Der Autor, Tilman Santarius, erläutert, warum die deutsche Außenwirtschaftspolitik auch Klimapolitik sein muss.
Schriften zur Ökologie, Band 7:
Deutschlands Vorreiterrolle auf dem Prüfstand
Klimagerechtigkeit nach dem Greenhouse Development Rights-Modell
Von Tilman Santarius
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin, Oktober 2009, 36 Seiten, Abbildungen
ISBN 978-3-86928-010-3
Vorbemerkung
Der Klimawandel stellt die Welt vor gewaltige Herausforderungen. Es geht darum, die Erhitzung der Atmosphäre einzudämmen und die Lasten innerhalb der Weltgemeinschaft gerecht zu verteilen. Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre ist mittlerweile so hoch, dass es nicht mehr ausreicht, nur über Emissionsreduktion in den entwickelten Industrieländern zu sprechen. Auch in den aufstrebenden Entwicklungsländern, wie China und Indien, müssen signifikante Reduktionen stattfinden, damit die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius bleibt. Trotz eines teilweise riesigen Wirtschaftswachstums leben aber in diesen Ländern noch immer sehr viele Menschen in Armut, für die die eigene Entwicklung und das eigene Überleben vor dem Schutz des Klimas stehen. Gleichzeitig werden aber gerade die Armen die Folgen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommen, obwohl sie kaum etwas zu den Ursachen beigetragen haben. Gerechtigkeit und Klimaschutz müssen deshalb immer gemeinsam gedacht werden.
Einen realistischen Weg bietet das von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte und veröffentlichte Greenhouse Development Rights Framework: The right to development in a climate constrained world von Paul Baer, Tom Athanasiou und Sivan Kartha. Die Autoren belegen, dass man von den Armen nicht fordern kann, ihre wenigen, wertvollen Ressourcen zum Schutz des Klimas einzusetzen; stattdessen könnten aber die Wohlhabenderen in der Weltbevölkerung, die weitgehend für die hohen Emissionen verantwortlich sind, einen fairen Anteil an Klimaanstrengungen leisten. Das bedeutet, dass vor allem die konsumierende Klasse, die es in allen Ländern der Welt, besonders aber in den Industrieländern gibt, für Maßnahmen gegen den Klimawandel aufkommen muss. Die Autoren haben einen «Responsibility-Capacity-Index» entwickelt, mit dem für jedes Land ermittelt werden kann, welchen Anteil es an den weltweiten Klimaschutzanstrengungen entsprechend seiner Verantwortung und Möglichkeiten übernehmen muss. Dieser Ansatz hat weltweit Anklang gefunden und steht bei einigen Politikern bereits auf der Agenda.
Deutschland sieht sich seit Jahren, teilweise gerechtfertigt, als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Einige klimapolitische Maßnahmen wurden auf den Weg gebracht, und die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls werden wohl knapp eingehalten. Mit dem vorliegenden Papier wollen wir erfassen, was Deutschlands angemessener Anteil beim Klimaschutz wäre. Die Bundesregierung strebt offiziell an, bis zum Jahre 2020 den deutschen Treibhausgasausstoß um 40% gegenüber 1990 zu mindern. Nach dem vorgestellten Ansatz müsste Deutschland aber eine Minderungsverpflichtung von 84% übernehmen. Dieses ambitionierte Ziel kann nicht allein durch nationale Maßnahmen erreicht werden, und so müssten weitere gut 40% Emissionsminderungen in anderen Ländern realisiert werden. Dafür ist eine intensive Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern nötig, die Angebote für umfassende Finanztransfers und eine Nord-Süd-Technologieallianz umfasst. «40 plus 40 bis 2020» wäre ein Ziel, mit dem die
Bundesregierung ihrem Anspruch, einer «Vorreiterin» beim Klimaschutz zu sein, eine neue Dimension verleihen könnte.
| Klimagerechtigkeit nach dem Greenhouse Development Rights-Modell - Deutschlands Vorreiterrolle auf dem Prüfstand |
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| Herausgeber/in | Heinrich-Böll-Stiftung |
| Erscheinungsort | Berlin |
| Erscheinungsdatum | Oktober 2009 |
| Seiten | 36 |
| ISBN | 978-3-86928-010-3 |
| Bereitstellungs- pauschale |
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