Schriftenreihe Demokratie, Band 23

Die Freiheit im Kopf

28. Dezember 2010

Das Jahr 1960 war für viele Afrikanerinnen und Afrikaner ein Jahr der Hoffnungen. 17 Länder erlangten die Unabhängigkeit von den kolonialen Mächten. Die kolonialen Desaster Frankreichs in Indochina und Algerien und die Unabhängigkeit Indiens vom britischen Empire waren entscheidende Weichenstellungen für die Dekolonisierung Afrikas. So wurde die Metapher des britischen Außenministers Harold Macmillan vom Wind of Change zur offiziellen Doktrin britischer Politik in Afrika. Die letzte Illusion der beiden großen Kolonialmächte war das Experimentieren mit verschiedenen Formen der Einbindung der Kolonien ins Mutterland – von der Union Française zur Communauté Française und dem Commonwealth of Nations.

Die Afrikaner waren vorbereitet: Nach Jahrzehnten der Unterdrückung und Ausbeutung setzten die Führer der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen nun an, der Geschichte einen eigenen Stempel aufzudrücken. Doch sie nahmen ihren Platz in den von den Kolonialmächten geformten Strukturen ein, standen vor übermächtigen Herausforderungen und waren schon in den Kalten Krieg involviert, den sie freilich auch zu nutzen wussten. Im Jahr 1960 wurden nationale Symbole geboren und über die eigenen – ohnehin kolonial gezogenen – Grenzen hinausgedacht. Die Einheit Afrikas, Frieden, Wohlstand und Größe für alle Afrikaner, das waren proklamierte, aber schwer erreichbare Ziele.

Heute, 50 Jahre später, stellt sich die Frage, was aus den Hoffnungen der Menschen und den Visionen ihrer Führer geworden ist. Wurden aus den kolonial geschaffenen Staatengebilden Nationen? Welche traumatischen Ereignisse wirkten nach, welche kamen in den vergangenen 50 Jahren hinzu? Hätte der Reichtum des Kontinents zum Wohle seiner Bevölkerung gereicht? Wie steht es wirklich um das Verhältnis zwischen Europa und Afrika, um Ausgrenzung und Rassismus und welche Zukunftsperspektiven stellen sich in einer globalisierten Welt?

Eine solche Rückschau kann kaum mit allen Differenzierungen erfolgen und all die vielschichtigen Veränderungen und Prozesse eines halben Jahrhunderts auf dem afrikanischen Kontinent erfassen. Die Realität Afrikas, die voller Kontraste und Brüche ist und reich an kulturellem Ausdrucksvermögen und Ideen, ist uns viel zu wenig bekannt. «Blitzlichter» wollen wir daher auf die Länder werfen, die 1960 unabhängig wurden: mit ganz persönlichen und vielfach kritischen Beiträgen. Darunter Ousmane Diarra, von dem wir den Titel des Buches entleihen: «Die Tatsache, dass ich schreibe, hat viel mit Unabhängigkeit zu tun. Ich schreibe, weil ich im Kopf frei bin.»

Eine Reihe der oben erwähnten Fragen werden in den Hintergrundartikeln von renommierten Autoren Afrikas wie Europas behandelt, und zuletzt sollen uns Auszüge aus Reden, Schriften und Kurzporträts in die Aufbruchstimmung von 1960 zurückversetzen. Besonderer Dank gilt Peter Ripken, der dieses Projekt von der konzeptionellen Vorbereitung, der Auswahl der Autoren bis zur Bearbeitung und auch Übersetzung einzelner Beiträge sowie dem Verfassen erklärender Textbausteine sorgsam begleitet hat. All dies webt sich wie ein bunter Flickenteppich zusammen. Ein Rückblick eben, keine Bilanzierung. Denn letztlich steht ja auch Europa weiterhin im Prozess der Dekolonisierung.

Kirsten Maas-Albert, Leiterin des Afrika-Referats der Heinrich-Böll-Stiftung

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Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort 7

Ein Rückblick auf 50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika -
Die Freiheit im Kopf
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Dezember 2010
Seiten 161
ISBN 978-3-86928-045-5
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Dossier

50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika

Das Jahr 1960 war für viele Afrikaner/innen ein Jahr der Hoffnungen. 17 Länder erlangten die Unabhängigkeit von den kolonialen Mächten. Das Dossier soll „Blitzlichter“ auf die Länder werfen, die 1960 unabhängig wurden: mit ganz persönlichen Beiträgen. Daneben gibt es Hintergrundartikel von renommierten Autoren aus Deutschland und verschiedenen Ländern Afrikas sowie Auszüge aus den Reden, Schriften und Kurzporträts, die die Aufbruchstimmung von 1960 deutlich machen.

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