Entsolidarisierung - Die neue Heitmeyer-Studie über deutsche Zustände

Portrait: Wilhelm Heitmeyer
Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer bei der Präsentation seiner neuen Studie in der Heinrich-Böll-Stiftung am 08. März 2010. Foto: Stephan Röhl.

24. März 2010
Von Thorsten Arndt
 

Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer verbreitete am 8. März in der Berliner Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung bei seiner Präsentation der neuesten Ergebnisse des Forschungsprojekts Deutsche Zustände kaum Optimismus: Die Finanzkrise des letzten Jahres hat die sozialen Abstiegsängste in Deutschland noch einmal erheblich verstärkt. Immer mehr sind davon überzeugt, dass wir uns Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness für alle nicht länger leisten können. Die Vorstellung von der Gleichwertigkeit der Menschen ist offenbar keine Selbstverständlichkeit mehr.

Die Verunsicherung wächst

In der Langzeitstudie "Deutsche Zustände" beobachtet das von Wilhelm Heitmeyer geleitete Soziologen-Team des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld seit 2002 die Entwicklung von Vorurteilen gegen schwache Gruppen. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfragen sind keineswegs immer negativ: In der Vergangenheit beobachteten die Wissenschaftler z.B. einen leichten Rückgang von Fremdenfeindlichkeit und Sexismus. Auch diesmal hatte Wilhelm Heitmeyer nicht nur schlechte Nachrichten. So sei der Antisemitismus in der Bevölkerung nicht gestiegen, obwohl es seit der Finanzkrise neue Vorurteile gegen "jüdische Banker der amerikanischen Ostküste" gebe.

Der Abschwächung einzelner Vorurteile sollte nach Überzeugung von Heitmeyer aber nicht darüber hinweg täuschen, dass seit Jahren ein Besorgnis erregender Anstieg der Verunsicherung und Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu beobachten sei. Die Weltwirtschaftskrise habe diesen Trend noch einmal verstärkt, obwohl deren konkrete Folgen bisher nur eine Minderheit direkt betreffen. Die Wut auf die Verantwortlichen mische sich dabei mit wachsender Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg.

Viele Menschen reagieren auf die Krise, indem sie Heitmeyer zufolge eine pessimistische Erwartungshaltung gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung einnehmen und zugleich auf der Vorstellung eines vermeintlich intakten privaten Umfelds beharren. Durch diese Differenzierung werde die gesellschaftliche Krise in Deutschland gewissermaßen "privatisiert". Die aktuelle Studie hat ergeben, dass über 90 Prozent der Befragten in Zukunft mehr soziale Abstiege und Armut fürchten. Drei Viertel der Bevölkerung glaubt, dass die Bedrohung des Lebensstandards die Solidarität mit Schwachen verringert. Ein Drittel meint, dass wir es uns in der Wirtschaftskrise nicht mehr leisten können, allen Menschen gleiche Rechte zuzugestehen. 61 Prozent sind der Ansicht, dass in Deutschland zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden müssen. Gerade in der verunsicherten Mittelschicht gibt es offenbar zunehmend ein Bedürfnis nach Abgrenzung. Schwache soziale Gruppen, z. B. Langzeitarbeitslose, werden für ihr eigenes Schicksal verantwortlich gemacht, auch um die Möglichkeit des eigenen Scheiterns von sich zu weisen.

Die ernüchternden Umfragewerte lassen nach Ansicht von Wilhelm Heitmeyer den Schluss zu, dass die Kernnormen Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness in der Mitte der Gesellschaft immer weniger Anklang finden. Es drohe eine zunehmende Erosion der demokratischen Basis. Sollte sich eine "Ideologie der Ungleichwertigkeit" ausbreiten, sei ein starker Anstieg der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu befürchten.

Aufstieg der neuen Rechtspopulisten

Die Entsolidarisierung der Gesellschaft wird Wilhelm Heitmeyer zufolge immer stärker von einem Gefühl politischer Machtlosigkeit begleitet. Auch hier hatte der Soziologe zunächst eine positive Botschaft: Die Wut bleibe in Deutschland vorerst privat und führe nicht zu gewalttätigen Unruhen oder vermehrter offener Gewalt gegen schwache Gruppen. Der Wille zur Konfrontation der politisch Verantwortlichen sei allerdings ebenfalls nur gering ausgeprägt. Gerade bei Menschen aus der unteren Soziallage sei die Bereitschaft stark gesunken, sich überhaupt noch aktiv an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Stattdessen habe sich eine "wutgetränkte politische Apathie" ausgebreitet, von der vor allem der neue Rechtspopulismus profitiere. Heitmeyer berichtete von einer Dortmunder Veranstaltung, auf der Angehörige der Autonomen Nationalisten durch diszipliniertes und geschlossenes Auftreten beeindruckt hätten. Die gefährliche Überzeugungskraft der neuen Rechten entspringe nicht zuletzt einer Beschreibung gesellschaftlicher Realität, die auch er "jederzeit unterschreiben" könne, so Heitmeyer.

Der Aufstieg der neuen Rechtspopulisten in Deutschland ist Teil eines europäischen Phänomens, wie Wilhelm Heitmeyer unter Verweis auf eine aktuelle Vergleichsstudie feststellte. Rechtspopulistische Parteien seien z.B. in den Niederlanden oder in Ungarn auch an den Wahlurnen sehr erfolgreich. In Deutschland fehle den Rechtspopulisten bisher "glücklicherweise" ein charismatischer Anführer, so Heitmeyer. Albrecht von Lucke, Redakteur der Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik, stellte daraufhin die Frage, ob ein derartiger "Mobilisierungsexperte" für den politischen Siegeszug rechtspopulistischer Überzeugungen überhaupt notwendig sei. Während sich Heitmeyer nur zurückhaltend zu der von FDP-Chef Guido Westerwelle angestoßenen Debatte über den deutschen Sozialstaat äußerte, wies von Lucke auf Parallelen zwischen der Rhetorik Westerwelles und der des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hin. Westerwelles Antwort auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Hartz-IV-Gesetz sei ein Ausdruck von "Demokratieverachtung". Westerwelles Äußerungen seien Teil eines Versuchs, soziale Ungleichheit gesellschaftlich akzeptabel zu machen. Wie sehr sich die Debatte in Deutschland bereits verschoben habe, sei daran abzulesen, dass sich sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch ZEIT-Chefredakteur di Lorenzo vor allem von der Rhetorik, nicht aber vom Inhalt der Aussagen Westerwelles distanziert hätten.

Politische Verantwortungslosigkeit

Wilhelm Heitmeyer wies darauf hin, dass auch Politiker, die inhaltlich nicht mit Westerwelle übereinstimmen, bisher weitgehend desinteressiert auf die wachsenden sozialen Abstiegsängste in der Mitte der Gesellschaft reagieren. Ein Grund sei, dass die Betroffenen der Krise dank ihrer individuellen Anpassungsstrategien den politischen Betrieb nicht wirklich stören. Der Rückgang der politischen Partizipation, der z. B. in der schwindenden Wahlbeteiligung von Menschen aus unteren Soziallagen zum Ausdruck komme, werde nicht als Problem erkannt. Heitmeyer berichtete, dass Politiker seine Analysen lieber entrüstet zurückgewiesen hätten, als das Ausmaß der sozialen Desintegration anzuerkennen. ("In einigen Bundesländern haben wir keine Freunde mehr") Bei der Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen werde dies besonders deutlich: "Politische Eliten haben keinen blassen Schimmer, wie zerstörerisch Arbeitslosigkeit ist."

Wege aus dem Dilemma

Wilhelm Heitmeyer versuchte immer wieder, den insgesamt durchaus pessimistischen Grundton seiner Ausführungen zu konterkarieren, indem er auf Möglichkeiten zum Gegensteuern hinwies. Er selbst sei zum Beispiel dazu übergegangen, Politikern vermehrt Sozialraumanalysen für ihren konkreten Verantwortungsbereich vorzulegen, um Ausflüchte zu erschweren. Auf zivilgesellschaftlicher und kommunalpolitischer Ebene sei es wichtig, den Kampf gegen den neuen Rechtspopulismus nicht auf die Jugendarbeit zu reduzieren. Gefährliche Wertmuster würden oft gerade von Angehörigen der älteren Generation reproduziert, so Heitmeyer. Es sei auch falsch, Rechte kategorisch auszugrenzen, ohne sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Eine weitere Entsolidarisierung der Gesellschaft werde allerdings kaum aufzuhalten sein, wenn die strukturellen Ursachen der Krise nicht verstanden werden, fürchtet Heitmeyer. Die internationale Ökonomisierung gehe seit Jahren mit einem politischen Kontrollverlust einher, der die soziale Integrationsleistung der Politik immer schwieriger werden lässt. Die Fiskalkrise des Staates habe sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise des letzten Jahres noch einmal erheblich verschärft. Der soziale Frieden in Deutschland werde sich nicht mehr lange durch ein Staatsdefizit erkaufen lassen. Die "leere Regulationsrhetorik" der Politik ließ Heitmeyer allerdings befürchten, dass das Platzen einer neuen Finanzblase nur eine Frage der Zeit sei.

Reaktionen (14)

1_ michael .c
5. Januar 2011, 15:18 Uhr

und was sagt mir das , schreiben wir noch ne wissenschaftliche studie ,
die dann irgendwo altpapier wird .
statt mal geld und men power in richtige arbeit zu stecken .
ich mein damit das ihr endlich aufwacht und praktisch arbeitet .
ihr verzieht euch immer wenns eng wird, wenn ihr wirklich was verändern wollt , geht raus aus eueren wissenschafts türmen ,und schaut euch die ganze sache mal aus der nähe an .nachnach könnt ihr mit reden.

2_ venceremos !
8. Januar 2011, 12:02 Uhr

Deutschland, aktuellstes Beispiel des entfesselten Raubtierkapitalismus.
Versucht wird über den Mix von politischer und der industrie Lobby die wachsende soziale Ungerechtheit zu normalisieren, damit einige "Geldreiche" Unmenschen von millionen "Zwangsverarmenden" gut leben können. Eine schrekliche Dekadenz im Zeichen des Euro in Deutschland.
Die Aliierten haben dieses Land zu voreilig "freigegeben". Die grausam, egoistisch denkenden Köpfe sind noch nicht ausgestorben.
Hoffentlich schafft es nun China, Brasilien, Russland und andere neue Industrieländer Deutschland bald in die Knie zu zwingen damit diese vermeintlich und selbserkorene (verschrobene) Elite zur Bescheidenheit kommt und sich wieder ein Menschenherz in kürze heranbildet. In keinem anderen Ort dieser Erde ist das Leben mit Statussimbolen, lachhaften Versuchen eine Lebens-Hackordnung so ausgeprägt wie hier. Ganz einfach widerlich - aus der Deutschen vergangenheit IMMER NOCH NICHT GELERNT? Wird höchste ZEIT !!

3_ Peter
14. Januar 2011, 11:50 Uhr

Lieber Michael,
Studien werden erstellt, um einen genauen Blick auf die Problemlagen zu bekommen, damit man beim praktischen Arbeiten den Hebel an der richtigen Stelle ansetzt, statt auf gut Glück halt mal zu machen, in der Hoffnung, zufällig das Richtige zu tun.
Da Du eher der Macher bist, schlage ich vor: Lies die Studie, achte auf Heitmeyers Lösungsvorschläge, und wenn sie dir zusagen, tu dich mit möglichst vielen Gleichgesinnten zusammen und mach, was du selbst forderst.

4_ Der zornige Prophet
17. Januar 2011, 14:28 Uhr

Ein sehr guter Bericht/Studie der es genau auf den Punkt bringt.

Ich frage mich immer warum große Schichten mit gleichen Problemen nicht auf die Straße gehen um zu protestieren? Zumal sie die größte Macht im Staate sein könnten. Beispiel: wenn 4 Millionen vor der Hauptzentrale in Berlin stehen würden – dann reicht die“ Straße des 17 Juni“ nicht aus – falls die noch so heißt und die Siegessäule würde endlich mal wieder ihrem Namen alle Ehre machen.

Ich sehe es übrigens auch so, das „dunkle Mächte“ dies nützen könnten um ihre Ideologie durchzusetzen.

Ich denke aber auch, dass diese Menschen auch einen anderen Weg nutzen können um aus diesem Dilemma wieder herauszukommen.

Es ist wichtig, dass die Menschen – wenn sie schon nicht an andere mehr hochschauen können aus der Politik – es lernen müssen wieder an sich selbst zu glauben. Dann werden sie genug Kraft haben um gemeinsam etwas zu ändern. Selbst wenn jeder Mensch eigenbrötlerisch seine Ziele in der Gemeinsamkeit durchsetzt - würde es einen gewaltigen Knall geben den man von Berlin bis München hören würde. Dazu bedarf es nicht falscher Rechtspopulisten – sondern nur eine Einigkeit in der eigenen Sache.

5_ Hans-Jürgen Hennig
16. Februar 2011, 09:20 Uhr

Zitat aus dem Artikel: "Ein Drittel meint, dass wir es uns in der Wirtschaftskrise nicht mehr leisten können, allen Menschen gleiche Rechte zuzugestehen. 61 Prozent sind der Ansicht, dass in Deutschland zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden müssen. Gerade in der verunsicherten Mittelschicht gibt es offenbar zunehmend ein Bedürfnis nach Abgrenzung. Schwache soziale Gruppen, z. B. Langzeitarbeitslose, werden für ihr eigenes Schicksal verantwortlich gemacht, auch um die Möglichkeit des eigenen Scheiterns von sich zu weisen."
Hier stoßen die deutschen Denkmuster an ihre Grenzen und wir sind bei dem Tabu angelangt. Die ganzen geschilderten Vorstellungen sind mit bekannt, aber noch nie habe erlebt, dass diese Gedanken konsequent zu Ende gedacht wurden. Was machen wir also mit diesen Menschengruppen, die nach Meinung der Mittelschicht mit durchgeschleppt werden? "Sie sind ja selber Schuld". Wo wird dieser Punkt öffentlich erörtert? Wieso ist der ältere Arbeiter schuld, weil er mit über 50 Jahren keine Arbeit mehr findet?
Wo wird über diese Gedanken öffentlich geredet?
Übrigens, das mit den gleichen Rechten ist schon außer Kraft. Hartz-IV-Empfänger haben schon nicht mehr die gleichen Rechte.
Ich würde mal eine Studie empfehlen, die sich im Umfeld von Betroffenen bewegt, dort, wo es arbeitslose Journalisten, Lehrer, Doktoren und andere gut gebildete Menschen gibt, die absolut nicht verstehen, wenn von Fachkräftemangel in Deutschland gesprochen wird.
Noch ein Thema für eine Studie: "Politiker und Wahrheit", oder "wie viel Lügen verträgt die Demokratie?".
Es gibt so viele Tabuthemen in diesem so freien Land, man könnte viele Seiten oder Sendungen damit füllen. Wer hat schon die Courage, solche Themen anzupacken?
Mit freundlichem Gruß, Hans-Jürgen Hennig

6_ DasEi
13. Dezember 2011, 06:20 Uhr

Nein, aus Angst, die (wer auch immer) könnten den Laden (Deutschland) übernehmen, stellt man (deutsche Unternehmer) willfährige Sklaven ein, die nicht selber denken dürfen (meistens tun die nur so). Nach einer kurzen Phase des (kopierten) Aufschwungs platzt die Blase, und damit der Traum vom (kopierten) Wohlstand.
Und nun, können deutsche nicht mit geplatzten Träumen leben, und ist dann immer das Andere schuld.
Das Diktat vom sozialen Aufstieg steht der Utopie einer geistig-kulturellen Verfeinerung entgegen. Oder ist der Umstand der Kulturnation auch nur eine diktierte Illusion.

7_ Jürgen Bosbach
13. Dezember 2011, 20:27 Uhr

In Anbetracht der Lage sind serielle Stoßseufzer unvermeidlich. In meinem Job begegnen mir strukturell bedingte menschliche Tragödien täglich. Es sind Arbeiter zwischen vierzig und achtundfünfzig Jahren, die in ihren Berufen körperlich hinfällig wurden und jetzt ohne passende Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben sollen. Ein Dachdecker mit defekten Knien kann seinen Beruf nicht mehr ausüben. Die Verelendung beginnt. Ich würde mir wünschen, dass es bundesweite Berufsuniversitäten gäbe. Institutionen die berufliches, marktrelevantes Wissen vermitteln und den Unterhalt der Teilnehmer angemessen sicher stellen. Fast jeder Arbeiter verfügt über eine spezifische Bildungsfähigkeit, die im jetztigen System ungenutzt bleibt. Gefordert sind da die Rententräger, die Berufsgenossenschaften und die Politik, die endlich wacher werden müsste. Denkt mal über ein solches Institut nach!
8_ rentnerband
15. Dezember 2011, 02:24 Uhr

die Sendung zur Studie sah ich heute in 3Sat zum ersten Mal und schaue hier in die Kommentare und bin entsetzt, dass diese magere Zahl an Meinungen zusammengekommen ist. Von Januar bis Dezember 2011
ärmsehlig !!
Doch auch die sogen. Mittelschicht sollte langsam das Gefühl beschleichen, dass die Entsolidarisierung in der Gesellschaft schon lange schleichend zunimmt




9_ Hans
15. Mai 2012, 00:11 Uhr

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dieser Link bei Google "Heitmeyer" relativ weit oben steht.
Aber alle Foren etc. verzeichnen Abnahmen der Teilnehmerzahl.
Es sind einfach so viele.
Es gibt viele Leute, die etwas sagen wollen, das möglichtst viele hören sollen.Möglichst 1000.
Aber es gibt kaum Leute, die Meinungen von 1000 anderen auch lesen wollen.
Deshalb bieten Foren, die schon vollgeschrieben sind, schlechte Chancen. Also verteilt es sich....?

10_ Haribo
4. Juli 2012, 02:58 Uhr

Ein Volk, das in drei Generationen drei Kriege erfahren hat, mag lange nicht mehr aufstehen. Die Kriegsmüdigkeit sieht man doch an der Teilnahmslosigkeit der Bürger bei der medialen Zurschaustellung des Staatsversagens im Fall der neuen NSU-Terrorgruppe.

Whistleblower und Querdenker sind unbeliebt. Die Verantwortung der Verantwortlichen ist geheuchelt. Der Staatsschutz vernichtet Dokumente zum Eigenschutz. Kontrolle bleibt da aus, wo Politiker 60% für den Machterhalt, weitere 30% für zusätzlichen Karrieregewinn und die restlichen 10% fürs Volk investieren. Die Realität wird verdreht und unmenschlich verzerrt, damit keiner mehr durchblickt. Die daraus entstehenden Nebenwirkungen werden schöngeredet oder schlichtweg bestritten und unter den Tisch gelogen.

So bewirkt die Ökonomisierung des Gesundheitssystems über die Rationierung der Behandlungsleistungen über längere Zeit viel mehr tote Mitbürger als alle Unfalltoten und gefallene Bundeswehrsoldaten zusammen. Die geplante Rationierung durch Eliten der Gesellschaft wird allgemein als schicksalhaft hingenommen, Verletzungen von Menschen, z.B Stuttgart 21, führt zur Empöhrung ohne Konsequenzen.

Die Mutlosigkeit ist eine schon staatstragende Pandemie gworden. Ein verzagtes Gehirn kontrolliert keinen Politiker und interessiert sich nicht für Demokratie und zeigt keine Anstrengung gegen Bevormundung und Unfreiheit wegen Entmündigung durch selbsternannte Experten.

Verbitterung, Resignation und innere Emigration sind heute der Berentungsgrund Nr.1. Rückenschmerz ist out. Nach den arbeitsgeschädigten kommen jetzt zunehmend die sozial geschädigten Bürger zum Zug.
Die Hilflosigkeit dieser Betroffenen wird schamlos ausgenutzt, um eine ganze Sozialindustrie zu etablieren, in der dieselben Eliten etwas zu sagen haben, welche die kontrollierte Ökonomisierung des Menschseins erfinden und mittels maipulierter Legislative aus dem Sozialgesetz-Monster das System der Ungleichheit und damit den Verrat an Demokratie und Verfassung am Laufen halten.

Es ist eine Herkulesaufgabe dieses Netz der Ungleichheit zu zerschlagen, weil es den Anschein hat, dass mehr Bürger davon profitieren, als darunter leiden.
Würden alle hilflos gestellten Bürger einer Gesundheitspartei beitreten, dann könnten sie die größte Volkspartei abgeben. Das werden die politischen Eliten, die ihre Claims schon abgesteckt haben, aber zu verhindern wissen. So viel Demokratie ? Ja wo kommen wir denn da bloß hin !!

Schade, dass die Piratenpartei die Sache nicht geschnallt hat. Aber die müssen sich ja erst noch aus ihrem Kokon der Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten pellen.

Die wirklichen Kenner der Materie müssen sich dem Fraktionszwang der Parteien beugen oder werden öffentlich verfolgt (siehe Sarazin). Oder sie dürfen im Institutsbereich tröpfchenweise die Wahrheit verteilen, ohne namentlich Ross und Reiter zu nennen, weil sie sonst die Mittel gekürzt bekommen oder ihre berufliche Karriere ruinieren.

Ob Griechenlandsause, Eurorettung oder das Märchen vom Diktat der Märkte. Die Geschichten des Lügenbarons sind auch schon über hundert Jahre alt, aber sie sterben nicht aus. das Demokratieverständnis nimmt ab und die Radikalisierung nimmt zu. Die Politik schmeißt sich dem Lobbyismus an den Hals und veralbert ihre Wähler mit dem medialen Slogan nach der Wahl ist vor Wahl oder umgekehrt ??

Die institutionalisierte Demokratie ist ein Selbstbedienungsladen für selbstdefinierte Eliten, die der Macht der Manipulation huldigen und der Bürger lebt nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann helfen dir vielleicht Gott, ein paar Freunde oder ein bißchen Korruption.



11_ Toddi
4. September 2012, 12:55 Uhr

Der Inhalt dieses Berichts ist auch am 4. September noch mehr als aktuell.

Ein gutes, neuerliches Beispiel für die Entsolidarisierung sind die Proteste der Ärzte. Auch sie fühlen sich benachteiligt und gehen davon aus, dass sie einen zu geringen Anteil an den noch vorhandenen Ressourcen bekommen. Damit hat der Verteilungskampf nun auch Ärzte eingeholt, die im Durschnitt 5500 Euro netto verdienen (http://www.fr-online.de/wirtschaft/aerzte-einkommen-praxisaerzte-verdienen-5500-euro,1472780,16565106.html).


12_ Uwe Schneider
6. Januar 2013, 10:54 Uhr

Entsolidarisierung von Gesellschaften ist die Aushöhlung von Demokratie.

Die politische Aufgabe von Frau Merkel ist dem deutschen Volk zu erklären, dass widrige Umstände vom demokratischen System bewältigt werden müssen, soll dieses nicht gefährdet werden. Und zwar hat dies kritiklos zu geschehen, weil es alternativlos ist.

Diese Umstände weisen eine geimeinsame paradigmatische Qualität auf, sie schaffen Tatsachen, die über Generationen hin wirksam sein werden und sie schreiben Verantwortung und Haftung dieser Umstände dem Gemeinwesen zu. Aus diesem Grunde weisen sie einen sehr hohen Risikofaktor auf: soziale Instabilität.

Die Funktion von politischer Diskussion ist die der Vermittlung. Sie komponiert Bilder und Begriffe und schafft so einen kollektiven Bewußtseinsinhalt, der seiner Sachgemäßheit entkleidet die Aufgabe hat über eine symbolische Sprache Inhalte ihres unpopulären Inhalts zu berauben, um ein politisch gewünschtes und unterstütztes reduziertes Verständnis eines Inhaltes zu erzeugen. Der Gegenstand wird dann innerhalb dieses reduzierten begrifflichen und bildlichen Vorstellungsinhalts behandelt. Der seines Inhalts beraubte Gegenstand verlässt diese politisch entschärfte Metaebene im öffentlichen Mainstream nicht mehr. Das Interesse das Durchdringen eines Gegenstandes zu fördern und eine gesellschafliche Diskussion darüber anzuregen besteht nicht, da gerade dies das Ziel der Unternehmung ist: an die Stelle einer Sachdiskussion eine gefühlte Diskussion zu etablieren: Politik als permanente Deeskalation.

Über das Medium der politischen Diskussion findet ein Erziehungsprozess satt. Legitimation als eine Hauptaufgabe von Politik transportiert eine konstante Botschaft: demokratische Implikationen sind sog. Sachzwängen stets untergeordnet.

Hierbei wird die Stärke dieser Kanzlerin immer dann empfunden, wenn sie die Schutzfunktion der Politik hervorhebt. Dies ist ein Beleg dafür, dass die beschriebene Vermittlungsfunktion funktioniert.

Das Ziel dieser Vermittlung ist die Garantierung der Zustimmung der Völker, dies ist das Versprechen der Politik. Es geht darum die Belastungen festzuschreiben und die Menschen an den Gedanken von strukurellen Veränderungen zu gewöhnen. Diese Zustimmung zielt in der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens. Hierin ist der Sinn dieser Politik zu suchen. Die Funktion der politischen Diskussion ist also im wesentlichen eine hermeneutische geworden. Ihre demokratische Funktion hat sie verloren.

Viele gehen heute davon aus, dass Demokratie der Naturzustand ist, was auch geschieht bewegt sich innerhalb dessen. Von diesem Bild lebt diese Politik der Vermittlung. Diese Form von Politik höhlt Demokratie aus. Demokratie wird reduziert auf sozialen Frieden. Politik hat im wesentlichen eine polizeiliche Funktion, sie schafft Tatsachen und bewahrt die äußere Sicherheit, am inneren Frieden einer Gesellschaft liegt ihr nichts. Dieser Umstand wird diese Politik langfristig scheitern lassen, weil sie Opfer erzeugt.

Die Herausforderungen heutiger Politik: die Völker auf einen dauerhaften Verlust von Kultur und Menschenrecht, von Demokratie aufgrund von Sachzwängen vorzubereiten.

Die Anklage an heutige Politik: Mithilfe

13_ helli
8. Februar 2013, 12:04 Uhr

wir leben seit über 60 jahren im frieden. wir sollten dankbar sein, wenn wir ein dach über dem kopf haben, eine warme bude, genug zu essen und was anzuziehen. darüber hinaus haben die meisten deutschen auch noch das geld, um mal zu verreisen, eine film zu sehen, ins theater oder die oper zu gehen(letzteres wollen aber nicht so viele, selbst wenn sie es können).
wieso wählen viele eine christliche partei, wenn sie andererseits so selbstsüchtig denken. geht es nur noch um das eigene portemonnaie? wir sind als menschen immer mal von anderen menschen abhängig, die uns helfen, wenn wir krank sind oder es uns selbst plötzlich wirtschaftlich schlecht geht. für alles eigenes verschulden vorauszusetzen finde ich ganz schön primitiv und fantasielos.

14_ Jürgen
10. Mai 2013, 19:34 Uhr

Bin 72 u. habe noch die Bomberströme in Erinnerung die ich als toll silbern glänzende Vorgelschwärme empfandt wenn ich in unserer gerade neu gewonnen Heimat im Gras liegend in den blauen Himmel ganz nach oben schaute. Ich wusste noch nicht was das wirklich bedeutete und gesagt hat es mir auch niemand. Es wurde täglich um das Überleben d.h. die Beschaffung von Heizmaterial u. Nahrung gerungen. Ich mochte auch nicht fragen weil zuviel Verzweiflung in der Luft lag. Da gibt es nur die Überzeugung "Nie wieder Krieg" was wir doch nur mit grundsätzlicher Toleranz und Solidarität erreichen können.
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