Roshan Dhunjibhoy: “Ich habe bis zum letzten Tag in Deutschland Rassismus gespürt”

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Roshan Dhunjibhoy: “Ich habe bis zum letzten Tag in Deutschland Rassismus gespürt”

29. März 2011
Die große alte Dame der Heinrich-Böll-Stiftung, Roshan Dhunjibhoy, feierte am 30. März 2011 ihren 80. Geburtstag. Sie gründete 1993 das erste Büro der HBS in Asien, welches damals vom pakistanischen Lahore aus die Arbeit in der gesamten Region betreute. 

Anfang März war Roshan Dhunjibhoy aus Anlass einer Konferenz der HBS zum Thema „Frauen, Religion und Politik“ in Pakistan zu Gast. Am Rande der Konferenz führte ihre Nachfolgerin Britta Petersen, Büroleiterin in Lahore, mit ihr ein Interview, das hier und auf Youtube zu sehen ist.

Roshan Dhunjibhoy ist eine Zeitzeugin nicht nur der turbulenten post-kolonialen Geschichte Südasiens, sondern auch der ersten Einwandererwelle in Deutschland. Sie wurde 1931 in einer Parsen-Familie in Kalkutta, Britisch-Indien, geboren. Ihre Familie lebte in Karatschi (heute Pakistan) als der Subkontinent 1947 geteilt wurde und Indien und Pakistan die Unabhängigkeit erlangten. Zum Studium ging sie in die USA und später an die Sorbonne in Paris, wo sie ihre Doktorarbeit schrieb und ihre Karriere als Filmemacherin begann. Anfang der Sechziger Jahre begann sie als Fernsehjournalistin auch in Deutschland zu arbeiten. Ihre Filme waren regelmäßig in den Programmen des WDR, ZDF, NDR und der Deutschen Welle zu sehen. 

Sie war in dieser Zeit ein gern gesehener Gast in Werner Höfers legendärem Frühschoppen, wo sie als „exotische“ Südasiatin im Sari den Nachkriegsdeutschen einen anderen Blick in die Welt ermöglichte. Anfang der Neunziger Jahre stieg sie wegen des, wie sie sagt, Niveauverlusts im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus dem Journalismus aus und schloss sich der noch jungen Heinrich-Böll-Stiftung an. Bis zu ihrer Pensionierung 2001 leitete sie das Regionalbüro in Lahore.

Danach zog sie nach Thailand und konvertierte zum Buddhismus. In ihrer neuen Heimatstadt Chiang Mai, wo sie bis heute lebt, gründete sie 2003 eine NGO, die sich für Straßenhunde und gegen die weit verbreitete Tollwut einsetzt.

Wir gratulieren Roshan Dhunjibhoy sehr herzlich zu ihrem Geburtstag. Statt über Geschenke freut sie sich über Spenden für ihre Organisation  „Lanna Dog Rescue“.

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