Europäische Demokratie - Re-Nationalisierung oder Neuanlauf?

3. Februar 2009

Kongress: Demokratie wagen!
Workshops „Entscheidungsebenen der Demokratie“
Workshop A4
Freitag, 6. Februar 2009
17.15 – 19.15 Uhr

Obwohl die EU mit einem direkt gewählten Parlament, einem Europäischen Gerichtshof und einer Kommission als Hüterin des gemeinschaftlichen Besitzstandes heute schon weitgehende integrierte Strukturen besitzt, die sie von Internationalen Organisationen klassischen Typs unterscheidet, treffen nach wie vor die Staaten mit ihren Ministern die maßgeblichen Entscheidungen (im besten Fall unter bloßer Beteiligung des Europäischen Parlaments). Wie kann die EU unter diesen Voraussetzungen ihre Handlungsfähigkeit dennoch verbessern und ihre Legitimationsbasis verbreitern? Zu den Reformvorschlägen gehört ein weiterer Ausbau der Kompetenzen des Europäischen Parlaments. Einigkeit besteht auch darin, dass eine europäische Öffentlichkeit mit europäische Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie europäische Parteien und eine europäische Sozialcharta wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einer weiteren Demokratisierung Europas sind. Aber wie sind diese Ziele zu erreichen?

Ska Keller – Kandidatin Europawahl und Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, Brandenburg
Ulrike Liebert - Jean-Monnet-Centre for European Studies, Universität Bremen
Tim Schrock – Internationaler Referent im Bundesvorstand der SJD - Die Falken

Moderation:
Susanne SchmidtBremen International Graduate School of Social Sciences

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Reaktionen (1)

1_ Stefanie Kessler; Aliaksandr Lahutsenak
6. Februar 2009, 20:06 Uhr

Protokoll Workshop A4 Europäische Demokratie – Re-Nationalisierung oder Neuanlauf?

Inputreferat Tim Schock
konkretes Beispiel von Einflussnahme durch das Europäische Jugendforum:
Kampagne für eine schriftliche Erklärung durch das EP zum Thema Folgenabschätzung der EU Politik auf Jugendliche und junge Menschen
- Europäisches Jugendforum kann die Hälfte der Abgeordneten überzeugen >> Erfolg: das EP gibt eine schriftliche Erklärung ab
- Schatten: ist die schriftliche Erklärung undemokratisch, da es als Instrument häufig von großen Lobbyverbänden gebraucht wird?

Inputreferat Ska Keller
Thesen zur Renationalisierung und Demokratisierung
1. EU profitiert durch Krisen – Krisen sind eine Chance für die EU (Wirtschaftskrise & Klimakrise): Mitgliedsstaaten nehmen die Wichtigkeit der EU wahr
Ist die Chance verpasst?! Im Europäischen Rat setzen sich die Regierungsvertreter für ihre nationalen Interessen ein und fühlen sich nicht der EU verpflichtet >> durch den Europäischen Rat findet eine Renationalisierung statt
2. Die EU braucht dringend eine Demokratisierung um Krisen erfolgreich zu meistern und handlungsfähig zu sein.
3. Die EU braucht stärkere Bürgerbeteiligung: Bürger sollen echte Entscheidungsmacht erhalten >> Demokratisierung der Institutionen und bessere/intensivere Öffentlichkeitsarbeit (Europäische Medien / Europäische Öffentlichkeit)

Inputreferat Ulrike Liebert
Demokratiedefizit: Bürger sehen die EU nicht als eigene Sache (Kritik nach Claus Offe)
>> demokratisches Regieren ist Regieren für die Bevölkerung, aus der Bevölkerung und durch die Bevölkerung
Demokratisierung - Probleme:
- Entscheidungskompetenz des Europäisches Rates müsste gefördert werden, da indirekt durch die Mitgliedsstaaten legitimiert >> jedoch zu Bürgerfern und intransparent
- Fördern von Mitentscheidung und Alleinentscheidung des EP >> jedoch zu schwach; Öffentlichkeitsfunktion zu gering
- Direktdemokratische Beteiligungschancen >> nur komplementär; zu viel Einfluss durch große Lobbyverbände

Drei Alternativmodelle
1. Delegierte Demokratie: Demokratie der EU abgeleitet von demokratischer Legitimität der Mitgliedstaaten >> jedoch Stärkung der Exekutiven gegenüber Opposition, etc.
2. Europäische Föderale Demokratie: Anerkennung der EU als Staat; Legitimität durch Mehrebenesystem >> jedoch: Europäische Identität = Voraussetzung
3. Kosmopolitische Demokratie: politische Souveränität erhält mehr Gewicht >> jedoch: Identität der Mitgliedsstaaten eingeschränkt

Konkrete demokratische Perspektiven
- Bürgerbeteiligung zentral für einen Neuanlauf: Empowered participation >> Bürger in Entscheidungsabläufe eingebunden
- Stärkung der Europäischen Parteien: Thematisierung von kontroversen EU Themen in Wahlkämpfen >> EU Themen nicht der Rechten überlassen

Diskussion
- Kritik aus dem Plenum: Inputreferate behandeln Vorschläge für Demokratisierung, aber nehmen Skepsis und Renationalisierungstrends nicht ernst genug >> Skepsis muss diskutiert werden, bevor wir über Alternativen reden
- Junge Menschen unterstützen die EU – Grundkonsens
- Generell Unterstützung abhängig durch wirtschaftlichen Profit – Unterstützung schwankt, wenn gefühlter wirtschaftlicher Nachteil besteht
- Wir brauchen eine öffentliche Diskussion darüber, was wir für eine Europäische Integration wir wollen und wo Europa endet
- EU oft transparenter als der Kreis- oder Landtag
- Beteiligung nationaler Parlamente: Abgeordnete müssen sich mit EU-Entwicklungen in ihrem Themenbereich auseinandersetzen
- Irische Referendum zum Lissabon Vertrag: Möglichkeiten mit zweiten Referendum (Sonderprotokoll; Auseinanderpflücken des Vertrages, etc.) >> fatale Folge, wenn kein Referendum: Entmündigung der Bürger
- Generell nicht unbedingt Verwendung von Referenden, da populistisch missbraucht
- Kompetenzaufteilung zwischen EU und Mitgliedsstaaten problematisch: sollten Themen möglichst bürgernah behandelt werden? Entscheidung im Prozess
- Internet als Medium für stärkere Transparenz und Zugänglichkeit: zu elitär?
- Lobby nicht nur negativ, sondern trägt zur Meinungsbildung bei, sollte jedoch transparent sein
- Europäische Integration weiter notwendig >> sollte demokratischer sein >> Beseitigung des Demokratiedefizits

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