Praktische Tipps zur Kontrolle persönlicher Daten: Mach Dich rar!

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Praktische Tipps zur Kontrolle persönlicher Daten: Mach Dich rar!

Mit jeder Google-Suche, jedem «Gefällt mir» und beim Besuch der meisten Websites wächst der digitale Schatten.  Illustration: Tactical Tech Collective

18. Dezember 2012
Anne Roth
Haben Sie schon mal beim Online-Versandhandel Amazon Bücher bestellt? Dann bekommen Sie vermutlich ab und zu E-Mails, in denen Ihnen andere Bücher zum Kauf vorgeschlagen werden. Auf diese Weise von Neuerscheinungen Ihrer Lieblingsautorinnen und -autoren zu erfahren, hat Vorteile.

Aber haben Sie sich schon mal gefragt, woher Amazon weiß, was Ihnen gefällt? Ganz einfach: Weil Sie Amazon mit der Anmeldung erlaubt haben, Informationen über Sie zu speichern und an Dritte weiterzugeben. Dort werden die Daten mit weiteren kombiniert, und so lässt sich ziemlich genau berechnen, was Sie vielleicht noch gern kaufen würden.

Das ist, wie gesagt, praktisch, hat aber den Haken, dass irgendwo Informationen über Sie existieren, auf die Sie wenig Einfluss haben. Sie können über die Einstellungen in Ihrem Kunden-Profil im Nachhinein immerhin einiges einschränken.

Leider sammeln nicht nur Services Daten über Sie, denen Sie Erlaubnis dazu gegeben haben. «Wenn du nicht dafür bezahlst, bist du nicht Kunde oder Kundin, sondern das Produkt», lautet die Faustregel im Netz.

Mit jeder Google-Suche, jedem «Gefällt mir» und beim Besuch der meisten Websites wächst Ihr digitaler Schatten. Dieser Schatten ist die Sammlung der Informationen über Sie, die sich über Ihr Online-Verhalten ergeben: Informationen über Ihren Computer, Ihren Standort, Ihre Interessen, Kontakte, Reisen, Ihre politische Einstellung und vieles mehr. Je detaillierter Ihr Profil, desto wertvoller ist es.

Sich gänzlich anonym im Netz zu bewegen, bedeutet erheblichen Aufwand und ist für die meisten gar nicht erstrebenswert. Wir können unseren Schatten schon mit kleineren Schritten sehr viel blasser machen.

Benutzen Sie den datenschutzfreundlichen Browser Firefox. Für ihn gibt es viele nützliche Erweiterungen («Add-ons »):
  • HTTPS Everywhere (auch für Chrome) verschlüsselt die Kommunikation mit vielen großen Websites und verhindert, dass etwa der Inhalt Ihrer Mails, Bestellungen oder Kommentare für andere leicht mitlesbar ist. https://www.eff.org/https-everywhere

  • Adblock Plus (auch für Chrome) verhindert, dass Werbung und andere zusätzliche Seitenelemente geladen und dargestellt werden. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Werbefirmen keine Informationen über Sie erhalten. https://adblockplus.org


Adblock Plus und Better Privacy sind auch über den Firefox Add-Ons-Manager installierbar (Firefox → Extras → Add-ons).

In den Firefox-Datenschutzeinstellungen selbst (Firefox → Einstellungen → Datenschutz) sollten Sie das Häkchen bei «Cookies von Drittanbietern akzeptieren» entfernen. Dazu vorher bei «Chronik» «nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen» auswählen. Cookies sind kleine Dateien, die Sie beim Aufrufen einer Website auf Ihren eigenen Computer laden. Darin werden Informationen über Ihr Online-Verhalten gespeichert und beim nächsten Aufrufen an die Betreiber der Website oder auch Dritte – häufig Werbefirmen – zurückgeschickt.

Wenn Sie vermeiden wollen, dass Google bei jeder Suche Daten über Ihre Interessen sammelt, bietet sich die Suchmaschine DuckDuckGo an. https://duckduckgo.com

Viele Apps Ihres Mobiltelefons speichern, wann Sie sich wo befinden. Oft ist das gar nicht erforderlich: Überlegen Sie, ob Sie diese Funktion in den Einstellungen nicht deaktivieren wollen.

Mehr Informationen über Ihren digitalen Schatten finden Sie auf der Website «Me & My Shadow» des Tactical Technology Collective. Unter «Trace My Shadow» können Sie herausfinden, woraus Ihr digitaler Schatten genau besteht; das «Shadow Tracer's Kit» enthält zusätzliche Add-ons und Programme.

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Anne Roth, Diplom-Politologin, seit April 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Redakteurin des Privacy and Expression Programme des Tactical Technology Collective. Das Tactical Technology Collective wurde 2003 als internationale Nichtregierungsorganisation mit dem Ziel gegründet, dazu beizutragen, Informationen effektiv für gesellschaftlichen Wandel einzusetzen. Zentrale Prinzipien sind dabei Meinungs- und Informationsfreiheit sowie Transparenz und Verantwortlichkeit. Sitz des Tactical Technology Collective ist Bangalore, Indien, und seit 2011 Berlin.

Magazin

Böll.Thema 3/2012: Grenzenlos vernetzt

Dieser Artikel ist Teil von Böll.Thema 3/2012 "Grenzenlos vernetzt - Chancen und Risiken für die Demokratie". Wie bereits im Heft 2/2012 geht es um digitale Demokratie, diesmal erweitert um die internationale Perspektive. Einige Beiträge gehen der Frage nach, inwiefern das Netz zur Demokratisierung und Teilhabe beitragen kann. Mit Beiträgen u.a. von Evgeny Morozov, Kirsten Fiedler, Markus Beckedahl, Katrin Zinoun, Markus Reuter, Anne Roth, Falk Lüke, Ute Straub, Jeppe Rasmussen, Malte Spitz, Marisa Elisa Schlacher und Robin Geiß.

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