was dann folgt ist schlicht und einfach eine krasse Verharmlosung, die den Organisationsgrad und die ideologische Gefestigkeit der radikalen Rechten vor Ort wegschreiben willl:
"Eine Unterstützung von Fundamentalismus, Ethnozentrismus und Ultranationalismus hat vor diesem Hintergrund manchmal mehr mit der andauernden Verwirrung und den täglichen Sorgen der unter solchen Verhältnissen lebenden Menschen zu tun, als mit ihren tieferen Überzeugungen.

Als Deutscher, der mit einer ukrainischen Frau verheiratet ist, die Sprache des Landes gut versteht und spricht und seit mindestens 2003 regelmäßig mehrere Monate jährlich im Land verbringt, kann ich mich nur den Ausführungen aller meiner Vorkommentatoren vollumfänglich anschließen.

Die einseitige Ausrichtung dieses "Schriftstückes" ist unübersehbar und daher ist es ebenfalls ungeeignet, auch nur annäherungsweise den Lesern eine neutrale und gleichzeitig aufhellende Sicht auf die gegenwärtige Situation in der Ukraine zu ermöglichen .

Ziemlich unkonkret, von einer "Gruppe von Sozial- und Geisteswissenschaftlern" hätte ich zumindest ein paar Quellenangaben/Belege erwartet, um den Text besser einordnen zu können. Ich habe z.B. eher den Eindruck, das die Rolle der Rechten, insbesondere von Swoboda, in den westlichen Medien eher unterbewertet wird.
Was ich übrigens auch nicht verstehe, ist die klare Aussage in der Überschrift "Keine extremistische, sondern freiheitliche Massenbewegung", wenn man dann im Text schreibt: "Obwohl wir Spezialisten sind, ringen einige von uns jeden Tag damit, die fortschreitende politische Radikalisierung und Paramilitarisierung der ukrainischen Protestbewegung adäquat zu interpretieren."
Allgemein finde ich die Attitüde der AutorInnen ziemlich abgehoben (vorsichtig formuliert). Man kann natürlich immer Kritik üben, aber als einziges Argument die eigene angenommene Expertenrolle anzuführen und Menschen, die eine andere Position vertreten, pauschal als uninformiert hinzustellen, finde ich schon ziemlich dreist.

Die Russen sind also Imperialisten wenn sie ihren Einfluß in der Ukraine sichern wollen, aber die EU nur unschuldige Menschenrechtsfreunde, wenn sie sich die Ukraine einverleiben wollen. Alles klar, danke fürs differenzierte Gespräch.

Ich möchte vorausschicken, dass ich jeden verstehe, der sich gegen die Zustände in der Ukraine (oder in Bosnien) auflehnt. Die ersten Absätze habe ich mit Sympathie gelesen, nach und nach gesellte sich Befremden hinzu.

Zitat:
"Obwohl wir Spezialisten sind, ringen einige von uns jeden Tag damit, die fortschreitende politische Radikalisierung und Paramilitarisierung der ukrainischen Protestbewegung adäquat zu interpretieren."
Und solange Sie als Experten ringen, sollten die Nicht-Experten lieber nicht darüber reden? Übertragen auf andere Inhalte, würde das bedeuten, dass die Presse und die Normalbevölkerung sich aus 90 % aller politisch diskutierten Themen heraushalten muss.

Zitat:
"Eine Unterstützung von Fundamentalismus, Ethnozentrismus und Ultranationalismus hat vor diesem Hintergrund manchmal mehr mit der andauernden Verwirrung und den täglichen Sorgen der unter solchen Verhältnissen lebenden Menschen zu tun, als mit ihren tieferen Überzeugungen."
Das könnte man auch über das Deutschland der Zwischenkriegszeit sagen. (Ich muss Ihnen als Rechtsradikalismusexperten sicher nichts über den Kontext des Nazi-Aufstiegs und die Gründe für Hitlers Popularität erzählen.) Werden diese Ideologien dadurch weniger gefährlich? Das sind eben die Bedingungen, unter denen sie besonders gut gedeihen.

Zitat:
"Berichte, welche rhetorische Munition für Moskaus Kampf gegen die ukrainische Unabhängigkeit liefern, unterstützen womöglich unabsichtlich eine politische Kraft, die eine weit größere Gefahr für soziale Gerechtigkeit, Minderheitenrechte und politische Gleichheit darstellt, als alle ukrainischen Ethnonationalisten zusammen genommen."
Wie darf ich diese apodiktische Behauptung verstehen? Das Putin-Regime stellt eine "weit größere Gefahr" für die Minderheitenrechte u.dgl. dar, als es ein etwaiges Regime ukrainischen extremistischen Nationalisten wäre? Woher wissen Sie denn mit solcher Sicherheit, dass die "ukrainischen Ethnonationalisten" weniger gefährlich als Putin sind? Können Sie in die Zukunft sehen und wissen bereits, dass die niemals an die Macht kommen werden? Oder drückt sich hier verklausuliert Ihre eigene Präferenz aus, dass Sie, wenn es hart auf hart käme, lieber eine von Russland unabhängige Nazi-Ukraine als eine von Russland abhängige Mafia-Ukraine hätten? Dann sollten Sie sich bitte Ihre persönlichen, womöglich nationalistisch oder russophob gefärbten Einstellungen zum Thema bewusst machen, jedenfalls nicht anderen Leuten eine derzeit unbelegbare Behauptung als wissenschaftliche Aussage zur Begründung eines Maulkorbs verkaufen.

Zitat:
"Wir vermuten sogar, dass in einigen Berichten, insbesondere solcher kremlnaher Massenmedien, die übermäßige Betonung der rechtsradikalen Elemente auf dem Kiewer Euromaidan nicht auf antifaschistischen Motiven beruht."
Über die eigennützigen Motive kremlnaher Medien bei diesem Thema macht sich kaum jemand Illusionen. Ihre Konsequenz aus der Kreml-Propaganda scheint aber zu sein, dass man dem umgekehrt eine Propaganda entgegensetzen muss (oder wie soll man das sonst nennen?), in der man die ultranationalistischen Tendenzen in der Westukraine wie auch andere Irrungen kleinredet und der deutschen Bevölkerung ein Bild präsentiert, in dem lauter tolerante, liberale, treu zu rechtsstaatlichen Prinzipien stehende, friedliebende Menschen den Widerstand in der Ukraine tragen. Problembezirke wegzuretouschieren und einer Propaganda Gegenpopaganda gegenüberzustellen, ist allerdings nicht die Aufgabe der Presse in einer Demokratie. So sehr diese Presse ihre Fehler hat (Sensationslüsternheit, mangelnde Recherchetiefe, Reduktion von Komplexität zugunsten einfacher Narrative, Konzentration auf Irrelevanzien, Mitschwimmen auf sozialen Empörungswellen...): Die Berichterstattung über die Ukraine fällt keineswegs als kontra-Opposition auf. Das nun auch (und teils recht freundlich) über die Rechtsradikalen berichtet wurde, bedeutet noch nicht, dass diesen ein überproportionaler Platz eingeräumt würde.

ICH HASSE DEUTSCHE MEDIEN UND IHRE STÄNDIGE LÜGEREI IM AUFTRAG DES STAATES

Danke für die ausführliche Erläuterung der vielschichtigen Problematik!

Nach meiner Ansicht hat die Protestbewegung legitime Gründe.

Liebes Autorenteam, ich finde den Artikel großartig. Er fasst konzentriert genau die neuralgischen Punkte in der Berichterstattung der Medien und den Diskussionen über die Vorgänge in der Ukraine zusammen. Ich finde es auch toll, dass so viele namhafte Wissenschaftler unterzeichnet haben. Hier meine Frage: Ich würde auf den Artikel gern in einem Essay für die Euromajdan-Sondernummer der ukrainischen Zeitschrift "Prostory" verweisen. Gibt es eventuell doch einen Autor? Oder soll man ein paar Namen nennen? Bitte um Rückmeldung.

Wenn morgen ab 10 Uhr der unkontrollierbare "Rechte Sektor" mit dem Sturm auf die Rada beginnt und der offene Bürgerkrieg in der Ukraine ausbricht, weil Janukowitsch trotz seiner Masse an Eingeständnissen nicht zurücktreten wollte, dann sind sich die Unterzeichner dieser Publikation hoffentlich bewusst, was für eine historische Verantwortung sie auf sich geladen haben.

liebe sozial-und geisteswissenschaftler (der ich selbst bin), liebe experten. wie man allen ernstes nach diesen berichten, medienbildern und youtube-videos ernsthaft behaupten kann, die beteiligung extrem rechter kräfte bei den riots auf dem maidan bewege sich nicht in einem relevanten bereich/diese hätten keinen größeren einfluss auf das vorgehen, die strategien, die "wahl der waffen" etc., ist mir ein rätsel. ich unterstelle hier nicht gleich "gegenpropaganda" der eu/grünen, aber es ist doch mehr als befremdlich, wenn sog. rechtsextremismusexperten die schier unzähligen teilnehmer an den auseinandersetzungen auf seiten der opposition nicht berücksichtigen wollen, die sich mit insignien und symbolen von swoboda, "rechtem block" etc. schmücken. wenn im ersten deutschen fernsehen vor drei tagen zu sehen ist, wie paramilitärisch organisierte gruppen, bestehend u.a. aus den bekannten, bekennend rassistischen und antisemitischen hooliganfirms von dynamo und obolon kiew (die damen und herren experten könnten ja mal feldforschung bei den antifaschistischen fans von arsenal kiew betreiben und sich schildern lassen, wie die anhänger der beiden anderen kiewer vereine so mit minderheiten und antifaschisten verfahren), und anderen deppen in thor steinar-klamotten "abrücken" und die öffentlichen gebäude übergeben. nahezu alle fahnen und symbole, die in allen mir bekannten videoaufzeichnungen zu erkennen sind (abgesehen von den blau-gelben nationalfahnen) stehen für die genannten extrem rechten gruppen und organisationen (wolfsangel/swoboda, schwarzrote fahnen, hakenkreuzabwandlungen, klerikal-faschistische symbole etc.). dass die damen (und vor allem) herren auf dem maidan auch seit einigen tagen bereits vor der eskalation den ton verschärften, die nationalistische aufheizerei und das märtyrerpathos durchweg exkludierende und ethnisch-rassitische untertöne erhielt, war irgendwann selbst in westlichen medien zu lesen. man muss wohl auch keine worte mehr dazu verlieren, dass große teile der "massen" stepan bandera für einen menschenfreund und freiheitshelden halten (vielleicht fragen die experten mal bei polen, juden oder den angeblich auf dem maidan befindlichen linksradikalen kreisen danach, was dieser kollege in den 40er jahren mit jenen und ihresgleichen angestellt hat...).
dass janukowitschs clique ein korruptes, intrigantes, in teilen sicher unter russischer knute stehendes, häufchen widerlicher opportunisten ist, das sich bei derlei aufständen nicht lange bitten lässt, die todesschwadronen (mit und ohne uniform) von der leine zu lassen, steht außer frage. dass wir alle aber scheinbar glauben sollen, auf der anderen seite der barrikaden stünden vor allem eu-freundliche menschenrechtsaktivisten, kann doch nicht wirklich ihr ernst sein? davon abgesehen hat westeuropa in den letzen jahren selbst genügend korrupte und mafiöse regierungen gesehen (nicht nur unter silivio b. in italien) - hätte irgendein deutscher kommentator derartige militante, ja fast militärische, ausschreitungen gegen bspw. italienische polizisten auch nur im ansatz gerechtfertigt?
in den kommentaren der radiosender der letzten tage war z.t. in entwaffnend naiver begeisterung und andächtigem pathos zu hören, wie überrascht - und durch die entschlossenheit der demonstranten überwältigt - und überzeugt - westliche journalisten sich zeigten und freudig zu berichten wussten, "dass junge frauen massenweise molotow-cocktails herstellen - nicht nur normale in flaschen, nein auch riesige kanister voll, um sie auf die polizei zu schleudern"(dfl). da fragt man sich doch, weshalb derlei begeisterung für den militanten straßenkampf erst in der ukraine entflammt, während die gleichen medien die polizeiliche zerschlagung der "rote flora-demo" kurz vor weihnachten in hamburg aufgrund (im vergleich zu kiew) lächerlicher strassenhahnenkämpfe rechtfertigten, mit der begründung, wer böller und steine mit sich führe, der habe es schließlich nur auf gewalt abgesehen und müsse die härte der staatsmacht zu spüren bekommen...
in meinen augen kann man im moment nur zwischen pest und cholera entscheiden, zwischen autoritärer regierung und faschistoider massenmilitanz.
einige worte zum text der experten: wer sich als sozialwissenschaftler und rechtsextremismusexperte nicht entblödet, dies zu schreiben: "Eine Unterstützung von Fundamentalismus, Ethnozentrismus und Ultranationalismus hat vor diesem Hintergrund manchmal mehr mit der andauernden Verwirrung und den täglichen Sorgen der unter solchen Verhältnissen lebenden Menschen zu tun, als mit ihren tieferen Überzeugungen.", dem kann in meinen augen zumindest sozialwissenschaftlich nicht mehr besonders weiter geholfen werden. es ist doch wohl seit etlichen jahren bekannt, dass faschistische bewegungen sich derlei krisen immer wieder zu nutze gemacht haben und z.t. versucht haben derlei krisen zu provozieren, um sich als entschiedenste und handlungsfähigste ordnung widerherstellende politische kraft darzustellen -und es ist in der faschismus- und rechtsextremismusforschung doch auch seit jahren klar, dass nicht alle, die der extrem rechten nahestehen, ihren aufstieg (historisch oder aktuell) befördern und sie stabilisieren, durch und durch überzeugte nazis sein müssen. trotzdem sind alle daran beteiligten verantwortlich dafür, mit wem sie paktieren, koalieren, welche kräfte sie als alliierte dulden und wen sie damit stärken. die oben genannte erklärung der rechtsexexperten ist insofern eine intellektuelle bankrotterklärung, da sie eine gefahr extrem rechter kräfte offensichtlich nur sieht, wo massen zu 100% überzeugter faschisten daher kommen - dass deren massenbasis immer auch aus unentschlossenen. mitläufern, schreibtischtätern, "umfallern", gelegenheitstätern etc. bestand, wird negiert. (wer bücher wie "ganz normale männer" von browning gelesen hat, wüsste über das "wesen" und die motivation des (in dem fall) nationalsozialistischen täters jedenfalls besser bescheid...
kurz gesagt: wer derzeit auf dem maidan mit extrem rechten, offen faschistischen kräften paktiert, der kann und muss hierfür auch verantwortlich gemacht werden und sich dessen bewusst sein. diejenigen, die sich experten im beobachten dreleier tendenzen nennen, und diese nicht mal konstatieren wollen, sollten sich ihrer verantwortung auch bewusst sein.

ARD verbreitet die Nachricht, dass die Russen in sozialen Netzweken die Ukrainer auf dem Maidan "bewundern", weil sie gegen ein "Regime" kaempfen, waehrend im Fernesehn vom "vermeintlichen Staatsstreich" geredet wird. Ich kann russisch und will sagen, Leute Vertraut euren Medien nicht! Das ist eine LUEGE! Die ueberwiegende Mehheit der Russen schaetzt die Lage so ein, wie die ueberwiegende Mehrheit der Deutschen, allen nuechtern denkenden und ausgebildeten Menschen ist klar, was in der Ukraine passiert, und wer dort fuer die Gewalt direkte Verantwortung traegt.

Das man eine korrupte Regierung los werden möchte ist verständlich.
Aber wenn das etwa so barbarisch passieren soll, dann befürchte ich dass man gerade Cholera mit Pest austauscht.
Schauen Sie mal das, die friedliche Demonstranten, das ist pure Anarchie,
Der Mann ist Gouverneur vom Bezirk Volyn. Wäre eine solche friedliche Demonstration in Deutschland möglich?
http://www.youtube.com/watch?v=j528zR2WFlU

Dafür, dass so viele Personen, die sich das möchte ich unterstellen, ernsthaft mit den Verhältnissen in der Urkaine beschäftigen, diesen Aufruf unterschrieben haben, ist für mich viel zu wenig Inhalt rübergekommen.
Bitte dringend um eine differenzierte Berichterstattung/ Hintergrundinformationen, Hinweise auf Quellen, denn ich habe wenig Einblick in die Gegebenheiten dieses Landes.
Insgesamt wird mir leider in letzter Zeit immer klarer, dass die klassiche Politik sei es rot, schwarz, grün oder sonst welcher Farbe, wenn es ernst wird mit der Unterstützung von Menschen, die einfach nur ein besseres, gerechteres und freies Leben haben wollen, diese zum Spielball höherer Interessen degradiert. Gerade von den Grünen erwarte ich DEUTLICH mehr an aktiver Friedenspolik in allen Bereichen. Es reicht nicht, sich auf eine friedensbewegte Tradition zu berufen, sie muss gelebt werden, auch wenn es unbequem ist. Dieser Aufruf ist pflaumenweich, vielleicht irgendwie gut gemeint, sagt mir aber irgendwie unter dem Strich gar nichts. Was sollen wir also von der Politk in Sachen Ukraine fordern? Einmischen? Raushalten? Was kann selber tun?
Nochmal: Ich bitte dringend um konkrete, klare Informationen (mit Quellen). Wenn Sie Experten sind .... dann bitte Links, Texte, Kommentare.

Hurra, wieder ein "befreites" Land, das mit "bewährten, demokratischen" Strategien an EU-Niveau angepasst werden soll. Mit populistischen Politik-, NATO-Militär- und neoliberalen Wirtschaftsberatern aus EU und USA! Verdrängt die Auswirkungen der "Nach-Wende-Zeit" auf andere mittel-osteuropäische Staaten. Und auch ähnliche in den Ländern des gescheiterten "Arabischen Frühlings". Die Opfer sind hier wie dort die ökonomisch Benachteiligten und ihre zerschlagenen sozialen Netze und Hoffnungen.
Wohlweislich verschweigen die Medien auch die ukrainische "Mit-Gift" - die hochradioaktiv verstrahlten Region von Tschernobyl, die dann ein Randstück der EU sein wird. Gelingt es schon den hochindustrialisierten Staaten nicht, ihr atomares, zivil-militärisches "Erbe" - vom Uranabbau bis zum Atommüll - zu "entsorgen" , wie sollen es die EU-Beitrittskandidaten schaffen?
Diese und weitere Gefahren zu verdrängen oder kleinzuschreiben ist unverantwortlich, ja kriminell!
P.S. Ich habe in den Jahren vor und nach 1989 im Ost-West-Bürgerbewegungs-Dialog auch mit den Initiatoren der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet und sie durchaus geschätzt.

Wenn die Nazis also keine wesentliche Bedeutung haben, warum wurde dann ein Swoboda-Mann vom Parlament zum Interims-Generalstaatsanwalt gewählt ? Ob der wohl die Morde an den Polizisten aufklären will, die die Nazibanden verübt haben ?

Also, liebe Juden, wenn sich der Volkszorn mal wieder antisemitisch entladen sollte und es euch an den Kragen geht, dann bedenkt bitte "die besondere Lage der ukrainischen Nation im Auge zu behalten und die komplizierte Situation des noch jungen, fragilen Staates zu berücksichtigen, der einer ernsthaften äußeren Bedrohung gegenübersteht. [...] Eine Unterstützung von Fundamentalismus, Ethnozentrismus und Ultranationalismus hat vor diesem Hintergrund manchmal mehr mit der andauernden Verwirrung und den täglichen Sorgen der unter solchen Verhältnissen lebenden Menschen zu tun, als mit ihren tieferen Überzeugungen."
???!

Herr Umland gehört jedenfalls zur Deutsche Gruppe der Trilateralen Komission.
Alfred Rosenberg galt auch als Wissenschaftler und Joseph Goebbels hatte promoviert.

Danke für den Text! Eine sehr schöne, ausführliche Erklärung der Ereignisse in der Ukraine. In Wirklichkeit sogar zur Zeit die beste, die ich bis jetzt gelesen habe.

Und zu den Leuten, die denken, dass Ukraine wirklich nur aus Nazis etc. besteht: KOMMT MAL KLAR! Ein ganzes Land, dass nur aus Nazis besteht? Klar, das gab es schon mal in der Geschichte, aber WER SEID IHR UM DAS ZU BEURTEILEN?? Kennt ihr dieses Land? Habt ihr da gelebt? Habt ihr da gearbeitet? Habt ihr euch in der Ukraine mit den Menschen unterhalten? Ich schätze viele von den Kommentatoren hier haben das NICHT, im Gegensatz zu den gebildeten Personen, die hinter diesem Text stehen und deren Arbeit sich, ihrem Hintergrund zufolge, sehr ausführlich mit diesem Thema beschäftigt . Die Seite Moskaus ist ebenfalls sehr gut beleuchtet und erklärt, genau so ist es nämlich! Und wer Beweise sucht braucht nur das zu vergleichen, welche (inzwischen schon wirklich lächerlichen) Lügen die russischen Medien verbreiten (und wie sie Menschen, die Wahrheit sagen den Mund verbieten), damit vergleichen was die unabhängigen ukrainischen Reporter berichten, die mitten im Geschehen sind und sich bestens informieren. Es ist wirklich überzogen zu behaupten, ein ganzes Land, INSBESONDERE die Ukraine, die in ihrer Geschichte wirklich schlechte Erfahrungen mit Nazis gemacht hat nur aus eben jenen bestehen würde. Für die Unwissenden von euch: Ukraine wurde während des 2 WK. vollständig von den Nazis besetzt. Jemand, der noch bei klarem Verstand ist, würde die vorherige Behauptung gar nicht erst machen.Selbst wenn das so wäre, würdet ihr ja wohl was davon hören und die internationale Gemeinschaft würde sich darum kümmern. Die EU und der Rest hätte in so einem Fall wirklich nichts von der finanziell am Boden liegenden Ukraine zu befürchten. Anders als in Russland, deren Präsident, der sein Leben lang ein Geheimdienstler war (KGB in der SU und dann Chef des FSB), wirklich Ahnung davon hat, wie man Menschen mit Massenmedien manipulieren und mit falschen Informationen füttern kann. Jemand der mit dieser Methode geschafft hat, mindestens die Hälfte des Landes schwulenfeindlich zu machen oder dieses Gefühl bei den Menschen zu verstärken und zwar so weit, dass das Wort "Europa" im Alltag eines russischen Bürgers mittlerweile durch "Gay-ropa" ersetzt worden ist und sie keinerlei Reue o. ä. zeigen, wenn sie andere Nationen, Hautfarben, Religionsansichten öffentlich diskreditieren. Das Schlimmste ist dabei noch, dass diese Haltung mittlweile so langsam auf Russland angrenzende Staaten überläuft, wie etwa der Osten der Ukraine. Von Meinungsfreiheit in Russland will ich gar nicht erst anfangen.

Die Menschen in der Ukraine, auf dem Maidan - sie wollen nicht so werden und wollen nicht, dass ihre korrupte Regierung über ihre Köpfe hinweg entscheidet und sich an den Bürgern bereichert. Sie wollen nicht mehr die unbezahlten Mitarbeiter einer Firma/des Geschäfts sein, der von ihrem Regierungschef nur dazu benutzt wird, sich selbst daran zu bereichern, während sie selbst 6-7 Tage die Woche, 8 Stunden am Tag für ein monatliches Hartz-4 Gehalt schuften müssen, trotz eines oder sogar 2 Diplome.

Es macht Sinn sich den oben beworbenen Blog Anton Schechowzows einmal genauer anzusehen. Der Verfasser fantasiert offen damit, die bisherige Elite einfach an die Wand zu stellen:
"If you read that 'radicals', 'extremists', 'neo-Nazis' or whatever are leading the protests against the 'legitimate government', DO NOT BELIEVE ONE WORD OF THESE LIES. The Ukrainian PEOPLE are fighting the terrorist regime.
And the revolution in Ukraine should end the same way it ended in Romania.”
Darunter ein Bild von der Erschießung Ceausescus.
http://anton-shekhovtsov.blogspot.com/2014/02/the-ukrainian-criminal-ter...

Soviel zur 'Stärke freiheitlicher Kräfte'!

Die Erklärung geht auf eine online-Petition zurück, die Andreas Umland auf change.org eingestellt hatte. "to-journalists-commentators-and-analysts-writing-on-the-ukrainian-protest" Umland war 1997-99 NATO Fellow an der Hoover Institution on War, Revolution and Peace, Palo Alto. Warum der Text wohl die geostrategischen Interessen der NATO nicht behandelt? ...

Was sagt mir die publizierte Sorge der Fach-Ukrainer: macht Euch keine Gedanken, aber wenn, dann unsere.

Ich lasse mir nicht den Mund verbieten und werde insbesondere jede Art von Rechtsradikalismus, Rassismus und insbesondere Antisemitismus immer verurteilen, egal ob irgendwer fuer die entsprechenden Radikalinskis Welpenschutz einfordert.

Erklaert vielleicht auch mal dem Präsidenten der Jüdischen Konföderation der Ukraine, dass er es besser unter den Teppich kehren soll, wenn Teile des "Euromaidan" offen antisemitisch agieren und Juden offen angegriffen werden:
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18169

Und nein, mit Putin und seinem russischen Nationalismus habe ich exakt genausowenig am Hut wie mit seinen ukrainischen Pedants. Wenn die gemaessigten ukrainischen Oppositionellen sich wirklich der EU annaehern und irgendwann Mitglied werden wollen, dann muessen sie sich jetzt von ihren nationalistischen "Verbuendeten" lossagen, sonst hat das Land eh nichts in der EU verloren.
Ein modernes Europa hat nur eine Zukunft, wenn es seine Nationalismen ueberwindet und dazu passt es nicht, wenn solcher Dummfug aus kurzsichtiger politischer Opportunitaet heraus in der Ukraine toleriert und sogar gefoerdert wird!

klar, die bösen russen und der gute westen :-D die bösen russen verursachen ja auch laufend "frühlinge" zu ihren gunsten, marschieren in länder ein und beseitigen die regierungen, die ihnen nicht genehm sind und setzen ihnen dienende ein. auch unterstützen die die schlimmsten und menschenverachtensten diktaturen weltweit, die in der arabischen liga zu finden sind. also, sind echt böse, die russen :-D ok, fazit. es ist bedauernswert, zu sehen, dass es auch bei den grünen von lakaien der usa und eu wimmelt. dabei ist leicht zu sehen, wenn man die russische demokratie mit denen des westens vergleicht, wer die bessere demokratie hat. die uns und ihre vasallen sicher nicht, auch wenn uns die westlichen massenmedien laufend etwas anderes erzählen.

Am Entlarvendsten ist die Schlusssequenz:

"Schließlich bitten wir jene, die entweder kein größeres Interesse oder kein tiefergehendes Wissen über die Ukraine haben, sich nicht ohne gründliche Recherchen an Kommentaren über die verwirrenden politischen Verhältnisse dieses Transformationsstaates zu versuchen. (…) Reporter, welche die dafür notwendigen Mittel, Zeit und Energie haben, sollten die Ukraine besuchen und/oder sich zu den angesprochenen Themen entsprechendes Wissen anlesen. Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, mögen ihre Aufmerksamkeit auf vertrautere, unkompliziertere und weniger ambivalente Themen lenken. (…)"

Pünktlich zum 100jährigen von WW I zeigen die Grün(nah)en, dass sie allemal die besseren Imperialisten sind. Kaiser Wilhelm II hätte es nicht besser sagen können: "Wenn der toitsche Pursche mit dem Schläger daherklirrt, hat der unwissende Bauer das Maul zu halten!"

Welch eine Ignoranz sollten sie wirklich Experten in diesem Fachgebiet sein so muss ich leider Feststellen das sie angesichts der hier von anderen Foristen gebrachten Videomaterialien auf totaler Linie versagen. Militärisch organisierte Aufmärsche von "Banderas Erben" Rechter Sektor und Konsorten die derzeit die Sicherheit übernehmen und mit Waffen Verkehrspolizisten bedrohen, die in der Ukraine eine abgespaltene Behörde zur normalen Polizei darstellen, wenn sie das nicht als nationalistisch Orientiere Bewegung erkennen, so machen Sie sich selber als einer ihrer Unterstützer. Sowas sollte in Deutschland vor Gericht gebracht und verurteilt werden. Experten die ihre Ergebnisse politisch anpassen/interpretieren. Sie sind eine Schande für jeden wahren Wissenschaftler der nach der Wahrheit trachtet und nicht die Lüge als Wahrheit verkaufen will.

Zur ukrainischen Nazipartei "Swoboda":

http://en.wikipedia.org/wiki/All-Ukrainian_Union_%22Svoboda%22

"The Social-National Party of Ukraine changed its name to the All-Ukrainian Union "Svoboda" in February 2004 with the arrival of Oleh Tyahnybok as party leader.[2] Tyahnybok made significant efforts to moderate the party's extremist image by replacing the "I + N" ("Idea Natsii" ukr. "idea of a nation") Wolfsangel logo (a symbol also popular among neo-Nazi groups)[2][24] with a three-fingered hand reminiscent of the 'Tryzub' pro-independence gesture of the late 1980s,[24] and by pushing neo-Nazi and other radical groups out the party.[38]

In 2004, Tyahnybok was expelled from the Our Ukraine parliamentary faction for a speech calling for Ukrainians to fight against a "Muscovite-Jewish mafia,"[39] and celebrated the Organization of Ukrainian Nationalists for having fought "Moscovites, Germans, Jews and other scum who wanted to take away our Ukrainian state."[24] The speech was delivered at the grave-site of a commander of the Ukrainian Insurgent Army where Tyahnybok praised its struggle against "Moskaly", a derogatory term for either Russians[40] or pan-Russian nationalists;[41][42] Germans; and "Zhydy", an archaic but controversial term for Jews in Ukraine due to it being a slur when used in the Russian language.[43][44]"

Vor wenigen Stunden veroeffentlichte die Swoboda auf ihre Facebookseite das fuer sie doch recht erfreuliche Ergebnis der Verhandlungen ueber ihre Beteiligung an der neuen ukrainischen Regierung:

"Svoboda's Members in the newly formed Cabinet:

Oleksandr Sych - Vice Prime Minister
Andriy Mokhnyk- Minister of Ecology
Ihor Shvayka- Minister of Agriculture
Ihor Tenyukh - Minister of Defence

Prosecutor General - Oleh Maknitskyy
Свободівці в новому уряді:
Олександр Сич - віце-прем'єр-міністр.
Андрій Мохник - міністр екології.
Ігор Швайка - міністр АПК.
Ігор Тенюх - міністр оборони.

Ну і +Генпрокуратура - Oleg Makhnitskyi"

Dies bedeutet, dass in Zukunft eine antisemitische nazistische Partei die Kontrolle ueber die ukrainische Armee ausuebt oder, anders ausgedrueckt, dass man dem Wolf, kaum hat er ein bisschen Kreide gefressen, eine Knarre in die Hand drueckt und die Schafherde bewachen laesst.

Dies bloss, damit die professoralen Steigbuegelhalter, die hier wahrheitswidrig behaupten "der Stellenwert und der Einfluss ukrainischer Rechtsradikaler in Kiew" wuerde "überbewertet bzw. fehlinterpretiert" nicht hinterher, wenn mal wieder Juden und andere Minderheiten gejagt werden, behaupten koennen sie haetten von nichts gewusst.

Laut Präsidenten der Jüdischen Konföderation der Ukraine in der "Juedischen Allgemeinen" hat das ja bereits begonnen.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18169

Ich bin entsetzt wie ausgerechnet hier, auf der Website der gruenen Heinrich-Boell-Stiftung die Uebertragung politischer Macht auf eine Partei alleruebelster rassistischer und antisemitischer Provenienz klein- und schoengeredet wird.

Ich jedenfalls moechte mit einer ukrainischen Regierung ohne jede demokratische Legitimation und mit wesentlicher Beteiligung rechtsextremer Volksverhetzer rein gar nichts zu tun haben!

"Unbestritten ist, dass sich unter den gewalttätigen wie auch unter den friedlichen Protestierenden etliche Rechts- und Linksradikale finden. "

Unbestritten ist auch, das Linke auf dem Maidan angegriffen und vertrieben wurden. Im ganzen Land wird Jagd auf Antifaschisten gemacht, die Swoboda hockt in der Regierung und faschistische Milizen patrollieren die Strassen.

Antifaschisten können sehr wohl zwischen Putin-Propaganda und ungebliebten Realitäten unterscheiden, gerade diejeningen vor Ort. Es wird wohl niemand behaupten, dass die ganze Revolte ausschließlich von Rechten betrieben wurde, diese jedoch durch starke Präsenz und Militanz den Ton mitbestimmen.

Berichte:

http://syndikalismus.wordpress.com/2014/02/28/einschatzungen-und-eindruc...

http://jungle-world.com/artikel/2014/02/49128.html

https://www.freie-radios.net/62170

Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen!

Hallo.

Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist.

Benjamin Franklin
Link: K-MG.DE
President bereit schon zu kassiren.

@Kippenberger: Ic weiss nicht, ob Ihr Beitrag, sie könnten keine Hakenkreuze erkennen, sich auf meinen bezog. Wie auch immer: Ich erwähnte, dass (vor dem Sturz der Regierung) u.a. auf Spiegel Online Bilder von stilisierten Hakenkreuzen auf den Barrikaden gezeigt wurden, von rechtsradikalen Kräften aber in den Texten geschwiegen wurde. Die Fahne, die ich meinte, war die der UNA-UNSO, hier zu finden:
http://de.wikipedia.org/wiki/UNA-UNSO
Ich denke, es ist müssig, darüber zu diskutieren, ob das schwarze Kreuz nun ein stilisiertes Hakenkreuz ist oder nicht - jeder, der ein wenig sensibel für neonazistische Symbolik ist, sollte zumindest stutzig werden, wenn solch eine Fahne über den Massen schwebt, die als demokratische Kräfte abgefeiert werden. Bei Spon ist man wohl auch stutzig geworden und hatte das Bild bald ausgetauscht - inhaltlich erwähnt wurde die Präsenz rechtsradikaler Kräfte allerdings nicht. Ganz dem Tenor dieses Aufrufs der Heinrich-Böll-Stiftung folgend.
Zu erwarten, dass die russisch-sprachige Bevölkerung der Ostukraine und der Krim eine Regierung akzeptiert, die zu einem Drittel von der rassistischen und antisemitischen Svoboda gebildet wird, ist im besten Falle naiv.
Es wäre hilfreich gewesen, sich die Dynamik noch einmal anzuschauen, die dem Jugoslawien-Konflikt Anfang der 90er Jahre vorausging.
Nun ist man einem ethnisierten bewaffneten Konflikt deutlich näher gekommen. Herzlichen Glückwunsch, liebe grüne Friedensfreunde.

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