Schriften des Gunda-Werner-Instituts, Band 8
Die antifeministische Männerrechtsbewegung
20. Januar 2012
Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung
Eine Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung von Hinrich Rosenbrock

im Auftrag von
Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen
Stiftung Leben & Umwelt – Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen
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Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung

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Die antifeministische Männerrechtsbewegung
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Januar 2012
Seiten 176
ISBN 978-3-86928-073-8
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Vorwort
Geschlechterverhältnisse verändern sich. Dies lässt bei relevanten Gruppen von Männern Unsicherheiten entstehen. Im Diskurs um neue Rollenbilder sind in den letzten Jahren aber Gruppen aufgefallen, die radikal antiemanzipatorisch argumentieren. Antifeministische Männer und Frauen melden sich lautstark in der Öffentlichkeit, besonders im Internet. Sie beklagen, vor allem Männer seien  heute benachteiligt. Jeder Gleichstellungspolitik, dem Feminismus sowieso und auch emanzipationsorientierten Männern wird die politische Gegnerschaft  erklärt. Wir wollten die Argumentation dieser Gruppen ergründen und haben  uns deshalb auf die Spurensuche begeben.

Mit „Hate Speech“ gegen feministische Perspektiven
Die Antifeminist_innen unterscheiden sich in Ideologie und Wortwahl durchaus.  Eine ihrer Strömungen vertritt eine Mischung von (Rechts-)Populismus, aus Nationalismus und Frauenfeindlichkeit, mit homophoben und rassistischen  Einstellungen versetzt. Es gibt Berührungspunkte zum Rechtsextremismus.  Propagiert wird ein Kreuzzug und ein Aufstand gegen den Feminismus, und  damit wird an eine kriegerische Männlichkeit appelliert. Auch vom norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik distanziert sich diese Gruppe kaum.

Eine weitere Strömung verteufelt alles, was des Staates ist; Gleichstellungspolitik wird grundsätzlich als staatliche Bevormundung abgelehnt. Jenseits der durch die Verfassung garantierten Grundrechte sinniert ein kleiner extremer Flügel über die Abschaffung des Frauenwahlrechts oder die Wiedereinführung eines Familienoberhaupts. Alle Strömungen wenden sich mehrheitlich gegen die als Staatsaufgabe im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung und kooperieren trotz ihrer Unterschiede. Sie informieren und vernetzen sich wechselseitig und beteiligen sich an gemeinsamen Aktionen. Antifeminismus in Form von Hasspropaganda («hate speech») dient als gemeinsame Klammer. Ohne nähere Kenntnis von Feminismus sprechen Antifeminist_innen stereotyp von Männerhass, Frauenherrschaft und vom Niedergang des Volkes. Den Kampfbegriff «Lila Pudel» setzen sie gegen Männer ein, die an  Gleichheit und feministischen Perspektiven interessiert sind. Die Hasspropaganda zielt auf Einzelpersonen, deren Entwürdigung und deren Erniedrigung ab. Sie werden beleidigt, an einen virtuellen Pranger gestellt, gegenüber ihren Arbeitgeber_innen diffamiert, und ihnen wird des Öfteren sogar mit Vergewaltigung oder Mord gedroht.

Männer als Opfer
Für Antifeminist_innen sind alle Männer heute Opfer. Sie werden benachteiligt und untergebuttert. Sie sind es eigentlich, die heute Gleichstellung brauchen.
Das markiert einen Bruch zum früheren Antifeminismus, der «nur» von der natürlichen Vorherrschaft der Männer ausging. Die nun eingeforderte Gleichheit ist allerdings nur partikular: Männliche (Vor-)Rechte sollen gegenüber den Frauen verteidigt bzw. durchgesetzt werden. Männerrechte als Menschenrechte stehen dabei nicht im Fokus.

Diese Kategorisierung der Männer als Opfer ist empirisch nicht haltbar. In jeder Gesellschaft mit Ungleichheit sind zwar auch Männer benachteiligt und von Unterdrückung und Geschlechterstereotypen betroffen. Fakten widerlegen aber gängige antifeministische Propaganda, wie z.B. die von den 400 Scheidungswaisen täglich oder die infame Behauptung, dass Vergewaltigungsklagen mehrheitlich auf falschen Beschuldigungen basierten. Die Antifeminist_innen könnten eigentlich viel vom Feminismus lernen, der sich erfolgreich gegen die Stereotypisierung von Frauen als Opfer zur Wehr gesetzt hat.

Polarisieren und konstruktive Debatten verhindern
Zum Glück hat die antifeministische Männerrechtsszene bislang wenig erreicht. Ihre öffentlichen Veranstaltungen stoßen auf wenig Interesse. Aber das muss nicht so bleiben. Gemessen an dem Medienecho war z.B. der Protest gegen die Abberufung der Goslarer Gleichstellungsbeauftragten Monika Ebeling, die sich stark für Männerthemen engagiert hatte, relativ erfolgreich. Der Wunsch nach Gleichstellung für die allseits benachteiligten Männer wurde in den Medien betont, aber über Ebelings Mitarbeit in einem führenden antifeministischen Netzwerk hinweggegangen. Es gelingt den Antifeminist/innen immer wieder, in Geschlechterdebatten im Internet, z.B. in Online-Foren von Tageszeitungen, zu intervenieren, zu polarisieren und ernsthafte und konstruktive Debatten zu behindern. Die Folge ist bislang, dass viele an echter Diskussion Interessierte diese Foren angesichts des frauenfeindlichen und aggressiven Tons wieder verlassen. Für die Antifeminist/innen entpuppt sich diese Form der Intervention damit als ziemlich erfolgreich, denn sie zerstören und monopolisieren wichtige und sinnvolle Debatten.

Mit Aufklärung und Information tradierten Geschlechterstereotypen entgegenwirken
In unserer vorliegenden Expertise wird deutlich, dass die antifeministische Männerrechtsbewegung eine kleine lautstarke Minderheit ist, mit der eine konstruktive Debatte nicht möglich ist. Es handelt sich laut neueren Untersuchungen zu den verschiedenen Einstellungen von Männern um den frustrierten Teil der «teiltraditionellen» Männer und die kleine Gruppe der «Lifestyle Machos» (1) . Die Mehrheit der Männer ist verunsichert zwischen alten und neuen Geschlechterrollenbildern und Lebensmodellen, sie sucht nach neuen Balancen oder will mehr Gleichheit in Beruf und Familie sowie mehr Nähe zu ihren Kindern. Allerdings besteht insbesondere in ökonomischen und sozialen Krisenzeiten die Gefahr, dass diese Männer und z.T. auch Frauen – bestärkt auch von manchen Leitmedien – auf traditionelle Geschlechterbilder und -ordnungen zurückgreifen und diese wieder zum Mainstream werden. Dass dies nicht unwahrscheinlich ist, zeigt auch die jüngst veröffentlichte Langzeitstudie «Deutsche Zustände» des Soziologen Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld. Der zufolge haben rechtspopulistische Haltungen im vergangenen Jahr wieder zugenommen – nicht nur bei radikalen Minderheiten, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Ein Grund sei eine wachsende Verunsicherung. Hier ist Aufklärung und Information unabdingbar, damit auch die antifeministische Männerrechtsbewegung nicht mehr wird, als was sie ist: eine kleine Minderheit. Diese Expertise soll dazu beitragen.

(1) Vgl. Rainer Volz/Paul M. Zulehner: Männer in Bewegung. Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland, Baden-Baden 2010, Forschungsreihe Band 6; Carsten Wippermann/Marc Calmbach/Katja Wippermann: Männer: Rolle vorwärts, Rolle rückwärts? Identitäten und Verhalten von traditionellen, modernen und postmodernen Männern, Opladen 2009.

 

Hinweis:
Frau Ebeling hat nach Veröffentlichung dieser Publikation die Heinrich-Böll-Stiftung darüber unterrichtet, dass sie zum 30. Juni 2011 aus dem Verein agens e.V. ausgetreten ist, und die Abgabe einer Unterlassungserklärung verlangt. Am 30. August 2011 fand sich auf der Homepage des Vereins agens e.V. noch die Eigenerklärung von Frau Ebeling über ihre Vereinsmitgliedschaft. In einem Newsletter vom 15. Dezember 2011 des Vereins agens e.V. hieß es noch: «Zum Fall unseres Mitgliedes Monika Ebeling ...» Der Heinrich-Böll-Stiftung liegt mittlerweile die Bestätigung des Vereins agens e.V. über den Vereinsaustritt von Frau Ebeling zum 30.6.2011 vor. Wir gehen danach davon aus, dass Frau Ebeling den Verein agens e.V. verlassen hat und haben dies in der Studie entsprechend gekennzeichnet.

Berlin, den 2. 2. 2012

Hinrich Rosenbrock                                                                                Heinrich-Böll-Stiftung, e.V.

Interview
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 Hinrich Rosenbrock
Der Autor
Hinrich Rosenbrock
Hinrich Rosenbrock, Jahrgang 1985, studierte von 2005 bis 2008 Soziologie und Geschichte (B.A.) und von 2008 bis 2011 Gender Studies, Sozialpsychologie und Sozialanthropologie (M.A.) an der Ruhr-Universität Bochum. Von 2009 bis 2011 arbeitete er am Lehrstuhl von Prof. Dr. Ilse Lenz, Soziologie: soziale Ungleichheit und Geschlecht. Seine Studien- und Forschungsschwerpunkte sind soziale Bewegungen, Intersektionalitätsansätze, Migrationssoziologie und Sozialstrukturforschung. Neben seinem Studium arbeitete er 3 Jahre als Freier Mitarbeiter bei der Westfälischen Rundschau.
Reaktionen (6)
1_ Klaas
31. Januar 2012, 17:09 Uhr

Hallo,

Ich habe Deine Studie gelesen und mich gefragt, was sie aussagen soll.

- An keinem Punkt hinterfrags Du, ob Kritik am Feminismus auch richtig sein könnte, Feminismus ist gut, Kritik ist falsch.
- Du stellst Kritiker des Feminismus als eine Art Verschwörung da, die Das Gute bekämfen will.
- Der Begriff Antifeminist ist so ähnlich wie Asylant, Migrant, Komununist, ... er dient sehr gut, zum pauschalen verurteilen von Menschen, ohne sich mit Details zu beschäftigen.
- Nur weil einige Nazis oder Anders Behring sich negative über Feminismus geäusert haben, sind nicht alle Kritiker gleich Sympathisanten
- Nur weil Blogbetreiber nicht alle Kommentare zensieren, stimmen Sie nicht unbeding damit überein.
- Dein Verständniss von Hate Speech passt zu hatr, dort steht auch überwiegent sachliche Kommentare
- Du beschwerst Dich, das andere Ihre Quellen schlecht zitieren, bei den Quellen die Du zitierst pickst Du aber selber nur die Rosienen raus (z.B. LKA Bayern Vergewaltigung, Gender Pay Gap)
- Deine detailierte Recherche über die einzelnen Personen sehen so aus als würdes Du für den Geheimdiens die NPD überwachen. Da hat man keine Lust mehr, sich mit richtigem Namen im Netz zu bewegen.

Im groben und ganzen sieht Dein Bericht aus, als war Dein Urteil schon vorher gefällt und Du hast nur nocht nach Belegen gesucht.
Oder wolltest Du Angst erzeugen, wenn man sich kritisch zum Feminismus äussert, dass man gleich ein Nazi ist und sofort unter strenger Beobachtung steht?

Dein Bericht ermuntert nicht zum Dialog zwischen Feministen und Kritikern sondern sorgt eher für verhärtete Fronten.

Gruß

2_ ah
2. Februar 2012, 12:45 Uhr

FYI
3_ Daniel
6. Februar 2012, 16:29 Uhr

Ich möchte mich bei Herrn Rosenbrock und der Heinrich-Böll-Stiftung für diese mutige Studie bedanken. Sie zeigt deutlich auf, dass es unter den so genannten Männerrechtlern einige gibt, denen es nicht um Gleichberechtigung, sondern um das Bekämpfen von Geschlechtergerechtigkiet geht.
4_ LateKnight
7. Februar 2012, 09:09 Uhr

Ich zitiere:
„Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!“
– Alice Schwarzer: Emma 1995 zur Tat der US-Amerikanerin Lorena Bobbitt, die ihrem schlafenden Mann John den Penis abgetrennt hatte, nachdem dieser sie angeblich betrogen, zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen und vergewaltigt hatte. Obwohl Lorena Bobbitt einer Verurteilung nur wegen der Annahme geistiger Unzurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt durch die Geschworenen entging, und obwohl ihr Mann später vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde.

Soviel zu Hate-Speech.

5_ Klaus
7. Februar 2012, 17:23 Uhr

Seit dem deutschen institutionalisierten Gender-Feminat bewusst geworden ist, dass es die Definitionshoheit zum Thema Geschlech-terfreiheit und Geschlechterdemokratie zu verlieren droht - ja sie offenbar bereits verloren hat - setzt es zunehmend auf Sudel-Ideologen im Stile eines Thomas Gesterkamp oder Hinrich Rosenbrock, um die Köpfe und treibenden Akteure der feminismuskritischen Männerrechtsbewegung mit dem Stigma angeblicher Rechtslastigkeit zu beschmutzen, ja sie sogar in die Nähe des norwegischen Wahnsinns-attentäters Anders Breivik zu rücken. Nichts zeigt deutlicher, dass dem Feminat in der argumentativen Auseinandersetzung mit seinen Kritikern offenbar die überzeugenden Argumente abhanden gekommen sind. Wenn es nach Mahatma Gandhi geht, dürfte damit die feminismuskritische Männerechtsbewegung kurz vor ihrem Triumph stehen ... !!
6_ Braun
8. Februar 2012, 13:26 Uhr

Hallo,

ich kann mich meinem Vor-Poster nur anschließen: Vielen Dank für die Studie.
Anlass meines Posts ist aber der erste Kommentar von Klaas.

Ich kann ihm insofern zustimmen, als dass es in der Studie nicht um Feminismus und eine kritische Beleuchtung dessen geht. Aber das liegt im Objekt der Untersuchung selbst begründet und der Begriff "Anti-Feminismus" verbaut diese Perspektive, suggeriert er doch, dass der Anti-Feminist etwas vom Feminismus weiß. Dem ist aber nicht so und das ist auch meine Kritik an der Studie. Es handelt sich um eine erzreaktionäre Haltung die eher mit dem Begriff eines "autoritären Charakters" beschrieben werden kann, die sich auf eine reflexionslose Stereotypisierung "des Feminismus" stützt. Anti-Feministen geht es dementsprechend nicht um einen kritischen Dialog mit Feministen und sie können es gar nicht, sondern um deren Negation. Der Begriff Anti-Feminist unterschlägt das irrationale Moment dieser Haltung.

Als allgemeiner Ratschlag: Klaas sollte seinen Begriff von Kritik auf Gemeinsamkeiten mit dem antifeministischen Geschwafel untersuchen. Allein, dass er eine Kritik des Feminismus mit Anti-Feminismus gleichsetzt, zeigt, dass hier eine Arbeit des Begriffs noch aussteht. Insofern kann er diese Studie nicht als Anregung zur Diskussion verstehen, sondern nur als Konfrontation.

Und noch einmal Danke an den Autor und dessen Unterstützer.

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