Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie

Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie

Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse
cover gender wissenschaftlichkeit und ideologie
von
Von Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen und Sebastian Scheele
Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung
Kostenlos
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: September 2014 (2.Auflage)
Seitenanzahl: 88
Lizenz: CC-BY-NC-ND
ISBN: 978-3-86928-113-1

Geschlechterthemen haben Konjunktur. Die neue Sexismus-Debatte, Quotenregelungen für Aufsichtsräte, die rechtliche Gleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften: Gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse werden intensiv und kontrovers diskutiert. Zugleich ist ein deutlicher Gegenwind zu spüren, wenn es um Geschlechterforschung geht. Wer mit dem Begriff „Gender“ arbeitet, wird nicht selten mit dem Vorwurf einer prinzipiellen Unwissenschaftlichkeit konfrontiert. Den Gender Studies wird der Status einer Wissenschaft abgesprochen, Gender sei per se kein wissenschaftliches Konzept, sondern eine Ideologie. Der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit ist nicht neu. In Mainstream-Medien wie F.A.Z., Der Spiegel oder Focus wird Personen Raum gegeben, die diesen Generalverdacht verbreiten. Zuletzt entfachte Harald Martenstein im ZEIT-Magazin Anfang Juni mit "Schlecht – schlechter - Geschlecht" eine solche Debatte.

Die Publikation geht dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit nach und gibt Argumente für eine Auseinandersetzungen an die Hand. Im Schlagwort „Genderismus“ zum Beispiel werden unterschiedlichste Sachverhalte aus Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik vermischt. Es werden mediale Entstehungsmythen des Begriffs Gender nachgezeichnet und Verzerrungen in der Darstellung des Genderdiskurses beleuchtet. Der Begriff „Gender-Ideologie“ wird unter die Lupe genommen: Er soll delegitimieren, wirft dabei aber Fragen auf, zu deren Beantwortung gerade die Gender Studies viel beitragen können. Es wird erläutert, welchem Wissenschaftsverständnis der Vorwurf der Unwissen-schaftlichkeit entspringt. Beispiele zeigen, wie sehr der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit auf einem Doppelstandard basiert und sich – ganz entgegen dem eigenen Anspruch auf Neutralität und Objektivität – als politisch motiviert erweist.

Mit dieser Publikation möchten wir Organisationsvertreter/innen und Aktivist/innen sowie Institutionen, die in diesem Bereich unterwegs sind, dabei unterstützen, in Kampagnen gegen (pro)feministische Veröffentlichungen die entsprechenden Anwürfe zu verorten und sachbezogen zu reagieren. Darüber hinaus soll sie denjenigen Personen, die sich im Rahmen der unterschiedlichen Gender-Diskurse abwertenden Angriffen ausgesetzt sehen, Argumente an die Hand geben, sich gegen unzulässige Anwürfe zu wehren.

Die zweite Auflage nimmt die Erfahrungen und Diskussionen seit der Erstveröffentlichung auf und ordnet sie in die Zusammenhänge ein.

Gleichzeitig erscheint auf der Website des GWI eine englische Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

 
 

Inhaltsverzeichnis: 

6 Vorwort

9 Einleitung

16 Von Mythen und Vermischungen – Zur Konstruktion des «Genderismus»
Regina Frey

28 Gender-Ideologie? Welche Fragen der Ideologie-Vorwurf aufwirft und warum gerade die Gender Studies einiges zu den Antworten beitragen
Sebastian Scheele

39 Der Unwissenschaftlichkeitsvorwurf – Zum Alleinvertretungsanspruch eines speziellen Wissenschaftsverständnisses
Manfred Köhnen

53 Doppelstandard – Zur politisch interessierten Selektivität der Vorwürfe
Marc Gärtner

67 Zusammenfassung und Ausblick

70 Prüffragen

72 Die Autor/innen

Kommentare

Sehr geehrte Autoren!

Mir fällt ein Stein vom Herzen! Ich möchte mich einfach nur unendlich für Ihre Publikation bedanken. Mit Bestürtzung Verfolge ich seit dem Zeit-Artikel von Martenstein die verzerrte und uninformierte Debatte/Beiträge aus der Anti-Gender-Ecke. Ihr Beitrag hat mir geholfen Licht am Ende dieses Tunnels zu sehen und das, was hier teilweise in den deutsch-sprachigen Medien (Zeitungen und Internet) vorgeht, einordnen zu können.

Herzlichen Dank noch mal und weiter so!

Ich bedanke mich herzlich für den Hinweis in der Broschüre, daß Gender-Kritiker mit dem rechten Lager gemeinsam haben, der Gender-Theorie Unwissenschaftlichkeit vorzuwerfen. Das hat mich wirklich weitergebracht.

Vielen Dank für diese Broschüre, die ich als gute Ergänzung zu Band 8 sehe. Ist es eigentlich möglich diesen hier auch in Papierform zu bestellen (bzw. auf Veranstaltungen zu erwerben/bekommen/etc.?) oder liegt dieser Band nur als PDF vor?

Vielen Dank und weiter vorwärts! :)

[Anmerkung der Moderation: Das Buch ist momentan in der Druckversion vergriffen, wird aber demnächst in einer weiteren Auflage gedruckt.]

[Anm. der Moderation: Wir haben hier einen Kommentar gelöscht, weil wir einfach keinen Sinn in einer "Diskussion" sehen, die Feminismus als Faschismus deklariert. Get a life!]

Hallo,
gibt es die Broschüre wieder als Druck? Würde sie gerne teilnehmenden einer Fortbildung mitgeben.
Viele Grüße und Danke für die tolle Arbeit!

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