Schriften zur Ökologie, Band 25

Geo-Engineering: Gibt es wirklich einen Plan(eten) B?

23. Juli 2012
Georg P. Kössler

Der Klimawandel schreitet voran, die Folgen für Mensch und Natur werden verheerender. Was kann dagegen getan werden? Die deutliche Reduzierung der CO²-Emissionen ist der naheliegende Weg. Doch auch ein anderer findet findet vermehrt Anklang: Geo-Engineering. Die Abscheidung und Lagerung des CO², die Impfung der Meere mit Eisen, unzählige Spiegel im All, die Sprühung von Sulfaten in die Atmosphäre – das sind nur einige der Vorschläge, mit denen die Abläufe in der Natur im Sinne des Menschen manipuliert werden sollen, um den Klimawandel zu stoppen. Doch sind diese Ideen wirklich umsetzbar? Welche Risiken bergen sie? Und: Sind sie ethisch zu verantworten?

Der Autor Georg P. Kössler bietet mit dieser Publikation einen Blick auf die vielfältigen Konzepte des Geo-Engineering und eine Argumentationshilfe für die anstehenden Debatten.

Die Druckausgabe der Publikation erscheint am 27. Juli.


Geo-Engineering: Gibt es wirklich einen Plan(eten) B?
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Juli 2012
Seiten 60
ISBN 978-3-86928-084-4
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Inhalt

  • Vorwort 6
  • Einleitung 9
  • Die Wettermacher 11
    Solar Radiation Management (SRM) 14 
    Die Spiegel-Theorie 14
    Die Vulkan-Theorie 15 
    Die Albedo-Theorie 18 
    Die Wolken-Theorie 19 

    Carbon Dioxide Reduction (CDR) 20 
    Die Air-Capture-Theorie 20 
    Die Bio-Theorie 24 
    Die Ozean-Theorie 27 
  • Die Eckpfeiler der Debatte 29 
    Was dafür spricht... 30 
    ...und was dagegen 31 
    Vom Glauben an die Technologie 31

  • Wer profitiert? 37 
    Das Primat des Marktes 37 
    Militärischer Einfluss 40 
    Die Popstars des Geo-Engineering 40 
    Alte Bekannte 41
  • Wie frei kann freie Wissenschaft sein? 43 

  • Eine Frage der Ethik? 49 
  • Fazit 52

  • Glossar 57 
  • Literatur 58

 

Vorwort

Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet und initiiert Debatten und politische Konzepte, die sich mit unserer Zukunft in Zeiten des Klimawandels befassen. Dabei ist es der Stiftung wichtig, Wirkungszusammenhänge genau zu analysieren, damit beurteilt werden kann, wann und wie Eingriffe Kreativität anregen, kritisches Denken fördern
und Politik verändern kann.

Über das Thema "Geo-Engineering" gibt es kaum eine öffentliche Diskussion in Deutschland. Die deutsche Zivilgesellschaft wurde vom Thema "Geo-Engineering", also der Frage der technischen Manipulation des Klimasystems der Erde, auf dem falschen Fuß erwischt. Das mag auf der einen Seite an der allgemeinen und anhaltenden "Schockstarre" wegen der stagnierenden internationalen Klimadiplomatie liegen, auf der anderen Seite an einem viel zu wenig hinterfragten Glauben an die Wirksamkeit technischer Lösungen.

Politik und Gesellschaft können aber erst debattieren, urteilen und entscheiden, wenn sie informiert sind, wenn sie die Technologien und erst recht die Alternativen dazu kennen. Bislang haben nur wenige Medien – und das meist sensationshungrig – die Ideen des "Strahlungsmanagements" oder der CO² -Abscheidung aus der Atmosphäre aufgegriffen. Eine kritische und breite gesellschaftspolitische Debatte kann das nicht ersetzen. Hier sind Nichtregierungsorganisationen und Umweltverbände ebenso gefragt wie die politischen Parteien und ihre Stiftungen. Wir als grüne Stiftung wollen mit dieser Publikation informieren. Denn wir brauchen die Auseinandersetzung mit den Risiken der vorgesehenen Technologien und den betreffenden ethischen Fragen.

Bislang gibt es weder multilaterale Absprachen noch die nötige Transparenz über laufende und geplante Experimente des Geo-Engineering. Ein Moratorium ist insofern das Mindeste, was es zu fordern gilt. Die Folgen des Einsatzes der entsprechenden Technologien sind weder erforscht noch gesellschaftlich diskutiert. Und wer profitiert eigentlich von Geo-Engineering, und wer und was bleiben dabei auf der Strecke?

Als Stiftung haben wir uns immer wieder dafür ausgesprochen, die technischen wie auch die gesellschaftlichen Aspekte von Innovationen zu diskutieren. Hightech-Lösungen versuchen meist, grundlegende Entscheidungen zu unseren Lebensstilen, zu unseren Produktions-, Distributions- und Konsumptionsmustern obsolet zu machen. Wir glauben jedoch, dass wir uns diesen Entscheidungen aktiv stellen müssen.

Die Heinrich-Böll-Stiftung will mit dieser Publikation die wichtigsten Technologien verständlich vorstellen, den sich derzeit formenden Diskurs kritisch hinterfragen und mit der (Un)Möglichkeit eines "Plan B" auch weiter Druck aufbauen auf die momentan leider viel zu sehr im technischen Klein-Klein gefangene multilaterale Klimadebatte. Mit einigen abschließenden Leitgedanken und offenen Fragen wollen wir dabei denjenigen eine Orientierung geben, die wie wir mit der Frage ringen, ob das Geo-Engineering ein "Austreiben der Pest mit der Cholera" ist oder vielleicht doch die letzte Chance auf ein Überleben mit dem Klimawandel. Wir brauchen so oder so dringend umfassende, ambitionierte und verbindliche Reduktionsziele – und das nicht erst 2020. Wir mahnen eindringlich zum Dialog, denn ein "Too big to fail" können wir uns im Klimasystem nicht leisten. Dafür steht zu viel auf dem Spiel.

Berlin, im Juni 2012

Barbara Unmüßig
Vorstand der
Heinrich-Böll-Stiftung

Lili Fuhr
Referentin für Internationale Umweltpolitik
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