Schriften des Gunda-Werner-Instituts, Band 8

Die antifeministische Männerrechtsbewegung

16. Juni 2012

Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung

2. Auflage
Eine Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung von Hinrich Rosenbrock

im Auftrag von
Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen
Stiftung Leben & Umwelt – Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen
Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz
Heinrich-Böll-Stiftung Saarland
Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung.

 


Die antifeministische Männerrechtsbewegung
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Juni 2012
Seiten 176
ISBN 978-3-86928-073-8
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Vorwort

Geschlechterverhältnisse verändern sich. Dies lässt bei relevanten Gruppen von Männern Unsicherheiten entstehen. Im Diskurs um neue Rollenbilder sind in den letzten Jahren aber Gruppen aufgefallen, die radikal antiemanzipatorisch argumentieren. Antifeministische Männer und Frauen melden sich lautstark in der Öffentlichkeit, besonders im Internet. Sie beklagen, vor allem Männer seien heute benachteiligt. Jeder Gleichstellungspolitik, dem Feminismus sowieso und auch emanzipationsorientierten Männern wird die politische Gegnerschaft erklärt. Wir wollten die Argumentation dieser Gruppen ergründen und haben uns deshalb auf die Spurensuche begeben.

Die Antifeministen unterscheiden sich in Ideologie und Wortwahl durchaus. Eine ihrer Strömungen vertritt eine Mischung von (Rechts-)Populismus, aus Nationalismus und Frauenfeindlichkeit, mit homophoben und rassistischen Einstellungen versetzt. Es gibt Berührungspunkte zum Rechtsextremismus. Propagiert wird ein Kreuzzug und ein Aufstand gegen den Feminismus, und damit wird an eine kriegerische Männlichkeit appelliert. Auch vom norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik distanziert sich diese Gruppe kaum.

Eine weitere Strömung verteufelt alles, was des Staates ist; Gleichstellungspolitik wird grundsätzlich als staatliche Bevormundung abgelehnt. Jenseits der durch die Verfassung garantierten Grundrechte sinniert ein kleiner extremer Flügel über die Abschaffung des Frauenwahlrechts oder die Wiedereinführung eines Familienoberhaupts. Alle Strömungen wenden sich mehrheitlich gegen die als Staatsaufgabe im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung und kooperieren trotz ihrer Unterschiede. Sie informieren und vernetzen sich wechselseitig und beteiligen sich an gemeinsamen Aktionen.

Antifeministischer Propagandafeldzug

Antifeminismus in Form von Hasspropaganda («hate speech») dient als gemeinsame Klammer. Ohne nähere Kenntnis von Feminismus sprechen Antifeminist/ innen stereotyp von Männerhass, Frauenherrschaft und vom Niedergang des Volkes. Den Kampfbegriff «Lila Pudel» setzen sie gegen Männer ein, die an Gleichheit und feministischen Perspektiven interessiert sind. Die Hasspropaganda zielt auf Einzelpersonen, deren Entwürdigung und deren Erniedrigung ab. Sie werden beleidigt, an einen virtuellen Pranger gestellt, gegenüber ihren Arbeitgeber/innen diffamiert, und ihnen wird des Öfteren sogar mit Vergewaltigung oder Mord gedroht.

Für Antifeminist/innen sind alle Männer heute Opfer. Sie werden benachteiligt und untergebuttert. Sie sind es eigentlich, die heute Gleichstellung brauchen. Das markiert einen Bruch zum früheren Antifeminismus, der «nur» von der natürlichen Vorherrschaft der Männer ausging. Die nun eingeforderte Gleich- heit ist allerdings nur partikular: Männliche (Vor-)Rechte sollen gegenüber den Frauen verteidigt bzw. durchgesetzt werden. Männerrechte als Menschenrechte stehen dabei nicht im Fokus.

Diese Kategorisierung der Männer als Opfer ist empirisch nicht haltbar. In jeder Gesellschaft mit Ungleichheit sind zwar auch Männer benachteiligt und von Unterdrückung und Geschlechterstereotypen betroffen. Fakten widerlegen aber gängige antifeministische Propaganda, wie z.B. die von den 400 Scheidungswaisen täglich oder die infame Behauptung, dass Vergewaltigungsklagen mehrheitlich auf falschen Beschuldigungen basierten. Die Antifeminist/innen könnten eigentlich viel vom Feminismus lernen, der sich erfolgreich gegen die Stereotypisierung von Frauen als Opfer zur Wehr gesetzt hat.

Gefahr eines "Backlash"

Zum Glück hat die antifeministische Männerrechtsszene bislang wenig erreicht. Ihre öffentlichen Veranstaltungen stoßen auf wenig Interesse. Aber das muss nicht so bleiben. Gemessen an dem Medienecho war z.B. der Protest gegen die Abberufung der Goslarer Gleichstellungsbeauftragten Monika Ebeling, die sich stark für Männerthemen engagiert hatte, relativ erfolgreich. Der Wunsch nach Gleichstellung für die allseits benachteiligten Männer wurde in den Medien betont, aber über Ebelings Mitarbeit in einem führenden antifeministischen Netzwerk hinweggegangen. Es gelingt den Antifeminist/innen immer wieder, in Geschlechterdebatten im Internet, z.B. in Online-Foren von Tageszeitungen, zu intervenieren, zu polarisieren und ernsthafte und konstruktive Debatten zu behindern. Die Folge ist bislang, dass viele an echter Diskussion Interessierte diese Foren angesichts des frauenfeindlichen und aggressiven Tons wieder verlassen. Für die Antifeminist/ innen entpuppt sich diese Form der Intervention damit als ziemlich erfolgreich, denn sie zerstören und monopolisieren wichtige und sinnvolle Debatten.

In unserer vorliegenden Expertise wird deutlich, dass die antifeministische Männerrechtsbewegung eine kleine lautstarke Minderheit ist, mit der eine konstruktive Debatte nicht möglich ist. Es handelt sich laut neueren Untersuchungen zu den verschiedenen Einstellungen von Männern um den frustrierten Teil der «teiltraditionellen» Männer und einen Teil der kleinen Gruppe der «Lifestyle Machos»1. Die Mehrheit der Männer ist verunsichert zwischen alten und neuen Geschlechterrollenbildern und Lebensmodellen, sie sucht nach neuen Balancen oder will mehr Gleichheit in Beruf und Familie sowie mehr Nähe zu ihren Kindern. Allerdings besteht insbesondere in ökonomischen und sozialen Krisenzeiten die Gefahr, dass diese Männer und z.T. auch Frauen – bestärkt auch von manchen Leitmedien – auf traditionelle Geschlechterbilder und -ordnungen zurückgreifen und diese wieder zum Mainstream werden.

Dass dies nicht unwahrscheinlich ist, zeigt auch die jüngst veröffentlichte Langzeitstudie «Deutsche Zustände» des Soziologen Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld. Der zufolge haben rechtspopulistische Haltungen im vergangenen Jahr wieder zugenommen – nicht nur bei radikalen Minderheiten, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Ein Grund sei eine wachsende Verunsicherung. Hier ist Aufklärung und Information unabdingbar, damit auch die antifeministische Männerrechtsbewegung nicht mehr wird, als was sie ist: eine kleine Minderheit. Diese Expertise soll dazu beitragen.

Vorwort zur 2. Auflage

Die Reaktionen auf die Veröffentlichung dieser Expertise zu Beginn des Jahres haben alle unsere Erwartungen übertroffen. Innerhalb von vier Wochen war die Auflage vergriffen. Zahlreiche Beiträge in Tageszeitungen und Fachzeitschriften, im Hörfunk und im Internet haben sich mit dem Phänomen der sogenannten "antifeministischen Männerrechtsbewegung" kritisch auseinandergesetzt. Im Zentrum der Veröffentlichungen standen vor allem die Überschneidungen zu Extremen und Neuen Rechten. Die Zeitschrift Emma recherchierte Schlüsselfiguren der antifeministischen Männerrechtsbewegung in den Medien, die die Ideologien und Strategien dieser Bewegung unterstützen und damit wirkungsvoll in der Öffentlichkeit verbreiten.

Solche Ergänzungen und Vertiefungen der Expertise freuen uns und halten wir auch für nachahmenswert. Außerdem sind zahlreiche E-Mails und Kommentare bei uns eingegangen. Die Ermutigungen und Glückwünsche haben uns sehr gefreut und sind uns Ansporn, in diesem Thema am Ball zu bleiben. Dies umso mehr, weil uns auch die Männerrechtler-Szene mit E-Mails überhäuft hat – von nicht ernstzunehmenden Dialogangeboten über Schmähungen bis hin zu Hassparolen. Auf einschlägigen Internetblogs wurde dem Autor mit Mord gedroht. Aussagen zur Studie waren auch Gegenstand von Unterlassungsbegehren. In einem Fall wurde eine einstweilige Verfügung gegen den Autor und die Stiftung beantragt. Die einstweilige Verfügung wurde auf unseren Widerspruch hin durch das Landgericht Berlin abgewiesen. Das Verfahren ist nicht abgeschlossen.

Zahlreiche Delegitimierungsversuche

Auch die Versuche, die Expertise als unwissenschaftlich zu diskreditieren, liefen auf pauschale Abwertungen ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Kernaussagen der Studie hinaus. Ein Autor unterstellte ihr beispielsweise das Fehlen jeglicher Methode und schlussfolgerte, dass es sich um eine religiöse Schrift oder eine Ode an den Feminismus handele. Wie sich alle Leserinnen und Leser überzeugen können, werden unter anderem auf S. 135 ff. die angewandten Untersuchungsmethoden zur Erforschung von Internetdiskursen dargestellt und reflektiert. Folgende Versionen zeigten eine vollständigere Lektüre, aber keine zusammenhängende Kenntnisnahme der Argumentation und Ergebnisse. Pauschale Abwertungen im Internet wurden nicht nur Hinrich Rosenbrock, sondern auch einem Rezensenten zuteil.

Dieses passionierte Abwehrverhalten spricht für sich selbst. Doch eignet es sich, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzuschüchtern und die antifeministische Gemeinschaft auf die vermeintliche «Unwissenschaftlichkeit» einzuschwören. Daher sei noch einmal festgestellt: Es ist völlig legitim, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer gesellschaftspolitischen Richtung auf Grundlage ihrer Quellen und grauen Materialien zu führen. Es bedarf keineswegs Interviews mit ihren Sprechern – insbesondere wenn es um eine Analyse des (semi-) öffentlichen Auftretens geht – oder gar der Übernahme von deren Meinungen. Die Lektüre der Studie zeigt, dass diese Quellen durchaus aussagekräftig sind und die Interpretationen darauf gestützt wurden. Trotzdem griffen antifeministische Kreise zu Mitteln der Einschüchterung und Bedrohung wie Protestbriefe wegen Mittelverschwendung an den Rektor der Universität (mit Durchschrift an den Rechnungshof), das Anmailen von Kolleginnen und Kollegen und Anrufe am Arbeitsplatz. Die Fakultät und die Kolleginnen und Kollegen erklärten ihre Unterstützung für den Verfasser der Expertise und die inhaltliche Betreuerin.

Es ist an der Zeit, solchen Einschüchterungen und einer möglichen Bedrohung der Forschungsfreiheit entgegenzutreten und solche Reaktionen auch zum Thema einer öffentlichen Debatte zu machen. Diese Expertise und auch die Studie von Thomas Gesterkamp Geschlechterkampf von rechts? zeigen inzwischen Wirkung. Die antifeministische Männerrechtsbewegung ist zwar weiterhin vernetzt, aber in rechte und neoliberale Gruppen gespalten. Sie tritt gegenwärtig vorsichtiger und weniger konzentriert auf. Aber es lohnt das genaue Hinsehen.

Diese 2. Auflage enthält einige kleine Änderungen und wurde um ein Personenregister ergänzt. Wir freuen uns über Rückmeldungen und werden weiter daran arbeiten, dass die Positionen der antifeministischen Männerrechtsbewegung nicht mehrheitsfähig werden.

Berlin, im Juni 2012

Barbara Unmüßig                                        
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung 

Henning von Bargen
Leitung Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung

Renate Steinhoff   
Stiftung Leben & Umwelt - Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen        

Linda Michalek
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Wolfgang Faller 
Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz  

Erich Späther
Heinrich-Böll-Stiftung Saarland

Kathrin Bastet
Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

 

Interview

Männerrechtsbewegung: "Vernichtungsbewegung gegen den Feminismus"

Die antifeministische Männerrechtsbewegung stilisiert Männer zu Opfern eines angeblich übermächtigen Feminismus. Welche Denkweisen und Organisationsformen prägen die Bewegung? Wie sollte man Ihnen begegnen? Ein Interview mit dem Soziologen Hinrich Rosenbrock »
 Hinrich Rosenbrock

Der Autor

Hinrich Rosenbrock

Hinrich Rosenbrock, Jahrgang 1985, studierte von 2005 bis 2008 Soziologie und Geschichte (B.A.) und von 2008 bis 2011 Gender Studies, Sozialpsychologie und Sozialanthropologie (M.A.) an der Ruhr-Universität Bochum. Von 2009 bis 2011 arbeitete er am Lehrstuhl von Prof. Dr. Ilse Lenz, Soziologie: soziale Ungleichheit und Geschlecht. Seine Studien- und Forschungsschwerpunkte sind soziale Bewegungen, Intersektionalitätsansätze, Migrationssoziologie und Sozialstrukturforschung. Neben seinem Studium arbeitete er 3 Jahre als Freier Mitarbeiter bei der Westfälischen Rundschau.

Reaktionen (16)

1_ Klaas
31. Januar 2012, 17:09 Uhr

Hallo,

Ich habe Deine Studie gelesen und mich gefragt, was sie aussagen soll.

- An keinem Punkt hinterfrags Du, ob Kritik am Feminismus auch richtig sein könnte, Feminismus ist gut, Kritik ist falsch.
- Du stellst Kritiker des Feminismus als eine Art Verschwörung da, die Das Gute bekämfen will.
- Der Begriff Antifeminist ist so ähnlich wie Asylant, Migrant, Komununist, ... er dient sehr gut, zum pauschalen verurteilen von Menschen, ohne sich mit Details zu beschäftigen.
- Nur weil einige Nazis oder Anders Behring sich negative über Feminismus geäusert haben, sind nicht alle Kritiker gleich Sympathisanten
- Nur weil Blogbetreiber nicht alle Kommentare zensieren, stimmen Sie nicht unbeding damit überein.
- Dein Verständniss von Hate Speech passt zu hatr, dort steht auch überwiegent sachliche Kommentare
- Du beschwerst Dich, das andere Ihre Quellen schlecht zitieren, bei den Quellen die Du zitierst pickst Du aber selber nur die Rosienen raus (z.B. LKA Bayern Vergewaltigung, Gender Pay Gap)
- Deine detailierte Recherche über die einzelnen Personen sehen so aus als würdes Du für den Geheimdiens die NPD überwachen. Da hat man keine Lust mehr, sich mit richtigem Namen im Netz zu bewegen.

Im groben und ganzen sieht Dein Bericht aus, als war Dein Urteil schon vorher gefällt und Du hast nur nocht nach Belegen gesucht.
Oder wolltest Du Angst erzeugen, wenn man sich kritisch zum Feminismus äussert, dass man gleich ein Nazi ist und sofort unter strenger Beobachtung steht?

Dein Bericht ermuntert nicht zum Dialog zwischen Feministen und Kritikern sondern sorgt eher für verhärtete Fronten.

Gruß

2_ ah
2. Februar 2012, 12:45 Uhr

FYI
3_ Daniel
6. Februar 2012, 16:29 Uhr

Ich möchte mich bei Herrn Rosenbrock und der Heinrich-Böll-Stiftung für diese mutige Studie bedanken. Sie zeigt deutlich auf, dass es unter den so genannten Männerrechtlern einige gibt, denen es nicht um Gleichberechtigung, sondern um das Bekämpfen von Geschlechtergerechtigkiet geht.
4_ LateKnight
7. Februar 2012, 09:09 Uhr

Ich zitiere:
„Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!“
– Alice Schwarzer: Emma 1995 zur Tat der US-Amerikanerin Lorena Bobbitt, die ihrem schlafenden Mann John den Penis abgetrennt hatte, nachdem dieser sie angeblich betrogen, zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen und vergewaltigt hatte. Obwohl Lorena Bobbitt einer Verurteilung nur wegen der Annahme geistiger Unzurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt durch die Geschworenen entging, und obwohl ihr Mann später vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde.

Soviel zu Hate-Speech.

5_ Klaus
7. Februar 2012, 17:23 Uhr

Seit dem deutschen institutionalisierten Gender-Feminat bewusst geworden ist, dass es die Definitionshoheit zum Thema Geschlech-terfreiheit und Geschlechterdemokratie zu verlieren droht - ja sie offenbar bereits verloren hat - setzt es zunehmend auf Sudel-Ideologen im Stile eines Thomas Gesterkamp oder Hinrich Rosenbrock, um die Köpfe und treibenden Akteure der feminismuskritischen Männerrechtsbewegung mit dem Stigma angeblicher Rechtslastigkeit zu beschmutzen, ja sie sogar in die Nähe des norwegischen Wahnsinns-attentäters Anders Breivik zu rücken. Nichts zeigt deutlicher, dass dem Feminat in der argumentativen Auseinandersetzung mit seinen Kritikern offenbar die überzeugenden Argumente abhanden gekommen sind. Wenn es nach Mahatma Gandhi geht, dürfte damit die feminismuskritische Männerechtsbewegung kurz vor ihrem Triumph stehen ... !!
6_ Braun
8. Februar 2012, 13:26 Uhr

Hallo,

ich kann mich meinem Vor-Poster nur anschließen: Vielen Dank für die Studie.
Anlass meines Posts ist aber der erste Kommentar von Klaas.

Ich kann ihm insofern zustimmen, als dass es in der Studie nicht um Feminismus und eine kritische Beleuchtung dessen geht. Aber das liegt im Objekt der Untersuchung selbst begründet und der Begriff "Anti-Feminismus" verbaut diese Perspektive, suggeriert er doch, dass der Anti-Feminist etwas vom Feminismus weiß. Dem ist aber nicht so und das ist auch meine Kritik an der Studie. Es handelt sich um eine erzreaktionäre Haltung die eher mit dem Begriff eines "autoritären Charakters" beschrieben werden kann, die sich auf eine reflexionslose Stereotypisierung "des Feminismus" stützt. Anti-Feministen geht es dementsprechend nicht um einen kritischen Dialog mit Feministen und sie können es gar nicht, sondern um deren Negation. Der Begriff Anti-Feminist unterschlägt das irrationale Moment dieser Haltung.

Als allgemeiner Ratschlag: Klaas sollte seinen Begriff von Kritik auf Gemeinsamkeiten mit dem antifeministischen Geschwafel untersuchen. Allein, dass er eine Kritik des Feminismus mit Anti-Feminismus gleichsetzt, zeigt, dass hier eine Arbeit des Begriffs noch aussteht. Insofern kann er diese Studie nicht als Anregung zur Diskussion verstehen, sondern nur als Konfrontation.

Und noch einmal Danke an den Autor und dessen Unterstützer.

7_ MuratA
15. Februar 2012, 03:31 Uhr

Lustig.

Ein Mann der gegen eine Männerechtsbewegung wettert. Das übersteigt meinen Horizont.
Was treibt jemanden dazu, sich dagegen einzusetzen. Sieht er die vielfältigen Benachteiligungen von Jungen und Männern denn nicht.

8_ Gerhard
25. Februar 2012, 07:33 Uhr

"Und sie bewegt sich doch!"
Trotz aller krampfhaften Bemühungen, das femizentrische Weltbild aus dem Mittelalter in das neue Jahrtausend zu retten und die eigenen Privilegien zu bewahren und weiter auszubauen, zeigen solche pseudowissenschaftlichen Meinungsäusserungen nichts anderes, als dass die Zeit des Radikalfeminimus zu Ende geht.
Er ist einfach überflüssig geworden und dient nur noch dazu, seine Berufsideologen am Trog staatlicher Fördergelder zu nähren.
Was soll man auch sonst mit einer "Ausbildung" in Gender Studies anfangen?
Klar dass man damit Angst haben muss, dass einem das Problem um das man sich drehen möchte abhanden kommt.

9_ Ingo Seilanger
26. April 2012, 00:37 Uhr

Breivik und Feminismuskritik im gleichen Atemzug zu nennen ist nicht wissenschaftlich, sondern völlig daneben.
10_ Ingo von Sivers
1. Juli 2012, 17:51 Uhr

Man(n) beachte den Werdegang des Herrn Rosenbrock. Studium der Gender Studies von 2008 bis 2011! Jedem, der sich etwas intensiver mit diesem Thema beschäftigt, sträuben sich sich die Haare! Die Feministische Agenda INKOGNITO.. ;)
11_ Carlos
13. Juli 2012, 09:56 Uhr

Peinlich. Würde mich selbst wenn überhaupt politisch als linksliberal bezeichnen: Wenn eine Heinrich- Böll- Stiftung eine etwas linksideologische Arbeit veröffentlichen würde wäre das tendenziell verständlich, aber diese Arbeit ist für mich eher rechtsideologisch-engstirnig.
12_ Uwe
6. September 2012, 11:09 Uhr

Einfach traurig, wie hier versucht wird mit populistischer Rhetorik feminismuskritische Kräfte in die rechte und radikale Ecke zu stellen.Ein uralter rhetorischer Kunstgriff ,der hoffentlich bei der Leserschaft dieses "Werkes" wie auch der Rezensionen dazu nur ein müdes Lächeln auslöst.

13_ Ulf Dunkel
5. Oktober 2012, 20:46 Uhr

Interessantes Thema! War mir bisher immer nur latent aufgefallen, so wie mir Naivem ja auch bisher Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit usw. in unserem kleinstädtlichen Alltag immer nur latent aufgefallen waren.

Wenn eine Frau ein Bankdarlehn oder einen notariellen Vertrag haben möchte und darauf hinweist, dass alle Vordrucke nur die männliche Form enthalten, kriegt sie allenthalben zu hören, das sei schon in Ordnung, die Frauen seien nicht nur immer mitgemeint, sondern diese feministische Sprachanpassungswelle sei schon wieder vorbei und daher sei das schon in Ordnung.

Das ist latenter Antifeminismus und zudem eine verbale Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes des ach so oft zitierten Grundgesetzes, gegen den die arme Luise F. Pusch seit Jahrzehnten ankämpft (ihr verdanken wir u.a., dass Frauen nicht mehr die Berufsbezeichnung "Kaufmann" in ihren Dokumenten tragen müssen).

Und daher danke ich dem Autor Rosenbrock herzlich, dass er sich dieses Themas angenommen hat. Ich freue mich, dass es mittlerweile möglich ist, Gender-Themen zu studieren - während selbst die in diesem Mailprogramm eingebaute Rechtschreibkorrektur noch aus Gender ständig "Genfer" machen will. So weit sind wir also noch lange nicht.

Die meisten kritisierenden Kommentare auf dieser Seite entbehren leider vor allem eines wichtigen Punktes: sie entbehren der Sachkritik. Polemik ist ja schön und gut, muss aber auch gut gemacht sein. Das könnt ihr wohl doch nicht so gut, was, Jungs? ;-)

14_ Horst
8. November 2012, 16:30 Uhr

Jaja, das Binnen-I ist natürlich super antifeministisch, und um Längen wichtiger als solche Kleinigkeiten wie z.B. das Sorgerecht für Väter, die niedrigere Lebenserwartung von Männern oder der lediglich ausgesetzte Zwangsdienst...
15_ maxvogel
19. November 2012, 00:33 Uhr

Wenn man den Unfug mit dem großen Binnen-I aus ästhetischen und sprachökonomischen Gründen nicht mitmacht, ist man deswegen noch kein Sexist.

Es zeugt überhaupt von einem eher oberflächlichen Verständnis von Sprache, wenn man denkt, dass rein grammatische Phänomene wie das generische Maskulinum patriarchalisches Denken erkennen lassen. Man werfe einen Blick in die Sprachen der Nachbarländer. Die Franzosen kommen beispielsweise ohne diese Folklore aus, und ich glaube nicht, dass mein Vorredner allen Ernstes behaupten würde, die Französinnen wären weniger emanzipiert als die deutschen Frauen.

Wir sind also gut beraten, diese Nebenkriegsschauplätze zu verlassen, und uns stattdesen um wahre Gleichberechtigung zu kümmern. Als Vater dreier Söhne hab ich ehrlich gesagt die Befürchtung, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt, dass heute nicht mehr die Frauen die Benachteiligten sind, sondern eher die Männer. Und es ist ebenfalls deutlich - man lese nur Leitmedien wie Sp.On oder Zeit - dass das sexistische Männerbashing absolut salonfähig ist!

16_ sewa
20. November 2012, 13:03 Uhr

Wow,beim Lesen des Vorworts fühlte ich mich an Scientology oder Zeugen Jehovas erinnert. Das ist pure Polemik. Wenn das Buch in dem Stil geschrieben sein sollte, dann ist der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit mehr als berechtigt.

Ich jedenfalls bin Grüner und sozial und links und für Gleichberechtigung. Ich bin weder neoliberal noch rechtsradikal noch Breivik-Sympathisant. Trotzdem gelange ich zu der Erkenntnis, dass heutzutage Feminismus reaktionär und "Anti-Feminismus" emanzipatorisch-fortschrittlich ist.

Beispiel: Jede Quote, die zulässt, dass bei Einstellungen mehr Frauen berücksichtigt werden müssen, als ihr Anteil an geeigneten Bewerbungen ausmacht ist diskriminierend. Außerdem werden dadurch gesetzlich wieder falsche erzwungenene Geschlechterrollen geschaffen.

Warum wird die Quote in Norwegen, jetzt wo sie erfüllt ist nicht wieder abgeschafft? Wenn der Frauenanteil nach Abschaffung gleich bliebe oder stiege, dann wäre die Quote unnötig, wenn sie danach sänke hätte sie sich als Irrtum erwiesen, weil dann nicht "Männerzirkel", sondern abweichende, zu akzeptierende, weiblicher Berufsvorstellungen Ursache der Unterrepräsentation wären...

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