Schriften zu Europa, Band 5

Ethnonationalismus und State Building

9. Dezember 2008

Seit Ende des Kalten Krieges haben ethnische und religiöse Konflikte deutlich zugenommen – mit zahllosen Opfern, insbesondere unter der Zivilbevölkerung. Dem Völkermord in Ruanda oder den Balkan-Kriegen Mitte der 1990er Jahre stand die Weltgemeinschaft weitgehend hilflos gegenüber. Das Interesse an Methoden der Konfliktbewältigung ist seitdem aber stark gewachsen: Nationen- und Staatsaufbau in fragilen Staaten sind längst Bestandteil der internationalen Politik.

In Wissenschaft und Politik wird zumeist der Begriff "State Building" bevorzugt, denn beim "Nation Building" handele es sich um sehr langfristige Prozesse, auf die externe Akteure nur sehr begrenzt einwirken könnten. Diese Feststellung lässt unberücksichtigt, dass sich die internationale Gemeinschaft, wo sie in Post-Konflikt-Gesellschaften im State Building aktiv ist, zunehmend mit ethnonationalistischen Fragestellungen konfrontiert sieht. Wo ethnische oder religiöse Konflikte die Realität dominieren, ist die internationale Gemeinschaft gezwungen, sich im Rahmen ihrer "State Building"-Aktivitäten mit Ethnonationalismus auseinanderzusetzen.

Die daraus folgenden Positionierungen wiederum – etwa in Fragen der Ausgestaltung staatlicher Institutionen, der Verfassungsgebung oder der institutionellen Rahmenbedingungen für politischen Pluralismus – haben Auswirkungen auf die Formen ethnischer und religiöser Konflikte. Sie beeinflussen deren gesellschaftspolitische Bedeutung. Notwendig ist also ein sorgfältiges Abwägen beim Interessengegensatz der territorialen Integrität von Staaten und des Selbstbestimmungsrechts der Völker.

Die vorliegende Publikation umfasst Beiträge, die im Rahmen einer internationalen Fachtagung der Heinrich-Böll-Stiftung im April 2008 entstanden sind. Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft, politischer Bildungsarbeit und Politikberatung setzten sich mit der Frage auseinander, wie die internationale Gemeinschaft in den vergangenen 15 Jahren mit den Phänomenen Ethnonationalismus und religiöse Fragmentierung umgegangen sind und welche Lehren daraus für die Zukunft gezogen werden können. Neben der Frage nach den Instrumenten internationaler Politik geht es darum, aus der politischen Praxis Prinzipien zu identifizieren, die auch auf Methoden der Krisenprävention und -bewältigung übertragen werden können.

Für die Heinrich-Böll-Stiftung sind diese Fragestellungen von unmittelbarer Bedeutung: In unserer Auslandsarbeit u.a. in Südosteuropa, Südkaukasus oder dem Nahen Osten sind wir immer wieder mit ethnischen und religiösen Konflikten konfrontiert. Dass das Thema auch international von politischer Relevanz ist, haben nicht zuletzt die Ereignisse rund um den Georgien-Krieg im Sommer 2008 unter Beweis gestellt.

Azra Dzajic-Weber, Referentin Südosteuropa/Osteuropa/Kaukasus
Bastian Hermisson, Referent EU/Nordamerika


Ethnonationalismus und State Building
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Dezember 2008
Seiten 64
ISBN 978-3-927760-93-6
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