Pressemitteilung
Buch: Braune Ökologen. Strukturen und Hintergründe am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns
11. Januar 2012
Rechtsextreme, die sich gegen grüne Gentechnik wehren, sich an Anti-Atom-Protesten beteiligen und völkische Siedler, die biologische Landwirtschaft betreiben, sind seit einigen Jahren in Mecklenburg-Vorpommern anzutreffen. Dabei können die „braunen Ökologen“ auf lange Traditionslinien verweisen, die sich von den Ursprüngen des Naturschutzgedankens bis zum modernen Rechtsextremismus ziehen. Längst nutzen sie das vermeintlich dem grünen Spektrum zuzuordnende Thema Ökologie für ihr rechtsextremistisches Weltbild und stellen unsere Zivilgesellschaft vor große Herausforderungen.

Am 11. Januar 2012 wurde in Schwerin die Broschüre „Braune Ökologen. Strukturen und Hintergründe am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns“ präsentiert, die den Kenntnisstand aus Zivilgesellschaft und Forschung zu diesem Thema zusammenfasst. Herausgeber sind die Heinrich-Böll-Stiftung und ihre Landesstiftung, die Evangelische Akademie M-V und die Arbeitsstelle Politische Bildung der Universität Rostock. Susan Schulz, Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung MV, unterstrich, dass es ureigene Aufgabe politischer Bildung ist, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in der Forschung als auch im politischen Alltag vor Ort anzuregen. 

Der Band untersucht in einem ersten Teil Konzepte „Brauner Ökologie“ und zeigt dabei deren Traditionslinien wie aktuelle Bezüge auf. Die Rechtsextremismusexpertin Gudrun Heinrich von der Universität Rostock fasste die Intention des Sammelbandes zusammen: „Der Band verbindet die Beschäftigung mit Fragen des Rechtsextremismus und seiner ideologischen Verortung mit Fragen ökologischer Konzeptionen und Bewegungen.“ So ist der Blick in die Geschichte der Ökobewegung notwendig, um die aktuellen Bestrebungen der völkischen Siedlungsbewegung in Mecklenburg-Vorpommern zu verstehen und nachvollziehen zu können.

Konkrete Erfahrungen und Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern bilden den zweiten Teil des Bandes. So erfährt man, warum die Rechtsextremen Profiteure der Leere im Land sind, welche Rolle die NPD in diesem Zusammenhang spielt und wie wir uns gegen antidemokratische Aktivitäten zur Wehr setzen können. Die Hilfestellung folgt dem Dreiklang: Information, Austausch und Vernetzung. Und so schließt der vorliegende Band mit einem Praxisteil, der Handlungsempfehlungen für die konkrete Auseinandersetzung als auch Adressen für weitere Informationen und Beratungsangebote enthält.

Klaus-Dieter Kaiser, Direktor der Evangelischen Akademie in MV, stellte abschließend das Interesse der Kirchen heraus: „Ihr Engagement ist dabei bestimmt durch die Orientierung am christlichen Menschenbild: Allen Menschen kommt die gleiche Würde zu, egal welcher Ethnie sie sich zugehörig fühlen, welche Staatsbürgerschaft sie besitzen oder welchen Geschlechts sie sind, egal welche Hautfarbe sie haben oder welche Kultur oder Religion sie geprägt hat. Alle Menschen haben die gleichen Rechte. Ein Engagement angesichts der ökologischen Herausforderungen kann es deshalb ohne die uneingeschränkte Achtung der Menschenwürde nicht geben.“

+++ Buch: Braune Ökologen. Strukturen und Hintergründe am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns.

Herausgeber: Heinrich-Böll-Stiftung und Heinrich-Böll-Stiftung MV; in Kooperation mit der Evangelischen Akademie MV und der Arbeitsstelle Politische Bildung der Universität Rostock

Berlin, Januar 2012, 112 Seiten, ISBN 978-3-86928-062-2

+++ Podium: Braune Ökologen. Neue Herausforderungen in der Auseinandersetzung

Do, 12.01.2012, 18 Uhr in Rostock, Haus-Böll, Mühlenstraße 9

mit Toralf Staud, Journalist und Autor, Richard Scherer, Soziologe und Theologe und Tatiana Volkmann, Kommunikationspsychologin

Das Podium ist eine gemeinsame Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung MV und der Arbeitsstelle Politische Bildung der Universität Rostock.

 

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