Theater und Livestream: "Wenn schon, dann richtig"

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Tim Renner, Berliner KulturstaatssekretärTim Renner, Berliner Kulturstaatssekretär. Urheber: Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Acht Expertinnen und Experten diskutierten am 10. Dezember 2014 über Chancen und Risiken der Direktübertragung von darstellender Kunst im Internet. Eine Presseschau.

"Es muss künstlerisch Sinn machen", so zitiert Mounia Meiborg für die Süddeutsche Zeitung den Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner. „Livestreaming sei kein Ersatz für das echte Theatererlebnis, sondern eine Ergänzung - auch für die, die nicht mobil sind, kein Geld haben, am falschen Ort wohnen oder aus Schwellenangst kein Theater betreten.“ Die bildstarke Inszenierung von Kay Voges gebe der Video-Übersetzung im Livestream Futter, man sehe Kunst, aber eben eine andere als in Dortmund bei der analogen Aufführung. Ihr Resümee: „Wenn schon, dann richtig“, zuerst sollten sich die Künstler mit dem Medium beschäftigen, dann erst die Marketingabteilungen.

Oliver Kranz schreibt auf srf.ch, der Seite des Schweizer Radio und Fernsehens nach Meinung des Theaterverlegers Nils Tabert sei der Haupteinwand gegen das Livestreaming, nämlich die Frage der Urheberrechtsvergütung, "kein gravierendes Problem". So sei der Debatte gleich zu Beginn "die Spitze abgebrochen" worden. Streaming, schreibt Kranz angesichts ders Livestreams von "Psychose 4.48" aus Dortmund könne "zu neuen Erzählweisen im Theater führen", den "Besuch im Theater ersetzen" könne es nicht. Doch gehe es nicht um ersetzen, so Kranz, sondern darum, das Theater "zu ergänzen und sichtbarer zu machen". (Quelle: nachtkritik.de)

Auf nachtkritik.de ist ein ausführliches Dossier zum Thema Livestream erschienen. Deutschlandradio Fazit und Deutschlandfunk erzählen und bewerten, was während des Livestreams und in der nachfolgenden Diskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung geschah. Kay Voges, Dortmunder Schauspielintendant und Regisseur des Stückes, gab am Morgen nach der Veranstaltung ein Interview bei WDR 3. Dort weist er auf die künstlerischen Chancen der Integration des neuen Mediums hin. Die Berliner Morgenpost fragt leicht ironisch, ob die Seele des Theater wirklich Schaden nähme und Gerd Brendel stellt für den SWR fest, dass Tim Renner die „Sorge um die analogen Kulturstätten“ umtreibt. Ulf Schmidt, der mit auf dem Podium saß, hat seine Gedanken nochmals geordnet und auf seinen Blog gestellt. Sein Fazit: Auf einen Pilotversuch käme es an, aber wenn der große Theaterelefant nur mit dem kleinen Schwänzchen Livestream wedelt, würde es schwierig.

 

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